Jun 10

Depression und Demenz-Symptome

HÀufig versteckt sich hinter dem Verlust von MerkfÀhigkeit eine Depression (pic: newscientist.com).

Bei schweren Depressions-Formen können derart starke kognitive EinschrÀnkungen entstehen, dass man in bestimmten FÀllen vom Auftreten einer Pseudo-Demenz spricht. Doch im Unterschied zu anderen Demenz-Formen verbessert sich das Erinnerungsvermögen wieder, sobald die depressive Phase abklingt.

Dies wurde kĂŒrzlich in einem Computermodell, das in Bochum entwickelt wurde, nachgewiesen. Wie bei echten Patienten wechselten sich auch in dem Computermodell depressive Phasen und Phasen ohne Symptome ab. Das Computermodell konnte Erinnerungen genauer abrufen, wenn der zustĂ€ndige Teil des Gehirns viele neue Nervenzellen bilden konnte – Ă€hnlich wie wĂ€hrend Depressionsphasen mit geringerer Symptomatik. Wurden dagegen weniger neue Nervenzellen gebildet (Ă€hnlich, wie das bei schwereren Depressionsphasen passiert), war es schwieriger fĂŒr das Gehirn, Ă€hnliche Erinnerungen zu unterscheiden und getrennt abzurufen.

Im Modell wurde auch aufgezeigt, dass es schwer fallen kann, auf Erinnerungen zurĂŒckzugreifen, die vor der Depression entstanden waren. Je lĂ€nger eine depressive Phase andauerte, desto weiter zurĂŒckliegende Erinnerungen waren betroffen. Untersuchungsleiter Sen Cheng: “Bisher geht man davon aus, dass nur wĂ€hrend einer Depression GedĂ€chtnisstörungen auftreten. Wenn unser Modell recht hat, hĂ€tten Depressionen weitreichendere Konsequenzen. Alte Erinnerungen könnten bleibend geschĂ€digt werden, selbst wenn die Depression bereits abgeklungen ist.”

Quellen: Virtual brain gives insights into memory deficits in depression

Mar 09

Im Sinne der geistigen Gesundheit ist es besser, öfters auch mal “nein” zu sagen
 (pic: andybhatti.com)

Bis zu 39% aller Demenz-Erkrankungen könnten laut einer kĂŒrzlich im Fachmagazin “The Lancet Public Health” veröffentlichten langjĂ€hrigen Studie zufolge auf ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum zurĂŒckzufĂŒhren sein.

FĂŒr die Studie wurden die Daten von 57.000 Personen, welche an HirnschĂ€den, vaskulĂ€rer Demenz und anderen Demenz-Erkrankungsformen (wie z.B. Alzheimer) in französischen SpitĂ€lern ausgewertet. 39% dieser FĂ€lle ließen sich auf alkoholbedingte HirnschĂ€den zurĂŒckfĂŒhren. 18% litten an weiteren Erkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol. So gesehen verdreifache sich das Erkrankungsrisiko, an einer Form von Demenz zu erkranken, durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum: “Höchstwahrscheinlich fĂŒhrt Alkohol zu dauerhaften strukturellen und funktionellen HirnschĂ€den”, sagte Studienautor Michael Schwarzinger vom Translational Health Economics Network. Außerdem erhöht Alkoholkonsum das Risiko an Bluthochdruck, Diabetes, SchlaganfĂ€llen, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu erkranken, was wiederum das vaskulĂ€re Demenzrisiko erhöht.

Der Studie zufolge ist das Risiko durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum fĂŒr damit verbundene HirnschĂ€den viel grĂ¶ĂŸer als bisher angenommen, Schwarzinger fordert, Alkohol als Hauptrisikofaktor fĂŒr alle Arten von Demenz einzustufen. Hinzu kommt, dass starker Alkoholkonsum hĂ€ufig mit Rauchen, Depressionen und niedrigem Bildungsstand korreliert – all dies sind weitere Risikofaktoren fĂŒr Demenz.

Hintergrundwissen: von vorzeitiger Demenz sprechen Mediziner, wenn die Erkrankung vor dem 65 Lebensjahr auftritt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit rund 47 Millionen Menschen an Demenz. Bei 60 bis 70 Prozent handelt es sich demnach um Alzheimer. Von “chronisch starkem Trinken” ist laut WHO die Rede ab dem Konsum von mehr als 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag fĂŒr MĂ€nner (= ca. 4-5 Flaschen Bier ĂĄ 330ml oder 7 “Achterl”-GlĂ€ser Wein ĂĄ 100ml pro Tag) und mehr als 40 Gramm pro Tag bei Frauen (= 3 Flaschen Bier oder 4-5 GlĂ€ser Wein).

WeiterfĂŒhrende Informationen:

Alkohol-Selbsttest auf dieser Website

Literatur-Tipps zum Thema Alkoholismus

(Sources: Contribution of alcohol use disorders to the burden ofdementia in France 2008–13: a nationwide retrospectivecohort study; Image source: andybhatti.com)

Oct 29

Benzodiazepine werden hĂ€ufig dann verschrieben, wenn Menschen unter starken Angststörungen leiden, fallweise verschreiben sie Ärzte auch bei hartnĂ€ckigen Schlafstörungen.

Doch wie aus einer eben publizierten kanadischen Studie hervorgeht, könnte die langfristige Einnahme von Benzodiazepinen das Alzheimerrisiko steigern. In einer Untersuchung, die kĂŒrzlich im British Medical Journal veröffentlicht wurde, wurden die Daten einer Krankenversicherung aus Quebec von einer Gruppe Ă€lterer Menschen (darunter 1796 Alzheimer-Betroffene und 7184 gesunde Personen) rĂŒckwirkend hinsichtlich der QuantitĂ€t und Dosierung ihres Benzodiazepinkonsums ausgewertet.

Das Ergebnis: PatientInnen, die Benzodiazepine ĂŒber einen Zeitraum von mehr als drei Monaten eingenommen hatten, zeigten ein um 51% erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die Zahlen der Erkrankten waren umso höher, je lĂ€nger die Beruhigungsmittel eingenommen wurden. Mögliche GrĂŒnde dafĂŒr sind noch unklar.

Die Studienautoren wiesen darauf hin, dass bei aller Bedeutung dieser Arzneimittelgruppe Benzodiazepine niemals lÀnger als drei Monate durchgehend eingenommen werden sollten.

(Quelle: “Benzodiazepine use and risk of Alzheimer’s disease: Case-Control Study“; Image source:treatment4addiction.com)

Jul 07

Seit langem ist bekannt, dass viele Demenzkranke unter Depressionen leiden. Eine neue Langzeitstudie erhÀrtet nun den Verdacht, dass es sich dabei nicht nur um ein Begleitsymptom handelt, sondern dass die affektive Erkrankung auch das Demenzrisiko erhöht.

Zu diesem Schluss kommt ein Team um J. Saczynski von der University of Massachusetts Medical School in Worcester. Die Forscher analysierten ĂŒber 17 Jahre lang Daten von 949 Studienteilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 79 Jahren, die anfangs nicht unter Demenz litten. Wie die Forscher im Journal “Neurology” schreiben, stellte sich heraus, dass das Risiko einer Demenz um 70 Prozent erhöht war, wenn die Untersuchten an einer Depression litten. WĂ€hrend des Beobachtungszeitraumes entwickelten 164 von ihnen die Krankheit, wobei die anfangs depressiven Teilnehmer eine 70 Prozent höhere Rate aufwiesen.

“Es ist unklar, ob Depressionen eine Demenz auslösen”, sagte Saczynski. “Aber es gibt eine ganze Menge Wege zu erklĂ€ren, wie sie es tun könnten.” Es mĂŒsse weiter untersucht werden, welcher Zusammenhang genau zwischen Depressionen und Demenz besteht. Depressive leiden beispielsweise hĂ€ufig unter EntzĂŒndungen von Gehirngewebe und dem verstĂ€rkten Vorkommen bestimmter Proteine, die in Verbindung mit Demenz stehen. Aber auch der depressive Lebensstil könnte sich auswirken: Falsche ErnĂ€hrung, wenig Sport und karge soziale Beziehungen erhöhen womöglich das Risiko.

(Quelle: Saczynski J, et al “Depressive symptoms and risk of dementia: The Framingham Heart Study” in Neurology 2010; 75: 35-41.; Image src:TRBfoto)

ï»ż20.01.20