Therapeut sollte sich melden?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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parisblues
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Therapeut sollte sich melden?

Beitrag Fr., 10.09.2021, 19:52

Wenn Ihr zwei Jahre in Therapie seid, der Therapeut darüber Bescheid weiß, dass ihr große soziale Ängste habt und es euch grundsätzlich nicht besonders gut geht(suizidale Gedanken etc.). Ihr immer zu den Stunden gekommen seid, nie eine Absage. Und dann sagst ihr eine Stunde ab und sagt, es tut euch leid, es ist gerade schwer ihr meldet euch wegen einem neuen Termin. Das ist jetzt ca. 1 1/2 Monate her. Findet ihr, es wäre angebracht, dass der Therapeut mal nachfragt ob alles ok ist, ob die Therapie hiermit beendet ist oder irgendwas in die Richtung? Danke für eure Meinungen!

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Candykills
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 19:58

Ne, das ist nicht angebracht, dass der Therapeut sich beim Patienten meldet. Therapie findet in der Stunde statt und der Therapeut ist nicht der Freund des Patienten.

Aber der Wunsch, dass der Therapeut „nachläuft“ darf natürlich da sein. Wird aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht passieren.
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Sydney-b
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:05

Du hast gesagt, DU würdest dich wegen einem neuen Termin melden!
Warum hast du es dann nicht getan?
Zwei Jahre lang hast du es doch zu den Terminen regelmäßig geschafft.
Willst du ihn (unbewusst) prüfen?

Wenn dir die Therapie wichtig ist, gib dir einen Ruck und rufe ihn an!

Nicht, dass dein Platz durch einen neuen Patienten besetzt wird.

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parisblues
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:07

Das heißt wenn jetzt der Klient z.B. bei einem Unfall stirbt dann wird der Therapeut nie was davon erfahren? Also ich tu mir schwer mit diesem radikalen Grenzen ziehen, die ja eigentlich unnatürlich sind. Wenn man sonst mit einem Menschen wöchentlich Kontakt hat und eine nicht gerade oberflächliche Beziehung hat und dann meldet sich einer davon nicht, dann würde man sich doch wundern, oder?

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Lilien
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:11

Den Wunsch kann ich nachvollziehen und gut möglich, dass der Therapeut sich irgendwann meldet, aber letztendlich bist Du ein erwachsener, mündiger Mensch. Ich sehe es nicht als Aufgabe des Therapeuten, seinen Klienten da hinterherzurennen. Erst recht nicht, wenn Sie den Therapeuten darüber informieren, dass sie sich von sich aus wieder melden würden. Das wurde jetzt von ihm akzeptiert.

Hast Du genau aus diesem Grund abgesagt? Um zu schauen, wann und ob Du eine Reaktion von ihm provozieren kannst? Ich frage deshalb, weil Du so betonst, dass Du ja sonst nie absagen würdest und das ihn doch eigentlich zum Nachdenken anregen müsse.

Ansonsten: wenn Gesprächsbedarf besteht, dann weißt Du ja, wie Du ihn erreichen kannst.

Alles Liebe!

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Lilien
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:13

parisblues hat geschrieben: Fr., 10.09.2021, 20:07 Das heißt wenn jetzt der Klient z.B. bei einem Unfall stirbt dann wird der Therapeut nie was davon erfahren? Also ich tu mir schwer mit diesem radikalen Grenzen ziehen, die ja eigentlich unnatürlich sind. Wenn man sonst mit einem Menschen wöchentlich Kontakt hat und eine nicht gerade oberflächliche Beziehung hat und dann meldet sich einer davon nicht, dann würde man sich doch wundern, oder?
Du hast Dich ja nicht "plötzlich" nicht mehr gemeldet. Du hast die Stunde doch abgesagt und ihn wissen lassen, dass Du Dich dann wieder melden würdest. Für mich ist das schon ein großer Unterschied. Wenn jemand ganz plötzlich, ohne Vorankündigung, nicht mehr erscheint, dann wird der Therapeut wohl spätestens nach der zweiten, nicht abgesagten(!) Stunde mal nachfragen.

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Candykills
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:15

Nein, möglicherweise würde er es nicht erfahren.

Aber stell dir mal vor er müsste allen seinen Patienten nachrennen, weil die plötzlich meinen, sie müssten ihren Therapeuten mal testen?

Wenn du Therapie willst und brauchst, dann wirst du ihn kontaktieren müssen.

Wie gesagt: er ist nicht dein Freund. Ihr habt einen Arbeitsvertrag und das schließt nicht aus, dass er sich vielleicht mal fragt, wie es dir geht. Aber er wird dir im Normalfall nicht nachlaufen und wie du siehst tut er das ja auch nicht.
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Sydney-b
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:16

Ich denke, da agiert jeder Therapeut anders.
Du hast ja extra gesagt, dass du dich für einen neuen Termin melden wirst.
Ich glaube, wenn du 6 Monate nicht zur Therapie gehst, gilt die Therapie als abgeschlossen.

Im Moment akzeptiert er einfach deine Grenze und nimmt deine Aussage ernst.
Deshalb wird er sich auch erstmal nicht wundern.

Wenn er deinen Platz anderweitig besetzen möchte, wird er sich bestimmt kurz bei dir melden.

Außerdem kannst du dich bei ihm melden, du tust es aber nicht!

Also vielleicht doch irgendwie ein Test deinerseits?

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parisblues
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:18

Danke schon mal für eure Antworten. Nein ich konnte an dem Tag wirklich nicht, deswegen die Absage. Ich hab es so betont, dass es noch nie der Fall war, weil ich schon finde, dass es eben einen Unterschied macht ob man schon öfters unzuverlässig war oder ob das Verhalten komplett anders als sonst ist. Ich war jetzt schon längere Zeit unsicher ob ich nicht die Therapie pausiere und hab es nie geschafft da ich mich so abhängig gefühlt habe. Und nach der Absage hab ich gemerkt, dass ich mich gar nicht mehr melden kann. Also normalerweise ist das auch ein no go for mich aber ich sag mal ich hab schon meine Gründe. Auch wenn ich weiß, dass es natürlich nicht sehr reif und höflich ist.

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Takli
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:23

Ich glaube Therapeuten sind es eher gewohnt, daß sich Klienten melden, wenn es ihnen schlecht geht und sie Redebedarf haben. Ich würde nicht davon ausgehen, daß er weiß, wie schwer das bei einer Sozialphobie fällt. Vielleicht hat er auch schon öfter erlebt, daß Klienten nicht mehr kommen und denkt du willst nicht mehr.

Kann es sein, daß es dich kränkt, daß der Therapeut sich nicht mehr um dich bemüht?

Wenn dir daran gelegen ist die Therapie fortzuführen, fürchte ich, mußt du selbst die Initiative ergreifen. Möglichst bevor er den Platz anderweitig vergibt.

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lisbeth
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:24

Er nimmt dich ernst und nimmt dich beim Wort. Was sollte er sonst tun? Er kann schließlich nicht in deinen Kopf hineinschauen.

So Dinge wie "er weiß doch, dass ich xy bin oder yz nicht kann" - hm ja, sicher weiß er das. Das entbindet dich aber nicht von deiner Eigenverantwortung. Und Therapie heißt auch, dass man seine Komfortzone auch mal verlassen muss, sonst ändert sich nix.

Ich kann nachvollziehen, dass du sauer auf ihn bist, dass du dir tief innendrin wünschst, dass er sich melden sollte, dir hinterherlaufen sollte. Aber ich finde es gut, dass er es nicht macht. Das spricht für ihn, ehrlich gesagt. Denn wenn er sich in deine "Tests" und "Spiele" verwickeln ließe, dann wäre nicht mehr viel los mit Therapie, die dir helfen kann. Es ist DEINE Aufgabe, deinen Wunsch auf einen neuen Termin zum Ausdruck zu bringen. Das wird er dir nicht abnehmen. Und dort in der Stunde wäre dann der Ort um über diese Gefühle und Wünsche mit ihm offen zu reden und sich mit ihm anzuschauen, was das zu bedeuten hat, wo das herkommt, warum du da für dich keine Verantwortung übernehmen willst.
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:29

Auch ich sehe das so, daß der Patient, wenn er dann weiter Therapie machen will sich meldet, ansonsten ist das für den Thera ein Zeichen, dass er nicht mehr Therapie machen will.

Es ist egal, ob Du das Verhalten Deines Theras unhöflich findest, denn es war von Dir unhöflich sich obwohl du das angekündigt hast, Dich nicht zu melden. Es ist auch egal, wie zuverlässig Du sonst in der Therapie sein magst.
parisblues hat geschrieben: Fr., 10.09.2021, 20:18 Und nach der Absage hab ich gemerkt, dass ich mich gar nicht mehr melden kann.
Dann hat Dir Deine Thera, indem sie sich nicht gemeldet hat, etwas zum Üben gegeben, das ist doch gut.
Sydney-b hat geschrieben: Fr., 10.09.2021, 20:16 Im Moment akzeptiert er einfach deine Grenze und nimmt deine Aussage ernst.
Deshalb wird er sich auch erstmal nicht wundern.
Ganauso sehe ich es auch, es wäre eine Grenzüberschreitung wenn der Thera da Druck ausübt und sich meldet.
Du hast auch eine Verantwortung.
Candykills hat geschrieben: Fr., 10.09.2021, 20:15 Aber stell dir mal vor er müsste allen seinen Patienten nachrennen, weil die plötzlich meinen, sie müssten ihren Therapeuten mal testen?

Viele vergessen einfach, dass sie nicht die Einzigen sind die eventuell so reagieren.
parisblues hat geschrieben: Fr., 10.09.2021, 20:07 Wenn man sonst mit einem Menschen wöchentlich Kontakt hat und eine nicht gerade oberflächliche Beziehung hat und dann meldet sich einer davon nicht, dann würde man sich doch wundern, oder?
Er ist nicht Dein Freund, Ihr habt eine Arbeitsbeziehung. Mehr nicht.
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Sydney-b
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:36

Willst du eigentlich die Therapie abbrechen?
Wie gesagt, nach ca. 6 Monaten Unterbrechung gilt die Therapie als abgeschlossen.

Du solltest dir darüber klar werden, was du wirklich willst.
Sonst stehst du am Ende ohne Unterstützung da.

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parisblues
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:38

Also wenn ich alles so toll hinkriegen würde, bräucht ich keine Therapie. Besonders im zwischenmenschlichen Bereich. Ein Arzt erwartet ja auch nicht, dass man ins Spital läuft und sich auf den OP Tisch legt, obwohl es rein körperlich gar nicht mehr geht, sondern wird mit dem Krankenwagen abgeholt. Wieso muss ich psychisch so gesund sein um mental gesund zu handeln? Also Spielchen war und ist das ganz bestimmt nicht von mir. Es sagt für mich einfach viel aus.

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lisbeth
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Beitrag Fr., 10.09.2021, 20:43

Wenn du seit 2 Jahren bei dem Therapeuten in Behandlung bist und deine sozialen Ängste immer noch so stark sind, dass du dich nicht überwinden kannst, dort anzurufen, oder einen Brief zu schreiben und abzuschicken oder eine E-Mail zu schreiben, dann solltest du vielleicht über eine stationäre Psychotherapie in einer Klinik nachdenken.
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― Anne Lamott