Wie mit Nachbarin umgehen?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.
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Gelbbauchunke
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Wie mit Nachbarin umgehen?

Beitrag Mi., 29.12.2021, 22:21

Liebe Forenmitglieder,

wir wohnen seit 2015 im Souterrain eines Sechs-Parteien-Mietshaus. Seit einem halben Jahr wohnt eine Nachbarin direkt in der Wohnung gegenüber. Müsste ich ihr Alter schätzen, würde ich auf um die Siebzig schätzen. Offensichtlich kommt Sie auch nicht aus Bayern, sondern aus einem anderen Bundesland, zumindest dem Dialekt zu folgen und insbesondere dem Nummernschild an ihrem Auto. Als Außenstehender würde man sie wohl rein oberflächlich als nette alte Dame bezeichnen. Fährt mit dem Tretroller, fährt ein Oldtimer-Cabrio - eigentlich ganz sympathisch. Ich würde sie eher als situiert beschreiben. Ihre Wohnung ist spiegelbildlich zu unserer Wohnung, d. h. sie ist ca. 100 qm groß und kostet auch entsprechend.

Zu uns: Wir sind beide Anfang Dreißig und haben zwei kniehohe Hütehunde. Die letzten Jahre hat neben uns eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern und zwei Hunden und diversen Katzen gewohnt. Die Kinder waren im Kindergarten- und Grundschulalter. Und sie waren wirklich vogelfrei. Der Vater war ist ein US-Amerikaner und ist schon lang wieder drüben. Eine Auflistung, was sie alles kaputt gemacht haben und wie oft die Polizei (nicht wegen uns) da war, würde den Rahmen hier sprengen. Auch diverse wirklich zwielichtige Männerbekannschaften, die beispielsweise nachts dann die Wohnung zerlegt haben, sodass die Polizei mit mehreren Mannschaftsbussen angerückt ist, gehören zum Repertoire dieser Ex-Nachbarin.
Aber: Es war immer alles cool. Man ist sich halt immer aus dem Weg gegangen, manchmal mit einem leicht verlegenen Blick nach einer erneuten Eskalation. Letztendlich konnte man auch mit der Dame reden. Sie war halt ein bisschen überfordert, vielleicht ein bisschen verloren, menschlich halt. Wozu diese Information? Ich halte uns beide für wirklich für sehr verträgliche und harmoniebedürftige Menschen, das wollte ich damit aufzeigen.

Zur alten Dame zurück:

Ich habe so langsam das Gefühl, dass die anfänglichen "Seltsamkeiten" so allmählich in Tätlichkeiten eskalieren.

Ich habe diese Auffälligkeiten mal für mich dokumentiert, die letzten beiden Tage dann auch mit Datum:

- Am ersten Tag nach dem Einzug beschuldigt, Sekt geklaut zu haben. Sekt wurde allerdings von Nachbar (zutreffend) in Empfang genommen.

- Am gefühlten zweiten Tag nach dem Einzug beschuldigt, dafür verantwortlich zu sein, dass Postbote bei ihr klingelt, um Pakete zu bringen. Sind nicht unsere Pakete.

- Meinte, wir würde immer Türen zuknallen. Allerdings stehen unsere Türen immer offen, da wir Hunde haben.

- Ich habe einmal einen Brief von Ihr, der bei uns im Briefkasten gelandet ist, ihr händisch (damals noch naiv) an der Tür übergeben. Diese Information konnte Sie allerdings nicht verarbeiten, Sie ist nur kopfschüttelnd mit "irgendwas stimmt hier nicht in diesem Haus" rückschreitend in Ihre Wohnung verschwunden.

- Hat mich einmal gefragt, wer ich bin, obwohl schon über einem Monat Nachbarin.

- Beschuldigt uns, gelbe Säcke vor ihre Kellertüre zu legen. Sind nicht unsere Säcke.

- Beschuldigt mich, Hundespielzeug vor dem Haus liegen zu lassen. Es ist nicht unser Hundespielzeug.

- Macht keine Hausordnung, "da mischt Sie sich nicht ein". Beschwert sich allerdings über Dreck im Hausflur.

- Passt uns regelmäßig im Hausflur ab und wirft uns (nicht immer vollständig deutbare) Wortfetzen wie "Immer raus wenn ich raus will" oder "ich bin da?" entgegen. Knallt anschließend die Türe zu und sperrt sich "doppelt" ein. Häufig kombiniert mit mehrmaligen Öffnen der Türe, und erneutem Brüllen unklarer Wortfetzen. Es ist anzunehmen, dass nicht wenig Energie für das Beäugen des Türspions verwendet wird. Dieses Abpassen ist äußerst unangenehm.

- Flucht laut im Keller und spricht mit sich selbst.

- Läuft auf dem Betriebsgelände gegenüber rum. Möglicherweise mit einem Ziel, möglicherweise nicht.

- Beobachtet mich durch das Milchglas im Kellerfenster und huscht weg, sobald man sie bemerkt.

- Hat gesagt, dass unsere Hunde immer "glotzi glotzi" machen und von "ihr keinen Cent bekommen".

- Läuft meiner Freundin hinterher - während diese früh das Haus verlässt - und ballt die Faust.

- Hat einmal den Nachbarn oben mit "ich rufe die Polizei" im Hausflur angebrüllt. Auslöser unbekannt, lauteste Person im Haus war jedenfalls Sie.

- Knallt mehrmals hintereinander Türen (Keller, Wohnungstür) offensichtlich und unwiderlegbar absichtlich laut zu. Auslöser für den Akt der Wut ist unbekannt. Das alles, während ich im Arbeitszimmer saß und gearbeitet habe. Sonst war niemand zugegen.

- 28.12. schreit laut im Haus herum "ich weiß dass ihr das seid, irgendwann bekommt ihr eine auf die Schnauze" - Auslöser und Ansprechpartner unbekannt.

Fortsetzung im ersten Kommentar aufgrund der Zeichenbegrenzung
Zuletzt geändert von Gelbbauchunke am Mi., 29.12.2021, 22:38, insgesamt 1-mal geändert.

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Gelbbauchunke
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Beitrag Mi., 29.12.2021, 22:23

- 29.12. Schleicht im Dunkeln ums Haus herum und schmeißt Orangenschalen auf unseren Balkon. Tat das, während ich direkt vor meinen Augen während ich am Fenster stand. Orangenschalen lagen vorher im Hof. Sind nicht unsere Orangenschalen.

Gespräche kann man nicht mit ihr führen, da sie sich entweder wieder in ihre Wohnung einsperrt oder wortlos flüchtet. Es werden uns immer nur kurze Beschuldigungen entgegengeworfen. Es ist alles äußert skurril. Seltsamerweise ist sie zu dem Großteil der Nachbarn relativ nett. So z. B. hat sie den Nachbarn aus dem obersten Stock zum Einzug einen Sekt geschenkt, weil sie gerade zu diesem Zeitpunkt die Hausordnung gemacht haben. (s. a. 1. Spiegelstrich). Auch spricht Sie mit einer anderen Nachbarin immer sehr nett. Allerdings hat diese mir gesagt, dass Sie Angst vor der alten Dame hat, da Sie nachts oben im zweiten Stock mit der Taschenlampe in ihren Türspion geleuchtet hat. Der Nachbar über uns (s. Spiegelstrich mit der Polizei) eskaliert manchmal wirklich ein bisschen, führt wohl eine relativ toxische Beziehung -mehr als ich eigentlich wissen will. Aber mit dem kann man reden, alles cool soweit.

Es hat irgendwie den Anschein, als hätte sie uns zum Tag des Einzugs bereits als Feindbild auserkoren - aus welchen Gründen auch immer.

All diese Dinge haben zur Folge, dass ich langsam merke, dass ich mein Verhalten auch ändere und auch ein bisschen "paranoid" werde - ganz als Laie ausgedrückt. Ich erwische mich dabei, "Anti-Stalking" zu betreiben, d. h. ihre Gewohnheiten so einzuschätzen, um ihr gezielt aus dem Weg zu gehen. Manchmal lass ich das Licht im Hausflur aus, weil ich das Gefühl habe, beobachtet zu werden und um zu verhindern, dass sie mich wieder abpasst. Dann eilt sie allerdings schnell zum Küchenfenster. Ich weiß, dass sie immer allein ist, dass kein Besuch kommt, auch nicht zu Weihnachten. Ich weiß, dass immer alle Rollläden der Wohnung heruntergelassen sind. Abgesehen vom Küchenfenster, um zu beobachten, wer das Haus verlässt. Das sind alles Dinge, die ich eigentlich gar nicht wissen will, aber ich nun weiß, weil ich durch ihr Verhalten mittlerweile auch "überaufmerksam" geworden bin.

Manche Dinge passen auch nicht ganz ins Muster. Z. B. sind unsere Hunde nie ein Objekt des verbalen Angriffs gewesen, obwohl sie manchmal schon ein bisschen bellen, nicht immer angeleint waren (jetzt sicherheitshalber schon) und Haare hinterlassen. Würde ich aus reiner Boshaftigkeit handeln, würde ich doch auf die Hunde zu sprechen kommen, oder nicht? Heute ist sie zum Beispiel zwischen beiden Hunden, meiner Freundin, einen anderem Nachbarn und dessen Hund mit ihrem Cityscooter durchgefahren und hat gerufen "ich habe keine Angst, ich bin eine Hundefreundin". Ich vermute, sie hat meine Freundin nicht erkannt.
Manchmal sagt sie auch einfach gar nichts, wenn man ihr im Hausflur begegnet.

Wenn ihr das so liest, könnt ihr da als Experten eine psychische Erkrankung der Dame herauslesen? Oder überreagiere ich vielleicht hier mit meiner Harmoniebedürftigkeit und das ist alles nicht so schlimm? Wie kann ich mit dieser Dame kommunizieren? Wie kann ich an sie herantreten? Wie kann ich deseskalierend wirken? Wie kann ich den nie dagewesenen Haussegen herstellen?


Vielen Dank vorab für Eure Antworten
Christoph

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saffiatou
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Beitrag Mi., 29.12.2021, 22:50

Ernsthaft? Eine Ferndiagnose über eine dritte Person, auf Grund des Berichtes von dir? und das von Laien? :kopfschuettel:

Was würde dir das bringen?

Es ist oft schwierig, wenn mehrere Personengruppen in einem Haus wohnen, jeder hat eigene Vorstellungen etc. Ich habe die Erfahrung gemacht, mich direkt mit der Person auseinanderzusetzen. Du könntest diese Frau einfach mal zu einem Kaffee einladen und das was du auf dem Herzen hast ansprechen.

Wenn sie gegen Vorschriften verstößt kannst du dich an den Vermieter/Verwaltung wenden…
never know better than the natives. Kofi Annan

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münchnerkindl
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Beitrag Mi., 29.12.2021, 23:52

Ich würde auf jeden Fall mal gröbere Ereignisse schriftlich festhalten, mit Datum, damit falls das mal krasser eskaliert du das dokumentieren kannst.
Ansonsten, bei Demenzen zB kann es auch zu Wahnideen oder Paranoia kommen.

Professionellen Rat zu sowas kannst du vom sozialpsychiatrischen Dienst deiner Gemeinde bekommen, Termine bekommt man in der Regel recht zeitnah und es ist kostenlos. Die wären auch die Fachpersonen die tätig werden, wenn jemand nicht mehr alleine klarkommt.

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Nico
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Beitrag Do., 30.12.2021, 05:32

Was mir beim Lesen deiner Aufzählungen zu allererst eingefallen ist:
Hast du außer bespitzeln deiner Nachbarin auch noch ein anderes Hobby?
Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!


Jenny Doe
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Beitrag Do., 30.12.2021, 06:01

Hallo Christoph
Wenn ihr das so liest, könnt ihr da als Experten eine psychische Erkrankung der Dame herauslesen? Oder überreagiere ich vielleicht hier mit meiner Harmoniebedürftigkeit und das ist alles nicht so schlimm? Wie kann ich mit dieser Dame kommunizieren? Wie kann ich an sie herantreten? Wie kann ich deseskalierend wirken? Wie kann ich den nie dagewesenen Haussegen herstellen?
Das sind alles Fragen, die sich ausschließlich um die Frau drehen. Die richtige Frage müsste meiner Meinung nach lauten "Wie kann ich damit umgehen?"
Die Frau ist wie sie ist. Warum auch immer. Eine Diagnose wird dir keiner stellen können. Du wirst sie nicht ändern können. Deshalb solltest du bei Dir bleiben und Dir überlegen, wie du mit der Situation umgehen kannst, wie du eine innerliche Distanz zu ihr aufbauen kannst, so dass du es schaffst alles was von ihr kommt, von dir abprallen zu lassen.

Beschäftige dich nicht mit ihr. Ignorier sie. Geh ihr aus dem Weg. Lass sie stehen. Lass sie reden. Antworte ihr nicht.

Wenn sie das alles bewusst absichtlich macht, dann wird es ihr irgendwann langweilig werden, wenn von Dir keine Reaktionen kommen.

Sollte sie irgendeine Erkrankung haben, dann ist es nicht dein Job sie von dieser zu heilen. Dann kannst du nur versuchen ihre Aktivitäten nicht so persönlich zu nehmen.
Wir müssen das Leben loslassen, das wir geplant haben, damit wie das Leben leben können, das uns erwartet (Joseph Campbell). Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen (Hermann Hesse).

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Gelbbauchunke
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Beitrag Do., 30.12.2021, 10:07

Jenny Doe hat geschrieben: Do., 30.12.2021, 06:01 Hallo Christoph
Wenn ihr das so liest, könnt ihr da als Experten eine psychische Erkrankung der Dame herauslesen? Oder überreagiere ich vielleicht hier mit meiner Harmoniebedürftigkeit und das ist alles nicht so schlimm? .........
Sollte sie irgendeine Erkrankung haben, dann ist es nicht dein Job sie von dieser zu heilen. Dann kannst du nur versuchen ihre Aktivitäten nicht so persönlich zu nehmen.
Danke, das ist ein hilfreicher Ratschlag. Leider fällt mir das Abprallenlassen und Ignorieren schwer, da ich diese verbalen Attacken und Beschuldigungen doch immer persönlich nehme. Meine Freundin kann auch offensichtlich wesentlich besser damit umgehen als ich
Zuletzt geändert von Pauline am Do., 30.12.2021, 12:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Gelbbauchunke
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Beitrag Do., 30.12.2021, 10:12

Nico hat geschrieben: Do., 30.12.2021, 05:32 Was mir beim Lesen deiner Aufzählungen zu allererst eingefallen ist:
Hast du außer bespitzeln deiner Nachbarin auch noch ein anderes Hobby?
Was mir beim Lesen dieses Beitrags allererst aufgefallen ist:
Hast du ein Hobby außer unnütz in Internetforen rumzutrollen? Falls es dir an Abstraktionsvermögen fehlt, um die Situation zu erfassen, lass es einfach bleiben.

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Tröte
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Beitrag Do., 30.12.2021, 10:13

Hallo Christoph,
was würde es ändern, wenn Du wüsstest, dass sie eine psychische Störung hat?
Oder anders gesagt, wenn Du für Dich denkst, dass sie eine hat, könntest Du mit ihren "Aussetzern" dann besser umgehen?
"Ach jetzt hat sie wieder ihre "dollen" fünf Minuten".... und weitergehen... gar nicht groß hören/interpretieren was sie sagt (wenn sie Dich konkret meint, kann sie Dich ja auch direkt ansprechen) das könnte ggf. helfen die Situation anders zu bewerten..wenn Du das kannst.
VG
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Nico
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Beitrag Do., 30.12.2021, 10:23

Gelbbauchunke hat geschrieben: Do., 30.12.2021, 10:12 Falls es dir an Abstraktionsvermögen fehlt, um die Situation zu erfassen, lass es einfach bleiben.
Hui da dürfte ich wohl getroffen haben, wenn du gar so laut jaulst. :lol:
Du störst dich daran dass sie im Keller Selbstgespräche führt.
Da sagt mein „ Abstraktionsvermögen“ dass es dir tatsächlich seeehr langweilig sein muss. ;)

Zufällig kenne ich einen Menschen näher der ganz ähnliche Probleme hat wie du und von daher kann ich die Möglichkeit nicht ausschließen, dass in deinem Fall nicht ( oder nicht alleine) deine Nachbarin psychische Probleme hat.
Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!

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Takli
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Beitrag Do., 30.12.2021, 10:38

Deine Beschreibung des Verhaltens deiner Nachbarin erinnert mich sehr an unseren mittlerweile verstorbenen Nachbarn, der dement war. Das ganze begann schleichend und gipfelte in völlig absurden Forderungen und weil wir denen nur bedingt nachkamen, in demonstrativen Unmutsbekundungen. Erst ganz zum Schluß wurde klar, daß das eine Erkrankung sein muß (ging über mehrere Jahre)

Wir hatten auch starke Schwierigkeiten mit seinem hartnäckig feindseligen Verhalten. Ignorieren half gar nicht. Wir haben trotzdem versucht nicht auf seine Provokationen einzugehen. Bei meinem Mann hat das sogar eine Psychose ausgelöst, weil er damit überhaupt nicht klar kam. Mir hat es auch sehr zu schaffen gemacht (nicht zuletzt, weil mein Mann dann auch noch völlig übertriebene Paranoia bekam). Erst als klar wurde, daß er dement sein muß, fiel es mir leichter damit umzugehen, mein Mann hatte weiterhin starke Wut- und Hilflosigkeitsgefühle.

Zum Glück ging es dann irgendwann nicht mehr mit dem Nachbar im Haus und er und seine Frau, die auch dement war, sind ins Altenheim umgezogen. Die uneheliche Tochter hat mir im Anschluß alles erzählt. Ich war ihr so dankbar dafür. Das bestätigte meine Vermutungen und entlastete uns erheblich.

Wir haben damals sogar mit dem Gedanken gespielt unser Haus zu verkaufen und woanders hinzuziehen. Leider kann ich dir überhaupt keine Tipps geben, wie man mit so einem Verhalten umgeht. Wir haben uns wie neugeboren gefühlt, als die beiden ausgezogen waren. Der um Hilfe gebetene sozialpsychiatrische Dienst konnte leider auch nicht viel machen. Er konnte nur dafür sorgen, daß ihm der Waffenschein und seine Waffen entzogen wurden. Aber immerhin, wer weiß, was sonst noch passiert wäre.

Du hast wirklich mein Beileid!

Edit: Fällt mir gerade noch ein. Die Selbstzweifel waren neben den Wut- und Hilflosigkeitsgefühlen am belastensten. Mir hat es damals noch geholfen in einer Gruppe für Angehörige von Dementkranken zu lesen. Einfach um ein bißchen inneren Abstand zu bekommen und die Aggressionen dieser Person weniger persönlich zu nehmen.
Zuletzt geändert von Takli am Do., 30.12.2021, 10:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Gelbbauchunke
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Beitrag Do., 30.12.2021, 10:46

Nico hat geschrieben: Do., 30.12.2021, 10:23
Gelbbauchunke hat geschrieben: Do., 30.12.2021, 10:12 Falls es dir an Abstraktionsvermögen fehlt, um die Situation zu erfassen, lass es einfach bleiben.
Hui da dürfte ich wohl getroffen haben, wenn du gar so laut jaulst. :lol:
.........
Fragt sich nur, wer mit dem Gekläffe angefangen hat.

Sie haben es immer noch nicht begriffen - es stört mich überhaupt nicht, dass Sie im Keller "Arsch****", "Wich***" etc. schreit, so dass es durch das ganze Haus schallt. Es stört mich auch nicht, dass Türen bewusst zuknallt, so dass die Wände vibrieren. Würde es mich stören, hätte ich mich längst beim Vermieter beschwert. Ich bin und war schon immer lärmresistent, sowas hat mich noch nie gestört, wirklich.
Es fällt mir unfreiwilligerweise auf, ob ich es will oder nicht. Da diese Ausfälle immer schlimmer werden, habe ich mir das zusammen geschrieben. Zugegeben, wenn nachts Sachen auf unserem Balkon geworfen werden, dann stört es mich schon ein bisschen. Es macht mir tatsächlich Sorgen, dass sich das in naher Zukunft noch mehr zuspitzt. Ich mach mir ehrlich gesagt weniger Sorgen um mich, als um meine Freundin und meine Hunde. Wenn Sie das jetzt Bespitzelung nennen, große Klasse.

Und ich habe auch eine Schwippschwägerin, deren dreibeinige Katze ihre rumänische Ziehmutter trollt genau so im Internet rum. Auch sie soll erst einmal vor ihrer eigenen Haustüre kehren.
Zuletzt geändert von Pauline am Do., 30.12.2021, 12:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag Do., 30.12.2021, 10:57

Gelbbauchunke hat geschrieben: Mi., 29.12.2021, 22:23 -Seltsamerweise ist sie zu dem Großteil der Nachbarn relativ nett. So z. B. hat sie den Nachbarn aus dem obersten Stock zum Einzug einen Sekt geschenkt, weil sie gerade zu diesem Zeitpunkt die Hausordnung gemacht haben. (s. a. 1. Spiegelstrich). Auch spricht Sie mit einer anderen Nachbarin immer sehr nett.
Warum soll das seltsam sein?
Das ist doch völlig normales Verhalten, was DU wiederum seltsam findest.
Und sie hat zu Weihnachten keinen Besuch bekommen??
Ist das etwa auch verboten in d e i n e m Haus?

Von Demenz oder einer psychischen Erkrankung die sich nur gegen gewisse Personen richtet, hab ich allerdings noch nie gehört
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Gespensterkind
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Beitrag Do., 30.12.2021, 11:20

Es gibt psychische Erkrankungen, die auch zu Deiner Beschreibung irgendwo passen würden. Ich schließe mich aber meinen "Vorschreibern" an - was bringt es, wenn man jetzt über irgendwelche Ferndiagnosen spekuliert, die weder verifiziert werden können, noch irgendwie weiterhelfen.
die Frage ist: was ist Dein Ziel? Was möchtest Du erreichen?
Du bist nicht ihr Arzt und auch nicht ihr Therapeut. Du kannst versuchen, mit ihr zu sprechen oder ihr zu schreiben, wenn das nicht funktioniert, dann bleibt Dir wohl nichts anderes übrig, als es auszuhalten, zu ignorieren oder auszuziehen. Der Hinweis auf den sozialpsychiatrischen Dienst bei V.a. eine psychische Erkrankung ist sehr gut. Da könntest Du Dich vielleicht auch erst einmal beraten lassen.
Alles andere ist hier nur Spekulation in den Wind hinein, die Dir leider nicht weiterhilft.


Jenny Doe
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Beitrag Do., 30.12.2021, 12:34

Takli: Deine Beschreibung des Verhaltens deiner Nachbarin erinnert mich sehr an unseren mittlerweile verstorbenen Nachbarn, der dement war.
Das war auch meine Fern-Verdachtsdiagnose.

Meine Freundin, die Krankenpflegerin ist, betreut auch gerade eine Patientin, die einen Bock nach dem anderen abschießt. Mal bezichtigt sie meine Freundin des Diebstahls, mal behauptet sie, die Rollos wären kaputt gegangen, weil jemand im Haus die Türe geknallt hat. Dann kommen Geschichten über Nachbarn, die dreckig sind, weshalb sie jetzt eine Hautkrankheit hätte. Es vergeht kaum ein Tag, an dem mir meine Freundin nicht eine neue Geschichte zu erzählen vermag

Ich selber kenne ein solches Verhalten auch von Demenzerkrankten in den Pflegeheimen, in denen ich ehrenamtlich gearbeitet hatte. So anstrengend solche Menschen auch sein können, man muss sich da echt abgrenzen und darf nicht persönlich betroffen reagieren. Die Menschen sind halt krank. Sie haben keine Kontrolle mehr über ihr Verhalten und sind auch über Einsicht nicht zu erreichen oder zu verändern.
Wir müssen das Leben loslassen, das wir geplant haben, damit wie das Leben leben können, das uns erwartet (Joseph Campbell). Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen (Hermann Hesse).