Sympathie zwischen Thera und Patient in Gruppentherapie nötig?

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ArcticFox
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Sympathie zwischen Thera und Patient in Gruppentherapie nötig?

Beitrag Mi., 23.11.2022, 13:49

Mal eine pragmatische Frage, v.a. an diejenigen, die schon mit Gruppentherapie Erfahrung haben:

Für wie wichtig haltet ihr die zwischenmenschliche Passung mit dem Therapeuten in einer reinen Gruppentherapie?

Zum Hintergrund:
Ich bin gerade auf der Suche nach einem Gruppentherapieplatz und hatte jetzt bei zwei Therapeut:innen ein Vorgespräch dazu. Bei beiden würde ich sehr wahrscheinlich nicht weitermachen, wenn es um einen Einzeltherapieplatz ginge. Die eine würde ich mir im Normalfall noch in 2-3 weiteren Sitzungen weiter anschauen, aber das ist bei ihr so nicht vorgesehen, sondern direkt der Einstieg in die Gruppe dann. Bei dem anderen gäbe es die Möglichkeit für 1-2 weitere Einzelsitzungen, aber ich habe bei ihm so ein mieses Gefühl, da möchte ich eigentlich gar nicht weiter hin.

Ich kann halt nicht einschätzen, wie viel Interaktion ich mit einer Therapeutin in den Gruppensitzungen überhaupt hätte und ob es da nicht eher auf die Gruppenteilnehmer ankommt, wie wohl ich mich fühle.

Ich wäre sehr an euren Erfahrungen und Einschätzungen interessiert :-)

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Montana
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Beitrag Mi., 23.11.2022, 14:47

Ich hatte in einer Klinik einen Gruppentherapeuten den ich echt gut fand. Er war sehr gut darin, die Gruppe zu lenken und ich hatte das Gefühl, er nahm trotz der vielen Teilnehmer wahr, ob die Leute aktiv teilnahmen oder nur anwesend waren. Als er im Urlaub war, ist dieselbe Gruppe bei der Vertretung völlig eskaliert.
Und als meine Einzeltherapeutin im Urlaub war, da hatte ich den als Vertretung und das funktionierte überhaupt gar nicht. Keine Ahnung, wieso, es war ja derselbe Typ.
Daher denke ich, es kann durchaus ein guter Gruppentherapeut in einer Einzelstunde einen schlechten Eindruck hinterlassen. Aber außer Acht lassen würde ich das Gefühl keinesfalls. Wenn es so stark ist, dass einer wirklich GAR nicht geht, dann wird das in der Gruppe bestimmt ähnlich. Dieser Therapeut in der Klinik war jetzt keiner, der bei mir generell eine Aversion ausgelöst hätte. Der war in jeder Hinsicht normal mit angenehmen Umgangsformen.

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Gespensterkind
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Beitrag Mi., 23.11.2022, 16:17

Ich kenne das auch hauptsächlich aus Klinikaufenthalten.
Ich hab eher die Erfahrung gemacht, dass ich bei den Therapeuten, bei denen es auch im Einzel nicht zwischen uns passte, es auch überhaupt nicht in der Gruppe ging.
Klar, kommt es in der Gruppe auch auf die Interaktion und die anderen Teilnehmer an. Aber der Therapeut muss ja schon auf seine individuelle Art lenken, leiten und Anregungen geben.
Wenn das für mich nicht passt, dann nützt es mir auch wenig, dass die Gruppenteilnehmer nett sind.

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Scars
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Beitrag Mi., 23.11.2022, 19:04

Ich denke es kommt auch etwas darauf an, welche Form von Gruppentherapie du machst. Ich habe mal eine psychodynamisch ausgerichtete Gruppentherapie gemacht, da hatte ich den Eindruck, dass es für die Patienten mit schlechter Beziehung zur Gruppenleitung schwieriger war sich zu öffnen und zu beteiligen. Die Therapeutin hatte natürlich auch einen Nachteil bei diesen Leuten, wenn es um „Interventionen“ ging. Es gab regelmäßig Abbrüche von Patienten, weil sich Übertragungsphänomene oder Konflikte nicht lösen ließen. Ich konnte trotzdem profitieren, aber wenn du die Wahl hast, würde ich dir empfehlen einen Therapeuten zu suchen, wo die Basis für dich stimmt.

Im ambulanten setting hat wahrscheinlich jeder Therapeut hat auch sein persönliches Klientel. Wenn der Therapeut dir nicht taugt, könnte ich mir gut vorstellen, dass dir die Menschen in der Gruppe auch nicht liegen.
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peppermint patty
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Beitrag Mi., 23.11.2022, 19:21

Meine Gruppenerfahrungen resultieren auch überwiegend aus dem klinischen Setting.
Für mich waren die Beziehungen zu den jeweiligen Therapeutinnen nicht besonders wichtig, nicht annähernd wie im Einzel.Die eine Gruppentherapeutin war mal die Vertreterin meiner Einzeltherapie in der es sehr knirschte, dies störte meine Gruppentherapie für mich aber nicht.
Manchmal gibt es in der Gruppentherapie ja auch bestimmte vorgegebene Themen. Da ist die Beziehung noch unwichtiger. Viel wichtiger fand ich immer die Beziehungen zu meinen Mitpatientinnen in der Gruppe. Mit denen tausche ich mich aus, von und mit denen lerne ich.
Man kann ja sicher auch mal zum „Schnuppern“ an einer Therapiesitzung teilnehmen. Dann kannst du dir selbst ein Bild machen.
Bei einem mir völlig unsympathischen Therapeuten würde ich dennoch nicht bleiben, denn öffnen muss man sich auch in einer Gruppe.

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Fairness
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Beitrag Mi., 23.11.2022, 19:58

Hallo ArcticFox,

das würde ich unter anderem auch davon abhängig machen, wie oft Du Sympathie beziehungsweise Antipathie gegenüber anderen Menschen empfindest.

Ich finde aber, dass wenn ich mich auf eine Arbeitsbeziehung oder Gruppe einlasse, ist es schon besser, wenn ich bei jemandem beginne, bei wem ich keine 'Minus'-Eindrücke von Anfang an habe. Ich würde den Interventionen des Therapeuten vertrauen wollen. Wenn ich eine neutrale oder positive Einstellung habe, könnte eventuell auch noch Konflikt entstehen - das ist nicht ausgeschlossen - und bei Antipathie finde ich das dem Therapeuten und auch der Gruppe gegenüber respektvoller, fern zu bleiben.
Folge diesem Wille und diesem Weg, den die Erfahrung als deinen eigenen bestätigt: das heißt, als den wahren Ausdruck deiner eigenen Individualität. (C.G.Jung)


Bluemoon123
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Beitrag Mi., 23.11.2022, 20:28

Aber es gibt doch auch bei Gruppentherapie probatorische Sitzungen! Warum behauptet dieser Therapeut das wäre "nicht vorgesehen"? Ich war dieses Jahr mal bei einer Therapeutin zum Vorgespräch, die mich auch für eine Gruppentherapie aufgenommen hätte. Die hat ganz klar gesagt, dass es am Anfang auch für die Gruppe eine Probatorik gibt (also vorher ein paar Einzelsitzungen und dann Gruppe). Das ist ja nicht nur für die Teilnehmer wichtig, um herauszufinden ob man mit der Therapeutin in dem Setting kann. Sondern auch für die Therapeutin. Sie hat mir da erklärt, dass es durchaus auch schon vorgekommen ist, dass sie in den ersten probatorischen Sitzungen bei Patienten gemerkt hat, dass die nicht für die Gruppe geeignet sind. Da muss ja dann auch was anderes gefunden werde, bevor da Einer oder Eine drin ist, der oder die die ganze Gruppe sprengt.

Also ich finde es sehr seltsam, dass Dir gesagt wird, dass sofort ein voller Einstieg erfolgen muss und Du keine Zeit hast zu testen ob Dir das passt oder nicht.

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ArcticFox
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Beitrag Mi., 23.11.2022, 22:28

Danke für eure unterschiedlichen Erfahrungsberichte. Ich muss nochmal ein bisschen drüber nachdenken, aber tendiere gerade schon eher dazu, nicht blindlings in eine Gruppe zu stürzen, wo mir der/die Therapeut:in sehr unsympathisch ist. Kommt bei mir eigentlich auch nicht so wahnsinnig oft vor, dass mir jemand direkt unsympathisch ist. Meistens bin ich erstmal neutral gestimmt. Aber vielleicht bin ich auch noch voreingenommen, weil meine Einzeltherapie ja noch nicht so lange her ist und ich meinen alten Therapeuten immer noch ziemlich vermisse. Und vielleicht vergleiche ich unterbewusst gerade diese Theras mit ihm und da können sie nur verlieren. Aber ich weiß es nicht. Vielleicht sind sie mir auch einfach wirklich nicht so angenehm.

@ Bluemoon
Ja, ich habe mich auch über diese Aussage gewundert, weil ich es auch anders gelesen habe, aber ich kenne mich im Bereich Gruppentherapie ja nicht aus und habe es für möglich gehalten, dass die probatorischen Einzelsitzungen dabei optional sind. Macht sie mir jetzt auf jeden Fall nicht sympathischer...


Generell weiß ich gerade noch gar nicht, ob ich überhaupt eine Gruppentherapie von der KK finanziert bekomme. Wie gesagt war ich ja noch bis vor 3 Monaten in Einzeltherapie, bin also noch innerhalb der berüchtigten 2-Jahres-Frist. Mein ehemaliger Therapeut sagte mir zwar, dass das kein Problem wäre, weil inzwischen wohl die Gutachterpflicht bei Gruppentherapien abgeschafft wäre, aber der eine der beiden Theras, bei denen ich jetzt zum Vorgespräch war meinte, dass trotzdem nicht sicher ist, ob die KK das dann bezahlt und man da auf die Kulanz der KK angwiesen wäre, zumindest, wenn die Gruppentherapie im selben Richtlinienverfahren ist, wie die Einzeltherapie. Davon hat die andere jetzt allerdings auch nichts erzählt. Alles ein Kuddelmuddel...

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Montana
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Beitrag Do., 24.11.2022, 09:53

In eine Gruppe "reinschnuppern" ist für die bestehende Gruppe ziemlich doof, wenn das ständig vorkommt. Ich sehe da auch eher Sinn in mehr probatorischen Einzelsitzungen.

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ArcticFox
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Beitrag Fr., 25.11.2022, 12:47

Da ich mich dazu entschlossen habe, jetzt doch noch etwas nach Gruppentherapieplätzen zu suchen, hatte ich eben eine weitere Telefonrunde. Was man dabei so alles erlebt...

Thera 1:

Thera: sagt seinen Nachnamen
ich: Hallo, hier ist <Nachname>.
Thera: Wer?
ich: <Nachname>
Thera: Hä?
ich: Ähm, ich heiße <Nachname>
Thera: Ja, aber wer sind Sie? Was wollen Sie?
ich: schweige kurz verwirrt, dann langsam und deutlich : Äh, also, mein Name ist <Vorname> <Nachname> und ich bin auf der Suche nach einem Gruppentherapieplatz.
Thera: Wie kann das sein? Wieso rufen Sie hier an?
ich: Ja, also, weil ich Ihre Praxis bei der Googlesuche gefunden habe...
Thera: Aber woher haben Sie diese Nummer?
ich: mittlerweile sehr genervt Aus dem Internet.
Thera: Aber das ist meine private Handynummer! Wie können Sie die haben?
ich: Naja, auf der Seite von der 116117 Ärztesuche steht diese Nummer als Kontakt.
Thera. Das ist ja unglaublich und eine absolute Unverschämtheit. Ich habe jetzt aber auch keine Zeit mehr. legt auf


Thera 2:

Ich war etwas verwirrt, weil Google mir 2 verschiedene Orte der Praxis mit jeweils unterschiedlichen Sprechzeiten angezeigt hat, daher war ich mir nicht sicher, ob ich jetzt zum richtigen Zeitpunkt anrufe. Außerdem gab es widersprüchliche Informationen dazu, ob die Therapeutin momentan überhaupt Gruppen anbietet.

ich: Hallo, hier ist <Nachname>. Ich weiß gar nicht, ob ich jetzt eigentlich in Ihrer Sprechzeit gelandet bin. Aber da Sie drangegangen sind...
Thera: Ja, eigentlich bin ich gerade in einem Gespräch. Geht es um die Vereinbarung eines Erstgesprächs?
ich: Ja, genau. Dann sagen Sie mir doch, wann Ihre Sprechzeiten sind, dann rufe ich nochmal an.
Thera: Nee, ich hinterlege bei der Terminservicestelle immer Termine für die Erstgespräche, dann machen Sie bitte darüber einen Termin. Allerdings ist für dieses Jahr kein Gespräch mehr frei.
ich: Ja, äh, aber ich muss Sie noch fragen: Ich bin auf der Suche nach einen Gruppentherapieplatz. Bieten Sie aktuell überhaupt Gruppen an?
Thera: Ja, ja. Hm, na dann schreiben Sie mir doch am besten eine Email. diktiert mir ihre Mailadresse und wir legen auf.

Beide Telefonate haben mir eigentlich schon direkt gesagt, dass ich da nicht hin möchte. Die erste war so unfreundlich und ängstlich und obendrein nicht besonders kooperativ, um das Problem aufzuklären. Da sehe ich schwarz, falls jemals ein Konflikt während der Therapie auftreten sollte und die andere geht offenbar während einer laufenden Sitzung an ihr klingelndes Telefon. Das find ich ein absolutes No-Go. Oder bin ich da jetzt zu empfindlich?

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Sydney-b
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Beitrag Fr., 25.11.2022, 13:19

Die zweite Therapeutin kann auch gerade in einem Gespräch mit ihrer Mutter... gewesen sein.
Eine laufende Sitzung mit einem Patienten wird das eher nicht gewesen sein. :->
Es schadet also nichts, wenn du ihr eine Mail schreibst.
Vielleicht passt dir dann der Wochentag der Gruppenstunde nicht, oder inhaltlich geht es an deinen Themen vorbei.
Dann hätte sich das eh erledigt.
Du kannst das aber nur in Erfahrung bringen, wenn du dich vorab informierst.

Die erste Therapeutin war wohl vollkommen irritiert, weil du ihre Privatnummer hast.
Sehr professionell hat sie trotzdem nicht reagiert.
Da würde ich es wohl bleiben lassen.

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Gespensterkind
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Beitrag Fr., 25.11.2022, 16:31

Unglaublich. Ich wäre vermutlich bereits nach dem ersten Telefonat so irritiert, dass ich mich nicht mehr trauen würde, noch woanders anzurufen. Aber ich wünsche Dir auf jeden Fall noch viel Glück bei Deiner Suche und drücke die Daumen, dass es klappt!

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Scars
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Beitrag Fr., 25.11.2022, 16:51

Ich sehe das inzwischen so: Psychotherapie ist „von der Sache her“ eine Dienstleistung. Würdest du dein Auto in eine Werkstatt bringen, die einen derartigen Kundenservice anbietet? Ich nicht. Es kommt mir vor, als würden die meisten Therapeuten Papierkram + Patientenkommunikation nicht leiden können, aber es gehört nunmal zum Job. Es sagt für mich etwas über den Menschen und dessen Professionalität aus, wie er mit unliebsamer Arbeit umgeht und sich organisiert.
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Candykills
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Beitrag Fr., 25.11.2022, 17:08

Ich finde die Passung immer wichtig, auch wenn ich Gruppentherapie nur aus dem stationären Setting kenne.
Genauso wie es mit der Gruppe auch irgendwie passen muss und zwar so, dass man sich öffnen kann, aber Reibungen durchaus möglich sind.
🦄