Diagnose Psychose mitten im Jobwechsel

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.
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gutwarmal
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Diagnose Psychose mitten im Jobwechsel

Beitrag Do., 26.05.2022, 16:56

Hallo zusammen,

ich lebe momentan in einer ziemlich schwierigen Situation. Vor kurzem habe ich mich beruflich deutlich verbessern können worauf ich viele Jahre hingearbeitet habe.
Nun kamen bei mir in der Wechselphase panische Episoden vor, ich habe Wochenlang nicht geschlafen und bin nach wie vor überzeugt davon, dass alles fingiert wurde um mich beim alten Arbeitgeber loszuwerden und mich beim neuen als Bauernopfer einzusetzen. Mein Umfeld meint ich hab sie nicht alle (so in etwa), ein Jurist hat nochmals bestätigt das meine vertragliche Situation nichts unübliches erkennen lässt. Doch lässt mich meine Angst nicht los, ich habe mal kaum Antrieb und bin dann wieder hochmotiviert und siegessicher. Hauptverdiener mit entsprechenden Verpflichtungen. Ich habe heute mal wieder ein absolutes tief und möchte mich am liebsten in Luft auflösen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das nicht jahrelang aushalte und irgendwie Hilfe brauche, Ruhe um mal runterzukommen und wieder zu mir zu finden.
Sobald ich mich beim neuen AG krank melde war es das mit der Karriere und dem Job.
Ein Psychiater meinte nach einem Gespräch es deutet vieles auf eine Psychose hin.

Ziemlich schwierig jetzt irgendwie zur richtigen Entscheidung zu finden und nicht aus der Situation heraus alles wegzuwerfen (Job, ggf. Haus...).

Ich bins nun mal losgeworden. Vielleicht hat jemand hier ja noch einen Ansatz.

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chrysokoll
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Beitrag Do., 26.05.2022, 19:25

kein Job der Welt ist es wert die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Du wirkst einerseits klar, reflektiert und selbstkritisch, andererseits mit eher ungewöhnlichen Ideen (alles fingiert)
Wochenlang nicht zu schlafen trägt sicher nicht dazu bei, noch gut arbeiten zu können.

Es gibt gerade wenn es dir nicht total schlecht geht sehr wohl noch Möglichkeiten jenseits von "alles wegwerfen" - was ja selbst wenn du krank wirst nicht sofort der Fall ist.

Was hat dir der Psychiater denn geraten?
Grundsätzlich wäre es besser jetzt zu reagieren und sich in Behandlung zu begeben als weiter abzuwarten. Von selber wird das ja eher nicht besser und den Job bist du ja vermutlich auch los wenn du weiter in eine mögliche Psychose rutschst.
Ich kann dir nur raten dich JETZT behandeln zu lassen

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Candykills
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Beitrag Do., 26.05.2022, 19:49

Ich kann mich da nur Chysokoll anschließen. JETZT hast du noch einigermaßen Einsicht, deswegen wäre es sinnvoll jetzt auch sich in Behandlung zu begeben. Ich denke nicht, dass du unbedingt stationär dafür musst.
Hat der Psychiater denn Medikamente vorgeschlagen oder verschrieben?
Vielleicht tun's Medis in Kombi mit einer Krankschreibung von 2 Wochen, um dich aus dieser Phase rauszuholen.
Je länger du aber wartest, umso schwieriger wird's wahrscheinlich am Ende.
🦄

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lisbeth
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Beitrag Do., 26.05.2022, 21:18

Du hörst dich so an, als ob du total unter Druck stehst. Von daher wäre auch mein Rat: Begib dich in Behandlung. Jetzt. Sofort. Denn so hast du eine Chance, dass das noch überschaubar bleibt und diese Chance solltest du dir unbedingt gönnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das von alleine wieder einrenkt halte ich dagegen für sehr gering. Und selbst wenn, dann könnte hinter der nächsten Ecke eine burn-out Depression warten, weil du scheinbar gerade massiv über dein eigenes Limit gehst.

Diese Gedanken im Sinne von "Jetzt ist alles aus" oder "dann kann ich ja gleich alles wegwerfen..." kommen oft auch dadurch zustande, dass Wahrnehmung und Denken in solchen Zuständen stark verzerrt sind. Mit Behandlung dürfte sich das hoffentlich auch bessern, so dass du auch wieder mehr Handlungsoptionen siehst.

Warst du denn "offiziell" bei einem Psychiater oder hast du jemanden in deinem privaten Umfeld mal so nebenbei gefragt?
Denn neben "Psychose in Reinform" kannst du auch bei anderen psychischen Störungen in akuten Phasen psychotische Symptome haben, da wäre es schon wichtig, genau hinzuschauen, damit du dann auch die passende Behandlung finden kannst. Bei deiner Beschreibung hier
gutwarmal hat geschrieben: Do., 26.05.2022, 16:56 ich habe mal kaum Antrieb und bin dann wieder hochmotiviert und siegessicher.
hab ich zB erstmal an Bipolare Störung denken müssen (disclaimer: Bin keine Ärztin!)
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― Anne Lamott

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Gespensterkind
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Beitrag Fr., 27.05.2022, 08:51

Hätte jetzt spontan auch an eine bipolare Störung gedacht. Es gibt aber ja auch bestimmte Vorstufen einer Psychose, zum Beispiel die polymorphe Störung mit Symptomen einer Schizophrenie. Das ist zunächst einmal keine akut exazerbierte Psychose und entsteht häufig unter besonderen Stress- und Anspannungssituationen. Die Symptome ähneln einer Psychose in manchen Teilen.
Wichtig ist, dass Du irgendwie den Stress deutlich reduzierst. Oft legt sich das dann sogar von selbst. Aber das ist sicher schwierig in einem neuen Job. Zwei Wochen Krankschreibung - wäre das denn drin? Und was rät Dir der Psychiater?
Es nützt Dir nichts, wenn Du jetzt nicht auf Deine Psyche hörst und Du dann vielleicht langfristig krank wirst.

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münchnerkindl
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Beitrag Fr., 27.05.2022, 09:22

Es gibt da etwas das nennt sich psychotisch dekompensieren. Das gibt es vor allem bei Traumafolgestörungen und Persönlichekeitsstörungen wie Borderlien, wenn der Stress im Leben zu viel und zu langandauernd wird gibt es Wahnideen und oder Halluzinationen als Reaktion auf den Dauerstress. Die nicht dauerhaft anhalten sondern wieder weggehen wenn wieder mehr Ruhe eingekehrt ist. Ich hatte das mal.

Wahnvorstellungen und Halluzinationen können aber auch im Rahme von schweren Depressionen oder einer bipolaren Störung auftreten.

Es gibt also verschiedene Krankeiten die mit solchen Symptomen einhergehen können. Das wichtigste ist jetzt erst mal dass du aus der Drucksitiuation rauskommst. Das gilt gleichermassen für alle Krankheiten die die Symptome auslösen können.
Von daher, ja den Job wirst du deiner Erkrankung opfern müssen, wenn die dich rauswerfen wenn du in der Probezeit ernsthaft gesundheitlich ausfällst. Es werden sich andere Jobs finden wenn es dir wieder besser geht.
Ich würde allerdings nicht erwarten, dass du von krankgeschrieben zuhause sitzen und nichts zu tun haben automatisch gesund wirst. Ich würde mir eine passende Klinik mit stationärer Psychotherapie suchen.

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gutwarmal
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Beitrag Fr., 27.05.2022, 09:47

Hallo zusammen und danke für die vielen Antworten.

Ich versuche mal die Fragen aufzugreifen.

Der Psychiater hat mir abilify gegeben womit es sich deutlich reduziert hat. Nun entsteht grade mächtig Druck und es kommt wieder mehr zu Tage.

Krankschreibung wäre wirklich das allerletzte Mittel, damit wäre ich den Job ganz sicher los bzw. es würde den Druck danach und vor allem die Fragen was denn los sei enorm pushen.

Privat ist es für den Hauptverdiener natürlich auch nicht einfach zu erklären, ich gehe dann mal wochenlang in Kur und vermutlich gibts bald kein Geld mehr.

Ihr habt sicherlich recht damit, aus gesundheitlicher Sicht jetzt die Reissleine zu ziehen wäre die diesbezogen beste Lösung. Dann muss ich danach beruflich aber wirklich komplett neu anfangen (Branche ist klein, man kennt sich) und das erzeugt natürlich dann auch wieder Druck.

Ich werde nochmal Kontakt zum Psychiater suchen.

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Fr., 27.05.2022, 10:57

Hi,
ich habe mal im Job, auch bei Überlastung, als Resultat einer Traumafolgestörung ziemlich irrational reagiert und bin auch immer weiter in den Stress reingelaufen. Bin dann gekränkt auf eine "Seniorenstelle" versetzt worden, was mich vor dem Jobverlust und vor dem Zusammenbruch gerade noch so bewahrt hatte. Ja, und in schwachen Momenten habe ich auch gedacht, es sei alles ein abgekartetes Spiel :anonym: Letztendlich bin ich dankbar.
Deine familiäre Situation in allen Ehren, aber auch bei der Reha gibts Geld und so schnell musst Du nicht in die Sozialwohnung. Wenn kurze Krankheit das Aus ist, ist es eh nicht der richtige Job. Vielleicht helfen ja schon 1 - 2 Wochen Ausschlafen, es gibt da auch nebenwirkungsarme Pillen. (Spreche aus Erfahrung.)

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gutwarmal
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Beitrag So., 29.05.2022, 08:18

Hallo zusammen,

ich drösel mal etwas auf was berufliches und gesundheitliches angeht.

Ich hatte wohl schon öfter mal den Punkt an dem eigentlich nix mehr ging. Vor wenigen Jahren hatte ich einen längeren Urlaub den ich zuerst alleine gestartet habe da meine Partnerin noch arbeiten musste. Ich konnte die eine Woche fast gar nix tun. Lag nur rum vor dem Fernseher und war nicht besonders gut drauf. Diese Schwermut plagt mich also schon länger und geht eigentlich nur weg wenn ich richtig viel um die Ohren habe und das Gefühl hab etwas grosses zu bewegen. Um mal ein Beispiel zu nennen. Im letzten Job war ich auch sehr unzufrieden, der Wechsel sollte der grosse Wurf werden. Vielleicht ist das mein Teufelskreis, ich tu immer mehr rein um eine Lücke zu füllen die ganz woanders her kommt...

Im neuen Job sind die Anforderungen nochmal deutlich höher und so wie es scheint sind da die wenigsten Kollegen auf ein gutes Miteinander aus. Mir wurden ganz offensichtlich schon Fallen gestellt auf die ich teilweise auch reingefallen bin. Ich mache also Fehler und frage mich wodran liegt es, dass mir solche Schrittfehler im Wassergraben passieren und ich erst Tage später merke: so hättest du es doch besser nicht geregelt... Ich hab das Gefühl ich bin nicht ganz wach manchmal. Liegt das am Abilify oder an der dauernden Überlastung? Keine Ahnung.

Soviel mehr kann ich grade auch nicht aufschreiben. Jedenfalls haben wir kommende Woche eine ziemlich stressige Zeit mit (vermutlich) Eskalationsgesprächen die mir ziemlich bevorsteht...

Grüsse und allen Mitlesern einen schönen Sonntag

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Takli
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Beitrag So., 29.05.2022, 09:31

gutwarmal hat geschrieben: So., 29.05.2022, 08:18 Ich hatte wohl schon öfter mal den Punkt an dem eigentlich nix mehr ging. Vor wenigen Jahren hatte ich einen längeren Urlaub den ich zuerst alleine gestartet habe da meine Partnerin noch arbeiten musste. Ich konnte die eine Woche fast gar nix tun. Lag nur rum vor dem Fernseher und war nicht besonders gut drauf. Diese Schwermut plagt mich also schon länger und geht eigentlich nur weg wenn ich richtig viel um die Ohren habe und das Gefühl hab etwas grosses zu bewegen.
Das ist ganz gefährlich, was du da machst. Du bist chronisch überlastet und stehst kurz vor einem Zusammenbruch. Die Schwermut, die du beschreibst ist Ausdruck einer massiven Erschöpfung. Du stehst kurz vor dem Punkt, an dem gar nichts mehr gehen wird. Wenn du so weiter machst, dann wird das Abilify auch nicht mehr helfen, du wirst dekompensieren und in der Psychiatrie landen.

Ich würde mich an deiner Stelle sofort krankschreiben lassen, mir einen Job mit weitaus weniger Anforderungen suchen und eine Therapie machen, um der zugrunde liegenden seelischen Verletzung auf den Grund zu gehen.

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münchnerkindl
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Beitrag So., 29.05.2022, 09:35

gutwarmal hat geschrieben: So., 29.05.2022, 08:18 Im neuen Job sind die Anforderungen nochmal deutlich höher und so wie es scheint sind da die wenigsten Kollegen auf ein gutes Miteinander aus. Mir wurden ganz offensichtlich schon Fallen gestellt auf die ich teilweise auch reingefallen bin.

Und da hast du dauerhaft Lust drauf?

:gruebel:

Was hat eine Arbeitsstelle mit miesem Betriebsklima dass du sie unbedingt behalten willst?

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münchnerkindl
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Beitrag So., 29.05.2022, 09:37

gutwarmal hat geschrieben: So., 29.05.2022, 08:18Ich hab das Gefühl ich bin nicht ganz wach manchmal. Liegt das am Abilify oder an der dauernden Überlastung? Keine Ahnung.


Das ist eine typische Nebenwirkung von eigentlich allen Neuroleptika.

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lisbeth
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Beitrag So., 29.05.2022, 09:53

Puh, gutwarmal, du beschreibst das klassische Hamsterrad:
Eigene Erwartungen die ins Unermessliche gehen, Druck von außen, der "Zwang" nach immerhöherschnellerweiter....

Kein Wunder dass du auf diesen Mix mit psychischen Problemen reagierst, da scheint eine Instanz in dir zu sein, die dir irgendwie mitteilen will, dass du dir selbst massiv schadest. Wenn du so weiter machst, dann prophezeie ich dir auch den Totalzusammenbruch.
gutwarmal hat geschrieben: So., 29.05.2022, 08:18 . Mir wurden ganz offensichtlich schon Fallen gestellt auf die ich teilweise auch reingefallen bin. Ich mache also Fehler und frage mich wodran liegt es, dass mir solche Schrittfehler im Wassergraben passieren und ich erst Tage später merke: so hättest du es doch besser nicht geregelt...
Ganz ehrlich: Das hier könnte aber auch deine eigene Paranoia sein, im Kontext der psychotischen Symptome.

Ich glaube jetzt hättest du noch eine reelle Chance, umzusteuern. Dafür musst du aber deine Überzeugungen auch mal hinterfragen: Ist dieser Job (oder irgendein Job) es wirklich wert, dass du dafür deine Gesundheit ruinierst? Warum hängt dein Selbstwert so extrem von dem ab, was du leistest? Lohnenswert wäre es sicher auch, mal die Vorstellung zu überdenken, dass das Wohl der ganzen Familie allein an dir als Hauptverdiener hängt. Denn das scheint dich ja auch enorm zu belasten. Es gibt auch alternative Modelle, ja da muss man sich vielleicht materiell ein wenig einschränken, aber insgesamt steigt die Lebenszufriedenheit.

Die Pillen alleine werden das alles nicht ändern. Abilify schlucken, um stur so weiter zu machen wie bisher, ist das schlechteste was du machen kannst. Denn damit hältst du dann dein dysfunktionales System aufrecht, und zwar mit "Doping".
Was Abilify oder andere Medikamente tun können: Die können dir ein wenig äußere Stabilität verschaffen, damit du an dir und deinen Einstellungen arbeiten kannst. Und dafür brauchst du eine Psychotherapie. Jemand, der dir mal ganz deutlich spiegelt, wie du mit dir selbst umgehst und welchen Raubbau du an deiner Gesundheit betreibst. Vielleicht kannst du auch ganz froh sein, dass deine Psyche sich gerade so vehement meldet, denn sonst würdest du so immer weiter machen, und dann wärst du vermutlich einer der Kandidaten, die mit Anfang 50 einen Herzinfarkt bekommen, denn dieser Druck macht etwas mit uns und unserem Körper.

Setz dich mit deinem Psychiater zusammen und frag ihn nach Möglichkeiten. Psychotherapeuten die er empfehlen kann, eventuell auch eine Klinik. Ja, dann bist du erstmal eine Weile AU. Aber wie schon andere gesagt haben: Du stehst nicht sofort ohne Einkommen da, es gibt Krankengeld, eventuell lässt sich auch eure Arbeitsteilung als Paar überdenken und neu aufteilen.

Und wenn dieser Job dich nach so kurzer Zeit so unter Druck setzt, dann sehe ich auch ehrlich gesagt wenig Möglichkeit, dass sich das noch einpendelt. Dann wäre vielleicht auch beruflich ein Umdenken angesagt, und das muss nicht das allerschlechteste sein. Ich bin gerade dabei, mich nach längerer (psychisch bedingter) Auszeit beruflich neu zu orientieren und bin immer noch überrascht, wie "leicht" und unkompliziert diese Arbeitsdinge auf einmal für mich sind. Das kannte ich vorher gar nicht. Und ich bin inzwischen froh darüber, dass ich so beruflich ganz neue Ideen entwickeln musste, denn das passt so viel besser zu mir. Und das beste ist: Die Welt ist davon nicht untergegangen, im Gegenteil.
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― Anne Lamott

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Beitrag So., 29.05.2022, 10:36

lisbeth hat geschrieben: So., 29.05.2022, 09:53 Ich glaube jetzt hättest du noch eine reelle Chance, umzusteuern. Dafür musst du aber deine Überzeugungen auch mal hinterfragen: Ist dieser Job (oder irgendein Job) es wirklich wert, dass du dafür deine Gesundheit ruinierst?

Die Betonung hier auf ruinieren. DAUERHAFT ruinieren.

Weil es gibt nach einem Totalzusammenbruch absolut keine Garantie dass du jemals wieder so normal leistungsfähig werden wirst wie vorher. Und je länger du deine Systeme mit Überlastung malträtierst umso weniger.

Ich bin zB daherhaft berentet deswegen. Meine Konzentrationsfähigkeit hat sich nie wieder auf ein Level vebessert wo das möglich wäre und das ist jetzt mehr als 20 Jahre her. Wobei ich damals gewillt gewesen wäre, mich hat nur weder der HNO mit dem Tinnitus noch der Psychiater krankgeschrieben, geschweige denn mich in eine psychosomatische Klinik geschickt, obwohl ich in der Praxis einen Heulanfall bekommen habe und der wusste dass ich Schichtdienst arbeite, wo auch schon damals bekannt war dass das psychiatrische Probleme auslösen kann.

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Beitrag So., 29.05.2022, 12:05

Puh, danke für eure ehrlichen Antworten auch wenn sich das ganze ziemlich bescheiden liest.

Tja. Selbstwert und Stellung ist sicherlich ein Riesenthema. Bisher hat er ja alles gewuppt.

Vor allem hab ich in der Vergangenheit auch alles mit mir selbst ausgemacht und ausgehalten. Tinnitus, Augenzucken, Kopf- und Rückenschmerzen... Naja und nun alles auf reset geben solange man nicht völlig am Boden liegt ist ja auch kein einfacher Schritt. Versteht ihr?

Und grundsätzlich macht mir die Arbeit ja auch Spass... Teufelskreis. Zumal ich dann in der Branche wirklich weg vom Fenster bin...