Sep 27

(Image: dw.com)

Der Flugzeugabsturz am 24. M√§rz 2015 hat die Welt√∂ffentlichkeit schockiert – denn er wurde durch den Piloten, der sich (wie sich nachher herausstellte) aufgrund von schweren Depressionen in √§rztlicher Behandlung befand, gezielt herbeigef√ľhrt. 150 Menschen kamen dabei ums Leben.

Wie sich nun herausstellt, k√∂nnte der Grund f√ľr den psychischen Ausnahmezustand, in dem sich der Pilot befand, in seiner Nutzung von Antidepressiva gelegen haben. Bestimmte Arzneimittelgruppen, insbesondere jene der sogenannten SSRI’s (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), Antidepressiva wie Prozac und Paxil, Antipsychotika, Benzodiazepine wie Valium, Anti-Raucher- und Anti-Asthma-Medikamente, Antihistaminika oder auch solche mit stimulierender Wirkung wie Ritalin k√∂nnen nachweislich Suizide oder T√∂tungsdelikte ausl√∂sen. Sie sind auf der Website des Psychiaters aufgelistet (siehe untenstehender Link).

Das Risiko daf√ľr, dass es zu derart massiven Handlungen kommt, ist grunds√§tzlich gering – sollte aber auch nicht v√∂llig negiert werden. Und es unterstreicht, wie wichtig die erg√§nzende psychotherapeutische Begleitung von Menschen, die etwa unter Depressionen oder Angstst√∂rungen leiden, ist: nicht nur werden durch sie wichtige Bew√§ltigungsstrategien erlernt, nebenbei entsteht durch das Vertrauensverh√§ltnis Klient/in – Therapeut/in auch eine Verbindung, die schwierigste Phasen √ľberwinden helfen kann, sowie eine Eingriffsm√∂glichkeit der Therapeuten, wenn diese merken, dass ihre Klienten etwa in ein pr√§suizidales Syndrom abgleiten.

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Jan 16

Dass gerade bei Psychopharmaka oder anderen psychoaktiven Medikamenten auch viele negative Auswirkungen auf das Verhalten zu vermuten sind, liegt auf der Hand. Dass ihre Einnahme Aggressionen auslösen kann, ist etwa bei Antidepressiva wie Prozac oder Ritalin bekannt. Systematisch untersucht auf ihre Auswirkung auf Gewalt wurden Medikamente und Medikamentengruppen aber noch nicht

Nun haben US-Wissenschaftler vom Institute for Safe Medication Practices in einer Studie, die im Open Access Journal PLoS One erschienen ist, Daten der f√ľr Medikamente zust√§ndigen Beh√∂rde FDA ausgewertet und bei 31 Medikamenten von insgesamt 484 untersuchten Medikamenten festgestellt, dass sie ungew√∂hnlich oft mit Berichten von Gewalt gegen andere verbunden sind. Das bedeutet zwar nicht, dass diese Medikamente direkt Gewalt verursachen, es k√∂nnte jedoch einen Zusammenhang geben.

31 der in einem Zeitraum von 69 Monaten insgesamt 464 evaluierten Medikamente waren mit 79 Prozent der Gewaltf√§lle verbunden, darunter 11 Antidepressiva, 3 Medikamente zur Behandlung des Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivit√§ts-Syndroms (ADHS/ADHD), 5 Beruhigungsmittel und Vareniclin, das als Nikotinentw√∂hnungsmittel dient. Dessen Wirkstoff wird unter dem Namen Champix vertrieben, zahlreiche Nebenwirkungen sind bekannt, darunter auch Suizidalit√§t und Aggressivit√§t, die FDA hat deshalb f√ľr diese Substanz einen Warnhinweis ver√∂ffentlicht. Vareniclin ist auch nach dieser Studie h√∂chst bedenklich und steht an der Spitze. Ein F√ľnftel der Berichte √ľber Gewalt ist mit diesem Wirkstoff verbunden, damit ist die Neigung zur Gewalt um das 18-Fache h√∂her als bei den anderen Medikamenten. Bupropion (in Deutschland gehandelt als Elontril), bei dem es eine geringe Verbindung zur Gewalt gibt, wird zwar auch zur Raucherentw√∂hnung eingesetzt, ist aber vor allem ein Antidepressivum.

Verbindungen zur Gewalt gibt es bei allen Antidepressiva, allen voran bei Fluoxetin (Prozac) mit einer mehr als zehnmal so hohen Wahrscheinlichkeit, an dritter Stelle liegt Paroxetin. Bei allen Antidepressiva ist eine Verbindung zur Gewalt 8,4-fach wahrscheinlicher als bei allen anderen psychoaktiven Medikamenten. Eine hohe Wahrscheinlichkeit liegt auch bei Amphetaminen wie Atomexitin (Strattera) und Methylphenidat (Ritalin) vor, die zur Behandlung von ADHD verwendet werden und ein 9- bzw. 3,4-fach höheres Risiko der Verbindung zur Gewalt aufweisen. Von den psychoaktiven Medikamenten wären noch die Schlafmittel Triazolam (Halcion) mit einem 8,7-fach und Zolpidem mit einem 6,7-fach erhöhten Risiko zu nennen. Unter den nicht-psychoaktiven Medikamenten fiel Mefloquin (Lariam), das zur Prophylaxe und Behandlung von Malaria dient, mit einem 9,5-fachen Risiko auf.

(Quelle mit weiteren Linkverweisen zu Studien, Tabellen etc.: “Medikamente und Gewalt” in telepolis 12.01.2011; Image src:patientsrights.org.nz)

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ÔĽŅ10.06.18