Sep 10

Ein derartiges Eingeständnis durch einen kirchlichen Würdenträger wäre vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen. Hut ab vor dem Mut des Papstes, dies mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Papst Franziskus: Psychotherapie hat mir sehr geholfen.

Papst Franziskus: “Therapie hat mir sehr geholfen.”

Oct 30

Ich stiess heute im Internet auf folgendes kleines Video, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Auch wenn es die Probleme des Lebens ein wenig banalisiert – es regt zum Nachdenken an, und das allein kann ja schon mal nicht schaden… 😉

Dec 14

Google hat große Pläne – vor einigen Monaten hat der bisherige Platzhirsch im Bereich der sogenannten “sozialen Netzwerke”, Facebook, nun offenbar Gefahr im Verzug bemerkt: die teils hastigen Feature-Erweiterungen (bzw. -Nachahmungen) auf Facebook, hinter denen kein Gesamtkonzept zu stehen scheint außer jenem, User möglichst nachhaltig an sich zu binden, haben wohl nicht nur mich zunehmend verärgert.

Ich hatte, wie vielleicht mancher zufällig herausgefunden hatte, ja auf Facebook ebenfalls eine Art “Adreßbucheintrag” angefertigt, konnte mich für diese Plattform aber nie so recht begeistern und hatte mich dort daher kaum regelmäßig betätigt.

Google Plus aber habe ich vor allem als Informationsquelle nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sehr schätzen gelernt und “teile” dort auch selbst regelmäßig Neuigkeiten und Informationen – sowohl aus anderen als auch eigenen Quellen, öffentlich, halböffentlich und privat.

Der “Trick” ist dort vor allem, wie mir scheint, über die Suche oder diverse “Adreßverzeichnisse” (siehe unten) ein paar interessante Leute zu finden und diese dann in einen seiner (Interessen- oder Bekannten-) “Kreise” aufzunehmen. Das können, müssen aber wohlgemerkt keine Familienmitglieder, Freunde oder persönlich Bekannten sein – sondern man kann auch Wissenschaftern, Fotografen, Journalisten, Interessensplattformen, Witze-PosterInnen (für die tägliche Portion Humor), ja sogar dem US-Präsidenten über die Aufnahme in einen der eigenen “Kreise” “folgen” (vergleichbar mit einem Abonnement auf die für einen freigegebenen Postings dieser Person) und findet sodann täglich deren neueste Postings (Beiträge) im eigenen “Stream” (“Strom”) von Beiträgen.
Bei eigenen Beiträgen kann man stets entscheiden, ob diese öffentlich freigegeben werden oder auf einzelne dieser “Kreise” (Kontaktgruppen) beschränkt bleiben sollen. Seit der Testphase von Google Plus hat zwar auch Facebook derartige Möglichkeiten vorgesehen, allerdings sind diese vergleichsweise schlecht überschau- und anpassbar.

Das Schöne finde ich an Google Plus, dass es vergleichsweise einfach ist, an tatsächlich interessante Informationen zu gelangen.
Und, davon einmal abgesehen: Google beabsichtigt, die zahlreichen, bunten Services der Firma (wie Suche, Maps, News, Kalender, Feeds, Blogs, Docs u.v.m.) unter der “Haube” Google Plus zusammenzuführen. Die Plattform ist also definitiv die Zukunft hinsichtlich Informationsverwaltung, während Facebook in Zukunft wohl eher auf das “virtuelle Freundes-Netzwerk” reduziert werden dürfte. Bereits heute vermelden zahlreiche aktive Blogger wesentlich intensiveren und auch interessanteren Austausch auf ihren Google Plus-Seiten als über ihren Facebook-Auftritt.

In diesem Sinne hoffe ich, dass auch Sie als an Psychologie, Psychotherapie und Coaching Interessierte(r) den Versuch wagen und dann auch mal auf einer meiner beiden Plus-Seiten vorbeisehen. Mit einer Aufnahme meiner G+ – Seiten in Ihre eigenen Kreise (gerne gesehen!) erhalten Sie dann die zumeist Psychotherapie-relevanten neuesten Beiträge direkt in Ihrem Stream angezeigt.
Und wenn Sie so manche der Seiten auf meiner persönlichen Website als interessant empfinden, so “plussen” Sie sie bitte (Klick auf den +1-Button), sodass andere UserInnen sie im Dschungel der Webseiten leichter finden können.

Zu meiner Google Plus-Seite: Meine Plus-Seite über Therapiemethoden  (wird allerdings nur sporadisch “gefüttert”): https://plus.google.com/117036878836499930679/posts

Hier zum Reinschnuppern einige der mittlerweile zahlreichen Verzeichnisse öffentlich zugänglicher “Kreise” (die man in eigene “Kontakt-Kreise” importieren kann) wie auch von nach Interessensgebieten, Region, Postingvolumen etc. gruppierten (öffentlichen) Userinnen und Usern:

http://publiccircles.appspot.com/
http://socialstatistics.com/
http://plusfriendfinder.com/
http://www.circlecount.com/
http://www.gglpls.com/
http://www.group.as/
http://gpeep.com/
http://gpc.fm/

Einführungen:
Video-Einführung vom WISO-Plus TV-Magazin
engl. Einführung

(Image credits: scoobzz.blogspot.com, askdavetaylor.com)

Sep 25

Zur Abwechslung wieder einmal eine Buchvorstellung – und zwar eine, die den Bereich der Psychotherapie erst auf den zweiten Blick berührt:

The Boddhisattva’s Brain: Buddhism Naturalized von Owen Flanagan

“Wissenschaft trifft Buddhismus” – so etwa könnte man dieses Buch zusammenfassen.

Flanagan stellt u.a. diverse wissenschaftliche Untersuchungen rund um den Buddhismus vor und analysiert diese eingehend und kritisch in seinem Buch hinsichtlich ihres realen Wertes für ein konstruktives und zufriedenes Leben (und Zusammenleben) der Menschen – insbesondere dann, wenn man mal die häufig mit dem Buddhismus verbundenen metaphysisch-religiösen Aspekte wie Nirwana, Wiedergeburt, Götter und Geister usw. von der zugrundeliegenden Philosophie trennt…

Beinahe Pflichtlektüre für jeden, der sich für den Buddhismus interessiert, der aber das Bedürfnis hat, hinter die häufig anzutreffende esoterisch-mystische Oberfläche zu blicken – und besser zu verstehen, was “wirklich” dahinter steckt.

Derzeit nur in englischer Sprache verfügbar.

May 21
Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg

Jesse Eisenberg als ‘Mark Zuckerberg’

Wie immer einigermaßen verspätet, was die aktuellen “hast-du-schon/warst-du-schon?”-Trends betrifft, kam ich kürzlich dann doch endlich dazu, mir den Film “The Social Network” anzusehen, der bekanntlich die Entstehungsgeschichte von “Facebook” rund um seinen Entwickler Mark Zuckerberg darstellt. Zuckerberg wird im Film von Jesse Eisenberg als brillanter Harvard-Student dargestellt, der jedoch sozial ungeschickt und rücksichtslos agiert und schließlich, als Facebook rasant zu wachsen beginnt, von ehemaligen Freunden und Mitstudenten mit dem Vorwurf verklagt wird, er habe ihre Ideen gestohlen und sie um ihre rechtmäßigen Anteile betrogen. Später werden auf Anraten der Anwälte Vergleiche geschlossen und dutzende Millionen Dollar an Abfindungen gezahlt – dennoch ist Zuckerberg heute der weltweit jüngste Milliardär.

Auch wenn natürlich keinerlei Sicherheit darüber besteht, ob die dargestellten Persönlichkeitscharakteristika Zuckerbergs und Situationen authentisch dargestellt wurden, beklemmt am Film doch die kühle Atmosphere und scheinbare Emotionslosigkeit, die einige der Hauptdarsteller ausstrahlen. Wie in den meisten Hollywood-Filmen geht es auch in “The Social Network” um Freundschaft und Liebe – doch bereits während der ersten Minuten sagt Zuckerberg’s Freundin Erica ihm im Zuge ihrer Trennung, dass er mit Mädchen wohl immer Probleme haben werde … und zwar nicht, weil er ein “Sonderling” (was auch immer das bedeuten mag, es ist allerdings ein Begriff, der für “Aspies” häufig verwendet wird), sondern weil er ein “Arschloch” sei. Sie bezieht sich dabei auf seine völlige Außerachtlassung ihrer Gefühle, als er Details aus ihrer Beziehung in seinem Blog veröffentlicht und andere Vorfälle.

Im Verlauf des Filmes kann man sich eines Gefühls von Absurdität nicht erwehren, wie komplex und dysfunktional die realen sozialen Netzwerke einiger der Akteure doch sind, und wie diese mit dem Anspruch der Software, Freundschaftsbeziehungen abzubilden und ultimativ zu verstärken, kontrastieren. Enge Bezugspersonen werden durch schroffe, kalte “Sager” verletzt und verstört, Freundschaften zerbrechen am Außerachtlassen jeglicher emotionaler Konsequenzen, wenn abstrakte Ideen oder geschäftliche Ziele verfolgt werden. Der Hauptakteur Zuckerberg wird als hochintelligenter Computer-“Nerd” mit 1600 SAT-Scores dargestellt, welcher am laufenden Band selbst den ihm nahestehendsten Personen verbale und emotionale Ohrfeigen verabreicht.

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg

Der Film bietet viele Indizien darauf, dass die Hauptperson an einer Störung aus dem Autismus-Spektrum (am ehesten wohl dem sog. Asperger-Syndrom) leidet. Dieser Eindruck wurde, wie man einschlägigen Websites entnehmen kann, übrigens auch den überwiegend meisten “Aspies” (Asperger-Syndrom-Betroffenen) geteilt. Aspies zeichnen sich häufig durch hohes Talent, was spezifische Fähigkeiten betrifft, aus (meist sind sie in technischen oder künstlerischen Berufen tätig und dort auch sehr erfolgreich), jedoch auch durch Unbeholfenheit, ja an “Tollpatschigkeit” erinnernde fehlende soziale und emotionale Fertigkeiten.

Die Frage, die ich mir bereits beim Verfassen meines ersten Artikels zum Asperger-Syndrom (siehe Link) stellte, ist, inwieweit sich unsere moderne westliche Gesellschaft – entweder versacht durch die sog. “Neuen Medien” oder diese unsere sich verändernde Gesellschaft reflektierend und darstellend – nicht graduell dem autistischen Spektrum annähert. Eine zunehmende Zahl von Menschen verfügt über hunderte, ja tausende Freunde auf “Facebook” oder “StudiVZ”, aber wie viele authentische Freundschaftsbeziehungen existieren im realen Leben? Auch wenn man sich virtuell manchen Menschen (oder besser: dem, was man hinter ihren “Nicks” vermutet) “nahe” fühlen kann – wie würde es einem ergehen, wenn man diese im wirklichen Leben träfe … und würde man dies überhaupt anstreben? Unsere “Smartphones”, iPads und Blackberrys versprechen, die Distanz zu anderen Menschen abzubauen und Kommunikation “einfacher” zu gestalten – aber erhöhen sie in elementaren Bereichen menschlicher Beziehungen nicht die reale Distanz und machen hinsichtlich unserer realen sozialen Beziehungen bei zu häufiger Nutzung “unbeholfener”? Wie wirkt sich unser modernes Kommunikationsverhalten unter Berücksichtigung der Erkenntnisse über Neuroplastizität auf unser Gehirn aus? Trainieren wir unseren präfrontalen Kortex auf Kosten jener Gehirnregionen, die unsere sozialen Beziehungen und emotionalen Fähigkeit steuern? Vielleicht ist es ja (auch) damit zu erklären, dass wir immer häufiger von Kindern und Jugendlichen lesen, die scheinbar emotionslos anderen Mitschülern Gewalt antun oder diese mobben, oder dass Kontaktstörungen neben Depressionen zur Gruppe zur am stärksten zunehmenden Gruppe psychischer Störungen dieses Jahrhunderts gehört.

Lesetipps:

(Hinweis: einige Gedanken dieses Artikels wurden aus dem gleichnamigen Film-Review von Norman Holland aufgegriffen; Image src:psychologytoday.com)

May 10

Depression ist ein inflationärer Begriff und viel zu ungenau, um ein Krankheitsbild mit all seinen Facetten zu begreifen. Denn depressiv muss nicht nur Niedergeschlagenheit bedeuten, sondern kann auch mit Aggression verbunden sein. Um eine umfassende Darstellung, die auch für Laien nachvollziehbar ist, ging es den Psychotherapeuten des Instituts für Systemische Therapie, die eine sehr ungewöhnliche DVD produziert haben. Eine Handpuppe, Morton Mies, verkörpert die Depression, und erklärt im Gespräch mit einer Therapeutin, mit welchen Strategien sie Menschen erobert. Zu Beginn wirkt dieser Zugang zwar leicht künstlich, doch wer sich auf diese Methodik einlässt, erfährt nicht nur viele typische Verhaltensmuster, sondern lernt auch, wie sich die Erkrankung in den Griff bekommen lässt. Externalisieren, nennen die systemischen Therapeuten diese Methode, die ein Problem vom individuellen Einzelfall trennt und durch diese Art der Abstraktion neue Einblicke ermöglicht. Lösungsorientiertheit ist eines der Merkmale dieser Methode: Wenn die Therapeutin im Film die arrogante Handpuppe im existenzialistisch-intellektuellen Outfit dialogisch in die Knie zwingt, dann erzeugt das beim Zuseher auch eine Art Hochgefühl.

Nur wer Kranke versteht, hat die Möglichkeit zu helfen – und angesichts des hohen Prozentsatzes jener, die im Laufe ihres Lebens an Depressionen erkranken , kann die DVD vielleicht ein erster Anstoß sein, sich professionelle Hilfe im “realen” Leben zu suchen. [Link zur DVD]

Zum Weiterlesen:
Info-Artikel “Depression – Mythen und Fakten um eine Zeitkrankheit”
Info-Artikel “Systemische Therapie
Literatur zum Störungsbild “Depression”

(Artikel-Quelle: Der Standard v. 09.05.2011)

May 10

Das letzte filmische Werk des kontroversiellen Regisseurs Darren Aronofsky ließ wohl viele Zuseher sprachlos und aufgewühlt zurück – nun, wie so manche seiner Filme wie etwa auch ‘Pi‘…

In Black Swan lernen wir zunächst ein fragiles Doppelgespann kennen: Nina ist Ballett-Tänzerin, und lebt überfürsorglich kontrolliert und von der Außenwelt weitgehend geschützt mit ihrer Mutter in New York. Ihr Zimmer wirkt wie ein Kinderzimmer, und sie selbst wie ein Teenager im Körper einer jungen Frau. Ihre Mutter ist selbst Ex-Ballerina, und versucht ihre Tochter “mit Zuckerbrot und Peitsche” bei ihrer Karriere im New York City Ballet zu unterstützen. Emotionen bleiben dabei weitgehend unterdrückt und werden der Leistung und harten Arbeit untergeordnet sowie der Angst der Mutter, ihre Tochter könnte unter dem Druck der bevorstehenden Herausforderung – der Hauptrolle in einer Neuinszenierung von “Schwanensee” – in frühere selbstdestruktive Verhaltensmuster (Selbstverletzung) zurückfallen. Die destruktive Beziehung zwischen beiden wird besonders in einer Szene illustriert, in der Nina’s Mutter zur Feier eine kitschige Torte vorbereitet. Als Nina erklärt, keinen Appetit darauf zu haben, droht die Mutter in vorwurfsvollem Ton, die Torte wegzuwerfen. Nina lenkt ein – und muß daraufhin ein Stück der Glasur vom ausgestreckten Zeigefinger ihrer Mutter lecken. Die Botschaft: die Mutter hat immer recht, und Nina hat sich gefügig so zu verhalten, wie “man” (ihre Mutter) das von ihr erwartet.

Nina war offenbar schon vom frühesten Kindheitsalter an gezwungen, sich an den Erwartungen ihrer Mutter zu orientieren, die identische Berufswahl und die Ausrichtung ihres Alltags am Gelingen der Ballett-Karriere verstärken diesen Eindruck. Im Zuge der Arbeit am Stück “Schwanensee” wird der Zuseher nun Augenzeuge einer zunehmenden Auflösung der Grenze zwischen dem, was in der kleinen Welt daheim vorzeigbar und “akzeptabel” ist, und den dünkleren Seiten nicht nur der Welt draußen, sondern auch Ninas. Der Choreograph des Stücks beschleunigt diese Entwicklung durch seine Bemerkung, dass Nina zwar bestens für die Rolle des “weißen Schwans” geeignet, aber nicht leidenschaftlich genug sei, den “schwarzen Schwan” glaubwürdig darzustellen. Vermutlich gefördert durch die Angst, die Hauptrolle zu verlieren, brechen sukzessive die “dunklen”, bisher von Nina in keiner Weise zugelassenen und ungelebten Seiten durch: sie zeigt Aggression, beginnt, ihren Körper zu erforschen (sie beendet dies schockiert, als sie ihre Mutter im Raum erblickt) und sich in einzelnen Bereichen von ihrer Mutter abzugrenzen. Eine Kollegin verführt sie zu einer rauschenden, ja tranceähnlichen Nacht, von der Nina nach dem Erwachen nicht mehr sicher sagen kann, ob sie dabei tatsächlich auch erste sexuelle Erfahrungen machte oder nicht. Immer öfter bricht ab diesem Zeitpunkt die “andere” Seite durch: zunächst flackernd und sekundenlangen Dissoziationen ähnelnd, dann immer häufiger und länger, wobei Nina zunehmend den Überblick darüber verliert, was noch Phantasie, Wunschdenken und Einbildung, und was Realität ist.

Das Thema der Spaltung und Dualität zieht sich durch den gesamten Film und beklemmenderweise kann schliesslich nicht einmal mehr der Zuseher mit Sicherheit sagen, was denn nun tatsächlich geschah und ob einige der verdrängten Phantasien Nina’s tatsächlich durchbrachen – oder es bei diesen blieb. An diesen Stellen läßt sich ansatzweise der beängstigende Zustand einsetzender psychotischer Schübe und Dissoziationen erfühlen.

Zunehmend zeigt sich jedoch, dass Nina durch die Integration der “anderen”, abgespaltenen Seite (in der Analytischen Psychologie C.G. Jung‘s: des “Schattens” bzw. des “Schatten-Selbst”)  insgesamt lebendiger und stärker wird. Nach der Integration der Gefühlsaspekte des “schwarzen Schwans”: Eifersucht, Neid, Hass, Leidenschaft, Erotik und Sexualität u.dgl., wird Nina “komplett”. Ohne das Ende des Films vorwegzunehmen zeigt sich aber auch, dass das brutale Hineingetrieben-werden in eine solche Erfahrung für die Betreffenden mitunter nur schwer verkraftbar ist, da die psychischen Strukturen um die damit verbundenen inneren Konflikte verarbeiten zu können, nur langsam wachsen – was Zeit (und häufig auch Psychotherapie) erfordert. Im Film ist jedoch meinem Eindruck nach der Weg das Ziel – die Darstellung eines persönlichen Entwicklungsweges, des in-Erscheinung-Tretens abgespaltener Persönlichkeitsanteile und Triebe, und schließlich die für uns alle herausfordernde adäquate Integration dieser Teile in den Alltag.

Insgesamt ein packender und aufwühlender Film, den sich insbesondere Psychologie-Interessierte nicht entgehen lassen sollten!

Links zu den erwähnten Filmen:

Aug 08

Dr. Fiona Wallice kann das “uneffiziente” Geschwafel über “Träume” und “Gefühle” nicht mehr hören. Sie entwickelt eine “optimierte” Therapiemethode: 3 Minuten via Webcam, so Wallice, seien wesentlich effizienter als die übliche “50-Minuten-Stunde”, da diese häufig zu langweilig wären – bei nur 3 zur Verfügung stehenden Minuten dagegen würden Patienten ein Gefühl “einer Waffe an ihrem Kopf” verspüren und wesentlich rascher auf den Punkt kommen…

Obwohl natürlich schon im Vorhinein klar war, daß es sich bei der Serie nur um Parodie und Comedy handelt, konnte ich mich – der ich selbst Psychotherapeut bin – nicht selten beim Gedanken ertappen: “Um Himmels willen, wie kann sie nur?!!” 

Kein Zweifel: Fiona Wallice ist vermutlich die schlechteste Psychotherapeutin der Welt. Sie ist arrogant, geldgierig und ungeduldig. Sie ermahnt Patienten, keine wertvolle Sitzungszeit zu verschwenden, drängt sich aber ständig selbst mit abstrusen Theorien, Anekdoten aus dem eigenen Leben oder alltagspsychologischem Nonsens in den Vordergrund. Mitunter versucht sie sogar, Klienten zu überreden, ihre Sitzungen zu Werbungszwecken zur Verfügung zu stellen. Ein Therapie-fauxpas jagt den anderen!

Nicht nur den “Klienten” (allesamt ebenfalls Schauspieler), auch einem selbst bleibt beim Zusehen häufig der Mund offen stehen … aber es hat gute Gründe, warum diese Web-TV-Serie derzeit zum Beliebtesten gehört, was dieses Medien-Sujet zu bieten hat: die Dialoge finden angeblich weitestgehend spontan statt, und Lisa Kudrow (welche Fiona Wallice verkörpert) erweist sich als schlagfertiges und brillantes Unterhaltungstalent. Nebenbei bietet die Serie ironische Blickwinkel auf den gegenwärtigen Trend in der Psychotherapie, nicht nur möglichst rasche Heilerfolge zu erzielen, sondern diese idealerweise bequem von zu Hause aus – via Internet-Konferenz, noch während man die letzten Bissen des Fastfood-Mittagessens verspeist! –  “zu erledigen”. Wer zufällig den auf meiner Website veröffentlichten “Leitfaden zum Scheitern einer Psychotherapie” gelesen hat, wird viele der darin erwähnten “Tipps” wiederfinden. Ein zur Abwechselung mal reiner Unterhaltungs-Tipp für jeden Therapieerfahrenen!

Bisher wurden 3 Seasons der Serie mit insgesamt 45 Episoden veröffentlicht. Sie können von einschlägigen Websites heruntergeladen oder unter einem der folgenden beiden Links online angesehen werden (zumeist bestehen sie aus Mini-Serien von 2-3 Web-Konferenzen zu je 4-7 Minuten pro “Klient”):

http://www.lstudio.com/web-therapy/ (offizielle Website)
http://www.sidereel.com/Web_Therapy

Mar 23

Einmal etwas ganz anderes hier im Blog – ein Buchtipp. Aus gutem Grund..

Jens Johler: “Kritik der mörderischen Vernunft”

Dieses Buch klang nicht nur von der Thematik her interessant, bewogen hat mich in der speziellen Situation, als ich es kaufte, auch sein geringer Preis: nur 9,95 (bei Amazon online) …: “da kann nicht viel verhaut sein, wenn es sein Leben in meinem Warteregal aushaucht” dachte ich mir spontan 😎 Der Buchtitel mag manchen BesucherInnen meiner Website “irgendwie bekannt” vorkommen, und tatsächlich: einer der Hauptakteure im Buch nennt sich “Kant” – allerdings hat er es sich anscheinend zum Ziel gesetzt, die führenden Hirnforscher Deutschlands zu ermorden. Warum er das will, erschließt sich bald einem Wissenschaftsjournalisten, der vom Mörder persönlich kontaktiert wird: Kant sieht den freien Willen des Menschen durch die Hirnforschung bedroht – und will weitertöten, um ihn zu bewahren. Je mehr sich Troller, der Journalist, aber mit den Thesen und Zielen befaßt, die die attackierten Hirnforscher mit ihrer Forschung verbinden, umso mehr sieht er sich in einem Gewissenskonflikt gefangen …

Das Lesen dieses “Wissenschafts-Krimis” ist nicht nur sprachlich packend, sondern vor allem auch inhaltlich. Seine Hintergründe sind sehr gut recherchiert und quasi im Vorbeigehen werden manche der zahlreichen ethischen und philosophischen Fragen, die durch die (realen oder zu befürchtenden) Konsequenzen der Hirnforschung aufgeworfen werden, angesprochen. Auf bemerkenswerte Weise werden auch die Querverbindungen zwischen einer immer stärker an Kontrolle interessierten Politik, den sich dadurch auftuenden Gewinnmöglichkeiten bestimmter Medizin-, Forschungs- und Industriezweige und die damit verbundene Vermarktungsmaschinerie, welche den Blick der Bürger genau auf jene Aspekte der einschlägigen Forschung lenkt, die ihren Interessen entspricht, moralische Grundsätze aber solange aushöhlt, bis von diesen nichts mehr übrig bleibt, aufgezeigt. Dieses Buch ist für jeden, der an Philosophie, Ethik, Medizin, Pharmaindustrie, und den Perspektiven der modernen Hirnforschung interessiert ist, sicherlich ein großes – wenn auch teils beklemmendes und sehr nachdenklich machendes – Lesevergnügen.

Feb 27

Neues aus der beliebten Forschungsreihe “was machen Menschen mit höherem IQ eigentlich anders als solche mit vergleichsweise niedrigerem?”

Sie rauchen nicht [1], sind eher nicht religiös [2], gehen nachts später schlafen und stehen dafür am Morgen später auf (ebd.). Bei intelligenten Männern bestünde darüber hinaus auch eine Vorliebe für sexuelle Monogamie (ebd.), was vielleicht mit der rascheren Anpassung intelligenter Menschen an neue Werte und Lebensstile erklärt werden könne.

Da seit Jahren alle paar Monate neue Studien rund um mögliche Zusammenhänge zwischen Intelligenz und anderen Daten aus der Psychologie, Verhaltensforschung, Soziologie, Medizin u.dgl. erscheinen (merke: eine Koinzidenz bedeutet nicht unbedingt auch eine Korrelation… ;-)), werde ich diesen Blog-Eintrag laufend mit den neuesten “Erkenntnisen” zu diesem Thema ergänzen.

(Photo src:copyblogger.com)

Blog-Begriffswolke:
10.06.18