Neuropathische Schmerzen

Die Psyche spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des körpereigenen Abwehrsystems: immer mehr Krankheiten werden heute als 'psychosomatisch' und damit ggf. psychotherapeutisch relevant betrachtet.

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Anna1973
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Neuropathische Schmerzen

Beitrag Mo., 17.05.2021, 15:55

Liebes Forum,
ich hoffe, es ist jemand dabei, der mir weiterhelfen kann bzw. sich in einer ähnlichen Situation befindet. Es geht um neuropathische Schmerzen.

Ich hatte Anfang Dezember 2020 einen sehr heftigen Herpes-Ausbruch. Die Bläschen auf der Haut sind abgeheilt, aber die Schmerzen sind geblieben. Sie fühlen sich wie Stromschläge an - brennend, ziehend, zuckend, teilweise juckend. Sie treten sehr oft im Gesicht auf (Augenwinkel, Ohr, Lippe, Kiefer) - immer wieder aber auch in den Fingern oder sonst wo am ganzen Körper. Würde ich all diese Stellen mit einem roten X markieren, wäre mein Körper inzwischen übersät von den Markierungen.

Der Neurologe behandelt mich seit 4 Monaten mit Pregatab 75 mg. In Kürze soll die Dosis auf 25 mg herabgesetzt werden, weil ich an mehr Tagen schmerzfrei bin als dass ich Schmerzen habe. Es soll mal nur ein Versuch sein, wie es mir mit der niedrigeren Dosierung geht.
Der Arzt hat mir zu einer Psychotherapie geraten, mit der ich Ende der Woche beginnen.

Die Schmerzen treten immer nur dann auf, wenn ich gestresst bin, unter Druck stehe oder negative Emotionen empfinde.
Wenn ich ruhig und entspannt wird, habe ich meistens keine Schmerzen.

Zu einem Teil ist es meine berufliche Tätigkeit, die mir immer wieder Stress bereitet. Die Arbeit kurzfristig zu wechseln wird nicht möglich sein. Möchte ich eigentlich auch (noch) nicht, da ich meine Tätigkeit mag und schon viele Jahre ausübe.

Zum anderen Teil ist es meine familiäre Situation, die viele negative Gefühle in mir hervorruft. Es ist die Beziehung zu meiner Mutter bzw. zu meinem Stiefvater, die sehr kompliziert und verfahren ist. Ich glaube, es wird nie möglich sein, diesen Konflikt aufzulösen und daher muss ich lernen, damit zu leben, ohne das es mich krank und kaputt macht.

Ja es geht hauptsächlich darum, zu lernen, mit den bestehenden Problemsituation so umzugehen, dass meine Nerven nicht sofort verrückt spielen. Wie ich das anstellen soll, weiß ich noch nicht. Entspannungsübungen, Ablenkung durch Hobbies u.ä. haben bisher nicht wirklich geholfen. Wenn meine Nerven mal den Impuls erhalten, dass ich gestresst / genervt / verärgert / traurig usw. bin, dauert es oft 24 Stunden, bis sie sich wieder etwas beruhigen. Die Schmerzen quälen mich dann Tag und Nacht ...

Vielleicht hat jemand Ähnliches erlebt und möchte sich mit mir austauschen.

Vielen Dank schon mal im Voraus und LG, Anna

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Di., 18.05.2021, 08:35

Hi Anna,

ja, ich bin auch betroffen und auch ziemlich ratlos. Bei mir sind die Schmerzen erträglich, es ist eher der Schwindel und Tinnitus, weil der Hörnerv betroffen ist. Kann aber keine Benzos nehmen, weil ich eine Arbeit ausübe, in der ich schwindelfrei sein muss. Also durchhalten. Will auch nicht, dass der Thera pausiert, bis es besser ist. In der Hochphase der Traumabearbeitung ist es nun mal so, dass die Neuralgien wiederkommen. Hausarzt sagt, ich soll zum Psychiater, macht mir aber keine Hoffnung, dass ich einen Termin bekomme. Hatte vor zig Monaten mal angefragt und der verwies wieder an den Psychotherapeuten. Hausarzt macht nur was, wenn man den Ausschlag sieht. Tut man aber nicht. Also versuche ich, das Problem auszusitzen und mir mit rezeptfreien Mittel zu helfen (neurexan). Wobei der Apotheker wieder sagt, ich solle zum Arzt usw. usf....
Was mich am meisten interessiert, ist, ob Ausdauertraining schädlich ist in dem Zustand (Herzmuskelentzündung) und wie man entscheidet, ob es Herpes ist oder "nur" Neuralgien. IgM-Werte? Zum Sportarzt bzw. Kardiologen braucht man auch eine Überweisung.