Jul 23

“Sch√∂nheitschirurgen” und die Kosmetikindustrie leben davon (und Kritiker behaupten, sie tun ihr Bestes, um es zu f√∂rdern): das “Dorian-Gray-Syndrom” beschreibt ein Ph√§nomen, bei dem Menschen regelrecht zwanghaft kosmetische Produkte kaufen und medizinische Prozeduren auf sich zu nehmen – im Versuch, ihre Jugend zu erhalten. Oscar Wilde griff in seinem ber√ľhmten Roman “Das Bildnis des Dorian Gray” sehr eindr√ľcklich das psychologische Dilemma der Betroffenen auf, nicht altern und seelisch reifen zu wollen. Der Protagonist des Romans wurde in Folge zum Namensgeber f√ľr das einschl√§gige Verhaltensbild.

W√§hrend das Syndrom als solches zwar noch nicht in die medizinischen Diagnoseschl√ľssel aufgenommen wurde, zeigen viele Patienten, die daran leiden, jedoch klar diagnostizierbare Elemente sogenannter¬†K√∂rperbildst√∂rungen (mit starken Sorgen rund um – mitunter nur von ihnen selbst – wahrgenommene Defekte ihrer k√∂rperlichen Erscheinungsbildes), narzi√ütische Pers√∂nlichkeitselemente (etwa ein Gef√ľhl der √úberlegenheit anderen gegen√ľber oder starke Besch√§ftigung mit sich selbst), sowie Zeichen verz√∂gerter psychischer Reifung (Maturation) in bestimmten Teilbereichen ihrer Pers√∂nlichkeit. In ihrer Sorge um ihr √§u√üeres Erscheinungsbild und ihrer Schwierigkeit, ihr k√∂rperliches Altern zu akzeptieren, sind DGS-PatientInnen h√§ufig intensive Benutzer (oder Mi√übraucher) von Haarwuchs- und Di√§tprodukten, Stimmungsaufhellern und Potenzmitteln, oft sind sie Mitglieder in Fitne√üclubs und h√§ufig auch wiederholt Patienten f√ľr kosmetische Operationen (Laser-Korrekturen, Botox-Injektionen oder andere √§sthetische Eingriffe).

Falls Sie jemanden kennen, der Anzeichen des Dorian-Gray-Syndroms zeigt, d√ľrften Ihnen vielleicht auch depressive Tendenzen auffallen, die sich – wenn sie unbehandelt bleiben – selbstsch√§digend auswirken k√∂nnen: etwa wenn der oder die Betroffene versucht, das negative Selbstbild durch den Gebrauch von Medikamenten, Drogen oder wiederholten Operationen zu unterdr√ľcken. Wer aber h√§tte das Recht, das jeweilige Verhalten als “sch√§dlich” zu bezeichnen? F√ľr manche Menschen w√§re es wohl inakzeptabel, ihr Leben st√§ndig nach derartigen Zwangsgedanken auszurichten, andere dagegen ver√§ndern lieber ihren K√∂rper, als ihre Psyche zu hinterfragen.

Was l√§√üt sich gegebenenfalls tun? Bei manchen Betroffenen stellt sich eine Pers√∂nlichkeitsst√∂rung als eigentliche Ursache f√ľr die K√∂rperbildst√∂rung heraus, bei anderen ist es ein Mangel an Selbstwertgef√ľhl. W√§hrend zur Behandlung von Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen unterschiedliche Ma√ünahmen (h√§ufig eine Kombination aus Psychopharmaka und Psychotherapie) erforderlich sind, kann das Selbstwertgef√ľhl sehr effizient mit Methoden aus der Psychotherapie alleine verbessert werden. Dies erfordert nicht unbedingt jahrelange “Gespr√§che” – klare und auch dauerhafte Verbesserungen sind in der Regel schon nach einigen Monaten regelm√§√üiger Sitzungen m√∂glich. Diese haben unter anderem das Ziel, hinsichtlich der k√∂rperlichen Ver√§nderungen, die unser Leben mit sich bringt, selbstsicherer und gelassener zu werden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:Dorian Gray Movie 2009)

ÔĽŅ01.09.19