Jan 09

In einem Artikel stellte K. McGonigal, Psychologin an der Stanford University, eine praktische Anwendung fĂŒr Erkenntnisse aus zwei kĂŒrzlich veröffentlichten Studien vor, die den Wert selbst einfachster schriftlicher Übungen auf unsere Psyche illustrieren.

In einer Studie reduzierte die Intervention Schadenfreude. Nach einer kurzen Schreibaufgabe berichteten die Teilnehmer, weniger Schadenfreude ĂŒber die Fehlleistungen einer anderen Person zu empfinden. Die meisten Menschen beschreiben Schadenfreude als positive Emotion – doch tatsĂ€chlich kann sie ein großes Hindernis fĂŒr unser GlĂŒck darstellen. Je mehr wir uns am Leiden anderer erfreuen, desto schwieriger ist es fĂŒr uns, aus dem GlĂŒck der anderen auch fĂŒr uns selbst positive GefĂŒhle zu beziehen, MitgefĂŒhl fĂŒr andere zu empfinden, aber auch eigene emotionale BedĂŒrfnisse adĂ€quat wahrzunehmen und zu nĂ€hren.

Die Versuche in der zweiten Studie, welche unter etwa denselben Versuchsbedingungen stattfand, erhöhten den Mut der Teilnehmer, Details ĂŒber ihre eigenen medizinischen Risiken zu erfahren – etwas, das die meisten Menschen aus Angst, etwaige bedrohliche Krankheiten herauszufinden, instinktiv abwehren. Doch Offenheit gegenĂŒber potenziell bedrohlichen Informationen kann nicht nur Leben retten, sie ist auch die Grundlage fĂŒr die Möglichkeit, neue Perspektiven und Sichtweisen auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen.

Zusammen deuten diese Studien auf die Möglichkeit, mittels einer 15-Minuten-Aufgabe sowohl Mut als auch MitgefĂŒhl zu erhöhen, Stress zu reduzieren, die Selbstkontrolle und die Ausdauer im Angesicht von Herausforderungen zu erhöhen. So können Sie diese Methode McGonial zufolge auch fĂŒr sich selbst nutzen:

  1. Machen Sie eine Liste der 3 fĂŒr Sie wichtigsten Werte. “Werte”, das können Prinzipien, StĂ€rken, persönliche QualitĂ€ten,  Rollen oder Erfahrungen sein, die subjektiv sinnvoll und wichtig fĂŒr Sie sind. Typische Beispiele sind Tugenden (wie Ehrlichkeit, Geduld, Mut, MitgefĂŒhl), die FĂ€higkeit, die positiven Seiten und Potenziale des Lebens sehen zu können, Glaube, Verbindung zur Natur, Dienst an der Gemeinschaft oder Familie, Gesundheit, lebenslanges Lernen, Abenteuer, Tradition, KreativitĂ€t, und Ă€hnliche QualitĂ€ten.
  2. Wenn Sie kurzfristig eine Dosis zusĂ€tzlicher SelbstbestĂ€tigung benötigen, wĂ€hlen Sie einen dieser Werte und schreiben fĂŒr 5-15 Minuten auf, warum gerade dieser Wert fĂŒr Sie wichtig ist – und ein Beispiel dafĂŒr, wie Sie ihn leben. Sie könnten beispielsweise ĂŒber eine vergangene Erfahrung schreiben, eine Zeit in Ihrem Leben, wo Ihnen dieser Wert half, eine Herausforderung zu bestehen. Oder auch etwas, bei dem Ihnen dieser Wert tagtĂ€glich hilft. Wenn Ihr Wert beispielsweise GroßzĂŒgigkeit ist, könnten Sie ĂŒber ein Erlebnis schreiben, bei dem Sie einen Menschen in einer schwierigen Situation unterstĂŒtzten, oder warum Sie regelmĂ€ĂŸig Zeit und Geld fĂŒr einen bestimmten wohltĂ€tigen Zweck einsetzen.

Diese Technik hilft vermutlich nicht dabei, dauerhaft mehr SelbstwertgefĂŒhl, Selbstkontrolle etc. zu erwerben, kann aber vorĂŒbergehend dabei unterstĂŒtzen, sich selbstsicherer und gelassener hinsichtlich bestimmter Herausforderungen zu fĂŒhlen und diese damit besser zu bestehen.

(Quellen:  McGonial, K, “Find Your Courage and Compassion with One Question” in: psychologytoday.com; Howell JL & Shepperd JA, “Reducing information avoidance through affirmation. Psychological Science” in: Psychological Science; van Dijk WW, van Koningsbruggen GM, Ouwerkerk JW, & Wesseling YM (2011), “Self-esteem, self-affirmation, and schadenfreude.” in: Emotion, 11(6), 1445-1449. Photo Credit: lucilleroberts.com)

May 10

Depression ist ein inflationĂ€rer Begriff und viel zu ungenau, um ein Krankheitsbild mit all seinen Facetten zu begreifen. Denn depressiv muss nicht nur Niedergeschlagenheit bedeuten, sondern kann auch mit Aggression verbunden sein. Um eine umfassende Darstellung, die auch fĂŒr Laien nachvollziehbar ist, ging es den Psychotherapeuten des Instituts fĂŒr Systemische Therapie, die eine sehr ungewöhnliche DVD produziert haben. Eine Handpuppe, Morton Mies, verkörpert die Depression, und erklĂ€rt im GesprĂ€ch mit einer Therapeutin, mit welchen Strategien sie Menschen erobert. Zu Beginn wirkt dieser Zugang zwar leicht kĂŒnstlich, doch wer sich auf diese Methodik einlĂ€sst, erfĂ€hrt nicht nur viele typische Verhaltensmuster, sondern lernt auch, wie sich die Erkrankung in den Griff bekommen lĂ€sst. Externalisieren, nennen die systemischen Therapeuten diese Methode, die ein Problem vom individuellen Einzelfall trennt und durch diese Art der Abstraktion neue Einblicke ermöglicht. Lösungsorientiertheit ist eines der Merkmale dieser Methode: Wenn die Therapeutin im Film die arrogante Handpuppe im existenzialistisch-intellektuellen Outfit dialogisch in die Knie zwingt, dann erzeugt das beim Zuseher auch eine Art HochgefĂŒhl.

Nur wer Kranke versteht, hat die Möglichkeit zu helfen – und angesichts des hohen Prozentsatzes jener, die im Laufe ihres Lebens an Depressionen erkranken , kann die DVD vielleicht ein erster Anstoß sein, sich professionelle Hilfe im “realen” Leben zu suchen. [Link zur DVD]

Zum Weiterlesen:
Info-Artikel “Depression – Mythen und Fakten um eine Zeitkrankheit”
Info-Artikel “Systemische Therapie
Literatur zum Störungsbild “Depression”

(Artikel-Quelle: Der Standard v. 09.05.2011)

ï»ż01.09.19