Jun 10

Depression und Demenz-Symptome

HÀufig versteckt sich hinter dem Verlust von MerkfÀhigkeit eine Depression (pic: newscientist.com).

Bei schweren Depressions-Formen können derart starke kognitive EinschrÀnkungen entstehen, dass man in bestimmten FÀllen vom Auftreten einer Pseudo-Demenz spricht. Doch im Unterschied zu anderen Demenz-Formen verbessert sich das Erinnerungsvermögen wieder, sobald die depressive Phase abklingt.

Dies wurde kĂŒrzlich in einem Computermodell, das in Bochum entwickelt wurde, nachgewiesen. Wie bei echten Patienten wechselten sich auch in dem Computermodell depressive Phasen und Phasen ohne Symptome ab. Das Computermodell konnte Erinnerungen genauer abrufen, wenn der zustĂ€ndige Teil des Gehirns viele neue Nervenzellen bilden konnte – Ă€hnlich wie wĂ€hrend Depressionsphasen mit geringerer Symptomatik. Wurden dagegen weniger neue Nervenzellen gebildet (Ă€hnlich, wie das bei schwereren Depressionsphasen passiert), war es schwieriger fĂŒr das Gehirn, Ă€hnliche Erinnerungen zu unterscheiden und getrennt abzurufen.

Im Modell wurde auch aufgezeigt, dass es schwer fallen kann, auf Erinnerungen zurĂŒckzugreifen, die vor der Depression entstanden waren. Je lĂ€nger eine depressive Phase andauerte, desto weiter zurĂŒckliegende Erinnerungen waren betroffen. Untersuchungsleiter Sen Cheng: “Bisher geht man davon aus, dass nur wĂ€hrend einer Depression GedĂ€chtnisstörungen auftreten. Wenn unser Modell recht hat, hĂ€tten Depressionen weitreichendere Konsequenzen. Alte Erinnerungen könnten bleibend geschĂ€digt werden, selbst wenn die Depression bereits abgeklungen ist.”

Quellen: Virtual brain gives insights into memory deficits in depression

Dec 08

Bild: Wikimedia Commons LicenseJugendliche, die misshandelt oder vernachlĂ€ssigt wurden, haben weniger graue Substanz (das sind jene Gebiete des Zentralnervensystems, die vorwiegend aus Nervenzellkörpern bestehen) in bestimmten Bereichen des Gehirns als junge Menschen, die diese Erfahrungen nicht machen mußten, wie eine Studie der Yale School of Medicine zeigt. Das Ausmaß des ‘Schadens’ richtet sich u.a. auch danach, ob es sich um Jungen oder MĂ€dchen handelt, ob Mißbrauch oder VernachlĂ€ssigung vorlag und ob die Erfahrungen körperlicher oder emotionaler Natur waren. Die Ergebnisse (p=42) wurden in der Dezember-Ausgabe der Archives of Pediatric Adolescent Medicine veröffentlicht.

Die VerĂ€nderungen konnten bei allen Adoleszenten beobachtet werden, obwohl sie an keinen diagnostizierbaren psychiatrischen Störungen litten. “Wir haben es mit Jugendlichen zu tun, die keine diagnostizierbare Krankheit haben, bei denen sich aber immer noch physische Beweise fĂŒr Misshandlungen zeigen”, sagte der leitende Autor der Studie H. Blumberg, Associate Professor in der Abteilung fĂŒr Psychiatrie und Diagnostische Radiologie. “Dies könnte helfen, Schwierigkeiten mit schulischen Leistungen zu erklĂ€ren oder eine Steigerung ihrer AnfĂ€lligkeit fĂŒr Depressionen und Verhaltensstörungen.”

In prÀfrontalen Bereichen zeigte sich die Verringerung der grauen Substanz, egal ob der Jugendliche körperlich misshandelt oder emotional vernachlÀssigt worden war. In anderen Bereichen des Gehirns hing die Reduktion von der Art der Misshandlungserfahrungen ab. So wurde zum Beispiel emotionale VernachlÀssigung mit einer Abnahme der Bereiche, die unsere Emotionen regulieren, verbunden.

Die Forscher stellten auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Weise, in der die graue Substanz abnahm, fest. Bei Jungen zeigte sich eher eine Reduktion in Bereichen des Gehirns, die mit der Impulskontrolle oder Drogenmissbrauch assoziiert sind. Bei MĂ€dchen schien sich die Reduktion auf Bereiche des Gehirns zu konzentrieren, die mit Depression in Verbindung gebracht werden.

Blumberg betonte, dasss diese bei Jugendlichen gefundenen Defizite, nicht von Dauer sein mĂŒssen.

“Wir haben festgestellt, dass insbesondere das Gehirn von Jugendlichen ein hohes Maß an PlastizitĂ€t aufweist” (NeuroplastizitĂ€t, Anmerkung R.L.Fellner), sagte sie. “Das kann bedeutend sein, um Wege zu finden, Folgen von Misshandlungen zu verhindern und den Jugendlichen, die diese Erfahrung machen mußten, effizient zu helfen.”

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(Quellen: YaleNews; E. E. Edmiston, F. Wang, C. M. Mazure, J. Guiney, R. Sinha, L. C. Mayes, H. P. Blumberg. Corticostriatal-Limbic Gray Matter Morphology in Adolescents With Self-reported Exposure to Childhood Maltreatment. Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine, 2011; 165 (12): 1069 DOI: 10.1001/archpediatrics.2011.565)

ï»ż25.06.19