Jun 21

Die Tage der Menschheit sind gezählt. Zumindest, wenn der australische Mikrobiologe Frank Fenner recht behält. “Der Homo sapiens wird aussterben, vielleicht innerhalb von 100 Jahren”, prognostiziert er in der Zeitung “The Australian”.

Der 95-jährige Fenner hat in Australien den Status eines Nationalhelden. Mit Hilfe des Myxoma-Virus gelang es ihm in den 1950er Jahren, die damalige Kaninchenplage auf dem fünften Kontinent in den Griff zu bekommen. In den 1960er Jahren war er führend an der Ausrottung der Pocken beteiligt. Heute setzt sich der Gründer der Fenner School of Environment and Society in Canberra für den Klimaschutz und für einen nachhaltigen Lebensstil der Weltbevölkerung ein.

Fenner kommt zu dem düsteren Schluss, dass sich die Menschheit binnen drei Generationen quasi selbst ausrotten werde. Die Gründe seien “Bevölkerungsexplosion und unkontrollierter Konsum”. Zwar werde etwas gegen den Klimawandel unternommen, zu viel würde jedoch auf die lange Bank geschoben. Das “Anthropozän” – das Zeitalter, in dem menschliche Aktivität das Klima beeinflusst – sei vergleichbar mit globalen Katastrophen wie Eiszeiten oder Kometeneinschlägen. Der Menschheit drohe dasselbe Schicksal wie seinerzeit den Bewohnern der Osterinseln, warnt Fenner. Die Eingeborenen hatten durch die rücksichtslose Abholzung der Wälder ihre einst blühende Insel in eine Ödnis verwandelt.

Ein realistisches Szenario? Nur teilweise, findet Nick Barton, Professor für Evolutionbiologie am Institute of Technology in Maria Gugging. Er sieht keine Gefahren für die gesamte Menschheit, aber Gefahren für Zivilisationen. “Das Alarmierende ist, dass der technologische Wandel – und damit der Einfluss der Menschen auf das Klima – weitaus schneller stattfindet als die Evolution. Das war noch nie da und es ist unmöglich, die Folgen abzuschätzen”, sagt Barton. Er fügt hinzu: “Kaum eine Zivilisation hat je mehr als ein paar 1000 Jahre überlebt und viele sind daran zu Grunde gegangen, dass sie ihre Umwelt übermäßig ausgebeutet haben.”

Kommentar R.L.Fellner:

Die Angst vor der Apokalypse gehört zu den Angstformen, die uns Menschen – soweit wir es zurückverfolgen können – bereits begleiten, solange es uns gibt. Ob der Auslöser in einem Eingreifen himmlischer Mächte (mit darauffolgender “Abrechnung” der Bilanz unseres Lebens) besteht, in einer Invasion Außerirdischer, einem Meteoreinschlag, einer Umweltkatastrophe oder einer bestimmten Datumskombination: es gibt genügend potenzielle Auslöser im Verlauf eines Menschenlebens, anhand derer uns Unheilverkünder an die etwaige Möglichkeit eines so genannten “Weltuntergangs” (meist ist damit aber “nur” das Aussterben der menschlichen Gattung gemeint) erinnern.
Bei der Angst vor der Apokalypse wird die Angst vor dem Ende der eigenen Existenz gewissermaßen auf die Menschheit als Ganzes übertragen – und macht die Idee vom Ende unserer eigenen Existenz noch schmerzvoller: wenn wir nicht mehr sind, aber auch das von uns “Hinterlassene” letztendlich keinen “Sinn” macht, worin besteht dann unsere Rolle in den Geschichtsbüchern des Kosmos überhaupt – stellen wir uns am Ende wirklich nur als das “Schluckauf der Mutter Natur” heraus, als das der Mensch in Karikaturen gelegentlich dargestellt wird?

(Quelle und z.T. kritische Repliken anderer Forscher: Wiener Zeitung 22.06.2010; Bildquelle: hqdesktop.net/apocalypse-wallpaper-24838/)

Nov 20

Je intensiver Menschen Pestiziden ausgesetzt sind, desto eher denken sie an Selbstmord. Das zeigen Psychiater vom Londoner King’s College gemeinsam mit chinesischen Kollegen in einem Bericht der WHO. Bei 10.000 Bauern Chinas verglichen sie durch eine repräsentative Befragung, wie diese Pestizide zur Schädlingsbekämpfung aufbewahrten und wie es um ihre geistige Gesundheit stand.

Menschen, die Pestizide zuhause aufbewahrten, waren viel häufiger von Suizidgedanken betroffen als andere, auch hatten Regionen, in denen die meisten Menschen Pestizide zuhause aufbewahrten, die vergleichsweise höchste Selbstmordrate.

Die hohe Gefährlichkeit der Einnahme großer Mengen an Pestiziden ist schon lange bekannt. Ein Gesundheitsrisiko ist jedoch speziell die chronische Aussetzung von Pestiziden in niedrigen Konzentrationen, wenn Landwirte etwa bei der Feldarbeit die Giftstoffe über Lunge und Hautatmung aufnehmen. Bisherige Forschungen zeigen einen Zusammenhang mit häufigerem Auftreten einer Krebs-Vorstufe sowie auch Nervenschädigungen und Probleme der geistigen Gesundheit.

Pestizide sind allerdings wohl nicht der alleinige Grund für Suizidgedanken – sehr wohl aber könnten sie die Toleranzschwelle dafür senken. Vergleichbare Beobachtungen gab es auch in Deutschland, wo 1984 im geschlossenen Zweigwerk Hamburg-Moorfleet des Chemieproduzenten Boehringer, wo Ausgangsprodukte für Herbizide hergestellt wurden, viele Arbeiter nicht nur körperlich schwer erkrankten, sondern auch sehr häufig Suizid begingen”.

Die Forscher sehen den Beweis erbracht, dass der hohe Kontakt mit Pestiziden und Toxinen mit hohem Selbstmordrisiko zusammenhängt. “Teilweise dürfte das den Grund zeigen, warum es in ländlichen Regionen Chinas zu viel mehr Selbstmorden kommt als in den Städten”, so Jianmin Zhang, Psychiater am Tongde Hospital der Provinz Zhejiang. Die Ergebnisse könnten China bei Maßnahmen zur Suizidprävention helfen und Forderungen verstärken, dass der Zugang zu Pestiziden in der Landwirtschaft weltweit strenger kontrolliert wird.

(Quelle: WHO report “Pesticide Exposure and suicidal ideation in rural communities in Zhejiang Province, China” in: Bull World Health Organ 2009; 87:745-753; Presseveröffentl. d. Dt. Gesellschaft für Suizidprävention. Photo src:eva-lichtenberger.eu)

Dec 23

Vor einigen Tagen sendete “SWR” die Dokumentation “Die Rache der Ozeane“, eine Dokumentation über das Abschmelzen des Packeises in der Antarktis und das Kippen der Weltmeere, aufbauend auf die im Fiction-Bestseller “Der Schwarm” von Frank Schätzing beschriebenen Veränderungen. Wie immer nach solchen Dokus blieb ein beklemmendes Gefühl bei uns, die sie sahen, zurück: ist es “wirklich” schon so schlimm? Nach Auffassung vieler Meeresforscher bleiben uns nur noch wenige Jahre, um irreversible Schäden und eine vermutlich dauerhafte Veränderung essentieller ökologischer Meeresressourcen (wie z.B. den Meeresspiegel in seiner heutigen Form, die Kalt-/Warm-Ströme, ein ausreichendes biologisches Gleichgewicht in diesem Biotop usw.) zu verhindern. Schon jetzt müssen die Malediven mit Wällen vor dem vordringenden Meeresspiegel geschützt werden, und die Todeszonen (aufgrund von Sauerstoffmangels biologisch faktisch tote Zonen in der Größe von je hunderttausenden Quadratkilometern) in den Weltmeeren haben dramatische Dimensionen erreicht. Aber wie schon der (2008 verstorbene) US-‘Comedian’ George Carlin sagte: “The planet is fine – the people are f*cked! [..] Sooner or later, it will just shake us off like a little surface nuisance, a disease… [..] It doesn’t punish .. it doesn’t reward .. it doesn’t judge at all .. it just is, and so are we: there for just a little while.”

 

Dafür wird wohl auch ein Öl-Crash (“Peak Oil“) sorgen, sollte es uns nicht gelingen, die gesamte Wirtschaft rechtzeitig auf alternative Energieträger (und Materialien, wenn es um die Gütererzeugung geht) umzustellen.  Denn innerhalb weniger Jahrzehnte haben wir bereits einen Großteil der Erdölvorräte aufgebraucht, die die Natur in hunderten Millionen Jahren entwickelt hat.

Wirtschaftskrise in Deutschland 1922 – eine Frau gibt einem bettelnden Kriegsinvaliden Geld.
(Photo: topphoto.co.uk)

Für einen kleinen Augenblick im historischen Kontext war wohl auch nur die USA die Supermacht, als die wir sie früher kannten. Massive wirtschaftliche Probleme und eine Staatsverschuldung in geradezu unvorstellbarem Ausmaß könnten nach Auffassung von Wirtschaftswissenschaftern schon in Kürze dazu führen, daß die USA den Bankrott erklären müssen. Die Alternative scheint zu sein, einmal mehr die Geldpresse anzuwerfen, was nach der Leitzinsensenkung auf 0% gerade geschieht und wohl eine extreme Abwertung des US-Dollars zur Folge haben wird. So er tatsächlich den versprochenen “Change” schafft: hat der zukünftige Präsident Obama überhaupt eine Chance, die zu erwartenden dramatischen Folgen von den USA abzuwenden? Auch für den Rest der Welt wäre ein Niedergang der weltweit größten Wirtschaftsmacht folgenschwer – schon jetzt wird weltweit mit 25 Millionen mehr Arbeitslosen (10 Mio davon allein in der OECD) bis zum Jahre 2010 gerechnet. Gleichzeitig haben jene, die den Boden für die aktuelle Wirtschaftskrise bereiteten (die einstigen Großmeister der Geldvermehrung, welche seit dem Paradigmenwechsel nur mehr “Bankster” genannt werden) bestens daran verdient: 2,6 Millionen Dollar Gehalt, Boni für ihre “Leistungen” im vergangenen Jahr und andere Zuwendungen erhielt durchschnittlich jeder der leitenden US-Bankmanager, welche mit dem “Rettungspaket” gestützt wurden. Bezahlt werden diese Rettungspakete vom Steuerzahler, und die Österreicher durften vor kurzem erstaunt erfahren, daß an die Rettungspakete in ihrem Land weltweit die geringsten Gegenforderungen von Seiten der Regierung geknüpft wurden. Wird das Pyramidenspiel – welches für die Verantwortlichen ja weitgehend ohne Konsequenzen blieb – letztlich also munter weitergehen, sich bald die nächste Blase auf höherer Ebene zu bilden beginnen – jener der Staaten? Wird die Entmenschlichung der Wirtschaft bis zu einem Ausmaß weitergehen, bis die 80:20-Gesellschaft tatsächlich unvermeidbar ist? Vielleicht lernen wir Menschen ja wirklich nur durch Strafe in Bereichen, wo unsere Vernunft nur bis zum eigenen Geldsäckel reicht. Mit ein wenig Sarkasmus wäre das eine der Schlußfolgerungen, die man sowohl aus den dramatischen ökologischen als auch den wirtschaftlichen Entwicklungen des zu Ende gehenden Jahres ziehen muß.

In diesem Sinne wünsche ich allen LeserInnen meines Blogs ein glückliches neues Jahr, und uns allen, daß wir – als Individuum, Gesellschaft, Länder und biologische Hervorbringung unseres Planeten – im nächsten Jahr Weichenstellungen schaffen, die auch unseren Kindern eine gute Basis für ein langes, erfülltes Leben ermöglichen.

01.09.19