Dec 14

Google hat gro√üe Pl√§ne – vor einigen Monaten hat der bisherige Platzhirsch im Bereich der sogenannten “sozialen Netzwerke”, Facebook, nun offenbar Gefahr im Verzug bemerkt: die teils hastigen Feature-Erweiterungen (bzw. -Nachahmungen) auf Facebook, hinter denen kein Gesamtkonzept zu stehen scheint au√üer jenem, User m√∂glichst nachhaltig an sich zu binden, haben wohl nicht nur mich zunehmend ver√§rgert.

Ich hatte, wie vielleicht mancher zuf√§llig herausgefunden hatte, ja auf Facebook ebenfalls eine Art “Adre√übucheintrag” angefertigt, konnte mich f√ľr diese Plattform aber nie so recht begeistern und hatte mich dort daher kaum regelm√§√üig bet√§tigt.

Google Plus aber habe ich vor allem als Informationsquelle nach einer kurzen Eingew√∂hnungszeit sehr sch√§tzen gelernt und “teile” dort auch selbst regelm√§√üig Neuigkeiten und Informationen – sowohl aus anderen als auch eigenen Quellen, √∂ffentlich, halb√∂ffentlich und privat.

Der “Trick” ist dort vor allem, wie mir scheint, √ľber die Suche oder diverse “Adre√üverzeichnisse” (siehe unten) ein paar interessante Leute zu finden und diese dann in einen seiner (Interessen- oder Bekannten-) “Kreise” aufzunehmen. Das k√∂nnen, m√ľssen aber wohlgemerkt keine Familienmitglieder, Freunde oder pers√∂nlich Bekannten sein – sondern man kann auch Wissenschaftern, Fotografen, Journalisten, Interessensplattformen, Witze-PosterInnen (f√ľr die t√§gliche Portion Humor), ja sogar dem US-Pr√§sidenten √ľber die Aufnahme in einen der eigenen “Kreise” “folgen” (vergleichbar mit einem Abonnement auf die f√ľr einen freigegebenen Postings dieser Person) und findet sodann t√§glich deren neueste Postings (Beitr√§ge) im eigenen “Stream” (“Strom”) von Beitr√§gen.
Bei eigenen Beitr√§gen kann man stets entscheiden, ob diese √∂ffentlich freigegeben werden oder auf einzelne dieser “Kreise” (Kontaktgruppen) beschr√§nkt bleiben sollen. Seit der Testphase von Google Plus hat zwar auch Facebook derartige M√∂glichkeiten vorgesehen, allerdings sind diese vergleichsweise schlecht √ľberschau- und anpassbar.

Das Schöne finde ich an Google Plus, dass es vergleichsweise einfach ist, an tatsächlich interessante Informationen zu gelangen.
Und, davon einmal abgesehen: Google beabsichtigt, die zahlreichen, bunten Services der Firma (wie Suche, Maps, News, Kalender, Feeds, Blogs, Docs u.v.m.) unter der “Haube” Google Plus zusammenzuf√ľhren. Die Plattform ist also definitiv die Zukunft hinsichtlich Informationsverwaltung, w√§hrend Facebook in Zukunft wohl eher auf das “virtuelle Freundes-Netzwerk” reduziert werden d√ľrfte. Bereits heute vermelden zahlreiche aktive Blogger wesentlich intensiveren und auch interessanteren Austausch auf ihren Google Plus-Seiten als √ľber ihren Facebook-Auftritt.

In diesem Sinne hoffe ich, dass auch Sie als an Psychologie, Psychotherapie und Coaching Interessierte(r) den Versuch wagen und dann auch mal auf einer meiner beiden Plus-Seiten vorbeisehen. Mit einer Aufnahme meiner G+ РSeiten in Ihre eigenen Kreise (gerne gesehen!) erhalten Sie dann die zumeist Psychotherapie-relevanten neuesten Beiträge direkt in Ihrem Stream angezeigt.
Und wenn Sie so manche der Seiten auf meiner pers√∂nlichen Website als interessant empfinden, so “plussen” Sie sie bitte (Klick auf den +1-Button), sodass andere UserInnen sie im Dschungel der Webseiten leichter finden k√∂nnen.

Zu meiner Google Plus-Seite: Meine Plus-Seite √ľber Therapiemethoden¬† (wird allerdings nur sporadisch “gef√ľttert”): https://plus.google.com/117036878836499930679/posts

Hier zum Reinschnuppern einige der mittlerweile zahlreichen Verzeichnisse √∂ffentlich zug√§nglicher “Kreise” (die man in eigene “Kontakt-Kreise” importieren kann) wie auch von nach Interessensgebieten, Region, Postingvolumen etc. gruppierten (√∂ffentlichen) Userinnen und Usern:

http://publiccircles.appspot.com/
http://socialstatistics.com/
http://plusfriendfinder.com/
http://www.circlecount.com/
http://www.gglpls.com/
http://www.group.as/
http://gpeep.com/
http://gpc.fm/

Einf√ľhrungen:
Video-Einf√ľhrung vom WISO-Plus TV-Magazin
engl. Einf√ľhrung

(Image credits: scoobzz.blogspot.com, askdavetaylor.com)

Sep 21

Studien, die behaupten, dass Videospiele eine positive Wirkung auf kognitive Funktionen haben, sind interessant – aber in der Regel methodisch sehr mangelhaft, wie dieser Woche im Journal ‘Frontiers in Cognition’ ver√∂ffentlicht wurde

Zahlreiche Studien, die w√§hrend der letzten zehn Jahre ver√∂ffentlicht wurden, wollen herausgefunden haben, dass das regelm√§√üige Spielen ‘schneller’ Videospiele wie “Medal of Honor” oder “Grand Theft Auto“, welche schnelle Reaktionen erfordern, “Transfer-Effekte” haben, √ľber die andere kognitive Funktionen, welche visuelle Aufmerksamkeit erfordern, verbessert werden k√∂nnen. Die betreffenden Ergebnisse wurden massiv im Marketing der Softwarefirmen eingesetzt und f√ľhrten sogar zur staatlich finanzierten Entwicklung einschl√§giger Spiele, etwa f√ľr das US-Milit√§r. Einige dieser Studien wurden h√§ufig zitiert und weithin bekannt: so wurde die durch die Wissenschaftler D. Bavelier und S. Green von der University of Rochester in New York ver√∂ffentlichte Studie aus dem Jahre 2003 mehr als 650 Mal zitiert und von vielen Medien h√§ufig als Quasi-Beweis f√ľr die getroffene These ins Treffen gef√ľhrt.

Doch viele dieser Studien – so die Autoren einer Kontrollstudie – enthalten grundlegende methodische M√§ngel und entsprechen nicht den Goldstandards ordnungsgem√§√ü durchgef√ľhrter klinischer Studien. Im Review wurden schwerpunktm√§√üig alle einschl√§gigen Studien der letzten Jahre erfasst, namentlich solche, welche die Auswirkungen der aktuellen, modernen Action-Spiele auf Personen im College-Alter haben.¬† Die M√§ngel all dieser Studien beginnen den Autoren zufolge schon beim Studiendesign: es w√§re allen Teilnehmern klar gewesen, an welcher Art von Studie sie teilnahmen und den “professionellen” Spielern w√§re z.T. ein Sonderstatus zugekommen, der sie dazu motiviert haben k√∂nnte, besonders konzentriert und “repr√§sentativ” f√ľr ihre Position zu spielen. Davon, dass auch die Untersucher wu√üten, wer zu welcher Gruppe geh√∂rte, wurde vermutlich das Verhalten der Teilnehmer und damit wohl auch die Ergebnisse der Untersuchungen beeinflu√üt. Auch andere Faktoren, wie etwa ein mitunter strukturell √§hnlicher Aufbau der kognitiven Testuntersuchung mit jenem der Spiele k√∂nnte die Ergebnisse zugunsten der Ausgangsthese verf√§lscht haben. Nebst einigen anderen Faktoren w√§re es wissenschaftlich auch h√∂chst problematisch, wenn Teilergebnisse aus Untersuchungen in mehreren Arbeiten (von einigen Autoren in bis zu 10 davon) ver√∂ffentlicht werden, was es schwer macht, die Ergebnisse voneinander abzugrenzen, und sei es nur hinsichtlich qualitativer Ma√üst√§be, die an die Methodik der Untersuchung angelegt werden.

Die Autoren der Kontrollstudie weisen darauf hin, dass die Studienm√§ngel nicht unbedingt bedeuten, dass die behaupteten Effekte nicht eintreten k√∂nnten – aus wissenschaftlicher Sicht jedoch m√ľsse eine solche Behauptung mit korrekter Methodik nachgewiesen und moderne Untersuchungsdesigns eingehalten werden, etwa hinsichtlich auch einer Ber√ľcksichtigung genderspezifischer Aspekte. Auch die Methodik der Auswahl und Behandlung der ProbandInnen solle vollst√§ndig dokumentiert werden. Am Ende der Kontrollstudie werden Studienkriterien beschrieben, die zuk√ľnftige einschl√§gige Untersuchungen im Sinne verl√§√ülicherer Ergebnisse ber√ľcksichtigen sollten.

(Quellen: Nature 09/2011, doi:10.1038/news.2011.543; Boot, W. R., Blakely, D. P. & Simons in: Frontiers in Cognition. 2, 226 (2011); Image src:nature.com)

Dec 16

Zur Abwechslung einmal etwas aus den eher kuriosen Randbereichen der Psychologie: wie Neurologen der University of Toledo in der Fachzeitschrift ‘Sleep Medicine’ berichten, wurde erstmals der Fall einer Frau dokumentiert, die schlafwandelnd das Internet benutzte.
Die 44-J√§hrige stand offenbar auf und ging, immer noch ohne aufzuwachen, in das n√§chste Zimmer, um dort ihren Computer einzuschalten, wonach sie ihr Passwort eingab und ihren Email-Account √∂ffnete. Dann schrieb und versendete insgesamt drei Emails. Bei einer Email kam sie nicht weit, und brach nach “What the ‚Ķ” gleich wieder ab. Eine andere war ein wenig ausf√ľhrlicher und enthielt, wenn auch nicht ganz verst√§ndlich, eine Einladung: “Come tomorrow and sort this hell hole out. Dinner and drinks, 4.pm,. Bring wine and caviar only.

Vermutlich war das Schlafwandeln durch die Einnahme eines Schlafmittels mit dem Wirkstoff Zolpidem ausgelöst worden (zum vollen Artikel im Online-Magazin tp).

Was auch immer davon zu halten ist, mich erinnerte dieser Artikel an ein unterhaltsames Fake-Video auf YouTube, bei dem angeblich ein Schlafwandler von WG-Mitbewohnern bei seinen bizarren nächtlichen Aktivitäten gefilmt wurde:

Nov 18

Einer Untersuchung der University of Maryland der Zeitbudgets von 30.000 Menschen √ľber einen Zeitraum von 30 Jahren (1975-2006) zufolge sehen ungl√ľckliche oder unzufriedene Menschen l√§nger fern, w√§hrend die “sehr gl√ľcklichen” Personen mehr lesen und l√§ngere Zeit f√ľr soziale Kontakte aufwenden. Auch scheinen Arbeits- und Fernsehzeit negativ zu korrelieren: wenn Menschen mehr Zeit f√ľr sich zur Verf√ľgung haben (z.B. durch mehr Freizeit bzw. geringere Arbeitszeiten oder Arbeitsplatzverlust), steigen sowohl der Fernsehkonsum als auch die Schlafzeiten.

Die gl√ľcklicheren Menschen sind sozial aktiver, gehen √∂fter in die Kirche, w√§hlen √∂fter und lesen auch √∂fter Tageszeitungen, die ungl√ľcklichen Menschen fernsehen hingegen bis zu 20 Prozent mehr, auch wenn man Bildung, Alter, Einkommen, Geschlecht und andere Faktoren ber√ľcksichtigt, die sich auf Zufriedenheit und Fernsehschauen auswirken k√∂nnen. Zudem haben unzufriedene Menschen eher das Gef√ľhl, mehr Zeit, als sie wollen zur Verf√ľgung zu haben, gleichzeitig f√ľhlen sie aber zeitlich auch eher wieder unter Druck.

Fernsehen sei eine Art Sucht, sagen die Soziologen. Es f√ľhre kurzzeitig zu Zufriedenheit, langfristig aber zu Elend, vor allem wenn die Menschen sozial oder pers√∂nlich benachteiligt sind. √úberdies ist die Belohnung durchs Fernsehen leicht zu haben. Man muss nirgendwohin gehen, nichts ausmachen, sich anziehen oder sich anstrengen, um sofort zufriedengestellt zu werden.

Ungel√∂st scheint allerdings zu sein, ob nun die Unzufriedenen eher vom Fernsehen angezogen werden oder ob Fernsehen auch an sich Zufriedene ins Ungl√ľck st√ľrzen kann. (Quelle) Oder handelt es sich nicht vielleicht viel eher um einen Teufelskreis?

Nahezu zeitgleich erreicht uns eine mindestens ebenso d√ľstere Nachricht aus England:

W√§hrend verschiedenen Studien zufolge fr√ľher der Intelligenzquotient in westlichen L√§ndern um durchschnittlich 3 Punkte pro Jahrzehnt anstieg, scheint er nun wieder abzufallen, was die in den letzten Jahren bereits h√§ufiger ge√§u√üerten Vermutungen von Psychologen zu best√§tigen scheint: 800 13- bis 14-J√§hrige wurden Intelligenztests unterzogen, wonach die Ergebnisse mit einem √§hnlichen Test aus dem Jahr 1976 verglichen wurden. Danach sind die durchschnittlich Intelligenten zwar kl√ľger geworden, die Intelligentesten wurden aber “d√ľmmer” bzw. weniger. Komplizierte Denkf√§higkeiten, die mathematisches Wissen beinhalten, k√∂nnen nicht mehr 25 Prozent leisten, wie noch 1976, sondern gerade einmal noch 5 Prozent der Jugendlichen. Der untersuchende Psychologe Shayer meint, die Jugendlichen heute w√ľrden schneller antworten, k√∂nnten aber nur noch oberfl√§chlich denken. Die Ursachen k√∂nnten im Schulsystem liegen, welches vor allem auf das Bestehen von Tests trainiert, oder auch in ver√§nderten Freizeitbesch√§ftigungen, welche sich heute zu einem hohen Anteil auf elektronische Medien (Computer, Computerspiele, Internet, passiver Fernsehkonsum etc.) richten.

Kommentar R.L.Fellner:

Ich frage mich ja schon seit langem, wie weit wir es mit dem alle Lebensbereiche durchdringenden “Zwang zur Optimierung” (welcher dann h√§ufig auf etwas hinausl√§uft, das ich “aufwandsoptimierte Wunschresultatsproduktion” bezeichnen m√∂chte..) noch bringen k√∂nnen. Allerorten mu√ü “gespart” werden (freilich ohne, dass Sie oder ich etwas von den dadurch hereingespielten Gewinnen zu sehen bekommen!), die Leistung bzw. der Output mu√ü jedoch stetig ansteigen, will doch vom Lehrer bis zum Finanzjongleur jeder steigende Kurven pr√§sentieren k√∂nnen. Der Zwang zur “steigenden Kurve” kann aber, das ist den meisten Systemen immanent, nicht ewig durchgehalten werden, und auch beim besten Willen ist Leistungsf√§higkeit endlich – Zitronen lassen sich nur bis zu einer bestimmten Grenze auspressen, ab dann geben sie immer weniger Saft… auf die √§u√üere Welt √ľbertragen: die Fehlerrate steigt, der “Unterbau” des Systems wird labil und br√ľchig. Es bilden sich, wie wir auch in der Finanzwelt beobachten k√∂nnen, “Blasen”, welche irgendwann platzen. Der Abschwung oder Crash ist also in jeder Aufw√§rtsentwicklung bereits vorprogrammiert, systemimmanent.

Wenn wir Kinder und uns selbst nur darauf trimmen, heute -oder bestenfalls noch morgen- zu bestehen, aber nicht auch ausreichend in langfristige und nachhaltige Ressourcenentwicklung investieren, wird eines Tages ein Preis daf√ľr zu bezahlen sein. Es scheint, als n√§herten wir uns gerade auch in der westlichen Welt einem Scheideweg: wenn wir nicht bald wieder zu jenen Prinzipien zur√ľckfinden, welche gerade Europa zu seiner weltweit anerkannten sozialen und wissenschaftlichen Entwicklung verhalfen, wie etwa Forschung und sozialen Grundprinzipien, haben wir – √§hnlich wie die USA bereits seit einigen Jahren – den “Peak Point” unseres Fortschrittes vielleicht bereits √ľberschritten. Nicht nur im Bereich der Intelligenz unserer Jugendlichen.

(Photo credit: Digital Vision/GettyImages.com)

ÔĽŅ01.09.19