Therapie-Unfähig?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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idontknow123
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Therapie-Unfähig?

Beitrag Do., 23.09.2021, 22:00

Hallo Leute,
ich bin neu hier und ich hoffe es ist nicht "falsch" hier ein neues Thema zu erstellen, sonst tut es mir leid.
Ich bin aktuell sehr überfordert mit meiner Situation und hoffe hier vielleicht die ein oder andere Einschätzung von Menschen mit mehr Erfahrung zu bekommen. Also ich versuch mal zu erklären:

Vor etwa einem Jahr ist mein Versteckspiel mit dem SVV bei meiner Mutter aufgeflogen und es war klar, dass ich eine Therapie anfange. Ich war auch ziemlich erleichtert, da endlich Unterstützung zu bekommen, weil ich es alleine nicht geschafft habe mir Hilfe zu suchen. Obwohl ich schon gerade 18 geworden war, haben wir uns entschieden nach einer Kinder- und Jugendtherapeutin zu suchen, weil meine Mutter dachte, das passt eher.
Bei der ersten hab ich nach der 3. Sitzung entschieden, dass es nicht passt, ich hab mich ganz klar unwohl und unter Druck gesetzt gefühlt.
Seit November 2020 hab ich dann bei einem Therapeuten angefangen, der noch in der Ausbildung ist, weil es sonst schwer war irgendwo einen Platz zu kriegen. Bei ihm hatte ich von anfang an ein besseres Gefühl, er war mir ganz sympathisch und die Athmosphäre war angenehmer. Ich hab mich entschieden eine Therapie bei ihm zu machen (tiefenpsychologisch fundiert). Am Anfang lief es sehr angenehm, es tat gut mit jemandem reden zu können.
Aber irgendwann fing es an schwieriger zu werden, weil irgendwie nichts mehr zum reden da war. Wir haben schon ein bisschen analysiert was mich zur Selbstverletzung bringt und was in meiner Kindheit traumatisch gewesen sein könnte, aber als die oberflächlicheren Themen mal so an-/besprochen waren, wurde es schwierig.
Ich habe mit der Zeit begriffen, dass ich wirklich ein großes Problem mit meinem Selbstbild habe, aber ich habe es nie geschafft vertieft darüber zu sprechen, weil da irgendwie eine Blockade aus automatisiertem Fake-Selbstbewusstsein und Scham ist. Jetzt hatten wir 6 Wochen Pause und ich habe nach einem weiteren gescheiterten Versuch das zu thematisieren vorgestern nacht spontan entschieden ihm eine Nachricht zu schreiben, in der ich Versucht habe dieses Problem zu erklären.
Nach 1,5 Tagen heftigster Panik hatte ich dann heute wieder Therapie und es war zuerst sehr unangenehm, dann aber auch wieder ziemlich wie immer. Er hat schon ein paar Fragen dazu gestellt, aber ich konnte halt nicht wirklich reden. Dann haben wir noch über meinen Vater gesprochen und das war dann nicht mehr so schwer, aber ich bin jetzt gerade irgendwie echt bisschen verzweifelt.
Ich habe das Gefühl, ich bin therapie-unfähig. Ich kann mich nicht richtig öffnen und irgendwie vergeht die Zeit ohne, dass es mir wirklich hilft und ich kann aber auch nicht ewig so weiter machen. Ich sitze dann da und versuche seine Fragen zu beantworten und innerlich steigt der SVV-Druck und die Suizidgedanken kommen, weil ich einfach das Gefühl habe, es bringt nichts, ich schaffe es nicht ernsthaft "Therapie zu machen". Ich weiß nicht ob es nur an mir liegt oder ob ich mich vielleicht doch faslch für meinen Therapeuten entschieden habe, ob ich mich mit dieser Selbstwert-Problematik vielleicht bei einer weiblichen Therapeutin wohler fühlen würde oder mehr "Anleitung" bräuchte oder ob es einfach überall so hoffnungslos ist, weil ich allein das Problem bin.
Vielleicht kann mir ja jemand sagen was er denkt, ich wäre sehr dankbar.
Und bei Unklarheiten gerne fragen, ich hab nur das Gefühl, der Text ist eh schon zu lang...

Danke schon mal :)

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Shukria
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 05:23

Von deinen Schilderungen ist es schwierig etwas abzuleiten aber...

Grundsätzlich ist es die Aufgabe des Therapeuten das Gespräch ins Rollen zu bringen und in die Tiefe.

Deine ist es Themen mitzubringen und ehrlich mit dir selber zu sein, neugierig...

Vielleicht könntest du deine Wahrnehmung ihm gegenüber ansprechen, das ihr nicht ins Arbeiten kommt, bei Themen nur an der Oberfläche bleibt und gleichzeitig bei Fragen von ihm dein innerer Druck steigt weil... oder das du selbst nicht weißt warum der steigt.

Und dann schau mal ob du dich mit seiner Antwort gesehen und verstanden fühlst, er nachfragt, Unterstützung anbietet, mit dir zusammen schaut was dran ist.
Wenn es dann auch noch oberflächlich bleibt würde ich schon überlegen parallel mal wo anders ein Probegespräch zu vereinbaren um einen Vergleich zu bekommen. Manchmal muss man sich mehr als 2 Therapeuten anschauen um den richtigen zu finden.

Eventuell würde dir auch ein direktiveres Vorgehen wie in einer Verhaltenstherapie erstmal mehr liegen als TfP.


Waldschratin
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 08:36

Vielleicht könnte dir auch zusätzlich was Körpertherapeutisches helfen?
Ergotherapie z.B.
Gibt aber auch noch jede Menge mehr, kommt halt drauf an, was dir liegt und du gerne machst.
Jede Liebe, die von einer Sache abhängig ist, hört auf, wenn die Sache aufhört; die aber, die von keiner Sache abhängig ist, hört niemals auf.
Talmud

Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch
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münchnerkindl
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 11:22

idontknow123 hat geschrieben: Do., 23.09.2021, 22:00 Seit November 2020 hab ich dann bei einem Therapeuten angefangen, der noch in der Ausbildung ist, weil es sonst schwer war irgendwo einen Platz zu kriegen. Bei ihm hatte ich von anfang an ein besseres Gefühl, er war mir ganz sympathisch und die Athmosphäre war angenehmer. Ich hab mich entschieden eine Therapie bei ihm zu machen (tiefenpsychologisch fundiert). Am Anfang lief es sehr angenehm, es tat gut mit jemandem reden zu können.
Aber irgendwann fing es an schwieriger zu werden, weil irgendwie nichts mehr zum reden da war. Wir haben schon ein bisschen analysiert was mich zur Selbstverletzung bringt und was in meiner Kindheit traumatisch gewesen sein könnte, aber als die oberflächlicheren Themen mal so an-/besprochen waren, wurde es schwierig.

Ich habe mit der Zeit begriffen, dass ich wirklich ein großes Problem mit meinem Selbstbild habe, aber ich habe es nie geschafft vertieft darüber zu sprechen, weil da irgendwie eine Blockade aus automatisiertem Fake-Selbstbewusstsein und Scham ist.

Jetzt hatten wir 6 Wochen Pause und ich habe nach einem weiteren gescheiterten Versuch das zu thematisieren vorgestern nacht spontan entschieden ihm eine Nachricht zu schreiben, in der ich Versucht habe dieses Problem zu erklären.

Nach 1,5 Tagen heftigster Panik hatte ich dann heute wieder Therapie und es war zuerst sehr unangenehm, dann aber auch wieder ziemlich wie immer. Er hat schon ein paar Fragen dazu gestellt, aber ich konnte halt nicht wirklich reden. Dann haben wir noch über meinen Vater gesprochen und das war dann nicht mehr so schwer, aber ich bin jetzt gerade irgendwie echt bisschen verzweifelt.


Ich denke du hast das zentrale Problem, nämlich das Fake-Selbstbild erkannt. Das ist doch schon mal echt super!

Wobei dieses aufzugeben nicht dadurch geschieht, das muss im jetzigen realen Leben geschehen.

Habt ihr denn über dieses Thema, Fake Selbstbild nicht ausgiebig geredet? Weil da gibt es so viel zu erkunden, warum habe ich es, welche Funktion hat das, welches Defizit wird damit überdeckt, dann die Frage, was könnte ein gesundes Selbstbild sein und wie komme ich da hin.

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Takli
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 11:37

Hm, schwierig, ich fand den Übergang von "Kennenlernen" zu "Alltag" auch schwierig. Für mich war es leichter über Vergangenes zu sprechen, als im hier und jetzt zu bleiben. Mein Therapeut meinte, der gegenwärtige Augenblick erfordert mehr Nähe, was problematisch sein kann, wenn man negative Erfahrungen gemacht hat.

Wenn du über das Thema Selbstbild nicht sprechen kannst, dann würde ich sagen, daß du vielleicht noch nicht so weit bist oder es aktuell der falsche Ansatzpunkt ist. Das Unterbewußtsein kann sehr hartnäckig sein, rationale Absichten zu sabotieren. Das Thema ist ja auch recht abstrakt. Gerade bei hohem Leidensdruck ist man ja sehr motiviert schnell Fortschritte zu machen. Leider ist das gerade eher hinderlich, innere Veränderungen brauchen seine Zeit. Möglicherweise erwartest du zu viel von dir oder hast den Anspruch ein besonders anspruchsvolles Thema zu bearbeiten?

Wenn es dir schwer fällt Themen zu finden, dann versuch doch mal darüber zu sprechen, was dich in deinem Alltag am meisten beschäftigt. Der Vorteil ist, daß man zu aktuellem Geschehen einen besseren emotionalen Zugang hat. Selbst einem eher unbedeutend erscheinende Dinge können ungeahnte Tiefen im Gespräch erlangen.

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Beitrag Fr., 24.09.2021, 12:10

Shukria hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 05:23 Von deinen Schilderungen ist es schwierig etwas abzuleiten aber...

Grundsätzlich ist es die Aufgabe des Therapeuten das Gespräch ins Rollen zu bringen und in die Tiefe.

Deine ist es Themen mitzubringen und ehrlich mit dir selber zu sein, neugierig...

Vielleicht könntest du deine Wahrnehmung ihm gegenüber ansprechen, das ihr nicht ins Arbeiten kommt, bei Themen nur an der Oberfläche bleibt und gleichzeitig bei Fragen von ihm dein innerer Druck steigt weil... oder das du selbst nicht weißt warum der steigt.

Und dann schau mal ob du dich mit seiner Antwort gesehen und verstanden fühlst, er nachfragt, Unterstützung anbietet, mit dir zusammen schaut was dran ist.
Wenn es dann auch noch oberflächlich bleibt würde ich schon überlegen parallel mal wo anders ein Probegespräch zu vereinbaren um einen Vergleich zu bekommen. Manchmal muss man sich mehr als 2 Therapeuten anschauen um den richtigen zu finden.

Eventuell würde dir auch ein direktiveres Vorgehen wie in einer Verhaltenstherapie erstmal mehr liegen als TfP.
Danke für deine Antwort! Kann ich denn wirklich einfach so parallel woanders um ein Erstgespräch bitten? Ich hab auch schon überlegt ob ich vielleicht die falsche Therapieform gewählt habe und was "greifbareres" brauchen würde. Ich werde auf jeden Fall versuchen nächste Woche meine Zweifel anzusprechen, auch wenn es mir sehr schwer fällt diese richtig in Worte zu fassen. Und vielleicht liegt es ja auch wirklich nur daran, dass ich nicht richtig mitarbeite, wobei mir da auch irgendwie die "Anleitung" fehlt, was ich denn tun muss, damit es funktioniert.
Vielen Dank auf jeden Fall!

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idontknow123
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 12:13

Waldschratin hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 08:36 Vielleicht könnte dir auch zusätzlich was Körpertherapeutisches helfen?
Ergotherapie z.B.
Gibt aber auch noch jede Menge mehr, kommt halt drauf an, was dir liegt und du gerne machst.
Danke für deine Antwort!
Ich habe mich tatsächlich noch gar nicht mit sowas beschäftigt, vom Gefühl her würde ich aber erstmal sagen, das ist nichts für mich. Aber ich werde es trotzdem mal recherchieren.

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idontknow123
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 12:22

münchnerkindl hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 11:22 Ich denke du hast das zentrale Problem, nämlich das Fake-Selbstbild erkannt. Das ist doch schon mal echt super!

Wobei dieses aufzugeben nicht dadurch geschieht, das muss im jetzigen realen Leben geschehen.

Habt ihr denn über dieses Thema, Fake Selbstbild nicht ausgiebig geredet? Weil da gibt es so viel zu erkunden, warum habe ich es, welche Funktion hat das, welches Defizit wird damit überdeckt, dann die Frage, was könnte ein gesundes Selbstbild sein und wie komme ich da hin.
Vielen Dank für deine Antwort! Ich denke auch, dass ich damit irgendwo das zentrale Problem erkannt habe, allerdings eben nicht durch die Therapie, sondern irgendwie unabhängig davon. Es hat lange gedauert bis ich das so verstanden habe und vor allem auch formulieren konnte und das habe ich dann eben in der SMS gemacht. Er hat dann schon versucht daran anzuknüpfen, aber ich konnte es halt nicht wirklich erklären, hab im Prinzip nur seine Wiederholungen meiner Nachricht "abgenickt". Außerdem hat er sich zuerst mal sehr an den suizidalen Gedanken festgehalten, dazu konkrete Fragen gestellt und die offensichtlich sehr ernst genommen, obwohl das eigentlich gar nicht das Kernthema war aus meiner Sicht.
Ich fühle mich einfach sehr unwohl, eigentlich sogar unfähig über mein Selbstbild zu sprechen und ich weiß nicht ob das nur an mir oder auch an ihm liegt, deshalb weiß ich nicht wie ich das Überwinden kann...

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chrysokoll
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 12:26

nein, es liegt nicht an dir !!!
Es liegt nicht am Patienten wenn eine Therapie nicht läuft. Jedenfalls solange du irgendwie therapiewillig bist.
Da ist der Therapeut verantwortlich und nur der!

Wenn du dich als Patientin fragen musst ob du für Therapie geeignet bist dann stimmt was nicht mit der Therapie.

Ausbildungskandidaten sind unerfahren, was nicht immer ein Nachteil ist. Aber manche sind unsicher, manche sehr an "Schema F" verhaftet und auch zu sehr dem Supervisor verpflichtet.

Sprich in der Therapie klar an was du denkst, so klar wie hier, du kannst das ja hervorragend formulieren.
Auch mit dem Zweifel gar nicht geeignet zu sein.
Wenn du das nicht kannst dann schreib dem Therapeuten das, ER muss eine Lösung finden.

Und selbstverständlich kannst du auch bei laufender Therapie weitere Erstgespräche führen. So viele du willst.
Das soll jetzt kein Vorschlag sein das beliebig zu tun, aber du darfst das, du kannst dir z.B. auch eine Zweitmeinung holen.

Aber sprich es erst mal in der laufenden Therapie in aller Deutlichkeit an.

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idontknow123
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 12:33

Takli hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 11:37 Hm, schwierig, ich fand den Übergang von "Kennenlernen" zu "Alltag" auch schwierig. Für mich war es leichter über Vergangenes zu sprechen, als im hier und jetzt zu bleiben. Mein Therapeut meinte, der gegenwärtige Augenblick erfordert mehr Nähe, was problematisch sein kann, wenn man negative Erfahrungen gemacht hat.

Wenn du über das Thema Selbstbild nicht sprechen kannst, dann würde ich sagen, daß du vielleicht noch nicht so weit bist oder es aktuell der falsche Ansatzpunkt ist. Das Unterbewußtsein kann sehr hartnäckig sein, rationale Absichten zu sabotieren. Das Thema ist ja auch recht abstrakt. Gerade bei hohem Leidensdruck ist man ja sehr motiviert schnell Fortschritte zu machen. Leider ist das gerade eher hinderlich, innere Veränderungen brauchen seine Zeit. Möglicherweise erwartest du zu viel von dir oder hast den Anspruch ein besonders anspruchsvolles Thema zu bearbeiten?

Wenn es dir schwer fällt Themen zu finden, dann versuch doch mal darüber zu sprechen, was dich in deinem Alltag am meisten beschäftigt. Der Vorteil ist, daß man zu aktuellem Geschehen einen besseren emotionalen Zugang hat. Selbst einem eher unbedeutend erscheinende Dinge können ungeahnte Tiefen im Gespräch erlangen.
Vielen Dank für deine Antwort!
Ja, ich habe auch irgendwie das Gefühl, als wären wir immer noch in der Kennenlernphase. Ich kann schon über offensichtliche, alltägliche Themen reden, zum Beispiel SVV, (früher) Schulstress, Streit mit Freundinnen,..., aber eben nicht über aktuelle Gefühle. Ich fühle dann auch einfach nichts in der Therapie, außer manchmal Hoffnungslosigkeit, wenn ich merke mir wird es danach nur schlechter gehen, als vorher. Vielleicht sollte ich das auch mal aussprechen... Auf jeden Fall, bin ich irgendwie immer sehr weit weg von meinen aktuellen Gefühlen. Und ich hatte halt auch schon paar mal das Gefühl, dass er mich nicht wirklich ernst genommen hat, wenn ich versucht habe zu erklären, wie deprimiert ich war. So "glaub mir, später kommt eine ganz tolle Zeit"-Sätze, haben das halt nicht wirklich besser gemacht.
Ich erwarte eigentlich nicht super schnell Fortschritte zu machen, ich habe nur das Gefühl GAR KEINE Fortschritte zu machen. Es geht auf und ab wie auch schon vor der Therapie und irgendwie ist kein Prozess im Gange.
Vielleicht bin ich noch nicht so weit, aber wann bin ich dann so weit? Ich habe Angst, dass ich nie weiter komme als jetzt. Bisschen reden ist ganz nett, aber für mehr fehlt das Vertrauen offenbar. Und das nach bald einem Jahr. Ich habe das Gefühl, ich hab was falsch gemacht ohne es zu merken und deshalb funktioniert die Therapie nicht. Aber irgendwie hat mir auch nie jemand erklärt was ich machen muss damit es funktioniert...

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idontknow123
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 12:40

chrysokoll hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 12:26 nein, es liegt nicht an dir !!!
Es liegt nicht am Patienten wenn eine Therapie nicht läuft. Jedenfalls solange du irgendwie therapiewillig bist.
Da ist der Therapeut verantwortlich und nur der!

Wenn du dich als Patientin fragen musst ob du für Therapie geeignet bist dann stimmt was nicht mit der Therapie.

Ausbildungskandidaten sind unerfahren, was nicht immer ein Nachteil ist. Aber manche sind unsicher, manche sehr an "Schema F" verhaftet und auch zu sehr dem Supervisor verpflichtet.

Sprich in der Therapie klar an was du denkst, so klar wie hier, du kannst das ja hervorragend formulieren.
Auch mit dem Zweifel gar nicht geeignet zu sein.
Wenn du das nicht kannst dann schreib dem Therapeuten das, ER muss eine Lösung finden.

Und selbstverständlich kannst du auch bei laufender Therapie weitere Erstgespräche führen. So viele du willst.
Das soll jetzt kein Vorschlag sein das beliebig zu tun, aber du darfst das, du kannst dir z.B. auch eine Zweitmeinung holen.

Aber sprich es erst mal in der laufenden Therapie in aller Deutlichkeit an.
Vielen lieben Dank, das beruhigt mich ein bisschen.
Ich werde versuchen das nächste Woche anzusprechen, ich hoffe ich kriege es dann auch formuliert. Und vielleicht versuche ich es auch mit einem Erstgespräch bei einer Therapeutin. Ich hab halt nur Angst, dass es da dann wieder genauso ist; ich fühle mich ganz wohl, aber weiß nicht ob sich ein Wechsel lohnt (wenn ich überhaupt jemals irgendwo einen Platz kriegen kann), weil vielleicht liegt es ja doch nur an mir und es klappt dann wieder nicht wirklich...

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lonely69
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 13:41

Ich würde Dir empfehlen, sowohl jetzt als beim Wechselversuch genau das anzusprechen:
"Ich kann schon über offensichtliche, alltägliche Themen reden, zum Beispiel SVV, (früher) Schulstress, Streit mit Freundinnen,..., aber eben nicht über aktuelle Gefühle. Ich fühle dann auch einfach nichts in der Therapie, außer manchmal Hoffnungslosigkeit, wenn ich merke mir wird es danach nur schlechter gehen, als vorher. Vielleicht sollte ich das auch mal aussprechen."
Und dann zu schauen, wo der Umgang damit mehr in Dir in Bewegung bringt.
LG
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 16:37

lonely69 hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 13:41 Ich würde Dir empfehlen, sowohl jetzt als beim Wechselversuch genau das anzusprechen:
"Ich kann schon über offensichtliche, alltägliche Themen reden, zum Beispiel SVV, (früher) Schulstress, Streit mit Freundinnen,..., aber eben nicht über aktuelle Gefühle. Ich fühle dann auch einfach nichts in der Therapie, außer manchmal Hoffnungslosigkeit, wenn ich merke mir wird es danach nur schlechter gehen, als vorher. Vielleicht sollte ich das auch mal aussprechen."
Und dann zu schauen, wo der Umgang damit mehr in Dir in Bewegung bringt.
LG
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Danke, das macht Sinn, ich werde es versuchen.

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münchnerkindl
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 17:50

idontknow123 hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 12:40 aber weiß nicht ob sich ein Wechsel lohnt (wenn ich überhaupt jemals irgendwo einen Platz kriegen kann), weil vielleicht liegt es ja doch nur an mir und es klappt dann wieder nicht wirklich...

Es gibt erheblich mehr schlechte Psychotherapeuten als gute. Ist leider so. Und ich bin der Meinung, dass für sehr viele psychisch kranke Menschen mit Therapiebedarf die von der Kassen finanzierten Labertherapien garnicht geeignet sind sondern diejenigen eine Körpertherapie, etwas tiergestütztes, Musiktherapie oÄ brauchen würden um sich fallenlassen zu können.

Dass du in deinem Alter schon draufgekommen bist dass dein Problem eine fake-Identitität ist hinter der du dich versteckst deutet darauf hin dass du ein intelligenter und sehr reflektierter Mesch mit einer guten Beobachtungsgabe bist. Die beste Voraussetzung um daran dann tatsächlich was zu verändern.

So eine fake Identität kreiert man als Schutz wenn man mangelndes Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten hat, weil man sich da ja schwach und ausgeliefert fühlt. Was dagegen hilft ist also alles was dein negatives Selbstbild verbessert.

Und so eine miese Meinung über sich selbst bekommt man ja nicht aus dem luftleeren Raum heraus, da müssen ein paar Leute aktiv dran gearbeitet haben, dich so fertigzumachen, dass du das jetzt selbst über dich glaubst.

Aber warum sollte jemand der schon mit 19 ganz alleine rausfindet wo das Problem liegt ungeeignet sein daran etwas zu verbessern?

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idontknow123
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Beitrag Fr., 24.09.2021, 18:19

münchnerkindl hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 17:50
idontknow123 hat geschrieben: Fr., 24.09.2021, 12:40 aber weiß nicht ob sich ein Wechsel lohnt (wenn ich überhaupt jemals irgendwo einen Platz kriegen kann), weil vielleicht liegt es ja doch nur an mir und es klappt dann wieder nicht wirklich...

Es gibt erheblich mehr schlechte Psychotherapeuten als gute. Ist leider so. Und ich bin der Meinung, dass für sehr viele psychisch kranke Menschen mit Therapiebedarf die von der Kassen finanzierten Labertherapien garnicht geeignet sind sondern diejenigen eine Körpertherapie, etwas tiergestütztes, Musiktherapie oÄ brauchen würden um sich fallenlassen zu können.

Dass du in deinem Alter schon draufgekommen bist dass dein Problem eine fake-Identitität ist hinter der du dich versteckst deutet darauf hin dass du ein intelligenter und sehr reflektierter Mesch mit einer guten Beobachtungsgabe bist. Die beste Voraussetzung um daran dann tatsächlich was zu verändern.

So eine fake Identität kreiert man als Schutz wenn man mangelndes Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten hat, weil man sich da ja schwach und ausgeliefert fühlt. Was dagegen hilft ist also alles was dein negatives Selbstbild verbessert.

Und so eine miese Meinung über sich selbst bekommt man ja nicht aus dem luftleeren Raum heraus, da müssen ein paar Leute aktiv dran gearbeitet haben, dich so fertigzumachen, dass du das jetzt selbst über dich glaubst.

Aber warum sollte jemand der schon mit 19 ganz alleine rausfindet wo das Problem liegt ungeeignet sein daran etwas zu verbessern?
Naja, ich würde auch sagen, dass ich nicht unbedingt dumm bin und ich weiß auch, dass ich diese Fassade oder Fake-Identität zu meinem Schutz aufgebaut habe, weil ich mit dem ehrlichen Blick auf mich selbst nicht klar komme. Wobei mein Selbstbild wahrscheinlich nicht der Wahrheit entspricht, zumindest hoffe ich das. Ich denke ich habe ganz gut verstanden wie dieses auf und ab meiner Gefühle zustande kommt: Solange ich mich selbst und andere mit einer Fassade aus Fake-Selbstbewusstseit täusche, komme ich ganz gut zurecht, bis auf kleinere Einbrüche. Aber wenn dann irgendwas diese Fassade zum Einsturz bringt wird es schlimm. Ein kleines bisschen hilft es mir denke ich auch, das kapiert zu haben. Aber ich habe halt absolut keine Ahnung wie ich da rauskommen soll, wie ich mein Selbstbild verbessern soll und die Therapie hilft halt irgendwie bis jetzt auch null. Und ich weiß auch ganz ehrlich nicht woher das kommt. Mir erscheinen die paar Dinge, die etwas "kaputt gemacht" haben könnten eigentlich nicht soo gravierend. Vielleicht hat sich das mit der Zeit irgendwie hochgeschaukelt oder so.
Auf jeden Fall danke für deine Gedanken und lieben Worte dazu.