Esstörung? Sollte ich es ansprechen?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.

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Estrella1994
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Esstörung? Sollte ich es ansprechen?

Beitrag So., 02.05.2021, 22:37

Hallo ihr lieben,

Ich Frage mich ob ich folgendes in der Therapie ansprechen sollte.

Ich versuche einfach Mal alles aufzuschreiben was mir so einfällt. Mir ist vor einigen Tagen aufgefallen, dass es immer wieder Auftritt.

Das erste was mir einfällt ist, dass ich seit der 3. Klasse nicht mehr Frühstücke, meine Eltern mussten deswegen in die Schule kommen. Ich war immer selber dafür verantwortlich mir essen mit zur Schule zu nehmen und ich habe es einfach nicht gemacht. Nach dem Gespräch kümmerte sich meine Mutter wieder darum. Ich schmiss das Essen weg oder verschenkte es.

Mit etwa 13 fing ich dann an akribisch Kalorien zu zählen, schrieb alles auf. Bis zu 5 Mal täglich stieg ich auf die Waage, ich wusste nachher sogar wieviel welches meiner Kleidungsstücke wog. Ich versuchte immer nicht mehr als 400 kcal zu essen oder ließ es gleich ganz bleiben. Was natürlich fürchterliche Fressattacken zur Folge hatte.

Nach einigen Jahren fing ich mich wieder, Gewicht habe ich nicht viel verloren, habe mich viel im Kreis gedreht. Ich kam in die Ausbildung und wurde dick...wirklich richtig dick. Meine Eltern hatten sich kurz vorher getrennt und wieder hatte ich so eine Phase. Kalorienzahlen, wiegen, hungern. Meine Ausbilder zwangen mich nachher zum essen, da ich irgendwann weder in der Frühstückspause noch in der Mittagspause aß. Ich arbeitete in der Gastronomie und daher wurde extra für mich gekocht und jemand schaute, dass ich das auch esse. Diese Phase ging Knall 5 Jahre. Mein Gewicht ging von 90 auf 50 kg, wobei ich nicht sagen kann wie das genau passiert ist
Selbst mit 50 Kilo war ich immernoch der Meinung ich wäre Fett. (Erst heute sehe ich auf Fotos, dass ich alles andere als dick war.) Ich machte mir diesmal aber keinen Stress irgendwas dagegen zu tun.

Ab da war also alles okay.

Mittlerweile habe ich zwei Kinder und wiege eigentlich 69 Kilo.

Mein ansehen ist für mich derzeit kaum noch zu ertragen. Ich könnte heulen wenn ich in den Spiegel oder Fotos von mir sehe. Ich merke dass ich nun wieder in so ne Phase abrutsche.

Ist es tatsächlich etwas was ich besprechen sollte? Bisher habe ich ja eigentlich immer selber wieder auf den richtigen Weg gefunden. Mir fällt es enorm schwer mich überhaupt zu öffnen, ich bereue es immer zu viel von mir Preis zu geben und ich möchte nicht, dass es nachher heißt ich würde nur Aufmerksamkeit suchen....

Ich hoffe auf euren Rat!

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candle.
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Beitrag So., 02.05.2021, 23:22

Hallo!
Estrella1994 hat geschrieben:
So., 02.05.2021, 22:37
Ist es tatsächlich etwas was ich besprechen sollte?
Man muß nicht alles besprechen und da du es ja nicht als zentrales Thema siehst, mußt du selber schauen.
dass es nachher heißt ich würde nur Aufmerksamkeit suchen....
Das ist ja doch irgendwo Teil einer Therapie, man bekommt die absolute Aufmerksamkeit.

Ich weiß nicht wie das bei dir verknüpft ist, aber das könnte ich mir vorstellen anzusprechen, wenn dich das in Therapie bremst. Und es sieht ja auch so aus als wäre das ein Kernthema, dass du irgendwo früher nicht richtig ernst genommen wurdest- möglicherweise.

LG candle
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Sadako
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Beitrag Mo., 03.05.2021, 05:17

Ob es derzeit (schon) eine manifeste Eßstörung ist...vermutlich nicht. Aber ein entspanntes positives Verhältnis zum Essen oder zu deinem Körper ist es auch nicht.

Mein ansehen ist für mich derzeit kaum noch zu ertragen. Ich könnte heulen wenn ich in den Spiegel oder Fotos von mir sehe. Ich merke dass ich nun wieder in so ne Phase abrutsche.
Es beschäftigt dich, du leidest unter der Situation und das ist für mich ganz klar ein Grund es in der Therapie zu thematisieren.

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chrysokoll
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Beitrag Mo., 03.05.2021, 11:44

ja, ich denke du solltest das unbedingt in der Therapie ansprechen.
Du merkst doch dass es jetzt wieder entgleitet, auf was willst du da warten, zumal du ja in der Vergangenheit mehrere Phasen hattest, in denen das Essverhalten keineswegs gesund, entspannt und normal war.

Der Therapeut kann das dann schon einordnen und es ist doch besser jetzt Hilfe zu bekommen.
Du hast die gute Situation dass du schon in Therapie bist, das ist ein Vorteil, eine echte Chance! Nutze die doch.

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Scars
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Beitrag Mo., 03.05.2021, 15:21

Estrella1994 hat geschrieben:
So., 02.05.2021, 22:37
Ich merke dass ich nun wieder in so ne Phase abrutsche.

Ist es tatsächlich etwas was ich besprechen sollte? Bisher habe ich ja eigentlich immer selber wieder auf den richtigen Weg gefunden.
Du darfst ansprechen, was du willst und nicht ansprechen, was du nicht willst. Genauso darfst du dich auch alleine wieder zurecht wurschteln oder auch nicht zurecht wurschteln.

Es wird ja auch Gründe geben, warum du gerade jetzt wieder in so eine Phase abdriftest. Meiner Erfahrung nach kann das auch mit Therapie zusammen hängen, dass da Etwas in dir drin ist, was gesehen und gehört werden möchte und so an die Oberfläche kommt. Insofern könnte es sich schon lohnen, mal mit deinem Therapeuten drüber zu sprechen und neuen input zu dem Thema zu bekommen.
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Marlena
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Beitrag Mo., 03.05.2021, 16:50

Auf jeden Fall sollst du es ansprechen, weil es dich ja beschäftigt. Ich finde nicht, dass dein Verhalten völlig normal ist, aber icb finde es jetzt auch nicht ganz gestört. Leider leiden in der heutigen Zeit viele so darunter und zählen Kalorien und hungern. Will damit nicht sagen dass das normal ist, es ist sicher an der kippe zur Essstörung, aber ich denke sein Kernthema ist ein anderes, nämlich Selbstliebe bzw dein Selbstwert. Alles Gute

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Pianolullaby
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Beitrag Mo., 03.05.2021, 19:11

Naja, willst du vorwärts kommen, solltest du es nicht vermeiden.
Aber es ist Dein Problem wie du damit umgehst
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum