Dec 07
Photo: Reset.me

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Die Nahrungs- und Arzneimittel-Behörde FDA in den USA könnte bis zum Jahr 2021 die chemische Substanz MDMA als Arzneimittel zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen legalisieren, wenn der Nachweis positiver Wirkungen unter kontrollierter Dosierung in Kombination mit Psychotherapie gelingt.

Die FDA hat damit gr√ľnes Licht f√ľr die sog. “Phase 3” der Versuche mit MDMA gegeben, die abschlie√üende Phase der Validierung, die erforderlich ist, um der Partydroge den Status einer im staatlichen Gesundheitssystem anerkannten Arzneimittels zu verleihen.

Die Behandlung beinhaltet die insgesamt 3-malige Verabreichung der Droge (1x pro Monat) erg√§nzt durch w√∂chentliche Psychotherapie-Sitzungen. Fr√ľhere Studien rund um die Substanz, welche derzeit von der DEA (Drug Enforcement Administration) gemeinsam mit Heroin und LSD in der Drogenkategorie 1 enthalten ist, zeigten ermutigende Ergebnisse f√ľr Patienten mit hartn√§ckigen Formen posttraumatischer Belastungsst√∂rungen (PTBS). “Wir haben signifikante Hinweise darauf, dass sich MDMA in der unterst√ľtzenden Behandlung von PTSD als wirksam erweist,” sagte Brad Burge von der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS), einer gemeinn√ľtzigen Organisation in Santa Cruz, Kalifornien, die sich bem√ľht, MDMA medikamenten-Status zu verleihen: “Dass die FDA nun die Einleitung der Phase 3 bewilligte, ist ein starker Hinweis darauf, dass die Beh√∂rde dies genauso sieht”.

Etwa 50% der in “Phase 3” eingereichten Medikamente versagen. Passiert dies mit MDMA bei der Verwendung in der Therapie von PTBS-Patienten jedoch nicht, k√∂nnte die Substanz bereits im Jahre 2021 zur Verwendung eingereicht werden. Das Medikament w√§re dann nicht auf Verschreibung f√ľr die Patienten zu Hause (√§hnlich wie Marihuana in vielen US-Bundesstaaten) verf√ľgbar, sondern gem√§√ü dem Design der Studien w√ľrde es von ausgebildeten Psychotherapeuten in lizenzierten Zentren verwaltet und verabreicht werden. “Die Menschen kommen in eine Klinik, erhalten eine MDMA-Pille vom Arzt und nehmen sie sofort f√ľr ihre Therapiesitzung. Sie nehmen die Pille nicht nach Hause”, so Burge.

MDMA ist per se nicht mit der Partydroge Ecstasy oder “Molly” vergleichbar. “Weniger als die H√§lfte der auf der Stra√üe erh√§ltlichen Ecstasy- oder Molly-Pillen enth√§lt √ľberhaupt MDMA, sondern in der Regel sch√§dliche Ersatzstoffe”, erkl√§rt Burge. Das bedeute aber im Umkehrschlu√ü nicht, dass MDMA ungef√§hrlich sei. Die Droge kann unter bestimmten Bedingungen zu √úberhitzungssymptomen und Organversagen f√ľhren. Die MDMA-Pillen, die Patienten w√§hrend der Versuche verabreicht werden, haben pharmazeutische Qualit√§t mit einer festgelegten Dosis des Wirkstoffs und werden f√ľr die Versuchsreihe in Nordengland hergestellt.

Nov 03

Als im letzten Jahr der damalige Drogenbeauftragte der Regierung, der Neuropsychopharmokologe David Nutt vom Imperial College, die “k√ľnstliche” Aufteilung von erlaubten und verbotenen Drogen kritisierte und sagte, dass die erlaubten Drogen Alkohol und Nikotin viel gef√§hrlicher seien als die verbotenen LSD, Ecstasy oder Cannabis, musste er sofort zur√ľcktreten. Offenbar hatte er damit ein Tabu verletzt, denn die Aufteilung der Drogen ist auch eine kommerzielle, kulturelle und politische Entscheidung.

In einer Studie, die im Wissenschafts-Magazin Lancet ver√∂ffentlicht wurde erschienen ist, versucht der Drogenexperte nun noch einmal wissenschaftlich zu belegen, dass Alkohol die gef√§hrlichste Droge ist. In der Studie wurde eine Rangliste der Gef√§hrlichkeit von 20 Drogen f√ľr die Konsumenten (9 Kriterien) und deren Umfeld (7 Kriterien) erstellt, die Kriterien daf√ľr waren vom Advisory Council on the Misuse of Drugs (ACMD) festgelegt worden. Daraus wurde f√ľr die Bewertung eine Entscheidungsanalyse entwickelt.


Die kombinierte Rangliste der Drogen. Bild: Lancet/Nutt et al.

Zu den Gefahren f√ľr die Konsumenten rechneten die Experten die von den Drogen verursachte Mortalit√§t, die Krankheiten und k√∂rperlichen sowie psychischen Folgen, die Abh√§ngigkeit und soziale sowie √∂konomische Folgen (Verlust an Freunden, Jobverlust, Gef√§ngnisstrafen etc.). Bei den Folgen f√ľr das Umfeld der Drogenkonsumenten wurden steigende direkt oder indirekte Verletzungs- oder Sch√§digungsgefahr (Gewalt, Autounf√§lle etc.), Kriminalit√§t, √∂konomische Kosten, Beeintr√§chtigung der Familien, internationale Folgen (Kriminalit√§t, Entwaldung, Destabilisierung von L√§ndern), Umweltsch√§den und Folgen f√ľr das Wohnviertel ber√ľcksichtigt.

Zieht man nur die Folgen f√ľr den Konsumenten selbst in Betracht, sind Heroin, Crack und die Designerdroge Metamfetamin (Crystal, Crystal Speed, Ice) am gef√§hrlichsten. F√ľr die Mitmenschen ist der hingegen der Konsum von Alkohol, Heroin und Crack am gef√§hrlichsten. Nimmt man beide Gef√§hrdungen zusammen, so liegt Alkohol deutlich an der Spitze, gefolgt von Heroin und Crack. Tabak rangiert hinter Kokain, aber vor Marihuana. Khat, Steroide, Ecstasy, LSD, Buprenorphin und Pilze sind am wenigsten gef√§hrlich und praktisch nur f√ľr den Konsumenten. Beim Alkohol schlagen vor allem die wirtschaftlichen Kosten, Gewalt und Verletzungen, Familie, Kriminalit√§t und Schaden f√ľr das Wohnviertel durch.

Im diesbez√ľglichen Vollartikel auf tp findet sich auch der Link zu einer √úbersichtskarte, welche die unterschiedliche H√§ufigkeit des Alkoholkonsums in der Weltbev√∂lkerung plastisch darstellt:

In stehen demnach nach Rum√§nien Deutschland und √Ėsterreich an der Spitze des Alkoholkonsums, gefolgt von Spanien und Gro√übritannien. Die Italiener trinken deutlich weniger, die Letten, Slowenen oder Schweden am wenigsten. Die meisten Alkoholabstinenten, genauer diejenigen, die im letzten Jahr kein alkoholisches Getr√§nk zu sich genommen haben, findet man in Italien (40 Prozent), gefolgt von Ungarn, Portugal, Malta, Spanien und Polen (28 Prozent). In Deutschland sind es 19 Prozent.
Der durchschnittliche Westeurop√§er trinkt ein Drittel mehr Alkohol als jede andere Person in einer anderen Region. In weiten Teilen des Nahen Ostens und von Nordafrika wird praktisch gar nicht getrunken: dort herrscht, alkoholisch zumindest, N√ľchternheit. Nach der Statistik trinken weltweit die Ugander am meisten, dann die Luxemburger, die Tschechen, die Moldavier und die Franzosen. Den siebten Platz teilen sich die Deuschen mit den √Ėsterreichern, Kroaten und Portugiesen. Alkoholische Trockenheit herrscht in Indonesien, Bangladesch und Pakistan.

Auch die interaktive Karte von ShowWorld stellt die Verteilung gut dar. Klicken Sie in ihr auf die Rubrik “Living – Food/Dining”.

Bemerkenswerte neue √∂ffentliche Stimmen gibt es auch in Sachen Drogenkriminalit√§t: so w√ľrden repressive Ma√ünahmen durch Polizei und Justiz das Problem f√ľr Drogens√ľchtige und damit auch die Bek√§mpfung von Aids versch√§rfen, wie Experten anl√§√ülich der 18. Internationalen Aids-Konferenz in Wien im Juli dieses Jahres verlautbarten. Sie fordern deshalb nun in einem internationalen Aufruf – der “Wiener Deklaration” – das Ende von kontraproduktiven “Drogenkriegen”.

“Viele von uns in der Aids-Forschung und in der Betreuung der Betroffenen sehen jeden Tag die verheerenden Effekte von falschen Strategien in der Drogenpolitik. Sie heizen die Aids-Epidemie noch weiter an und bedeuten Gewalt, steigende Kriminalit√§tsraten und die Destabilisierung ganzer Staaten. Trotzdem gibt es noch keinen Beweis, dass sie den Drogenkonsum oder die Versorgung mit Drogen reduzieren”, erkl√§rte dazu Julio Montaner, Pr√§sident der IAS.
Als Wissenschaftler sei man verpflichtet, Strategien auf Basis von gesicherten Erkenntnissen vorzuschlagen. In Sachen illegaler Drogen w√ľrden sie dort beginnen, wo man “Sucht als Krankheit und nicht als Verbrechen” akzeptiere.

Die Verfasser f√ľhren im Einzelnen folgende Konsequenzen falscher Anti-Drogen-Strategien an:

  • Die HIV-Epidemie wird durch die Kriminalisierung von Benutzern illegaler Drogen noch vergr√∂√üert, ebenso durch die Verhinderung von Opiat-Substitutions- und von Spritzentausch-Programmen.
  • Die Inhaftierung von Drogenkranken als Konsequenz von Strafgesetzen f√ľhrt zu HIV-Ausbr√ľchen unter den H√§ftlingen. Gerade in Gef√§ngnissen gebe es aber einen Mangel an Pr√§ventions-Ma√ünahmen.
  • In vielen Staaten sei es durch die Drogengesetzgebung zu einer Rekordrate an Inhaftierungen gekommen. Gleichzeitig h√§tte das die Rassendiskriminierung erh√∂ht. Die Autoren: “…dieser Effekt war besonders stark in den Vereinigten Staaten, wo zu jedem gegebenen Zeitpunkt jeder neunte B√ľrger afro-amerikanischer Herkunft in der Altersgruppe zwischen 20 und 34 Jahren inhaftiert ist – zum gr√∂√üten Teil wegen Drogendelikten.”
  • Ein riesiger illegaler Markt im Umfang von j√§hrlich 320 Milliarden US-Dollar (260 Mrd. Euro). Die Autoren: “Die Profite bleiben g√§nzlich au√üerhalb der Kontrolle des Staates. Sie f√∂rdern Kriminalit√§t, Gewalt und Korruption in zahllosen St√§dten und haben ganze Staaten destabilisiert, wie Kolumbien, Mexiko und Afghanistan.”
  • “Milliarden von Steuergeldern (US-Dollars, Anm.) sind in diesem ‘Krieg gegen Drogen’ fehlinvestiert worden, ohne das Ziel der Kontrolle des Problems zu erreichen. Stattdessen hat das massiv zu den angef√ľhrten Sch√§den beigetragen.”

Die Verfasser der “Wiener Deklaration” fordern deshalb eine transparente Analyse der Wirksamkeit der derzeitigen Drogenpolitik, die Verwendung und die Bewertung von Ma√ünahmen, die auf wissenschaftlicher Basis stattfinden.

Drogenkonsumenten sollten “entkriminalisiert” werden. Auch alle Zwangstherapie-Zentren sollten geschlossen werden, da sie die Menschenrechte verletzen. Und schlie√ülich sollte es mehr Geld f√ľr die Verhinderung von HIV-Infektionen geben.

(Quellen: tp, APA, ORF.at)

Feb 12

Die meist verwendeten Schlaf- und Beruhigungsmittel wie beispielsweise Temesta, Dalmadorm oder Valium geh√∂ren zur Klasse der Benzodiazepine. Im Magazin “Nature” wurden nun die Ergebnisse einer Studie des Forschungsteams um Ch. L√ľscher an der Universit√§t Genf publiziert, nach denen Benzodiazepine – genau wie Heroin, Haschisch und andere Drogen auch – gezielt die Aktivit√§t derjenigen Nervenzellen reduzieren, welche normalerweise das Belohnungssystem im Mittelhirn im Zaum halten. Wenn das entfesselte Belohnungssystem jedoch keiner Kontrolle mehr untersteht, kann es abw√§gende Entscheidungen zunehmend verunm√∂glichen und das zwanghafte Verhalten ausl√∂sen, das die Sucht definiert.

Selektiv wirksame Substanzen, die nur mit vereinzelten Untereinheiten der beteiligten GABA(A)-Rezeptoren interagieren, also zwar schlaff√∂rdernd wirken, jedoch nicht s√ľchtig machen, seien zwar vorhanden, wurden bisher jedoch nicht klinisch entwickelt.

Psychotherapie oder andere erfolgreiche und seit Jahrzehnten etablierte Methoden, den Schlaf zu verbessern bzw. Schlafstörungen zu beseitigen, fanden in den Schlußfolgerungen keine Erwähnung.

(Quelle: Neural bases for addictive properties of benzodiazepines in: Nature 463, 769-774 (Feb 11, 2010); doi:10.1038/nature08758; Bild: fernsehen.ch)

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ÔĽŅ10.06.18