Ungeziefer in meiner Wohnung - ab wann aufgeben?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.

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moony111
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Ungeziefer in meiner Wohnung - ab wann aufgeben?

Beitrag Mi., 10.07.2024, 00:27

Hallo an alle,

der Titel mag übertrieben klingen, aber ich kann einfach nicht mehr.
Ich wohne seit Anfang 2023 alleine und hatte in meiner ersten Wohnung zwar schon mentale Erkrankungen (Depression und leichte Zwangshandlungen), diese haben sich aber verdreifacht durch laute, respektlose Nachbarn. Ich musste es dort dann ein Jahr aushalten und konnte nicht mehr runterfahren.

Habe es dann trotzdem aus eigener Kraft geschafft, eine neue Wohnung zu finden, dieses mal in einer Genossenschaft und das in einer Großstadt. Ich nehme auch aktuell keine Medikamente und meine bisherige Therapeutin macht nun privat weiter und ich muss wieder suchen.. Die neue Wohnung ist eine kleine Dachgeschosswohnung und wurde neuer ausgebaut vor 30 Jahren oder so. Ruhiger ist sie auf jeden Fall.

Bisher war auch alles top hier, allerdings habe ich seit Sommerbeginn mit zu vielen Silberfischen zu tun und neuerdings vielen Wespen am Fenster außen, was auf ein Nest hindeuten könnte. Zum Glück handelte die Genossenschaft und morgen kommt ein Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungs Firma um sich alles anzugucken und dagegen anzugehen. Ich kann aktuell kaum lüften, da ich keine Wespe in meiner Wohnung haben kann (Phobie und Allergie)..

Allerdings vermute ich nur ein Nest in der Nähe - wo es genau ist, weiß ich nicht. Ich habe auch ein Loch in der Wohnung (Heizungshalterung abgerissen, habe es vorher leider nicht bemerkt) und hatte somit letzte WOche eine Wespe in der Wohnung. Es blieb nur bei der einen aber was das mit mir und meinen Ängsten gemacht hat, WOW! Ich bin sowieso seit Monaten nur noch unter Strom durch den Umzug und mein Studium, jetzt habe ich wieder Ungewissheit in meinen eigenen 4 Wänden und ekel mich sehr, auch wenn es für andere kein Ding wäre.

Ich kann einfach nicht mehr und muss mir eingestehen, dass ich ein Antidepressium brauche. Ich dachte, mit guter Therapie schaffe ich es auch so, aber die Panikattacken vermehren sich und die kleinsten Sachen machen mich so fertig, dass ich mich nur noch direkt einweisen lassen will und nichts mehr bewältigen kann. Ich überlege auch gerade, für ein paar Wochen bei meiner Mutter zu wohnen, da ich solche Probleme dort nicht habe und mich sofort besser fühle, wenn ich mit manchen SItuationen nicht alleine bin..

Ich musste das einfach mal teilen, weil ich mich so schäme mich wegen Wespen draußen und Silberfischen drinnen so panisch zu fühlen und ich ENDLICH runterfahren möchte und in meiner noch recht neuen Wohnung ankommen will.. Ich habe das Gefühl, vom Pech verfolgt zu sein und deswegen hier keinen Frieden mehr zu bekommen oder dass mein Karma irgendwie Grund sein könnte. Jedenfalls belaste ich meine Mutter auch sehr mit meinem Leiden (sie versucht immer für mich da zu sein, aber sie hat natürlich auch Grenzen und ich habe ein sehr schlechtes Gewissen deswegen)..

Alles in allem bin ich an einem Punkt, wo ich wirklich nicht mehr weiß ob es einen Ausweg aus dieser Unruhe und dem Pech gibt und wie ich es schaffen kann, mich daraus zu ziehen.. Ich freue mich über jeden Input. Danke fürs Lesen! :)


theweirdeffekt
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 05:34

Hallo moony,

gefällt es dir denn sonst in der Wohnung? Die Gefahr ist, finde ich, grad bei einem Angst/Panik-Thema, dass man immer wieder Gründe fürs Flüchten findet. Immer auf der Suche nach „wenn das dann passt, dann hab ich endlich Ruhe“ bleibt und eben nie zur Ruhe kommt.

Was wäre im Falle eines Wespenstichs? Hast du da Medizin, ein Gegenmittel zuhause? Die Silberfische werden ja von der Genossenschaft beseitigt. Das Loch vl ebenso, wenn du nochmal anrufst. Es gibt auch Wespenfallen etc.

Meine ehemalige Therapeutin meinte mal, einer ihrer Klienren konnte zum Schluss nur noch auf seinem Bett sein. Hatte einen Kübel für seine Geschäfte daneben stehen und selbst am Bett dann Panikattacken. Der Handlungsradius hat sich immer mehr eingeengt. Das war für mich eine furchtbare Vorstellung. Angst und Panik erwischt dich immer wieder, der kommt man meiner Erfahrung nach nicht aus. Was mir geholfen hat, war ein einlassen und zulassen. Ein überlegen, wie gefährlich ist was tatsächlich und was mache ich wenn der worst-case eintritt. Dadurch durfte ich Erfahrungen sammeln, dass der worst-case in der Praxis, im Gegensatz zu meinem Kopf, so gut wie nie eingetreten ist. Und wenn bekam ich ihn gebacken. Weils nicht so tragisch war, wie in meinen Vorstellungen.

Wenn du die Wespen nicht losbekommst und es dafür auch keine Lösung gibt, würde ich nochmal die Genossenschaft informieren. Vl haben sie eine andere passendere Wohnung ohne Wespen. Bzw wäre das ja für zukünftige Mieter genauso wichtig, dass man sich drum kümmert.

Alles Gute
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caduta
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 06:57

Hallo Mooney
Ich schließe mich da meinem Vorschreiber / meiner Vorschreiberin an was die Einschränkungen angeht.
Aber vielleicht noch zwei praktische Tipps:

Gegen die Wespen könntest du Moskitonetze an die Fenster machen. Normalerweise wollen die ja gar nicht rein. Sie verfliegen sich nur manchmal und finden dann nicht mehr raus. Wir hatten zwei Nester auf der Terrasse. Nicht unbedingt was man sich als Nachbarn wünscht, aber es war letztlich eine friedliche Koexistenz (bis unser Dach saniert wurde, seitdem sind sie weg). Die wollten nichts von uns und wir nichts von ihnen...

Und zum Thema Silberfischchen. Ich weiß jetzt nicht wie viele es bei dir sind. Wenn es noch überschaubar ist (sagen wir du siehst so zwei oder drei am Tag), dann reicht es vielleicht schon, wenn du sie jedesmal sofort mit dem Glas einfängst und raus wirfst. Oder gleich mit Papier zerquetschst. Wir hatten auch das Problem und ich war da sehr konsequent. Jedes Silberfischchen musste weg. Und es sind inzwischen sehr viel weniger geworden. Nur noch ab und an mal eines. Man muss halt verhindern, dass sie sich vermehren.

Ich denke diese beiden Probleme sind relativ normal und in Deutschland ziemlich verbreitet. Ein Wohnungswechsel hilft da nicht unbedingt.

Alles Gute! caduta

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Sinarellas
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 08:24

kann ich nur bestätigen, lediglich in meinem letzten zu Hause (Neubau) gabs nur ganz wenige (aber immer noch genug, dass man sie bemerkt) Silberfische. Jetzt bin ich in einem Altbau und da fängt der Spaß von vorne an, hilft nur sofort beseitigen wenn man eins sieht, einmal im Quartal sprühen wir kritische stellen ein (lüften danach aber auch lange) und ende. Egal wo du hingehst, das Thema kleine ekelige Viecher wird dich begleiten, ergo das Angstthema angehen weniger mit medis sondern eher mit Verhaltenstherapie?
..:..

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münchnerkindl
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 10:34

Ich vermute mal dass wenn die Silberfische weg sind sich Angst und Ekel andere Objekte suchen werden. Die Wespen sind natürlich ein Problem wenn du allergisch bist, da gibt es vermutlich irgendwo ganz in der Nähe ein Nest das der Schädlingsbekämpfer finden und entfernen kann. Bis dahin kannst du dir auch ein Fenstergitter ins Fenster machen sodass die Tierchen nicht rein können wenn das Fenster offen ist.

Aber generell würde ich sage, wenn die Tiere weg sind stürzt sich deine Phobie möglicherweise auf was anderes, vieleicht Bakterien, oder ein Nachbar der dir nicht geheuer ist oder sowas.

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münchnerkindl
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 10:36

Sinarellas hat geschrieben: Mi., 10.07.2024, 08:24 kann ich nur bestätigen, lediglich in meinem letzten zu Hause (Neubau) gabs nur ganz wenige (aber immer noch genug, dass man sie bemerkt) Silberfische. Jetzt bin ich in einem Altbau und da fängt der Spaß von vorne an,

Ich hab schon seit Jahren welche. Das angenehme an denen ist dass sie erstens null an Lebensmittel gehen und zweitens die Menge an Silberfischen seit ich hier wohne (20 Jahre) stabil ist und keine Tendenz hat mehr zu werden.
Ich finde die ganz interessant. Die sind ein lebendes Fossil aus der ganz frühen Zeit der Evolution der Insekten.

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Claumoni
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 10:50

Es gibt in der Drogerie so kleine Silberfischchen Fallen. Wir haben welche aufgestellt und die Dinger waren weg.

Ich denke, man findet in allen Wohnungen etwas, was nicht perfekt ist und einem potentiell Angst machen kann.
Bei einer Genossenschaft bist du richtig gut aufgehoben, weil die sich meistens mehr kümmern.

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Candykills
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 11:25

Sind es Silberfische oder Papierfische? Wir haben hier im Haus auch Papierfische, die je nach Jahreszeit aktiver oder weniger aktiv sind bzw. mehr in den Räumen oder mehr in den Wänden. Die sehen prinzipiell gleich aus, aber Silberfische leben halt im feuchten Bad, Papierfische im Rest der Wohnung und den Wänden.

Wenn ihr keine Kinder oder Tiere im Haus habt, die frei rumlaufen, wäre die Schädlingsbekämpfung der Ansprechpartner, um das Problem wirklich nachhaltig in den Griff zu bekommen. Da müssen dann alle Wohnungen im Haus gleichzeitig ran und dafür reicht das Gift aus dem DM nicht.
Bei uns im Haus kam das wegen der Kinder und Tiere nicht in Frage.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)

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Sinarellas
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 11:43

Ist nicht dein ernst, du hast recht das sind Papierfische. Was wäre da denn die richtige Vorgehensweise? Weil dann wäre das ja gar kein Thema von "hier und da ist ein Rohr im Keller zu sehen usw."... wuha ganz neue Info danke *g
..:..

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amorfati
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 12:22

Ich schließe mich den Vorrednern an, dass du deinen Bewegungsradius möglichst nicht kleiner machen solltest wegen deiner Angststörung. Zu deiner Mutter zu ziehen, wäre ja auch nur eine Flucht. Wobei es natürlich eine andere Sache ist, allergisch auf Wespen zu reagieren, aber dazu muss man ja auch erwähnen, dass auch Wespen i. d. R. nicht grundlos attackieren und du denen im Sommer genauso gut auch draußen im Biergarten, beim Grillen etc. begegnest. Da gibt es Mittel und Wege, sich zu schützen.

Aus der Erfahrung heraus (ich bin schon oft umgezogen) ist auch keine Wohnung auf Dauer frei von Schädlingen. Ich hatte da im Prinzip auch schon alles, von Silberfischen über Wespennester bis hin zu zwei Wühlmäusen im Vorratsschrank und einer Ameisenstraße in meinem Wohnzimmer. Egal wie klinisch rein man seine Wohnung hält oder versucht zu halten, das stört die Tiere dann oft doch nicht. "Mitbewohner" hat man immer - und seien es nur Spinnen (vor denen ja auch genug Leute Angst haben).

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Candykills
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Beitrag Mi., 10.07.2024, 15:36

Ich weiß nicht, wir leben mit den Papierfischen friedlich zusammen hier in der Wohnung. Der Befall ist auch nicht besonders stark, vereinzelt begegnet einem mal einer, aber nicht so, dass ich sagen würde, dass hier ein ernsthaftes Problem vorläge. Es scheint, dass andere Mieter im Haus da deutlich stärkeren Befall haben.
Aber mit zwei Kleinkindern und zwei Katzen sind wir halt auch nicht bereit Gift in der ganzen Wohnung zu verteilen. Dann lieber Papierfische^^

Eine Nachbarin hat sich den Kammerjäger in die Wohnung geholt und hat seit dem Ruhe. Angeblich führt das dazu, dass die Viecher dann verstärkt in andere Wohnungen umsiedeln. Kann ich nichts zu sagen, bei uns ist der Befall nicht stärker geworden. Nachhaltig ist es wie gesagt nur, wenn der Kammerjäger im ganzen Haus Giftköder auslegt, so dass sie keine Ausweichmöglichkeit mehr haben.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)

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Beitrag Mi., 10.07.2024, 21:05

moony111 hat geschrieben: Mi., 10.07.2024, 00:27
Alles in allem bin ich an einem Punkt, wo ich wirklich nicht mehr weiß ob es einen Ausweg aus dieser Unruhe und dem Pech gibt und wie ich es schaffen kann, mich daraus zu ziehen.. Ich freue mich über jeden Input. Danke fürs Lesen! :)
Weiß ja nicht. Glaube du projizierst dein Innenleben in die Außenwelt.
Silberfische gibt es in fast jeder Wohnung. Wespen bauen halt oft unterm Holz am Dach ihr Nest. Das ist ja alles kein Pech.

Glaube selbst wenn fast alles perfekt wäre, du würdest immer was finden, damit die Außenwelt, deine Grundstimmung widerspiegelt. Glaube das Problem ist nicht gelöst, wenn die Wespen und Silberfische weg sind.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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SinnIch
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Beitrag Do., 11.07.2024, 07:12

Klingt für mich auch ziemlich "normal". Das soll jetzt nicht deinem Leidensdruck abtun, nur reaktivieren. Das sind so Dinge, mit denen viele mal zu tun haben, mehr oder weniger.
Und auch Allergie gegen Wespenstiche haben ja sehr viele. Soweit ich weiß, haben die dann was für den Notfall parat.
Und ich wüsste nicht, schon mal ein Jahr gehabt zu haben, ohne mal die ein oder andere Wespe im Haus. Achso, auch die Nest-Sache hatten wir schon.
Ich seh es so: Wo "Ungeziefer", da kein Gift ;-)
Silberfische kenn ich noch aus meiner Kindheit.
Ekelhaft, aber eben auch, was viele wohl kennen dürften.

Pech oder Glück sind ja beides eher unwahrscheinliche Zustände. Bei dir klingt es eher nach sehr wahrscheinlich, was dir da passiert, jenseits von Pech oder Glück. Der ganz normale Wahnsinn.

Wenn du da so eine richtige Phobie hast (etwas Ekel/Abneigung dürfte wohl "normal" sein), dann solltest du wirklich eine Verhaltenstherapie dagegen machen.

Und wenn alles zuviel sowieso... dann könnte wirklich alles dazu beitragen, zuviel zu sein, was irgendwie stört. Und irgendwas stört immer.