ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll, weil mich meine letzte Therapiestunde am Freitag ziemlich verunsichert hat.
Kurz zu mir: Ich leide an Depressionen und Sozialphobie. Letztes Jahr bin ich erneut an einer depressiven Episode erkrankt, dieses Mal schlimmer als jemals zuvor. Ein Hauptgrund war das Thema Arbeit. Ich habe 2024 mein Studium abgeschlossen und war danach komplett planlos, was ich beruflich machen möchte. Durch Bewerbungen, Vorstellungsgespräche und Absagen wurde es immer schwieriger für mich, damit umzugehen, bis irgendwann gar nichts mehr ging und ich quasi einen Zusammenbruch hatte.
Seit knapp einem Jahr bin ich nun in tiefenpsychologischer Therapie. Das Thema Arbeit war lange Zeit so belastend, dass wir daran kaum arbeiten konnten. Erst seit etwa 4 Wochen beschäftigen wir uns intensiver damit. Ich wollte zunächst mit einem Minijob oder einer anderen Übergangslösung starten, weil ich große Angst habe, mich zu überfordern und einen Rückfall zu erleiden.
Vor einigen Monaten war es für mich noch gar nicht möglich, überhaupt an Arbeit zu denken oder Bewerbungen zu schreiben. Seitdem ich mich damit befasse merke ich aber auch, dass meine Symptome wieder stärker werden. Meine Stimmung ist schlechter, ich bin innerlich unruhig und habe häufiger Herzklopfen.
In der letzten Stunde wollte ich meiner Therapeutin eigentlich genau das erzählen. Dass ich mehr Angst habe, dass mich das Thema belastet und dass ich vielleicht etwas langsamer vorgehen muss.
Das Gespräch ist dann aber irgendwie komplett anders verlaufen. Sie fragte mich, ob ich einen Job annehmen würde, wenn jetzt mein Traumjob vom Himmel fallen würde, dieser aber nur in Vollzeit möglich wäre. Ich habe nein gesagt, weil ich mir Vollzeit wie gesagt aktuell nicht vorstellen kann (und ja auch erstmal "sanfter" in das Thema Arbeit einsteigen wollte, zumal ich keinen Traumjob hab und vllt. auch nie haben werde?). Das schien sie sehr zu überraschen. Ich sagte dann, dass ich vielleicht doch erst mal etwas als Übergang machen möchte, weil es in meinem Bereich schwer ist, etwas zu finden. Daraufhin meinte sie, ich könne das Thema Arbeit nicht noch einmal 6 Monate aufschieben (was ich damit gar nicht sagen wollte).
Sie fragte mich dann, ob ich nicht zu hohe Ansprüche hätte, wenn ich etwas in meinem Bereich und dann auch noch in Teilzeit finden möchte (womit sie vllt. auch recht hat). Anschließend schlug sie als Übergangsjob eine Bäckerei vor. Ich sagte, dass ich das nicht machen möchte, weil mir das thematisch nicht zusagt und ich lieber etwas Ruhigeres mit weniger Kundenkontakt hätte. Daraufhin wurde sie irgendwie richtig fordernd und fragte mich, ob das nun aus Angst oder Bequemlichkeit sei und warum ich bei einem Übergangsjob jz auch noch überhaupt so wählerisch wäre und es ja dann noch schwieriger wird, was zu finden. Ab diesem Punkt war ich zunehmend verwirrt und wusste gar nicht mehr, worauf sie hinaus wollte oder was ich noch sagen soll. Ich hatte das Gefühl, mich die ganze Zeit rechtfertigen zu müssen.
Dann sagte sie auch noch, dass es vielen Menschen schlechter gehe, die an der Armutsgrenze leben, und fragte, ob es nicht bequem sei, dass meine Eltern aktuell alles für mich bezahlen und ich bei ihnen wohnen kann. Mir ist bewusst, dass das ein großes Privileg ist und ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, aber diese Aussage hat mir zusätzlich ein schlechtes Gewissen gemacht.
Ich habe mich während der Stunde wie auf einer Anklagebank gefühlt. Die Art, wie sie gesprochen hat, kam für mich sehr provokativ und unfreundlich rüber. Nach der Stunde musste ich erst mal richtig weinen und seitdem geht es mir auch deutlich schlechter.
Am Ende sagte sie selbst, dass ihre Aussagen mir wahrscheinlich noch mehr Druck machen würden. Sie entschuldigte sich auch dafür, wie das Gespräch gelaufen ist (was mir in dem Moment aber egal war). Dann meinte sie abschließend, ich solle ihr in der nächsten Stunde sagen, dass sie kein Recht hatte, so etwas zu mir zu sagen (warum hat sie es dann getan?), und ihr dann berichten, ob sie mit ihrer Einschätzung (bzgl. Bequemlichkeit) recht hatte oder nicht. Ich versteh wie gesagt null worauf sie damit hinauswollte, also warum muss ich mich dafür rechtfertigen einen Übergangsjob machen zu wollen, der halbwegs zu meinen Vorstellungen passt oder warum ich nur in Teilzeit arbeiten möchte
Seitdem bin ich auch total verunsichert und hab hinterfragt ob ich die Therapie überhaupt so bei ihr weitermachen möchte, was zusätzlich neue Angst bei mir auslöst. Ich weiß auch nicht, ob das eine therapeutische Methode war und was ihre Intention war, oder ob ich sie falsch verstanden habe und wir aneinander vorbeigeredet haben? Und jetzt weiß ich auch gar nicht so recht wie ich die nächste Stunde bewältigen soll. Richtung Arbeit hat mich dieses Gespräch rund 5 Schritte zurück katapultiert weil mir nun kotzübel wird, wenn ich auch nur daran denke.
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