Aug 16

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Menschen mit Depressionen haben ein erhöhtes Risiko, an der Zuckerkrankheit Typ-2-Diabetes mellitus zu erkranken, wie schon frühere Studien zeigten. Aber umgekehrt erhöht auch eine bestehende Diabetes-Erkrankung das Risiko, eine Depression zu entwickeln. Kommen jedoch beide Erkrankungen zusammen, potenzieren sich die negativen Folgen für Lebensqualität und Lebensdauer der Betroffenen, wie diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) in einer Aussendung aufmerksam machten und deshalb nun eine bessere psychologische Betreuung von Diabetikern fordern.

Im Vergleich mit Diabetikern ohne Depressionen leiden depressive Diabetiker elf Mal häufiger unter Komplikationen an den kleinen Blutgefäßen. Die Gefahr von Schädigungen an den großen Gefäßen, die zu Durchblutungsstörungen oder Herzinfarkt führen können, ist um das 2,5-Fache erhöht. Die negativen Folgen sind bei Diabetes jedoch besonders hoch: Eine erfolgreiche Behandlung des Diabetes erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. “Depressionen stellen hierbei ein große Barriere dar, da sie sowohl die Motivation zur Behandlung als auch die Durchführung der Therapiemaßnahmen nachhaltig erschweren”, betont Bernhard Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und Geschäftsführer des Forschungsinstitutes der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM), in einer aktuellen Veröffentlichung. Damit steige die Gefahr von Spätkomplikationen des Diabetes wie Verlust des Augenlichts, Fußamputation oder Dialysepflicht. Auch die Schwankungen im Blutzucker, die bei vielen Diabetikern auftreten, belasten die Betroffenen emotional.

Umgekehrt haben Menschen mit Depressionen ein erhöhtes Risiko an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das liegt zum einen daran, dass die Depression die Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsmangel verstärkt. Außerdem ist die psychische Erkrankung selber ein unabhängiger Risikofaktor: Depressive Störungen können mit einem stressbedingten Anstieg der Kortisolwerte im Blut einhergehen. Dieses Hormon fördert die sogenannte Insulinresistenz, das heißt das körpereigene Insulin ist vorhanden, führt aber nicht in ausreichendem Maße zum Einbau des Zuckers aus dem Blut in die Körperzellen.

Die deutschen Diabetes-Experten fordern daher, dass Menschen mit Depressionen gezielt auf einen Typ-2-Diabetes untersucht werden. Betroffene Diabetiker benötigen außerdem eine psychologische Betreuung, vor allem zu Beginn der Erkrankung, und wenn erstmals Spätkomplikationen auftreten. Ein Verzicht auf eine psychologische Betreuung verschlechtert nicht nur Lebensqualität und Lebensdauer der Diabetiker.

(Quellen: der Standard 20100816; B. Kulzer, N. Hermanns, J. Kruse: “Diabetes und Depression – Risiken und Zusammenhänge” in: Diabetologe 2010; 6: 255-265)

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Aug 16

Ein kleiner Streit zur rechten Zeit ist gut – vor allem dann, wenn es um gute Gründe geht. Diese Schlußfolgerung war es in etwa, die ein Forscherteam des Institute for Social Research an der University of Michigan kürzlich beim Treffen der American Psychological Society in San Diego veröffentlichte. Unterdrückter oder latent schwelender Ärger ist nämlich – egal ob in der Partnerschaft, im Beruf oder im Familienverband – schlecht für die Gesundheit.

Studienleiterin K. Birditt hatte sich bereits früher mit dem Konfliktverhalten von Paaren befaßt – ihre letzte Studie hatte aufgezeigt, daß die meisten Menschen dazu neigen, Konflikte einfach “laufen zu lassen”, also nichts zu unternehmen, diese zu klären oder sich genauer mit ihren Ursachen auseinanderzusetzen: “Vogel-Strauß-Politik”. Nur 41% gingen zumindest gelegentlich offensiv vor und unternahmen persönliche Klärungsversuche. In einer Folgestudie untersuchte sie nun die Gesundheitsdaten von mehr als 1.800 Erwachsenen zwischen 33 und 84 Lebensjahren, um herauszufinden, wie sich die unterschiedlichen Strategien, mit Konflikten umzugehen, gesundheitlich auswirkten.

Unterdrückte Konflikte führten den gefundenen Ergebnissen zufolge zum Anstieg des Stresshormons Cortisol (was mit eine Erklärung für die Belastung des Herzens ist, die sie einer anderen Studie zufolge ebenfalls verursachen können). Besonders am Morgen zeigte der Cortison-Spiegel im Blut Spitzenwerte, und diese nahmen dann im Tagesverlauf nur langsamer ab als bei offensiver vorgehenden Personen, welche bemerkenswerterweise sogar am Morgen einen vergleichsweise niedrigen Cortisol-Spiegel zeigten. “Beziehungen haben einen großen Einfluss darauf, wie wir uns tagtäglich fühlen – vor allem Probleme in unseren Beziehungen”, so Birditt. “Wie wir mit unseren Problemen umgehen, schlägt sich demnach auf unser Wohlergehen nieder.”

Vorhergehende Studien zeigten, dass verheiratete Paare, die Streitigkeiten vermeiden, früher sterben als jene, die expressiv sind. Eine andere Studie wiederum ergab, dass der Ausdruck von Ärger zu einem Gefühl der Selbstkontrolle und zu Optimismus führt. Bei jenen Menschen, die ängstlich reagieren, ist das nicht der Fall.

(Quelle: LiveScience.com 20100813)

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Aug 15

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat in ihrem Gesundheitsreport 2010 erstmals die Arzneimittelverordnungen ihrer 3,4 Millionen Mitglieder über die letzten zehn Jahre analysiert. Daraus geht hervor, dass sich das Volumen der in Deutschland verordneten Antidepressiva im letzten Jahrzehnt bei Frauen wie Männern verdoppelt hat. Damit einhergehend erhöhten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Ausgaben für psychische Erkrankungen zwischen 2002 und 2008 um 5,3 auf 28,7 Milliarden Euro. Deutschland liegt damit aber nur im Trend: bei der Recherche für das Psychotherapie-Blog stoße ich regelmäßig auf Berichte aus aller Welt (oder um genauer zu sein: von den verschiedenen westlichen Industrienationen .. welche gleichzeitig – zufällig oder nicht? – auch jene sind, in denen die Pharmaindustrie über erheblichen Einfluß auf die Gesundheitpolitik verfügt), in denen ebenfalls ähnliche atemberaubende Zunahmen zu verzeichnen sind (z.B. betr. USA). Wurden doppelt so viele Menschen “depressiv”? Werden die Medikamente auch dann, wenn sie eigentlich gar nicht indiziert oder notwendig wären, bedenkenlos verschrieben? Warum eigentlich? Derartige Fragen drängen sich fast automatisch auf, scheinen in der Gesundheitspolitik aber keinerlei Denkprozess anzustoßen. Die Ausgaben für Arzneimittel nehmen im Gesundheitshaushalt der westlichen Staaten heute einen geradezu extremen Anteil ein: in der Schweiz etwa sind es bereits 21% der Krankenversicherungsleistungen und dieser Anteil stieg seit 1999 etwa 7-10% jährlich an. Wurden die Pharmaprodukte tatsächlich immer erfolgreicher oder schafft es hier eine Industrie, aus anderen Sektoren sukzessive öffentliche Mittel abzuziehen?

Die häufig – besonders von PolitikerInnen – gegebene Erklärung, die Veränderungen am Arbeitsmarkt würden den Druck erhöhen und dadurch zu einer Zunahme an psychischen Beschwerden führen, greift offenbar zu kurz: nicht nur Arbeitnehmer erhalten vermehrt Psychopharmaka verschrieben, Arbeitslose sind bei nahezu allen Diagnosen sogar noch häufiger betroffen als andere Gruppen, wobei die Schere bei den psychischen Störungen besonders groß ist.

(Quellen: TK Gesundheitsreport 2010, telepolis, sp-ps.ch)

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Aug 12

Die Existenz sozialer Netzwerke entscheidet, wie wohl sich Schwangere fühlen, wie Forscher der University of Michigan kürzlich in der Zeitschrift “Journal of Cultural Diversity and Ethnic Minority Psychology” aufzeigten. Sie begleiteten 300 schwangere Frauen während ihrer Schwangerschaft und untersuchten, was für ihr psychisches Wohlbefinden den Ausschlag gab.
Status, ethnische Zugehörigkeit und Reichtum sind demnach nicht wirklich die wichtigsten Faktoren. Auch einem Teil der benachteiligten Frauen ging es blendend – bei genauem Hinsehen allerdings zeigte sich, dass diese besonders aktive soziale Kontakte hatten. “Eingebundensein in ein enges soziales Netz ist wichtiger für das Wohlbefinden von Schwangeren als Ethnizität oder Status”, fasst die Psychologin und Studienleiterin C. Abdou zusammen.

Die Frage, warum Menschen trotz widriger ökonomischer, sozialer oder genetischer Umstände gesund sind, wird in der Medizin immer wichtiger. Sie wird Salutogenese oder Resilenzforschung genannt. “Drei Fähigkeiten sind dafür zentral”, berichtet Edith Wolber, Sprecherin des Deutschen Hebammenverbands e.V. “Menschen sind eher gesund, wenn sie sich selbst als Handelnde statt als Opfer erkennen. Zweitens ist es wichtig, das Geschehene intellektuell und emotional zu verstehen und richtig einzuordnen. Schließlich hilft es zu wissen, dass es auch einen Sinn hat”, so die Expertin.

Die Schwangerschaft ist eine psychische Ausnahmesituation. Der Körper ist im Umbruch und die Hormone verändern die Emotionen und auch die Begegnung mit anderen. Zudem wächst Leben im Bauch der Schwangeren heran. Das verunsichert, ängstigt und erfordert Austausch und besondere Betreuung. Diese boten früher automatisch die in der Nähe verfügbare Mutter, Schwiegermutter, Freundinnen oder Nachbarn. Heute jedoch ziehen Frauen oft weit weg von zuhause. “Viel hat sich in Internet-Foren verlagert. Es braucht jedoch emotionale, körperliche und direkte Hilfe. Diese wurde professionalisiert – in Form der Hebammen.”

Nicht eindeutig geklärt ist weiter, warum es manchen Schwangeren körperlich gut geht, anderen jedoch nicht. Wolber betont allerdings auch hier den Zusammenhang zur Psyche. “Kann eine Frau ihren Seelenschmerz nicht mit Worten ausdrücken, so spricht der Körper.” Das sei heute immer schwieriger. “Erstgebärende sind heute 30 Jahre alt, haben schon gelernt ihr Leben zu managen und sich der [..] Arbeitswelt anzupassen. Diese sieht zwar, dass die Schwangerschaft keine Krankheit ist. Doch sie duldet sie aber auch nicht als Ausnahmesituation, in der Frauen eine Auszeit wünschen.” Körperliche Symptome und Krankenstand seien somit für viele ein notwendiger Fluchtweg in dieser Zerrissenheit.

(Quelle: Der Standard, 08/2010)

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Aug 01

Stress, Burn-out, Depression: Psychische Probleme haben sich zur Volkskrankheit Nummer eins und zu einem enormen Kostenfaktor für das Gesundheitssystem und die Arbeitswelt entwickelt. Das Dilemma: Viele Erkrankte wissen gar nicht, dass ihre Beschwerden psychisch bedingt sind. Der Arztbesuch hilft oft nicht weiter, da sich auch der Mediziner vorrangig auf die körperlichen Aspekte konzentriert und an psychische Auslöser nicht einmal denkt oder diese unterbewertet. Allgemeinmediziner behandeln bis zu 90 Prozent aller depressiv Erkrankten – erkennen die Auslöser aber häufig gar nicht. An der Universität Trier hat nun eine Forschergruppe eine Methode entwickelt, um die wahren Ursachen solcher Störungen frühzeitig aufzudecken, sodass Ärzte sie effektiver behandeln bzw. Patienten eine Psychotherapie nahelegen können.

Das Ergebnis von zehn Jahren Forschungsarbeit steckt in einem Karton der Größe eines Schul-Atlasses: 16 Röhrchen, eine Tablette, ein Mini-EKG, ein Fragebogen. Mehr braucht es nicht, um psychischen Erkrankungen auf die Schliche zu kommen. „Unsere Methode misst biologische Signale und setzt sie in Beziehung zu psychischen und körperlichen Stressreaktionen. Unser Ziel ist es, sie zu diagnostizieren und dabei zu helfen, sie individuell zu behandeln“, erläutert der wissenschaftliche Leiter Prof. Hellhammer das Verfahren. „Neuropattern ist auch weltweit der erste Versuch, das Wissen der Grundlagenforschung systematisch in die Patientenversorgung einzubringen. Wir hoffen, dass auf diese Weise eine nachhaltige Verbesserung von stresskranken Patienten erreicht werden kann.“

Über teilnehmende Hausärzte, die mögliche Ausschlusskriterien ihrer Patienten prüfen, kann das Neuropattern-Set angefordert werden. Nach einer Einweisung führt der Erkrankte die erforderlichen Tests – überwiegend per Speichelproben – zu Hause durch. Die Auswertungen der Proben und Messungen dienen als Grundlage für eine erfolgreiche Therapie. Patienten können die
Behandlung aktiv unterstützen. Sie erhalten Zugang zu einem Online-Service mit individuellen Angeboten zur Selbsthilfe, die auch Wartezeiten für psychotherapeutische Behandlungen überbrücken sollen.

Das sog. “Neuropattern II-Set” wurde innerhalb von acht Jahren auf der Basis der Daten von mehr als 2200 Patienten und Probanden erfolgreich entwickelt.

Nach Angaben der Universität Trier kosten Arztbesuche, Medikamente und Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund von Stress und Depressionen jährlich rund 65 Milliarden Euro. Knapp 38 Prozent aller Frührentner wurden den Angaben nach 2009 in Deutschland wegen psychischer Erkrankungen vorzeitig in den Ruhestand geschickt – 1993 waren es mit 15 Prozent nicht einmal halb so viele. Auch die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme habe sich seit 1990 verdoppelt. „Das kann sich nur ändern, wenn psychische und psychosomatische Gesundheitsstörungen frühzeitig und effizient von den Ärzten behandelt werden, die die Primärversorgung dieser Patienten durchführen“, sagt Hellhammer.

(Quelle: daacro.de)

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Jul 28

Einsamkeit ist nach einer neuen Studie etwa so schädlich wie Rauchen oder Fettsucht. Ärzte und andere Gesundheitsexperten sollten daher im Zuge der Krankheitsdiagnostik das soziale Umfeld ebenso ernst nehmen wie Tabakkonsum, Ernährung und Sport, wie Forscher aus einer Analyse von 148 Studien zum Sterberisiko schliessen, welche Daten von über 300.000 Menschen vor allem in westlichen Ländern erfassten und die kürzlich im Magazin “PLoS Medicine” veröffentlicht wurde. Dies sei deshalb als generelle Leitlinie zu empfehlen, da der Zusammenhang von sozialem Umfeld und Sterblichkeit altersunabhängig sei.

Der Studie zufolge haben Menschen mit einem guten Freundes- und Bekanntenkreis eine um 50 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als Menschen mit einem geringen sozialen Umfeld. Der Effekt sei in etwa so groß wie der vom Rauchen, und er übertreffe viele andere Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel. Die Studie hatte die Menschen mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren im Schnitt über 7,5 Jahre hinweg beobachtet. Der Effekt blieb bestehen, auch wenn man Alter, Geschlecht und sozialen Status berücksichtigte.

Den größten Effekt aller gemessenen Faktoren hatte die allgemeine soziale Integration, am wenigsten ausschlaggebend war, ob die Menschen allein oder mit anderen zusammen lebten.
Das soziale Umfeld habe Auswirkungen auf den Umgang mit der eigenen Gesundheit und auf psychologische Prozesse wie Stress und Depressionen, erläutern die Forscher. Einige Studien hätten gezeigt, dass Kontakte das Immunsystem stärken. Jede Art, das soziale Umfeld zu verbessern, werde sowohl die Überlebensfähigkeit als auch die Lebensqualität verbessern, schließen die Autoren. Gesundheitsvorsorge sollte daher auch das soziale Befinden betrachten, Mediziner sollten Sozialkontakte und Kliniken soziale Netzwerke für Patienten fördern.

“Mediziner, Gesundheitsexperten, Erzieher und die Medien nehmen Faktoren wie Rauchen, Ernährung und Sport sehr ernst: Die hier präsentierten Daten bieten ein stichhaltiges Argument, die sozialen Faktoren zu dieser Liste hinzuzufügen”, betonen die Autoren.

(Quelle: Holt-Lunstad J, Smith TB, Layton JB (2010) Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review. PLoS Med 7(7): e1000316. doi:10.1371/journal.pmed.1000316)

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Jul 13

Ein in bestimmten Pflanzenblüten enthaltener Duft hat gleich starke beruhigende und angstlösende Wirkung wie viele der häufigsten Psychopharmaka, wie Forscher der Universitäten Bochum und Düsseldorf nun herausgefunden haben. Ihre Entdeckung wurde im “Journal of Biological Chemistry” publiziert, ist ein Wissenschaftsnachweis für Grundlagen der Aromatherapie – und könnte bald zu neuen Therapieformen mit weniger Nebenwirkungen führen.

Konkret wurde der Duftstoff Veracetal und dessen chemisches Pendant erforscht, der aus der Gardenie (Gardenia Jasminoides) stammt, einer ostasiatischen Strauchpflanze mit jasmin-ähnlichem Duft. “Einzelne Moleküle dieses Blütendufts wirken gleich wie viele Beruhigungsmittel. Diese Natursubstanzen werden Tabletten nicht ersetzen. Doch ist es realistisch, dass in Zukunft Menschen, die etwa wegen Schlafstörungen unnötig Valium oder andere Benzodiazepine einnehmen, auf solche Stoffe wechseln können”, erklärt Studienleiter Hanns Hatt.

Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine, Barbiturate und Narkosemittel wie Propofol entfalten ihre Wirkung an Haftstellen von Rezeptoren im Gehirn. In geringer Dosierung verstärken sie den Effekt des Botenstoffs GABA, der diese Rezeptoren hemmt, um das drei- bis fünffache. Die Forscher testeten nun bei 100 verschiedenen Duftstoffen, ob diese dieselbe Reaktion auslösen. Bei den zwei genannten Düften war dies der Fall. Bei ihnen war die Wirkung auf die Rezeptoren sogar fünf- bis zehnmal höher wie zuvor.

“Diese Wirkung bestätigte sich in Mäuse-Verhaltenstests sowie auch auf Molekülebene für die Nervenzellen, die für den Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig sind”, berichtet der Bochumer Zellphysiologe. Dabei war nicht das Geruchsempfinden über die Nase, sondern die Aufnahme im Gehirn über Atmung und Blutkreislauf entscheidend. Testeten die Forscher transgene Mäuse, die nicht auf Propofol reagieren, war auch die Wirkung der Duftstoffe auf die Rezeptoren blockiert. Das beweist ebenfalls den Wirkmechanismus. Als nächstes will man Tests an Menschen durchführen.

Interessant ist die Forschung auch, da sie eine Grundlage der Aromatherapie wissenschaftlich beweist. Zuvor ist das bisher nur beim Aromastoff Linalool gelungen. “Die Aromatherapie sagt schon lange, dass Jasmin-ähnliche Dufteindrücke schlaffördernd sind. Wir konnten das nun bestätigen”, so Hatt. Um weitere Details der Aromatherapie zu bestätigen, sei die klare Distanzierung von Esoterik nötig, betont der Experte.

(Quellen: Olga A. Sergeeva et.al. in “Fragrant dioxane derivatives identify β1 subunit-containing GABAA receptors“, doi: 10.1074/jbc.M110.103309; Standard 09.07.2010)

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Jul 13

Eine Studie, die kürzlich im „American Journal of Epidemiology“ publiziert wurde, zeigt ein gesteigertes Depressions-Risiko für unter 17jährige Cannabis-Konsumenten. Ob die Droge per se dafür verantwortlich ist, bleibt derzeit noch ungeklärt.

Dr. R. de Graaf und Kollegen analysierten am Netherlands Institute of Mental Health and Addiction in Utrecht Daten von 85.088 Personen aus 17 Ländern, die an der World Health Organisation Word Mental Health Survey Initiative (2001-2005) teilnahmen. Die Assoziation zwischen frühem Cannabis-Konsum und späterem Risiko depressiver Phasen wurde mittels logistischer Regressionsanalysen und nach entsprechender Adjustierung auf Geschlecht, Alter, Tabak-Konsum und diverse mentale Erkrankungen durchgeführt.

Hierbei zeigte sich, dass Cannabis-Konsum bei unter 17jährigen mit einer 50%igen Steigerung des Risikos depressiver Phasen assoziiert war (kontrolliert auf Alter und Geschlecht, RR=1,5 [95% CI 1,4-1,7]). Die Assoziation veränderte sich nach Adjustierung auf mentale Erkrankungen unerheblich – ausgenommen für kindliche Verhaltensstörungen, die die Assoziation zu einer nicht-Signifikanz reduzierte.

Die Wissenschafter merken abschließend an, dass dieser Studientyp Cannabis per se nicht als Depressions-Auslöser bei Kindern und Jugendlichen identifizieren kann. Weitere diesbezügliche Studien, die auch auf mögliche latente Depressionen oder mentale Erkrankungen, die zum Cannabis-Konsum führen könnten, fokussieren, sind von Nöten. Andere Studien jedoch zeigten, dass Cannabis-Konsumenten offenbar generell ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Störungen haben als Nicht-Konsumenten.

(Quelle: “Early Cannabis Use and Estimated Risk of Later Onset of Depression Spells: Epidemiologic Evidence From the Population-based World Health Organization World Mental Health Survey Initiative“, Am J Epidemiol. 2010 Jul 15;172(2):149-59. Epub 2010 Jun 9)

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Jul 07

Sich im Internet über eine Krankheit zu informieren ist nicht schlecht. Daraus Schlüsse zu ziehen und entsprechend zu handeln kann jedoch gefährlich sein.

Bei einer Krankheit suchen viele Patienten zuerst im Internet um Rat und entscheiden auf dieser Basis, welche weiteren Schritte sie unternehmen. Viele der hier verfügbaren Informationen sind jedoch falsch oder unvollständig, sagen US-Forscher in der Fachzeitschrift “Journal of Bone and Joint Surgery”. Besonders bei kommerziellen Seiten raten sie zur Vorsicht.

Immer mehr googeln Krankheiten

“Immer mehr Menschen erscheinen mit Ausdrucken aus dem Internet in den Arztpraxen”, erklärt Studienautor Madhav A. Karunakar vom Carolinas Medical Center die Motive der Forschung. Wichtig sei zu wissen, dass es große Unterschiede in der Qualität der online verfügbaren Informationen gibt. “Ärzte sollten gut vorbereitet sein, um diese Informationen mit den Patienten zu diskutieren. Sonst kann es schnell zu falschen Interpretationen kommen.”

Die Forscher nahmen die häufigsten Sportverletzungen unter die Lupe und überprüften, was im Web über sie geschrieben steht. Dazu gehörten etwa Bänderrisse, Verletzungen der Rotatorenmanschette oder des Meniskus, Knie- und Schulterläsionen, der Tennisellbogen und die aseptische Knochennekrose. Ausgewertet wurden die jeweils zehn ersten Sucheinträge bei Google und Yahoo, wobei man Punkte nach Vollständigkeit, Richtigkeit und Klarheit der Darstellung vergab. Vermerkt wurde auch, wer die Information veröffentlicht hatte.

Unabhängige Seiten bieten beste Information

Die besten Inhalte gibt es bei den Non-Profit-Seiten, gefolgt von den wissenschaftlichen Quellen – wozu auch medizinische Journale gezählt wurden. Abgeschlagen davon sind die nicht auf Verkauf orientierten kommerziellen Seiten und ganz am Ende Artikel von Nachrichtenmedien sowie von Einzelpersonen. Kommerzielle Seiten mit finanziellem Interesse an der Diagnose – etwa aus der Pharmabranche – waren häufig vertreten, jedoch selten vollständig.

“Unter den ersten zehn Suchergebnissen sind im Schnitt zwei gesponserte Seiten zu finden”, so Karunakar. Bei diesen gehe es den Betreibern vor allem darum, ihre Produkte zu verkaufen, weshalb sie oft tendenziös seien und wenig über Risiken oder Nebenwirkungen der beworbenen Behandlung informieren. Die Forscher empfehlen daher, kommerzielle Seiten bis auf wenige seriöse Ausnahmen lieber zu meiden.

Riskante Selbsttherapie

“Sich im Internet über eine Krankheit zu informieren ist nicht schlecht. Daraus Schlüsse zu ziehen und entsprechend zu handeln kann jedoch gefährlich sein”, betont Günther Wawrowsky, Sprecher der niedergelassenen Ärzte der österreichischen Ärztekammer. Besonders bei ungünstigem Verlauf einer Krankheit oder Unsicherheiten sollte man lieber den Arzt aufsuchen. “Medizin ist nicht nur ein Messen und Wägen und man kann nicht alles niederschreiben. Was zählt, ist besonders die Erfahrung”, so der Experte.

(Quellen: pte, Der Standard 06.07.2010)

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Jul 07

Seit langem ist bekannt, dass viele Demenzkranke unter Depressionen leiden. Eine neue Langzeitstudie erhärtet nun den Verdacht, dass es sich dabei nicht nur um ein Begleitsymptom handelt, sondern dass die affektive Erkrankung auch das Demenzrisiko erhöht.

Zu diesem Schluss kommt ein Team um J. Saczynski von der University of Massachusetts Medical School in Worcester. Die Forscher analysierten über 17 Jahre lang Daten von 949 Studienteilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 79 Jahren, die anfangs nicht unter Demenz litten. Wie die Forscher im Journal “Neurology” schreiben, stellte sich heraus, dass das Risiko einer Demenz um 70 Prozent erhöht war, wenn die Untersuchten an einer Depression litten. Während des Beobachtungszeitraumes entwickelten 164 von ihnen die Krankheit, wobei die anfangs depressiven Teilnehmer eine 70 Prozent höhere Rate aufwiesen.

“Es ist unklar, ob Depressionen eine Demenz auslösen”, sagte Saczynski. “Aber es gibt eine ganze Menge Wege zu erklären, wie sie es tun könnten.” Es müsse weiter untersucht werden, welcher Zusammenhang genau zwischen Depressionen und Demenz besteht. Depressive leiden beispielsweise häufig unter Entzündungen von Gehirngewebe und dem verstärkten Vorkommen bestimmter Proteine, die in Verbindung mit Demenz stehen. Aber auch der depressive Lebensstil könnte sich auswirken: Falsche Ernährung, wenig Sport und karge soziale Beziehungen erhöhen womöglich das Risiko.

(Quelle: Saczynski J, et al “Depressive symptoms and risk of dementia: The Framingham Heart Study” in Neurology 2010; 75: 35-41.)

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