Dec 03

Die Effekte von Bleivergiftungen bei Kindern wurden erstmals im Jahre 1892 in Brisbane, Australien beschrieben. Seit damals sind die als akzeptabel erachteten Grenzwerte von Blei im Blut drastisch gefallen. Zuletzt reduzierte das US Center for Disease Control and Prevention im Jahre 1991 den als gesundheitlich unbedenklich erachteten Wert von Blei im Blut auf 10 Mikrogramm pro Deziliter.

Eine Studie an der UniversitĂ€t fĂŒr Bristol wies nun jedoch nach, daß schon Bleibelastungen weit unterhalb dieses Richtwerts die geistige und emotionale Entwicklung von Kindern deutlich schĂ€digen. Die Mediziner fordern aus diesem Grund, den derzeit geltenden Schwellenwert von zehn Mikrogramm pro Deziliter Blut nochmals zu halbieren.

Bei rund 500 Kindern wurden im Alter von 30 Monaten die Bleikonzentrationen im Blut gemessen. Als die Kinder sieben bis acht Jahre alt waren, prĂŒften die Wissenschafter dann ihr Lese- und Schreibvermögen sowie etwaige AuffĂ€lligkeiten des Verhaltens. Jene Teilnehmer mit Konzentrationen zwischen fĂŒnf und zehn Mikrogramm Blei pro Deziliter schnitten im Lesen und Schreiben nur halb so gut ab wie die kaum belasteten Kinder. Überschritten die Werte die Schwelle von zehn Mikrogramm, zeigten die Kleinen zudem auffĂ€llig oft hyperaktives und unsoziales Verhalten. Unter einem Wert von fĂŒnf Mikrogramm fanden die Forscher, die ihre Resultate im Fachblatt “Archives of Disease in Childhood” vorstellen, keine AuffĂ€lligkeiten.

Blei wirkt auf Kleinkinder besonders schĂ€dlich, weil sie im Vergleich zu Erwachsenen wesentlich grĂ¶ĂŸere Mengen des Schwermetalls aufnehmen und im Gewebe einlagern. Obwohl Blei-Additive etwa in Farben oder Benzin seit Jahren verboten sind, ist das Schwermetall in der Umwelt weit verbreitet. In Knochen hĂ€lt sich Blei bis zu 30 Jahre. Die WHO schĂ€tzt, dass weltweit etwa die HĂ€lfte der Stadtkinder unter dem Alter von fĂŒnf Jahren höhere Bleiwerte im Blut aufweisen als zehn Mikrogramm pro Deziliter.

(Quellen: [1], [2]. Bild:SPL)

Nov 20

Je intensiver Menschen Pestiziden ausgesetzt sind, desto eher denken sie an Selbstmord. Das zeigen Psychiater vom Londoner King’s College gemeinsam mit chinesischen Kollegen in einem Bericht der WHO. Bei 10.000 Bauern Chinas verglichen sie durch eine reprĂ€sentative Befragung, wie diese Pestizide zur SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung aufbewahrten und wie es um ihre geistige Gesundheit stand.

Menschen, die Pestizide zuhause aufbewahrten, waren viel hÀufiger von Suizidgedanken betroffen als andere, auch hatten Regionen, in denen die meisten Menschen Pestizide zuhause aufbewahrten, die vergleichsweise höchste Selbstmordrate.

Die hohe GefĂ€hrlichkeit der Einnahme großer Mengen an Pestiziden ist schon lange bekannt. Ein Gesundheitsrisiko ist jedoch speziell die chronische Aussetzung von Pestiziden in niedrigen Konzentrationen, wenn Landwirte etwa bei der Feldarbeit die Giftstoffe ĂŒber Lunge und Hautatmung aufnehmen. Bisherige Forschungen zeigen einen Zusammenhang mit hĂ€ufigerem Auftreten einer Krebs-Vorstufe sowie auch NervenschĂ€digungen und Probleme der geistigen Gesundheit.

Pestizide sind allerdings wohl nicht der alleinige Grund fĂŒr Suizidgedanken – sehr wohl aber könnten sie die Toleranzschwelle dafĂŒr senken. Vergleichbare Beobachtungen gab es auch in Deutschland, wo 1984 im geschlossenen Zweigwerk Hamburg-Moorfleet des Chemieproduzenten Boehringer, wo Ausgangsprodukte fĂŒr Herbizide hergestellt wurden, viele Arbeiter nicht nur körperlich schwer erkrankten, sondern auch sehr hĂ€ufig Suizid begingen”.

Die Forscher sehen den Beweis erbracht, dass der hohe Kontakt mit Pestiziden und Toxinen mit hohem Selbstmordrisiko zusammenhĂ€ngt. “Teilweise dĂŒrfte das den Grund zeigen, warum es in lĂ€ndlichen Regionen Chinas zu viel mehr Selbstmorden kommt als in den StĂ€dten”, so Jianmin Zhang, Psychiater am Tongde Hospital der Provinz Zhejiang. Die Ergebnisse könnten China bei Maßnahmen zur SuizidprĂ€vention helfen und Forderungen verstĂ€rken, dass der Zugang zu Pestiziden in der Landwirtschaft weltweit strenger kontrolliert wird.

(Quelle: WHO report “Pesticide Exposure and suicidal ideation in rural communities in Zhejiang Province, China” in: Bull World Health Organ 2009; 87:745-753; Presseveröffentl. d. Dt. Gesellschaft fĂŒr SuizidprĂ€vention. Photo src:eva-lichtenberger.eu)

Oct 20

An der UniversitĂ€t Wisconsin-Madison wurden 1.200 Autismus-FĂ€lle und 300.000 Geburten untersucht, ca. 50% mehr als in jeder anderen zuvor durchgefĂŒhrten, einschlĂ€gigen Studie. Hierbei wurde nachgewiesen, daß die Erstgeborenen sowie die Kinder Ă€lterer Eltern ein besonders hohes Risiko haben, an Autismus zu erkranken.

Das Risiko eines erstgeborenen Kindes, an einer Krankheit des autistischen Spektrums zu erkranken, verdreifachte sich, nachdem eine Mutter das 35. Lebensjahr, und der Vater das 40. Lebensjahr erreichte. Mit jeder Erhöhung des Alters der Eltern um 10 Jahre stieg das Risiko um etwa 20%. Das als viertes geborene Kind hatte nur etwa das halbe Risiko, unabhÀngig vom Alter der Eltern.

Über die GrĂŒnde fĂŒr diese ZusammenhĂ€nge sind die Forscher noch im Unklaren. Am wahrscheinlichsten werden als Grund fĂŒr die Verbindung zwischen dem Lebensalter der Eltern und dem Störungsbild genetische Faktoren (z.B. altersbedingte SchĂ€den an den Chromosomen), toxische EinflĂŒsse (die Toxinanreicherung im menschlichen Körper nimmt mit dem Alter zu) oder die Folgen von Hormonbehandlungen mit dem Ziel einer kĂŒnstlichen Befruchtung angenommen. James Crow, ein Genetiker an der UniversitĂ€t, will die ersteren (genetischen) Ursachen allerdings eher ausschließen, da die altersbedingten genetischen VerĂ€nderungen bei MĂ€nnern und Frauen unterschiedlich sind und die beobachteten ZusammenhĂ€nge nicht vollstĂ€ndig erklĂ€ren könnten.
Das scheinbar höhere “Risiko” fĂŒr Erstgeborene sieht Crow nicht als solches, sondern erklĂ€rt den verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohen Prozentsatz damit, daß Frauen nach der Geburt eines (ersten) autistischen Kindes zumeist kein zweites mehr zur Welt bringen. Seine Kollegin Durkin jedoch möchte einen Zusammenhang nicht ausschließen: im Laufe der bisherigen Lebensjahre akkumulierte Toxine etwa wĂŒrden möglicherweise in den Fötus des Erstgeborenen eingelagert oder ĂŒber die Muttermilch ĂŒbertragen, und spĂ€ter dann ein etwaiges zweites Kind nicht mehr so stark belasten. Auch wĂŒrde Autismus hĂ€ufig ja erst nach dem 2. oder 3. Lebensjahr diagnostiziert – einem Zeitraum, in dem viele MĂŒtter bereits das 2. Kind empfangen haben. Ein weiterer Grund könnte darĂŒber hinaus auch eine Autoimmun-Reaktion des kindlichen Hirns sein, da Erstgeborene weniger stark von anderen Kindern verbreiteten Infektionen ausgesetzt sind. ImpfschĂ€den werden als Ursachen fĂŒr autistische Störungen ausgeschlossen – diese waren zwar nicht Untersuchungsgegenstand, schon in frĂŒheren Untersuchungen konnte jedoch kein einschlĂ€giger Zusammenhang festgestellt werden.

Störungen aus dem autistischen Spektrum werden etwa bei jedem 150. Menschen festgestellt, mit steigender Tendenz.

Literatur zum Thema

(Quelle: APA, 01.01.2009)

Update zum Blog-Artikel vom 20.10.2009 u. 10.02.2010:

Das Ergebnis der angefĂŒhrten Studie wird auch durch eine neuere Untersuchung von Daten des California Department of Development Services bestĂ€tigt. Sowohl ein höheres Alter der Mutter als auch beider Elternteile sind unabhĂ€ngig mit einer Steigerung des Autismus-Risikos des Nachwuchses assoziiert. Aufzeichnungen von 7.550.026 Kindern, die zwischen 1989 und 2002 geboren wurden, wurden untersucht und dabei autistische Kinder (n=23.311) identifiziert und mit dem Rest der Studienpopulation verglichen. Ein Anstieg des Alters der Mutter war um 10 Jahre mit einer 38%igen Steigerung des Autismus-Risikos assoziiert, ein Anstieg des Alters beider Eltern um 10 Jahre mit einer 22%igen Steigerung des Autismus-Risikos.  Es scheinen also eindeutig biologische Mechanismen fĂŒr die oben beschriebene unabhĂ€ngige Assoziation zwischen mĂŒtterlichem und elterlichem Alter und Autismusrisiko vorzliegen. [Quellen]. Photo:SundayTimes

ï»ż01.09.19