Oct 09

Die Partnersuche gehört fĂŒr viele Menschen zu den schwierigsten und nicht selten auch frustrierendsten Herausforderungen im Lebensverlauf. Tausende BĂŒcher und Websites widmen sich folglich diesem Thema, und ebenso viele Partnervermittlungsagenturen und Internet-Singlebörsen suchen nach immer neuen Wegen, MĂ€nner und Frauen dabei zu unterstĂŒtzen, die richtige Partnerin oder den richtigen Partner zu finden.

Doch was macht diese Suche zu einem solch schwierigen Unterfangen, an dem selbst hochintelligente Menschen immer wieder scheitern? Im Zuge meiner UnterstĂŒtzung zahlreicher Klienten bei ihrer Partnersuche zeigten sich hĂ€ufig folgende Grundprobleme:

Das GefĂŒhl, man/frau mĂŒsse allein aufgrund ihres “Wertes” geliebt werden

Gerade leistungsorientierte Menschen erleben wĂ€hrend ihrer Ausbildungszeit, dass ihnen harte Arbeit auch Erfolg bringt (und intelligente Menschen, dass sie sich dafĂŒr womöglich nicht einmal besonders anzustrengen brauchen). Erfolge bringen uns Anerkennung, Respekt und positive VerstĂ€rkung. Doch die Annahme, dass dies wohl auch beim Kennenlernen gilt, dĂŒrfte sich hĂ€ufig als Trugschluss herausstellen: denn bei den ersten Dates geht es so gut wie ausschließlich darum, wie sich der andere fĂŒhlt. Man kann einen potenziellen Partner nicht fĂŒr sich “gewinnen”, sondern in gewissem Sinne geht es darum, sich von ihm “entdecken” zu lassen – wobei jedoch weniger leistungsbezogene Attribute zĂ€hlen (wie auch wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder belegen), sondern vielmehr emotionale Attribute wie das Erzeugen einer positiven, ja spielerischen AtmosphĂ€re, ein kommunikatives Eintauchen-können in die Welt des anderen und das Vermitteln eines GefĂŒhls, dass der andere Bedeutung fĂŒr einen hat. Eine Bedeutung, fĂŒr die man auch etwas zu tun bereit ist – ohne jedoch “bedĂŒrftig” zu wirken. Dies sind jedoch FĂ€higkeiten, die man in der UniversitĂ€t, wenn ĂŒberhaupt, dann eher wĂ€hrend der Pausen als den Vorlesungen erwerben kann…

Conclusio: vergiß’ das, was du kannst oder darstellst. Verschaffe dem anderen eine gute Zeit, und er/sie wird sich daran erinnern – und mit ein bißchen GlĂŒck mehr davon wollen.

Mangel an Erfahrung

Den vorigen Gedanken aufgegriffen, sind wir bereits bei einem weiteren hĂ€ufigen Grund fĂŒr langfristige Partnerlosigkeit: Zeit, die man fĂŒr das Studium, die Arbeit, im Fitness-Studio oder vor dem Fernseher verbringt, ist auch Zeit, die einem fĂŒr wichtige andere Dinge abgeht – etwa das Kennenlernen potenzieller Partner. UngĂŒnstigerweise fĂŒhren EnttĂ€uschungen bei der Partnersuche aber bei vielen Menschen dazu, sich nur noch stĂ€rker in ihre Arbeit, den Computer oder ihren Sport zu vertiefen. Deshalb steht bedauerlicherweise sogar eine sehr hohe Zahl von Menschen, die sich bereits in ihrer Lebensmitte befinden, hinsichtlich ihres Beziehungslebens noch ganz am Anfang – trotz oder gerade wegen großen beruflichen Erfolgs oder höchst aktiver Freizeitgestaltung.

Entfremdung von der IdentitÀt als Mann oder Frau

Gerade arbeitsbezogene und intelligente Menschen haben hĂ€ufig noch mit einem zusĂ€tzlichen Problem zu kĂ€mpfen: ihr Selbstbild als erfolgreiche und intelligente Person, die sich vor allem mit ihren mentalen FĂ€higkeiten im Leben durchsetzen kann, fĂŒhrt zu einem eher ungeeigneten Auftreten bei der Partnersuche, bei der völlig andere PrioritĂ€ten gelten. Viele dieser Menschen legen zu wenig Wert auf ihr Ă€ußeres Erscheinungsbild oder dieses wirkt kĂŒhl und zu förmlich – auf Kosten der sinnlichen Ausstrahlung bei Frauen und sexuellem “Prickeln” der MĂ€nner. Es mögen sich dann interessante Diskussionen zwischen zwei Dating-Partnern entwickeln, aber, wie man so schön sagt: “der Funke springt nicht ĂŒber”. Denn die Energien sind gewissermaßen im Kopf konzentriert, aber vom Herz und dem Rest des Körpers abgeschnitten – auf Kosten einer klar mĂ€nnlichen bzw. weiblichen Ausstrahlung.

Das mag zunĂ€chst ein wenig “esoterisch” klingen, als professionell eingestellter und sich der Wissenschaftlichkeit verpflichtet fĂŒhlender Psychotherapeut und Paartherapeut aber möchte ich sagen: niemand von uns sollte meinen, sich ĂŒber zehntausende Jahre lange “Programmierungen” einfach hinwegsetzen zu können. Auch am Beginn moderner und gleichberechtigter Partnerschaften steht “das gewisse Kribbeln” … und gar nicht selten auch die eine oder andere sexuelle Idee! Die FĂ€higkeit zu entwickeln, diese Signale zu induzieren – oder zumindest nicht zu verhindern – kann jedoch gerade in unserer leistungsbezogenen Informationsgesellschaft eine ernstzunehmende Herausforderung darstellen.

HĂ€ufig lĂ€uft diese darauf hinaus, unsere “wilde Seite”, unsere Urinstinkte wieder stĂ€rker zuzulassen. Stellten wir unser hochkomplexes (und gerade im Beziehungsbereich hĂ€ufig von Verboten, Regeln und gut gemeinten “Tipps” ĂŒberfrachtetes) Denken einmal fĂŒr einige Minuten zurĂŒck, wĂŒrde mancher Mann wohl eher den richtigen Zeitpunkt finden, eine Offensive zu wagen, oder eine Frau, ihr Haar zurĂŒckzuwerfen und dem Mann ihres Interesses ein klares Signal zu senden.

Zu hohe SelektivitÀt

Unsere Kultur, unsere Medien machen uns zu Konsumenten: wir sind es gewohnt, zu selektieren und darin trainiert, uns nur “das Beste zu gönnen”. Jeder von uns kann auf Abruf zumindest 5 Eigenschaften unseres gewĂŒnschten Traumpartners definieren, zu denen hĂ€ufig auch die einen oder anderen körperlichen Charakteristika zĂ€hlen. Das Problem ist nur: jede “Muss-Eigenschaft”, die wir an potenzielle Partner anlegen, schließt hunderttausende mögliche “ZukĂŒnftige” ĂŒber unseren Suchfilter von vornherein aus. Lebt man zu allem Überfluß womöglich noch in einer kleineren Stadt, verbleibt hĂ€ufig nur die Möglichkeit, die Suche entweder auf den gesamten Kontinent auszudehnen (und dann womöglich eine Beziehung auf Distanz fĂŒhren oder großrĂ€umig ĂŒbersiedeln zu mĂŒssen), das Thema “Partnerschaft” völlig abzuschreiben – oder aber auch: etwas gelassener und offener zu werden!

Jede dieser Möglichkeiten ist legitim – doch die zuletzt genannte hat meiner Ansicht nach einen gewissen Charme: realistisch betrachtet nĂ€mlich wĂŒrde es ohnehin schwierig sein, einen perfekten Partner zu finden. Viel eher wird sich bei ihm oder ihr spĂ€testens nach einem genaueren Kennenlernen der eine oder andere “Schönheitsfehler” enthĂŒllen. Weiten wir hingegen unseren Blick, so wird sich herausstellen, dass es auch ganz generell eine schöne und befriedigende Erfahrung sein kann und unsere Beziehungen belebt, wenn wir Menschen fĂŒr das wertschĂ€tzen, was sie sind, statt uns darauf zu konzentrieren, was ihnen fehlt.

Wahre Liebe ist, jemanden fĂŒr das zu lieben, was er ist. Das bedeutet keineswegs, dass wir uns mit dem Mittelmaß zufriedengeben sollten. Sehr wohl aber ist es sinnvoll, hohe Standards gelegentlich auf ihre NĂŒtzlichkeit fĂŒr das reale Leben hin zu ĂŒberprĂŒfen. HĂ€ufig lĂ€uft die Entscheidung nĂ€mlich gerade im Bereich der Partnersuche ultimativ auf die Wahl hinaus, entweder mit den eigenen Idealen jeden Abend alleine daheim zu sitzen oder sich fĂŒr die Möglichkeiten zwischenmenschlicher Erfahrungen und auch Überraschungen zu öffnen – ja dabei vielleicht sogar von uns selbst ĂŒberrascht zu werden…

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Wissenschaftliche Aufriss”-Tipps

(Image src: answersfrommen.com)

Sep 11

Kaufsucht ist kein ausschließliches Frauenproblem, sondern betrifft auch MĂ€nner, wie Marketing-Forscher der Zeppelin UniversitĂ€t aufzeigten. Die bei Suchtverhalten spezifischen neuronalen Muster sind bei kaufsĂŒchtigen MĂ€nnern wie Frauen vergleichbar mit jenen bei Alkohol- oder NikotinsĂŒchtigen. “MĂ€nner sind weit hĂ€ufiger kaufsĂŒchtig als vielfach vermutet wird. Man sollte dieses Suchtverhalten auch bei ihnen nicht belĂ€cheln”, fordert Studienleiter P. Kenning.

Rund eine Million Menschen wird in den deutschsprachigen LĂ€ndern als kaufsĂŒchtig geschĂ€tzt, und jeder Zwanzigste ist davon gefĂ€hrdet. Die Problematik der Kaufsucht ergibt sich zunĂ€chst aus dem Leben ĂŒber die eigenen finanziellen VerhĂ€ltnisse. Teure Artikel werden impulshaft gekauft, hĂ€ufig auch nicht ausgepackte Ware gehortet. In Folge ergeben sich weitere, teils dramatische Konsequenzen, etwa an der Arbeitsstelle, hinsichtlich der Altersversorgung, soziale Folgen sowie solche fĂŒr die Familien der Betroffenen.

In der Untersuchung verglichen nun die Forscher die Reaktionen von MĂ€nnern mit und ohne starker Kaufsucht-Tendenz und verwendeten dabei typische MĂ€nner-Markenprodukte als Stimuli. Hierbei war in der funktionellen Magnetresonanz bei potenziell KaufsĂŒchtigen das Belohnungszentrum des Gehirns deutlich aktiver als bei MĂ€nnern ohne Kaufsucht. “Es ist dieselbe ĂŒbersteigerte Reaktion, die man bei Alkoholikern mit einer Flasche Wein oder bei NikotinsĂŒchtigen mit einer Schachtel Zigaretten auslöst. Sie spiegelt Vorfreude und starkes Verlangen oder Echo erfahrener Belohnung wider”, berichtet Kenning.

Die meisten MĂ€nner bejahen die Frage, ob sie Marken wie Rolex oder Mercedes attraktiv finden und gerne kaufen wĂŒrden. “Den Unterschied, der Kaufsucht-GefĂ€hrdete kennzeichnet, sieht man erst in der ĂŒbersteigerten HirnaktivitĂ€t. Das ist ein Grund mehr, warum man Kaufsucht als Krankheit definieren sollte”, so der Forscher. Wie sehr die festgestellte Reaktion sozialisiert sei oder auf genetische oder epigenetische Strukturen zurĂŒckgehe, sei bisher aber noch nicht nachweisbar.

Kaufsucht-gefĂ€hrdete MĂ€nner reagieren stark auf Marken, vor allem bei Textilien, Uhren, technischen Accessoires und Gadgets, Sportartikel, Wein, Schuhen und Autos. “Manche haben einen Fuhrpark von 70 Autos, obwohl sie immer nur eines fahren können. Auch hier ist ĂŒbersteigerte Belohnung im Spiel”, so der Forscher.

Frauen werden hĂ€ufiger mit Kaufsucht in Verbindung gebracht, da sie meist die Haushalte fĂŒhren und hĂ€ufiger einkaufen, weshalb auch die Werbung ĂŒberwiegend auf sie zugeschnitten sei. Doch bestehe bei einschlĂ€gigen Studien lt. “Kaufsucht-Forscherin” L. Reisch von der UniversitĂ€t Kopenhagen „…meistens das Problem unzureichender Stichproben. Frauen sind therapiewilliger, selbstkritischer und melden sich eher fĂŒr solche Studien”, so die Expertin. Auch seien die Fragen der Skalen, die Kaufsucht messen, eher auf das weibliche Einkaufen ausgerichtet, da MĂ€nner andere Artikel und mit anderen Emotionen kaufen.

Marketing konzentriert sich heute zunehmend auf den Aufbau einer Beziehung statt auf die Transaktion des Produkterwerbs. Kenning hinterfragt “… ob wir langfristig Marken derart emotional aufladen dĂŒrfen, dass Menschen davon sĂŒchtig werden. Einerseits mĂŒssen die Unternehmen vor derart negativen Folgen geschĂŒtzt werden, andererseits aber natĂŒrlich auch die Konsumenten”.

(Quelle: Zeppelin-UniversitÀt; Image src: 1:netdoktor.de 2:rhein-zeitung.de)

ï»ż01.09.19