Therapeutischer Umgang mit Wut

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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minds
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Therapeutischer Umgang mit Wut

Beitrag So., 01.12.2019, 10:43

Ihr Lieben,
mich wuerde interessieren, wie Euer Therapeut mit Wut umgeht
(z.B. Wut auf die Eltern, die Angehoerigen, Wut auf den Therapeuten).
Ich denke, dass es darum geht, Wut auszudruecken (?). Macht Ihr da Uebungen oder sprecht Ihr nur darueber? Schlagt Ihr irgendwo dagegen in der Sitzung?
Danke

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Anna-Luisa
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Beitrag So., 01.12.2019, 11:02

minds hat geschrieben:
So., 01.12.2019, 10:43
Macht Ihr da Uebungen oder sprecht Ihr nur darueber? Schlagt Ihr irgendwo dagegen in der Sitzung?
Wir würden darüber sprechen. Allerdings käme es mir auch lächerlich vor Übungen zu machen. Oder gar irgendwo gegen zu schlagen.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
(Konfuzius)

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diesoderdas
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Beitrag So., 01.12.2019, 19:44

In der letzten Therapie (mit nicht so verbreiteter Methode und auch nicht von mir weiterempfohlen) war es nicht gewünscht über Wut zu sprechen. Wut sollte gefühlt werden.
Irgendwo drauf hauen wäre auch nicht erwünscht gewesen.

Mit Wut , die wirklich meinem Therapeuten galt, konnte er nicht wirklich gut umgehen . Die Situationen arteten ziemlich aus für mich gefühlt
. Wut sollte sein, aber man sollte erkennen, dass die Wut den Eltern galt. War das nicht so, war es recht schwierig.


Fighter1993
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Beitrag So., 01.12.2019, 19:53

Während der Therapie hab ich - soweit ich mich erinnern kann - nur sehr selten Wut empfunden. Die durfte aber sein, äußerte sich meistens in Weinen und Verzweiflung, weswegen ich sie nicht als Wut erkannt habe, meine Therapeutin sie aber wohl gespürt hat. Wenn ich die Wut dann als solche identifiziert habe, galt sie für gewöhnlich dem Umstand, dass das was damals passiert ist, passieren konnte und im zweiten Schritt gegen mich selbst, weil ich als Kind schon dafür gesorgt habe, keine Auffälligkeiten an den Tag zu legen und mir damit selbst Hilfe verwehrt habe.
Weiß jetzt nur nicht, ob es für deine Fragestellung viel bringt.

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stern
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Beitrag So., 01.12.2019, 20:07

Wie mit allen anderen Gefühlen auch. Übungen sowie Schlagen (Agieren) sind hingegen unerwünscht. :-D
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diesoderdas
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Beitrag So., 01.12.2019, 20:16

Ist schlagen auf einen Sack aber nicht in manchen Therapien sogar üblich?
Erlebt habe ich es nicht, aber schon manchmal in Berichten von anderen gehört?

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stern
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Beitrag So., 01.12.2019, 20:23

Nun, es war nach der eigenen Therapie gefragt... in anderen Therapien kann durchaus auch anders gearbeitet werden.

Allerdings würde ich auch dann nicht behaupten, dass Einschlagen auf etwas unbedingt sinnvoll ist... das sehen auch manche Therapeuten so. Insofern weiß ich nicht ob es üblich ist... aber möglich wäre es anderswo durchaus.
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diesoderdas
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Beitrag So., 01.12.2019, 20:29

stern hat geschrieben:
So., 01.12.2019, 20:23

Allerdings würde ich auch dann nicht behaupten, dass Einschlagen auf etwas unbedingt sinnvoll ist... das sehen auch manche Therapeuten so. Insofern weiß ich nicht ob es üblich ist... aber möglich wäre es anderswo durchaus.
Ich habe nur manchmal für mich allein geschlagen. Da hatte ich schon das Gefühl, dass ich da Wut irgendwie tiefer gespürt habe. Heftiger.
"Böser". Aber gebracht hat mir das auch nicht so wirklich etwas. Hm.

Bin gespannt, was noch für Erfahrungswerte hier kommen.

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alatan
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Beitrag So., 01.12.2019, 20:46

Natürlich bringt es nicht, die Wut zu spüren, wenn man dabei stehen bleibt. Wobei es vielen ja wirklich schwerfällt, sie überhaupt körperlich wahrzunehmen und sie nicht durch Weinen o. ä. zu blocken.

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diesoderdas
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Beitrag So., 01.12.2019, 21:07

alatan hat geschrieben:
So., 01.12.2019, 20:46
Natürlich bringt es nicht, die Wut zu spüren, wenn man dabei stehen bleibt. Wobei es vielen ja wirklich schwerfällt, sie überhaupt körperlich wahrzunehmen und sie nicht durch Weinen o. ä. zu blocken.
Und wie soll das aussehen, wenn man nicht "da stehen bleibt"?
Schätzungsweise sollen dann Schuldgefühle kommen, verzeihen, Reue. Oder?

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Hamna
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 00:14

Wut, so habe ich den Eindruck, ist überhaupt eine nicht so gern gesehene Emotion. In meiner stationären Therapie wurde man indirekt für Wut "bestraft", durch Ignoranz z. B., während Trauer in Form von Weinen ja durchaus ausgedrückt und ausagiert werden darf, gerne sogar, während Wut schön im Zaum zu halten sei. Ich bin mal stationär vor Wut in eine Glastür gerannt. Kam nicht gut an. Die weinenden Patientinnen waren beim Therapeuten alle beliebter als ich. ;-)
Begegne dem, was auf dich zukommt, nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung!
..............................................
Erinnere dich an die Zeit, als du dir das gewünscht hast, was du jetzt besitzt!

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alatan
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 06:27

diesoderdas hat geschrieben:
So., 01.12.2019, 21:07
Schätzungsweise sollen dann Schuldgefühle kommen, verzeihen, Reue. Oder?
Und liebevolle Gefühle und Versöhnung mit den Introjekten.
Die "sollen" nicht kommen, sondern fließen von allein, wenn es eine gute therapeutische Allianz gibt und der Patient es schafft, seine destruktiven Widerstände, mit denen er sich selbst schadet, zu überwinden.


montagne
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 07:02

Nicht Wut ist ungern gesehen, sondern das Ausagieren derselben. Zu Recht, wie ich finde:

Prügelnde EheparterInnen, Väter, Mütter, brüllende Chefs braucht niemand und sind der Grund, warum viele Opfer erst zur Therapie müssen. Gegen Glastüren laufende Patienten braucht auch niemand. Braucht man das selbst?

Es geht doch darum Gefühle konstruktiv und zielgerichtet umzusetzen, statt sie auszuagieren. Wut treibt einen an, einen Missstand beseitigen zu wollen, etwas für sich oder andere zu verbessern. Das geht ja nur mit zielgerichtetem Handeln. Wut gibt Kraft.
Wut sollte aber schon auch eingehegt werden.

Ich habe mal gelesen, dass in der Therapie auf Kissen einschlagen sich als nicht hilfreich erwiesen hat. 1. löst es das Problem nicht, 2. steigert dieses Draufschlagen die Wut und taugt daher nicht mal zur Abfuhr.
amor fati

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stern
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 09:01

...und der Patient es schafft, seine destruktiven Widerstände, mit denen er sich selbst schadet, zu überwinden.
Wut als destruktiver Widerstand? Das ist wieder diese fragwürdige IS-TDP-Sicht?

Abwehr: Sicherlich meist nicht (vgl. Funktionen von Wut). Und Destruktivität: Kommt eher darauf an, was man daraus bzw. damit (mit seinen Gefühlen) macht (und nicht auf das Gefühl an sich), siehe auch montagne.

Manche Therapien setzen voraus, dass beherrscht wird, nicht zu agieren (und Gefühle benannt werden können).
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alatan
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Beitrag Mo., 02.12.2019, 10:26

stern hat geschrieben:
Mo., 02.12.2019, 09:01

Wut als destruktiver Widerstand? Das ist wieder diese fragwürdige IS-TDP-Sicht?
Nein. Wut ist kein destruktiver Widerstand, im Gegenteil. Sich gegen Wut und die dahinterstehenden Gefühle zu "wehren", ist Widerstand, der unweigerlich dazu führt, diese Gefühle destruktiv gegen sich selbst (psychische Symptome) bzw. gegen andere (Beziehungsstörungen) zu richten und in dieser Gefangenschaft zu bleiben.