Die Beziehung zum Geschäftspartner

Das Leben ist wesentlich durch unsere Arbeit geprägt. Der Job kann jedoch auch Quelle von Ärger und Frustration sein, oder persönliche Probleme geradezu auf die Spitze treiben...
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Philipp
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Die Beziehung zum Geschäftspartner

Beitrag Fr., 05.09.2008, 13:53

Hallo zusammen,

Es geht um meinen Geschäftspartner. Wir haben vor 6 Monaten eine Firma zusammen gegründet, an der wir beide zu 50% beteiligt sind - gleichberechtigt möchte man also meinen.
Ich kenne Ihn nun seit etwa 2 Jahren, und denke immer mal, dass es ein Fehler war, sich so "eng" mit ihm einzulassen, wenngleich es aus geschäftlicher Seite wohl keinen anderen Weg gab.

Charakterlich haben wir viele Gemeinsamkeiten und genausoviele Gegensätze. Ich bin z.B. eine (zu) ehrliche Haut, und hasse es wenn gelogen wird, wenn ich betroffen bin reicht schon eine Notlüge oder "geflunker" auf, um mich innerlich wahnsinnig aufzuregen. Gleichzeitig bin ich so ein Typ, der - wenn mich etwas stört - oft zurücksteckt oder die Klappe hält, weil er das Gefühl mit jemandem wichtigen einen Konflikt zu haben, unglaublich schlecht ertragen kann.

Er hingegen verwendet Übertreibung und "flunkern" häufig als Werkzeug, und ist - was das Geschäft angeht - damit sogar durchaus erfolgreich. Wenn ich seinen Stil zu arbeiten sehe, ärgert mich es innerlich jedes mal das mit anzusehen, und ich schäme mich sogar gelegentlich, dass ich 50% dieser Firma bin. Jedoch bin ich durch meinen Charakterzug natürlich wieder nicht in der Lage das auszusprechen, zumal es der Firma ja manchmal dienlich ist und ich angst vor der Gegenargumentation habe ("... wenn ich das nicht machen würde, würden wir gar nichts verkaufen...").

Wenn er sein "Werkzeug" gegenüber mir anwendet, macht es mich innerlich jedes mal rasend, jedoch bin ich nie in der Lage etwas dagegen zu unternehmen, da ich entweder keine "Beweise" vorbringen kann, oder aber wieder mal schiss vor der Konfliktsituation habe. Mal ein paar beispiele:

Er sagt: "Ich habe das und das für uns herausgehandelt" (nach dem motto: Schau mal wie gut ich hier meinen Job mache).
Ich weiß innerlich genau, dass dieses "herausgehandelt" komplette übertreibung ist, da es sich um nichts besonderes handelte.
Oder: "Ich setze mich so für die Firma ein und nehme manchmal sogar meinen Privat PKW statt den Firmenwagen und zahle das Benzin aus eigener Tasche"
Realität: Ich fahre immer mit meinem Privat PKW während der Firmenbus bei ihm steht (er wohnt 170km entfernt). Ich zahle Reparaturen, Reifen, Steuern aus eigener Tasche. Der Firmenbus wird bezahlt.
Nur ich bin zu feige es anzusprechen in diesem Moment. Ich nehme sein Prahlen in dem Moment hin, und denke mir meinen Teil dabei. Gleichzeitig schalte ich immer so langsam, dass mir die Argumente immer erst nach stundenlangem innerlich aufregen einfallen.
Beispiel drei: "Du musst unbedingt bis morgen das und das fertig machen, der Kunde wartet schon ewig drauf"
Ich mache es fertig und mache mir einen tierischen stress, bringe es ihm vorbei damit er es verschicken kann. 1 Tag später: Nicht verschickt. 2 Tage später: nicht verschickt. 3 Tage später: immer noch nicht verschickt (Kunde wird auf Anfrage gesagt es wäre schon verschickt, anbei die Adresse genannt und absichtlich eine falsche Postleitzahl eingefügt - kann ja nicht ankommen, logisch).
4 Tage später ich rufe an: "Sind die Pakete verschickt?" Er: "Jaja, sind verschickt. Nur das und das noch nicht. Ach ja und das schicke ich morgen noch weg" (Kernaussage: 1 von 4 Paketen sind verschickt)

Es gäbe noch mehr solche Beispiele. Mich verzweifelt diese Situation manchmal einfach, und belastet mich oft sehr. Allerdings zweifle ich mich auch selbst an. Mein passives Verhalten führt nicht gerade zu Besserung. Außerdem bin ich auch Experte darin, diese Gefühle in mir hochzuschaukeln, bis ich wirklich verzweifelt bin.
Manchmal möchte ich gern alles hinschmeißen, weil ich denke dann wird alles besser. Doch das kann ja auch nicht die Lösung sein.

Wie seht ihr meine Situation? Wie kann ich mich und diese Situation vielleicht ändern, um mir mein Leben und meine Gefühlswelt etwas leichter zu machen. Langfristig halte ich diese Belastung nicht aus.

Anmerkung vielleicht noch: Ich bin 23 und mein Geschäftspartner 10 Jahre älter.

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Ratlosigkeit
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Beitrag Fr., 05.09.2008, 18:44

Hallo Phillip,
ich kann Deine Situation verdammt gut verstehen. Kenne ähnliches aus verschiedensten Perspektiven.
Ich halte es für ein Grundproblem, daß Dein Partner 10 Jahre älter und damit sicher auch erfahrener ist als Du. Ergo empfindet er sich automatisch als Nummer 1. Damit wirst Du grundsätzlich leben müssen, ausser Du hasut einmal total brutal auf den Tisch und stellst Deine Position klar - es kann durchaus sein, daß er dann sein Verhalten ändert. Es kann aber auch sein, daß er hinschmeisst und du statt eines Geschäftspartners einen Todfeind hast. (letzteres ist mir passiert )
Die andere Möglichkeit ist für Dich selbst mal ganz objektiv durchzurechnen, was du eigentlich willst: willst du ihm die (tatsächliche oder auch nur eingebildetet) Nr.1 Position grundsätzlich nicht zugestehen? Geht es Dir um die Gleichberechtigung?
Oder geht es dir rein darum daß der Laden läuft und Gewinn macht?
Im ersten Fall rate ich zu einem klärenden Gespräch zur Abgrenzung der Positionen und Kompetenzen. Kalr festhalten was Du erwartest und was du nicht dulden kannst. Entweder er macht mit oder er ist nicht paktfähig - dann isses auf lange sicht eh sinnlos.
Wenn es dir um das Funktionieren der Firma geht: Überlege, ob es nicht besser ist, ihn einfach machen zu lassen. Viele unternehmen arbeiten mit der Guter-Bulle - Böser-Bulle Taktik. Lass ihn den bösen Bullen sein. Wenn es euch beiden finanziell nützt ist das nicht verkehrt.
Jedenfalls solltest Du rasch mit dem Fremdschämen aufhören. Kannst Du das definitiv nicht, ist eine einvernehmliche Trennung bevor es kracht auch eine Option.
Alles ist gut, wenn es aus Schokolade ist.

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Philipp
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Beitrag Sa., 06.09.2008, 11:09

Hallo Ratlosigkeit,

danke für deinen Beitrag. Dass er 10 Jahre älter ist als ich halte ich auch für ein Grundproblem. Das macht ihn nach innen und natürlich auch nach außen immer irgendwie zum "Boss", er genießt das auch und möchte es nach außen auch immer gerne so erscheinen lassen.
Die Wahrheit ist bloß, dass wir die Firma ohne mich gleich dicht machen könnten. Ich bin derjenige der das Produkt entwickelt hat und ich bin der einzige der sich damit auskennt. Er verkauft das ganze "nur".
Gerade mit diesem Hintergrund ärgert es mich dann erst recht.

Eigentlich hätte ich eine spitzen Verhandlungsposition, doch sie bringt mir gar nichts weil ich diese unglaubliche Konfliktangst habe. Ich wäre gar nicht in der Lage auf den Tisch zu hauen. Vielleicht ist das mein eigentliches Problem.
Viele Dinge würden sich wahrscheinlich schnell klären, wenn ich in der Lage wäre, in der richtigen Situation die richtigen Worte zu finden. Allerdings ist es bei mir so, dass ich meine Anliegen entweder so "freundlich" rüberbringe, dass sie glatt ignoriert (nicht als Problem identifiziert) werden, mein wahres Problem so verschleiert vorbringe, dass gar nicht klar wird worum es eigentlich geht (weil es mir häufig auch selbst nicht klar ist), oder im schlimmsten Falle mir "der Kragen platzt" und ich mit lauter sachen auf ein mal komme, und die auch noch so unbesonnen vortrage, dass es nur zum Zoff und nicht zur Klärung kommt (ist aber länger nicht mehr vorgekommen).

Das ist die eine Seite der Medallie.

Andererseits müsste es ja nicht zu solchen Problemen kommen, wäre mein Partner auf der gleichen Wellenlänge wie ich - oder würde ich mein Ding alleine machen, was mir wohl mittlerweile noch lieber wäre.
Was die Änderung von Menschen und ihrem Verhalten angeht bin ich eher skeptisch, gerade bei Charakteren wie ihm, die ihr Ding machen, ohne sich was vorschreiben zu lassen.

Was ich wirklich will muss ich herausfinden, da hast du recht. Wenn nicht so viel Zeit und Geld in das Projekt geflossen wäre, würd ich wohl aussteigen und mein eigenes Ding machen.
Beim aktuellen Stand geht das wohl nicht mehr so einfach, zumal ich durch meine Entscheidung auch ihn "auf die Straße setzen" würde.

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Ratlosigkeit
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Beitrag Sa., 06.09.2008, 18:03

Hi Phillip,
zur Problematik des sich durchsetzens ohne zu explodieren empfehle ich Dir "Das HArvard-Konzept" von Fisher - Ury - Patton. Steht vieles drin, was Dir da weiterhelfen könnte.
Auf jeden Fall - wenn Du schon sagst, daß ohne Dich der Laden Dicht machen könnte - überlege Dir ruhig mal den Plan B des Dichtmachens und neu anfangens. So wie Du es schilderst, keine gleiche Wellenlänge - das wird immer schlimmer. BIn seit fast 4 Jahren in so einer Situation mit jemanden zusammen arbeiten zu müssen, wos einfach nicht klappt. Nächste Woche entscheidet sich wies weiter geht: komplettbruch oder zumindest weitgehendste trennung. Du siehst, ich bin auch nicht grad gut drauf, weil mir auch das auf der Straße stehen droht.
Ausserdem bin ich nach 4 Jahren nervlich ziemlich fertig - überstehe die Tage oft nur mit beruhigungsmittel. Das spricht für einen Bruch.
Alles ist gut, wenn es aus Schokolade ist.

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