Aug 12

Die Existenz sozialer Netzwerke entscheidet, wie wohl sich Schwangere f√ľhlen, wie Forscher der University of Michigan k√ľrzlich in der Zeitschrift “Journal of Cultural Diversity and Ethnic Minority Psychology” aufzeigten. Sie begleiteten 300 schwangere Frauen w√§hrend ihrer Schwangerschaft und untersuchten, was f√ľr ihr psychisches Wohlbefinden den Ausschlag gab.
Status, ethnische Zugeh√∂rigkeit und Reichtum sind demnach nicht wirklich die wichtigsten Faktoren. Auch einem Teil der benachteiligten Frauen ging es blendend – bei genauem Hinsehen allerdings zeigte sich, dass diese besonders aktive soziale Kontakte hatten. “Eingebundensein in ein enges soziales Netz ist wichtiger f√ľr das Wohlbefinden von Schwangeren als Ethnizit√§t oder Status”, fasst die Psychologin und Studienleiterin C. Abdou zusammen.

Die Frage, warum Menschen trotz widriger √∂konomischer, sozialer oder genetischer Umst√§nde gesund sind, wird in der Medizin immer wichtiger. Sie wird Salutogenese oder Resilenzforschung genannt. “Drei F√§higkeiten sind daf√ľr zentral”, berichtet Edith Wolber, Sprecherin des Deutschen Hebammenverbands e.V. “Menschen sind eher gesund, wenn sie sich selbst als Handelnde statt als Opfer erkennen. Zweitens ist es wichtig, das Geschehene intellektuell und emotional zu verstehen und richtig einzuordnen. Schlie√ülich hilft es zu wissen, dass es auch einen Sinn hat”, so die Expertin.

Die Schwangerschaft ist eine psychische Ausnahmesituation. Der K√∂rper ist im Umbruch und die Hormone ver√§ndern die Emotionen und auch die Begegnung mit anderen. Zudem w√§chst Leben im Bauch der Schwangeren heran. Das verunsichert, √§ngstigt und erfordert Austausch und besondere Betreuung. Diese boten fr√ľher automatisch die in der N√§he verf√ľgbare Mutter, Schwiegermutter, Freundinnen oder Nachbarn. Heute jedoch ziehen Frauen oft weit weg von zuhause. “Viel hat sich in Internet-Foren verlagert. Es braucht jedoch emotionale, k√∂rperliche und direkte Hilfe. Diese wurde professionalisiert – in Form der Hebammen.”

Nicht eindeutig gekl√§rt ist weiter, warum es manchen Schwangeren k√∂rperlich gut geht, anderen jedoch nicht. Wolber betont allerdings auch hier den Zusammenhang zur Psyche. “Kann eine Frau ihren Seelenschmerz nicht mit Worten ausdr√ľcken, so spricht der K√∂rper.” Das sei heute immer schwieriger. “Erstgeb√§rende sind heute 30 Jahre alt, haben schon gelernt ihr Leben zu managen und sich der [..] Arbeitswelt anzupassen. Diese sieht zwar, dass die Schwangerschaft keine Krankheit ist. Doch sie duldet sie aber auch nicht als Ausnahmesituation, in der Frauen eine Auszeit w√ľnschen.” K√∂rperliche Symptome und Krankenstand seien somit f√ľr viele ein notwendiger Fluchtweg in dieser Zerrissenheit.

(Quelle: Der Standard, 08/2010; Image source:ladycarehealth.com)

ÔĽŅ01.09.19