Sep 27

(Image: dw.com)

Der Flugzeugabsturz am 24. M√§rz 2015 hat die Welt√∂ffentlichkeit schockiert – denn er wurde durch den Piloten, der sich (wie sich nachher herausstellte) aufgrund von schweren Depressionen in √§rztlicher Behandlung befand, gezielt herbeigef√ľhrt. 150 Menschen kamen dabei ums Leben.

Wie sich nun herausstellt, k√∂nnte der Grund f√ľr den psychischen Ausnahmezustand, in dem sich der Pilot befand, in seiner Nutzung von Antidepressiva gelegen haben. Bestimmte Arzneimittelgruppen, insbesondere jene der sogenannten SSRI’s (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), Antidepressiva wie Prozac und Paxil, Antipsychotika, Benzodiazepine wie Valium, Anti-Raucher- und Anti-Asthma-Medikamente, Antihistaminika oder auch solche mit stimulierender Wirkung wie Ritalin k√∂nnen nachweislich Suizide oder T√∂tungsdelikte ausl√∂sen. Sie sind auf der Website des Psychiaters aufgelistet (siehe untenstehender Link).

Das Risiko daf√ľr, dass es zu derart massiven Handlungen kommt, ist grunds√§tzlich gering – sollte aber auch nicht v√∂llig negiert werden. Und es unterstreicht, wie wichtig die erg√§nzende psychotherapeutische Begleitung von Menschen, die etwa unter Depressionen oder Angstst√∂rungen leiden, ist: nicht nur werden durch sie wichtige Bew√§ltigungsstrategien erlernt, nebenbei entsteht durch das Vertrauensverh√§ltnis Klient/in – Therapeut/in auch eine Verbindung, die schwierigste Phasen √ľberwinden helfen kann, sowie eine Eingriffsm√∂glichkeit der Therapeuten, wenn diese merken, dass ihre Klienten etwa in ein pr√§suizidales Syndrom abgleiten.

Zum Weiterlesen:

Oct 29

Benzodiazepine werden h√§ufig dann verschrieben, wenn Menschen unter starken Angstst√∂rungen leiden, fallweise verschreiben sie √Ąrzte auch bei hartn√§ckigen Schlafst√∂rungen.

Doch wie aus einer eben publizierten kanadischen Studie hervorgeht, k√∂nnte die langfristige Einnahme von Benzodiazepinen das Alzheimerrisiko steigern. In einer Untersuchung, die k√ľrzlich im British Medical Journal ver√∂ffentlicht wurde, wurden die Daten einer Krankenversicherung aus Quebec von einer Gruppe √§lterer Menschen (darunter 1796 Alzheimer-Betroffene und 7184 gesunde Personen) r√ľckwirkend hinsichtlich der Quantit√§t und Dosierung ihres Benzodiazepinkonsums ausgewertet.

Das Ergebnis: PatientInnen, die Benzodiazepine √ľber einen Zeitraum von mehr als drei Monaten eingenommen hatten, zeigten ein um 51% erh√∂htes Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die Zahlen der Erkrankten waren umso h√∂her, je l√§nger die Beruhigungsmittel eingenommen wurden. M√∂gliche Gr√ľnde daf√ľr sind noch unklar.

Die Studienautoren wiesen darauf hin, dass bei aller Bedeutung dieser Arzneimittelgruppe Benzodiazepine niemals länger als drei Monate durchgehend eingenommen werden sollten.

(Quelle: “Benzodiazepine use and risk of Alzheimer’s disease: Case-Control Study“; Image source:treatment4addiction.com)

Jul 13

Ein in bestimmten Pflanzenbl√ľten enthaltener Duft hat gleich starke beruhigende und angstl√∂sende Wirkung wie viele der h√§ufigsten Psychopharmaka, wie Forscher der Universit√§ten Bochum und D√ľsseldorf nun herausgefunden haben. Ihre Entdeckung wurde im “Journal of Biological Chemistry” publiziert, ist ein Wissenschaftsnachweis f√ľr Grundlagen der Aromatherapie – und k√∂nnte bald zu neuen Therapieformen mit weniger Nebenwirkungen f√ľhren.

Konkret wurde der Duftstoff Veracetal und dessen chemisches Pendant erforscht, der aus der Gardenie (Gardenia Jasminoides) stammt, einer ostasiatischen Strauchpflanze mit jasmin-√§hnlichem Duft. “Einzelne Molek√ľle dieses Bl√ľtendufts wirken gleich wie viele Beruhigungsmittel. Diese Natursubstanzen werden Tabletten nicht ersetzen. Doch ist es realistisch, dass in Zukunft Menschen, die etwa wegen Schlafst√∂rungen unn√∂tig Valium oder andere Benzodiazepine einnehmen, auf solche Stoffe wechseln k√∂nnen”, erkl√§rt Studienleiter Hanns Hatt.

Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine, Barbiturate und Narkosemittel wie Propofol entfalten ihre Wirkung an Haftstellen von Rezeptoren im Gehirn. In geringer Dosierung verst√§rken sie den Effekt des Botenstoffs GABA, der diese Rezeptoren hemmt, um das drei- bis f√ľnffache. Die Forscher testeten nun bei 100 verschiedenen Duftstoffen, ob diese dieselbe Reaktion ausl√∂sen. Bei den zwei genannten D√ľften war dies der Fall. Bei ihnen war die Wirkung auf die Rezeptoren sogar f√ľnf- bis zehnmal h√∂her wie zuvor.

“Diese Wirkung best√§tigte sich in M√§use-Verhaltenstests sowie auch auf Molek√ľlebene f√ľr die Nervenzellen, die f√ľr den Schlaf-Wach-Rhythmus zust√§ndig sind”, berichtet der Bochumer Zellphysiologe. Dabei war nicht das Geruchsempfinden √ľber die Nase, sondern die Aufnahme im Gehirn √ľber Atmung und Blutkreislauf entscheidend. Testeten die Forscher transgene M√§use, die nicht auf Propofol reagieren, war auch die Wirkung der Duftstoffe auf die Rezeptoren blockiert. Das beweist ebenfalls den Wirkmechanismus. Als n√§chstes will man Tests an Menschen durchf√ľhren.

Interessant ist die Forschung auch, da sie eine Grundlage der Aromatherapie wissenschaftlich beweist. Zuvor ist das bisher nur beim Aromastoff Linalool gelungen. “Die Aromatherapie sagt schon lange, dass Jasmin-√§hnliche Dufteindr√ľcke schlaff√∂rdernd sind. Wir konnten das nun best√§tigen”, so Hatt. Um weitere Details der Aromatherapie zu best√§tigen, sei die klare Distanzierung von Esoterik n√∂tig, betont der Experte.

(Quellen: Olga A. Sergeeva et.al. in “Fragrant dioxane derivatives identify ő≤1 subunit-containing GABAA receptors“, doi: 10.1074/jbc.M110.103309; Standard 09.07.2010; Image src:toptropicals.com)

Feb 12

Die meist verwendeten Schlaf- und Beruhigungsmittel wie beispielsweise Temesta, Dalmadorm oder Valium geh√∂ren zur Klasse der Benzodiazepine. Im Magazin “Nature” wurden nun die Ergebnisse einer Studie des Forschungsteams um Ch. L√ľscher an der Universit√§t Genf publiziert, nach denen Benzodiazepine – genau wie Heroin, Haschisch und andere Drogen auch – gezielt die Aktivit√§t derjenigen Nervenzellen reduzieren, welche normalerweise das Belohnungssystem im Mittelhirn im Zaum halten. Wenn das entfesselte Belohnungssystem jedoch keiner Kontrolle mehr untersteht, kann es abw√§gende Entscheidungen zunehmend verunm√∂glichen und das zwanghafte Verhalten ausl√∂sen, das die Sucht definiert.

Selektiv wirksame Substanzen, die nur mit vereinzelten Untereinheiten der beteiligten GABA(A)-Rezeptoren interagieren, also zwar schlaff√∂rdernd wirken, jedoch nicht s√ľchtig machen, seien zwar vorhanden, wurden bisher jedoch nicht klinisch entwickelt.

Psychotherapie oder andere erfolgreiche und seit Jahrzehnten etablierte Methoden, den Schlaf zu verbessern bzw. Schlafstörungen zu beseitigen, fanden in den Schlußfolgerungen keine Erwähnung.

(Quelle: Neural bases for addictive properties of benzodiazepines in: Nature 463, 769-774 (Feb 11, 2010); doi:10.1038/nature08758; Bild: fernsehen.ch)

ÔĽŅ10.06.18