Jul 23

Fetisch oder Sexualst√∂rung? BuchempfehlungBin ich “pervers” oder erfreue ich mich schlicht am Au√üergew√∂hnlichen? Die Antwort auf diese Frage erfuhr im Laufe der menschlichen Geschichte signifikante Ver√§nderungen. So manche Sexualpraktik, bei deren Aus√ľbung man vor wenigen hundert Jahren noch als “Besessener” am Scheiterhaufen verbrannt oder in den “Narrenturm” gesperrt worden w√§re, wird heute als durchaus normal betrachtet. Dennoch existieren Formen des sexuellen Verhaltens, die selbst dann als pathologisch betrachtet werden, wenn man moralische Gesichtspunkte au√üer Acht l√§√üt: als St√∂rung oder sogenannte “Paraphilie” wird bezeichnet, wenn die sexuellen Verhaltensweisen oder Triebkr√§fte die Betroffenen belasten oder sie selbst oder andere sch√§digen. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, um Abwertungen schlicht “ungew√∂hnlicherer” Vorlieben wie etwa einer sexuellen Attraktivit√§t des gleichen Geschlechts – welche bis 1973 immer noch Teil der Diagnosehandb√ľcher war – zu vermeiden.

Zuk√ľnftige Versionen dieser Diagnoseschl√ľssel werden vermutlich noch weiter zwischen Paraphilien und “paraphilen St√∂rungen” unterscheiden. Eine Paraphilie selbst w√ľrde nicht automatisch als therapiebed√ľrftig betrachtet, sondern lediglich St√∂rungen – das, was Betroffenen belastet oder sie selbst oder ihre Sexualpartner sch√§digen k√∂nnte. Au√üergew√∂hnlichere Vorlieben wie etwa “cross-dressing” w√ľrden demnach nicht mehr automatisch als krankheitswertig (z.B. “Transvestitismus”) diagnostiziert werden – au√üer, die betreffende Person w√§re damit ungl√ľcklich oder ihr Leben beeintr√§chtigt.

W√§hrend diese neue Generation der Diagnoseschemata definitiv viele Formen von Abwertung verhindern wird, werden sich die Diagnosen andererseits auch wieder st√§rker an kulturellen Wertungen orientieren: in Gesellschaften mit engeren kulturellen Normen wie etwa den meisten asiatischen L√§ndern werden dann wohl wieder h√§ufiger Menschen als “sexuell abnorm” diagnostiziert werden, sobald diese neuen Klassifikationen zum neuen medizinischen Standard erkl√§rt wurden, da das Verhalten der Betreffenden viel eher als “sch√§digend” oder “belastend” f√ľr andere betrachtet werden d√ľrfte.

Die h√§ufigsten Paraphilien, die heute als St√∂rungen gelten, sind Exhibitionismus, Fetischismus (sofern bestimmte Objekte erforderlich sind, um Erregung zu versp√ľren oder einen sexuellen H√∂hepunkt zu erreichen), Frotteurismus (das Bed√ľrfnis, fremde Personen zu ber√ľhren), P√§dophilie, sexueller Masochismus und Sadismus, Transvestitismus, Urophilie und Voyeurismus. Diese Formen sexueller Abweichung k√∂nnen zu einem massiven Problem werden, wenn die ausgew√§hlten SexualpartnerInnen diese ablehnen oder nicht m√ľndig sind, wenn lokale Gesetze verletzt werden oder die sexuelle Erlebensf√§higkeit einer Person ausschlie√ülich davon abh√§ngt…

K√∂nnen Paraphilien “geheilt” werden? Viele Experten meinen, dies sei nicht m√∂glich, zumindest nicht mit Standardmethoden der Sexualtherapie. Immerhin aber k√∂nnen viele Personen in einer solchen lernen, ihr Sexualverhalten besser zu “managen” und flexibler zu gestalten – zumindest in einem Ausma√ü, in dem Gesetzesverst√∂√üe oder eine Zerst√∂rung ihrer Partnerschaften vermieden werden k√∂nnen.

Weiterf√ľhrende Artikel und Literaturtipps:

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011)

Jul 07

Sich im Internet √ľber eine Krankheit zu informieren ist nicht schlecht. Daraus Schl√ľsse zu ziehen und entsprechend zu handeln kann jedoch gef√§hrlich sein.

Bei einer Krankheit suchen viele Patienten zuerst im Internet um Rat und entscheiden auf dieser Basis, welche weiteren Schritte sie unternehmen. Viele der hier verf√ľgbaren Informationen sind jedoch falsch oder unvollst√§ndig, sagen US-Forscher in der Fachzeitschrift “Journal of Bone and Joint Surgery”. Besonders bei kommerziellen Seiten raten sie zur Vorsicht.

Immer mehr googeln Krankheiten

“Immer mehr Menschen erscheinen mit Ausdrucken aus dem Internet in den Arztpraxen”, erkl√§rt Studienautor Madhav A. Karunakar vom Carolinas Medical Center die Motive der Forschung. Wichtig sei zu wissen, dass es gro√üe Unterschiede in der Qualit√§t der online verf√ľgbaren Informationen gibt. “√Ąrzte sollten gut vorbereitet sein, um diese Informationen mit den Patienten zu diskutieren. Sonst kann es schnell zu falschen Interpretationen kommen.”

Die Forscher nahmen die h√§ufigsten Sportverletzungen unter die Lupe und √ľberpr√ľften, was im Web √ľber sie geschrieben steht. Dazu geh√∂rten etwa B√§nderrisse, Verletzungen der Rotatorenmanschette oder des Meniskus, Knie- und Schulterl√§sionen, der Tennisellbogen und die aseptische Knochennekrose. Ausgewertet wurden die jeweils zehn ersten Sucheintr√§ge bei Google und Yahoo, wobei man Punkte nach Vollst√§ndigkeit, Richtigkeit und Klarheit der Darstellung vergab. Vermerkt wurde auch, wer die Information ver√∂ffentlicht hatte.

Unabhängige Seiten bieten beste Information

Die besten Inhalte gibt es bei den Non-Profit-Seiten, gefolgt von den wissenschaftlichen Quellen Рwozu auch medizinische Journale gezählt wurden. Abgeschlagen davon sind die nicht auf Verkauf orientierten kommerziellen Seiten und ganz am Ende Artikel von Nachrichtenmedien sowie von Einzelpersonen. Kommerzielle Seiten mit finanziellem Interesse an der Diagnose Рetwa aus der Pharmabranche Рwaren häufig vertreten, jedoch selten vollständig.

“Unter den ersten zehn Suchergebnissen sind im Schnitt zwei gesponserte Seiten zu finden”, so Karunakar. Bei diesen gehe es den Betreibern vor allem darum, ihre Produkte zu verkaufen, weshalb sie oft tendenzi√∂s seien und wenig √ľber Risiken oder Nebenwirkungen der beworbenen Behandlung informieren. Die Forscher empfehlen daher, kommerzielle Seiten bis auf wenige seri√∂se Ausnahmen lieber zu meiden.

Riskante Selbsttherapie

“Sich im Internet √ľber eine Krankheit zu informieren ist nicht schlecht. Daraus Schl√ľsse zu ziehen und entsprechend zu handeln kann jedoch gef√§hrlich sein”, betont G√ľnther Wawrowsky, Sprecher der niedergelassenen √Ąrzte der √∂sterreichischen √Ąrztekammer. Besonders bei ung√ľnstigem Verlauf einer Krankheit oder Unsicherheiten sollte man lieber den Arzt aufsuchen. “Medizin ist nicht nur ein Messen und W√§gen und man kann nicht alles niederschreiben. Was z√§hlt, ist besonders die Erfahrung”, so der Experte.

(Quellen: pte, Der Standard 06.07.2010; Image src:wired.com)

ÔĽŅ25.06.19