Tod nach 11 Jahren noch nicht verarbeitet?

Hier können Sie sich über Belastungen durch eigene oder fremde schwere Erkrankungen, aber auch den Umgang mit Tod und Trauer austauschen.
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Rhisaa
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Tod nach 11 Jahren noch nicht verarbeitet?

Beitrag Di., 04.01.2022, 20:32

Hallo,

ich bin nicht gut im Smalltalk und komme deswegen direkt zum Thema:

Mein bester Freund nahm sich vor 11 Jahren und 7 Monaten das Leben. Eigentlich dachte ich das ich zwar lange gebraucht aber es inzwischen gut verarbeitet habe.
Aktuell ist es nun so dass es einer Freundin von mir nicht sehr gut geht (innerhalb kurzer Zeit brach ihr bestehender Freundeskreis auseinander und ihr Partner verließ sie.) Aufgrund einer Autismusspektrumstörung bin ich im sozialen Umgang nicht sehr geschickt und ich habe kaum intuitive Eindrücke in zwischenmenschlichen Situationen. Wir sind schon länger befreunder aber ich war nie aktiver Teil ihres Freundeskreises da mir sowas viel zu viel trubel ist. Nun bin ich ihre einzige Bezugsperson und ich bin schier gelähmt vor Angst. Sie sagte mir dass sie sich Einsam und sehr traurig fühlt, nur kann ich mit diesen Informationen gar nicht soviel anfangen. Am liebsten würde ich sie ohne Unterbrechung im Auge behalten. Ich kann nicht einschätzen wie schlimm ihre Traurigkeit ist und auch nicht wie "robust" sie in solchen Dingen ist. Ich bin höchst angespannt und finde kaum Ruhe. Ich habe ständig die Sorge etwas wichtiges das sie mir subtil vermittelt nicht zu bemerken und was das für Konsequenzen haben könnte. Das ganze viel mir erst heute bei meinem Therapeuten auf als ich ihm von meiner Freundin erzählte. Ich wurde richtig laut (für meine Verhältnisse) als er sagte das es doch nicht meine Verantwortung wäre. Ich hatte meinem Therapeuten vorher noch nie von dem damaligen Suizid erzählt, weil ich damit im Alltag keine Probleme habe. (Dachte ich zumindest) Ich bin mir auch gar nicht sicher ob beides im Zusammenhang steht, ich meine kann das nach 11 Jahren noch sein?
Hat vielleicht jemand einen Rat, wie ich mit der Situation umgehen könnte?

Mfg

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Pianolullaby
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Beitrag Di., 04.01.2022, 21:44

Nun, er hat damit jedoch Recht. Es ist nicht Deine Verantwortung !!!! Da musst du auch nicht laut werden.

Nun, ich würde ihr anbieten, sie darf dich bei Problemen kontaktieren, Du kannst auch sagen dass Du ihr evt zu einer Therapie raten würdest. Aber NIEMALS ist es DEINE Verantwortung.
Wer einen Suizid wirklich durchführen will, tut das gegen jegliche Widerstände, egal welcher Art, und niemals hat jemand anderer die Verantwortung ausser der, der es auch durchführt
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Beitrag Di., 04.01.2022, 21:53

Vielen Dank für die Antwort.

Aber macht man es sich so nicht etwas zu leicht?
Einem Menschen geht es schlecht, vielleicht kann er sich nicht selbst helfen, sollte nicht genau da das Soziale Umfeld supporten?
Herdenschutz ist zusammen mit ausgeprägtem Sozialedürfnis der Grund warum die Menschliche Spezies evolutionär ein Herdentier wurde.

Ps: bitte um Hinweise wenn ich mich Unhöflich ausdrücke!

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Beitrag Di., 04.01.2022, 21:55

Nein, man macht es sich nicht zu leicht, im Gegenteil man macht sich viel zu viele Vorwürfe. Will es jemand, tut er es so oder so, ohne Frage, man kann niemanden aufhalten der das wirklich wil
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Beitrag Di., 04.01.2022, 22:01

Ich bin mir da nicht ganz sicher. Mein Freund rief mich damals kurz vorher auf dem Handy an. Allerdings schlief ich. Vielleicht hätte es etwas geändert, vielleicht auch nicht. Vielleicht muss der Zeitpunkt ein bessere sein, sich also schon genügend Kümmern bevor ein derartiges Bedürfnis aufkommt.

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Beitrag Di., 04.01.2022, 22:04

nein es hätte gar nichts geändert das wird dir jeder Mensch der davon Ahnung hat auch klar sagen.
wer so was will zieht es auch durch, im notfall sogar wenn du daneben stehst, man kann einen suizidkandidaten der es echt will nicht für lange aufhalten dann hätter er es an einem anderen Tag gemacht
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Beitrag Di., 04.01.2022, 22:07

Oh okay, dann danke ich dir.

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Beitrag Di., 04.01.2022, 22:09

Dir wird meine Antwort jedoch nichts bringen, wenn du nicht selber daran glauben kannst, dass es nicht deine Schuld ist. Das zeigt dein laut werden bei einem Psychologen, der professionell damit umgehen kann, und sich mit dieser Sache auskennt. Wenn Du ihm nicht glaubst, wem dann? Also wird jede Antwort die du bekommst Dir nicht diese Gewissheit bringen.
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Beitrag Di., 04.01.2022, 22:14

Aktuell suche ich einen Weg aus dieser extremen anspannung raus und mich etwas zu entspannen, ich weiß aber nicht wie. Mein körper macht einfach was er will. So hibbelig kann ich meine Freundin gar nicht richtig trösten.

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Gespensterkind
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Beitrag Mi., 05.01.2022, 15:28

Bewegung? Sport? Ablenkung? Entspannungsmethoden?
Es erscheint mir gerade auch sehr schwierig, Dich davon zu überzeugen, dass Du nicht die Verantwortung für den Suizid hast. Vielleicht ist dies gerade noch nicht der richtige Zeitpunkt.
Was tut Dir denn sonst gut in "schlechten Zeiten"?

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Sydney-b
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Beitrag Mi., 05.01.2022, 16:54

Weiß diese Bekannte, dass du unter einer Autismusspektrumsstörung leidest?
Eine richtig gute Freundin scheint diese Frau ja nicht zu sein.

Du kannst und darfst ihr doch deine Bedenken mitteilen.
Nämlich, dass du Angst hast, dass du eventuelle subtile Hinweise von ihr nicht richtig deuten kannst, aufgrund deiner Krankheit.
Auch, dass du nicht wirklich nachvollziehen kannst, was ihre Traurigkeitsgefühle und Einsamkeit bedeuten.
Ich würde ihr auch mitteilen, dass du dir große Sorgen um sie machst, weil du die Situation nicht richtig einschätzen kannst.
Um dich selbst zu schützen, solltest du dich ihr mitteilen.
Freundschaft ist schließlich ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Du bist nicht dafür verantwortlich, dass du im Moment ihre einzige Bezugsperson bist.
Hat sie denn keine Familie, die sie auch unterstützt?
Du könntest ihr noch den Rat geben, dass sie sich professionelle Hilfe suchen soll.
Dann hätte sie noch zusätzliche Unterstützung.
Falls sie dies ablehnt, ist dies ihr Problem.

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Kirchenmaus
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Beitrag Mi., 05.01.2022, 17:50

Hallo Rhisaa,

erst einmal möchte ich dir versichern, dass du dich nicht unhöflich ausdrückst.

Ich kann gut verstehen, dass dich der Suizid deines Freundes noch immer belastet. Ich finde das, ehrlich gesagt, normal.
Tatsache ist aber auch, dass du tatsächlich nicht verantwortlich bist.

Den folgenden Ratschläge kann ich mich nur anschließen:
Sydney-b hat geschrieben: Mi., 05.01.2022, 16:54 Du kannst und darfst ihr doch deine Bedenken mitteilen.
Nämlich, dass du Angst hast, dass du eventuelle subtile Hinweise von ihr nicht richtig deuten kannst, aufgrund deiner Krankheit.
Auch, dass du nicht wirklich nachvollziehen kannst, was ihre Traurigkeitsgefühle und Einsamkeit bedeuten.
Ich würde ihr auch mitteilen, dass du dir große Sorgen um sie machst, weil du die Situation nicht richtig einschätzen kannst.
Körperliche Bewegung wäre auch etwas, wozu ich dir raten kann. Das hilft, Druck abzubauen.

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Beitrag Mi., 05.01.2022, 18:31

Gespensterkind hat geschrieben: Mi., 05.01.2022, 15:28 Bewegung? Sport? Ablenkung? Entspannungsmethoden?
Es erscheint mir gerade auch sehr schwierig, Dich davon zu überzeugen, dass Du nicht die Verantwortung für den Suizid hast. Vielleicht ist dies gerade noch nicht der richtige Zeitpunkt.
Was tut Dir denn sonst gut in "schlechten Zeiten"?
Hallo Gespensterkind,

vielen Dank für deine Antwort.
Normalerweise ziehe ich mich (soweit es die Arbeit zulässt) aus sozialen Situationen zurück und befasse mich entweder mit Gaming oder Physik. Auch die Arbeit beruhigt mich sehr. (Arbeite im Steuerbüro) Aktuell ist meine konzentration aber so schlecht das ich es nicht richtig schaffe mich auf eine Sache zu fokussieren.
Ich bin grade von der Arbeit nach Hause gelaufen (7,8km) und bin tatsächlich angenehm erschöpft.

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Beitrag Mi., 05.01.2022, 18:47

Sydney-b hat geschrieben: Mi., 05.01.2022, 16:54 Weiß diese Bekannte, dass du unter einer Autismusspektrumsstörung leidest?
Eine richtig gute Freundin scheint diese Frau ja nicht zu sein.

Du kannst und darfst ihr doch deine Bedenken mitteilen.
Nämlich, dass du Angst hast, dass du eventuelle subtile Hinweise von ihr nicht richtig deuten kannst, aufgrund deiner Krankheit.
Auch, dass du nicht wirklich nachvollziehen kannst, was ihre Traurigkeitsgefühle und Einsamkeit bedeuten.
Ich würde ihr auch mitteilen, dass du dir große Sorgen um sie machst, weil du die Situation nicht richtig einschätzen kannst.
Um dich selbst zu schützen, solltest du dich ihr mitteilen.
Freundschaft ist schließlich ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Du bist nicht dafür verantwortlich, dass du im Moment ihre einzige Bezugsperson bist.
Hat sie denn keine Familie, die sie auch unterstützt?
Du könntest ihr noch den Rat geben, dass sie sich professionelle Hilfe suchen soll.
Dann hätte sie noch zusätzliche Unterstützung.
Falls sie dies ablehnt, ist dies ihr Problem.
Hallo Sydney-b,

vielen Dank für deine Antwort. Sie weiß das schon allerding ist bei einer ASS das Rainmann Klischee noch ziemlich verbreitet. Ich kann meine Defizite bis zu einem gewissen Grad gut kompensieren und "wirke" daher nicht sehr Eingeschränkt. Schon alleine aufgrund fehlender Körpersprache erwecke ich auch in höchst belastenden Situationen einen neutralen Eindruck. Die meisten Menschen sind irritiert wenn ich verbal etwas äußere was nicht zu meiner Körpersprache passt.

Ihre Familie lebt in einem anderen Bundesland und das Verhältnis scheint nicht gut zu sein. Sie spricht nicht viel darüber.

Am Freitag treffe ich mich mit ihr und werde deinen Rat befolgen und es direkt ansprechen.
Glaubst du sie wird ehrlich antworten?
Ich habe schon öfter beobachtet das Menschen sagten: "Ach, so schlimm ist es gar nicht." Obwohl es im Nachhinein dann doch ganz schlimm war.
Hast du vielleicht eine Formulierung für den teil das ich ihre traurigkeit nicht klar skalieren kann? Mir fällt dazu nichts ein außer eben dieser Satz. Ich weiß aber nicht ob das zu merkwürdig klingt.

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Beitrag Mi., 05.01.2022, 18:53

Kirchenmaus hat geschrieben: Mi., 05.01.2022, 17:50 Hallo Rhisaa,

erst einmal möchte ich dir versichern, dass du dich nicht unhöflich ausdrückst.

Ich kann gut verstehen, dass dich der Suizid deines Freundes noch immer belastet. Ich finde das, ehrlich gesagt, normal.
Tatsache ist aber auch, dass du tatsächlich nicht verantwortlich bist.

Den folgenden Ratschläge kann ich mich nur anschließen:
Sydney-b hat geschrieben: Mi., 05.01.2022, 16:54 Du kannst und darfst ihr doch deine Bedenken mitteilen.
Nämlich, dass du Angst hast, dass du eventuelle subtile Hinweise von ihr nicht richtig deuten kannst, aufgrund deiner Krankheit.
Auch, dass du nicht wirklich nachvollziehen kannst, was ihre Traurigkeitsgefühle und Einsamkeit bedeuten.
Ich würde ihr auch mitteilen, dass du dir große Sorgen um sie machst, weil du die Situation nicht richtig einschätzen kannst.
Körperliche Bewegung wäre auch etwas, wozu ich dir raten kann. Das hilft, Druck abzubauen.
Hallo Kirchenmaus,

vielen Dank für deine Antwort.
Das du die Situation für normal hälst hilft mir wirklich.
Ich war mir bei dem langen Zeitraum nichtmal sicher ob es wirklich im Zusammenhang steht.
Am Freitag treffe ich mich mit meiner Freundin und werde es direkt ansprechen.
Körperliche Bewegung hatte ich heute auch. Ich bin von der Arbeit Nachhause gelaufen. (7,8km) Ich bin tatsächlich schon ruhiger. Manchmal fällt einem wohl das naheliegendste nicht selber ein.