Oct 11
Pupillen Sexuelle Reaktionen MĂ€nner Frauen

Was unsere Pupillenreaktionen ĂŒber uns aussagen…
Image src: S. Cartwright, popsci.com

Überraschende Ergebnisse erbrachte eine Untersuchung von Pupillen-Reaktionen auf Pornographie an der University of Sydney in Australien (bereits im Jahre 2012).

Bei heterosexuellen MĂ€nnern erweiterten sich die Pupillen am meisten, wenn sie in Pornofilmen oder -bildern weibliche Darstellerinnen beim Masturbieren sahen. Bei homosexuellen MĂ€nnern erweiterten sie sich am meisten, wenn sie dabei MĂ€nner zu sehen bekamen, und bei bisexuellen MĂ€nnern mehr als bei anderen MĂ€nnern, wenn sie Darsteller beider Geschlechter sahen”, schreiben die Autoren Rieger & Savin-Williams.

Dasselbe gilt aber nicht fĂŒr Frauen. Im Durchschnitt erweiterten sich die Pupillen heterosexueller Frauen stĂ€rker beim Betrachten von Abbildungen und Videos mit mĂ€nnlichen Darstellern als von neutralen Bildern, aber sie reagierten auch stĂ€rker auf Bilder von masturbierenden Frauen im Vergleich zu heterosexuellen MĂ€nnern, die MĂ€nner beobachteten.

Die Pupillen-Reaktionen lesbischer und bisexueller Frauen Àhnelten in der Studie tendenziell jenen mÀnnlicher Reaktions-Muster.

Die Erkenntnis, dass heterosexuelle Frauen mehr als heterosexuelle MĂ€nner von beiden Geschlechtern erregt werden, könnte den Überlegungen der Autoren zufolge durch die Evolutionstheorie erklĂ€rt werden: in der FrĂŒhgeschichte der Menschheit kam es hĂ€ufig zu Gewalt, sexuellen Übergriffen und Ausschweifungen. WĂ€hrend sich dabei die körperlich ĂŒberlegenen MĂ€nner erlauben konnten, sich voll auf ihre (i.d.R. heterosexuellen) Vorlieben zu konzentrieren, mußten sich Frauen vor Verletzungen im Intimbereich schĂŒtzen – Frauen, die hier unabhĂ€ngiger von rein heterosexuellen Stimuli waren und unabhĂ€ngig davon sexuelle Erregung (z.B. Feuchtwerden des Scheideneingangs) entwickeln konnten, waren evolutionĂ€r im Vorteil. Dies deckt sich auch mit diversen theoretischen Arbeiten zu diesem Thema, die sich mit der grĂ¶ĂŸeren Offenheit von Frauen in Richtung homosexueller Kontakte beschĂ€ftigten.

(Quellen: Rieger G, Savin-Williams RC (2012) The Eyes Have It: Sex and Sexual Orientation Differences in Pupil Dilation Patterns. PLoS ONE 7(8): e40256., [PopSci])

Oct 20

Ein gefundenes Fressen fĂŒr die Medien war die kĂŒrzliche Freigabe von Flibanserin (vertrieben als “Addyi”) in den USA, ein neu entwickeltes Medikament, das die Lust von Frauen auf Sex steigern soll. Im Unterschied zu Viagra wirkt Flibanserin allerdings weniger auf körperlicher, sondern vielmehr auf neurologischer Ebene: eigentlich handelt es sich bei dem Medikament um ein Antidepressivum, das den Serotonin-Spiegel (welcher lusthemmend wirkt) absenkt, und die Konzentration der GlĂŒckshormone Dopamin und Noradrenalin anhebt (was sich libidosteigernd auswirken kann). Insofern ist auch der ‘modus operandi’ der Einnahme wie bei AD’s: die Pille muß tĂ€glich eingenommen werden, egal, ob Sex geplant ist oder nicht. Und frau muß mit Nebenwirkungen rechnen, wie sie auch bei der Einnahme von Antidepressiva auftreten können, etwa Schlafstörungen, Schwindel, Übelkeit, SchlĂ€frigkeit, Angstsymptomen. GefĂ€hrlich soll die Einnahme gar in Verbindung mit Alkoholkonsum sein – was gerade bei einem solchen Arzneimittel einigermaßen ironisch anmutet.

Zugelassen wurde das Mittel fĂŒr Frauen vor der Menopause, welche an einem Mangel an sexuellem Verlangen leiden. HiefĂŒr wurden, wohl aus Marketing-GrĂŒnden, sogar zwei neue Krankheitsbegriffe geschaffen: “Hypoactive Sexual Desire Disorder” (HSDD) und “Female Sexual Dysfunction” (FSD) und prompt Studien prĂ€sentiert, denen zufolge bis zu 25% der Frauen an dieser “Störung” leiden sollen. All dies, obwohl ja Libidomangel bereits sowohl im Diagnoseverzeichnis ICD-10 als auch dem DSM definiert ist. Laut der zulassenden FDA soll das Medikament nur verschrieben werden, wenn der Lustmangel nicht durch die aktuellen LebensumstĂ€nde bedingt ist, also z.B. durch Schwangerschaft, Stillphase, Krankheiten, Medikamenteneinnahme oder Probleme in der Partnerschaft. Man braucht jedoch kein großer Skeptiker zu sein, um zu bezweifeln, dass besonders in der USA die wenigsten Ärzte zögern werden, ihren Patientinnen Antidepressiva dieser speziellen Art zu verschreiben.

Die konkrete Wirkung des Medikaments ist fragwĂŒrdig: im Vergleich mit Placebos hatten Frauen, die Flibanserin/Addyi einnahmen, gerade einmal 1/2-1x hĂ€ufiger Sex.

Insofern wirft die Freigabe des Arzneimittels unweigerlich Fragen auf: muß denn in einer funktionierenden Partnerschaft tatsĂ€chlich ein Partner Medikamente einnehmen, nur weil beide unterschiedlich oft Lust verspĂŒren? Und wenn es denn schon sein muß, warum gerade mit einem Medikament behandeln, das offenbar nicht nur kaum wirkt, sondern auch die bescheidene Wirksamkeit mit dem Risiko signifikanter Nebenwirkungen erkauft?

TatsĂ€chlich wies nun eine neue an der MedUni Wien durchgefĂŒhrte Studie nach, dass Placebos sich als zumindest ebenso wirksam fĂŒr die sexuelle Libido der Frau erweisen wie beide aktuell verfĂŒgbaren “Behandlungsmethoden” mittels Flibanserin oder Oxytocin. Die Studienleiterin, M. Bayerle-Edereine, erklĂ€rt sich dies mit der intensiveren und offeneren Kommunikation der Paare als Begleiterscheinung der Studie, und sagt zudem: “Sexuelle Probleme sind hĂ€ufiger durch laufenden Stress verursacht als durch MĂ€ngel im weiblichen Hormonhaushalt.” Auch wenn das eine das andere nicht ausschließt, und auch hormonelle Störungen durchaus streßbedingt sein können, kann ich aus der Arbeit mit Paaren dennoch bestĂ€tigen, dass das Grundelement erfolgreicher Sexualtherapie zunĂ€chst in der Beseitigung der HĂŒrden zu einer erfĂŒllenden SexualitĂ€t besteht. Insofern sind zunĂ€chst einmal mögliche Ursachen zu erkunden und zu behandeln, statt gleich zu den erstbesten Medikamenten zu greifen, die versprechen, die Probleme auf “technische” Weise zu beseitigen.

WeiterfĂŒhrende Artikel zum Thema:
Moynihan, Ray: “The making of a disease: female sexual dysfunction“, BMJ 2003; 326:45 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.326.7379.45, 2003
Moynihan, Ray: “Merging of marketing and medical science: female sexual dysfunction“, BMJ 2010; 341:c5050 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.c5050, 2010
Dana A. Muin et al.: “Effect of long-term intranasal oxytocin on sexual dysfunction in premenopausal and postmenopausal women: a randomized trial”, in: Fertility and Sterility (2015). DOI: 10.1016/j.fertnstert.2015.06.010
Image source: http://www.yypharm.com/

Apr 10

In meiner Praxis habe ich sehr hĂ€ufig mit KlientInnen zu tun, die in irgendeiner Weise darunter leiden, nicht den geeigneten Partner oder die geeignete Partnerin zu finden. Dies hat natĂŒrlich fast immer psychische GrĂŒnde – auf die eine oder andere Weise sabotierten sie sich selbst, sie leiden an Formen sozialer Ängste oder (meiner Erfahrung nach der hĂ€ufigste Grund) an zu geringem SelbstwertgefĂŒhl.

Image source: imhomir.com

Die Probleme rund um Partnersuche, AttraktivitĂ€t und sexuelle Anziehungskraft beflĂŒgeln Forscher und KĂŒnstler schon seit Menschengedenken. Unter diesem – eher ironisch gemeinten – Blogtitel möchte ich die Ergebnisse einschlĂ€giger Studien und Forschungsergebnisse zusammenfassen – diese Sammlung wird laufend erweitert und aktualisiert.

Doch Achtung: Garantie fĂŒr PlausibilitĂ€t oder gar Erfolg ĂŒbernehme ich keine! 😉

AttraktivitÀt und Partnerwahl

  • “Attraktive Körper und Gesichter sind symmetrisch” – bei der Partnerwahl springen wir auf Ă€sthetische EindrĂŒcke an, die indizieren, dass es um die Gesundheit und Fitness, also auch um ReproduktionsfĂ€higkeit, gut bestellt ist (Quelle)
  • Menschen mit symmetrischem Körperbau kommen beim Tanzen besser an und haben bei der Partnerwahl die Nase vorn.” (Quelle)
  • Frauen ohne Idealmaße sind stĂ€rker, robuster und krisenresistenter” – im Westen gelten Frauen mit einer grĂ¶ĂŸeren Waist-Hip-Ratio (Taille-HĂŒft-VerhĂ€ltnis) als 0,7 als weniger attraktiv als in anderen Weltregionen, sind fĂŒr Krisenzeiten aber besser gerĂŒstet (Quellen: [1],[2],[3])
  • Östrogen macht Frauengesichter attraktiver.” – wĂ€hrend der fruchtbaren Tage wirken die Gesichter von Frauen offenbar attraktiver (Link)
  • Testosteron macht MĂ€nnergesichter attraktiver.” – hohe Testosteronwerte in Kombination mit wenig Stresshormonen stĂ€rken die AbwehrkrĂ€fte und lassen das Gesicht eines Mannes in den Augen von Frauen attraktiv erscheinen (Link zu Markus J. Rantala et.al., “Evidence for the stress-linked immunocompetence handicap hypothesis in humans”)
  • Frauen werden eher gewĂ€hlt, wenn sie schön sind, MĂ€nner eher, wenn sie dominant wirken“- dies bezieht sich auf politische Wahlen ..aber vielleicht nicht nur, wenn man die weiter unten angefĂŒhrten Forschungsergebnisse liest (Quelle)
  • Schönheit verunsichert.” – dies, und daß es attraktive Frauen und MĂ€nner bei der Partnersuche schwerer haben als durchschnittlich attraktive Personen, wĂ€re eine mögliche Schlußfolgerung aus dem sog. “Gehwegexperiment” von James Dubbs u. Neil Stokes (“Beauty is Power: The Use of Space on the Sidewalk”, 1975): auf einem Gehweg Ă€nderten FußgĂ€nger ihre Gehrichtung, um mehr von MĂ€nnern als Frauen auszuweichen, mehr von 2 als von 1 Person, und weiter von einer hĂŒbschen als von einer unattraktiven Frau. Ihre Theorie war, daß AttraktivitĂ€t, GruppengrĂ¶ĂŸe und Geschlecht Aspekte von Macht sind, die territorialen Anspruch und damit das genannte Ausweichverhalten begrĂŒndeten (Quelle).
  • Von der AttraktivitĂ€t der Kleidung wird auf andere AttraktivitĂ€ts-Attribute geschlossen.” – attraktiv gekleidete Testpersonen wurden kompetenter und sozialer eingeschĂ€tzt als nicht attraktiv gekleidete, und, wie die Forscher vermuteten, wohl auch als physisch attraktiver (Quelle).
  • Große MĂ€nner kommen sexuell und sozial besser weg.” – MĂ€nner haben mit starken, attraktiven und reichen Konkurrenten ihre grĂ¶ĂŸten Schwierigkeiten, mit zunehmender KörpergrĂ¶ĂŸe scheint die Beeindruckung von Konkurrenten abzunehmen. Kleine MĂ€nner sind tendenziell am eifersĂŒchtigsten. Bei Frauen hingegen sind die kleinen und die großen eifersĂŒchtiger als die durchschnittlich großen. Allerdings werden die durchschnittlich großen Frauen am ehesten von großen und sozial dominanten Konkurrentinnen beeindruckt (Link)
  • Frauen ziehen Ă€ltere MĂ€nner und diese jĂŒngere Frauen vor.” – Eine ErklĂ€rungsmöglichkeit fĂŒr die biologischen Ursachen dieses PhĂ€nomens lieferte eine Studie, die herausfand, daß  Frauen mit einem vier Jahre Ă€lteren Partner und MĂ€nner mit einer sechs Jahre jĂŒngeren Partnerin den grĂ¶ĂŸten Reproduktionserfolg haben (Quelle)
  • Der Mensch verlor vielleicht seine Körperbehaarung, da dies sexy auf das andere Geschlecht wirkte.” – eine Hoffnung fĂŒr GlatzentrĂ€ger? (Quelle)
  • Ergebnisse einer ökonometrischen Analyse von Online-Dating-Verhalten: MĂ€nner, die angaben, sie seien auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung, schnitten sehr viel besser ab als jene, die lediglich auf eine AffĂ€re aus waren. FĂŒr MĂ€nner ist das Aussehen der Frauen von herausragender Bedeutung, fĂŒr Frauen das Einkommen eines Mannes von grĂ¶ĂŸter Wichtigkeit: je reicher der Mann ist, desto mehr Mails erhĂ€lt er. Die AttraktivitĂ€t einer Frau wĂ€chst fĂŒr MĂ€nner zwar auch mit dem Einkommen, aber nur bis zu einer bestimmten Höhe. [..] MĂ€nner fĂŒhlen sich angezogen von Studentinnen, KĂŒnstlerinnen, Musikerinnen, TierĂ€rztinnen, und BerĂŒhmtheiten, sie meiden SekretĂ€rinnen, Rentnerinnen sowie Frauen, die beim MilitĂ€r oder der Polizei arbeiten. Frauen bevorzugen Soldaten, Polizisten und FeuerwehrmĂ€nner, außerdem RechtsanwĂ€lte und Finanzexperten in leitender Position. Frauen meiden Arbeiter, Schauspieler, Studenten [..]. Die Analyse der Daten von etwa 30.000 Nutzern ergab weiterhin, dass MĂ€nner vor allem erhebliche Nachteile haben, wenn sie klein sind. FĂŒr Frauen hingegen ist Übergewicht tödlich. Deswegen wird in diesen Bereichen offenbar hĂ€ufig auch etwas nachgeholfen: der interessierte Online-Dater ist z.B. etwas grĂ¶ĂŸer als der Durchschnittsmann und die typische Online-Daterin 10 kg leichter als ihre reale Kollegin. Im Buch “Freakonomics“, in dem die Ergebnisse komplett nachzulesen sind, beschrieben die Autoren ihre durch mathematische Methoden gewonnenen Erkenntnisse so: “In der Welt des Online-Dating ist ein Kopf voller blonder Haare fĂŒr eine Frau ungefĂ€hr so viel wert wie ein College-Abschluss.
  • In Partnerbörsen, speziell solchen in Dating-Apps, waren als Ersteindruck Fotos, die eine offene, gestreckte Körperposition zeigten, am erfolgreichsten – und zwar sowohl bei MĂ€nnern als auch bei Frauen (Quelle).
  • “”Fiese” MĂ€nner bekommen die meisten und schönsten Frauen ab” – in den meisten einschlĂ€gigen Studien zu diesem Thema wiesen die betreffenden MĂ€nner eine (auch unterschiedlich ausgeprĂ€gte) Kombination aus Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus auf (Quellen: [1], [2], [3])
  • MĂ€nner sollten nicht “hingerissen” wirken: Ungewissheit ĂŒber die GefĂŒhle des GegenĂŒbers erhöht dessen AttraktivitĂ€t (Quelle: E. Whitchurch et.al in: “Uncertainty Can Increase Romantic Attraction”, Psychological Science, 01/2011).


SexualitÀt

  • “Schon die bloße Anwesenheit einer Frau erhöht den Testosteronspiegel” – unabhĂ€ngig vom Aussehen einer im gleichen Raum befindlichen Frau steigt der Testosteronspiegel von MĂ€nnern innerhalb von 300 Sekunden um 8% an ([1],[2])
  • Die HĂ€ufigkeit weiblicher Orgasmen steigt mit dem Einkommen ihrer Partner” – Sex mit wohlhabenden oder mĂ€chtigen MĂ€nnern wird von Frauen womöglich als besser erlebt, weil sie sich damit einen Zugang zu Reichtum und Macht verschaffen und diesen erhalten wollen (Quellen: [1], [2], [3])
    Nachtrag 04/2010: Hierzu existiert allerdings nun eine andere Ergebnisse zeigende Gegenstudie.
  • Je attraktiver sich Frauen finden, desto höhere AnsprĂŒche stellen sie an ihren Sexualpartner” – bei MĂ€nnern gibt es diese Korrelation nicht, was heißen könnte, daß sie weniger wĂ€hlerisch oder auch weniger geneigt sind, dauerhafte Beziehungen zur Reproduktion einzugehen (Quellen: [1], [2])
  • (indirekter) “Zusammenhang zwischen Stimme und sexueller AktivitĂ€t” – Probanden mit als attraktiv empfundener Stimme hatten an ihren beiden HĂ€nden ungefĂ€hr gleich lange Finger (Hinweis auf Zusammenhang mit AttraktivitĂ€t durch Symmetrie, siehe oben), eher in jĂŒngerem Alter Geschlechtsverkehr, mehr Sexualpartner und mehr außerpartnerschaftliche AffĂ€ren (Quellen: [1], [2])
  • Frauen reagieren unterschiedlich auf mĂ€nnlichen Schweißgeruch.” – ihr Hirn kann normalen von unter sexueller Erregung entstandenen Schweißgeruch von MĂ€nnern unterscheiden (Quelle)
  • FrauentrĂ€nen wirken “abtörnend” auf MĂ€nner, sie reduzieren den Testosteronspiegel. Quelle: Shani Gelstein et.al, “Human tears contain a chemosignal” in: Science 01/2011, DOI: 10.1126/science.1198331)
  • ZĂ€hlt “die GrĂ¶ĂŸe”? Ja.” – Befragungen, denen zufolge die PenisgrĂ¶ĂŸe fĂŒr Frauen keine Rolle spiele, waren angeblich hĂ€ufig “zu direkt”; beurteilen Frauen dagegen ohne Wissen um den eigentlichen Inhalt der Befragung Computer-generierte Gestalten, bei denen sich u.a. die PenisgrĂ¶ĂŸen unterscheiden, werden jene mit grĂ¶ĂŸerem Penis als mehr attraktiv eingestuft (Quellen: [1], [2])

Familie / Kinder / FertilitÀt (Fruchtbarkeit)

  • Korrelation zwischen Wohlstand und Reproduktionserfolg“: bei reichen britischen MĂ€nnern wurde in einer Studie höherer Reproduktionserfolg nachgewiesen, bei Frauen sinkt mit zunehmender Bildung und zunehmenden Einkommen die Zahl der Kinder (Quelle)

Dieser Artikel wird laufend erweitert und mit neuen Forschungsergebnissen ergÀnzt (Erstveröffentlichung: 01/2009; zuletzt aktualisiert: 04/2016)

Weiterer Artikel zum Thema “Partnersuche”:
Partnersuche – wie der Ausbruch aus dem Teufelskreis gelingen kann

Nov 05

Sexuelle Lustlosigkeit belasted zumeist beide Beziehungspartner stark. (photo source: doesitreallywork.org)

“Sind Sexualprobleme bei Frauen eher psychischer oder körperlicher Natur? Welche Faktoren spielen da mit?”

Man ist in diesem Bereich auf SchĂ€tzungen angewiesen, da zu diesem Thema sehr unterschiedliche Studien existieren. Manche Studien behaupten bis zu 80% körperliche (i.d.R. stoffwechselbedingte / hormonelle) Ursachen, andere vermuten mehr als 70% psychische GrĂŒnde fĂŒr sexuelle Lustlosigkeit bei Frauen. Das Problem fĂŒr die Betroffenen: sie können sich gewissermassen “aussuchen”, welchen Theorien sie Glauben schenken und sind am Ende so schlau wie zuvor… Seriöse Ärzte oder Therapeuten werden deshalb – letztlich auch, beide AnsĂ€tze respektierend – beide ErklĂ€rungsmodelle prĂŒfen.

Besonders im Fall lang anhaltender und emotional unerklĂ€rlicher sexueller Lustlosigkeit ist somit zunĂ€chst eine Ă€rztliche AbklĂ€rung empfehlenswert, um körperliche Ursachen wie etwa Störungen des Hormonspiegels, Stoffwechselerkrankungen u.dgl. auszuschliessen. Werden dabei keine eindeutigen Hinweise gefunden, dĂŒrften zumindest psychische Mit-Ursachen vorliegen – von denen aber gibt es viele, die in Frage kommen. Bei Frauen unterscheiden sich diese meinen Erfahrungen in der Sexualberatung zufolge ĂŒbrigens bemerkenswerterweise gar nicht so sehr von jenen, die auch bei MĂ€nnern zu sexuellen Problemen fĂŒhren können: etwa Probleme in der Partnerschaft, sexueller Leistungsdruck oder Depression, um nur einige davon zu nennen.

“Was gibt es fĂŒr Therapiemöglichkeiten – psychologisch und medikamentös?”

Wenn eindeutige physiologische Ursachen gefunden werden, ist eine medikamentöse Therapie sinnvoll, etwa die Einnahme von Testosteron bei hormonell bedingtem Libidoverlust. Viele Frauen sind zunĂ€chst ĂŒberrascht, wenn sie dies hören, da Testosteron bekanntlich doch ein “mĂ€nnliches” Sexualhormon ist. TatsĂ€chlich aber wird es auch in den weiblichen Eierstöcken produziert, wenn auch in weitaus geringeren Mengen als es in den mĂ€nnlichen Sexualorganen geschieht. Testosteron ist damit sozusagen ein “gender-neutrales” Hormon 😉 , das bei beiden Geschlechtern eine wichtige Rolle fĂŒr den Sexualtrieb und sexuelle Lust, aber auch wie bei den MĂ€nnern fĂŒr Knochendichte und Muskelbildung spielt. Wichtig ist es mir allerdings, darauf hinzuweisen, dass kĂŒnstliche Testosteron-Gaben speziell in höherem Alter indiziert sind, also dann, wenn die körpereigene Testosteron-Produktion abnimmt. Bis zu den weiblichen Wechseljahren sollten Testosteron-Behandlungen nur in AusnahmefĂ€llen erfolgen – denn speziell bei Frauen sind die Langzeitfolgen solcher Gaben noch nicht gut erforscht, bei MĂ€nnern haben sie sich als risikoreich (etwa durch ein deutlich gesteigertes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken) erwiesen.

Die “Falle”, aber auch die Chance liegt in der BerĂŒcksichtigung der psychischen Komponenten, die ihrerseits ebenfalls die Produktion der Sexualhormone beeinflussen: diese Produktion lĂ€ĂŸt nach, wenn es uns schlecht geht, und sie nimmt zu, wenn wir glĂŒcklich sind und Lust auf unseren Partner haben. Es gibt eine enge Wechselwirkung zwischen unserem Hormonhaushalt, unserem psychischen Wohlbefinden und der sexuellen Lust. So wĂŒrde ich Betroffenen, die an sexueller Lustlosigkeit leiden, als ersten Schritt “daheim” empfehlen, sich zu fragen, ob sie in ihrer Partnerschaft glĂŒcklich sind und aktuell einen entspannten Zugang zur SexualitĂ€t haben.
Wenn dies nicht der Fall ist oder auch keine klaren körperlichen Ursachen identifiziert werden können, wĂ€re es im Sinne sexueller Zufriedenheit empfehlenswert, sexualtherapeutische Beratung einzuholen. HĂ€ufig gelingt es meiner Erfahrung nach recht rasch, zumindest den Ursachen der “gebremsten Lust” auf die Spur zu kommen. Wie diese dann zu aufzulösen sind, ist natĂŒrlich von Person zu Person (und mitunter von Paar zu Paar) sehr unterschiedlich.

(Interview mit A. Iiosa / “Die Presse”, Nov 2012)

Sep 06

Nun befasste sich mein letzter Blog-Artikel mit Fragen der “Gleichberechtigung” zwischen MĂ€nnern und Frauen, diesmal scheint es ein kritischer Artikel zur Gender-Forschung zu werden: spĂ€testens jetzt werden sich die ersten kritischen Leser/innen fragen: ist der Fellner etwa ein Frauenfeind?

Weit gefehlt, ganz ehrlich!

Source: tiaraandglasses By: Lego

Und doch war mir die Gender-Forschung immer schon einigermaßen suspekt: die meisten Argumente heutiger Feministinnen fand ich zumeist weder besonders fundiert, noch deckten sie sich mit meiner eigenen Erfahrungswelt. Doch der Konstruktivist in mir ist ein duldsamer Gesell und kann gut mit der Idee leben, dass meine eigene Erfahrungswelt ja auch keinen Beweis dafĂŒr darstellen muss, dass die Theorien der Gender-Forscherinnen und Feministinnen unberechtigt seien – oder nicht zumindest fĂŒr bestimmte Gesellschaftsgruppen relevant wĂ€ren. Zudem gibt es speziell in den von Frauen dominierten Sozialwissenschaften etwas, das man sich als Mann so gar nicht leisten kann: das Grundaxiom der Geschlechter”gleichheit” (hĂ€ufig auch jenes eines immer noch existierenden Chancenungleichgewichts zu Ungunsten westlicher Frauen) in Frage zu stellen.

Nun ist einer, der es sich offenbar leisten kann, nĂ€mlich der norwegische Komiker (!) aber auch Soziologe Harald Eia, einer dieser merkwĂŒrdigen Unstimmigkeiten, die sich wie rote FĂ€den durch die speziell in den westlichen OECD-Staaten bereits langjĂ€hrig sogar aus Steuergeldern geförderten Gender-Studien ziehen, mal ganz genau nachgegangen: nĂ€mlich der, dass in einem Land wie Norwegen – dem sogar die UN zuschreibt, seit Jahren weltweit zu den Vorzeigestaaten hinsichtlich des “Gender-Gap” zu gehören (also nahezu identische berufliche und bildungsmĂ€ĂŸige Startpositionen fĂŒr Frauen und MĂ€nner zu ermöglichen) – auch heute noch anteilsmĂ€ĂŸig nahezu gleich viele Frauen klassische Frauenberufe ergreifen, und MĂ€nner in klassischen MĂ€nnerberufen zu finden sind … obwohl doch nach all den fĂŒr Gleichstellungs- und Förderungsmaßnahmen investierten Milliarden eigentlich das exakte Gegenteil oder doch zumindest kleine “positive” (= mehr Bauarbeiterinnen, MĂŒllentsorgerinnen, aber natĂŒrlich auch Ingenieurinnen) VerĂ€nderungen zu erwarten sein sollten?

Das Beklemmende ist vielmehr, dass offenbar sogar ein gegenteiliger Effekt auszumachen ist: der Anteil an Ingenieurinnen und Computerfachfrauen ist in den westlichen, “gender-bewußten” Industriestaaten anteilsmĂ€ĂŸig sogar geringer als in den meisten anderen. Wie das möglich ist, soll Ihnen jedoch am besten Herr Eia selbst erklĂ€ren – seine aus einer mehrteiligen Serie zusammengefasste Kurzdoku (38 Minuten, norwegischer OT mit englischen Untertiteln) ist wirklich sehenswert und informiert Sie nebenbei ĂŒber einige interessante Details aus der aktuellen Humanforschung. Ihre Ausstrahlung im staatlichen TV im Jahre 2011 war ĂŒbrigens wesentlich an der Entstehung einer intensiven und kritischen öffentlichen Diskussion in Norwegen beteiligt, deren vorlĂ€ufiger Höhepunkt eine Schließung des “Nordic Gender Institutes” und die Beendigung der “Wissenschaft” der sog. “Gender Studies” darstellte. Die fĂŒr Gender-Studies budgetierten Mittel von 56 Millionen Euro (!) wurden vom Parlament nicht bewilligt und konnten fĂŒr andere gesellschaftliche Projekte eingesetzt werden.

Was mir persönlich bei der Kurz-Doku ein wenig kalte Schauer ĂŒber den RĂŒcken laufen ließ, war die “Esoterik”-Ă€hnliche Argumentation der fĂŒhrenden norwegischen Gender-“WissenschafterInnen” wĂ€hrend der Interviews, die beklemmend an die ideologische Einbunkerungs-Taktik so mancher Vertreter von Großreligionen und Sekten erinnerte. Mit wissenschaftlicher Evidenz und professionell, z.T. weltweit durchgefĂŒhrten Großstudien konfrontiert, wurden mit leerem Blick ideologische Positionen schlicht weiter wiederholt.

Es mag gut sein, dass damit in der “Century of Declines” auch der Feminismus bzw. die Gender-“Wissenschaften” bereits ihren “peak point” (Höhepunkt) ĂŒberschritten haben. Wohlgemerkt : beide waren von enormer gesellschaftlicher Bedeutung, und niemand, der aus dieser Epoche etwas gelernt hat, wird ausser Frage stellen, wie wichtig die Befreiung der Frau aus ihrem einstmals engen sozialen und familiĂ€ren Korsett war, oder welche Verantwortung wir als Eltern tragen, wenn es darum geht, unseren Kindern (oder als VerantwortungstrĂ€ger in Firmen: den Mitarbeiter/Innen) gleiche Entwicklungs- und berufliche Chancen zu ermöglichen. Ebenso scheint weitere Forschung in der Medizin und Psychologie nicht nur als sinnvoll, sondern im Sinne einer Steigerung der Behandlungseffizienz auch notwendig zu sein.
Hinterfragen könnten wir allerdings die Sinnhaftigkeit und Berechtigung etwa von Pflichtquoten oder die neuerliche Bevorteiligung eines biologischen Geschlechts, diesmal ganz gezielt und aus rein ideologischen Motiven.
Irgendwann sind im Verlauf gesellschaftlicher Befreiungsbewegungen wichtige Entwicklungsschritte getan, Lektionen gelernt, legislative Änderungen vollzogen – “gesunde” Staaten sollten dann daraus die Konsequenzen ziehen, so manches faktisch obsolet gewordene Institut zusperren und die freiwerdenden finanziellen Mittel anderen wichtigen sozialen Projekten zufließen lassen. Und von denen gibt es ja gerade in Zeiten der europĂ€ischen Depression immer mehr.

Ach ja, und der nĂ€chste Artikel ist, das kann ich schon jetzt versprechen, wieder einem ganz anderen Thema gewidmet. 😉

WeiterfĂŒhrende Links: https://en.wikipedia.org/wiki/Global_Gender_Gap_Report
Do Women Earn Less Than Men? (Video, Prof. Steven Horwitz)

Aug 15

Bald wieder im Trend?
(Bildquelle: ohfercute.blogspot.co.at)

Vor wenigen Tagen erreichte mich die Interview-Anfrage einer Tageszeitung, die einen bereits in mehreren westlichen LÀndern durch Meinungsforschungsinstitute ausgemachten möglichen Gegentrend zu klassischen feministischen Rollenidealen thematisiert. In der Folge ein Auszug aus diesem Interview.

“Eine brandneue Studie des Marktforschungsinstituts „Spectra“ liesse sich so interpretieren, dass MĂ€nner und Frauen wieder vermehrt die alten Rollenbilder (Frau zu Hause bei den Kindern, Mann arbeitet) leben und sich dafĂŒr aussprechen (beispielsweise meinen 56 Prozent, „dass der Beruf der Hausfrau genauso erfĂŒllend wie jede andere berufliche TĂ€tigkeit auch“ ist und 54 Prozent, dass sie es „im Grunde richtig finden, dass sich die Frauen um den Haushalt und die Kinder kĂŒmmern, und die MĂ€nner das Geld verdienen”).

Bemerken Sie als Paartherapeut – zumindest ansatzweise – einen Ă€hnlichen Trend in diese Richtung?

“Ich kann diesen Trend aus dem “Mikrokosmos” meiner Praxis nicht bestĂ€tigen, was aber nicht unbedingt heisst, dass er nicht existiert: denn VerĂ€nderungen im Wertesystem manifestieren sich mitunter erst Jahre spĂ€ter in konkreten Beziehungskrisen.”

Wenden sich vielleicht auch Paare an Sie, die Probleme damit haben,  dass die Frau zu Hause bei den Kindern bleiben möchte, der Mann aber  wĂŒnscht, dass sie etwas zum Haushaltsbudget beisteuert?

“Also, dass MĂ€nner von Frauen fordern, Geld zu verdienen statt die Kinder zu betreuen, hĂ€tte ich wĂ€hrend all meiner Berufsjahre noch nicht erlebt. 😉

TatsĂ€chlich sind Konflikte um dieses Thema hĂ€ufig in ernsthaften finanziellen Nöten der Familien begrĂŒndet. Die Versorgung der Kinder ist nĂ€mlich gerade in Zeiten erhöhten wirtschaftlichen Drucks keineswegs immer nur eine Frage von “Lifestyle” oder Rollenidealen, sondern ganz hĂ€ufig geht es schlicht um die Frage: welche Art der Kinderbetreuung erlaubt uns finanziell grĂ¶ĂŸere SpielrĂ€ume? Das gilt ganz besonders auch fĂŒr die Betreuung durch die VĂ€ter.”

Könnte es auch sein, dass wieder mehr MÀnner Probleme mit der Emanzipation der Frauen haben?
Gibt es hier altersspezifische Unterschiede:  Ältere MĂ€nner wollen Emanzipation weniger wahrhaben – oder gibt es das auch bei JĂŒngeren?
Hadern Partnerinnen tendenziell damit, zu wenig unabhÀngig zu sein, oder ist es auch umgekehrt: sehnen sie sich nach mehr *Geborgenheit* und *Familienleben*?

“Ich zweifle zunehmend, dass Verallgemeinerungen wie diese heute noch adĂ€quat sind – wenn sie das ĂŒberhaupt jemals waren.

Abseits von idealistischen gesellschaftlichen Grundsatzdiskussionen stellt sich auf individueller und ganz persönlicher Ebene ja immer die Frage: wie fĂŒhle ich mich am wohlsten?

Da haben wĂ€hrend der letzten 40 Jahre Frauen wie auch MĂ€nner, was die Rollenaufteilung in Partnerschaften und Familien betrifft, viele neue Modelle – teils mit großem Mut – ausprobiert. Doch ein erheblicher Anteil jener Frauen, die sich voll und ganz der eigenen Karriere verschreiben, leidet irgendwann an Überlastung oder Sinnkrisen, speziell dann, wenn den KarriereplĂ€nen Partnerschaften oder KinderwĂŒnsche zum Opfer fielen. Was wir momentan zu erleben scheinen, ist insofern vielleicht eine natĂŒrliche “Gegen-Pendelbewegung” zu all den teils schwierig zu erfĂŒllenden impliziten Forderungen des Feminismus an die Frauen selbst. Diese suchen nun innerhalb der errungenen FreirĂ€ume nach besserer persönlicher Balance. Vielleicht ist es also gar nicht RĂŒckschritt, sondern vielmehr Normalisierung?

Dass Frauen heute die Möglichkeit haben, so gut wie jeden Beruf zu ergreifen und darin auch Karriere zu machen, impliziert keineswegs, dass dies fĂŒr alle auch ein Lebensziel darstellt. Freiheit bedeut auch, Optionen zu haben – und zwar in alle Richtungen. Es wĂ€re tragisch, wenn nun Feministinnen die (heute im Unterschied zu frĂŒher in der Regel frei gewĂ€hlten) LebensentwĂŒrfe anderer Frauen als minderwertig diskriminieren und sie von Neuem in ideologische Korsette zwĂ€ngen wĂŒrden.”

Wie ist der Trend generell: Steigt die Bereitschaft der Paare, Hilfe von einem Therapeuten zu suchen?

“Ich habe tatsĂ€chlich das GefĂŒhl, dass dies so ist, und das freut mich als lösungsorientierter Therapeut natĂŒrlich sehr. FrĂŒher musste ich zu Paaren hĂ€ufig sagen: “schade, dass Sie nicht bereits frĂŒher kamen!”, heute oft “schön, dass Sie zu einem so frĂŒhen Zeitpunkt Beratung einholen!” Viele Paare anerkennen heute, dass selbst dann, wenn sie selbst nicht mehr weiter wissen, eine neutrale, einschlĂ€gig geschulte Fachperson i.d.R. mehr Möglichkeiten hat, destruktive Kommunikationsmuster zu erkennen und dabei zu unterstĂŒtzen, diese effektiv zu ĂŒberwinden.”

(Wiener Blatt, 08/2012)

Mar 08

Frauen empfanden positive GefĂŒhle, wenn sie die EnttĂ€uschung ihrer Partner wahrnahmen, da dies fĂŒr sie sein “Engagement” und seine “Investition" in die gemeinsame Zeit ausdrĂŒckte. Photo Credit: ALAMY, Telegraph

Eine von der Harvard Medical School durchgefĂŒhrte Studie ergab, dass sich Ehefrauen oder Freundinnen freuen, wenn ihre Partner Emotionen zeigen, da sie dies als Zeichen einer gesunden Beziehung interpretieren. Weiters zeigte die Studie, dass die Frauen sich besser fĂŒhlten, wenn sie zuvor verĂ€rgert waren, ihr Mann dies aber deutlich wahrnahm. Die MĂ€nner jedoch fĂŒhlten sich dadurch nicht besser.

Die grĂ¶ĂŸte Freude empfanden Frauen jedoch, wenn ihr Partner deutlich Unzufriedenheit oder Ärger zeigte, da es fĂŒr sie sein starkes “Engagement” oder “Investment” in ihre gemeinsame Zeit ausdrĂŒckte.

Dr. S. Cohen, Leiter der im Journal of Family veröffentlichten Studie, sagte in einem Interview: “FĂŒr Frauen drĂŒckt der Ärger ihres Partners offenbar emotionales Engagement in die Beziehung aus, auch in schwierigen Zeiten. Dies steht im Einklang mit dem, was ĂŒber die Unzufrieden heit bekannt ist, die Frauen hĂ€ufig erleben, wenn sich ihre mĂ€nnlichen Partner emotional zurĂŒckziehen und und Konflikten ausweichen.

Basis der von der American Psychological Association veröffentlichten Studie waren sehr unterschiedlich gewĂ€hlte, 156 heterosexuelle Paare. Mehr als 100 der jĂŒngeren, stĂ€dtischen Paare, lebten in einer exklusiven, aber nicht unbedingt verheirateten Partnerschaft. Bei den meisten anderen Paare existierten z.T. große Unterschiede in der Art, in der sie Konflikte lösen und Emotionen ausdrĂŒcken, die ĂŒbrigen Teilnehmer waren Ă€lter, stammten aus der Mittelschicht und waren verheiratet. Insgesamt waren 71 Prozent der Befragten weiß, 56 Prozent verheiratet, und die durchschnittliche Dauer ihrer Beziehungen war 3,5 Jahre.

WĂ€hrend der Studie wurde jeder Teilnehmer gebeten, einen wĂ€hrend der letzten 2 Monate stattgefundenen Vorfall mit dem Partner zu beschreiben, der als frustrierend, enttĂ€uschend oder Ă€rgerlich erlebt wurde. Die Forscher nahmen die Teilnehmer bei einer kurzen Zusammenfassung des Vorfalls auf, und brachten das Paar anschließend zusammen, um die Aufnahmen beiden vorzuspielen. Mit der BegrĂŒndung, sie könnten danach wahrscheinlich das Geschehene besser verstehen, sollte von ihnen danach der Vorfall danach nochmals besprochen werden, was ebenfalls aufgenommen wurde. Diese Videoaufnahme wurde ihnen dann ebenfalls gezeigt, wĂ€hrend ihre negativen und positiven Reaktionen mit Hilfe eines elektronischen GerĂ€tes bewertet wurden.
SpĂ€ter wurden sechs 30-Sekunden-Clips zu den emotionalsten der stattgefundenen Diskussionen dann den Teilnehmern, die zuvor Fragebögen ĂŒber ihre GefĂŒhle ausgefĂŒllt hatten, die Aufnahmen dargestellt. Die allgemeine Zufriedenheit mit der Beziehung wurde gemessen, und ob die Befragten ihre Partner als einfĂŒhlsam empfanden.

Das Ergebnis: “Insgesamt deuten die Ergebnisse dieser Studie darauf hin, dass MĂ€nner offenbar zufriedener in ihren Beziehungen sind, wenn sie die positiven Emotionen ihrer Partner genau “ablesen” können, wĂ€hrend die Zufriedenheit von Frauen in ihren Beziehungen dann steigt, wenn sie bei ihren Partnern negative GefĂŒhle ablesen können.” Weiters interessant: “Die Zufriedenheit der Frauen war stĂ€rker von ihrer Wahrnehmung abhĂ€ngig, dass ihre Partner ihre negativen Emotionen zu verstehen suchten, als von der tatsĂ€chlichen Genauigkeit, mit der die MĂ€nner diese Emotionen ablesen konnten.”

(Quellen: Telegraph 03/2012, APA)

Oct 09

Die Partnersuche gehört fĂŒr viele Menschen zu den schwierigsten und nicht selten auch frustrierendsten Herausforderungen im Lebensverlauf. Tausende BĂŒcher und Websites widmen sich folglich diesem Thema, und ebenso viele Partnervermittlungsagenturen und Internet-Singlebörsen suchen nach immer neuen Wegen, MĂ€nner und Frauen dabei zu unterstĂŒtzen, die richtige Partnerin oder den richtigen Partner zu finden.

Doch was macht diese Suche zu einem solch schwierigen Unterfangen, an dem selbst hochintelligente Menschen immer wieder scheitern? Im Zuge meiner UnterstĂŒtzung zahlreicher Klienten bei ihrer Partnersuche zeigten sich hĂ€ufig folgende Grundprobleme:

Das GefĂŒhl, man/frau mĂŒsse allein aufgrund ihres “Wertes” geliebt werden

Gerade leistungsorientierte Menschen erleben wĂ€hrend ihrer Ausbildungszeit, dass ihnen harte Arbeit auch Erfolg bringt (und intelligente Menschen, dass sie sich dafĂŒr womöglich nicht einmal besonders anzustrengen brauchen). Erfolge bringen uns Anerkennung, Respekt und positive VerstĂ€rkung. Doch die Annahme, dass dies wohl auch beim Kennenlernen gilt, dĂŒrfte sich hĂ€ufig als Trugschluss herausstellen: denn bei den ersten Dates geht es so gut wie ausschließlich darum, wie sich der andere fĂŒhlt. Man kann einen potenziellen Partner nicht fĂŒr sich “gewinnen”, sondern in gewissem Sinne geht es darum, sich von ihm “entdecken” zu lassen – wobei jedoch weniger leistungsbezogene Attribute zĂ€hlen (wie auch wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder belegen), sondern vielmehr emotionale Attribute wie das Erzeugen einer positiven, ja spielerischen AtmosphĂ€re, ein kommunikatives Eintauchen-können in die Welt des anderen und das Vermitteln eines GefĂŒhls, dass der andere Bedeutung fĂŒr einen hat. Eine Bedeutung, fĂŒr die man auch etwas zu tun bereit ist – ohne jedoch “bedĂŒrftig” zu wirken. Dies sind jedoch FĂ€higkeiten, die man in der UniversitĂ€t, wenn ĂŒberhaupt, dann eher wĂ€hrend der Pausen als den Vorlesungen erwerben kann…

Conclusio: vergiß’ das, was du kannst oder darstellst. Verschaffe dem anderen eine gute Zeit, und er/sie wird sich daran erinnern – und mit ein bißchen GlĂŒck mehr davon wollen.

Mangel an Erfahrung

Den vorigen Gedanken aufgegriffen, sind wir bereits bei einem weiteren hĂ€ufigen Grund fĂŒr langfristige Partnerlosigkeit: Zeit, die man fĂŒr das Studium, die Arbeit, im Fitness-Studio oder vor dem Fernseher verbringt, ist auch Zeit, die einem fĂŒr wichtige andere Dinge abgeht – etwa das Kennenlernen potenzieller Partner. UngĂŒnstigerweise fĂŒhren EnttĂ€uschungen bei der Partnersuche aber bei vielen Menschen dazu, sich nur noch stĂ€rker in ihre Arbeit, den Computer oder ihren Sport zu vertiefen. Deshalb steht bedauerlicherweise sogar eine sehr hohe Zahl von Menschen, die sich bereits in ihrer Lebensmitte befinden, hinsichtlich ihres Beziehungslebens noch ganz am Anfang – trotz oder gerade wegen großen beruflichen Erfolgs oder höchst aktiver Freizeitgestaltung.

Entfremdung von der IdentitÀt als Mann oder Frau

Gerade arbeitsbezogene und intelligente Menschen haben hĂ€ufig noch mit einem zusĂ€tzlichen Problem zu kĂ€mpfen: ihr Selbstbild als erfolgreiche und intelligente Person, die sich vor allem mit ihren mentalen FĂ€higkeiten im Leben durchsetzen kann, fĂŒhrt zu einem eher ungeeigneten Auftreten bei der Partnersuche, bei der völlig andere PrioritĂ€ten gelten. Viele dieser Menschen legen zu wenig Wert auf ihr Ă€ußeres Erscheinungsbild oder dieses wirkt kĂŒhl und zu förmlich – auf Kosten der sinnlichen Ausstrahlung bei Frauen und sexuellem “Prickeln” der MĂ€nner. Es mögen sich dann interessante Diskussionen zwischen zwei Dating-Partnern entwickeln, aber, wie man so schön sagt: “der Funke springt nicht ĂŒber”. Denn die Energien sind gewissermaßen im Kopf konzentriert, aber vom Herz und dem Rest des Körpers abgeschnitten – auf Kosten einer klar mĂ€nnlichen bzw. weiblichen Ausstrahlung.

Das mag zunĂ€chst ein wenig “esoterisch” klingen, als professionell eingestellter und sich der Wissenschaftlichkeit verpflichtet fĂŒhlender Psychotherapeut und Paartherapeut aber möchte ich sagen: niemand von uns sollte meinen, sich ĂŒber zehntausende Jahre lange “Programmierungen” einfach hinwegsetzen zu können. Auch am Beginn moderner und gleichberechtigter Partnerschaften steht “das gewisse Kribbeln” … und gar nicht selten auch die eine oder andere sexuelle Idee! Die FĂ€higkeit zu entwickeln, diese Signale zu induzieren – oder zumindest nicht zu verhindern – kann jedoch gerade in unserer leistungsbezogenen Informationsgesellschaft eine ernstzunehmende Herausforderung darstellen.

HĂ€ufig lĂ€uft diese darauf hinaus, unsere “wilde Seite”, unsere Urinstinkte wieder stĂ€rker zuzulassen. Stellten wir unser hochkomplexes (und gerade im Beziehungsbereich hĂ€ufig von Verboten, Regeln und gut gemeinten “Tipps” ĂŒberfrachtetes) Denken einmal fĂŒr einige Minuten zurĂŒck, wĂŒrde mancher Mann wohl eher den richtigen Zeitpunkt finden, eine Offensive zu wagen, oder eine Frau, ihr Haar zurĂŒckzuwerfen und dem Mann ihres Interesses ein klares Signal zu senden.

Zu hohe SelektivitÀt

Unsere Kultur, unsere Medien machen uns zu Konsumenten: wir sind es gewohnt, zu selektieren und darin trainiert, uns nur “das Beste zu gönnen”. Jeder von uns kann auf Abruf zumindest 5 Eigenschaften unseres gewĂŒnschten Traumpartners definieren, zu denen hĂ€ufig auch die einen oder anderen körperlichen Charakteristika zĂ€hlen. Das Problem ist nur: jede “Muss-Eigenschaft”, die wir an potenzielle Partner anlegen, schließt hunderttausende mögliche “ZukĂŒnftige” ĂŒber unseren Suchfilter von vornherein aus. Lebt man zu allem Überfluß womöglich noch in einer kleineren Stadt, verbleibt hĂ€ufig nur die Möglichkeit, die Suche entweder auf den gesamten Kontinent auszudehnen (und dann womöglich eine Beziehung auf Distanz fĂŒhren oder großrĂ€umig ĂŒbersiedeln zu mĂŒssen), das Thema “Partnerschaft” völlig abzuschreiben – oder aber auch: etwas gelassener und offener zu werden!

Jede dieser Möglichkeiten ist legitim – doch die zuletzt genannte hat meiner Ansicht nach einen gewissen Charme: realistisch betrachtet nĂ€mlich wĂŒrde es ohnehin schwierig sein, einen perfekten Partner zu finden. Viel eher wird sich bei ihm oder ihr spĂ€testens nach einem genaueren Kennenlernen der eine oder andere “Schönheitsfehler” enthĂŒllen. Weiten wir hingegen unseren Blick, so wird sich herausstellen, dass es auch ganz generell eine schöne und befriedigende Erfahrung sein kann und unsere Beziehungen belebt, wenn wir Menschen fĂŒr das wertschĂ€tzen, was sie sind, statt uns darauf zu konzentrieren, was ihnen fehlt.

Wahre Liebe ist, jemanden fĂŒr das zu lieben, was er ist. Das bedeutet keineswegs, dass wir uns mit dem Mittelmaß zufriedengeben sollten. Sehr wohl aber ist es sinnvoll, hohe Standards gelegentlich auf ihre NĂŒtzlichkeit fĂŒr das reale Leben hin zu ĂŒberprĂŒfen. HĂ€ufig lĂ€uft die Entscheidung nĂ€mlich gerade im Bereich der Partnersuche ultimativ auf die Wahl hinaus, entweder mit den eigenen Idealen jeden Abend alleine daheim zu sitzen oder sich fĂŒr die Möglichkeiten zwischenmenschlicher Erfahrungen und auch Überraschungen zu öffnen – ja dabei vielleicht sogar von uns selbst ĂŒberrascht zu werden…

Weitere Artikel zu diesem Thema:
Wissenschaftliche Aufriss”-Tipps

(Image src: answersfrommen.com)

Sep 11

Kaufsucht ist kein ausschließliches Frauenproblem, sondern betrifft auch MĂ€nner, wie Marketing-Forscher der Zeppelin UniversitĂ€t aufzeigten. Die bei Suchtverhalten spezifischen neuronalen Muster sind bei kaufsĂŒchtigen MĂ€nnern wie Frauen vergleichbar mit jenen bei Alkohol- oder NikotinsĂŒchtigen. “MĂ€nner sind weit hĂ€ufiger kaufsĂŒchtig als vielfach vermutet wird. Man sollte dieses Suchtverhalten auch bei ihnen nicht belĂ€cheln”, fordert Studienleiter P. Kenning.

Rund eine Million Menschen wird in den deutschsprachigen LĂ€ndern als kaufsĂŒchtig geschĂ€tzt, und jeder Zwanzigste ist davon gefĂ€hrdet. Die Problematik der Kaufsucht ergibt sich zunĂ€chst aus dem Leben ĂŒber die eigenen finanziellen VerhĂ€ltnisse. Teure Artikel werden impulshaft gekauft, hĂ€ufig auch nicht ausgepackte Ware gehortet. In Folge ergeben sich weitere, teils dramatische Konsequenzen, etwa an der Arbeitsstelle, hinsichtlich der Altersversorgung, soziale Folgen sowie solche fĂŒr die Familien der Betroffenen.

In der Untersuchung verglichen nun die Forscher die Reaktionen von MĂ€nnern mit und ohne starker Kaufsucht-Tendenz und verwendeten dabei typische MĂ€nner-Markenprodukte als Stimuli. Hierbei war in der funktionellen Magnetresonanz bei potenziell KaufsĂŒchtigen das Belohnungszentrum des Gehirns deutlich aktiver als bei MĂ€nnern ohne Kaufsucht. “Es ist dieselbe ĂŒbersteigerte Reaktion, die man bei Alkoholikern mit einer Flasche Wein oder bei NikotinsĂŒchtigen mit einer Schachtel Zigaretten auslöst. Sie spiegelt Vorfreude und starkes Verlangen oder Echo erfahrener Belohnung wider”, berichtet Kenning.

Die meisten MĂ€nner bejahen die Frage, ob sie Marken wie Rolex oder Mercedes attraktiv finden und gerne kaufen wĂŒrden. “Den Unterschied, der Kaufsucht-GefĂ€hrdete kennzeichnet, sieht man erst in der ĂŒbersteigerten HirnaktivitĂ€t. Das ist ein Grund mehr, warum man Kaufsucht als Krankheit definieren sollte”, so der Forscher. Wie sehr die festgestellte Reaktion sozialisiert sei oder auf genetische oder epigenetische Strukturen zurĂŒckgehe, sei bisher aber noch nicht nachweisbar.

Kaufsucht-gefĂ€hrdete MĂ€nner reagieren stark auf Marken, vor allem bei Textilien, Uhren, technischen Accessoires und Gadgets, Sportartikel, Wein, Schuhen und Autos. “Manche haben einen Fuhrpark von 70 Autos, obwohl sie immer nur eines fahren können. Auch hier ist ĂŒbersteigerte Belohnung im Spiel”, so der Forscher.

Frauen werden hĂ€ufiger mit Kaufsucht in Verbindung gebracht, da sie meist die Haushalte fĂŒhren und hĂ€ufiger einkaufen, weshalb auch die Werbung ĂŒberwiegend auf sie zugeschnitten sei. Doch bestehe bei einschlĂ€gigen Studien lt. “Kaufsucht-Forscherin” L. Reisch von der UniversitĂ€t Kopenhagen „…meistens das Problem unzureichender Stichproben. Frauen sind therapiewilliger, selbstkritischer und melden sich eher fĂŒr solche Studien”, so die Expertin. Auch seien die Fragen der Skalen, die Kaufsucht messen, eher auf das weibliche Einkaufen ausgerichtet, da MĂ€nner andere Artikel und mit anderen Emotionen kaufen.

Marketing konzentriert sich heute zunehmend auf den Aufbau einer Beziehung statt auf die Transaktion des Produkterwerbs. Kenning hinterfragt “… ob wir langfristig Marken derart emotional aufladen dĂŒrfen, dass Menschen davon sĂŒchtig werden. Einerseits mĂŒssen die Unternehmen vor derart negativen Folgen geschĂŒtzt werden, andererseits aber natĂŒrlich auch die Konsumenten”.

(Quelle: Zeppelin-UniversitÀt; Image src: 1:netdoktor.de 2:rhein-zeitung.de)

Apr 27

(Bild: maennernotruf-blog)

Ich habe den Inhalt eines kĂŒrzlich durchgefĂŒhrten Interviews zum brisanten Thema weiblicher, hĂ€uslicher Gewalt gegen MĂ€nner im Artikel-Bereich meiner Website veröffentlicht.

Bitte klicken Sie hier:

http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/paartherapie/gewalt-in-beziehungen.phtml

ï»ż25.06.19