Apr 01

Woran es sicherlich keinen Mangel gibt, sind Erfolgsberichte etwa √ľber die positive Wirkung von ADHS-Medikamenten, zahlreiche einschl√§gige Artikel in der Fach- und etwas zeitversetzt dann in der Regel auch in der Laien-Presse. H√§ufig gehen im Zuge des Informationstransports bis zum Endkonsumenten auch die letzten Reste von Wissenschaftlichkeit verloren und weichen einem “Informationscharakter”: etwa wenn das Verh√§ltnis von Erfolgs- und Mi√üerfolgs-Raten gar nicht mehr Erw√§hnung findet, sondern generalisierend von “mit Erfolg angewendet” oder “Erfolg in der Behandlung von ADHS mit Medikament XY” gesprochen wird. Wie in anderen Blog-Artikeln angef√ľhrt, investiert die Pharmaindustrie dar√ľber hinaus deutlich h√∂here Anteile ihrer Einnahmen in das Marketing ihrer Produkte als in die Forschung, wobei allerdings nur der geringste Teil des Marketings aus expliziter Werbung besteht – viel h√§ufiger werden themenorientierte Kongresse mitfinanziert (indirekte Werbung), Studien in Auftrag gegeben (bei denen dann zumeist die Wirksamkeit der eigenen Produkte best√§tigt wird) oder andere vertriebsrelevante Kan√§le gesponsert.

ADHD Kid (Image © 123rf.com)

Ein symptomatisches Beispiel f√ľr den sich durch diese Effekte schleichend ver√§ndernden Zugang der Bev√∂lkerung zur Anwendung von Medikamenten ist der Bereich des Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivit√§ts-Syndroms (ADHS). Es muss sich dabei entweder um eine regelrechte Epidemie oder um eine Modediagnose handeln, denn bereits 7% aller Kinder (!) werden heute in den USA wegen ADHS behandelt. Warum jedoch dieses St√∂rungsbild so h√§ufig aufzutreten scheint, und wie dieser enorme Anstieg an Diagnosen tats√§chlich zu erkl√§ren ist, wird wenig gefragt und ist bis heute in keine Weise gekl√§rt. Bemerkenswert ist insbesondere auch der “shift” von ganzheitlichen Behandlungsmodellen zu rein physiologischen. So bestand noch vor wenigen Jahren ein weitgehender Konsens dar√ľber, dass die Verhaltensst√∂rungen der betroffenen Kinder und Jugendlichen aus verhaltensorientierter Psychotherapie (in die auch die Eltern einzubinden sind) bestehen, und nur in schweren F√§llen Medikamente (damals vorrangig das bekannte Ritalin) verschrieben werden sollten. Heute dagegen scheint weitgehende Einigkeit dar√ľber zu bestehen, dass eine simple Verabreichung der entsprechenden Medikamente die empfehlenswerte Art der Behandlung darstellt – jene Variante also, die f√ľr die Pharmakonzerne zweifelsfrei die vorteilhafteste, und f√ľr Eltern und Lehrer die bequemste Herangehensweise darstellt. Es existiert nun einmal keine Lobby f√ľr die kritische Reflexion jahrelanger Medikation von Minderj√§hrigen mit Psychopharmaka.

Die Publikation kritisch-reflektiver Studien wie die eben von Psychiatern des Johns Hopkins Children’s Center geleitete aktuell gr√∂√üte Langzeitstudie zum Thema, welche im Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry ver√∂ffentlicht wurde, sind daher die Ausnahme. In ihr wurden 207 klinisch mit ADHS diagnostizierte Vorschulkinder (75 Prozent davon Jungen) untersucht. Weitere Testungen der Kinder erfolgten 3 Monate sp√§ter, bevor die Kinder an andere √Ąrzte √ľberwiesen und teils mit Medikamenten wie etwa Methylphenidat behandelt wurden. Nach 3, 4 und 6 Jahren wurden die Kinder erneut von √Ąrzten auf die ADHS-Symptome untersucht. Eltern und Lehrer beurteilten zus√§tzlich die Schwere der Kernsymptome Konzentrationsst√∂rungen, Hyperaktivit√§t und Impulsivit√§t. Analysiert wurden die Ver√§nderungen der Symptome √ľber die Zeit und die Diagnose.

Die Ergebnisse sind zumindest f√ľr die Pharmakonzerne, aber auch f√ľr die Eltern und die behandelnden √Ąrzte, welche sich von einer medikament√∂sen Therapie ja Besserung oder Heilung erwarten, ern√ľchternd. Zwar ging bei einigen Kindern die Intensit√§t der ADHS-Symptome zur√ľck, bei der Mehrheit der Kinder bewirkten die Medikamente jedoch nichts, das ADHS blieb in diesem Sinne chronisch. M√∂glicherweise auch deshalb, da die jeweiligen Eltern und √Ąrzte sich ausschlie√ülich auf die Wirkung der Medikamente verlie√üen, dieser Aspekt wurde in der Studie jedoch nicht untersucht. Fest steht jedoch, dass 89% der an der Studie dauerhaft teilnehmenden Kinder auch nach 6 Jahren noch schwere ADHS-Symptome zeigten.

Bemerkenswerterweise war es praktisch egal, ob sie, wie zwei Drittel der Kinder, Medikamente erhielten oder diese abgesetzt wurden – daraus lie√üen sich keine Vorhersagen √ľber die St√§rke der Symptome ableiten. 62 der Kinder, die mit Anti-ADHS-Medikamenten behandelt wurden, zeigten weiter signifikante Konzentrationsst√∂rungen, bei den Kindern ohne Medikamente waren es mit 58 Prozent kaum weniger. Dass Pharmakonzerne keinerlei Interesse daran haben, kritische Studien wie diese zu finanzieren, liegt auf der Hand.

Interessantes wird dagegen entdeckt, wenn doch einmal neutrale Untersuchungen nichtmedikamentöser Behandlungsansätze stattfinden und finanziert werden. Einer aktuellen Metastudie (auf der Basis von 54 Studien mit fast 3.000 Patienten) der europäischen ADHS-Leitliniengruppe zufolge, welche im American Journal of Psychiatry erschien, ist Рeine korrekte ADHS-Diagnose einmal vorausgesetzt Рder Griff zum Medikament nicht unbedingt notwendig. Hier wurden in Doppelblindstudien vor allem einer Ernährungsumstellung positive Wirkungen auf die Hauptsymptome Impulsivität, schlechte Aufmerksamkeit und motorische Unruhe bescheinigt.

Wirksam erwies sich vor allem die Vermeidung k√ľnstlicher Lebensmittelfarben und noch st√§rker die Vermeidung von Lebensmitteln, gegen welche die Patienten eine Unvertr√§glichkeit besitzen. Daraus k√∂nne man nicht notwendig ableiten, dass andere Therapieans√§tze keine Besserung erzielen. Es gebe allerdings aufgrund von Finanzierungsproblemen zu wenige valide Studien, weswegen die Datenlage ungen√ľgend sei, sagt Prof. Dr. M. Holtmann von der LWL-Universit√§tsklinik der RUB in Hamm, Mitautor der Studie.

(Quellen: The Preschool Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Treatment Study (PATS) 6-Year Follow-Up in: Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry Vol 52, Issue 3, p264-278.e2, March 2013; Nonpharmacological Interventions for ADHD: Systematic Review and Meta-Analyses of Randomized Controlled Trials of Dietary and Psychological Treatments in: American Journal of Psychiatry 2013;170:275-289. 10.1176/appi.ajp.2012.12070991; Telepolis [1, 2])

Sep 30

Ich habe im Laufe der Zeit Kennziffern zum Thema “Suizid” zusammengetragen – hier finden Sie eine Kompendium davon, gewisserma√üen eine √úbersicht √ľber die derzeit bekannten Zahlen, Daten und Fakten zu diesem Thema.

Häufigkeit

Nach Sch√§tzungen stirbt j√§hrlich eine Million Menschen durch Suizid, das entspricht einem alle 40 Sekunden – tats√§chlich d√ľrfte diese Zahl aber sogar noch deutlich h√∂her liegen, da die entsprechenden Ziffern in vielen L√§ndern offiziell zu niedrig angegeben werden. Der Suizid tr√§gt folglich mit mindestens 1,5 Prozent zu den weltweiten Todesf√§llen bei und ist die zehnth√§ufigste Todesursache. 2006, dem letzen Jahr, f√ľr das Daten verf√ľgbar sind, haben sich 140.000, d.s. 11,1 von 100.000 Menschen, das Leben genommen. Am gef√§hrdesten sind Menschen unter 25 Jahren, bei denen sich keine √Ąnderung ergeben hat, und √§ltere Menschen, bei denen ein deutlicher R√ľckgang der Suizide zu beobachten ist.

Trends in einigen OECD-Ländern, Bild: OECD

Zur Regionalit√§t: innerhalb Europas liegen die Raten in den n√∂rdlichen L√§ndern generell etwas h√∂her als in den s√ľdlichen. Ein Effekt des Breitengrads auf die Suizidrate konnte in Japan festgestellt werden, was auf einen Einfluss der t√§glichen Sonnenscheindauer schlie√üen l√§sst. Dennoch k√∂nnen andere L√§nder auf den in Japan verglichenen Breitengraden deutlich unterschiedliche Suizidraten haben, etwa Gro√übritannien oder Ungarn. Suizid ist ein erhebliches Problem in den vormaligen Staaten der Sowjetunion, und mehr als 30 Prozent der weltweiten Suizide ereignen sich in China, wo 3,6 Prozent aller Todesf√§lle auf Selbstt√∂tung beruhen.
Zum Anteil der Sonnenstrahlung, nach der¬†die Suizidh√§ufigkeit mit der Anzahl der Sonnenstunden am Tag korreliert und mit der ein saisonal geh√§uftes Auftreten von Suiziden erkl√§rt werden k√∂nnte, wurde 2011 eine Studie der MedUni Wien in der Fachzeitschrift “Comprehensive Psychiatry” ver√∂ffentlicht.

Besonders deutlich sind die Suizidraten in j√ľngster Zeit in S√ľdkorea angestiegen: n√§mlich um 172% auf 21,5 von 100.000. Die Zahl der Selbstt√∂tungen von M√§nnern hat sich seit 1990 von 12 auf 100.000 fast verdreifacht und betr√§gt nun 32 auf 100.000. Mit 13 von 100.000 liegt die Selbstmordrate auch bei den Frauen am h√∂chsten. Die OECD f√ľhrt den Anstieg der Selbstmorde auf den wirtschaftlichen Niedergang, die schwindende soziale Integration und die Aufl√∂sung der traditionellen Familienbindungen zur√ľck. Ob das allerdings S√ľdkorea, Mexiko (+43%), Japan (+32%) und Portugal (+9%), die ebenfalls eine Zunahme der Selbstmordrate verzeichnen, gegen√ľber den anderen L√§ndern wirklich auszeichnet, darf bezweifelt werden. In Ungarn ist die Selbstmordrate zwar um 41 Prozent zur√ľckgegangen, aber das Land liegt mit 21 auf 100.000 Selbstmorden dennoch an zweiter Stelle nach S√ľdkorea. Auch Finnland hat mit 18 eine √ľberdurchschnittlich hohe Selbstmordrate, gefolgt von Frankreich (14,2), der Schweiz (14), Polen (13,2) und √Ėsterreich (12,6; 27/100000 bei M√§nnern, 10/100000 bei Frauen). Deutschland, wo die Zahl der Selbstmorde gegen√ľber 1990 um 37 Prozent gesunken ist, liegt mit 9,1 im unteren Drittel. Abgesehen von Gro√übritannien (6,1) und Mexiko (3,1) scheint die Lage am Mittelmeer den Menschen gut zu tun. In Spanien (6,3) und Italien (4,8) bringen sich deutlich weniger Menschen um als in den √ľbrigen OECD-L√§ndern. Und am wenigsten zieht es die Griechen in den Selbstmord. Hier t√∂ten sich nur 2,8 auf 100.000 selbst.

Widerspr√ľchliche Daten zur sog. Gl√ľcklichkeitsforschung f√∂rderte bemerkenswerterweise allerdings eine¬†Studie zutage, die Zusammenh√§ngen zwischen Zufriedenheit und Selbstmordneigung nachging. In einem Vergleich mit der durchschnittlichen Zufriedenheit der Menschen nach dem “World Values Survey” und den Selbstmordraten nach Angaben der WHO ist nicht nur in den skandinavischen L√§ndern die Selbstmordrate trotz gro√üer Zufriedenheit der Menschen hoch, sondern etwa auch Island, Irland, die Schweiz, Kanada oder die USA (Deutschland liegt im mittleren Bereich). Die Verbindung hoher Lebenszufriedenheit mit hohen Selbstmordraten sei unabh√§ngig von harten Wintern, religi√∂sem Einfluss und anderen kulturellen Differenten zwischen L√§ndern (mehr):

Eine Erkl√§rungsm√∂glichkeit f√ľr diesen vordergr√ľndigen Widerspruch k√∂nnte darin bestehen, dass in einem Umfeld, in dem es vielen anderen Menschen “gut” geht, eigene Unzufriedenheit, eigenes Leid st√§rker empfunden wird. Gesellt sich zum pers√∂nlichen Lebensungl√ľck dann auch noch Hoffnungslosigkeit, dieses ver√§ndern zu k√∂nnen, kann Suizid von bestimmten Pers√∂nlichkeitstypen als Ausweg gesehen werden.

Noch einige Details zu √Ėsterreich: die Krisenintervention Salzburg (von anderen sind mir keine Daten bekannt) verzeichnet einen deutlichen Anstieg an Patienten im Teenager-Alter. J√§hrlich sterben in √Ėsterreich etwa doppelt so viele Menschen von eigener Hand als nach einem Verkehrsunfall. Im Jahr 2002 w√§hlten 1.551 den Freitod (2010: 1261), darunter 50 Kinder- und Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren. Im Zunehmen sind auch Selbstverletzungen bei Kindern. Im gesamt√∂sterreichischen Verlauf ist die Suizidrate von Anfang der 1960er-Jahre bis Mitte der 1980er-Jahre steil angestiegen – auf 24 Suizide pro 100.000 Einwohner. Seither sinkt die Rate und steht heute, wie bereits oben erw√§hnt, bei 13 pro 100.000 Einwohner und Jahr. Dies entspricht ca. 1.300 Suiziden pro Jahr (etwa doppelt so viele Menschen, wie im Stra√üenverkehr umkommen).
Allerdings existieren in wissenschaftlichen Kreisen steigende Zweifel an der Genauigkeit der Statistik: da in √Ėsterreich immer weniger Autopsien durchgef√ľhrt werden, sinkt die M√∂glichkeite, Suizide von nat√ľrlichen Todesf√§llen zu unterscheiden. So zeigen sich in L√§ndern mit den h√∂chsten Autopsieraten wie etwa im Baltikum oder in Ungarn h√∂here Suizidraten als in L√§ndern mit niedrigen Autopsieraten. Ebenso werden in L√§ndern, in denen Autopsieraten zur√ľckgehen, weitgehend zeitgleich auch zunehmend weniger Suizide verzeichnet (Quelle: Archives of General Psychiatry 2011 (doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2011.66). Bei derartigen Statistiken stellt sich also immer auch die Frage, inwieweit man den offiziellen Suizidstatistiken √ľberhaupt trauen kann.

Weitere Gender-Details: in den Industriel√§ndern betr√§gt das Geschlechterverh√§ltnis bez√ľglich des Suizids etwa zwei bis vier (M√§nner) zu eins (Frauen) und scheint zuzunehmen. Asiatische L√§nder zeigen ein kleineres Verh√§ltnis, aber auch dieses scheint anzusteigen. Nur in China sterben mehr Frauen als M√§nner durch Suizid.

Risikofaktoren f√ľr Suizid

Unter der Vielzahl von Faktoren, die das Suizidrisiko anheben, gehören zu den wichtigsten derzeit bekannten:

  • m√§nnliches Geschlecht (OECD: 17,6 von 100.000 M√§nnern, 5,2 bei Frauen)
  • fr√ľhere Selbstverletzungen
  • Homosexualit√§t
  • psychiatrische St√∂rungen und/oder
  • Alkohol-/Medikamentenmissbrauch
  • Erziehung
  • Gewalterfahrungen im Kindes- oder Jugendalter
  • Suiziddarstellungen in den Medien
  • Rauchen
  • Milit√§rdienst (1)

Genetik und Neurobiologie

Autopsien von Suizidopfern ergaben √Ąnderungen der zentralen Neurotransmissionsfunktionen, beispielsweise des Serotonin-Systems (stimmungsregulierendes Hormon). Niedrige Cholesterinkonzentrationen sind mit h√∂herem Suizidrisiko verkn√ľpft, das Risiko ist jedoch gr√∂√üer, wenn der niedrigere Spiegel √ľber Di√§ten anstatt √ľber Statine erreicht wurde. Die Autoren vermuten, dass dies davon herr√ľhren k√∂nnte, dass Di√§t haltende Menschen ein h√∂heres Risiko f√ľr psychische Probleme h√§tten. Bislang jedoch l√§gen hierf√ľr keine bekr√§ftigenden Hinweise vor. Famili√§re Vorgeschichten mit Selbstt√∂tungen verdoppeln zumindest das Risiko f√ľr M√§dchen und Frauen. Obwohl die Beweislage zwar d√ľrftig ist, sind ein hohes Ma√ü an aggressiven Verhaltensweisen wie auch Impulsivit√§t mit einem erh√∂hten Suizidrisiko verkn√ľpft. Suizidraten nehmen √ľber die Jugendjahre hinweg insbesondere bei Jungen zu und ein Suizidrisiko aufgrund einer erblichen Komponente tritt vor allem auf m√ľtterlicher Seite auf.

Berufsgruppen

Suizidraten sind unter Nichtbesch√§ftigten h√∂her als bei Berufst√§tigen. H√∂here Raten sind teils auch mit psychischen Erkrankungen verkn√ľpft, welche wiederum mit Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht werden.

Unter den Berufst√§tigen dagegen zeigen einige Gruppen ein berufsbedingtes erh√∂htes Risiko: praktische √Ąrzte haben in den meisten L√§ndern ein hohes Risiko, wobei jedoch √Ąrztinnen generell das h√∂chste Risiko aufweisen. Krankenschwestern wird ebenfalls ein hohes Risiko zugeordnet. In diesen beiden Berufsgruppen scheint der Zugang zu Giften ein wichtiger Faktor zu sein, der die hohen Raten bestimmt. Unter den √Ąrzten gelten An√§sthesisten als besonders gef√§hrdet, denn f√ľr viele Suizide werden bet√§ubende Medikamente verwendet. Mehrere andere Gruppen mit berufsbedingtem Hochrisiko (insbesondere Zahn√§rzte, Apotheker, Tier√§rzte und Landwirte) haben ebenfalls leichten Zugang zu den Suizid erleichternden Giften und Medikamenten (Link: Suizid, Depression und Burnout in Helferberufen).

Sexualität, Altersgruppen und ethnische Zugehörigkeit

Suizidraten liegen in den meisten L√§ndern unter den √§lteren Menschen am h√∂chsten, in den letzten 50 Jahren jedoch sind auch die Raten unter der j√ľngeren Bev√∂lkerung gestiegen, insbesondere bei M√§nnern. Suizide werden am h√§ufigsten im Fr√ľhling ver√ľbt, auch da besonders unter M√§nnern. Im Fr√ľhling oder Fr√ľhsommer Geborene, hier besonders Frauen, haben ein erh√∂htes Suizidrisiko. Amerikaner europ√§ischer Herkunft haben h√∂here Suizidraten als Amerikaner lateinamerikanischen oder afrikanischen Ursprungs, wobei sich dieser Unterschied auf Grund der gestiegenen Suizidrate unter jungen Afroamerikanern langsam nivelliert. Indigene Gruppen, wie beispielsweise Aborigines in Australien und Ureinwohner Nordamerikas, haben ebenfalls h√∂here Suizidraten, m√∂glicherweise auf Grund kulturell-gesellschaftlicher Ausgrenzung und st√§rkerem Alkoholmissbrauch.
Das Suizidrisiko von Lesben und Schwulen zwischen 12 und 25 Jahren ist vier- bis siebenmal h√∂her als das von Heterosexuellen. Fast jeder dritte Suizidversuch im deutschen Sprachraum wird von homosexuell orientierten Menschen begangen ([1], [2], [3]). Der eigentlich wesentliche Risikofaktor besteht allerdings nicht in der Ausrichtung der Sexualit√§t an sich, sondern vielmehr im enormen emotionalen Druck, den Jugendliche ausgesetzt sind, wenn sie sich selbst als “nicht normal” empfinden – oder von anderen empfunden werden.

Suizidmethoden

Ganz generell bevorzugen M√§nner eher gewaltt√§tige Mittel der Selbstt√∂tung (zum Beispiel durch H√§ngen oder Erschie√üen), Frauen weniger gewaltsame Formen (Selbstvergiftung), was vermutlich die Erkl√§rung f√ľr den starken Unterschied erfolgter Suizide zwischen M√§nnern und Frauen (siehe oben) und den Suizidversuchen sind, die bei beiden Geschlechtern etwa gleich h√§ufig erfolgen. Verschiedene Bev√∂lkerungen wenden unterschiedliche Methoden an, insbesondere in S√ľdasien verbrennen sich Frauen √ľblicherweise selbst. Der Zugang zu spezifischen Methoden k√∂nnte der Faktor sein, der zur Umsetzung der Suizidgedanken in die Tat f√ľhrt. In den USA werden bei den meisten Suiziden Schusswaffen verwendet, wobei das Risiko der Anwendung dort am h√∂chsten ist, wo Schusswaffen in Haushalten vorzufinden sind. In den l√§ndlichen Gebieten vieler Entwicklungsl√§nder ist das Verschlucken von Pestiziden die h√§ufigste Methode, was die Giftigkeit, die leichte Verf√ľgbarkeit und die mangelhafte Lagerung wiederspiegelt. Bis zu 30 Prozent der weltweiten Suizide beruhen auf dem Verschlucken von Pestiziden.

Suizid, Depression, psychische Störungen

Suizidale Tendenzen, und seien es auch nur wiederkehrende Gedanken, sind Fr√ľhwarnzeichen (Bild: Shutterstock)

Komorbiditäten und Zusammenhänge mit psychischen Störungen

Psychische Probleme sind ein wesentlicher Faktor bei Selbstt√∂tungen. Von etwa 90 Prozent der Menschen, die sich selbst t√∂ten, wird angenommen, dass sie an einer Art psychiatrischer St√∂rung litten. Depressionen erh√∂hen das Risiko um das 15- bis 20-fache, und etwa 4 Prozent der an Depressionen Erkrankten sterben durch Suizid – doch nur ca. 20-30% der Depressionen werden erkannt (!). Selbst bei diesen aber vergehen bis zur korrekten Diagnose h√§ufig viele Jahre, und weniger als 50% der diagnostizierten PatientInnen beginnt √ľberhaupt je eine Psychotherapie oder sucht rein pharmakologische Unterst√ľtzung. Das hei√üt: die meisten Menschen leiden chronisch, suchen oder finden aber keine ad√§quate Hilfe.
Klinische Anzeichen einer Selbstt√∂tung bei Depressionskranken beinhalten fr√ľhere Selbstverletzungen, Hoffnungslosigkeit und suizidale Tendenzen. Etwa 10 bis 15 Prozent der Patienten mit bipolarer St√∂rung sterben durch Suizid, wobei das Risiko zu Beginn der Erkrankung am h√∂chsten ist. Etwa 5 Prozent der Schizophreniekranken sterben ebenfalls durch Suizid. Alkoholmissbrauch, Magersucht, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivit√§tsst√∂rung (ADHS) und k√∂rperdysmorphe St√∂rung (KDS) erh√∂hen allesamt das Suizidrisiko. Gerade das letzte Beispiel erkl√§rt zum Teil, warum das Risiko bei Frauen nach brustvergr√∂√üernden Operationen zunimmt.

Die Gesundheit spielt ebenso eine Rolle, jedoch mit einigen seltsamen Ergebnissen. √úberraschenderweise weisen Menschen mit erh√∂htem Body-Mass-Index BMI ein zwar st√§rkeres Depressionsrisiko auf, dennoch liegt bei ihnen das Suizidrisiko niedriger (15 Prozent R√ľckgang im Suizidrisiko pro 5 Kilogramm Zunahme pro Quadratmeter K√∂rperoberfl√§che beim BMI). Die Gr√ľnde hierf√ľr sind nicht bekannt. Krebserkrankungen, insbesondere des Kopfes und des Halses, HIV/AIDS, Multiple Sklerose, Epilepsie und eine Reihe anderer Erkrankungen steigern das Suizidrisiko ebenfalls.

Andere Faktoren, die das Suizidrisiko steigern, umfassen k√∂rperliche Misshandlungen und sexuellen Missbrauch √ľber die Kindheit hinweg, die gesamte Bev√∂lkerung betreffende Ereignisse wie Naturkatastrophen und den Tod von Prominenten. Nach dem Tod der Prinzessin von Wales, Diana, im Jahr 1997, stiegen die Suizidraten um 17 Prozent an, am deutlichsten in ihrer eigenen Altersgruppe. Kriegsgeschehen verringert die Suizidraten, m√∂glicherweise auf Grund des sozialen Zusammenhalts, der in den Gemeinschaften erzeugt wird. Menschen, die durch Suizid einen Verlust erlitten haben, stehen selbst unter erh√∂htem Risiko, und Suizidh√§ufungen k√∂nnen in Gemeinschaften oder durch Internet-Kontakte auftreten. Die Autoren f√ľgen hinzu: “Ein erheblicher Anteil der Hinweise zeigt, dass bestimmte Medientypen, die √ľber suizidales Verhalten berichten oder dieses darstellen, in der allgemeinen Bev√∂lkerung Suizidverhalten und Selbstverletzungen beeinflussen k√∂nnen.”

J√ľngste Untersuchungen zeigen brisanterweise auch, da√ü Antidepressiva selbst gerade bei Jugendlichen, aber auch z.T. bei Erwachsenen Suizidgedanken induzieren k√∂nnen. Dazu konnten Sie hier im Blog schon fr√ľher einige Artikel finden, z.B. Suizidrisiko bei Jugendlichen unter Antidepressiva deutlich h√∂her als bei √Ąlteren oder unter dem Tag “Suizid“.

(Quellen: Health at a Glance 2009: OECD Indicators, MedAustria)

Suizid und SVV (Selbstverletzung)

Zunehmend ist neben den Suiziden auch der Hang zur Selbstverletzung bei Jugendlichen, wie Jugendforscher berichten. Die Ursachen daf√ľr liegen h√§ufig in den traumatisierenden Erlebnissen im fr√ľhen Kindesalter. Das Gehirn weist zu dieser Zeit eine hohe Plastizit√§t auf und ist durch √§u√üere Einfl√ľsse sehr ver√§nderbar. Schwere Krankheiten, sexueller Missbrauch, Vernachl√§ssigung und mangelnde Kommunikation in der Erziehung, nicht selten verursacht durch stundenlanges Fernsehen oder Computer Spielen, gelten als deutliche Risikofaktoren f√ľr sp√§tere Selbstmordversuche. Oder sie veranlassen die Kinder und Jugendlichen, sich selbst Wunden zuzuf√ľgen. Das Ausdr√ľcken brennender Zigaretten auf der Haut und das Einritzen mit einem Messer seien als Hilferufe zu verstehen.

Waren im Jahr 1950 nach Angaben der WHO noch 40 Prozent der Selbstm√∂rder unter 45, sind es heute schon 55 Prozent. Als Grund f√ľr die immer fr√ľher auftretenden Depressionen nennen Experten die fr√ľhere Pubert√§t und zerfallende Familienstrukturen. Bei funktionierender Kommunikation in der Familie mit gemeinsamem Besprechen von Sorgen und Problemen ist es f√ľr Jugendliche viel leichter, eine Krise zu √ľberwinden.

(Quelle: Der Standard, 06/2004)

Wie können Suizide verhindert werden?

Der Anspruch, Suizide verhindern zu k√∂nnen, w√§re ein schwierig zu erf√ľllender, da eine gro√üe Zahl von Faktoren beteiligt ist, bis es tats√§chlich zu Suizidversuchen kommt. Strategien k√∂nnten auf Hochrisikogruppen abzielen oder versuchen, das Risiko der Bev√∂lkerung als Ganzes zu verringern. Zum einen sollte jede Person mit Depressionen auch auf ein Suizidrisiko hin untersucht werden, indem spezifisch nach Selbstt√∂tungsgedanken und ‚Äďpl√§nen gefragt wird. Insofern ist speziell auch die einschl√§gige Ausbildung und Vorgangsweise von √Ąrzten wichtig: Studien aus den nordeurop√§ischen L√§ndern belegen einen R√ľckgang der Selbstmordraten um 20 bis 30%, nachdem die niedergelassenen Allgemein√§rzte darin geschult worden waren, Depressionen zu erkennen und richtig zu behandeln.

In F√§llen hohen oder unmittelbar bevorstehenden Suizidrisikos sind sofortige Ma√ünahmen notwendig, darunter Wachsamkeit und √úberwachung der Betroffenen, gegebenenfalls durch Krankenhauseinweisung. Au√üerdem m√ľssen potenzielle Methoden zum Suizid entfernt und eine energische Behandlung der verkn√ľpften psychiatrischen St√∂rung eingeleitet werden.

Auch eine Ver√§nderung des allgemeinen Zugangs zu gef√§hrlichen Methoden und Mitteln kann zur Verhinderung von Suiziden beitragen. Die Einf√ľhrung von Sicherheitsgittern auf Br√ľcken und verst√§rkte Kontrolle auf Schusswaffen, wie auch die sicherere Lagerung von Pestiziden und Giften, insbesondere in den l√§ndlichen Gebieten der Entwicklungsl√§nder k√∂nnen die Risiken deutlich senken. Schulprogramme zur Verbesserung des psychischen Wohlbefindens sowie eine strengere Kontrolle der Medien, die von Suiziden berichten, k√∂nnten ebenso vorbeugende Wirkung haben. Wer einwenden mag, da√ü Suizidwillige in jedem Fall Mittel und Wege finden w√ľrden, ihr Ziel umzusetzen, mag √ľberrascht sein, da√ü z.B. bei der Umstellung vom giftigen Leuchtgas auf das ungiftige Nordseegas in England dort die Selbstt√∂tungen drastisch zur√ľckgingen, w√§hrend z.B. in Japan nach dem Erscheinen zweier Filme, welche das Thema Suizid romantisch-idealisiert behandelten, die entsprechenden Ziffern signifikant anstiegen. Helsinki hatte in den 90er Jahren die weltweit h√∂chste Suizidrate und konnte diese durch Pr√§ventionsprogramme auf 18 pro 100.000 senken.

Und weil im Internet neben Selbstmordforen Ratschl√§ge und Hinweise f√ľr das Begehen von Suizid angeboten, teils wie in Japan online auch Vereinbarungen getroffen werden, kollektiv Selbstmord zu begehen, will die Regierung S√ľdkoreas (das j√ľngst den weltweit st√§rksten Anstieg von Suiziden verzeichnen mu√üte, siehe oben) zur Pr√§vention u.a. auch Internet-Sperren einf√ľhren. Erschwert werden soll die Suche nach Informationen auf Internetportalen √ľber Selbstmord, ebenso sollen bestimmte Suchbegriffe wie Selbstmord, ‘wie kann ich sterben’, ‘kollektiver Selbstmord’, Selbstmordtechniken etc. gesperrt werden. Zudem soll die gesetzliche Grundlage daf√ľr geschaffen werden, dass die Polizei die pers√∂nlichen Daten der Benutzer von Internetprovidern anfordern kann, die Selbstmord anpreisen oder Selbstmordwilligen Rat anbieten wollen. So sollen Informationen √ľber Selbstmord gel√∂scht werden, man will in diesem Zusammenhang auch gegen Betreiber von Intercafes vorgehen.

Die Herausforderungen, Suizide in den Entwicklungsl√§ndern zu verhindern, erfordern besondere Aufmerksamkeit, da die meiste Forschung zwar in den Industriel√§ndern erfolgt, die h√∂chste Suizidrate jedoch in den Entwicklungsl√§ndern zu finden ist. Auch wird von einschl√§gig Forschenden auch eine j√ľngere Metaanalyse randomisierter Studien diskutiert, die vermuten l√§sst, dass das Risiko f√ľr Tod und Suizid bei Lithium nehmenden Personen mit St√∂rungen der Stimmungslage um 60 Prozent verringert wurde.

Angeh√∂rige haben ebenfalls eine ganz wesentliche Rolle. Sie bemerken als erste, dass sich jemand vielleicht pl√∂tzlich zur√ľckzieht, gedr√ľckt und resigniert wird. Wichtig ist es, die Zeichen zu erkennen (siehe Artikel: “Pr√§suizidales Syndrom“) und mit dem Betroffenen dar√ľber zu sprechen. Dennoch sind die M√∂glichkeiten der Angeh√∂rigen h√§ufig begrenzt – es ist deshalb wichtig, Hilfe von au√üen zu suchen (Psychotherapie oder zumindest Hausarzt), wenn man sich √ľberfordert f√ľhlt oder das Gef√ľhl hat, die betreffende Person nicht mehr erreichen zu k√∂nnen.

Behandlung von Depression

Dass psychologische Betreuung in vielen F√§llen einen Suizid verhindern kann, zeigen zahlreiche Studien. Im Weltgesundheitsbericht 2001 wird anhand wissenschaftlich erh√§rteter Fakten dargelegt, dass einige psychische St√∂rungen zwar chronisch und von langer Dauer sind, dass die an psychischen St√∂rungen leidenden Menschen aber bei richtiger Behandlung ein produktives Leben f√ľhren und am Leben ihrer Gemeinschaft teilhaben k√∂nnen. Bis zu 60 Prozent der unter schweren Depressionen leidenden Menschen k√∂nnen mit der richtigen Kombination von Antidepressiva und Psychotherapie wieder gesund werden. Ich habe zu diesem Thema einen ausf√ľhrlichen Artikel im Publikationsbereich meiner Website verfa√üt (siehe auch Linkverweis ganz unten), der spezifisch die aktuellen Behandlungsformen von Depressionen beschreibt und kommentiert.

(weitere Quellen: APA, AZ, Der Standard 03.06.04, The Lancet Vol. 373, Issue 9672, p.1372-1381, 18 April 2009, Telepolis [1], s.a. obige Quellenhinweise)
Erstfassung dieses Blog-Eintrags vom 22.01.2010; wird laufend aktualisiert, sofern mir neue Daten bekannt werden. Letzte Aktualisierung: 26.11.2013

Noch mehr Informationen:

Artikel “Depression – Mythen und Fakten um eine Zeitkrankheit”
Präsuizidales Syndrom Рerkennen und richtig handeln
Gedanken eines Suizidversuch-√úberlebenden
Aktuelle Statistiken der OECD (Stand 2013)

weitere Blog-Einträge zum Thema Suizid

Jan 16

Dass gerade bei Psychopharmaka oder anderen psychoaktiven Medikamenten auch viele negative Auswirkungen auf das Verhalten zu vermuten sind, liegt auf der Hand. Dass ihre Einnahme Aggressionen auslösen kann, ist etwa bei Antidepressiva wie Prozac oder Ritalin bekannt. Systematisch untersucht auf ihre Auswirkung auf Gewalt wurden Medikamente und Medikamentengruppen aber noch nicht

Nun haben US-Wissenschaftler vom Institute for Safe Medication Practices in einer Studie, die im Open Access Journal PLoS One erschienen ist, Daten der f√ľr Medikamente zust√§ndigen Beh√∂rde FDA ausgewertet und bei 31 Medikamenten von insgesamt 484 untersuchten Medikamenten festgestellt, dass sie ungew√∂hnlich oft mit Berichten von Gewalt gegen andere verbunden sind. Das bedeutet zwar nicht, dass diese Medikamente direkt Gewalt verursachen, es k√∂nnte jedoch einen Zusammenhang geben.

31 der in einem Zeitraum von 69 Monaten insgesamt 464 evaluierten Medikamente waren mit 79 Prozent der Gewaltf√§lle verbunden, darunter 11 Antidepressiva, 3 Medikamente zur Behandlung des Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivit√§ts-Syndroms (ADHS/ADHD), 5 Beruhigungsmittel und Vareniclin, das als Nikotinentw√∂hnungsmittel dient. Dessen Wirkstoff wird unter dem Namen Champix vertrieben, zahlreiche Nebenwirkungen sind bekannt, darunter auch Suizidalit√§t und Aggressivit√§t, die FDA hat deshalb f√ľr diese Substanz einen Warnhinweis ver√∂ffentlicht. Vareniclin ist auch nach dieser Studie h√∂chst bedenklich und steht an der Spitze. Ein F√ľnftel der Berichte √ľber Gewalt ist mit diesem Wirkstoff verbunden, damit ist die Neigung zur Gewalt um das 18-Fache h√∂her als bei den anderen Medikamenten. Bupropion (in Deutschland gehandelt als Elontril), bei dem es eine geringe Verbindung zur Gewalt gibt, wird zwar auch zur Raucherentw√∂hnung eingesetzt, ist aber vor allem ein Antidepressivum.

Verbindungen zur Gewalt gibt es bei allen Antidepressiva, allen voran bei Fluoxetin (Prozac) mit einer mehr als zehnmal so hohen Wahrscheinlichkeit, an dritter Stelle liegt Paroxetin. Bei allen Antidepressiva ist eine Verbindung zur Gewalt 8,4-fach wahrscheinlicher als bei allen anderen psychoaktiven Medikamenten. Eine hohe Wahrscheinlichkeit liegt auch bei Amphetaminen wie Atomexitin (Strattera) und Methylphenidat (Ritalin) vor, die zur Behandlung von ADHD verwendet werden und ein 9- bzw. 3,4-fach höheres Risiko der Verbindung zur Gewalt aufweisen. Von den psychoaktiven Medikamenten wären noch die Schlafmittel Triazolam (Halcion) mit einem 8,7-fach und Zolpidem mit einem 6,7-fach erhöhten Risiko zu nennen. Unter den nicht-psychoaktiven Medikamenten fiel Mefloquin (Lariam), das zur Prophylaxe und Behandlung von Malaria dient, mit einem 9,5-fachen Risiko auf.

(Quelle mit weiteren Linkverweisen zu Studien, Tabellen etc.: “Medikamente und Gewalt” in telepolis 12.01.2011; Image src:patientsrights.org.nz)

Jun 03

Kinder und Jugendliche waren gemäß einer Studie der US Pharmaproduktions- und Gesundheitsmanagement-Firmengruppe MedCo Health Solutions die in den USA am stärksten wachsende Medikamenten-Konsumentengruppe Рsie nahmen 4x so viel verschreibungspflichtige Arzneimittel wie der Rest der Bevölkerung ein. Jedes 4. Kind unter 10 Jahren erhielt Mittel gegen chronische Beschwerden, und bei den 10-19 Jährigen stieg dieser Anteil sogar auf 30 %.

Zwei Medikamentengruppen verzeichneten w√§hrend der letzten Jahre den gr√∂√üten Anstieg – Medikamente, die man normalerweise eigentlich nicht mit Heranwachsenden in Verbindung bringt: Antidiabetika und Neuroleptika (Antipsychotika). So stieg seit 2001 die Anzahl der 10-19 j√§hrigen Jugendlichen, die cholesterinsenkende Arzneimittel einnahmen, um unglaubliche 50%. Die Gruppe der Neuroleptika wird aber in den USA keineswegs nur gegen Psychosen wie z.B. Schizophrenie, sondern zunehmend auch bei Angstzust√§nden und Depressionen eingesetzt. Der Gebrauch dieser Arzneimittel-Gruppe hat sich in den USA seit 2001 deshalb verdoppelt, w√§hrend der von Antidepressiva seit 2004 um √ľber 20% abnahm – etwa zur gleichen Zeit hatte die Arzneimittelbeh√∂rde FDA eine Warnung ver√∂ffentlicht, dass einige Antidepressiva Selbstmordgedanken bei Jugendlichen verst√§rken k√∂nnen. Seither setzen die behandelnden √Ąrzte eher Neuroleptika ein. Doch ironischerweise vergr√∂√üert der Konsum dieser Neuroleptika wiederum die Chance auf das Entstehen einer Typ 2 Diabetes.

Auch die oft kritisierte Vergabe von Medikamenten gegen ADHS ist weiterhin im Anstieg begriffen (2009: 9,1%) und hat sich – wohl aufgrund der Sensibilisierung bez√ľglich des vielpublizierten “ADHS bei Erwachsenen” – auf die Gruppe der 20-34 J√§hrigen ausgeweitet. Dort stiegen die Verschreibungszahlen um √ľber 21% an.

Medco analysierte f√ľr den Report seine 200 Top-Kunden, die √ľber 40 Millionen Menschen repr√§sentieren. Die Firma sieht eine bl√ľhende Zukunft f√ľr Pharma-Hersteller: bis 2012 sollen die Ausgaben f√ľr Arzneimittel um weitere 18% steigen.

Kommentar R.L.Fellner:
Der schon in einer US-Studie vom November letzten Jahres festgestellte Trend in der Sozial- und Gesundheitspolitik wird damit ein weiteres Mal best√§tigt: er f√ľhrt offenbar weg von Ans√§tzen, die Ursachen psychischer, sozialer und k√∂rperlicher Probleme und Erkrankungen mit all den uns heute zur Verf√ľgung stehenden wirksamen Methoden (‘ganzheitlich’) zu behandeln und ihnen damit letztlich -hoffentlich- dauerhaft Herr zu werden, sondern der Mensch soll prim√§r mit einer auf ihn abgestimmten Palette von parmakologischen Produkten versorgt werden, deren diverse Nebenwirkungen dann im (f√ľr den Betroffenen..) ung√ľnstigsten Fall wiederum weitere Arzneimittel n√∂tig machen. Und wer sich von Kindern und Jugendlichen heute zu sehr herausgefordert oder provoziert f√ľhlt, findet entweder einen Arzt, der nach ein paar Minuten Konsultation ADS / AHDS diagnostiziert und dazu auch gleich das passende Rezept ausstellt, oder eine Beh√∂rde, die (t√§gliche Realit√§t im heutigen England) eine sog. “ASBO” verfasst – mit den damit verbundenen “sozialen” Anpassungsma√ünahmen. Die vielgepriesene “freie Gesellschaft” des Westens scheint zu immer gr√∂√üeren Teilen in ein potemkinsches Dorf – abgelenkt durch glitzernde Konsumprodukte und “mind- & behavior- optimiert” durch immer neue Produkte der Pharmaindustrie – umgesiedelt zu werden.

(Quelle: Kids’ Consumption of Chronic Medications on the Rise (May 19, 2010), tp; Image src:healthpsych.psy.vanderbilt.edu)

Apr 30

Wissenschaftler der University of Nottingham wiesen in Experimenten nach, dass die Gehirne von Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizit / Hyperaktivit√§ts-Syndrom (ADS / ADHS) auf sofortige Belohnung auf √§hnliche Weise reagieren wie auf Medikamente. Bei Kindern, die ein Computerspiel spielten, bei welchem f√ľr jedes weniger impulsive Verhalten zus√§tzliche Punkte vergeben wurden, wurden die Gehirnaktivit√§t gemessen. Demnach k√∂nnte es m√∂glich sein, die Dosis von √ľblichen Medikamenten wie Ritalin auch in schweren F√§llen deutlich zu reduzieren – dies funktioniert aber nur dann, wenn unmittelbar auf erw√ľnschtes Verhalten Lob erfolgt. Die Reaktion auf das Lob war nicht ganz, aber nahezu gleich – und wirkte auch in den gleichen Hirnarealen – wie die Gabe von Ritalin.

Der Studienleiter Chris Hollis erkl√§rte im Fachjournal “Biological Psychiatry”, dass eine Kombination von Medikamenten und Belohnungen die besten Ergebnisse erzielte. Das weise auch darauf hin, dass Kinder mit geringeren Mengen des Medikaments ihr Verhalten kontrollieren k√∂nnten.

(Quelle: Effects of Motivation and Medication on Electrophysiological Markers of Response Inhibition in Children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder, 06.04.2010; Photo:Corbis)

Mar 17

Nach einer US-Studie k√∂nnte es einen Zusammenhang zwischen ADHD-Medikamenten und Herzstillstand bei Kindern und Jugendlichen geben, wie die US-Lebensmittel- und Medikamentenbeh√∂rde FDA in einem Hinweis gewarnt hat. Stimulierende Mittel wie Ritalin, die zur Behandlung der Aufmerksamkeitsst√∂rung ADHD gegeben werden, k√∂nnten demnach auch bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen zu einem pl√∂tzlichen unerkl√§rten Tod durch Herzstillstand f√ľhren.

Die Aussagekraft der Studie, die vom American Journal of Psychiatry ver√∂ffentlicht wurde, ist allerdings hinterfragbar, worauf die FDA auch hinweist und erkl√§rt, dass die Warnung nicht bedeuten soll, dass Eltern die Medikation bei ihren Kindern einstellen sollen. Die behandelten √Ąrzte werden jedoch aufgefordert, den Therapieplan erst nach einer genauen Anamnese f√ľr Herzkreislauferkrankungen der Kinder und ihrer Familien zu erstellen.

Allein in den USA werden 2,5 Millionen Kindern mit Medikamenten wie Ritalin, Dexedrin, Modafinil oder Adderall behandelt, die auf diesen Wirkstoffen basieren. Bekannt ist, dass Ritalin und andere dieser Medikamente zu Herzkreislaufst√∂rungen f√ľhren und den Blutdruck erh√∂hen k√∂nnen, bei Hochdruck, Herzfehlern und √ľberhaupt Herzkreislauferkrankungen sollen sie nicht gegeben werden. Es gab auch immer wieder Berichte √ľber pl√∂tzliche Tode bei Kindern, die mit den Medikamenten behandelt wurden. Die FDA fordert weitere Studien, um mehr Aussagekraft hinsichtlich der kausalen Zusammenh√§nge zu erreichen.

(Quellen: [1], [2], [3])

Mar 14

Verhaltensauff√§llige Kinder leiden als Erwachsene doppelt so wahrscheinlich an chronischen Schmerzen wie ihre Altersgenossen, wie eine Langzeitstudie der University of Aberdeen ergab, die k√ľrzlich im Fachmagazin Rheumatology ver√∂ffentlicht wurde.

Mehr als 19.000 Kinder, die 1958 geboren wurden und gr√∂√ütenteils aus England stammen, wurden f√ľr die Studie beobachtet – bis zum Alter von 16 Jahren beurteilten Lehrer die Sch√ľler im Hinblick auf m√∂gliche Signale f√ľr Schwierigkeiten wie Probleme beim Finden von Freunden, Ungehorsam, Daumenlutschen, N√§gelbei√üen, L√ľgen, das Schikanieren anderer und Schuleschw√§nzen. Im Alter von 42 Jahren f√ľllten die Teilnehmer einen Fragebogen zu psychologischen Problemen aus. Mit 45 Jahren folgte ein weiterer √ľber Schmerzen. In der Folge zeigte sich, dass Kinder mit schweren Verhaltensst√∂rungen ein doppelt so hohes Risiko aufwiesen, an chronischen Ganzk√∂rperschmerzen zu leiden, sowie f√ľr psychiatrische Probleme wie Depressionen, Angstgef√ľhle und Drogenmissbrauch.

Die Wissenschafter vermuten die Ursache in einer hormonellen Funktionsst√∂rung, und schlagen vor “bereits in einem fr√ľheren Lebensalter einzugreifen”, um so sp√§tere Probleme zu verhindern. Vorgeschlagen werden – angesichts der Finanzierungsstr√∂me des derzeitigen Wissenschaftsbetriebes nicht ganz √ľberraschend – nat√ľrlich prim√§r pharmakologische Behandlungen, immerhin erkl√§rte Gary Macfarlane, einer der Mitautoren der Studie, aber, dass Ver√§nderungen des Lebensstils sowie des sozialen Umfeldes ebenfalls helfen k√∂nnten, dieses Muster zu ver√§ndern. Dazu geh√∂rten Sport aber auch das Achten auf Signale psychologischer Notlagen und Verhaltensauff√§lligkeiten in der Kindheit.

(Quelle: Influence of childhood behaviour on the reporting of chronic widespread pain in adulthood: results from the 1958 British Birth Cohort Study)

Dec 03

Die Effekte von Bleivergiftungen bei Kindern wurden erstmals im Jahre 1892 in Brisbane, Australien beschrieben. Seit damals sind die als akzeptabel erachteten Grenzwerte von Blei im Blut drastisch gefallen. Zuletzt reduzierte das US Center for Disease Control and Prevention im Jahre 1991 den als gesundheitlich unbedenklich erachteten Wert von Blei im Blut auf 10 Mikrogramm pro Deziliter.

Eine Studie an der Universit√§t f√ľr Bristol wies nun jedoch nach, da√ü schon Bleibelastungen weit unterhalb dieses Richtwerts die geistige und emotionale Entwicklung von Kindern deutlich sch√§digen. Die Mediziner fordern aus diesem Grund, den derzeit geltenden Schwellenwert von zehn Mikrogramm pro Deziliter Blut nochmals zu halbieren.

Bei rund 500 Kindern wurden im Alter von 30 Monaten die Bleikonzentrationen im Blut gemessen. Als die Kinder sieben bis acht Jahre alt waren, pr√ľften die Wissenschafter dann ihr Lese- und Schreibverm√∂gen sowie etwaige Auff√§lligkeiten des Verhaltens. Jene Teilnehmer mit Konzentrationen zwischen f√ľnf und zehn Mikrogramm Blei pro Deziliter schnitten im Lesen und Schreiben nur halb so gut ab wie die kaum belasteten Kinder. √úberschritten die Werte die Schwelle von zehn Mikrogramm, zeigten die Kleinen zudem auff√§llig oft hyperaktives und unsoziales Verhalten. Unter einem Wert von f√ľnf Mikrogramm fanden die Forscher, die ihre Resultate im Fachblatt “Archives of Disease in Childhood” vorstellen, keine Auff√§lligkeiten.

Blei wirkt auf Kleinkinder besonders sch√§dlich, weil sie im Vergleich zu Erwachsenen wesentlich gr√∂√üere Mengen des Schwermetalls aufnehmen und im Gewebe einlagern. Obwohl Blei-Additive etwa in Farben oder Benzin seit Jahren verboten sind, ist das Schwermetall in der Umwelt weit verbreitet. In Knochen h√§lt sich Blei bis zu 30 Jahre. Die WHO sch√§tzt, dass weltweit etwa die H√§lfte der Stadtkinder unter dem Alter von f√ľnf Jahren h√∂here Bleiwerte im Blut aufweisen als zehn Mikrogramm pro Deziliter.

(Quellen: [1], [2]. Bild:SPL)

Nov 04

Trotz des gro√üen Spektrums antisozialen Verhaltens wollen nun britische Wissenschaftler der University of Cambridge herausgefunden haben, was in m√§nnlichen Jugendlichen f√ľr antisoziales Verhalten mitverantwortlich sein soll. So sollen die K√∂rper von Jugendlichen, die “schwerwiegendes antisoziales Verhalten” gezeigt haben, unter Stress weniger Kortisol aussch√ľtten als Jugendliche, die nicht wegen antisozialen Verhaltens aufgefallen sind. Die Kortisolwerte steigen normalerweise unter Stress, so die Wissenschaftler, und lassen die Menschen vorsichtiger werden, w√§hrend sie gleichzeitig ihre Emotionen, also auch die Aggressivit√§t, besser steuern k√∂nnen. Wenn es eine Verbindung zwischen Kortisolwerten und antisozialem Verhalten gebe, dann m√ľsste man dieses als Ausdruck einer mit physiologischen Symptomen verbundenen Geisteskrankheit betrachten, sagen sie. Danach h√§tte es wenig Sinn, die Jugendlichen mit [Erziehungsma√ünahmen] zu disziplinieren, man m√ľsste sie vielmehr medizinisch behandeln. Manche Menschen w√ľrden also leichter “antisozial”, ebenso wie andere zur Depression oder Angst neigen (allerdings ist hier auch umstritten, ob tats√§chlich die Beeinflussung der vermeintlichen physiologischen Symptome durch Medikamente der therapeutische K√∂nigsweg ist).

Die Wissenschaftler meinen jedenfalls, man k√∂nne “neue Behandlungsweisen f√ľr schwere Verhaltensprobleme” entwickeln, wenn man genau herausgefunden hat, warum manche Jugendlichen keine normale Stressreaktion zeigen. Das liefe dann wahrscheinlich darauf hinaus, auff√§llige Kinder und Jugendliche medikament√∂s zu behandeln, um so “das Leben der betroffenen Jugendlichen und das der Gemeinschaft, in der sie leben, zu verbessern”. Zudem k√∂nne sich der Staat vielleicht Milliarden sparen ‚Äď und, so k√∂nnte man hinzuf√ľgen, √§ndern m√ľssten sich auch die Gesellschaft und die Bedingungen nicht, unter denen die Kinder und Jugendlichen aufwachsen.

(Quellen: telepolis, University of Cambridge)

Kommentar R.L.Fellner:

Die Frage, wie man m√∂glichst fr√ľh und effektiv die Entwicklung von “antisozialem Verhalten” unterbinden kann, besch√§ftigt englische Wissenschafter schon seit Jahren. Pikanterweise werden zu diesem Verhalten aber nicht nur Kriminaltaten gez√§hlt, sondern auch verh√§ltnism√§√üig harmlose Handlungen wie etwa Graffitis, Ruhest√∂rung, das Trinken in der √Ėffentlichkeit, M√ľll-hinterlassen, P√∂beln oder der Mi√übrauch von Feuerwerken. Auch allgemein “l√§stiges Betragen” z√§hlt das Innenministerium dazu (Liste).

Aus humanistischer Sicht ist diese Entwicklung nicht nur besorgniserregend, sondern auch in h√∂chstem Ma√üe fragw√ľrdig: wer verfolgt das Interesse an “behandelbarem L√§stigsein”, wer definiert hier die Grenzziehung zu “sozial erw√ľnschtem” Verhalten und wie darf man sich dieses vorstellen? Erh√§lt zuk√ľnftig jedes “ruhest√∂rende”, “M√ľll hinterlassende” Kind seine t√§gliche Anpassungs-Pille und seinen ersten Eintrag in den Datenbanken der Krankenkassen?
Die Jugend ist entwicklungspsychologisch eine Phase der Auflehnung und Unangepasstheit – seit den Anf√§ngen der Menschheit. Konsequenter, aber in gewissem Rahmen nachsichtiger Umgang mit dem Verhalten Jugendlicher und ein multiprofessioneller Ansatz haben sich bei massiver oder dauerhafter Verhaltensauf√§lligkeit bisher gut bew√§hrt – die Ausweitung der pathologischen Grenze, wie sie englische Modell vornimmt, ist deshalb klar abzulehnen. Ein noch weitaus flaueres Magengef√ľhl w√ľrde mir als Engl√§nder allerdings der offensichtlich gesellschaftspolitisch inspirierte Trend verursachen, Widerstand, Auflehnung oder fehlende Sozialkompetenz als behandlungsbed√ľrftige Krankheit zu redefinieren und damit entsprechende Angebote der Pharmaindustrie zu provozieren, statt das entsprechende Geld in die Bek√§mpfung der “anderen” -und wohl viel relevanteren- Ursachen zu stecken: die Verbesserung der sozialen Rahmenbedingungen dieser Jugendlichen, ein besseres Sozialsystem und vor allem Visionen, die ihr kreatives Potenzial und ihre Ressourcen anregen.

Blog-Begriffswolke:
ÔĽŅ10.06.18