Extreme Entscheidungsschwierigkeit

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Anni1991
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Extreme Entscheidungsschwierigkeit

Beitrag So., 19.03.2023, 10:17

Liebe alle,


Bei mir tritt immer wieder mal das Problem auf, dass ich mich extrem schwer tue, eine Entscheidung zu treffen.

Zur Zeit ist es mal wieder so, aber so dass es mich seit Wochen quält. Ich an kaum anderes denke…

Es geht darum, dass ich umziehe und die Wahl zwischen zwei Wohnungen habe in einem Haus, wo ich einziehen könnte.
Diese Entscheidung zu treffen stresst und quält mich aber so sehr, dass ich langsam am Ende mit meinem Latein bin.

Vor allem, dass ich nur noch irgendwie daran denke, die Gedanken darum kreisen, wie ich mir vorstelle, wie Lösung A oder Lösung B wäre, sich anfühlen würde, aussehen würde und was eben besser wäre, so dass ich es nicht hinterher schmerzlich bereue, weil ich nachher merke, die andere Wohnung wäre besser gewesen für mich. :kopfschuettel:
Ich fahre schon immer wieder dran vorbei und versuche mich „darein zu fühlen“. Aber habe das Gefühl, so richtig könnte ich das nur, wenn ich in beiden Wohnungen in Ruhe nochmal allein sein kann, doch die Möglichkeit gibt es nicht, war mit dem Makler schon drin und die tippen sich auch an den Kopf bei ihrem Terminplan, wenn ich sage, ich möchte nochmal länger in beide Wohnungen rein (fühlen). Vor allem, ist es mir selbst so unangenehm und ich habe das Gefühl ich bin einfach verrrückt, weil ich denke, das keiner sich da so nen Kopf und so nen Problem mit hat, wie ich.
Zudem merke ich, wie ich schon Tinnitus und Kopfschmerzen bekomme, wenn ich versuche, mich gedanklich darein zu fühlen und mir das vorzustellen immer wieder, weil es einfach nur bis zu einem gewissen Punkt geht und ich merke, dass das Gehirn da an Grenzen kommt, als wenn es sich aufhängt. Weil man es eben erleben muss, um es wirklich zu wissen, wie es dann ist.

Ich denke, das Problem ist, dass beide Wohnungen ihre totalen Vorzüge haben.
Die eine Wohnung liegt hinten des Gebäudes und ist somit irgendwie geschützter, weniger einsehbar und man hätte noch einen Grünstreifen daneben und schaut in den Nachbarsgarten…
Die andere liegt ganz vorne im Gebäude und hat den Vorteil des Wahnsinns Weitblick über Felder, Hügel und Berge sowie die Stadt, welcher mich wirklich sehr reizt. Dafür führt aber die Einfahrt direkt davor her auf den Parkplatz der Wohnungen und man kann so eben gut reinschauen.

Ich hatte mich jetzt schon für die hintere Wohnung entschieden, weil mir das geschützte wohl sehr wichtig ist auch, doch nun lässt mich der Gedanke an die andere Wohnung mit dem Weitblick, welcher ja echt selten geworden ist bei der Bevölkerungsdichte, nicht los und ich habe plötzlich das Gefühl, die ist besser und ich verpasse total was.
Es macht mich wahnsinnig!
Vor allem, dass, wenn man schon dachte, man hat jetzt eine Entscheidung und kann das Thema endlich sorgenfrei abhaken, kommen die ganze Zeit die Gedanken, dass es doch nicht richtig war.

Ich wünsch mir einfach nur Frieden in meinem Kopf. Das Gefühl, es ist jetzt gut so.

Wahrscheinlich denkt ihr auch, die hat Probleme… aber für mich ist es gerade der Horror, das es mich nicht loslässt, nicht in Ruhe lässt.

Woher soll man bloss wissen, was das Richtige ist?
Zuletzt geändert von Anni1991 am So., 19.03.2023, 10:31, insgesamt 1-mal geändert.

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Gespensterkind
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Beitrag So., 19.03.2023, 10:29

Es wird - wie bei so vielen Dingen im Leben - nie die eine einzig richtige Entscheidung geben. Zudem kann eine Entscheidung für einen so richtig sein, für den anderen so. Vielleicht sind auch beide Richtungen richtig und es gibt auch kein falsch dabei.
Ist das denn für Dich ein Grundproblem: sich nicht entscheiden können? Und wie hast Du das sonst für Dich gelöst?


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Anni1991
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Beitrag So., 19.03.2023, 11:03

Ja, ist es.. Ich denke begründet darin, dass ich auch seit meiner Jugend an wiederkehrenden Depressionen leide und oft das Gefühl hatte, die falsche Entscheidung in meinem Leben getroffen zu haben, so dass es mich danach ewig begleitet und gequält hat.

Ich habe sonst Pro und Contra Listen gemacht, kenne ich noch aus meiner Therapie. Aber leider hat mir das bisher auch nicht immer dazu verleitet, die richtige Entscheidung zu treffen und ich habe das Gefühl, es ist eben auch eher ein Gefühlsding. Dass die rationalen Punkte dabei nicht so die Rolle spielen, sondern mehr wie es sich nachher anfühlt. Bin generell mehr der Gefühls- (Intuitions-) Mensch als der rationale.

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Gespensterkind
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Beitrag So., 19.03.2023, 11:13

Pro und Contra Listen sind sicherlich nicht verkehrt um eine Entscheidung abzuwägen.
Genauso wichtig ist es aus meiner Sicht allerdings auch, dass man eine Entscheidung, die man getroffen hat auch vor sich selbst akzeptiert.
Ich betrachte meine Entscheidungen als "Weg" und "Prozess". Und keine Entscheidung muss für immer sein, auch das ist für mich hilfreich. Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, dann versuche ich das Beste an dieser Entscheidung zu sehen. Und dass es nun der nächste Schritt ist, den ich gehen werde in diese eine Richtung. Bis ich merke, dass ich eine neue Entscheidung treffen muss/will usw.
Ich meine: Du kannst Dich jetzt für eine der beiden Wohnungen entscheiden und diese Entscheidung zunächst versuchen zu akzeptieren. Aber es muss dennoch nicht die Wohnung bis ans Ende Deines Lebens sein. Und Du wirst Dich wieder und neu entscheiden können, wenn Du das möchtest.


Marcel1234
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Beitrag Mo., 31.07.2023, 11:25

Huhu,

ich hoffe mein Post kommt nicht zu spät. Aber tatsächlich habe auch extreme Probleme mit Entscheidungen. Das ist mir damals gar nicht so stark aufgefallen. Erst als ich irgendwann durch einen dummen Zufall gemerkt habe, dass sich mein Freundeskreis "schneller" entscheiden konnte als ich, wurde ich skeptisch.
Mein Therapeut sagt immer, dass man mit etwas Humor an manchen Themen rangehen soll. Da habe ich direkt ein passendes Beispiel: Bei mir ist es die Entscheidung zwischen 2 Waschmitteln. Sie waschen exakt gleich. Jedoch ist der Duft anders, weshalb ich mich nie entscheiden kann. Ich bin dann mal zum Entschluss gekommen beide im Wechsel zu verwenden, aber irgendwie war diese Vorgehensweise nicht befriedigend und bin nach 1 1/2 Jahren dazu übergegangen es einfach laufen zu lassen. Und siehe da: die Entscheidung kam von ganz alleine. :)

Aber ja, ich kenne das. Bist also nicht alleine. Auch wenn es weniger ahnen mögen, ist das tatsächlich sehr belastend. Mir kam auch oft der Gedanke "Was stimmt denn mit mir nicht, wenn ich mich nicht mal "eben" zwischen Beige und Schwanz entscheiden kann".

Das ist alles sehr individuell und ich kann dir natürlich nur meine Vorgehensweise mitteilen. Versuch da etwas Humor reinzubringen um das Schwere aus den Gedanken und Entscheidungen zu nehmen. Wenn du merkst, dass wieder der gleiche Film im Kopf abgespielt wird, versuchen zu denken "Ach, der Film wieder. Der wird langsam langweilig" und versuche diesen Teil im Kopf, der für genau diese Gedanken zuständig ist, anzuschmunzeln. :)

Mir hat das sehr geholfen, vorallem den Entscheidungsdruck zu überwinden. :)
Wenn ich nicht kämpfe, habe ich schon verloren! Im Kampf kann Humor wichtig sein. :)

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Sinarellas
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Beitrag Mo., 31.07.2023, 13:46

manchmal kann auch eine Münze helfen.
Sie werfen und entscheiden lassen, Kopf ist Waschmittel 1, Zahl ist Waschmittel 2. Dann einfach stupide sie entscheiden lassen und machen. Egal bei was. Wenn man dann unzufrieden mit dem Ergebnis ist, nimm das andere. Wenn es egal ist emotional, mach das was die Münze gesagt hat.
Was eine richtige Entscheidung WAR weiß man erst wenn man sie getroffen hat, also mit neuen Infos dann anders entscheiden. ich versuche gut abzulegen verbissen "das richtige" zu tun und mehr ins Handeln zu kommen. Wenn ich dann X mal irgendwas entschieden habe, hat mein Hirn neue Daten und kann ggf. beim nächsten Mal schneller schalten.
..:..