Nov 14

Erstmals seit 1988 wurde erhoben, wie oft rechtskrĂ€ftig verurteilte StraftĂ€terInnen erneut vor Gericht bestraft werden. 62 Prozent der von den heimischen Strafgerichten Abgeurteilten werden kein zweites Mal verurteilt, und selbst unter den Vorbestraften bleiben knapp 50% ohne weitere Verurteilung, somit schaffte jeder zweite den Ausstieg aus der “Karriere”. Immerhin ein FĂŒnftel allerdings wurde öfter als viermal wieder verurteilt. Bei Suchtmittel- und Vermögensdelikten war die RĂŒckfallquote am GrĂ¶ĂŸten. Von den verurteilten SexualstraftĂ€terInnen wurden nur 4% wieder einschlĂ€gig rĂŒckfĂ€llig.

Je geringer die Strafe ausfĂ€llt, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, neuerlich vor Gericht zu landen – dies lĂ€sst sich ebenfalls aus der Statistik ablesen. 74 Prozent der zu einer bedingten Geldstrafe Verurteilten wurden ĂŒberhaupt nicht mehr verurteilt, wĂ€hrend 35 Prozent der zu unbedingten Haftstrafen neuerlich eine “Unbedingte” ausfassten. Die Wiederverurteilungsstatistik belegt auch deutlich die Sinnhaftigkeit von bedingten Entlassungen: wĂ€hrend 67 Prozent der Personen, die zum vorgesehenen Zeitpunkt aus der Strafhaft entlassen wurden, wieder verurteilt wurden, waren es bei vorzeitig auf BewĂ€hrung Entlassenen nur 54 Prozent.

Diese “Wiederverurteilungsstatistik” bezieht sich auf sĂ€mtliche im Jahr 2003 rechtskrĂ€ftig abgeurteilten Personen sowie jene, die im selben Jahr aus unbedingten Freiheitsstrafen entlassen wurden. Danach beobachteten die Wissenschaftler, wie viele MĂ€nner und Frauen bis Ende 2007 neuerlich strafrechtlich schuldig gesprochen wurden.

(Quellen: APA, Der Standard 14.11.2008)

__

Kommentar R.L.Fellner:

Eine hochinteressante Studie – auch wenn mir der Untersuchungszeitraum viel zu kurz erscheint, um zuverlĂ€ssige Aussagen betreffend der Wiederholungsraten bzw. -wahrscheinlichkeit zu treffen. Die Tendenz vor allem hinsichtlich der Strafeffizienz (bedingte verglichen mit unbedingten Strafen, Strafhöhe) jedoch ist bemerkenswert, und könnte leidenschaftlichen Verfechtern von möglichst hohen Strafen (hĂ€ufigstes Argument: “zur Abschreckung”) durchaus zum Nachdenken geben.

ï»ż25.06.19