Das Böse in mir, das durch Beziehungen zum Vorschein kommt

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mimichen
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Das Böse in mir, das durch Beziehungen zum Vorschein kommt

Beitrag Sa., 17.10.2026, 10:30

Hallo liebe Forum-Mitglieder,
ich wollte mit Euch ein Problem teilen. Was genau ich mir davon erhoffe, weiß ich selbst nicht.

Ich würde das Problem gerne mit einem konkreten Beispiel beschreiben.
Es gibt da einen Mann, mit dem ich seit vier Jahren befreundet bin. Von Anfang an wollte er mehr von mir und von Anfang an wollte ich nur die Freundschaft.
In den letzten Wochen hat sich unsere Freundschaft sehr intensiviert (da wir auch zusammen arbeiten und uns dadurch sehr häufig sehen). Wir bleiben nach der Arbeit oft noch mehrere Stunden im Büro und reden. Machen lange Mittagspausen zusammen. Und erzählen uns von unserem tiefsten Innenleben.

Seit dem diese Freundschaft so an Intensität zugenommen hat, merke ich, wie in mir sehr böse Impulse entstehen. Ich will ihn entwerten, wenn er sich mir verletzlich zeigt. Ich bin wütend, wenn er über seine Abhängigkeit in Beziehungen spricht. Ich muss sehr sehr sehr viel psychische Energie aufbringen, um diese Impulse nicht in die Tat umzusetzen. Weil mich das enorm viel Kraft kostet, habe ich ihm nun gesagt, dass ich Abstand brauche und diese Nähe nicht ertrage.

Leider ist das ein Muster, dass ich in meiner vergangenen Beziehung auch hatte😔 das habe ich allerdings nur bei engen Beziehungen zu Männern.

Ich bin sehr traurig darüber, weil ich mich selbst nicht mag, wenn ein Mensch mir näher kommt. Ich bin entsetzt, wie viel Böses und Entwertendes ich ggü anderen Menschen in mir trage, auch wenn ich es mit aller Kraft unterdrücke.
Ich fühle mich der Menschheit ggü nur sicher, wenn sie auf Distanz zu mir sind.
Das ist sehr schade, zumal ich gleichzeitig auf hilfreiche Beziehungen sehr angewiesen sind.

Habt Ihr Gedanken oder eigene Erfahrungen dazu?

LG, mimichen

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Lafiera
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Beitrag Sa., 17.10.2026, 10:33

Du bist nicht böse!

Solche Impulse sind typisch für Borderline. Bist du in Therapie?

Diese zerstörerischen Impulse in dir zeigen dir deutlich auf, was in deiner Kindheit schiefging. Nimm es ernst und bespreche das in der Therapie

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mimichen
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Beitrag Sa., 17.10.2026, 10:38

Dein erster Satz ist sehr lieb!

Ja, ich bin seit vielen Jahren in Therapie aber von Borderline war nie die Rede. Und wenn ich mir im Internet Artikel dazu durchlese, finde ich mich darin auch nicht so wieder… also, ich habe keine Tendenz, mich in abhängige Beziehungen zu begeben. Vielmehr vermeide ich Beziehungen so sehr, weil sie schockierende Seiten in mir aufzeigen.

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Kirchenmaus
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Beitrag So., 18.10.2026, 09:48

Kann es evtl. auch sein, dass dahinter kein tiefes psychologisches Problem deinerseits steht, sondern dass du einfach genervt bist, weil der Mann dir zu viel jammert? (Mal sehr salopp gesprochen.) Es kostet ja auch viel Kraft, einem anderen Menschen intensiv zuzuhören. Vielleicht ist dir das zu viel und du nutzt deine vermeintlich "schlechte" Aggression, um dich abzugrenzen und deine Kraft für dich zu nutzen?
Es ist in Ordnung, mich zu akzeptieren.

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leuchtturm
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Beitrag Mo., 19.10.2026, 15:12

Ich persönlich glaube nicht an "Das Böse", das in jemandem steckt, ich bin aber überzeugt davon, dass Verhaltensweisen, besonders wiederkehrende, ihren Sinn haben und irgendwann erlernt wurden, eben weil sie sinnvoll waren.
Irgendetwas scheint dich in seinem Erzählten zu deinem Verhalten zu veranlassen. Scheint dir der Freund schwach, wenn er dir von abhängigen Beziehungen erzählt? Erinnern dich seine Reaktionen, die er dir berichtet, an eigene Situationen?
Wenn du schon in Therapie bist, könntest du dieses Thema dort anbringen?

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Reverie
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Beitrag Mo., 19.10.2026, 17:13

Leuchtturm: („... Irgendetwas scheint dich in seinem Erzählten zu deinem Verhalten zu veranlassen. Scheint dir der Freund schwach, wenn er dir von abhängigen Beziehungen erzählt? Erinnern dich seine Reaktionen, die er dir berichtet, an eigene Situationen?…)

Meine Gedanken gehen auch in diese Richtung. Am Ende Deines Beitrags schreibst Du, dass Du selbst sehr auf hilfreiche Beziehungen angewiesen bist. Kann es sein, dass Du diese eigene Bedürftigkeit zutiefst ablehnst und Dir dies vielleicht nicht verzeihen kannst?

Die Wut und der Impuls, in näheren Beziehungen zu entwerten, könnten sich gegen den verletzlichen Teil in Dir selbst richten. Entwertung und der Wunsch nach Distanz sind dann vielleicht ein Schutzschild, um die Kontrolle nicht zu verlieren, denn Nähe zuzulassen bedeutet immer auch, sich verletzlich zu zeigen. Dass dieses Muster speziell bei Männern anspringt, zeigt schon auch, welche besondere Bedeutung emotionale Nähe auf dieser Beziehungsebene für Dich hat, denke ich.

Möglicherweise ist der Schlüssel ja nicht, diese Impulse mit aller Kraft zu bekämpfen, sondern die eigene Verletzlichkeit akzeptieren zu können. Ich wünsche Dir, dass Du nicht so hart zu Dir selbst bist. Für mich fühlt sich das, was Du beschreibst, wie ein unbewusstes Schutzprogramm an, das Dich einfach vor Überforderung bewahren will.
Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht,
ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist. Novalis

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mimichen
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Beitrag Mo., 19.10.2026, 22:27

Kirchenmaus hat geschrieben: So., 18.10.2026, 09:48 Kann es evtl. auch sein, dass dahinter kein tiefes ::? psychologisches Problem deinerseits steht, sondern dass du einfach genervt bist, weil der Mann dir zu viel jammert? (Mal sehr salopp gesprochen.) Es kostet ja auch viel Kraft, einem anderen Menschen intensiv zuzuhören. Vielleicht ist dir das zu viel und du nutzt deine vermeintlich "schlechte" Aggression, um dich abzugrenzen und deine Kraft für dich zu nutzen?
Das könnte sein, aber speziell bei ihm ist es eigentlich sogar eher so, dass es sehr wenige Menschen auf der Welt gibt, mit denen ich so gut reden kann, wie mit ihm. Die sehr unangenehmen Impulse kommen immer dann, wenn er über unsere Beziehung sprechen möchte. Und mir sagt, wie wichtig ich ihm bin und, dass er sich Halt und Geborgenheit von mir wünscht. Das hat leider heftige Übelkeit ausgelöst, sodass ich mich eine ganze Woche krankschreiben lassen musste…

Und ich habe ihm nun auch gesagt, dass ich Abstand brauche. Das tut mir so leid, weil er durch mich eine wirklich unangenehme Beziehungserfahrung gemacht hat. Er zeigt sich verletzlich und alles in mir stößt ihn ab.

@Reverie und @Leuchtturm (ich weiß leider nicht, wie man hier den User richtig verlinkt)
Eure Einschätzungen sind sehr zutreffend. Genau in diese Richtung geht es auch in der Therapie.

Aber wisst Ihr, leider ist es bei mir so, dass ich auf kognitiver Ebene die Zusammenhänge absolut begreifen kann während mir ein emotionaler Zugang dazu völlig fehlt.

Wahrscheinlich dauert es in der Therapie seine Zeit. Aber aktuell und auch in den vergangenen Jahren ist es so, dass ich mir alle Beziehungen vom Leib halten muss, um
A) die Person vor meiner Aggression zu schützen und
B) mich vor mir selbst zu schützen.
Das ist zutiefst unangenehm, wenn Menschen (insb. Männer) mich in ihr Herz schließen, sich mir von ihrer „weichen“ Seite zeigen und ich dann nur noch wegrennen möchte.

Und generell, fällt es mir sehr schwer, für eine Person da zu sein und ihr in den schwierigen Zeiten beizustehen :/ ich muss mich regelrecht dazu zwingen (der moralische Zeigefinger), während mein Körper sich doll weigert und unangenehme Gefühle hochkochen ::?

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mimichen
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Beitrag Di., 20.10.2026, 12:43

Er hat sich heute eine neue Handyhülle geholt, die die gleiche Farbe hat wie meine :-(( ein knalliges korallrot.
Leider macht mich das soooooooo wütend und ich bekomme Herzrasen.

Ich denke, ich muss mir heute sofort eine neue Handyhülle besorgen. Sicher wird ihn das verletzen und er wird sich denken, weshalb ich so übertreibe. Schließlich ist die Farbe ja nicht bloß mir vorbehalten. Aber leider muss ich das tun, um mich halbwegs zu beruhigen :kopfschuettel:

Ich bin sehr überrascht von diesen heftigen Gefühlen und schäme mich auch etwas für sie. Ich kann mir ihre Intensität leider nicht erklären…

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Reverie
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Beitrag Di., 20.10.2026, 16:40

Das klingt wirklich wahnsinnig anstrengend und nach totalem Stress für Deinen Körper. Schämen musst Du Dich für diese heftigen Gefühle aber überhaupt nicht, es zeigt einfach nur, wie dünn Deine Haut gerade ist und wie tief das Schutzprogramm in Deinem Nervensystem verankert ist. Ich verstehe daher auch, dass diese Gemeinsamkeit mit der roten Handyhülle sich schon zu nah und wie ein massiver Übergriff auf Deine Grenzen anfühlt.

Ich frage mich gerade nur ganz vorsichtig, bestätigst Du Deinem Körper mit dem Kauf einer neuen Hülle nicht fälschlicherweise, dass hier eine echte Bedrohung vorliegt? Wenn Du sofort in den Fluchtmodus gehst, macht Dein Nervensystem nicht die Erfahrung, dass das Herzrasen auch von ganz alleine wieder vorbeigeht und eigentlich keine reale Gefahr droht.

Vielleicht wäre es ein erster, mutiger Schritt gegen das Muster, die Hülle erst einmal zu behalten und das unangenehme Gefühl einfach nur da sein zu lassen. (Schwierig, ich weiß) Und dann zu fühlen was passiert, wenn Du nicht sofort handelst. Aber schau einfach ganz in Ruhe, was Du Dir zutrauen kannst. Jeder winzige Moment, den Du das Gefühl aushältst, ist schon ein Riesenerfolg.
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Sinarellas
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Beitrag Mi., 21.10.2026, 06:44

Gerade bei Wut-Impulsen Skills nutzen, die erden / im HIer und Jetzt verankern, sie helfen Zeit zu überbrücken und das NS zu beruhigen.
..:..

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mimichen
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Beitrag Mi., 21.10.2026, 15:22

Zu
(...) Ich frage mich gerade nur ganz vorsichtig, bestätigst Du Deinem Körper mit dem Kauf einer neuen Hülle nicht fälschlicherweise, dass hier eine echte Bedrohung vorliegt? Wenn Du sofort in den Fluchtmodus gehst, macht Dein Nervensystem nicht die Erfahrung, dass das Herzrasen auch von ganz alleine wieder vorbeigeht und eigentlich keine reale Gefahr droht.
habe ich eine Frage.
Natürlich ist es keine reale Gefahr, dass er die gleiche Handyhülle hat wie ich. Aber ich finde das symbolisiert etwas "Symbiotisches". Und das möchte ich nicht. Daher ist es doch in Ordnung, die Handyhülle zu wechseln, oder?
Er hat heute die neue Handyhülle gesehen und wurde ganz blass. Das tat mir leid, aber immerhin habe ich keinen anderen Wutimpuls o.Ä. ausagiert, aber dennoch mit einer anderen Handyhülle signalisiert, dass ich diese Art von Nähe nicht möchte.
Oder findest Du/ Ihr, ich hätte das aushalten müssen?
Meine Schwierigkeit ist auch, dass ich generell in Beziehung zu anderen Menschen, insbesondere denen, die mir nahe stehen, sehr sehr viele Impulse zurückhalten muss, um "sozialverträglich" zu sein.
Aber etwas, das ich mir immer "erlaube", ist mein Rückzug und Vermeidung in und von Beziehungen.
Wäre eine andere Strategie zielführender? Ich könnte natürlich versuchen, mehr in Beziehungen zu ertragen, aber manchmal geht das sogar so weit, dass ich Fieber bekomme und mir keine andere Option als radikaler Rückzug bleibt. :-((

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Reverie
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Beitrag Mi., 21.10.2026, 17:30

Natürlich musst Du nichts aushalten, was Deine Kräfte im Moment übersteigt. Und ich verstehe total, dass sich das für Dich im ersten Moment wie eine Erleichterung und eine gesunde Abgrenzung angefühlt hat.

Du schriebst zuvor, dass Dich die rote Hülle in pure Panik (Wut, Herzrasen) versetzt hat und jetzt mit dem Wechsel der Hülle signalisieren wolltest, dass Du diese Nähe nicht möchtest. Indem Du dem Drang, auf diese Bedrohung zu reagieren, sofort nachgibst, beruhigst Du zwar kurz Dein Nervensystem, aber Du bleibst damit leider genau in der Schleife gefangen, die Du eigentlich durchbrechen möchtest.

Das ist aber nur meine Sicht dazu aufgrund meiner persönlichen Erfahrung. Bitte sieh es nur als eine Perspektive von außen. Niemand außer Dir kann fühlen, wieviel Kraft Du gerade wirklich hast. Es geht nicht darum, sich zu überfordern, aber eben auch darum, nicht in den Mustern steckenzubleiben. Schau einfach, welchen nächsten kleinen Schritt Du Dir im Moment zutrauen kannst.
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alatan
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Beitrag Sa., 24.10.2026, 06:19

Hallo mimichen,
ohne deine Lebensgeschichte zu kennen, kann ich dir sagen, dass diese heftigen unangemessenen und "bösen" Emotionen aus ungelösten Gefühlen deiner Kindheit stammen. Sie gelten nicht eigentlich diesem Mann, werden aber durch die drohende nahe Beziehung mit ihm ausgelöst. Du suchst Nähe und hast gleichzeitig Angst davor, sogar mit massiven körperlichen Reaktionen. Die Lösung wäre, in einer intensiven therapeutischen Beziehung, diese alten Gefühle durchzuarbeiten, damit du ihnen im jetzigen Leben nicht ausgeliefert bist, sondern frei entscheiden kannst, z. B. die tiefere Bindung mit diesem Mann einzugehen oder sich klar abzugrenzen - jedenfalls nicht mehr selbst zu leiden.
Gruß alatan

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