Ein Freund ist Ehemann einer Frau mit bipolarer Störung

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margareta
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Ein Freund ist Ehemann einer Frau mit bipolarer Störung

Beitrag Fr., 22.01.2021, 21:52

Hallo!
Ich wende mich an euch mit der Frage um Hinweise für mich.
Nach vielen Jahren habe ich wieder Kontakt mit einem früheren Freund. Wir waren uns seelisch sehr nah. Es war und ist Zuneigung da. Wir haben uns in unterschiedlichen Bereichen immer wieder getroffen: Tanzen, WG temporär geteilt, vor allem viele Gespräche geführt, wobei er einer ist, der gern locker dahinplänkelt.
Er hat vor 30 Jahren eine Beziehung zu einer Frau begonnen, die genau so alt ist wie ich. Ich habe sie damals sogar einmal getroffen. Sie kam mir sehr offen entgegen. Eine schöne Begegnung.
7 Jahre später heirateten sie. Sie haben zwei Töchter, mittlerweile Studentinnen.
Die Frau ist seit Anbeginn himmelhochjauchzend- zu Tode betrübt. Sie und ihre Familie hatten ihm verschwiegen, dass sie mit 18 einen ernstzunehmenden Selbstmordversuch verübt hatte.
Ich habe erst kürzlich vom ganzen Ausmaß ihrer beider Situation erfahren.
Soeben (Freitag Abend) habe ich eine Botschaft bekommen, dass es ihr wieder ganz schlecht gehe.
Es gab all die Jahre Phasen, in denen er sie immer wieder in die Psychiatrie gebracht hatte. Mittlerweile wird sie dort nicht mehr behalten, da sie sich gegen alles zur Wehr setzt.
Sie schreit nächtelang, dass sie sich umbringen will, dass sie die Töchter mit umbringt. Er ist in ihren Augen an allem Schuld. Sie wirft ihm vor, dass sie es wegen ihm so schlecht habe, alle anderen hätten es viel besser, etc.
Die Nachbarschaft weiß Bescheid, denn die beiden bewohnen ein kleines Haus in einer Wohnsiedlung. Die Töchter sind ausgezogen.
Für ihn scheint die Situation untragbar. Und doch bleibt er, aus Angst vor dem Damoklesschwert; dass sie sich was antut. Ich habe ihm den PSD vorgeschlagen. Dort waren sie erstaunt, was er alles an Hilfsmöglichkeiten nicht kennt - nach 23 Jahren (solange sind sie verheiratet. Er fragt sich, wie es kommt, dass er im Vorfeld nichts merkte)
Er schläft kaum eine ganze Nacht durch. Ich höre durch, dass seine berufliche Situation auch leidet. Er erzählt mir davon, aber er selbst scheint die Realität gar nicht wirklich zu erfassen. Er will weg und wird gleichzeitig aufgehalten. Er hat große Angst, dass ihm die Töchter Vorwürfe machen könnten.
Ich lebe 300 km entfernt, kann vor Ort gar nichts für ihn oder sie tun.
Sie wechselt Therapeuten, lässt sich auf nichts ein, weigert sich auch.

Ich habe ihm meine Sicht dargelegt: die dass ich nicht mehr tun kann, als Infos zu geben, wo er sich Hilfe holen kann. Er scheint von der Hoffnung getragen, dass sich irgendwann noch einmal was zum Besseren ändert. Andererseits sagt er klar, dass es sich nicht mehr um eine Ehe handelt. Er ist Versorger, Aufpasser, Tröster, Mut Zusprecher. Seit mehreren Jahren keine Sexualität mehr. Die Kinder hat er, während der Schulzeit weitgehend alleine versorgt.
Für mich ist er ein wenig wie ein Bruder. Er berührt mich sehr. Ich sehe auch, dass ich mich emotional sehr engagiere und kaum nicht reagieren kann, wenn er mich anschreibt.
Zuletzt als er schrieb, wie schlecht es ihr gehe, und wie belastend dies sei, argumentierte er wieder damit, dass sie nicht allein sein könne. Versuche konkreter zu werden, ob er sie nicht allein lassen will oder ob sie seine ständige Anwesenheit einfordert, verlaufen im Sand. Überhaupt wirkt er unklar, unpräzise. Ich weiß nicht, ob er an der Situation verrückt wird, oder vor Müdigkeit wirr ist. Tatsache ist: er handelt nicht, nicht so, dass die Ehe in Gefahr geraten könnte, nicht so, dass sich was ändert. Er handelt so, dass alles garantiert so bleibt wie es ist, und fragt, ob das bald besser wird.
Seine Freunde raten ihm seit Jahren, dass er von ihr weggehen soll. Ich habe zunächst Verständnis gezeigt, warum er bleibt. Verständnis tat ihm gut.
Jetzt bin ich da so Zeugin, sitze da ohne helfen zu können. Arbeitsbedingt habe ich mitgeteilt vor Ende des Monats keine Zeit für weitere Gespräche zu haben. Das tat schon mal gut. Aber er schrieb heute, dass dies ja eh nicht mehr lang sei. Er wartet also.
Worauf? Dass ich ihn rette ohne die Befugnis zu bekommen?

Wenn ihr irgendwelche Gedanken für mich habt, ich freue mich. Und danke fürs Lesen. Es ist lang und durcheinander.


Candykills
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Beitrag Fr., 22.01.2021, 21:59

Du liest dich so, als seist du emotional auch schon komplett involviert.
Ich kann dir eigentlich nur raten ihm gegenüber deutlich zu werden.
Und dich dann abzugrenzen.

Zum Beispiel in der Form, dass du ihm anbietest ihn darin zu unterstützen, wenn er Konsequenzen zieht und sie verlässt, aber nicht bereit bist dieses Drama weiterhin mitzumachen, wenn er selbst auch nichts ändert.

In meinen Augen siehst du das sehr richtig. Da wird sich nichts ändern, wenn die Ehefrau komplett uneinsichtig ist. Und es ist nicht mal sicher, ob SIE irgendwas kapiert, wenn er Konsequenzen zieht.
Suizidankündigungen sind natürlich ein starkes Druckmittel und niemand wird garantieren können, dass sie es nicht wirklich tut, wenn er sie verlässt. Aber sie ist erwachsen, sie muss selbst für ihr Leben Verantwortung übernehmen, das kann nicht er, seine Kinder oder gar du.
Just my few cents.


Wild Mustang
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Beitrag Fr., 22.01.2021, 22:04

"Jetzt bin ich da so Zeugin, sitze da ohne helfen zu können"

Das dürfte das Problem sein. Dass du nicht helfen kannst/darfst. Das solltest du aber aushalten können.

Ich könnte dir nur raten, dich da nicht einzumischen. Und ich misch mich da auch nicht ein.

Gruß

Mustang
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margareta
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Beitrag Sa., 23.01.2021, 11:09

Hallo Candykills,
ich danke dir sehr für deine Gedanken!
Von mir aus suche ich im Moment keinen weiteren Kontakt.
Auf die Selbstverantwortung, die sie als Erwachsene hat, und er auch für sich, werde ich noch einmal verweisen, falls er weiterhin bei mir andockt. Das Wort "Drama" hatte ich bisher nicht in den Mund genommen. Ich behandle ihn ja auch wie ein rohes Ei. *augenroll!- Es ist ein Drama! Und es ist allein seine Sache, drin zu bleiben.

Hallo Wild Mustang,
Dann misch ich mich in deine Nichteinmischung auch nicht :). Danke dir für deine Haltung und Mitteilung. Tut mir sehr gut!

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Pianolullaby
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Beitrag Sa., 23.01.2021, 16:55

Nun, du kannst nicht mehr tun, und wenn er nichts tut, dann ist das sein Problem nicht Deins, ich denke du musst loslassen, es ist nicht deine Aufgabe ihn zu retten.
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum


Wild Mustang
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Beitrag Sa., 23.01.2021, 16:57

Pianolullaby hat geschrieben:
Sa., 23.01.2021, 16:55
Nun, du kannst nicht mehr tun, und wenn er nichts tut, dann ist das sein Problem nicht Deins, ich denke du musst loslassen, es ist nicht deine Aufgabe ihn zu retten.
Exakt

Gruß

Mustang
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No Twist
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Beitrag Sa., 23.01.2021, 18:14

Darf ich mal fragen, ob du damals (heute?) in diesen Mann verliebt warst? Es klingt sehr nah? Und er in dich? Für den Fall:

Ich denke, du solltest ihm klar sagen, dass er seine Probleme, die er bereits 30 Jahre hat, erstmal lösen soll, bevor es zu intensiverem Kontakt kommt.

Wenn nicht: Sag ihm, dass du nicht die Kraft für ihn und seine Probleme hast, denn das scheint ja der Fall zu sein, wenn du hier schon schreibst. Ich bin da ehrlich, mein Vater ist bipolar und wirklich unverträglich und ich verstehe niemanden, der solange in so einer Beziehung verharrt. Es ist letztlich sein Problem, dass du nicht löst, wenn du jetzt für ihn da bist. Du hilft ihm damit höchstens, die Situation weiter auszuhalten, in ihr zu verharren - tust ihm damit letztlich aber auch nicht gut. Und dir auch nicht.
Ich hab an Gestern nicht gedacht und nicht an Morgen
Es ist Nacht, ich steh am Fenster
Und für einen Augenblick leb ich im Jetzt

von: Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen

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margareta
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Beitrag Sa., 23.01.2021, 19:49

Nein, Rettung ausgeschlossen. Ihm rutschte vor drei Wochen raus: "ich geh weg von ihr, wenn du da bist." Er hat sich schnell eingebremst, und Gesichtsausdruck wie Scham aufgezogen.
Das ist sehr schräg, wenn man jemandem mit knapp über 60 wieder trifft, dieselbe Nähe empfindet, sich mag und doch hat ihn seine familiäre Situation stecken bleiben lassen. Er sagt von ihr, sie hätte starke Entwicklungsdefizite.

Ja, also dies, um zu verdeutlichen, dass es so Manches klarzustellen galt. Dass ich keine Systemstabilisatorin im Hintergrund sein kann, dass er das Zepter in der Hand hat, nicht ich, was den Wunsch anlangt, sich wieder wie früher sehen zu können - wir hatten nie eine sexuelle Beziehung, haben aber oft Wohnraum geteilt.
Seine Frau habe zum 5. mal von mir geredet, innerhalb der letzten zwei Wochen. Und sie hat sicher keine Whatsapp zu sehen bekommen. Sie bohrt nach, ob damals was mit mir war, als er in meiner WG lebte. Er war ganz ernst, als er das erzählte. Ich weiß aus der Erinnerung, dass sie eine ganz Offene ist, 100 Antennen, hellfühlig. Das habe ich ihm nun auch gesagt, dass ich denke, dass sie dieses Potential hat. Er bestätigte. Im Job wäre sie oft davongelaufen, wenn es Spannungen im Umfeld gab.
Naja, und er hält sie im Cocon in einer Überfürsorglichkeit. Der Retter, der sie retten will und ich will ihn retten. Es gibt da so eine Geschichte in der Literatur, weiß nicht mehr genau wo. Die Strategie ist überdeutlich. Der letzte, der sich am Schweif festhält sollte als Erster loslassen.

Es ist auch richtig, wenn ich das mache. Alles andere fühlt sich nur ungut an, selbst auf seine whatsapp zu antworten fühlt sich jetzt ungut an, weil der Fokus im Nu wieder dort ist. Es wurde die Welt einmal umrundet, redend. Was jetzt käme wären Wiederholungen, an ihm zerren und zupfen, und am Ende häng ich wie ein leerer Sitzsack in der Zimmerecke. So eine Macht- Ohnmachtsgeschichte von Paaren, und ich denke, das ist einfach nur ein solches krankes Erwachsenen-Spiel, ist stärker als ich. In dieser Liga will ich auch gar nichts verloren haben. Das bringt mein Ego auf ein gesundes Niveau zurück. Es tut geradezu gut.
Ich danke euch für eure Worte, Fragen und Gedanken, die ihr meiner Geschichte widmet.

Zuletzt redet er immer wieder davon, dass er mit mir leben will. Und gleichzeitig, im nächsten Moment, äußert er Zweifel. Ich würde ihn gar nicht kennen und ob er mir überhaupt genügen würde.
Er ist durcheinander, herumgebeutelt zwischen Ängsten und Wünschen/Träumen/Sehnsucht.
Ich auch. Es kam mir heute früh die Empfindung, dass es eventuell wichtig war, noch einmal Kontakt zu haben um abzuschließen. Was seit ich 19 bin in der Schwebe war und sich über jahre sporadischem Kontakt und 20 Jahre nicht Kontakt gehalten hat, zu verabschieden.
Ich habe mich an einem Spaziergang um Sylvester von seiner Art einnehmen lassen und er von mir. Es gab viele Umarmungen, beim Kaffee trinken jeweils ein Bein beim anderen drüben. So wie früher. Sehr selbstverständlich, vertraut. Für die Dauer von 3 Stunden jede Realität ausgeblendet, beide.
Was aber auch immer ging: wir konnten gut und leicht auch wieder von einander weggehen und haben uns Monate lang nicht gehört.
Es ist viel Täuschung drin in dem Ganzen, bei allem Magischen, was unser Zusammensein hat. Deswegen ist wohl auch nie eine wirkliche Beziehung draus geworden. Ganz schlau bin ich aus uns nie geworden. Er hat zuletzt am Telefon wieder gesagt, dass er mich liebt.
Ein Theater.
ich habe ihm gesagt, wie ich empfinde für ihn und dass ich neugierig wäre, ihn viel genauer kennenzulernen und um mich zu haben.
Das war auch damals so, mit 19. Ich wäre neugierig gewesen, mehr mit ihm zu tun zu haben. Er betete mich an, sprang gleichzeitig davon.
Er redet im Konjunktiv. Ich machte ihm deutlich, dass wir nicht wissen, was wäre, wenn er frei wäre, was dann seine Wünsche sind und wo ich dann stehe und dass ich mit "wäre, hätte, könnte...." nicht kooperiere. Es ist ihm klar. Er hat selbst dann davon geredet, dass er nicht von mir erwarten könnte, dass ich auf ihn warte.
Absurd das, selbst wenn die sich trennen, liegen immer noch 300 km zwischen unseren Arbeits- und Wohnorten.

Mir tut es gut, nochmal auch zu lesen, dass ich weder ihm noch mir damit gut tu, wenn ich ihm weiterhin die Stange halte.

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candle.
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Beitrag Sa., 23.01.2021, 21:33

margareta hat geschrieben:
Sa., 23.01.2021, 11:09
Auf die Selbstverantwortung, die sie als Erwachsene hat,
Naja, manche sind psychisch offenbar so schwer erkrankt, dass da nicht mehr viel ist mit Selbstverantwortung und da muß der Partner schon sehr stark mit übernehmen. Wie er das dann kann, ist dann wieder eine andere Sache. Mit einer Hochzeit trägt man nun eben auch Verantwortung für den Partner mit und wenn Kinder da sind eben für die ganze Familie.

Ein Therapeut sagte mal, dass Krankheit zum Leben gehört und das sehe ich auch so. Da ist es dann auch egal welche Krankheit das ist. Würden alle ihre Ehepartner verlassen, weil die nicht mehr funktionieren wo würden wir da hinkommen.

Ich denke, du siehst das schon richtig: Er braucht wohl nur jemanden wo er sich "mal auskotzen" kann, das war es dann auch schon.

Man darf nicht vergessen, dass er auch schon viel früher eine Entscheidung hätte treffen können mit ihr zusammen oder nicht zusammen zu sein. Nun zu sagen er hätte nichts gewußt... wie das Spielzeug ist defekt und der Verkäufer hat es verheimlicht... läßt sich in der Beziehungsebene nicht anwenden. Das ist von seiner Seite dann auch nicht sonderlich erwachsen sich als Opfer der Beziehung zu sehen.

Ich denke du tust wirklich gut daran den Kontakt sehr begrenzt zu halten.

LG candle
Now I know how the bunny runs! Bild


Wild Mustang
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Beitrag So., 24.01.2021, 06:24

Ich hab das Gefühl, hinter dem komplizierten Fachsimple hier gehst eigentlich nur um eines:

Da will eine Frau einer anderen Frau den Mann wegnehmen. Weil sie sagt: ICH könnte ihn glücklich machen, das kann die andere Frau nicht. Sie macht ihn unglücklich.

Das ganze wird natürlich anders verpackt: Ich will ja nur helfen.

Dieser "Trick" ist uralt.

Kann mich natürlich täuschen. Aber wenn man das ganze ohne die Abwertung der anderen Frau als psychisch krank anschaut, dann bleiben da ein Mann und zwei Frauen. Das übliche halt.

Gruß

Mustang
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margareta
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Beitrag So., 24.01.2021, 12:16

Danke auch dir, Candle, für den Beitrag.
Die Verantwortung für die Kinder hat er übernommen. Dass er mit ihr an seine Grenzen kommt, weiß er. Freunde bieten ihm angeblich seit Jahren Zimmer in ihren Häusern an, als Rückzugsort. Deren Argument ist, dass sie dann die Wände anplärren kann, wenn er mal nicht mehr dafür da ist, und sie vielleicht mal zu sich kommt und realisiert, dass sie Hilfe von Außen annehmen könnte. Er selbst bezweifelte, ob er ihr überhaupt eine Hilfe ist und es für sie förderlich wäre, wenn er geht.

Ich habe mich in diese Reihe der Hilfswilligen quasi eingereiht. Zunächst habe ich ihm ein paar Infos zu Therapierichtungen gegeben, für seine Frau und geäußert, ob temporäre Distanz schon mal angedacht wurde. Dann ihm die Adresse vom PSD gegeben. Das erste Mal hat die gleich gelöscht, mit Kommentar "zu psychologisch". Zwei Tage später fragte er danach und ging hin. Um den Termin herum Whatsapps an mich. Mir kam er wie ein Kind vor, das sich bei wem festhält, bei dem allerersten Gehversuch. Dort, 10 min gesagt, worum es geht, und Infos bekommen zu allen nur möglichen Einrichtungen für ihn und sie. Rückmeldung an mich: "eine tolle Erfahrung!" Eine Therapeutenliste ist dabei, sagte er. Ich sagte: "ja, gut, google mal!"
Tja.
Er hat offenbar nie in Erwägung gezogen, sich helfen zu lassen.

Es klingt Opferhaltung durch, ja. Er sucht offenbar in seinen Erinnerungen, wann er denn zum ersten Mal bemerkt hat, dass was Krankhaft sein könnte, ob er denn vor der Eheschließung gar nichts bemerkt hat. Beklagt hat er die mangelnde Unterstützungsbereitschaft durch ihre Herkunftsfamilie. Als er einmal darum bat, ob die Eltern die Frau für ein WE zu sich nehmen könnten, damit er mit den Kindern was unternehmen kann, lehnten die mit der Aussage "das ist jetzt dein Job, dafür sind wir nicht mehr zuständig" ab.
Einige wilde Anekdoten. Ich kommentierte, dass ich das kaum im vollen Ausmaß verstehen könne, ich es mir höchtens vorstellen könnte, wie schwierig das ist und war. Er meint dazu, er sei seit Jahren von jeder Normalität weit entfernt.

@Mustang
Das spielt auf alle Fälle mit hinein. Und ich danke dir für diese Sichtweise, weil es gut tut, mir zu vergegenwärtigen, dass ich keinen Ehemann, der mit einer anderen Frau verheiratet ist, glücklich zu machen habe.
Meine Familiengeschichte wartete auf mit einem täglich 10 mal von der Mutter fest getretenen Vater, zu dem ich die Haltung einnahm: ich bin zumindest nett zu dir, weil du bist der liebevollste weit und breit.
Ich litt unter seinem Unglücklichsein, wünschte mir, dass die Eltern sich trennen, damit sie ihrer Bösartigkeit mal direkt gegegnübersteht und nicht mehr an ihm ablässt.

Also, Prägung ist genug da! Wobei es mir mehr um Befreiung von Unglück geht als um "ich will diesen Mann für mich".
Nur, wie gesagt, ich bin hellhörig, wie sehr das nicht doch im Hintergrund als Motiv lauert, gut eingehüllt in den Gedanken, dass ich dem anderen beim Befreiungsschlag helfen möchte, auf dass er für sein Glück sorgen kann.

Es spielt was mit, im Sinne von: "wenn die so undankbar über diesen lieben Mann ist, dann gehört er ihr weggenommen, damit sie mal sieht, was sie an ihm hat." Das habe ich so gespürt und es weggeschoben, weil es MIR in meinem Leben ja nicht um sowas gehen kann. In dem Moment steige ich in ein fremdes Spiel ein, werde zur Mitspielerin

Deine Gedanken berühren jedenfalls und ich spreche das nun noch mal direkt an, im Selbstgespräch. Da ist ein Brocken auf mir, der sich direkt ablöst. Papa andere Geschichte, ohne ihn gäbe es mich nicht, also muss ich für ihn was tun. Der Freund - es gibt mich auch ohne ihn!

Ich kann nur sagen: Danke an euch. Viel Wertvolles, das beim abermaligen Lesen hift, neu zu ordnen.