Plötzlicher Therapieabbruch / Therapeut verschwunden

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Wiesenhof19
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Plötzlicher Therapieabbruch / Therapeut verschwunden

Beitrag Mo., 19.07.2021, 23:08

Liebe Forumsmitglieder,

ich bin neu hier und durch Google auf das Forum gestoßen. Bislang habe ich nie etwas öffentlich gepostet, also bitte verzeiht, wenn ich noch nicht auf Anhieb weiß wie hier alles läuft. Aber ich werde mir Mühe geben.

Ich war 3 Jahre in einer Therapie und habe an meiner Angststörung „erfolgreich“ gearbeitet. Erfolgreich insofern, dass ich viele Situationen gut meistern kann. Von Beschwerdefreiheit kann ich allerdings nicht sprechen. Dies nur nebenbei.

Mein Problem ist, dass mein Therapeut sich vor 1,5 Jahren krankgemeldet hat und allen Patienten Bescheid gab, dass die Praxis für 2 Monate geschlossen werden muss. Nach diesen zwei Monaten erfolgte eine weitere Verschiebung der Praxisöffnung und schließlich kam die komplette Funkstille bis heute.

Der Therapeut (Einzelpraxis, Privatpraxis) beantwortet keine E-Mails
mehr (Ich habe 2 innerhalb eines Jahres geschrieben) und geht nicht ans Telefon. Die Praxis ist von außen fast nicht einsehbar. Licht ist niemals an.

Mich beschäftigt das Schicksal meines Therapeuten, auch wenn es mich im Grunde nichts angeht. Ich weiß das ich kein Recht auf Aufklärung oder persönliche Informationen habe. Ich bin wütend und meistens nur unendlich traurig.

Ich grübel was passiert sein muss, dass sich jemand so verhält und ob er überhaupt noch lebt oder gesundheitlich nicht in der Lage ist sich zu äußern. Manchmal frage ich mich, ob er auch einfach nur ein A* ist, der sich nicht melden will. Letzterer Gedankengang entspringt jedoch meiner Wut. Ich habe den Therapeuten über Jahre als sehr verlässlich und pflichtbewusst erlebt.

Hat jemand etwas in der Art erlebt? Ich kann irgendwie nicht abschließen und habe innerlich das Gefühl als wäre eine gute Freundin / ein guter Freund oder ein Familienmitglied von heute auf morgen plötzlich aus der Welt. Für mich ein krasser Trigger.

Vielen Dank fürs Lesen und vielen Dank für eure Antworten!

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Fairness
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Beitrag Di., 20.07.2021, 06:30

Liebe Wiesenhof9,
Wiesenhof19 hat geschrieben: Mo., 19.07.2021, 23:08 Ich grübel was passiert sein muss, dass sich jemand so verhält und ob er überhaupt noch lebt oder gesundheitlich nicht in der Lage ist sich zu äußern.
du könntest dich auf die Psychotherapeuten- beziehungsweise Ärztekammer deines Bundeslandes wenden, je nach dem, ob er psychologischer oder ärztlicher Psychotherapeut ist... sie werden dir dann Auskunft geben können, ob es die Praxis noch gibt...

Tut mir leid zu lesen, wie es dir damit geht... alles Liebe dir.

Freundlichen Gruß,
Fairness
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Montana
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Beitrag Di., 20.07.2021, 07:17

Ich würde tatsächlich auch nachforschen. Das einfachste wäre das Internet. Für meinen ersten Therapeuten gab es eine Todesanzeige der Familie, die ich gefunden habe. Da sein Name nicht häufig war und ich außerdem die Namen seiner Töchter kannte, war es eindeutig.

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lisbeth
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Beitrag Di., 20.07.2021, 07:20

Wiesenhof19 hat geschrieben: Mo., 19.07.2021, 23:08 Ich grübel was passiert sein muss, dass sich jemand so verhält und ob er überhaupt noch lebt oder gesundheitlich nicht in der Lage ist sich zu äußern. Manchmal frage ich mich, ob er auch einfach nur ein A* ist, der sich nicht melden will. Letzterer Gedankengang entspringt jedoch meiner Wut. Ich habe den Therapeuten über Jahre als sehr verlässlich und pflichtbewusst erlebt.

Hat jemand etwas in der Art erlebt? Ich kann irgendwie nicht abschließen und habe innerlich das Gefühl als wäre eine gute Freundin / ein guter Freund oder ein Familienmitglied von heute auf morgen plötzlich aus der Welt. Für mich ein krasser Trigger.
Hallo Wiesenhof,
ich kann das gut verstehen, dass du da innerlich in der Luft hängst und nicht abschließen kannst.

Mir ist vor mehreren Jahren auch sowas in der Art passiert, allerdings hatte ich das "Glück", dass es Aufklärung gab, wenn auch keine schöne. Meine damalige Kunsttherapeutin ist zum vereinbarten Termin nicht erschienen, ohne abzusagen. An der Praxis hing ein Zettel, dass die Termine krankheitsbedingt ausfallen müssten. Ich war erstmal nur sauer, gleichzeitig gingen mir alle möglichen Szenarien durch den Kopf, wie krank man sein muss, wenn man nicht mehr telefonisch absagen kann... Als meine Anfragen, was mit der kommenden Stunde ist, unbeantwortet blieben, habe ich die Praxisinhaberin kontaktiert und erfahren müssen, dass die Kunsttherapeutin einen tödlichen Unfall hatte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon innerlich mit dem "worst case" gerechnet, trotzdem war das ein ziemlicher Schlag. Ich fühlte mich schuldig, weil ich ihr nach der nicht abgesagten Stunde noch eine richtig wütende SMS geschickt hatte (wir hatten vorher Diskussionen über Zuverlässigkeit, sie war chronisch unpünktlich, was mich echt genervt hatte...) und ich hatte nun das Gefühl (total irrational, denn da war ja schon alles geschehen), dass was Schlimmes passiert, wenn ich mal meine Wut zeige.
Ich konnte mit einem Freund, der selbst lange bei ihr in Therapie war, zur Trauerfeier gehen, was 'gut' war um für mich einen inneren Abschluss zu finden. Mit dem Freund habe ich in der Zeit extrem viel über diese Therapeutin geredet, das war auch gut, dass es jemanden gab, mit dem ich mich austauschen konnte, der sie auch gekannt hatte, und auch irgendwie trauerte.

Ein paar Monate später habe ich eine neue Therapeutin (für normale Gesprächstherapie) gesucht. Hatte jemanden gefunden. Nach den Vorgesprächen waren wir uns einig, dass wir miteinander arbeiten würden. Die Verabredung war, dass sie nach ihrem Urlaub den Antrag fertig macht (Verfahrenswechsel) und sich dann bei mir meldet. Aber sie meldete sich nicht, über Monate. E-Mails blieben unbeantwortet. Das war furchtbar. Nach der Erfahrung mit der Kunsttherapeutin bin ich dann gleich vom Schlimmsten ausgegangen. Nach fast einem halben Jahr hatte ich nochmal telefonisch versucht und sie ging zufällig ans Telefon. Das war schräg, weil sie für mich eigentlich schon "tot" war. Sie sagte, sie sei ernsthaft erkrankt gewesen, hätte mich aber nicht auf dem Zettel gehabt für eine Info (weil noch keine regelmäßigen Termine)... Jetzt fange sie aber wieder an zu arbeiten. Wir machten einen Termin aus. Ich habe dann nach längerem hin und her dann tatsächlich noch bei ihr eine Therapie begonnen. Die dann 1,5 Jahre später krachend scheiterte, was glaube ich auch viel mit diesem schrägen Beginn zu tun hatte (über den wir nie richtig geredet hatten, ich hatte es versucht, über meine Angst zu reden, dass sie gestorben sein könnte, das blockte sie alles ab...).

Kurzum: Ich kann verstehen, dass dich das nicht loslässt. Und du dir Klärung wünschst. Auch die Wut kann ich gut verstehen, denn schließlich hat er dich irgendwie sitzen gelassen, wenn auch vermutlich unbeabsichtigt.
Wie du damit umgehen kannst, dass es diese Klärung vermutlich nicht geben wird, da hab ich keine richtige Idee dafür. Vielleicht nochmal bei einem anderen Therapeuten eine begrenzte Anzahl von Stunden nehmen? Mir hat es geholfen in den folgenden Therapien über diese Ereignisse zu sprechen und das auch mit einem Gegenüber einzuordnen, was das bei mir ausgelöst hat an Ängsten und an Wut und an Hilflosigkeit...

Alles Gute für dich!
LG von lisbeth.
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Wiesenhof19
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Beitrag Di., 20.07.2021, 08:54

Viele Dank für eure Antworten! Ich hatte zuerst gar nicht bemerkt, dass mich die Situation so belastet. Aber die letzten Wochen ist es richtig akut geworden und ich versuche in meinem Kopf eine Lösung/Aufklärung zu finden. Was natürlich totaler Quatsch ist und nur in Grübelein endet und viel Energie kostet ….

Bislang habe ich stundenlang Internetrecherche betrieben, der Therapeut taucht nirgends auf. Er hat zwar noch einen kleinen Internetshop, aber da steht nur „Ich versende wieder ab dem … (Datum in der Vergangenheit).“.

Anruf bei der Therapeutenkammer (eben getan. Danke für den Hinweis!): Man teilte mir nur mit, dass die Praxis bei Ihnen in der Liste eingetragen ist. Mehr nicht. Ich habe dann noch gefragt wie man an seine alten Unterlagen kommen kann (dies war mehr so ein „Schuss ins Blaue“ ob noch irgendwas dazu gesagt wird …. Eigentlich weiß ich wie man an die Unterlagen kommt). Ich fühle mich jetzt nach diesem Anruft total „stalkermäßig“.

Aufgrund von Corona bekam ich keinen neuen Therapieplatz. Ich stehe seit etwa einem Jahr bei mehreren Therapeuten auf der Warteliste. Einige andere Therapeuten teilten mir schon per E-Mail mit, dass sie schon gar keine Wartelisten mehr führen :(
Zwei haben mir auch im Nachhinein abgesagt und mich von Ihrer Liste gestrichen, weil sich während Corona auch viele stabilgeglaubte Patienten wieder vorstellen und es wohl nicht absehbar sei, wann dort wieder neu aufgenommen werden kann. Ich habe eine Zusage für Probatorische Sitzungen ab September. Mal gucken ob das von seiten des Therapeut wirklich was wird.

Puh… Lisbeth… das deine Kunsttherapeutin verstorben ist, ist wirklich heftig und tut mir sehr Leid!
Und dann auch noch die Erfahrung mit der folgenden Therapeutin. Vielleicht war die Erkrankung irgendein „Blinder Fleck“ bei ihr, sodass sie damit nicht umzugehen wusste und sie daher das Gespräch dazu abgelehnt hat? Oder es war etwas, dass bei vielen Therapeuten schambehaftet ist wie z.B. Thera wird selber psychisch krank oder so. Dies ist nur eine Mutmaßung und selbstverständlich keine Entschuldigung für das Verhalten der Therapeutin. Ich finde auch die Vorstellung krass, dass sich jemand ein halbes Jahr nicht meldet und dann einfach ans Telefon geht. Auch wenn die Erklärung plausibel ist, glaube ich das so eine Erfahrung was mit dem Vertrauen macht.
Ich habe mich auch schon gefragt ob ich bei meinem verschwundenen Therapeut wieder weitermachen könnte, die Antwort ist ein klares „Nein“. Zu groß wäre meine Angst wieder sitzengelassen zu werden und die Angst vor meinem Kopfkino und den eigenen Gefühlen. So denke ich aber erst seit Kurzem. Vor einem halben Jahr überwog noch die Dankbarkeit (er hat mir sehr geholfen) und die Angst nie wieder eine adäquate Hilfe zu bekommen (irrationaler Gedanke).

Ich ärger mich auch über mich selber, dass ich scheinbar die Gewissheit zu „brauche“.
Und ich weiß ja auch eigentlich nur zu gut, dass man auf verlorenem Posten steht, wenn man etwas von anderen „braucht“ um seine Gefühle annehmen zu können und zu verarbeiten.


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Beitrag Di., 20.07.2021, 09:24

Also ich finde es absolut nachvollziehbar und eigentlich normal, dass Du gerne Gewissheit hättest.

Ich hatte eine ähnliche, wenngleich nicht ganz so krasse Situation letztes Jahr als mein Therapeut erkrankte. Wir haben uns im Sommer in die Urlaubspause verabschiedet und ich hab da noch die Verlängerung von meiner Kurzzeittherapie in die Langzeittherapie unterschrieben. Er meinte, dass er das jetzt wegschickt und das dann bis nach seinem Urlaub locker geregelt ist. Nach dem Urlaub kam dann eine Terminabsage aus Krankheitsgründen für 6 Wochen. Da dachte ich mir schon. Uh, das muss was "größeres" sein, wenn man schon absehen kann, dass es 6 Wochen dauert.

Nach 1-2 Wochen wurde ich dann aber aus einem anderen Grund nervös. Nämlich, weil sich die Krankenkasse wegen der Verlängerung noch nicht gemeldet hatte. Ich ging ja davon aus, dass er das vor dem Urlaub noch erledigt hatte und während oder nach dem Urlaub erkrankte. Ich hab dann bei der Krankenkasse angerufen und die haben mir gesagt, dass gar kein Antrag eingegangen ist. Ich hab dann lange überlegt, was ich jetzt tun kann. Anrufen kam für mich nicht in Frage, weil ich ja nur die Praxisnummer hatte, und nicht davon aus ging, dass er in der Praxis ist, wenn er krank ist. Und selbst wenn ich eine Handynummer gehabt hätte, hätte ich da nicht angerufen, weil krank ist krank. Also hab ich ne Email geschrieben mit der Hoffnung, dass er das liest, wenn er wieder arbeitet, und dann das mit dem Antrag gleich regeln kann.

Auf diese Email kam dann relativ schnell eine Antwort, mit der Erklärung, dass er in der Nacht nach unserem letzten Termin (also vor seinem geplanten Urlaub) plötzlich erkrankte und deshalb den Antrag nicht mehr wegschicken konnte, er dass dann aber tut, wenn er wieder arbeitet und er sich dann meldet für neue Termine. Auch da hab ich mir wieder mega-viel Gedanken gemacht. Weil ich mir nicht erklären konnte, was denn da passiert war. Was einerseits so plötzlich auftritt, er dann aber auf der anderen Seite doch in der Lage ist, relativ zeitnah Emails zu beantworten. Und mir ging es genauso, dass mich diese Ungewissheit mehr belastet hat, als die Tatsache, dass halt grad Therapiepause ist.

Irgendwann hab ich dann von der Krankenkasse eine Nachricht bekommen, dass der Antrag auf Verlängerung eingegangen ist. Da dachte ich dann. Oh, schön! Er arbeitet wieder und hab eigentlich täglich auf einen Anruf gewartet, für unseren nächsten Termin. Der Anruf kam nicht! 4 Wochen später kam von der Krankenkasse, dann die Bewilligung für die Verlängerung. Auch da wieder kein Anruf von ihm. Dann hab doch ich mal angerufen. Und er war in der Praxis und auch gleich am Telefon. Wir haben einen dann einen Termin ausgemacht, als wäre nix gewesen. Da war ich zwar einerseits froh, endlich wieder ein Lebenszeichen von ihm zu hören, andererseits stinksauer, weil er sich nicht von sich aus gemeldet hat, als er wieder gearbeitet hat.

Bei dem Termin (das war dann insgesamt 4 Monate nach der letzten Sitzung) hat er dann aber gleich von Anfang an erzählt, was los war. Ich will jetzt nicht ins Detail gehen. Aber es war jedenfalls absolut verständlich und nachvollziehbar, dass er mit dieser Krankheit nicht arbeiten konnte, und halt auf dem Wege der Besserung, erstmal mit Bürotätigkeiten (Antrag für die KK, etc.) angefangen hat. Und zu dem Zeitpunkt, wo wir den ersten Termin hatten, hatte er auch noch nicht wieder voll gearbeitet, sondern so nach und nach die ersten Termine mit den Patienten über mehrere Wochen gestreckt. Durch dieses offene Gespräch, war meine Wut auch gleich verschwunden. Und dann konnte ich im Nachhinein diese Monate auch relativ gut wegstecken und wieder mit ihm gut weiter arbeiten.

Aber in dieser Zeit der Ungewissheit war ich auch total angespannt und kurz davor mir einen anderen Therapeuten zu suchen. Ich hab schon Adressenlisten ausgedruckt. Ich scheute mich aber vor dem Aufwand, weil ich so froh war, nach langer Suche endlich einen guten Therapeuten gefunden zu haben. Somit kann ich total nachvollziehen, dass Du gerne Gewissheit haben willst. Denn dieses "in der Luft hängen" und nicht wissen was eigentlich passiert ist, ist die Hölle. Und ich bewundere Dich eigentlich, dass Du das schon eineinhalb Jahre aushältst.

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Fairness
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Beitrag Di., 20.07.2021, 09:58

Liebe Wiesenhof, du schriebst auch, dass die Praxis schwer erreichbar ist. Ist sie auf seinem privaten Grundstück, beziehungsweise Einzelpraxis?

Falls ja und es die Praxis noch gibt, glaube ich, könntest du seinen Tod mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen... und so wie bereits geschrieben, gibt es Krankheiten, von welchen die Genesung sehr lange dauern kann...

Lieben Gruß..
Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist. Dalai Lama

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 20.07.2021, 10:22

Fairness hat geschrieben: Di., 20.07.2021, 09:58 Liebe Wiesenhof, du schriebst auch, dass die Praxis schwer erreichbar ist. Ist sie auf seinem privaten Grundstück, beziehungsweise Einzelpraxis?

Falls ja und es die Praxis noch gibt, glaube ich, könntest du seinen Tod mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen... und so wie bereits geschrieben, gibt es Krankheiten, von welchen die Genesung sehr lange dauern kann...

Lieben Gruß..

Wenn der Therapeut nicht tot ist aber auch längerfistig nicht arbeiten können wird könnte es ja sein, dass der bzw zuständige Angehörige die Praxis noch nicht aufgelöst haben aber das gesundheitliche Problem gravierend genug ist dass er nicht mit dem ehemaligen Klienten in Kontakt treten kann.

Sagen wir mal er hatte einen Schlaganfall.


Mein Gastroenterologe ist letztes Jahr ganz plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben.

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Fairness
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Beitrag Di., 20.07.2021, 10:34

Ich glaube, dass die Angehörigen dann den Patienten antworten. Als mein Therapeut verstorben ist, haben wir Patienten damals eine Benachrichtigung erhalten... von anderen Patienten erfuhr ich auch, dass die Angehörigen eine Zeit lang übernommen haben, auf die Nachfragen reagiert haben und administrative Aufgaben, wie zum Beispiel etwas zu verschicken, geregelt haben. Wenn es keine solche Angehörigen gibt, beziehungsweise wenn diese das abgeben wollen, übernimmt das die Kammer... ich denke, wenn er seinen Beruf nicht mehr ausüben könnte, dürfte das Vorgehen ähnlich sein.

Ich würde zumindest hoffen, dass das ein 'typisches' Vorgehen ist, schließlich geht es auch um die Gesundheit der Patienten und einen 'Arbeitsvertrag' mit ihnen.

Trauriges Thema..
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peponi
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Beitrag Di., 20.07.2021, 10:46

Ja, ich denke auch, dass die meisten TherapeutInnen vorsorglich Maßnahmen für einen Todesfall treffen (sollten). Mein Therapeut hatte mir das zu Beginn der Therapie auch erklärt, dass, falls er plötzlich versterben sollte, eine von ihm bestimmte Vertrauensperson mich informieren würde. Ich musste sogar etwas unterschreiben, um für einen solchen Fall die Schweigepflicht dahingehend aufzuheben, dass diese Vertrauensperson Zugriff auf meine Kontaktdaten bekommen dürfte.

Ich finde es schlimm, wenn der Therapeut plötzlich verschwunden ist und kann verstehen, dass dich das so beschäftigt und du nicht richtig damit abschließen kannst, Wiesenhof. Außer dem, was bereits genannt wurde, fällt mir leider auch nicht mehr ein, was man noch machen könnte. Ich wünsche dir auf jeden Fall sehr, dass du möglicherweise bald eine neue Therapie beginnen kannst und das etwas wird mit dem Therapeuten ab September.

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lisbeth
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Beitrag Di., 20.07.2021, 10:56

Fairness hat geschrieben: Di., 20.07.2021, 10:34 Ich glaube, dass sie dann den Patienten antworten. Als mein Therapeut verstorben ist, haben wir Patienten damals eine Benachrichtigung erhalten... von anderen Patienten erfuhr ich auch, dass die Angehörigen auf die Nachfragen reagiert haben und administrative Aufgaben, wie zum Beispiel etwas zu verschicken, geregelt haben.
Für solche Fälle sollten Therapeuten mit eigener Praxis eigentlich vorgesorgt haben in dem Sinne, dass sich jemand Professionelles, der auch um Schweigepflicht und Datensicherheit und Aufbewahrungsfristen etc weiß, sich um den Praxisnachlass kümmert. Steht auch in den jeweiligen Berufsordnungen so drin.
Dass Angehörige (so sie nicht vom Fach sind) sich darum kümmern, kommt leider oft genug vor, ist aber eigentlich so nicht vorgesehen. Im worst case entsorgen die Hinterbliebenen einfach sämtliche Dokumente, einfach weil sie keine Ahnung haben.

Ich frage seit meinen Erfahrungen bei Vorgesprächen immer nach, ob für den Krankheits-/oder Todesfall Vorkehrungen getroffen sind, zB dass ich informiert werde (unter Wahrung der Privatsphäre der Therapeutin) oder dass ich die Möglichkeit habe, an meine Patientenakte zu kommen. Bisher haben alle mit "Nein" geantwortet, das hätten sie nicht klar geregelt, und das müssten sie endlich mal in Angriff nehmen. Das scheint genauso mit innerer Abwehr belegt wie die jährliche Steuererklärung, leuchtet auch ein, denn wer befasst sich schon gerne mit der eigenen Vergänglichkeit.
Alle fanden es total "nachvollziehbar" dass ich nachfrage, nach dem was ich erlebt habe. Aber alle gehen irgendwie davon aus, dass ihnen schon nicht unerwartet etwas Schlimmes passieren wird. Oder wenn sie ernsthaft erkranken, dass genug Zeit bleibt um sich um Patienten und Praxis zu kümmern... Ist dann halt nicht nur für Familie und Freunde schwierig damit klar zu kommen, sondern auch für die Patienten, die im Unklaren bleiben...
Wiesenhof19 hat geschrieben: Di., 20.07.2021, 08:54 Ich fühle mich jetzt nach diesem Anruft total „stalkermäßig“.
Wiesenhof19 hat geschrieben: Di., 20.07.2021, 08:54 Ich ärger mich auch über mich selber, dass ich scheinbar die Gewissheit zu „brauche“.
Und ich weiß ja auch eigentlich nur zu gut, dass man auf verlorenem Posten steht, wenn man etwas von anderen „braucht“ um seine Gefühle annehmen zu können und zu verarbeiten.
Brauchst du nicht, Wiesenhof, wirklich. Dass du Klarheit haben willst, ist total verständlich. Dass sowas einen immer weiter beschäftigt und nicht loslässt, ist irgendwie völlig logisch.
Dass du was vom anderen "brauchst" und versuchst, das zu bekommen, ist einfach nur menschlich in so einer Situation. Und eigentlich haben Therapeuten ja auch eine Fürsorgepflicht für ihre Patienten, die eben auch solche Fälle mit einschließt (siehe oben). Nur kontrolliert das eben keiner, auch die Kammer nicht.

Hast du mal überlegt, einfach einen Brief (evtl. per Einschreiben?) an seine Praxis zu senden um deine Unterlagen anzufordern? Jenachdem, welche Reaktion kommt, wenn überhaupt, könnte das ja auch Aufschlüsse liefern... Wäre allerdings blöd, wenn der Brief dann nicht zustellbar wäre oder auch gar nichts passiert.
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Beitrag Di., 20.07.2021, 11:03

meine Therapeutin hat mir von Anfang an und von sich aus mitgeteilt was im Falle von Krankheit und Ausfall ihrerseits passieren würde. Sie ist noch relativ jung, natürlich ist das unwahrscheinlich, aber trotzdem für mich sehr klar, transparent und Sicherheit gebend.
Ich finde so sollte es sein!

Aber wer als Patientin fragt schon im Vorgespräch sowas nach?

Wiesenhof, ich kann deine Gefühle sehr gut verstehen!

Kannst du denn bei der Praxis vorbeigehen, genauer nachschauen ob da noch ein Briefkasten ist, ein Praxis-Klingelschild?

Die Idee mit den Einschreiben und Anforderung der Patientenakte finde ich auch sehr gut!

Ansonsten würde3 ich dir auch raten eine neue Therapie zu suchen, was du ja schon tust.
Das ist eine doppelt schwierige Situation für dich

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Beitrag Di., 20.07.2021, 11:55

Bluemoon123 hat geschrieben: Di., 20.07.2021, 09:24 Also ich finde es absolut nachvollziehbar und eigentlich normal, dass Du gerne Gewissheit hättest.

….

Aber in dieser Zeit der Ungewissheit war ich auch total angespannt und kurz davor mir einen anderen Therapeuten zu suchen. Ich hab schon Adressenlisten ausgedruckt. Ich scheute mich aber vor dem Aufwand, weil ich so froh war, nach langer Suche endlich einen guten Therapeuten gefunden zu haben. Somit kann ich total nachvollziehen, dass Du gerne Gewissheit haben willst. Denn dieses "in der Luft hängen" und nicht wissen was eigentlich passiert ist, ist die Hölle…
Das tut mir auch sehr Leid! Du hast Recht, das was so quält ist das Ungewisse und auch die Hilflosigkeit/Ohnmacht, die man aushalten muss. Das Grübeln ist bei mir ein Stück weit eine (schlechte) Ablenkung von den durch mich als negativ bewerteten Gefühlen. Ich finde aber es spielt kaum eine Rolle ob es „nur“ Wochen oder Monate oder wie bei mir 1,5 Jahre sind - diese Empfindungen sind einfach nur heftig. Vielleicht ein schlechter Gedanke: Ich bin froh, dass dieser Abbruch erst kurz vor dem letzten Drittel der Therapie erfolgt ist und nicht schon früher. Wäre es zu einem früheren Zeitpunkt gewesen, wäre zu den Gefühlen auch noch eine sehr sehr große Verzweiflung dazu gekommen.
Ich freue mich das du einen guten Therapeuten gefunden hast, das ist auch mein Ziel. Hier muss ich mich aber wohl noch gedulden.

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Beitrag Di., 20.07.2021, 12:02

chrysokoll hat geschrieben: Di., 20.07.2021, 11:03 meine Therapeutin hat mir von Anfang an und von sich aus mitgeteilt was im Falle von Krankheit und Ausfall ihrerseits passieren würde. Sie ist noch relativ jung, natürlich ist das unwahrscheinlich, aber trotzdem für mich sehr klar, transparent und Sicherheit gebend.
Ich finde so sollte es sein!

Aber wer als Patientin fragt schon im Vorgespräch sowas nach?

Wiesenhof, ich kann deine Gefühle sehr gut verstehen!

Kannst du denn bei der Praxis vorbeigehen, genauer nachschauen ob da noch ein Briefkasten ist, ein Praxis-Klingelschild?

Die Idee mit den Einschreiben und Anforderung der Patientenakte finde ich auch sehr gut!

Ansonsten würde3 ich dir auch raten eine neue Therapie zu suchen, was du ja schon tust.
Das ist eine doppelt schwierige Situation für dich
Danke auch euch für die Antworten! Ich werde bei dem neuen Therapeut, sollte hier tatsächlich etwas frei werden, auch direkt nachfragen. Ein guter Hinweis.

Es klingt mega albern, aber ich traue mich nicht so dicht an der Tür vorbei zu gehen weil ich Angst habe für eine „Irre“ gehalten zu werden (z.B. von Nachbarn oder von dem Therapeut selber, sollte er zufällig zur selben Zeit seine Post holen o.Ä.). Als Erwachsener kann ich nicht auf ein Klingelschild gucken …eigentlich unglaublich.

Ich habe mir jetzt zwei Schritte überlegt: Ich werde bei dem Therpeut im Nachbargebäude anfragen ob er weiß an wen ich mich wegen Herausgabe der Unterlagen wenden kann und falls das nicht fruchtet werde ich es über die Kammer versuchen.
Findet ihr ersteres too much? Irgendwie habe ich die Hoffnung so doch noch etwas zu erfahren.
Wenn beides zu keiner Information führt, werde ich wohl so abschließen müssen.

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Beitrag Di., 20.07.2021, 12:06

also ich kann schon verstehen dass du dich das nicht traust.
Auch wenns komisch ist, das ist dann halt so.

Gibt es jemand der / die das für dich tun kann? Eine Freundin, Vertraute ?
Also die keinen Bezug zum Therapeuten hat und da mal hinschaut?

Therapeut im Nachbargebäude ist auch eine Idee, der sollte wissen was los ist