Stille Panikattacke / Anpassungsstörung > 2 Jahre

Hier können Sie Fragen zu Begriffen, Diagnosen und sonstigen Fachworten stellen, die einem gelegentlich im Zusammenhang mit Psychologie und Psychotherapie begegnen oder die Bedeutung von Begriffen diskutieren.
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maki
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Stille Panikattacke / Anpassungsstörung > 2 Jahre

Beitrag Sa., 15.02.2020, 20:06

Hi,

melde mich nach langer Zeit mal wieder und habe nur 2 Fragen, die mich aber beschäftigen.

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1. Stille Panikattacke?

Ich leide unter Panikattacken. Aber nicht so, wie sie überall beschrieben wird, sondern im Stillen. Ich bekomme Schluckbeschwerden, Atemnot, hyperventiliere (aber leise, kein Keuchen oder so), mein Herz rast meine Haut brennt und ich bin vor Panik und Angst wie gelähmt. Kann mich nicht bewegen, selbst, wenn ich in einer unangenehmen Position stehe, liege, sitze, mir kalt oder heiß ist oder ich schwitze und ich kann kaum reden oder auf Fragen antworten. Und wenn ich dann doch was rausbringe, dann ist es ein geflüstertes oder ein geschrienes, lass mich in Ruhe, ich habe eine Panikattacke.

Ich beschreibe den Zustand meist wie den eines vor Angst gelähmten Tieres. Muss mich dann verkriechen und mir die Decke über den Kopf ziehen, versuche erst die normalen Atem- und Aufmerksamkeitsübungen und wenn die nicht helfen, nehme ich eine halbe Tablette oder ich "sitze, liege" es einfach aus, mache Musik oder TV an.

Frage: zählt man das wirklich auch zur Panikattacke oder gibt es dafür einen anderen Begriff? Denn in den Beschreibungen soll es ja eher so wirken, als würde eine Person gerade einen Herzinfarkt erleiden oder sie schreit panisch herum und will weglaufen. Ich hingegen versteinere und bringe keinen Ton raus.

_________________________

2. Thema, Anpassungsstörung-

Ich habe meinen über alles geliebten Job gekündigt. Der erste Job, in dem ich glücklich war, wertgeschätzt wurde, gerne hinging, Karriere gemacht habe, Verantwortung bekommen habe. Aber durch eine Kollegin mit großem Geltungsdrang wurde ich so erdrückt und gemobbt, dass ich es schließlich nicht mehr aushielt und kündigte.
Seitdem auch die Depression und Panikattacken, die mich schließlich zum Psychiater, zur medikamentösen Therapie und Psychotherapie geführt haben. Als Jugendliche wurde ich quasi ins Berufsleben geschlagen, getreten, geprügelt, an den Haaren gerissen, mir wurde mit Rauswurf gedroht und so kam es, dass ich einen Beruf erlernte, den ich hasste, nur um nicht mehr geschlagen zu werden. Nach der Ausbildung suchte ich mir was anderes in einem Bereich, den ich nicht gelernt habe. Arbeitete ein Jahr unentgeltlich, um ein schönes Dienstzeugnis zu bekommen, welches mir dann Tür und Tor in diesem Beruf geöffnet hat, selbst ohne Ausbildung.
Und dann eben dieser Job, dieser über alles geliebte Job... und das Ende...
Ich fühlte mich wie ein Embryo, der aus dem sicheren Mutterleib gerissen wurde.
Diagnose: Anpassungsstörung.

Dem stimme ich auch voll und ganz zu. Was ich aber nicht verstehe... laut Definition dauert eine Anpassungsstörung aber höchstens 2 Jahre. Bei mir dauert dieser Zustand aber schon 7 Jahre. Nennt man das dann überhaupt immer noch Anpassungsstörung? Ich habe immer noch Alpträume von der Arbeit, träume, wie ich gemobbt wurde, kündige, wieder dort anfange, versage, muss immer noch heulen, wenn ich die Homepage meiner Ex-Firma sehe und auch Projekte von mir immer noch dort hochgeladen sind. Schau mir dann Fotos an. Und dann kommt wieder die ganze Trauer hoch, die Panik, nie wieder so ein Glück in einer Arbeit zu empfinden, nie wieder (so eine schöne) Arbeit zu finden. Hatte dazwischen schon mehrere Stellen, wurde aber immer unglücklicher.

Ist das dann überhaupt noch eine Anpassungsstörung oder einfach nur eine mittelschwere Depression (2 Hauptsymptome und 4 Zusatzsymptome bei mir) oder eine längere depressive Reaktion?

Ich habe eh vor, im Aprill meine Psychiaterin danach zu fragen, aber da ist die Zeit immer so knapp bemessen und da es so viel anderes zu klären gibt, vergesse ich immer drauf. Aber in meinen Befund schreibt sie u.a. immer wieder Anpassungsstörung.

Würde mich freuen, wenn mir da jemand weiterhelfen möchte. Vielen Dank!

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candle.
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Beitrag Sa., 15.02.2020, 21:11

Hallo Maki!
maki hat geschrieben: Sa., 15.02.2020, 20:06 1. Stille Panikattacke?
Also diesen Begriff habe ich noch nie gehört. Wo kommt der her?

Ich kenne Panikattacken ganz gut und bin dabei auch nicht laut. Wer mich nicht gut kennt, wird das auch nicht bemerken. Und nein, ich habe auch nie das Gefühl einen Herzinfarkt zu bekommen. Im Grunde kann sich das auch in unterschiedlichen Bildern zeigen.

Lieben Gruß!
candle
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maki
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Beitrag Sa., 15.02.2020, 21:40

Das Wort habe ich mir selbst ausgedacht, weil eben die Panikattacken immer so "laut" beschrieben werden, so dass jeder, der daneben steht, das mitbekommt.
Und bei mir ist es eher still. Ich liege zb. da, auf einmal merke ich, dass ich wie gelähmt werde, erstarre, dann rast das Herz, die Luft bleibt mir weg, ich könnt heulen, weglaufen, mir wird schlecht, nur dass man nach außen nichts davon merkt, ich liege dann da wie ein Stein oder sitze am Tisch.
Habe daher heute auch auf Wikipedia unter Depression gelesen und da stand ein kurzer Satz in der Auflistung der zusätzlichen somatischen Syndrome bei Depressionen:

psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit: Die Hemmung von Bewegung und Initiative geht häufig mit innerer Unruhe einher, die körperlich als ein Leidgefühl wahrgenommen wird und sehr quälend sein kann (stumme Exzitation, lautlose Panik).[16]
https://de.wikipedia.org/wiki/Depression

Lg.

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Beitrag Sa., 15.02.2020, 21:46

maki hat geschrieben: Sa., 15.02.2020, 20:06 Frage: zählt man das wirklich auch zur Panikattacke oder gibt es dafür einen anderen Begriff? Denn in den Beschreibungen soll es ja eher so wirken, als würde eine Person gerade einen Herzinfarkt erleiden oder sie schreit panisch herum und will weglaufen. Ich hingegen versteinere und bringe keinen Ton raus.
Hab noch nie nen Menschen mit ner Panikattacke gehört der schreit und weglaufen will.

Als ich meine ersten Panikattacken hatte u nicht wusste was das ist. Dachte ich, ich sterbe. Dann hab ich Leuten Bescheid gesagt, dass es mir nicht gut geht, dass irgendwas nicht stimmt und dann haben die mich in die Notaufnahme von ner Klinik gefahren. Ich hab halt gezittert usw. wie das halt is wenn man gerade Todesangst hat. Lol. Aber hab dem Arzt dann meine Symptome erklärt.

Wenn ich jetzt - Jahre nach dieser Zeit - Panikattacken habe, bekommt das niemand mehr mir. Ich arbeite dann oft sogar mit der Panikattacke und der Todesangst ganz normal weiter. Führe sogar Gespräch. Wirke dann höchstens etwas unkonzentriert, weil man mit Panik sich halt nich so gut konzentrieren kann.
In der Bahn sitze ich z. B. auch ganz still.
Früher als ich noch nich so gut damit umgehen konnte. Bin ich dann höchstens ausgestiegen aus der Straßenbahn u in die Nähe eines Krankenhaus gegangen. Weil mir das Sicherheit gegeben hat. Bin aber auch gegangen u nicht schreiens gerannt.

Und ja, ich hatte das Gefühl nene Herzinfarkt, Schlaganfall, Embolie etc zu bekommen oder zu ersticken. Was immer wieder was neues.


Ansonsten: Diagnosen aus Foren würde ich jetzt nicht gerade vertrauen. Such dir nen Psychiater/Psychologen, der Diagnisen stelllt. Das geht nicht mal eben so in einem Forum, wenn du wirklich ne vernünftige Antwort haben möchtest.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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Beitrag Sa., 15.02.2020, 21:59

Danke für deine Antwort.
Keine Angst, ich will keine Ferndiagnosen, ich bin schon seit Jahren beim Psychiater und Psychotherapeuten :) (wie auch im Beitrag im 2. Absatz steht)
Ich habe beschrieben, was ich dann fühle und wie es mir geht und sie sagte Panikattacken (neben anderen Diagnosen) ich habe mich jetzt nur mal interessiert, ob das andere auch kennen, dass man das bei ihnen auch als Panikattacke bezeichnet, wenn sie gelähmt und still wie ein ängstliches Karnickel sind oder ob das bei wem anders genannt wurde.

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Philosophia
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Beitrag So., 16.02.2020, 10:05

Meine Panikattacken sind auch eher still, in 95% der Fälle bemerkt das niemand. Und ich glaube auch nicht, dass so viele eine Panikattacke laut ausagieren - es sei denn, es geht echt nix mehr.
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer


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Beitrag So., 16.02.2020, 10:39

Seh ich auch so. Weil ich gerade während PAs nicht als total weird und abgedreht aufs Umfeld wirken wollte, lief das immer sehr still ab. Hab dann nur gehört, dass ich etwas farblos im Gesicht wäre.

Ansonsten: Was machst du denn jetzt beruflich Maki? Hast du während der Mobbingphase jemanden mit ins Boot geholt und informiert (zB Chef/Freunde etc) oder das alles mit dir selbst ausgemacht?

Alles Gute
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maki
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Beitrag So., 16.02.2020, 12:07

Beruflich... ich werde im März eine Umschulung machen.

Ob mir wer geholfen hat... da muss ich laut lachen. Alle hielten zu mir, alle lobten mich, alle sagten, was ich für eine wertvolle Mitarbeiterin wäre, man vertröstete mich immer und meinte, dass man neue Mitarbeiter mit dieser Ausbildung, wie meine Kollegin sie hat, schwer finden würde und ich solle doch nur noch paar Monate durchhalten. Es kam sogar zu einem Gespräch mit der Chefin, meiner Kollegin und mir, stellt euch vor, meine verrückte Chefin sagte in meiner Anwesenheit zu meiner Kollegin: Du, wenn sich "maki" noch einmal bei uns beschwert, dass du irgendwas gemacht hast, dann fliegst du raus. Wow, ihr könnt euch vorstellen, wie es sich dann mit der Kollegin noch arbeiten ließ. Ständig sagte sie dann: ah, da ist wieder die Dorfpetze, ah, na willst mich jetzt eh zur Chefin verpetzen gehen, damit ich rausflieg? Oh, jetzt muss ich aber brav arbeiten, sonst geht sie zur Chefin weinen...

Wir tüftelten sogar vor Weihnachten eine Dienstplanänderung aus, damit ich wenigstens ein paar Stunden von dieser Kollegin weggekommen wäre.
Und dann im Urlaub, am 1.1. bekam ich plötzlich eine Mail, du, ich hab mich entschlossen, dein Dienstplan bleibt gleich, komm damit klar. Schönes neues Jahr!

Daraufhin schrieb ich, gut, dann hast du am ersten Arbeitstag meine Kündigung am Tisch. Darauf hin schrieb die Chefin, ob ich mir das wirklich gut überleg hätte, sie bräuchte mich so sehr.
Ich schrieb nur, das habe ich mir mindestens genauso gut überlegt wie du, als du mir das mit dem Dienstplan geschrieben hast. Aus.

Als ich nach dem Urlaub wieder in die Firma kam, waren alle wie versteinert, enttäuscht und empfanden mich als die, die die liebe Chefin im Stich lässt. Keiner sprach sich mehr für mich aus, keiner wollte mehr mit mir reden, alle kehrten mir den Rücken zu und meinten, wir haben unsere eigenen Probleme.
Zum Betriebsrat konnte ich nicht gehen, denn das war die Sekretärin von der Chefin, das hätte keinen Sinn gehabt und den anderen Betriebsräten hätte ich noch weniger vertraut, da die an einem anderen Standort waren und meine Kollegin gar nicht kannten und sich daher kein Urteil bilden konnten.
Ich hole mir immer Hlfe. Ich habe leider auch einen zu sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Meine allererste Lehrfirma, in die ich quasi geprügelt und getreten wurde, die hat mich auch ganz schlecht behandelt, da bin ich dann zur Arbeiterkammer hin und die haben für mich geklagt und viel Geld für mich erstritten und sie durften keine Lehrlinge mehr ausbilden für eine Zeit.

Aber zurück zum Thema, danke für eure Erklärungen mit den Panikattacken, vielleicht findet sich ja noch jemand, der auch weiß, wie man das nennt, wenn eine Anpassungsstörung länger als 2 Jahre dauert.
Ein Freund meinte, vielleicht bin ich ja noch drin, weil der belastende Vorfall für mich quasi ja immer noch vorherrscht. Die Belastung ist die Kündigung und dass ich bis jetzt nichts gefunden habe, wo ich wieder zur Ruhe kommen kann und glücklich sein kann.


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Beitrag So., 16.02.2020, 12:18

das hört sich alles sehr schlimm für dich an. Mast du denn auch Therapie? Ich hab die Erfahrung gemacht, dass eine Definition von den Zuständen die man hat nicht per se Linderung bringt.

Wenn du eine Therapie machst, wäre es eventuell auch sinnvoll das Thema Mobbing zu bearbeiten. Denn wenn es jetzt Thema war und auch in der vorherigen Stelle, dann könnte das eine Grundproblematik sein die du auflösen solltest.

Viele Dinge im Leben sind, mMn da, damit man aus ihnen Lernen kann, etwas mitnimmt und beim nächsten Mal besser/anders macht oder machen könnte. Kannst du der Situation irgendetwas "Gutes" abgewinnen?
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maki
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Beitrag So., 16.02.2020, 14:03

Danke für deine Antwort,
Das ganze war eh schon 2013. Darum wundert es mich, dass die Ärztin die Diagnose Anpassungsstörung beibehält, obwohl die von der Definition angegebenen 2 Jahre schon lange um sind.
Aber die Trauer ist immer noch groß, ich habe bis heute Alpträume bezüglich dieser einen Stelle. Ich beschäftige mich bewusst nicht mehr damit, aber irgendwo ploppt das Thema von selbst wieder auf, indem ich Nachrichtenbeiträge über die Firma sehe oder ehemalige Klient*innen treffe oder Freunde auf einmal mit ehemaligen Kolleg*innen befreundet sind oder mich unabsichtlich wer aus der Firma mit Weihnachtsgrüßen bedenkt, der mich noch im Verteiler hatte.. ich komm da nie wirklich davon los.

Klar, ich habe im Jänner 2013 gekündigt und seit Februar 2013 bin ich in Therapie, sowohl beim Psychotherapeuten als auch beim Psychiater (steht eh in meinem ersten Post). Und natürlich war Mobbing das erste Thema, das wir bearbeitet hatten. Im Laufe der Jahre kristallisierten sich zig Themen heraus, die ich en passant gut auflösen konnte... quasi im Vorbeigehen und jetzt zeigen sich die verdeckteren Baustellen, die von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe.

Ja, ich bin sowieso immer jemand, der hinter allem was Gutes sieht, ein Geschenk quasi, den Grund, warum es "gut war, diese Erfahrung zu machen". Das ist nicht so das Problem, es ist eher die Trauer. Denn nach Jahren der Qualen im Berufsleben war es jetzt (also bis 2013) endlich mal schön im Berufsleben, hatte Freude, fühlte mich glücklich, geborgen, freute mich Freitag Abend schon auf Montag, arbeitete gerne zuhause vor und nach. Keine Geldsorgen, viel Urlaub, Wertschätzung, Verantwortung, Gehaltserhöhung... und dann... es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Irgendwann begann dann die Stimmung meiner Kollegin zu kippen, denn bis dahin hatte ich immer ihre Arbeit miterledigt und sie wurde für das, was ich tat, gelobt. Irgendwann kam dann aber raus, dass das alles mein Verdienst war und von da an wollte sie mich loswerden.

Seitdem habe ich noch 3mal in einer ähnlichen Position gearbeitet, habe es nun aber aufgegeben. Ich gehe wieder in meinen erlernten Beruf zurück und mach dort eine kleine Umschulung bzw. Weiterbildung eigentlich. Ist halt nur schwer, da ich seit 2000 nicht mehr im erlernten Beruf gearbeitet habe. Das interessiert dann leider keinen mehr. Und mit 42 schon mal gar nicht. Aber was solls. Wird schon weitergehen.

Aber jetzt bin ich wieder ins Persönliche abgedrifte, dabei wollte ich nur wissen, was ich oben fragte :D
Aber danke allen hier, die sich die Zeit nehmen, meine Zeilen zu lesen und zu antworten!


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Beitrag So., 16.02.2020, 14:25

Ärgert es dich im Nachhinein, dass du der Chefin nicht noch einen Grund gegeben hast und die Andere gehen musste?
Was ich, mit Verlaub, echt saublöd kommuniziert von der Chefin finde.Immerhin hat sie darüber zu entscheiden ob Jemand gehen muss oder nicht. Dass ist mMn nichts was sie an Verantwortung auf dich abschieben gebraucht hätte. Aber soviel nur dazu.

War WIRKLICH immer alles Eitle Wonne? Man, oder zumindest ich ;), tendiere gerne dazu mir die Vergangenheit rosiger auszumalen als sie war.

Das mehrere Themen in der Therapie aufploppen zeigt, denke ich, dass du auf einem guten Weg bist.
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maki
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Beitrag So., 16.02.2020, 14:46

Nein, es ärgert mich nicht. Ich bin von Natur aus keine gehässige Person. Ich habe mich auch nur an die Chefin gewandt, da ich es nicht mehr aushielt und auch das Wohl der Kinder, die wir betreuten, gefährdet sah. Aber die Chefin hatte leider keine Konfliktlösungskompetenzen. Sie hat lieber den Kopf in den Sand gesteckt und gedacht, wenn sie es nur lang genug aussitzt, dann hört es schon wieder auf.
Tat es aber nicht.
Naja, was ist schon immer rosig, aber im Vergleich zu meinen restlichen Firmen war es der Himmel auf Erden.
Das meiste hab ich meiner Chefin im Rahmen des Mitarbeitergesprächs gesagt. Als ich weg war, hat sie alles, was ich ihr sagte, an meine Kollegin verpetzt, was streng verboten ist und diese hat dann all ihre Wut an mir ausgelassen per FB, Handy und Mail.
Meine Chefin hat sich tief gekränkt gefühlt, dass ich sie so enttäuscht habe und gegangen bin. Aber ich hätte es da nicht mehr ausgehalten, so als beauftragter Denunziant und ohne die Möglichkeit, paar Stunden Abstand zu bekommen.
Das ist auch ein Grund, der mich bis heute belastet, ich verstehe einfach nicht, warum meine Chefin so reagiert hat. So viel Lob und dann das Messer in den Rücken. Ergibt für mich keinen Sinn.
Meine Kollegin wurde 6 Monate nachdem ich ging, gekündigt. Aber ich hätte es keine 6 Monate mehr ausgehalten. Ich habe sogar erwägt, wieder zurückzukommen, aber das wollte die Chefin nicht mehr. Zu gekränkt.


mio
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Beitrag So., 16.02.2020, 17:01

maki hat geschrieben: Sa., 15.02.2020, 20:06 Frage: zählt man das wirklich auch zur Panikattacke oder gibt es dafür einen anderen Begriff? Denn in den Beschreibungen soll es ja eher so wirken, als würde eine Person gerade einen Herzinfarkt erleiden oder sie schreit panisch herum und will weglaufen. Ich hingegen versteinere und bringe keinen Ton raus.
Ich kenne das auch eher so wie Du es beschreibst und nicht so "aktiv gelebt panisch", wobei das schon auch Situationsabhängig ist, aber in der Tendenz neige ich auch eher zum "aushalten". Hat vielleicht auch was damit zu tun was ehedem halt die "erfolgreichere" Bewältigunsstrategie war. Und bei mir war die: "Stillhalten, aushalten, möglichst einen klaren Kopf bewahren."

Ist bei Panik halt leider kein "gutes Konzept", warum, das hat mir meine Therapeutin mal erklärt:

Wenn die "Stresshormone" ein gewisses Level erreicht haben dann gibt es kein "zurück" mehr, dann geht BERUHIGEN nicht mehr. Bei mir geht dann aber BEWEGEN auch erst mal nicht bzw. nur unter "Widerstand" bzw. "extremen Kraftanstrengungen" und das ist echt ne Krux. Die "Hormone" müssen nämlich körperlich abgebaut werden bevor eine (Selbst)Beruhigung überhaupt wieder möglich ist. Und Bewegung beschleunigt diesen Abbau. Zu Bewegung bin ich in diesen Momenten aber oft gefühlt gar nicht in der Lage bzw. alles in mir sträubt sich dann dagegen.

Ich habe auch nicht "wirklich" Angst zu sterben, weiss also dass ich körperlich gesund bin, dass mir nicht automatisch was passieren wird nur weil mein Herz mal schneller schlägt, mir übel ist, meine Beine zittern etc. pp., ich kann die Symptome also super auseinander dividieren aber davon verschwinden sie eben auch nicht. Sie verschwinden nur, wenn ich mich innerlich "gedanklich weg bewege von dem belastenden Thema" und abwarte bis sich die Stresshormone wieder runter reguliert haben. Das würden sie allerdings schneller tun, wenn ich dann aktiv werden könnte. Kann ich nur leider oft gar nicht weil alles in mir sich dagegen sträubt. Dilemma.

Warum das so ist konnte mir noch niemand so Recht erklären, mein Verdacht ist, dass ich einfach rational an sich exzellent kontrolliert bin. Und dass ich es an sich auch nicht kenne, dass mich meine Gefühle "grundlos" so "übermannen". Wenn die mich mal übermannen, dann hat das in der Regel einen klar erkennbaren situativen Zusammenhang, der fehlt hier aber erst mal. Mittlerweile "kenne" ich die Zusammenhänge (=Trigger) zwar aber immer funktioniert es dennoch nicht, dass ich es schaffe da "früh genug" einzugreifen, dass sich da gar nicht erst irgendwas im Inneren so "hochschaukelt". Was ich mittlerweile aber deutlich besser kann ist darauf zu vertrauen dass der Spuk spätestens nach ein paar Tagen wieder vorbei sein wird. Und ich wieder die "Alte". :)

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Candykills
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Beitrag So., 16.02.2020, 17:09

Mh, ich bin eigentlich der Meinung, dass eine richtige Panikattacke das Umfeld bemerkt. Allein, weil das mit Zittern, Durchfall, Schweißausbrüchen einhergeht.

Aber vielleicht hast du einfach große Angst, das ist ja nicht weniger schlimm, nur halt keine Panikattacke.
🦄


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Beitrag So., 16.02.2020, 17:17

Candykills hat geschrieben: So., 16.02.2020, 17:09 Allein, weil das mit Zittern, Durchfall, Schweißausbrüchen einhergeht.
Meiner Erfahrung nach ist das vor allem dann der Fall wenn man selbst die Panik noch nicht "kennt". Mir zittern zum Beispiel teils wirklich die Beine EXTREM und anfangs konnte ich das auch nicht "verbergen" weil das einfach auch für mich viel zu überraschend kam. Mittlerweile kann ich das, hatte ich vor Kurzem seit langer Zeit mal wieder (und ich dachte schon: Super! DAS Symptom immerhin bist Du auf Dauer los...) und ich "handele" dann in Gesellschaft anderer eben mittlerweile schon "dagegen" (wenn ich allein bin ist das was anderes). Dh. ich versuche dann zB. hin und her zu gehen, da fällt es nicht so auf dass ich zittere wie Espenlaub. Übelkeit sieht man eh nicht und schwitzen lässt sich auch anders erklären.

Die Menschen bemerken weit weniger als man so denkt wenn man ihnen nur schlüssige Erklärungen liefert bzw. ausreichend gut "versteckt".