Schrödingers Therapie - Therapeutin und doch keine Therapie

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urmely
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Schrödingers Therapie - Therapeutin und doch keine Therapie

Beitrag Mo., 17.06.2024, 14:33

Ich glaube, ich muss mich hier "ausheulen", gerade komme ich überhaupt nicht mehr klar.

Meine Therapeutin ist wieder einmal sang- und klanglos ohne Ankündigung "verschwunden". Dieses Mal fühlt es sich endgültig an.

Die Vorgeschichte:

2022 habe ich eine Therapie bei einem Therapeuten abgebrochen, der narzisstischen Missbrauch betrieben hat. Rückblickend war es die absolut richtige Entscheidung, auch wenn ich für den Abbruch mehr als 1 Jahr gebraucht habe.
Im Januar 2023, 1/2 Jahr nach Therapieabbruch, habe ich eine Aktenkopie nach DSGVO bei diesem Therapeuten angefordert. Letzten Mittwoch habe ich die Aktenkopie bekommen, nach zig Anwaltsschreiben, durch den Therapeuten verschobenen Gerichtsterminen, einem vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich, den er angenommen und nicht erfüllt hat, Androhung von Zwangsgeld und Zwangsvollstreckung und nochmals 2maliger Fristüberschreitung.
Das alles hat mich viel Kraft gekostet, hat mir aber insofern geholfen, dass es mir bestätigt hat, was ich intuitiv schon wusste: dass dieser Therapeut mir nichts Gutes will.

Ich habe dann im März 2023 eine neue Therapeutin gefunden. Eigentlich war ich bei ihr, weil ich eine psychiatrische Betreuung benötigte, meine Anfrage nach Therapie war im Vorfeld schon von der Praxis abgelehnt worden, da alle Plätze voll und keine Warteliste. Zu dieser Ärztin wollte ich unbedingt, da sie sich mit meinen komplexen Diagnosen (ASS/ADHS/kPTBS/Depression) auskennt und lange Zeit als Oberärztin in einer Klinik in der Autismus-Ambulanz tätig war.
Bei diesem ersten psychiatrischen Termin bot sie mir einen Therapieplatz an. Ich habe mich gefühlt, als hätte ich im Lotto gewonnen.

Vor meiner ersten Therapiestunde hatte die Therapeutin einen Unfall. Erst wurden die Termine immer wieder verschoben. Dann ganz abgesagt. Ich sollte mich immer wieder in der Praxis erkundigen.
Nebenher hatten wir immer wieder per Mail Kontakt. Die erste Zeit regelmäßig, weil sie davon ausging, dass sie bald wieder arbeiten würde. Dann kam der erste Abbruch im Herbst 2023. Für fast 5 Wochen kam keine Mail von ihr. Für mich eine harte Zeit, denn es reißt alte Themen wie "du bist zu viel", "keiner will dich" auf. Natürlich ist mir kognitiv klar, dass der Heilungsverlauf nicht war wie gewünscht und dass sie selbst zu kämpfen hat.
Ich habe ihr dann eine Mail geschickt, in der ich ihr dafür gedankt habe, dass sie mich aufnehmen wollte. Es hat sich für mich so aussichtslos angefühlt und ich wollte einen Abschluss. Sie schrieb zurück, dass sie weiter vor habe, wieder zu arbeiten und dass ich mir weiter Hoffnung machen soll. Dann wieder wochenlang nichts.

An Weihnachten kamen plötzlich, nach 4 Wochen Schweigen, Weihnachtsgrüße von ihr mit einer Entschuldigung, dass sie so lange nicht geschrieben hat. Sie sei im Januar auf Reha und würde sich von dort melden.

Es kam wieder keine Antwort. Zu der Zeit hatten wir mehrmals hin und her gemailt bezüglich eines Buchs über Autismus, das ich gelesen und das sie dann auch gekauft hatte.

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urmely
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Beitrag Mo., 17.06.2024, 14:38

Immer, wenn so lange Kontaktabbrüche da sind und sie nach mehreren Mails mit Abständen von maximal 14 Tagen plötzlich nicht mehr schreibt, stürze ich ab. Ich muss viel "arbeiten", um mich zu regulieren, weil es sich jedes Mal unerwartet kommt und mein Vertrauen, dass die Verbindung stabil ist, erschüttert wird. Dazu kommt, dass ich ja nie weiß, OB sie überhaupt noch einmal schreibt.

Ich hatte bei den letzten Malen ihr schon geschrieben, dass mich das ziemlich stresst. Eigentlich muss ihr das auch klar sein, wenn sie sich mit Autismus und kPTBS auskennt (was sie ja von sich sagt).

Jetzt sind wieder knapp 5 Wochen rum, ohne eine Nachricht von ihr. Vor gut 2 Wochen habe ich ihr noch eine kurze Mail geschickt, einfach mit einem Buchtipp. Mir ist klar, dass der Drang, ihr das Buch zu empfehlen eher davon kam, dass ich schauen wollte, ob eine Reaktion von ihr kommt. Nichts.

In der Praxis habe ich heute mal wieder angefragt, ob es schon Infos zu ihrer Rückkehr gibt. Die Antwort war: keine Infos.

Kognitiv ist mir klar, dass sie sich mit dem Kontakt zu mir "übernommen" hat. Sie hat es wohl nicht geschafft, mir zu sagen, dass sie den nicht mehr möchte, weil vermutlich mittlerweile unklar ist, ob sie überhaupt noch einmal arbeiten wird. Der Unfall ist jetzt ca. 14 Monate her.

Ich weiß, dass ich ihr nicht mehr schreiben werde, weil das einfach nur eine zusätzliche Belastung für sie ist, wenn sie selbst eine unklare Zukunft hat.

Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass sie Verantwortung übernimmt und mir eine Mail schickt, um diesen Kontakt offiziell zu beenden, so dass ich damit abschließen kann.

Verloren habe ich durch das Warten nichts, da ich weiterhin bei mittlerweile 3 TherapeutInnen auf der Warteliste stehe, schon länger, als ich diesen Therapieplatz in Aussicht hatte. Ich bin froh, dass ich die Wartelisten damals nicht direkt abgesagt habe. Ich wollte erst einige Therapiestunden gehabt haben, um zu sehen, ob es klappt. Gerade auch, weil ich bisher keine guten Therapieerfahrungen in ambulanten Therapien gemacht habe.

Trotz allem Wissen und Verstehen, dass sie gerade selbst Probleme hat, fühlt es sich für mich einfach schrecklich an. Mit jedem Tag, der ohne Nachricht vergeht, fühle ich mich verlassener. Ich hatte in den letzten 3 Monaten mehrere Erkrankungen, die auf Stress zurückzuführen sind (antibiotikapflichtige Divertikulitis und 2 x Gürtelrose im Abstand von knapp 4 Wochen).

Hat jemand eine Idee, wie ich die Kognition meinem Nervensystem klar mache?

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SinnIch
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Beitrag Mo., 17.06.2024, 16:07

Aus meiner Erfahrung ist das meist nicht so dramatisch wie du es dir ausmalst. Wenn der Mailkontakt so war wie du es beschrieben hast, halt ich es eher für unwahrscheinlich, dass das sooo wild ist wie du jetzt denkst. Vielleicht hat sie aber das letzte Mal (Buchtipp) nicht geantwortet, weil sie gemerkt hat, dass du da "nur" den Kontakt suchst und dich da nicht füttern will. Oder einfach nicht drüber nach gedacht oder vergessen zu antworten..
Ich kenn dein Verhalten und Emotionen von mir selber nur zu gut, musste fast lachen, weil mir genau das mit dem Buchtipp auch schon passiert ist ;-)
Den ultimativen Tipp hab ich auch nicht. Versuch es immer wieder mit Realitätscheck (was ist denn schon wirklich passiert...?).

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lisbeth
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Beitrag Mo., 17.06.2024, 16:26

urmely hat geschrieben: Mo., 17.06.2024, 14:38 Kognitiv ist mir klar, dass sie sich mit dem Kontakt zu mir "übernommen" hat. Sie hat es wohl nicht geschafft, mir zu sagen, dass sie den nicht mehr möchte, weil vermutlich mittlerweile unklar ist, ob sie überhaupt noch einmal arbeiten wird. Der Unfall ist jetzt ca. 14 Monate her.
Du führst hier etwas auf Dich zurück, was ziemlich sicher nichts mit dir persönlich zu tun hat.
Sie hat sich übernommen, sie leidet ziemlich sicher unter Langzeitfolgen ihres Unfalls. Aber das ist so, egal ob sie mit dir in Kontakt ist oder nicht. So "wichtig" bist du nicht, dass du alleine da den Ausschlag geben würdest ;-)

Es ist eine doofe Situation, keine Frage. Und ich kann verstehen dass du darunter leidest. Ich hatte mal eine ähnliche Situation.
Sie kann ihre Belastungsfähigkeit offensichtlich nicht gut einschätzen und ist auch nicht besonders gut in klarer Kommunikation. Vielleicht ist die auch völlig unstrukturiert und chaotisch. Vielleicht kann sie sich ihre Grenzen auch selbst nicht offen eingestehen, soll auch bei Therapeutinnen vorkommen.

Dass du glaubst, dass es allein an dir liegt, ist dein alter Film von früher, sicher auch befeuert durch die Therapieerfahrung bei dem furchtbaren Therapeuten... Die Wahrheit ist: die Gründe liegen bei der Therapeutin.
Es ist schade, dass diese Therapeutin nicht zur Verfügung steht. Denn auf dem Papier stimmt ja alles...

Ich würde mich an deiner Stelle nach vorne orientieren, also schauen, ob sich bei deinen Wartelistenplätzen etwas tut und dort in absehbarer Zeit etwas frei wird.
LG l.
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urmely
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Beitrag Mo., 17.06.2024, 16:30

SinnIch hat geschrieben: Mo., 17.06.2024, 16:07 Aus meiner Erfahrung ist das meist nicht so dramatisch wie du es dir ausmalst. Wenn der Mailkontakt so war wie du es beschrieben hast, halt ich es eher für unwahrscheinlich, dass das sooo wild ist wie du jetzt denkst.
Na ja, ich hänge vor allem an der Tatsache, dass sie jetzt seit ca. 14 Monaten nicht arbeitet und es laut Praxis (sie ist in einer Praxis mit 3 Ärzten/Therapeuten) keine Planung gibt, dass sie in absehbarer Zeit wieder arbeiten wird.
14 Monate lässt darauf schließen, dass irgendwas nicht so läuft, wie es ursprünglich angedacht war.
Die ersten Wochen waren die Mails so, dass es ums Kennenlernen ging und darum, was meine Therapieziele sind. Seit dem ersten längeren Abbruch ist es nicht mehr so. Das beunruhigt mein Nervensystem, auch wenn mir kognitiv völlig klar ist, dass sie gerade andere Prioritäten hat.

Und doch, mein Instinkt sagt mir, dass die Therapie nicht starten wird und mein Instinkt liegt leider sehr häufig richtig :-((

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urmely
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Beitrag Mo., 17.06.2024, 17:26

lisbeth hat geschrieben: Mo., 17.06.2024, 16:26 Dass du glaubst, dass es allein an dir liegt, ist dein alter Film von früher, sicher auch befeuert durch die Therapieerfahrung bei dem furchtbaren Therapeuten... Die Wahrheit ist: die Gründe liegen bei der Therapeutin.
Es ist schade, dass diese Therapeutin nicht zur Verfügung steht. Denn auf dem Papier stimmt ja alles...
Ja, die "Psycho"-Therapie des letzten Therapeuten habe ich tatsächlich noch nicht wirklich verwunden. Es hat mir allerdings ein positives Gefühl gebracht, dass er jetzt meinem Wunsch vollumfänglich nachkommen musste, obwohl er wirklich jeden Versuch gemacht hat, mich mit einzelnen fast unleserlichen Zetteln abzuspeisen. Zwischenzeitlich gab es dann die Behauptung, es gäbe nicht mehr Dokumente. Jetzt habe ich mehr als 200 Seiten ordentlich kopierte Unterlagen...

Als mein Anwalt mir am Mittwoch noch gesagt hat, dass er die Motive dieses Therapeuten nicht nachvollziehen kann, dass dieser seiner Meinung nach wirklich üble Gefühle mir gegenüber haben muss und, dass ihm die Kosten keine Versicherung erstattet, da er von Anfang an keine Aussicht auf Erfolg hatte, habe ich mich tatsächlich gefreut, ein Gefühl, dass ich selten habe.

Ich knabber eben auch so hart an allem, weil ich diese Therapeutin vermutlich viel zu sehr idealisiert habe. Sie kennt sich mit Autismus aus, hat zu Depressionen bei Autisten geforscht und eine Traumetherapieausbildung. Und dann war es noch SIE, die mir unerwartet einen Platz angeboten hat, mit der Begründung, dass sie wüsste, wie schwierig Psychotherapie für Autisten ist, wenn die therapierende Person sich nicht damit auskennt. Mir kam es wie Weihnachten und Ostern gleichzeitig vor.
lisbeth hat geschrieben: Mo., 17.06.2024, 16:26 Ich würde mich an deiner Stelle nach vorne orientieren, also schauen, ob sich bei deinen Wartelistenplätzen etwas tut und dort in absehbarer Zeit etwas frei wird.
LG l.
Ja, da bin ich dran. Mein ADHS-Gruppentherapeut hat mir angeboten, er könnte mir in den nächsten Monaten Einzelgespräche in größerem Abstand geben, einen Therapieplatz hat er leider auf absehbare Zeit nicht. Aber so komme ich dann irgendwie weiter, bis eine der Wartelisten einen Platz ergibt.

LG

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Beitrag Mo., 17.06.2024, 20:38

Also die Therapeutin hatte einen wahrscheinlich etwas schweren Unfall. Dass man da in den ersten Monaten vielleicht noch nicht sagen kann, o und wann man wieder arbeiten kann. Klar. Sie war ja jetzt auch in Reha.

Sorry spätestens jetzt werden ja wohl die behandelnden Ärzte eine Prognose abgegeben können, ob und wann ungefähr, sie wieder arbeitsfähig sein wird. Was soll das denn heißen in absehbarer Zeit? Monate? Jahre? Was sagen ihre Ärzte dazu?
Klar, die Praxis muss da ja nicht ins Detail gehen, aber eine grobe Einschätzung kann man schon verlangen, finde ich. Mir helfen nur konkretere Informationen in solchen Situationen..
"You cannot find peace by avoiding life."
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urmely
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Beitrag Di., 18.06.2024, 05:12

~~~ hat geschrieben: Mo., 17.06.2024, 20:38 Mir helfen nur konkretere Informationen in solchen Situationen..
So geht es mir auch. Und ich hätte mir eben gewünscht, dass ihr das auch bewusst ist.

Ich habe mehrfach in den letzten Monaten gefragt, ob ich aufhören soll auf einen Therapiebeginn zu warten und die Reaktion war immer in die Richtung "wie kommen Sie auf diese Idee, natürlich fange ich bald wieder an zu arbeiten".

Für mich wäre es ok, wenn sie schreiben würde: "sorry, es ist anders als geplant, ich werde nicht im Zeitraum X zurück kommen." oder "Die Prognose ist, dass es noch mindestens x Monate dauert".

Mich stresst, dass ich nicht weiß ob und wann sie sich meldet, oder ob ich vielleicht nie wieder von ihr höre. Vereinbart war eigentlich ein 14tägiger Kontakt per Mail. Beim letzten Kontaktabbruch habe ich nach 4 Wochen per Mail gefragt, ob ich etwas missverstanden habe, weil mich die fehlende Antwort irritierte. Sie schrieb etwas von Login-Problemen in ihren Praxis-Mailaccount. Dann gab es noch 1 "normalen" Kontakt und jetzt wieder seit gut 4 Wochen nichts.

Ich hatte auch schon Phasen, da hatte ich vermeintlich für mich akzeptiert, dass das mit der Therapie nichts wird (was mein Trauma befeuert, dass MIR nichts Gutes passieren kann). Dann kam wieder eine Mail und ich hatte wieder Hoffnung.

Alles doof.

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chrysokoll
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Beitrag Di., 18.06.2024, 09:00

Deinen Frust und deine Verunsicherung verstehe ich da absolut!

Wäre es eine Möglichkeit wenn du gleichzeitig jetzt noch anderswo nach Therapie suchst? Und ja mir ist klar das ist schwierig, aber nicht unmöglich.
Wenn du wirklich strukturiert vorgehst, Zeit und Energie in die Richtung aufwendest.
Ich kann mir vorstellen dass es dir damit besser geht als da immer hinterherzurennen

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lisbeth
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Beitrag Di., 18.06.2024, 09:04

Hallo Urmely,

mich machen solche Situationen wo das, was mir mitgeteilt wird mit dem, was ich erlebe, nicht zusammenpasst, auch völlig fertig. Ich halte das so gar nicht aus.

Mich erinnert das was du schreibst sehr an meine Ex-Therapeutin, die hatte mich nach der Probatorik 'geghostet' - nach langem In-der-Luft-hängen und Hin und Her (ich hab zwischenzeitlich auch andere Therapieplätze gesucht) hab ich 9 Monate später dann doch bei ihr angefangen. Auch bei mir war Idealisierung ein starker Faktor, irgendwas (ich kann es bis heute nicht klar benennen) hat mich wie ein starker Magnet zu dieser Frau hingezogen, ich war überzeugt: Nur die kann mir helfen... Letztlich ist diese Therapie dann gescheitert, vor allem weil diese Therapeutin nicht in der Lage war einen klaren Rahmen herzustellen und mich diese mixed messages von ihr mich nur noch verwirrt und verunsichert haben und meine Versuche, da für Klärung zu sorgen wurden von ihr dann als "ausgelagerte Aggressionen" aufgefasst, mit denen ich ihr die Schuld für "meine Wut" zuschieben wolle.

Im Rückblick kann ich sagen, dass die 'red flags' von Anfang an da waren, die Unklarheit in der Kommunikation, kein klarer Rahmen, hält sich nicht an ihre eigenen Aussagen und Absprachen, übernimmt für ihre "Fehler" auf diesem Gebiet auch keine Verantwortung. Gibt vielleicht Menschen, die damit klarkommen, ich gehöre nicht dazu.

Da von seiten dieser Therapeutin keine klare Aussage kommt, schaffst du es denn, für dich da einen Schlusspunkt zu setzen? Ich weiß, es wäre einfacher, wenn sie einfach sagen würde: "Tut mir Leid, ich habe meine gesundheitliche Situation falsch eingeschätzt, ich bin einfach noch nicht wieder belastbar und arbeitsfähig und kann auch nicht sagen, wann das sein wird..." Aber anscheinend ist sie zu einer realistischen (?) Selbsteinschätzung und auch zu einer klaren Kommunikation nicht in der Lage. Redet sich vielleicht ihre eigene Situation auch schön, weil die Realität für sie selbst nicht gut zu ertragen wäre. Und du sitzt da und fragst dich, warum sie die Dinge nicht einfach so benennt wie sie sind.

Oder willst du warten, bis sie ihr Comeback hat? Immer mit dem Risiko verbunden, dass sie sich wieder falsch eingeschätzt hat und ihre Kräfte wiederum nicht reichen, um ihrer Arbeit nachzugehen?

Was bräuchtest du, um für dich damit abschließen zu können? Gut dass dein ADHS-Therapeut dich zumindest punktuell unterstützt. Vielleicht kannst du mit ihm auch besprechen, wie du wirklich einen Punkt dahinter setzen kannst?
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Beitrag Di., 18.06.2024, 09:22

lisbeth hat geschrieben: Di., 18.06.2024, 09:04 Was bräuchtest du, um für dich damit abschließen zu können? Gut dass dein ADHS-Therapeut dich zumindest punktuell unterstützt. Vielleicht kannst du mit ihm auch besprechen, wie du wirklich einen Punkt dahinter setzen kannst?
urmely muss das ja noch nicht einmal jetzt komplett abschliessen, aber in aller Intensität weiter anderswo nach Therapie suchen.
Ich würde mich auf so viele Wartelisten setzen lassen wie möglich, oft geht es dann nämlich doch schneller als man denkt.
Alle Quellen anzapfen bei der Suche, so viele Erstgespräche wie möglich, auch dort immer nach weiteren Tipps fragen - bei mir hat sowas dann doch immer recht schnell zum Erfolg geführt.

Wenn die Therapeutin nun wider Erwarten jetzt anfängt und Zeit hat ist ja nichts verloren, aber es sieht nicht so aus.

Was man sich auch immer klarmachen muss: Für einen selber ist sowas elementar wichtig und zentral.
Aber für die Therapeutin ist man nur irgendein Patient unter vielen, hier noch dazu einer den sie noch gar nicht behandelt hat.
Sie sollte da natürlich trotzdem so viel Verantwortungsgefühl haben klar zu kommunizieren. Hat sie aber nicht, und das allein wäre für mich ein Signal. Eines dass sowas in der Regel nicht besser wird.

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lisbeth
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Beitrag Di., 18.06.2024, 09:38

chrysokoll hat geschrieben: Di., 18.06.2024, 09:22 Wenn die Therapeutin nun wider Erwarten jetzt anfängt und Zeit hat ist ja nichts verloren, aber es sieht nicht so aus.
Ich weiß nicht wie das bei Urmely ist, aber ich (bin selbst gerade in ASS-Diagnostik) brauche bei sowas Klarheit. Mit dieser Restwahrscheinlichkeit kann ich nicht gut umgehen, ich kralle mich innerlich/emotional daran fest und solange da noch die Möglichkeit ist, dass ich bei dieser Therapeutin dann Therapie mache (egal wie gering die statistische Wahrscheinlichkeit ist), dann bin ich nicht in der Lage, nach vorne zu schauen oder zu gehen. Wenn von der Therapeutin keine klare Aussage kommt, dann würde ich versuchen, für mich selbst die Klarheit herzustellen.

Ich würde auch befürchten, dass sich diese Wischiwaschi-Kommunikation und die daraus resultierenden Widersprüche auch in der Therapie fortsetzen. Wenn die Therapeutin es in 14 Monaten nicht geschafft hat, Klartext zu reden, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie es dann in der Therapie macht? Auch wenn sie vielleicht aufgrund ihrer Spezialisierung auf ASS/ADHS/Trauma wissen sollte, dass ihre Zielgruppe da Klarheit etc braucht. Wissen resultiert nicht immer in Handlung, auch bei Therapeuten nicht. Ich glaube, mit einem ASS-Profil neigt man dazu, sich immer wieder auf das Gesagte zu beziehen, weil das 'verlässlicher' erscheint. Dass die Handlungen oder die nonverbale Ebene manchmal das Gegenteil aussagen, dringt nicht immer durch (geht mir jedenfalls oft so, und es kann mich in endloser Verwirrung zurücklassen, weil: xy hat doch gesagt, dass....)
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Beitrag Di., 18.06.2024, 09:46

danke für diese Klarstellung liebe lisbeth!
Wenn diese Klarheit wichtig ist, dann ist es umso elementarer da abzuschliessen und sich auf die Suche nach einer wirklichen Therapie zu konzentrieren. Und das möchte ich urmely in jedem Fall raten

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Beitrag Di., 18.06.2024, 09:53

lisbeth hat geschrieben: Di., 18.06.2024, 09:04

Was bräuchtest du, um für dich damit abschließen zu können? Gut dass dein ADHS-Therapeut dich zumindest punktuell unterstützt. Vielleicht kannst du mit ihm auch besprechen, wie du wirklich einen Punkt dahinter setzen kannst?
Danke für deine ausführliche Antwort. Dieses Idealisierungsproblem hat mich auch schon 1,5 Jahre bei meinem Psycho-Therapeuten ausharren lassen, bevor ich endlich (mit Hilfe meine ADHS-Therapeuten und einer der beiden Therapeutinnen, bei denen ich auf der Warteliste stehe) verstanden habe, dass gar nicht ICH das Problem bin.
Nach dem Abbruch brach richtiggehender Hass von diesem Therapeuten über mich herein. Er beantwortet Anfragen des Versorgungsamtes nicht und verschleppte so meinen Antrag auf einen GdB. Er schrieb einen diffamierenden Brief an meinen Anwalt, der den Anspruch auf die Kopie der Krankenakte für mich durchsetzen sollte, was den Anwalt dazu brachte, mich persönlich kennenlernen zu müssen (vorher hatten wir nur per Mail und Telefon Kontakt). Auch die Tatsache, dass es ihn sicher einige hundert Euro gekostet hat, meine Aktenkopie nicht herausgeben zu wollen, spricht dafür, dass er selbst das Problem war. Und trotzdem habe ich immer noch das Gefühl, bei der Therapie versagt zu haben.

Mit meinem ADHS-Therapeuten werde ich, wieder mal, versuchen den Absprung von einer idealisierten Therapie zu schaffen. Das war der u.a. der Anlass für sein Gesprächsangebot.

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Beitrag Di., 18.06.2024, 09:58

chrysokoll hat geschrieben: Di., 18.06.2024, 09:22
Ich würde mich auf so viele Wartelisten setzen lassen wie möglich, oft geht es dann nämlich doch schneller als man denkt.
Alle Quellen anzapfen bei der Suche, so viele Erstgespräche wie möglich, auch dort immer nach weiteren Tipps fragen - bei mir hat sowas dann doch immer recht schnell zum Erfolg geführt.
Ich hatte in den letzten Jahren Erst- und Zweitgespräche mit rund 40 TherapeutInnen. Daraus resultieren eben die 2 Wartelisten und die ADHS-Gruppentherapie.

Es gibt in erreichbarer Nähe keine wirkliche Option mehr für mich und ganz ehrlich gesagt, bin ich dazu gerade auch nervlich gar nicht mehr in der Lage. Ich habe so viele unschöne Erlebnisse während der Suche gehabt, dass ich starke Zweifel habe, dass ich überhaupt jemals in einer Therapie ankommen werde.
Ich weiß, dass Therapie mit mir nicht einfach ist und das wissen TherapeutInnen auch. Es macht etwas mit mir, wenn die 5. oder 6. Person in Folge mir sagt, dass sie sich ein Arbeiten mit mir nicht zutraut.