Kreislaufprobleme als dissoziative Zustände diagnostiziert

Die Psyche spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des körpereigenen Abwehrsystems: immer mehr Krankheiten werden heute als 'psychosomatisch' und damit ggf. psychotherapeutisch relevant betrachtet.
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Loveta
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Kreislaufprobleme als dissoziative Zustände diagnostiziert

Beitrag Fr., 14.05.2021, 10:12

Hallo,
ich wende mich nochmal mit einer Frage hier ans Forum, vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen.
Ich habe heute in einem Arztbrief gelesen, dass die Kreislaufbeschwerden, die ich seit ein paar Monaten habe, als dissoziative Zustände im Rahmen meiner PTBS diagnostiziert wurden.
Ich kenne dissoziative Zustände aber die äußern sich bei mir eigentlich komplett anders und da gibt es im Vorfeld auch immer einen konkreten Auslöser/Trigger.
Meine Kreislaufprobleme kommen einfach so, ohne Auslöser. Mir wird dann schwindelig, übel und schwarz vor den Augen und entweder verliere ich dann kurz das Bewusstsein oder, wenn ich Glück habe, kann ich durch schnelles hinlegen/Beine hochlagern eine Ohnmacht verhindern. Körperlich ist alles abgeklärt und soweit in Ordnung.
Trotzdem fällt es mir schwer zu glauben, dass so eine Symptomatik rein psychisch bzw. dissoziative Zustände sein sollen. Irgendwie kann ich damit nicht so viel anfangen. Hat hier jemand Erfahrungen mit solchen Symptomen und/oder so einer Diagnose in dem Zusammenhang?

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Fairness
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Beitrag Fr., 14.05.2021, 12:36

Liebe Loveta, ich habe einmal etwas ähnliches erlebt. Ich war über ein Jahr hohem inneren Stress ausgesetzt, aus welchem ich damals noch nicht aussteigen konnte und dann erlitt ich konvulsive Synkope. Noch erinnere ich mich, wie der Stress abgefallen ist, als ich aufgewacht bin, es war totale Entspannung. Und das ist auch, was ich denke, dass wenn man psychischen Stress erlebt, könnte es sein, dass das dann der Körper regelt, indem er auf diese Weise gestaute Energie entlädt. Und was soll ich sagen, nachdem ich den Zusammenhang fand, kam viel Wut auf die Oberfläche. Vielleicht gibt es da auch bei dir einen ähnlichen Zusammenhang. Lieben Gruß.
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Beitrag Fr., 14.05.2021, 14:33

Danke, dass du von deiner Erfahrung berichtet hast, Fairness. Ich denke, es gibt schon einen ähnlichen Zusammenhang bei mir. Es war sehr viel los in den letzten Monaten und ich bin schon lange sehr erschöpft. Aber selbst wenn ich versuche mich zu erholen, wird es nicht besser. Und ich fühle mich nach diesen Synkopen auch überaupt nicht besser, sondern eher sehr geschwächt.

Was mich aber verunsichert ist der Begriff der Dissoziation in dem Zusammenhang. Das klingt so, als müsste ich das eigentlich steuern können, diese Kreislaufbeschwerden.
Ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich Dissoziationen stoppen kann, wenn ich merke, dass ich durch einen Trigger da reinrutsche. Das klappt manchmal, manchmal auch nicht aber mir ist zumindest irgendwie klar, dass ich mit der Zeit immer mehr lernen kann, das zu regulieren.
Wenn es mir aber schwarz wird vor den Augen und schwindelig, wie soll ich das stoppen oder verhindern?
Ich habe auch nochmal nachgelesen und auf einer Seite stand in dem Zusammenhang etwas von "Pseudo-Synkopen". Das klingt ein bisschen so, als wären das ja keine richtigen Synkopen sondern eben psychisch ausgelöste Ohnmachtsanfälle und das heißt für mich, dass ich ja irgendwie überreagiere und vielleicht sogar umkippen möchte, um mich aus einer unangenehmen Situation rauszunehmen. So interpretiere ich das irgendwie. Und das verunsichert mich, weil ich nicht das Gefühl habe, dass ich in solchen Momenten aktiv etwas dagegen tun kann. Im Gegenteil, ich fühle mich sehr ausgeliefert in solchen Momenten.


Nala_
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Beitrag Fr., 14.05.2021, 15:12

Liebe Loveta,

ich habe zeitweise auch Kreislaufprobleme. Zuerst habe ich gedacht, ich hätte zu wenig getrunken oder es käme durch Stress, aber als ich in einer Tagesklinik zur Traumatherapie war, erklärte mir meine Therapeutin, dass das Dissoziationen sind. Ich war auch erst verunsichert, weil ich das auch anders kannte. Sie gab mir dann auch die allgemeine Diagnose "Dissoziative Störung", weil es sich total verschieden zeigt uns nicht auf eine bestimmte Art festlegen lässt.
Das klingt so, als müsste ich das eigentlich steuern können, diese Kreislaufbeschwerden.
Ich kann die Kreislaufbeschwerden auch nicht steuern. Bei anderen Dissoziationen gelingt mir das manchmal, frühzeitig zu erkennen, wann es so weit ist, aber bei den Kreislaufbeschwerden nicht. Ich weiß inzwischen nur, wie ich dann handeln muss, wenn es soweit ist.

Liebe Grüße

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Loveta
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Beitrag Fr., 14.05.2021, 17:23

Danke auch für deine Antwort, Nala_. Dann gibt es so etwas also tatsächlich.
Irgendwie überfordert mich das momentan ziemlich. Ich hätte niemals gedacht, dass meine Kreislaufprobleme auch psychisch bedingt sind. So viele Dinge, die ich bisher anders eingeordent habe, stehen auf einmal in Zusammenhang mit meiner Vergangenheit/dem Trauma. Das ist so schwer zu akzeptieren. Ich schwanke heute schon den ganzen Tag zwischen Selbstanklage (ich bin einfach nur zu empfindlich, zimperlich, sensibel usw.), Wut und Traurigkeit (warum hat etwas, das so lange her ist, so viel Einfluss auf mein (körperliches) Empfinden, bis heute?!). Das ist mir irgendwie zu viel.

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Pianolullaby
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Beitrag Fr., 14.05.2021, 18:40

vllt kennst du diesen Trigger halt noch nicht, Und doch das kann schon sein, ich klappe auch einfach zusammen, bsp die beine funktionieren nicht, zack lieg ich am boden
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Fairness
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Beitrag Fr., 14.05.2021, 22:17

Loveta hat geschrieben: Fr., 14.05.2021, 14:33 Was mich aber verunsichert ist der Begriff der Dissoziation in dem Zusammenhang. Das klingt so, als müsste ich das eigentlich steuern können, diese Kreislaufbeschwerden.
Ich denke, dass das unbewusste Gefühle beziehungsweise Wahrnehmungen sind, welche auf solche Art und Weise dann verarbeitet werden. Du kannst das steuern, was du beim Bewusstsein erlebst. Kreislaufkollaps ist etwas Systemisches, was Einfluss auf alles hat, und leider gerade auch auf das Bewusstsein, welches eventuell behilflich sein kann, aus einer Dissoziation raus zu kommen, wie du selbst schriebst.

Mir half damals, die Verbindung zu erkennen und mich mit den Gefühlen auseinander zu setzen, auch wenn es sich zum Anfang anders angefühlt hat, weil die Inhalte für mich zum Beginn schwer waren. Kurz vor dem Kollaps kam aber schon der letzte Tropfen, es war die Zeit für die Veränderung. Mit der Zeit wurde es dann besser...

Möchte dir ein bisschen Mut machen, dass das möglich ist, davon weg zu kommen... ich glaube, dass es solchen Zugang dazu auch irgendwo in dir drin gibt.
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Beitrag Sa., 15.05.2021, 08:49

Danke, ja das macht mir schon ein bisschen Mut. Auch wenn ich momentan keine Ahnung habe, wie ich das rausfinden kann, was da in meinem Fall der Auslöser ist. Das passiert in so vielen unterschiedlichen Momenten, ich kann mir kaum vorstellen, dass das immer der gleiche Trigger ist. Ich weiß auch nicht, ob das wirklich so ein direkter Trigger ist, wie ich es von anderen Dissoziationen kenne. Keine Ahnung, ich finde das schon sehr seltsam alles.

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Beitrag Sa., 15.05.2021, 09:54

Die Synkope damals hatte ich auch so erlitten, dass in dem Moment nichts war, außer halt diesen hohen Belastungsspiegel in mir. Es passierte am Frühabend, und am Vorabend hatte ich einen schlimmen Telefongespräch, welchen ich später als solchen letzten Tropfen für mich identifiziert habe. Die Synkope kam fast mit eintägigem Verzug. Sie haben dann weitere Untersuchungen gemacht und das Ergebnis war, es war vom Körperlichen her auch alles okay, wie bei dir.
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Beitrag Sa., 15.05.2021, 13:34

Das habe ich mir jetzt auch überlegt, ob der Kollaps evtl. zeitverzögert zum Auslöser stattfindet. Das macht es nicht unbedingt einfacher, den Auslöser zu finden. Aber ich werde mal versuchen in nächster Zeit mehr darauf zu achten. Hatte in den letzten Wochen auch nicht wirklich Zugang zu meinen Gefühlen usw. Weil ich so damit beschäftigt war im Außen alles zu regeln und für meine Familie da zu sein. Selbst wenn ich versuche mich zu erinnern, was jeweils vor dem Kollaps bei mir los war, komme ich auf keine Antwort. Ich muss da in nächster Zeit wirklich mal versuchen mehr bei mir zu bleiben.

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Fairness
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Beitrag Sa., 15.05.2021, 13:59

Schreibe dir vielleicht so kleinen Tagebuch... was du an konkretem Tag machst oder erlebst und welches Empfinden du dabei oder danach hattest - kann auch nur ein Wort sein. Das könnte dir fürs Anfang helfen, dich später erinnern zu können, oder nach gewisser Zeitperiode vielleicht einen Zusammenhang zu erkennen.
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chrysokoll
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Beitrag Sa., 15.05.2021, 14:40

so eine Art Tagebuch oder Liste / Protokoll würde ich dir auch vorschlagen.

Schreib dir auf wann und wo diese Kreislaufprobleme auftreten. Also Tag, Uhrzeit, Ort
Auch was du unmittelbar davor gemacht hast, an was erinnerst du dich da?
Und wie hast du dich gefühlt? Warst du müde, gestresst, verärgert, gelangweilt... hast du genug gegessen, getrunken?

Das klingt mühsam und merkwürdig, wird aber immer selbstverständlicher und klarer wenn man es macht.

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Candykills
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Beitrag Sa., 15.05.2021, 18:19

Ich hab auch schon Dissoziation auf diese Art erlebt, nicht häufig jedoch. Und mir war auch irgendwie klar, dass es damit zu tun hat - vll aber auch, weil das jedesmal im therapeutischen Rahmen passierte.

Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass Reaktionen auf Trigger stark zeitverzögert auftreten können. Manchmal um einen ganzen Tag oder sogar länger. Deswegen würde ich mal in Ruhe durchgehen, was du so die Tage davor gemacht und erlebt hast - sofern du das zusammen bekommst .
🦄

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Beitrag Sa., 15.05.2021, 18:34

Danke für euren Tip mit dem Tagebuch! Das werde ich jetzt auf jeden Fall mal machen, anders komme ich da wahrscheinlich momentan nicht weiter.
Dass die Reaktion auf einen Trigger zeitverzögert kommt, habe ich glaube ich noch nie bewusst erlebt. Bisher dachte ich immer, dass ich sofort auf einen Trigger reagiere. Ist wahrscheinlich auch oft so und wenn es zeitverzögert passiert, habe ich es wahrscheinlich falsch interpretiert oder einfach nicht mehr in Zusammenhang mit dem Trigger gebracht.

Candykills hat geschrieben: Sa., 15.05.2021, 18:19 Ich hab auch schon Dissoziation auf diese Art erlebt, nicht häufig jedoch. Und mir war auch irgendwie klar, dass es damit zu tun hat - vll aber auch, weil das jedesmal im therapeutischen Rahmen passierte.
Bei meiner Therapeutin ist es mir tatsächlich auch schon passiert, sogar schon mehrmals. Aber selbst da habe ich es nicht mit den Therapieinhalten in Zusammenhang gebracht. Ich dachte immer, ich hätte zu wenig getrunken/gegessen/geschlafen usw.

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LovisTochter
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Beitrag Sa., 15.05.2021, 20:43

Hast Du das auch mal ärztlich checken lassen? Klar kann das dissoziativ sein, aber ich würde es dennoch auch mal körperlich abklären lassen, falls noch nicht geschehen.
Ändert sich der Zusatnd denn, wenn Du dann isst und/oder trinkst? Wenn essen etwas ändert könnte das ein Hinweis auf Diabetis sein (wie gesagt, könnte).
Vielleicht wäre es sinnvoll, auch mit zu notieren wie Du in der Nacht vorher geschlafen hast, ob Du genug gegessen/getrunken hast, ob Du generell unter Stress/Anspannung stehst, innerlich unruhig bist etc. All das könnte Hinweise liefern.
Viele Grüße
Wer nicht auf seine Weise denkt, denkt überhaupt nicht. (Oscar Wilde)