Jul 31

Psychiater, Psychologe oder Psychotherapeut?
Der Dschungel der Berufsbezeichnungen.

Wer Beratung sucht, persönliche Probleme oder Probleme in der Partnerschaft hat, stĂ¶ĂŸt unweigerlich auf die Frage: an wen wende ich mich da am besten? Vor 100 Jahren ging man entweder zum Priester oder einem Psychiater. Heute jedoch ist die Spezialisierung dank intensivster Forschung stark vorangeschritten und es ist sinnvoll, sich an den jeweils kompetentesten Ansprechpartner zu wenden.

Psychiater und Neurologen: sie sind ausgebildete Mediziner und spezialisiert auf die Diagnose und vorwiegend pharmakologische (medikamentöse) Behandlung schwerster psychischer Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen und Psychosen (wie Schizophrenie u.a.) sowie neurologischer Erkrankungen (Störungen des Nervensystems).
Psychologen: haben psychische Prozesse und Strukturen studiert. Klinische Psychologen sind auf Diagnostik, Beratung, psychologische Begleitung von psychisch und somatisch Kranken sowie Trainings spezialisiert. FĂŒr die AusĂŒbung von Psychotherapie ist in den meisten LĂ€ndern jedoch eine Zusatzqualifikation erforderlich.

Coaches, Berater: diese Berufsbezeichnungen sind nicht geschĂŒtzt, weshalb ein unĂŒberschaubarer Wildwuchs an Anbietern, grĂ¶ĂŸtenteils ohne qualifizierte Ausbildung, existiert. „Vor Gebrauch“ sollte man sich daher eine Meinung ĂŒber die SeriositĂ€t des Anbieters bilden.
Psychotherapeuten: fĂŒr ihr Fachgebiet, die therapeutische Behandlung psychischer Störungen und Belastungen, haben sie sich einer mehrjĂ€hrigen, sehr intensiven Ausbildung zu unterziehen. Psychotherapeutische Einsatzgebiete sind z.B. auch die Paartherapie und Sexualtherapie. Psychotherapien finden in 1-2-wöchentlichen Sitzungen von ca. 50 Minuten statt.

Bei Problemen, die nicht besonders belasten und erst kurz andauern, ist in der Regel eine Beratung ausreichend. Dauern diese bereits lĂ€nger an oder treten sie immer wieder auf, ist der Besuch eines qualifizierten Psychotherapeuten anzuraten sowie im Sinne einer langfristigen Verbesserung die Therapie zumindest einige Monate lang durchzuziehen. Bei schweren psychischen Erkrankungen sollte man einen Psychiater zwecks korrekter Diagnostik und medikamentöser StĂŒtzung konsultieren, ergĂ€nzend wird heute auch bei psychiatrischen Erkrankungen weltweit Psychotherapie stĂŒtzend und fördernd eingesetzt. Hier besteht in Thailand noch großer Nachholbedarf.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image source: cs10032.vk.me)

Jul 28

Psychotherapie – wer braucht denn sowas?!” Das drĂŒckt in etwa der Blick von manchen “gestandenen Persönlichkeiten” aus, wenn die Rede auf Psychotherapie (wie auch Psychiatrie und psychologische Beratung) kommt. Psychotherapie hat immer noch ein zweifelhaftes Image – Leute, die so etwas benötigen, mĂŒssten Versager sein, oder Menschen, die ihr Leben nicht im Griff haben.

Doch ein Blick ĂŒber den Tellerrand zeigt: in fortschrittlichen und selbstkritischen, konkurrenztĂŒchtigen Gesellschaften sind AnsĂ€tze wie Psychotherapie, Coaching oder Beratung in schwierigen Lebenslagen akzeptiert. Prominente reden offen darĂŒber, in Psychotherapien mehr ĂŒber sich gelernt zu haben, und Manager berichten darĂŒber, daß sie sich im Coaching regelmĂ€ĂŸig neue Impulse fĂŒr ihren herausfordernden Job suchen.

Möglich wird dieser Schritt dann, wenn sich jemand eingesteht, daß man sich selbst nun einmal nur sehr beschrĂ€nkt helfen und „beraten“ kann. Wir gehen an unsere eigenen Probleme immer wieder in einer ganz bestimmten Weise heran – und wenn uns diese Strategien nicht mehr weiterhelfen, kommen wir nicht mehr vom Fleck oder steuern vielleicht sogar auf eine Katastrophe zu. Beratung und Therapie verschaffen in erster Linie neutrales, unvoreingenommenes Feedback von außen – und im Idealfall findet sich da jemand, der einen tatsĂ€chlich zu neuen Perspektiven einladen kann, mit denen Herausforderungen einfacher bewĂ€ltigt werden können.
In diesem Sinne wird die Nutzung von Coaching oder Therapie zu einem Zeichen von Voraussicht und Intelligenz: hier hĂ€lt jemand sich selbst und seine Lebenszeit fĂŒr so wertvoll, um sich nicht mehr als nötig von diversen Schwierigkeiten im privaten oder beruflichen Alltag belasten lassen zu wollen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Bild-Quelle: psychotherapybrownbag.com)

ï»ż25.06.19