Therapeut/Situation hat mich verletzt.

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Alina1982
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Therapeut/Situation hat mich verletzt.

Beitrag Sa., 15.04.2023, 14:18

Hallo,

Ich bin gerade sehr verletzt, und Weine ständig seit der letzten Therapiestunde ,und würde gerne eure Meinung dazu wissen.


In der letzten Stunde sprachen wir über meine Ängste und Dissoziationen.
Er meinte zu mir "ja kann ich verstehen, wenn zb jetzt ein betrunkener Mann uns entgegen kommt,dann dissoziiren sie wieder.
Blieb plötzlich stehen und meinte "dann würden sie wieder so stehen .
In dem Moment blieb Er stocksteif stehen und verzog dabei sein Gesicht.Stand mindestens so eine halbe Minute.
Mich hat dieses nach äffen ziemlich verletzt.
Er weiß wie sehr es mich immer beschäftigt, wenn ich draußen Panik bekomme und andere es mitbekommen.

Ich bin verletzt.Er hat sich in dem Moment über mich lustig gemacht.So empfinde ich diese Situation.

Reagiere ich über ?

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Sinarellas
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Beitrag Sa., 15.04.2023, 14:27

bitter, geht gar nicht so ein verhalten.
Gib ihm die chance das aufzuklären und sprich es an. Dann weitersehen
..:..

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Sydney-b
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Beitrag Sa., 15.04.2023, 14:38

Traust du dich, solche Verletzungen in der Stunde anzusprechen?
Wäre zumindest sehr wichtig für dich.
Sicherlich wird es einen Grund geben für sein Verhalten.
Wart ihr zu dem Zeitpunkt gemeinsam spazieren?

Ich bin mir sicher, dass keine böse Absicht hinter seinem Verhalten steckt.
Deshalb: klärt es zusammen in der Stunde miteinander.

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münchnerkindl
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Beitrag Sa., 15.04.2023, 14:45

Sydney-b hat geschrieben: Sa., 15.04.2023, 14:38
Ich bin mir sicher, dass keine böse Absicht hinter seinem Verhalten steckt.
Deshalb: klärt es zusammen in der Stunde miteinander.

Sicher kann man sich da nie sein. Weil es eben auch Therapeuten mit einem, sagen wir mal Charakterproblem, gibt, neben Therapeuten die so einen Blödsinn in dem Moment ernsthaft für therapeutisch nützlich gehalten haben könnten.

Bei "muss geklärt werden" stimme ich dir aber zu.

Ich bin als Kind von der Täterin nachgeäfft worden um mich zu beschämen, von daher verstehe ich da genauso wenig Spass wie du.

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chrysokoll
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Beitrag Sa., 15.04.2023, 14:58

Alina1982 hat geschrieben: Sa., 15.04.2023, 14:18 Ich bin verletzt.Er hat sich in dem Moment über mich lustig gemacht.So empfinde ich diese Situation.
Reagiere ich über ?
nein, finde ich nicht . Du fühlst dich verletzt, er hat sich aus deiner Sicht über dich lustig gemacht, das ist DEIN Gefühl. Und das ist da und zählt.
Mir würde es übrigens genau so gehen, ich wäre total gekränkt und verletzt und unsicher.

Wichtig ist es genau das zu sagen. Genau so!
Wenn du es nicht sagen kannst dann schreib es, schreib ihm vorher oder bring den Brief / Zettel mit in die Stunde.

Vielleicht hat er es nicht so gemeint. Vielleicht war er gedankenlos. Oder doch mies? Oder er hielt das für eine geeignete therapeutische Intervention. Wie auch immer: Es ist zentral das zu klären und auch dass es für dich so nicht geht.

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Montana
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Beitrag Sa., 15.04.2023, 15:44

Ohne zu wissen, was wirklich der Grund für seine Aktion war, erinnert es mich an etwas. Es ist ähnlich wie eine Erziehungsmethode, bei der tatsächlich Kinder durch Nachmachen ihres Verhaltens bloßgestellt werden. Vielleicht hat schonmal jemand davon gehört, dass man sich z.B. als Mutter im Supermarkt schreiend auf den Boden werfen soll, um einem Kind genau das abzugewöhnen. Wenn er derartiges bezweckt, also dass das Dissoziieren aufhören soll dadurch, dass man das von außen betrachtet peinlich findet und es deshalb unterlässt, nun ja, das offenbart dann, dass er das Problem gar nicht verstanden hat. Er wäre aber nicht allein mit solchen Ideen. Dissoziation durch Erziehungsmaßnahmen zu verhindern, propagieren viele, auch Kliniken. Ich habe dazu mal eine unsägliche Präsentation einer großen Klinik im Internet gefunden, die aber inzwischen offline ist.

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Shukria
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Beitrag Sa., 15.04.2023, 16:40

Ich versteh gar nicht den Sinn dieses Nachahmens, ja vielleicht wollte er spiegeln wie das auf Außenstehende wirkt aber mit welchem Ziel denn??

Dissoziationen verbessern sich, wenn die Ursache dahinter bearbeitet wird und im Alltag helfen Dir Strategien da raus zu kommen aber es hilft nicht weil es blöd für andere ausschaut das zu lassen oder dich das abzugewöhnen. So ein verhaltenstherapeutischer Mist hilft nicht.

Hat er überhaupt Wissen um Traumata???

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Sa., 15.04.2023, 16:41

Genau, einfach verbieten bzw. mit Aggressionen/verbaler Gewalt unterbinden wie bei einem dressierten Hund. Wie bei Flashbacks. So die Theorie mancher Behandler. Bei mir wurde es mal mit Anbrüllen, mal mit Entlassungsdrohung versucht. hat aber nicht geholfen, nur die Ängstlichkeit/Verletztheit steigt.
Kann man eben nicht so abdressieren, jedenfalls meine Laienerfahrung.

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Beitrag Sa., 15.04.2023, 21:57

Alina1982 hat geschrieben: Sa., 15.04.2023, 14:18 .
Blieb plötzlich stehen und meinte "dann würden sie wieder so stehen .
In dem Moment blieb Er stocksteif stehen und verzog dabei sein Gesicht.Stand mindestens so eine halbe Minute.
Ehrlich gesagt verstehe ich den Sinn dieser Aktion so überhaupt gar nicht. Ich würde ihm sagen, dass dich das verletzt hat. Ich würde ihn auch fragen, wie dir dieses Nachäffen helfen soll....

Dissoziationen sind ein Schutzmechanismus des Gehirns. Und ein Therapeut sollte dir dabei helfen, dass du das irgendwann nicht mehr bemötigst diesen Schutz etc. pp.

Verhält er sich häufiger so bescheuert?
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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Louna
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Beitrag So., 16.04.2023, 12:23

Du reagierst auf keinen Fall über.
Mich hätte die Reaktion so sehr verletzt, dass ich die Therapie nicht fortgeführt hätte.
Sowas geht absolut gar nicht.

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Tobe
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Beitrag Mo., 24.04.2023, 18:17

Hallo Alina,

ich verstehe dieses Nachahmen von dissoziativen Zuständen auch nicht.
Dies hätte mich genauso verletzt wie Dich.
Ich habe auch mit Dissoziationen zu kämpfen und mein Therapeut käme niemals auf so eine Idee.
Das ist einfach nur empathielos.
Einen therapeutischen Zweck kann ich ebenfalls nicht darin erkennen.

Auch ein therapeutisches Spiegeln, hat da doch m.E. überhaupt keinen Sinn.
Therapeutisches Spiegeln habe ich bisher auch nur bezüglich meiner eigenen (gewählten) Körperhaltung erlebt. Also wenn ich zum Beispiel wieder “duckmäuserich“ im Sessel saß und mich dadurch eben auch selber einenge. Er hatte mich dabei aber auch nicht “nachgeäfft“, sondern Beispiele gezeigt und mir dazu auch gegenteilige Haltungen und dazu erklärt was dies im eigenen Körperempfinden verändert.
Dies macht meiner Meinung nach dann wirklich Sinn.

L.G. Tobe
Haltet die Welt an, ich will aussteigen.
Wenn du den Tag wie die Nacht empfindest,
Einsamkeit mit Schicksal verbindest,
Traurigkeit dein Leben hüllt,
weisst du, wie sich meiner einer fühlt.

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Joa
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Beitrag Di., 25.04.2023, 07:34

Hey Alina,

meine ehemalige Therapeutin hat mich auch mal nachgeäfft im Bezug auf meine Gleichgültigkeit. Nichts hatte mehr Bedeutung (ich war schwer depressiv) und damit konnte sie offenbar nicht. Das ist ihr ausgerutscht und sie hat es dann auch als Spiegeln abgetan. Ich war sehr sauer und verletzt, wollte erst abbrechen.

Ich hab's dann nicht getan, weil es auch Vieles gab, das gut gepasst hat. Letztendlich hat sich da aber was Destruktives durch die ganze Therapie gezogen und ich hätte vermutlich auf mein Bauchgefühl hören sollen.

Nachäffen geht echt gar nicht!! Ich möchte dich ausdrücklich dazu ermutigen, auf dein Bauchgefühl zu hören!

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Fairness
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Beitrag Di., 25.04.2023, 12:55

Hallo Alina,

es scheint mir, dass Du Dich ernstgenommen fühlen brauchst und das ist mit dem Nachäffen eher kaum der Fall. Wenn ich mir die beschriebene Situation für Dich vorstelle, würde ich, denk ich, beginnen, die Passung zu hinterfragen.

Ich denke ich würde noch nicht abbrechen und eher mit ihm darüber sprechen. Ihm ist das vielleicht bisher nicht bewusst, dass Du das brauchst. Erst wenn es nochmal vorkommen würde, würde ich bei ihm aufhören wollen.

Lieben Gruß.
Man sieht, was man am besten aus sich sehen kann. (C.G.Jung)

Grief is just love with no place to go. (Jamie Anderson)