Jun 25

Antidepressiva erhöhen Suizid-Risiko

Psy-Pressespiegel Comments Off on Antidepressiva erhöhen Suizid-Risiko

(image src: indiatimes.com)

Laut einer Meta-Analyse einschl√§giger US-Studien aus dem Zeitraum von 1987-2013 durch Forscher der Z√ľrcher Hochschule f√ľr Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Universit√§tsklinik f√ľr Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Salzburg steigt das Suizidrisiko unter der Anwendung von Antidepressiva verglichen mit einer von Scheinmedikamenten (Placebos) um den Faktor 2,5.

In allen analysierten Studien begingen 0,8 Prozent der Patienten, die ein Antidepressivum erhielten, Suizid oder einen Suizidversuch, w√§hrend es in der Kontrollgruppe mit Placebo lediglich 0,3 Prozent waren. Die Verl√§√ülichkeit der Datenerhebung ist hoch, da es sich bei den Studien um sogenannte “Doppelblindstudien” handelte, bei denen weder die √Ąrzte, noch die Patienten wu√üten, wer Antidepressiva und wer Placebos erhielt.

Eine Konsequenz aus der Untersuchung sollte sein, noch mehr Vorsicht beim (w√§hrend der letzten Jahre massiv angestiegenen) Verschreiben von Antidepressiva – insbesondere durch Haus√§rzte – walten zu lassen. Nicht selten seien nicht einmal alle Dignoasekriterien f√ľr Depressionen oder Angst√∂rungen erf√ľllt, oder es w√§ren nur unspezifische Symptome vorhanden, und Antidepressiva w√ľrden dann “auf Verdacht hin” verschrieben.

Auch sollten PatientInnen noch besser √ľber die Risiken aufgekl√§rt werden. “Gerade zu Beginn der Behandlung, bei abrupten Dosis√§nderungen und beim Absetzen muss man mit einem erh√∂hten Suizidrisiko rechnen”, so einer der Studienautoren. Bei schweren Depressions-Formen jedoch st√ľnde die Behandlung mit Medikamenten au√üer Frage, wichtig sei jedoch eine kontinuierliche und enge √úberwachung. Parallel zur medikament√∂sen Behandlung sollten auch Psychotherapie oder Sport zur Anwendung kommen.

(Quelle: Newer-Generation Antidepressants and Suicide Risk in Randomized Controlled Trials: A Re-Analysis of the FDA Database)

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Jun 10

Depression und Demenz-Symptome

Häufig versteckt sich hinter dem Verlust von Merkfähigkeit eine Depression (pic: newscientist.com).

Bei schweren Depressions-Formen können derart starke kognitive Einschränkungen entstehen, dass man in bestimmten Fällen vom Auftreten einer Pseudo-Demenz spricht. Doch im Unterschied zu anderen Demenz-Formen verbessert sich das Erinnerungsvermögen wieder, sobald die depressive Phase abklingt.

Dies wurde k√ľrzlich in einem Computermodell, das in Bochum entwickelt wurde, nachgewiesen. Wie bei echten Patienten wechselten sich auch in dem Computermodell depressive Phasen und Phasen ohne Symptome ab. Das Computermodell konnte Erinnerungen genauer abrufen, wenn der zust√§ndige Teil des Gehirns viele neue Nervenzellen bilden konnte – √§hnlich wie w√§hrend Depressionsphasen mit geringerer Symptomatik. Wurden dagegen weniger neue Nervenzellen gebildet (√§hnlich, wie das bei schwereren Depressionsphasen passiert), war es schwieriger f√ľr das Gehirn, √§hnliche Erinnerungen zu unterscheiden und getrennt abzurufen.

Im Modell wurde auch aufgezeigt, dass es schwer fallen kann, auf Erinnerungen zur√ľckzugreifen, die vor der Depression entstanden waren. Je l√§nger eine depressive Phase andauerte, desto weiter zur√ľckliegende Erinnerungen waren betroffen. Untersuchungsleiter Sen Cheng: “Bisher geht man davon aus, dass nur w√§hrend einer Depression Ged√§chtnisst√∂rungen auftreten. Wenn unser Modell recht hat, h√§tten Depressionen weitreichendere Konsequenzen. Alte Erinnerungen k√∂nnten bleibend gesch√§digt werden, selbst wenn die Depression bereits abgeklungen ist.”

Quellen: Virtual brain gives insights into memory deficits in depression

Jun 10
Schlaganfall und Depression

Nur ein kleiner “Unfall” im Gehirn – aber die Auswirkungen k√∂nnen dramatisch sein (pic: webmd.com).

Schlaganfall-Patienten sind nach dem Hirnschlag meist nicht nur motorisch eingeschr√§nkt, sondern etwa jeder Dritte entwickelt auch eine Depression, die sogenannte Post-Stroke-Depression (PSD) – w√§hrend sonst nur jede f√ľnfte Person an Depression erkrankt. Doch wie kommt es dazu?

Grunds√§tzlich gilt: Menschen, die ein erh√∂htes genetisches oder soziales Risiko haben, an einer Depression zu erkranken, werden auch nach einem Schlaganfall leichter von der psychischen Erkrankung erfa√üt. Die k√∂rperlichen Einschr√§nkungen tun ihren Teil: wenn die Beweglichkeit von Gliedma√üen oder der Gesichtsmuskulatur eingeschr√§nkt ist, Sprachst√∂rungen oder L√§hmungen auftreten, ist dies eine massive Belastung f√ľr die Psyche. Den Betroffenen wird bewu√üt, dass sie Grundfertigkeiten wieder neu erlernen m√ľssen und ihren Job nicht mehr weiter aus√ľben k√∂nnen.

Eine weitere Ursache k√∂nnten Ver√§nderungen im Gehirn darstellen: denn Schlaganf√§lle werden durch Blutgerinnsel ausgel√∂st, die Gef√§√üe im Hirn verschlie√üen. Die mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff f√ľhrt zu nachhaltigen Hirnsch√§den, die umso gr√∂√üer sind, je l√§nger die Unterversorgung anh√§lt. Diese Sch√§den k√∂nnen die Aussch√ľttung von Hormonen ver√§ndern und dadurch die Entwicklung einer Depression beg√ľnstigen.

Erste Anzeichen einer Post-Stroke-Depression sind wie bei der Depression Antriebslosigkeit, Schlafst√∂rungen sowie Traurigkeit, die l√§nger als zwei Wochen andauern. “F√ľr das Erkennen der PSD ist es von Vorteil, dass insbesondere schwer betroffene Patienten nach dem Schlaganfall engmaschig betreut werden”, erkl√§rt Franz Fazekas, Neurologe von der Medizinischen Universit√§t Graz: “Gerade w√§hrend der Rehabilitation bekommen √Ąrzte, Pflege und Physiotherapeuten hautnah mit, wie sich die Stimmung der Patienten entwickelt.” Schwieriger wird es, wenn die Depression sp√§ter auftritt, also wenn der Patient die Reha bereits beendet hat und wieder zu Hause ist.

In der Depressions-Therapie Betroffener kommen vor allem dann haupts√§chlich Medikamente zum Einsatz, wenn die mentale Kapazit√§t der Patienten eingeschr√§nkt ist – Psychotherapie kann dann nur beschr√§nkt ihr Potenzial entfalten. Ebenso wichtig sind f√ľr Psychotherapien die Sprachf√§higkeit sowie das Sprachverst√§ndnis.

(Source: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21216670)

Mar 09

Im Sinne der geistigen Gesundheit ist es besser, √∂fters auch mal “nein” zu sagen‚Ķ (pic: andybhatti.com)

Bis zu 39% aller Demenz-Erkrankungen k√∂nnten laut einer k√ľrzlich im Fachmagazin “The Lancet Public Health” ver√∂ffentlichten langj√§hrigen Studie zufolge auf √ľberm√§√üigen Alkoholkonsum zur√ľckzuf√ľhren sein.

F√ľr die Studie wurden die Daten von 57.000 Personen, welche an Hirnsch√§den, vaskul√§rer Demenz und anderen Demenz-Erkrankungsformen (wie z.B. Alzheimer) in franz√∂sischen Spit√§lern ausgewertet. 39% dieser F√§lle lie√üen sich auf alkoholbedingte Hirnsch√§den zur√ľckf√ľhren. 18% litten an weiteren Erkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol. So gesehen verdreifache sich das Erkrankungsrisiko, an einer Form von Demenz zu erkranken, durch √ľberm√§√üigen Alkoholkonsum: “H√∂chstwahrscheinlich f√ľhrt Alkohol zu dauerhaften strukturellen und funktionellen Hirnsch√§den”, sagte Studienautor Michael Schwarzinger vom Translational Health Economics Network. Au√üerdem erh√∂ht Alkoholkonsum das Risiko an Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganf√§llen, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu erkranken, was wiederum das vaskul√§re Demenzrisiko erh√∂ht.

Der Studie zufolge ist das Risiko durch √ľberm√§√üigen Alkoholkonsum f√ľr damit verbundene Hirnsch√§den viel gr√∂√üer als bisher angenommen, Schwarzinger fordert, Alkohol als Hauptrisikofaktor f√ľr alle Arten von Demenz einzustufen. Hinzu kommt, dass starker Alkoholkonsum h√§ufig mit Rauchen, Depressionen und niedrigem Bildungsstand korreliert – all dies sind weitere Risikofaktoren f√ľr Demenz.

Hintergrundwissen: von vorzeitiger Demenz sprechen Mediziner, wenn die Erkrankung vor dem 65 Lebensjahr auftritt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit rund 47 Millionen Menschen an Demenz. Bei 60 bis 70 Prozent handelt es sich demnach um Alzheimer. Von “chronisch starkem Trinken” ist laut WHO die Rede ab dem Konsum von mehr als 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag f√ľr M√§nner (= ca. 4-5 Flaschen Bier √° 330ml oder 7 “Achterl”-Gl√§ser Wein √° 100ml pro Tag) und mehr als 40 Gramm pro Tag bei Frauen (= 3 Flaschen Bier oder 4-5 Gl√§ser Wein).

Weiterf√ľhrende Informationen:

Alkohol-Selbsttest auf dieser Website

Literatur-Tipps zum Thema Alkoholismus

(Sources: Contribution of alcohol use disorders to the burden ofdementia in France 2008‚Äď13: a nationwide retrospectivecohort study; Image source: andybhatti.com)

Oct 11
angst stress immunsystem genetik epigenetik

Angst – eine Belastung nicht nur f√ľr die Psyche, sondern auch f√ľr den K√∂rper. (Image: Getty)

Angst entsteht, wenn auf ausl√∂sende Reize eine √ľberm√§√üige Stressreaktion folgt – das ist ein wichtiger Schutzmechanismus des K√∂rpers … sofern die Reaktion angemessen ist.

Erfolgt sie jedoch unkontrollierbar und sind Betroffene l√§nger solch extremen Stressreaktionen ausgesetzt, f√ľhrt dies vermutlich sogar auch zu epigenetischen Ver√§nderungen, die sich ung√ľnstig auf den K√∂rper auswirken. Forscher des Helmholtz Zentrums M√ľnchen und des Max-Planck-Instituts f√ľr Psychiatrie gingen den Zusammenh√§ngen auf den Grund, indem sie Daten aus breiten Bev√∂lkerungsgruppen mit denen von Patienten verglichen. So konnten sie ihre Ergebnisse im klinischen Umfeld replizieren. Zus√§tzlich √ľberpr√ľften sie ihre Erkenntnisse im Tiermodell.

In einem Teil der Studie (KORA F4 an 1.522 Erwachsenen im Alter von 32 bis 72 Jahren) entnahmen die Forscher zuf√§llig ausgew√§hlten Personen mit und ohne Angstst√∂rung Blutproben, um mehr √ľber die sogenannte DNA-Methylierung (Teil der Epigenetik, ein wichtiger Vermittler zwischen Genen und Umwelt) zu erfahren. Bei an Angstst√∂rungen leidenden Personen wurde hierbei eine Zunahme der DNA-Methylierung des Gens ASB1 um fast 50 Prozent festgestellt, welches f√ľr das Nervensystem wie auch das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt.

In zwei weiteren Teilen der Studie wurden epigenetische Effekte zur Regulierung des stressempfindlichen ASB1-Gens im klinisch-psychiatrischen Bereich nachgewiesen. Diese Ergebnisse fanden danach sogar auch in Tierversuchen mit Mäusen Bestätigung.

Die betreffenden Ergebnisse k√∂nnen f√ľr die Diagnose, Therapie und Pr√§vention von Angstst√∂rungen und Stress-Syndromen eine wichtige Rolle spielen – insbesondere werfen sie aber einen Blick auf die erheblichen Auswirkungen dieser St√∂rungsbilder, die u.U. sogar erblich weitergereicht werden k√∂nnten. Die Resultate wurden vor Kurzem in der renommierten Zeitschrift ‚ÄěNeuropsychopharmacology‚Äú ver√∂ffentlicht.

(Quelle: MedAustria; Anxiety Associated Increased CpG Methylation in the Promoter of Asb1: A Translational Approach Evidenced by Epidemiological and Clinical Studies and a Murine Model; Neuropsychopharmacology advance online publication June 2017; doi: 10.1038/npp.2017.102)

Oct 11
Pupillen Sexuelle Reaktionen Männer Frauen

Was unsere Pupillenreaktionen √ľber uns aussagen…
Image src: S. Cartwright, popsci.com

√úberraschende Ergebnisse erbrachte eine Untersuchung von Pupillen-Reaktionen auf Pornographie an der University of Sydney in Australien (bereits im Jahre 2012).

Bei heterosexuellen M√§nnern erweiterten sich die Pupillen am meisten, wenn sie in Pornofilmen oder -bildern weibliche Darstellerinnen beim Masturbieren sahen. Bei homosexuellen M√§nnern erweiterten sie sich am meisten, wenn sie dabei M√§nner zu sehen bekamen, und bei bisexuellen M√§nnern mehr als bei anderen M√§nnern, wenn sie Darsteller beider Geschlechter sahen”, schreiben die Autoren Rieger & Savin-Williams.

Dasselbe gilt aber nicht f√ľr Frauen. Im Durchschnitt erweiterten sich die Pupillen heterosexueller Frauen st√§rker beim Betrachten von Abbildungen und Videos mit m√§nnlichen Darstellern als von neutralen Bildern, aber sie reagierten auch st√§rker auf Bilder von masturbierenden Frauen im Vergleich zu heterosexuellen M√§nnern, die M√§nner beobachteten.

Die Pupillen-Reaktionen lesbischer und bisexueller Frauen ähnelten in der Studie tendenziell jenen männlicher Reaktions-Muster.

Die Erkenntnis, dass heterosexuelle Frauen mehr als heterosexuelle M√§nner von beiden Geschlechtern erregt werden, k√∂nnte den √úberlegungen der Autoren zufolge durch die Evolutionstheorie erkl√§rt werden: in der Fr√ľhgeschichte der Menschheit kam es h√§ufig zu Gewalt, sexuellen √úbergriffen und Ausschweifungen. W√§hrend sich dabei die k√∂rperlich √ľberlegenen M√§nner erlauben konnten, sich voll auf ihre (i.d.R. heterosexuellen) Vorlieben zu konzentrieren, mu√üten sich Frauen vor Verletzungen im Intimbereich sch√ľtzen – Frauen, die hier unabh√§ngiger von rein heterosexuellen Stimuli waren und unabh√§ngig davon sexuelle Erregung (z.B. Feuchtwerden des Scheideneingangs) entwickeln konnten, waren evolution√§r im Vorteil. Dies deckt sich auch mit diversen theoretischen Arbeiten zu diesem Thema, die sich mit der gr√∂√üeren Offenheit von Frauen in Richtung homosexueller Kontakte besch√§ftigten.

(Quellen: Rieger G, Savin-Williams RC (2012) The Eyes Have It: Sex and Sexual Orientation Differences in Pupil Dilation Patterns. PLoS ONE 7(8): e40256., [PopSci])

Sep 29

Bild: Shutterstock

Wenn es um das Thema Datenschutz geht, w√§hlen viele Menschen die bequeme Position “Ich habe nichts zu verbergen.” Das ist jedoch leichtsinnig, denn schon seit Jahren sammeln Unternehmen unerm√ľdlich unsere Daten – diese werden analysiert und weiterverkauft – und sie bleiben vermutlich zum gr√∂√üten Teil ewig gespeichert. “Big Data” hei√üt das Ph√§nomen, bei dem es l√§ngst nicht mehr nur um optimierte Facebook-Streams (“Das k√∂nnte Sie interessieren:”) und personalisierte Werbung geht. Zunehmend interessieren sich einschl√§gige Firmen auch f√ľr den Gesundheitszustand und die Kreditw√ľrdigkeit ihrer Kunden.

T√§glich hinterl√§sst jeder Internet- und Smartphone-Nutzer dutzende Daten-Spuren: jeder Zahlvorgang im Web, jede Kreditkarten-Zahlung, jeder NFC- (“bargeldlose Zahlung), Wifi- und Bluetooth-Kontakt √ľber das Smartphone, jedes Posting in sozialen Netzwerken wird registriert – und h√§ufig auch von daf√ľr zahlenden Unternehmen gespeichert und ausgewertet. “Big Data” bedeutet dabei nicht nur, m√∂glichst viele Daten zu sammeln: der Verkauf der betreffenden Daten wird besonders in den USA (in die aufgrund der Marktdominanz der USA im IT-Bereich gro√üe Mengen unserer Daten √ľbertragen werden) hochaktiv betrieben, und einschl√§gige Unternehmen verbinden die Daten aus diesen Datenbanken dann mit ganz anderen Informationen √ľber uns. Was mit all diesen Informationen passiert, l√§√üt sich nur ansatzweise erahnen. Der US-Security-Pionier John McAfee formuliert es sinngem√§√ü in einschl√§gigen Interviews und Vortr√§gen so: “Wir sind Menschen, und wir alle haben Dinge, die uns unangenehm sind, oder Lebensphasen, in denen es uns schlecht geht. Die menschliche Gesellschaft hat Privatheit deshalb als elementares Fundament f√ľr ein harmonisches Zusammenleben entwickelt. Wir alle haben ein elementares Bed√ľrfnis nach Privatheit – gibt es sie nicht, g√§be es Blut auf den Stra√üen und unerme√üliches Leid in unseren Beziehungen.”

Der zunehmende Entzug unserer Privatheit durch die intransparenten Wege der Datenverarbeitung durch Unternehmen kann ernste Folgen haben. So wurde in den USA der Fall eines Kreditkartenunternehmens bekannt, das Kunden das Limit k√ľrzte, die eine Paartherapie mit ihrer Kreditkarte bezahlt hatten. “Die haben festgestellt, dass Menschen, die wegen einer Ehekrise eine Paartherapie brauchen, mit hoher Wahrscheinlichkeit sp√§ter einen Kreditausfall haben oder zumindest finanziell stark belastet sind”, erkl√§rte das IT-Magazin c‚Äôt in einem diesbez√ľglichen Artikel.

Weiterf√ľhrende Links f√ľr Interessierte:
Wie “Big Data” gegen uns eingesetzt wird, ohne, dass wir davon merken
John McAfee √ľber den Trugschlu√ü von Datensicherheit

Jul 25
Autismus Schwangerschaft Antidepressiva

Erhöhtes Risiko bei Antidepressiva-Einnahme der Mutter während der Schwangerschaft (Bildquelle: Fotolia)

Schon seit vielen Jahren wird ein Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen (besonders Depressionen) von M√ľttern und der Wahrscheinlichkeit derer Kinder, an Autismus zu erkranken, vermutet. Nun scheint eine im British Medical Journal ver√∂ffentlichte Studie der Universit√§t Bristol diese Vermutung – wenn auch auf andere Weise – zu erh√§rten.

So scheint der Konsum von Antidepressiva w√§hrend der Schwangerschaft zumindest teilweise mit dem sp√§teren Auftreten von Autismus bei Kindern zusammenzuh√§ngen. Kinder, deren M√ľtter w√§hrend der Schwangerschaft zu Antidepressiva greifen, tragen den gefundenen Zahlen zufolge ein h√∂heres Autismus-Risiko als Kinder, deren psychisch erkrankten M√ľtter auf diese medikament√∂se Intervention verzichten. Dieses Risiko ist – dieser Studie zufolge – allerdings nur leicht erh√∂ht.

In der Studie wurden 250.000 zwischen vier und 17 Jahre alte schwedische Kinder und Jugendliche, unter denen sich mehr als 5.000 Menschen mit Autismus befanden, untersucht. Ihre M√ľtter waren entweder psychisch unbelastet oder von Depression betroffen, manche der letzteren nahmen Antidepressiva ein oder verzichteten auf Medikamente. Die Kinder der M√ľtter, welche w√§hrend ihrer Schwangerschaft Antidepressiva einnahmen, waren sp√§ter zu 4,1% von Autismus betroffen, jene von M√ľttern, die keine entsprechenden Medikamente einnahmen, nur zu 2,9%.
Demnach brachten mehr als 95% der M√ľtter, die Antidepressiva einnahmen, keine autistischen Kinder zur Welt.

Bemerkenswert ist allerdings, dass andere Studien mit √§hnlichen Fragestellungen teils deutlich h√∂here Wahrscheinlichkeiten f√ľr Autismus-Entwicklung der Kinder ergaben (bis zu einer Verdopplung des Risikos bei der Einnahme von SSRI’s, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, w√§hrend des 2. und 3. Trimesters der Schwangerschaft im Zuge einer Studie der Unversit√§t von Montreal 2015 (p=145.000), teils auch gar keinen Zusammenhang fanden (z.B. 2015).

Aus den zur Verf√ľgung stehenden Forschungsergebnissen ist nach Meinung des Autors somit keine generelle Warnung hinsichtlich der Einnahme von Antidepressiva abzuleiten: ist also eine unterst√ľtzende Einnahme von Antidepressiva rechtzufertigen (z.B. bei erheblich belastenden und trotz regelm√§√üiger Psychotherapie nur wenig ver√§nderlichen Depressionsformen), sollte diese durchaus auch w√§hrend der Schwangerschaft fortgesetzt werden – sofern sich die damit verbundene hormonelle Umstellung nicht ohnedies bereits positiv auf die Depression auswirkt!

Dec 18

Dies ist ein “Sammeleintrag” √§hnlich meinen Blog-Eintr√§gen zu den Themen “Partnersuche“, “Suizid” oder “Autismus“, in denen ich Forschungsergebnisse zum pers√∂nlichen, gesellschaftlichen oder sozialversicherungsm√§√üigen Gewinn durch Psychotherapie sammle. Falls Ihnen einschl√§gige Studien bekannt sind, die hier noch nicht gelistet sind, f√ľge ich sie nach einer kurzen E-Mail gerne hinzu.

  • Rund 20% der Kinder und Jugendlichen in Europa leiden an psychischen Erkrankungen, die einschr√§nkend wirken und daher als krankheitswertig und behandlungsbed√ľrftig zu bezeichnen sind (WHO 2005). Man darf auf Basis des heute verf√ľgbaren Wissens √ľber √Ątiologie, therapeutische Beeinflussbarkeit und den Verlauf psychischer St√∂rungen jedoch davon ausgehen, dass der Gro√üteil dieser psychischen St√∂rungen erfolgreich psychotherapeutisch behandelbar w√§re (Mattejat F (2004): Perspektiven einer entwicklungsorientierten Psychotherapie. In: Lehmkuhl U, Lehmkuhl G (Hrsg). Fr√ľhe psychische St√∂rungen und ihre Behandlung. Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen; Schmidt MH (2004) Verlauf psychischer St√∂rungen bei Kindern und Jugendlichen. Deutsches √Ąrzteblat 101: 38)
  • 1 Euro f√ľr Therapie = 4 Euro “Gewinn”: jeder Euro, der in die Behandlung von Depression und Angstst√∂rungen flie√üt, stehen 4 Euro “Gewinn” durch die Aufrechterhaltung der Erwerbsf√§higkeit und Vermeidung von Folgekosten (von Arbeitsplatzverlust √ľber physiologische Erkrankungen, Gewalt, Drogenmi√übrauch etc.) gegen√ľber. In der Lancet-Studie (04/2016) wurden unter “Therapie” alle Ma√ünahmen von ausschlie√ülich medikament√∂ser Behandlung √ľber psychosoziale Ma√ünahmen bis Psychotherapie zusammengefa√üt.
  • Fr√ľhe Psychotherapie wirkt im “Journal of Clinical Child & Adolescent Psychology” publizierten Studien zufolge besser als Medikamente f√ľr Kinder, die an ADHS leiden (Details, Studie 1, Studie 2).
  • Die meisten psychischen St√∂rungen sind wiederkehrend und chronifizieren, wenn sie unbehandelt bleiben (Baltesberger C., Grawe K (2001): Psychotherapie unter gesundheits√∂konomischem Aspekt. Zeitschrift f√ľr Klinische Psychologie und Psychotherapie 30 (1): 10-21, Hogrefe-Verlag, G√∂ttingen). Margraf fasst die epidemiologischen Daten v.a. der Angstst√∂rungen und Depressionen mit den Kostendaten in Deutschland und der Schweiz so zusammen: “Statt fr√ľh, ambulant und kosteng√ľnstig werden psychische St√∂rungen sp√§t, station√§r und teuer behandelt.”
  • Die Nicht-Durchf√ľhrung bzw. Nicht-Miteinschlie√üung von Psychotherapie im Versorgungssystem kommt teuer: den Milliardenkosten (gesch√§tzt 2,8 Mrd. Euro laut Arbeiterkammer (Juli 2008), die¬†in √Ėsterreich durch psychische St√∂rungen j√§hrlich verursacht werden, stehen Aufwendungen f√ľr Psychotherapie von rund 45 (!) Millionen Euro gegen√ľber.
  • Laut Hauptverband der Sozialversicherungstr√§ger sind die Verschreibungen f√ľr Antidepressiva f√ľr die Alterstruppe von 5-19 Jahren allein vom Jahr 2006 bis 2007 um 11.461 gestiegen, auch im Bereich der Anxiolytika (Angst-Medikamente) war in dieser Altersgruppe ein Anstieg innerhalb nur eines Jahres um 1.916 Verschreibungen zu verzeichnen. Eine psychotherapeutische Behandlung w√ľrde in vielen dieser F√§lle nicht nur eine Alternative zur rein psychopharmakologischen Behandlung darstellen, sondern sie w√§re, da in der Psychotherapie grundlegend an der Problemanalyse, -bew√§ltigung und Verbesserung der Entwicklungsbedingungen gearbeitet wird, auch aus ethischen Gesichtspunkten vorzuziehen. Auch ein “Immunisierungseffekt” gegen psychische St√∂rungen gelingt in aller Regel deutlich besser √ľber Psychotherapie denn √ľber die symptombezogene Einnahme von Medikamenten.

Falls Sie evt. relevante Studienergebnisse √ľber den Nutzen von Psychotherapie fanden, die hier noch nicht angef√ľhrt sind, w√§re es im Sinne der allgemeinen N√ľtzlichkeit dieses Artikel nett, wenn Sie auf diese im Kommentarbereich hinweisen k√∂nnten. Danke!

 

Dec 17

Hyperhidrose kann eine schwere Belastung f√ľr die Betroffenen darstellen (Bild: dermnetz)

Nach einer Studie in der Dezember-Ausgabe des Journal of the American Academy of Dermatology ist Hyperhidrosis bzw. Hyperhidrose (HH), also das verstärkte Schwitzen, mit einer erhöhten Prävalenz von Angst und Depression verbunden.

Wirklich wahr! Nun, diese Erkenntnis best√§tigt etwas, das in der Psychotherapie der diesbez√ľglichen St√∂rung schon seit jeher die g√§ngige Arbeitshypothese darstellt: das Schwitzen der Hyperhydrose-Betroffenen ist in aller Regel ein Zeichen chronischer (nicht immer bewu√üter) Stress-Spannung. Angst und psychische Spannung aber erzeugen √ľber das sympathische (im Gegensatz zum parasympathischen) System eine erh√∂hte Produktion der Schwei√üdr√ľsen. Die Hyperhidrose-Betroffenen leiden im Alltag oder spezifischen (z.B. sozialen) Situationen also unter erh√∂hten Angst- und Stressgef√ľhlen, h√§ufig leiden die Betroffenen dar√ľber hinaus auch an einer depressiven Symptomatik.

In der Studie untersuchten Dr. R. Bahar von der Universität von British Columbia in Vancouver, Canada, und Kollegen die Prävalenz von Angst und Depression bei Patienten mit oder ohne Hyperhidrose. Insgesamt wurden 2.017 Dermatologie-Patienten mit standardisierten psychologischen Testfragebögen auf Depression und Angst hin getestet.

Das Vorkommen von Angst wurde bei 21.3% und Depressionen bei 27.2% der Hyperhidrose-Patienten vorgefunden, verglichen mit 7.5% und 9.7% bei Patienten ohne Hyperhidrose (beide p<0,001). Positive Korrelationen wurden f√ľr Hyperhydrose-Intensit√§t und Angst- und Depressions-Vorkommen gefunden. In der multivarianten Analyse war die Hyperhidrose-assoziierte Zunahme des Vorkommens von Angstsymptomen und Depression unabh√§ngig von demographischen Faktoren und bereits vorhandenen Hauterkrankungen.

“Sowohl einzelvariante als auch multivariable Analysen zeigten eine signifikante Assoziation zwischen Hyperhidrose und dem Vorliegen von Angst- und Depressionssymptomen je nach Intensit√§t der Hyperhidrose-Symptomatik”, schreiben die Autoren.

Quelle: Prevalence of anxiety and depression in patients with or without hyperhidrosis (HH) in: Journal of the American Academy of Dermatology , Volume 75 , Issue 6 , 1126 – 1130

ÔĽŅ25.06.19