Nov 08

Picture: Edvard Munch: Melancholy (1891) in The Frieze of Life.

Je √§lter wir werden, umso mehr wird uns bewusst, dass unser K√∂rper nicht unversehrlich ist. Sp√§testens ab dem 40. Lebensjahr beginnen selbst immer mehr M√§nner, regem√§√üige Gesundheits-Checks zu absolvieren. Doch der Zustand der Seele bleibt dabei meist im Schatten, v√∂llig unbeachtet, nicht zuletzt auch deshalb, weil in der vorgeblich auf “Effizienz” optimierten Medizin f√ľr langwierige Behandlungsgespr√§che gar keine Zeit ist.

Dabei gef√§hrden seelische N√∂te die Gesundheit weit st√§rker als bisher bekannt. Selbst m√§√üige Probleme, die noch keiner Krankheit entsprechen, steigern das Sterberisiko deutlich um 20 Prozent, wie die ausgewerteten Daten einer gro√üen britischen Studie nachweisen. Demnach schlagen Angst, Unzufriedenheit oder Schwermut auf Dauer vor allem auf das Herz-Kreislauf-System. Doch tats√§chlich ist das Ergebnis gar nicht so revolution√§r, denn es ist seit vielen Jahren bekannt, dass psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen die Gefahr von Herzproblemen und anderen Erkrankungen deutlich steigern. Nun r√§t die Deutsche Gesellschaft f√ľr Psychosomatische Medizin und √Ąrztliche Psychotherapie (DGPM) jedoch, auch leichte Symptome von psychischem Stress ernst zu nehmen und auf das eigene seelische Wohl zu achten.

Um die Zusammenh√§nge und Ausmasse, in dem sich auch leichtere seelische Probleme auf die k√∂rperliche Gesundheit schlagen, genauer abzukl√§ren, analysierten Mediziner um T. Russ vom Murray Royal Hospital die Ergebnisse von zehn Studien mit insgesamt √ľber 68 000 Teilnehmern im Alter ab 35 Jahren. Bei allen Personen, die zu Beginn der jeweiligen Studie weitgehend gesund waren, wurde das seelische Befinden untersucht.

Im Laufe der folgenden acht Jahre starben rund 8400 Teilnehmer. Die Analyse der Daten zeigt, dass schon m√§√üig ausgepr√§gte seelische Probleme mit einem erh√∂hten Sterberisiko einhergingen. Und die Gefahr stieg mit zunehmender psychischer Last: Unter Ber√ľcksichtigung von Begleiterkrankungen, Alter, Geschlecht, Alkohol- und Tabakgenuss der Studienteilnehmer steigerte bereits eine m√§√üige Belastung das Sterberisiko um etwa 20 Prozent. Die Gefahr, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, war hier sogar um 29 Prozent erh√∂ht, wie die Forscher im “British Medical Journal” berichten. Auf die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, wirkten sich m√§√üige Probleme dagegen nicht aus. Bei stark gestressten krebskranken Menschen war dieses Risiko allerdings um 41 Prozent gesteigert.

Die Forscher erkl√§ren die erh√∂hte Sterberate mit verschiedenen Mechanismen. So k√∂nne sich seelischer Stress direkt auf die Herzt√§tigkeit auswirken und selbst bei scheinbar gesunden Menschen einen Infarkt beg√ľnstigen. Zudem stimuliere eine solche Belastung die Bildung entz√ľndungsf√∂rdernder Stoffe wie etwa C-reaktives Protein (CRP), Interleukin-6 (IL 6) oder Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-őĪ). Dass akuter Stress auch die Methylierung der Erbsubstanz und damit die Aktivit√§t von Genen beeinflusst, konnten Forscher k√ľrzlich im Fachblatt “Translational Psychiatry” nachweisen. Ferner beeinflussen psychische Probleme auch die Lebensf√ľhrung, etwa wenn Betroffene rauchen, viel Alkohol trinken oder sich wenig bewegen.

“Die Studie zeigt, dass seelische N√∂te auch jene Menschen gef√§hrden, die gew√∂hnlich keine √§rztliche Hilfe in Anspruch nehmen”, so Professor Dr. med. Johannes Kruse, Vorsitzender der DGPM. Wer dauerhaft √§ngstlich oder schwerm√ľtig ist und zunehmend an Vertrauen verliert, sollte der DGPM zufolge vorbeugen und gegebenenfalls einen Experten aufsuchen. Je nach individuellem Bed√ľrfniss lie√üe sich durch Entspannungstechniken und Gespr√§che mit √Ąrzten oder auch Vertrauten bereits etwas √§ndern und die belastenden Faktoren lindern. “M√∂glicherweise k√∂nnen auch diese Personen von einer Therapie profitieren.”, schlussfolgert Prof. Kruse vorsichtig in einer Stellungnahme.

(Quelle und Textausz√ľge: MedAustria; Assoziierte Quelle: Translational Psychiatry (2012) 2, e150; (doi: 10.1038/tp.2012.77)

Oct 30

Ich stiess heute im Internet auf folgendes kleines Video, das ich Ihnen nicht vorenthalten m√∂chte. Auch wenn es die Probleme des Lebens ein wenig banalisiert – es regt zum Nachdenken an, und das allein kann ja schon mal nicht schaden… ūüėČ

Apr 03

Interessante Zusammenh√§nge zwischen Selbstwertgef√ľhl und spezifischen Faktoren der individuellen Lebenssituation ermittelte eine k√ľrzlich abgeschlossene Studie der American Psychological Association (APA) an ca. 4000 zwischen 25 und 104 Jahre alten US-AmerikanerInnen, die zwischen 1986 und 2002 wiederholt befragt wurden.

Demnach ist die Selbstsicherheit unter Jugendlichen am niedrigsten (vermutlich, da w√§hrend den j√ľngeren Lebensjahren die Pers√∂nlichkeit noch instabiler ist als bei Erwachsenen – man ist sich gewisserma√üen ‘seiner selbst noch nicht ganz sicher’), steigt dann aber im Lebensverlauf an und erreicht ihren H√∂hepunkt um die 60 Jahre. Danach f√ľhren dann vermutlich der Ruhestand und ein schlechter werdender Gesundheitszustand zu einem Abfall der Selbstsicherheit. Frauen waren generell unsicherer als M√§nner, hier wurde erst in einem Altersbereich zwischen 80 und 90 Jahren ein ungef√§hrer Gleichstand erreicht.

Menschen in einer gl√ľcklichen Liebesbeziehung, solche mit besserer Ausbildung, h√∂herem Einkommen, besserer Gesundheit und solche, die arbeiteten, verf√ľgten ebenfalls √ľber h√∂here Grade von Selbstsicherheit, speziell im Verlauf des √Ąlter-werdens (mit der Ausnahme des Beziehungsstatus, ab ca. 60 Jahren war ein gl√ľckliches Beziehungsleben nicht mehr von signifikanter Relevanz f√ľr das Selbstwertgef√ľhl). Die ethnische Zugeh√∂rigkeit schien nicht relevant zu sein, erst in hohem Alter (ab ca. 80 Jahren) war das Selbstwertgef√ľhl bei Weissen h√∂her als bei Schwarzen. Im Zuge der Alterung zeigten sich dagegen der Gesundheitszustand sowie die Verm√∂genssituation als wesentlichste Koordinaten eines gut bleibenden Selbstwertgef√ľhls. Die Wissenschafter erkl√§rten diese Zusammenh√§nge mit der Vermutung, da√ü beide Faktoren ein gr√∂√üeres Gef√ľhl von Unabh√§ngigkeit, aber auch, f√ľr ihre Umwelt Sinnvolles tun zu k√∂nnen, erm√∂glichen.

Da das Selbstwertgef√ľhl seinerseits ein wichtiger Faktor f√ľr einen besseren Gesundheitszustand, geringere Anf√§lligkeit f√ľr kriminelles Verhalten, geringere Depressionsanf√§lligkeit und generell mehr Lebenserfolg und -zufriedenheit darstellt, ist ein besseres Verst√§ndnis der unterschiedlichen Ursachen f√ľr Selbstwertgef√ľhl und Selbstsicherheit im Verlauf der Lebensspanne sehr wichtig.

(Quelle: Self-esteem development from young adulthood to old age: A cohort-sequential longitudinal study, APA online, 20100310; Photo src:erikbakke.com)

Mar 13

Seit Jahrzehnten besteht ein wissenschaftlicher Disput dar√ľber, ob Zusammenh√§nge zwischen der psychischen Verfassung von Menschen und dem Verlauf von Krebserkrankungen existieren.

Wie nun eine Studie von Medizinern an der amerikanischen Mayo-Clinic mit rund 530 Lungenkrebs-Patienten zeigte, kann eine optimistische Lebenseinstellung möglicherweise die Prognose von Krebspatienten verbessern.

Studien-Teilnehmer mit einer optimistischen Grundhaltung (diese wurde bereits durchschnittlich 18 Jahre vor der Erkrankung erhoben, die Compliance der Patienten oder die Lebenseinstellung w√§hrend der Erkrankung wurde also nicht analysiert) lebten nach der Diagnose des Lungenkarzinoms im Mittel noch rund 19 Monate, bei den negativ eingestellten Personen waren es lediglich 13 Monate. Bei der Auswertung ber√ľcksichtigten die Forscher wichtige Faktoren wie Alter, Geschlecht, Krebsstadium oder Art der Therapie.

“Der gefundene √úberlebensvorteil einer optimistischen Haltung von sechs Monaten ist umso beeindruckender, wenn man ber√ľcksichtigt, dass die mittlere Lebenserwartung der untersuchten Patientengruppe unter einem Jahr liegt”, sagt Studienleiter Paul Novotny. Er betont im “Journal of Thoracic Oncology” deshalb, die Krebstherapie solle nicht nur auf rein medizinische Aspekte fokussieren, sondern auch die psychosoziale Situation eines Patienten ber√ľcksichtigen und behandeln.

Hinweis R.L.Fellner: die Studie zeigt nur eine Korrelation, nicht aber einen kausalen Zusammenhang auf, dies sei erg√§nzend erw√§hnt. Im Abstract der Studie (siehe Quellenverweis unten) wird auf die Notwendigkeit weiterer Forschung in diesem Bereich hingewiesen – eine, wie ich meine, sehr treffende Einsch√§tzung, zumal die Lebenseinstellung der Studie zufolge in etwa denselben Einflu√ü haben d√ľrfte wie die √§u√üerst kostenintensiven Chemotherapien. .

(Quelle: Journal of Thoracic Oncology Mar 2010, Vol 5 – Issue 3, pp 326-332; doi: 10.1097/JTO.0b013e3181ce70e8: A Pessimistic Explanatory Style Is Prognostic for Poor Lung Cancer Survival [Link])

Nov 18

Einer Untersuchung der University of Maryland der Zeitbudgets von 30.000 Menschen √ľber einen Zeitraum von 30 Jahren (1975-2006) zufolge sehen ungl√ľckliche oder unzufriedene Menschen l√§nger fern, w√§hrend die “sehr gl√ľcklichen” Personen mehr lesen und l√§ngere Zeit f√ľr soziale Kontakte aufwenden. Auch scheinen Arbeits- und Fernsehzeit negativ zu korrelieren: wenn Menschen mehr Zeit f√ľr sich zur Verf√ľgung haben (z.B. durch mehr Freizeit bzw. geringere Arbeitszeiten oder Arbeitsplatzverlust), steigen sowohl der Fernsehkonsum als auch die Schlafzeiten.

Die gl√ľcklicheren Menschen sind sozial aktiver, gehen √∂fter in die Kirche, w√§hlen √∂fter und lesen auch √∂fter Tageszeitungen, die ungl√ľcklichen Menschen fernsehen hingegen bis zu 20 Prozent mehr, auch wenn man Bildung, Alter, Einkommen, Geschlecht und andere Faktoren ber√ľcksichtigt, die sich auf Zufriedenheit und Fernsehschauen auswirken k√∂nnen. Zudem haben unzufriedene Menschen eher das Gef√ľhl, mehr Zeit, als sie wollen zur Verf√ľgung zu haben, gleichzeitig f√ľhlen sie aber zeitlich auch eher wieder unter Druck.

Fernsehen sei eine Art Sucht, sagen die Soziologen. Es f√ľhre kurzzeitig zu Zufriedenheit, langfristig aber zu Elend, vor allem wenn die Menschen sozial oder pers√∂nlich benachteiligt sind. √úberdies ist die Belohnung durchs Fernsehen leicht zu haben. Man muss nirgendwohin gehen, nichts ausmachen, sich anziehen oder sich anstrengen, um sofort zufriedengestellt zu werden.

Ungel√∂st scheint allerdings zu sein, ob nun die Unzufriedenen eher vom Fernsehen angezogen werden oder ob Fernsehen auch an sich Zufriedene ins Ungl√ľck st√ľrzen kann. (Quelle) Oder handelt es sich nicht vielleicht viel eher um einen Teufelskreis?

Nahezu zeitgleich erreicht uns eine mindestens ebenso d√ľstere Nachricht aus England:

W√§hrend verschiedenen Studien zufolge fr√ľher der Intelligenzquotient in westlichen L√§ndern um durchschnittlich 3 Punkte pro Jahrzehnt anstieg, scheint er nun wieder abzufallen, was die in den letzten Jahren bereits h√§ufiger ge√§u√üerten Vermutungen von Psychologen zu best√§tigen scheint: 800 13- bis 14-J√§hrige wurden Intelligenztests unterzogen, wonach die Ergebnisse mit einem √§hnlichen Test aus dem Jahr 1976 verglichen wurden. Danach sind die durchschnittlich Intelligenten zwar kl√ľger geworden, die Intelligentesten wurden aber “d√ľmmer” bzw. weniger. Komplizierte Denkf√§higkeiten, die mathematisches Wissen beinhalten, k√∂nnen nicht mehr 25 Prozent leisten, wie noch 1976, sondern gerade einmal noch 5 Prozent der Jugendlichen. Der untersuchende Psychologe Shayer meint, die Jugendlichen heute w√ľrden schneller antworten, k√∂nnten aber nur noch oberfl√§chlich denken. Die Ursachen k√∂nnten im Schulsystem liegen, welches vor allem auf das Bestehen von Tests trainiert, oder auch in ver√§nderten Freizeitbesch√§ftigungen, welche sich heute zu einem hohen Anteil auf elektronische Medien (Computer, Computerspiele, Internet, passiver Fernsehkonsum etc.) richten.

Kommentar R.L.Fellner:

Ich frage mich ja schon seit langem, wie weit wir es mit dem alle Lebensbereiche durchdringenden “Zwang zur Optimierung” (welcher dann h√§ufig auf etwas hinausl√§uft, das ich “aufwandsoptimierte Wunschresultatsproduktion” bezeichnen m√∂chte..) noch bringen k√∂nnen. Allerorten mu√ü “gespart” werden (freilich ohne, dass Sie oder ich etwas von den dadurch hereingespielten Gewinnen zu sehen bekommen!), die Leistung bzw. der Output mu√ü jedoch stetig ansteigen, will doch vom Lehrer bis zum Finanzjongleur jeder steigende Kurven pr√§sentieren k√∂nnen. Der Zwang zur “steigenden Kurve” kann aber, das ist den meisten Systemen immanent, nicht ewig durchgehalten werden, und auch beim besten Willen ist Leistungsf√§higkeit endlich – Zitronen lassen sich nur bis zu einer bestimmten Grenze auspressen, ab dann geben sie immer weniger Saft… auf die √§u√üere Welt √ľbertragen: die Fehlerrate steigt, der “Unterbau” des Systems wird labil und br√ľchig. Es bilden sich, wie wir auch in der Finanzwelt beobachten k√∂nnen, “Blasen”, welche irgendwann platzen. Der Abschwung oder Crash ist also in jeder Aufw√§rtsentwicklung bereits vorprogrammiert, systemimmanent.

Wenn wir Kinder und uns selbst nur darauf trimmen, heute -oder bestenfalls noch morgen- zu bestehen, aber nicht auch ausreichend in langfristige und nachhaltige Ressourcenentwicklung investieren, wird eines Tages ein Preis daf√ľr zu bezahlen sein. Es scheint, als n√§herten wir uns gerade auch in der westlichen Welt einem Scheideweg: wenn wir nicht bald wieder zu jenen Prinzipien zur√ľckfinden, welche gerade Europa zu seiner weltweit anerkannten sozialen und wissenschaftlichen Entwicklung verhalfen, wie etwa Forschung und sozialen Grundprinzipien, haben wir – √§hnlich wie die USA bereits seit einigen Jahren – den “Peak Point” unseres Fortschrittes vielleicht bereits √ľberschritten. Nicht nur im Bereich der Intelligenz unserer Jugendlichen.

(Photo credit: Digital Vision/GettyImages.com)

ÔĽŅ25.06.19