May 10

Depression ist ein inflationärer Begriff und viel zu ungenau, um ein Krankheitsbild mit all seinen Facetten zu begreifen. Denn depressiv muss nicht nur Niedergeschlagenheit bedeuten, sondern kann auch mit Aggression verbunden sein. Um eine umfassende Darstellung, die auch für Laien nachvollziehbar ist, ging es den Psychotherapeuten des Instituts für Systemische Therapie, die eine sehr ungewöhnliche DVD produziert haben. Eine Handpuppe, Morton Mies, verkörpert die Depression, und erklärt im Gespräch mit einer Therapeutin, mit welchen Strategien sie Menschen erobert. Zu Beginn wirkt dieser Zugang zwar leicht künstlich, doch wer sich auf diese Methodik einlässt, erfährt nicht nur viele typische Verhaltensmuster, sondern lernt auch, wie sich die Erkrankung in den Griff bekommen lässt. Externalisieren, nennen die systemischen Therapeuten diese Methode, die ein Problem vom individuellen Einzelfall trennt und durch diese Art der Abstraktion neue Einblicke ermöglicht. Lösungsorientiertheit ist eines der Merkmale dieser Methode: Wenn die Therapeutin im Film die arrogante Handpuppe im existenzialistisch-intellektuellen Outfit dialogisch in die Knie zwingt, dann erzeugt das beim Zuseher auch eine Art Hochgefühl.

Nur wer Kranke versteht, hat die Möglichkeit zu helfen – und angesichts des hohen Prozentsatzes jener, die im Laufe ihres Lebens an Depressionen erkranken , kann die DVD vielleicht ein erster Anstoß sein, sich professionelle Hilfe im “realen” Leben zu suchen. [Link zur DVD]

Zum Weiterlesen:
Info-Artikel “Depression – Mythen und Fakten um eine Zeitkrankheit”
Info-Artikel “Systemische Therapie
Literatur zum Störungsbild “Depression”

(Artikel-Quelle: Der Standard v. 09.05.2011)

[Total: 0    Average: 0/5]

Einen Kommentar schreiben


01.09.19