Jul 13

Ein in bestimmten Pflanzenbl√ľten enthaltener Duft hat gleich starke beruhigende und angstl√∂sende Wirkung wie viele der h√§ufigsten Psychopharmaka, wie Forscher der Universit√§ten Bochum und D√ľsseldorf nun herausgefunden haben. Ihre Entdeckung wurde im “Journal of Biological Chemistry” publiziert, ist ein Wissenschaftsnachweis f√ľr Grundlagen der Aromatherapie – und k√∂nnte bald zu neuen Therapieformen mit weniger Nebenwirkungen f√ľhren.

Konkret wurde der Duftstoff Veracetal und dessen chemisches Pendant erforscht, der aus der Gardenie (Gardenia Jasminoides) stammt, einer ostasiatischen Strauchpflanze mit jasmin-√§hnlichem Duft. “Einzelne Molek√ľle dieses Bl√ľtendufts wirken gleich wie viele Beruhigungsmittel. Diese Natursubstanzen werden Tabletten nicht ersetzen. Doch ist es realistisch, dass in Zukunft Menschen, die etwa wegen Schlafst√∂rungen unn√∂tig Valium oder andere Benzodiazepine einnehmen, auf solche Stoffe wechseln k√∂nnen”, erkl√§rt Studienleiter Hanns Hatt.

Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine, Barbiturate und Narkosemittel wie Propofol entfalten ihre Wirkung an Haftstellen von Rezeptoren im Gehirn. In geringer Dosierung verst√§rken sie den Effekt des Botenstoffs GABA, der diese Rezeptoren hemmt, um das drei- bis f√ľnffache. Die Forscher testeten nun bei 100 verschiedenen Duftstoffen, ob diese dieselbe Reaktion ausl√∂sen. Bei den zwei genannten D√ľften war dies der Fall. Bei ihnen war die Wirkung auf die Rezeptoren sogar f√ľnf- bis zehnmal h√∂her wie zuvor.

“Diese Wirkung best√§tigte sich in M√§use-Verhaltenstests sowie auch auf Molek√ľlebene f√ľr die Nervenzellen, die f√ľr den Schlaf-Wach-Rhythmus zust√§ndig sind”, berichtet der Bochumer Zellphysiologe. Dabei war nicht das Geruchsempfinden √ľber die Nase, sondern die Aufnahme im Gehirn √ľber Atmung und Blutkreislauf entscheidend. Testeten die Forscher transgene M√§use, die nicht auf Propofol reagieren, war auch die Wirkung der Duftstoffe auf die Rezeptoren blockiert. Das beweist ebenfalls den Wirkmechanismus. Als n√§chstes will man Tests an Menschen durchf√ľhren.

Interessant ist die Forschung auch, da sie eine Grundlage der Aromatherapie wissenschaftlich beweist. Zuvor ist das bisher nur beim Aromastoff Linalool gelungen. “Die Aromatherapie sagt schon lange, dass Jasmin-√§hnliche Dufteindr√ľcke schlaff√∂rdernd sind. Wir konnten das nun best√§tigen”, so Hatt. Um weitere Details der Aromatherapie zu best√§tigen, sei die klare Distanzierung von Esoterik n√∂tig, betont der Experte.

(Quellen: Olga A. Sergeeva et.al. in “Fragrant dioxane derivatives identify ő≤1 subunit-containing GABAA receptors“, doi: 10.1074/jbc.M110.103309; Standard 09.07.2010; Image src:toptropicals.com)

Jun 13

Schlaflosigkeit stellt eines der h√§ufigsten Probleme in der Bev√∂lkerung dar: zwischen 30% und 50% leiden darunter, etwa 10% sogar an chronischer (langdauernder) Schlaflosigkeit. Diese St√∂rung betrifft Menschen aller Altersstufen – ihrer H√§ufigkeit nimmt allerdings im Alter zu. Die Folgen von Schlaflosigkeit sind h√§ufig M√ľdigkeit w√§hrend des Tages, eine geschw√§chte Immunabwehr, Neigung zu Depressionen, geringere Konzentrationsf√§higkeit und h√∂here Anf√§lligkeit f√ľr Diabetes und Herzkrankheiten.

Drei Arten von Schlaflosigkeit werden unterschieden:

a) Vor√ľbergehende Schlaflosigkeit dauert weniger als eine Woche, und wird meist durch andere Erkrankungen, eine ung√ľnstige Ver√§nderung der Schlafgewohnheiten, schwere Depressionen oder Stress verursacht. Ihre Folgen sind ein Gef√ľhl von Schl√§frigkeit und eine Beeintr√§chtigung der psychomotorischen Leistungsf√§higkeit.
b) Akute Schlaflosigkeit ist die Unfähigkeit, weniger als 1 Monat lang konsequent gut schlafen.
c) Chronische Schlaflosigkeit ist die Bezeichnung f√ľr Schlafst√∂rungen, die l√§nger als 1 Monat dauern. Die Ursachen sind h√∂chst unterschiedlich und sollten daher medizinisch abgekl√§rt werden. Zu den Auswirkungen chronischer Schlaflosigkeit geh√∂ren Muskelerm√ľdung, Halluzinationen und / oder geistige Ersch√∂pfung, oder aber auch Reizbarkeit auf.

Die Muster von Schlafstörungen:

a) Einschlafstörungen sind Schwierigkeiten beim Einschlafen zu Beginn der Nacht, häufig sind diese mit Angststörungen assoziiert.
b) Durchschlafst√∂rungen sind gekennzeichnet durch Schwierigkeiten, bis in den fr√ľhen Morgen durchzuschlafen. H√§ufig ist diese Variante durch Schmerzen oder k√∂rperliche Erkrankungen bedingt.
c) Vorzeitiges Erwachen Рhäufig ist dies altersbedingt, ein Merkmal der klinischen Depression, oder es liegen andere psychische Ursachen vor.
d) Albträume und Schlafwandeln Рfurchterregende Träume oder das Herumwandern in der Wohnung sind zumeist häufig psychisch Рetwa durch belastende Ereignisse Рbedingt, aber auch durch Drogenkonsum.
e) Hypersomnia ist gesteigertes Schlafbed√ľrfnis, bei dem trotz ausreichendem Schlaf tags√ľber st√§ndig ein Gef√ľhl von M√ľdigkeit und Ersch√∂pfung besteht. H√§ufig ist diese Schlafst√∂rung k√∂rperlich verursacht und sollte medizinisch abgekl√§rt werden.

Sehr oft wird jede Form von Schlaflosigkeit leider falsch, n√§mlich ausschlie√ülich mit Medikamenten behandelt. Die Botschaft unseres K√∂rpers, da√ü etwas nicht in Ordnung ist, wird damit jedoch ignoriert und unterdr√ľckt – k√∂rperliche Folgeerkrankungen k√∂nnen auftreten, und durch die entstehende psychische Abh√§ngigkeit vom Medikament wird das Einschlafen ohne ‚ÄěP√ľlverchen‚Äú noch schwieriger als zuvor.

Was die wenigsten wissen: Schlafst√∂rungen lassen sich fast immer auf ganz nat√ľrliche Weise stark verbessern: dazu m√ľssen lediglich die ausl√∂senden Ursachen f√ľr die innere Unruhe, die einem den Schlaf raubt, identifiziert und dann auch ‚Äěpassend‚Äú beseitigt werden. Die h√§ufigsten Ursachen der meisten Formen von Schlafst√∂rungen sind zumeist relativ leicht in den Griff zu bekommen: Licht, Ger√§usche, kein Kaffee und keine Zigaretten mehr am Abend etwa. Chronisch Schlafgest√∂rte (die Schlafst√∂rungen dauern bereits mehr als drei Wochen an) sollten auch einen medizinischen Checkup auf Erkrankungen des Herz- und Kreislauf- sowie des Verdauungssystems, des Urinaltraktes und auf Stoffwechselst√∂rungen durchf√ľhren lassen. Lassen sich keine eindeutigen k√∂rperlichen Ursachen f√ľr die Schlafprobleme finden, hilft fast immer eine kurze Reihe gezielter therapeutischer Beratungsgespr√§che bei der langfristigen Verbesserung der Schlaff√§higkeit.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:romywilliams.files.wordpress.com)

Feb 27

Neues aus der beliebten Forschungsreihe “was machen Menschen mit h√∂herem IQ eigentlich anders als solche mit vergleichsweise niedrigerem?”

Sie rauchen nicht [1], sind eher nicht religi√∂s [2], gehen nachts sp√§ter schlafen und stehen daf√ľr am Morgen sp√§ter auf (ebd.). Bei intelligenten M√§nnern best√ľnde dar√ľber hinaus auch eine Vorliebe f√ľr sexuelle Monogamie (ebd.), was vielleicht mit der rascheren Anpassung intelligenter Menschen an neue Werte und Lebensstile erkl√§rt werden k√∂nne.

Da seit Jahren alle paar Monate neue Studien rund um m√∂gliche Zusammenh√§nge zwischen Intelligenz und anderen Daten aus der Psychologie, Verhaltensforschung, Soziologie, Medizin u.dgl. erscheinen (merke: eine Koinzidenz bedeutet nicht unbedingt auch eine Korrelation… ;-)), werde ich diesen Blog-Eintrag laufend mit den neuesten “Erkenntnisen” zu diesem Thema erg√§nzen.

(Photo src:copyblogger.com)

Feb 12

Die meist verwendeten Schlaf- und Beruhigungsmittel wie beispielsweise Temesta, Dalmadorm oder Valium geh√∂ren zur Klasse der Benzodiazepine. Im Magazin “Nature” wurden nun die Ergebnisse einer Studie des Forschungsteams um Ch. L√ľscher an der Universit√§t Genf publiziert, nach denen Benzodiazepine – genau wie Heroin, Haschisch und andere Drogen auch – gezielt die Aktivit√§t derjenigen Nervenzellen reduzieren, welche normalerweise das Belohnungssystem im Mittelhirn im Zaum halten. Wenn das entfesselte Belohnungssystem jedoch keiner Kontrolle mehr untersteht, kann es abw√§gende Entscheidungen zunehmend verunm√∂glichen und das zwanghafte Verhalten ausl√∂sen, das die Sucht definiert.

Selektiv wirksame Substanzen, die nur mit vereinzelten Untereinheiten der beteiligten GABA(A)-Rezeptoren interagieren, also zwar schlaff√∂rdernd wirken, jedoch nicht s√ľchtig machen, seien zwar vorhanden, wurden bisher jedoch nicht klinisch entwickelt.

Psychotherapie oder andere erfolgreiche und seit Jahrzehnten etablierte Methoden, den Schlaf zu verbessern bzw. Schlafstörungen zu beseitigen, fanden in den Schlußfolgerungen keine Erwähnung.

(Quelle: Neural bases for addictive properties of benzodiazepines in: Nature 463, 769-774 (Feb 11, 2010); doi:10.1038/nature08758; Bild: fernsehen.ch)

Jan 20

Laut einer k√ľrzlich publizierten Studie k√∂nnte Schlafmangel zumindest bei Jugendlichen zu Depressionen und Suizidgedanken f√ľhren. Wissenschafter der Columbia University in New York und Kollegen analysierten Daten von √ľber 15.000 Sch√ľlern der 7.-12. Schulstufe, wonach f√ľr Jugendliche, die von ihren Eltern erst nach Mitternacht oder sp√§ter zu Bett geschickt wurden, im Vergleich zu jenen, die vor 10 Uhr abends zu Bett gingen, ein um 24 Prozent h√∂heres Depressionsrisiko errechnet werden konnte (OR=1,24; 95% CI 1,04-1,49). Die Rate an Probanden mit Suizidgedanken war bei den Sp√§t-Schlafengehern um 20 Prozent gesteigert (OR=1,20; 95% CI 1,01-1,41).

Schlafmangel bei Jugendlichen stellt demnach offenbar einen Risikofaktor f√ľr die Entwicklung von Depressionen dar. Ausreichend guter Schlaf dagegen k√∂nnte als Pr√§ventivma√ünahme oder Therapie-unterst√ľtzend bei Depressionen eingesetzt werden.

Forschungsergebnisse gab es dar√ľber hinaus auch zum Thema Schlafentzug: offenbar ist es nicht m√∂glich, zu wenig Schlaf z.B. am Wochenende nachzuholen. Forscher am Bostoner Brigham and Women’s Hospital berichteten im Journal ‘Science Translational Medicine’, dass Schlafmangel √ľber einen l√§ngeren Zeitraum Konzentration und Leistungsf√§higkeit einschr√§nkt. Das sei ein Hinweis darauf, dass Menschen mit ungew√∂hnlichen Arbeitszeiten besonders anf√§llig f√ľr Fehler sind, auch wenn sie versuchen, den verlorenen Schlaf zu kompensieren.

Die US-Forscher untersuchten dazu acht Jugendliche ohne Schlafst√∂rungen, die √ľber einen Zeitraum von drei Wochen jeweils 30 Stunden ohne Unterbrechung wach blieben und anschlie√üend zehn Stunden schliefen, was in etwa mit den Arbeitszeiten von √Ąrzten, die nach einer Nacht mit Abrufbereitschaft gelegentlich 33 Stunden wach sind und dann zehn Stunden schlafen, vergleichbar ist. Dann folgten Aufmerksamkeits- und Reaktionstests, deren Ergebnisse mit denen einer Kontrollgruppe mit regelm√§√üigen Schlafrhythmen verglichen wurden. Beide Gruppen schnitten √ľber den gesamten Versuchszeitraum gleich ab, wenn der Test zwei Stunden nach dem Aufwachen durchgef√ľhrt wurde. Je l√§nger der Versuch jedoch andauerte, desto deutlicher verschlechterten sich die Ergebnisse in Tests am Ende der Wachzeit. Lag die Reaktionsdauer in der ersten Woche bei 0,7 Sekunden, betrug sie in der dritten Woche mit 2,0 Sekunden bereits das dreifache. Wegen der geringen Anzahl an Probanden soll der Versuch nun in gr√∂√üeren Ma√üstab wiederholt werden.

Dass ausbleibender Schlaf gef√§hrliche Wirkungen haben kann, zeigen bereits fr√ľhere Forschungen. “Nach 17 Stunden Wachzeit am St√ľck reagiert der Mensch so, wie wenn er 0,5 Promille Alkohol im Blut h√§tte, nach 24 Stunden sogar wie bei 1,0 bis 1,2 Promille. Dauert die Wachzeit deutlich l√§nger, beginnen Halluzinationen”, erkl√§rt M. Walzl, Neurologe und Psychiater der Landesnervenklinik Graz. Chronischer Schlafmangel sei ein Merkmal der heutigen Zeit: “Seit 100 Jahren schon schlafen wir um zwei Stunden pro Tag zu kurz, derzeit durchschnittlich 6,5 bis 6,8 Stunden”, extrem sei dies bei Kindern und Jugendlichen zu beoachten: “Viele √ľberbr√ľcken das Nicht-einschlafen-k√∂nnen mit Fernsehen oder Videospielen, haben dann massive Alptr√§ume und zeigen am n√§chsten Tag arge Konzentrationsst√∂rungen, Unruhe und Unaufmerksamkeit.” Im Berufsalltag seien besonders Schichtarbeiter von chronischem Schlafentzug betroffen. “Medizinisch w√§re die Vorverlegung des Schichtsystems um zwei Stunden sinnvoll, auch sollte man am besten direkt vor der Nachtschicht schlafen”, r√§t Walzl. Sei es unvermeidbar, eine Nacht durchzuarbeiten, solle man zu Mitternacht ein kurzes Mittagsschl√§fchen machen. “Zwischen ein und drei Uhr morgen und auch zur selben Zeit nachmittags ist unsere Leistungskurve auf einem absoluten Minimum. 20 Minuten Schlaf zuvor k√∂nnen Wunder wirken”.

(Quellen: Der Standard, Sleep; 2010, 33: 97-106, “Uncovering Residual Effects of Chronic Sleep Loss on Human Performance” in: Science Translational Magazine Vol 2 Issue 14 (13 Jan 2010). Photo src:thomasschwenke.de)

Nov 13

In seiner mittlerweile ber√ľhmt gewordenen “Marshmallow-Studie” pr√§sentierte der Psychologe Walter Mischel 4-J√§hrige mit einer Herausforderung: “I√ü’ ein Marshmallow gleich jetzt – oder warte eine Weile und bekomme zwei!”

Einige begannen sofort zu essen, andere dagegen waren in der Lage, zu widerstehen. 14 Jahre sp√§ter fand Mischel erstaunliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen: jene, die gewartet hatten, waren vertrauensw√ľrdig geworden, selbstsicher und hatten guten schulischen Erfolg; jene, die nicht gewartet hatten, waren dagegen vergleichsweise impulsiv, stur, und schnitten deutlich schlechter bei einem Psychologischen Test ab, der die Probleml√∂sungskompetenz mi√üt (SAT Reasoning Test).

Der wichtigste Unterschied aber war nach Prof. Philip G. Zimbardo, PhD, ihre zeitliche Perspektive: Menschen, die ihre Belohnung aufschieben k√∂nnen, sind auch in ihrer Entscheidungsfindung zukunftsorientierter, w√§hrend diejenigen, die eine sofortige Belohnung erwarten, an ihre gegenw√§rtigen Bed√ľrfnisse gekettet sind. Jede Entscheidung ist demnach durch unsere internale Zeitperspektive bestimmt, eine Art unbewusste Reaktion, welche von Faktoren wie Familie, Wirtschaft, Geographie, Bildung und Kultur gepr√§gt ist. Wichtig sei eine Balance zwischen der Orientierung auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, so Zimbardo – wenn man den dunklen Aspekten einer dieser Zeitebenen zu viel Aufmerksamkeit schenke, k√∂nne sich das desastr√∂s auf unsere Gesundheit, Beziehungen und Finanzen auswirken.

Neigen Sie, das Leben in vollen Z√ľgen zu genie√üen, haben aber nie genug Geld am Konto? Dann sind Sie gegenwartsorientiert, was sowohl das Potenzial f√ľr gro√üe St√§rken, aber auch Risken hat: Gegenwartsorientierung findet sich einer einschl√§gigen Studie zufolge h√§ufig bei Spielern und Menschen, die riskante Formen von Sexualverkehr aus√ľben, oft ist sie verbunden mit Drogenmi√übrauch oder alkoholisiertem Fahren. Unter ihnen finden sich jedoch auch die am meisten energiegeladenen, freundlichen, spontanen und kreativen Menschen (Personality and Individual Differences Vol. 23, No. 6, p=1700).

Auch bei vergangenheitsorientierten Personen gibt es diese Polarit√§t: “Vergangenheits-Negative” glauben, die beste Zeit liege hinter ihnen, oder sie machen die Vergangenheit f√ľr ihre aktuellen Probleme verantwortlich. “Vergangenheits-Positive” dagegen haben ein vergleichsweise hohes Selbstwertgef√ľhl, sch√§tzen Weisheit und zeigen Dankbarkeit. Aber beide Typen haben Probleme, wenn sie mit ihrem Denken zu sehr in der Vergangenheit verhaftet sind: es sind die sog. Fortschrittsverweigerer – sie z√§hlen in einer Welt der st√§ndigen Ver√§nderung bald zu den Verlierern.

Hinsichtlich des materiellen und sozialen Erfolgs im Leben bew√§hrt sich offenbar ein leichter Hang zur Zukunftsorientierung, erl√§utert Zimbardo anhand Mischel’s Studie. Zukunftsorientierte Denker sind √∂fters erfolgreich, sparen Verm√∂gen an und achten mehr auf ihre k√∂rperliche und seelische Gesundheit. Eine zu starke Zukunftsorientiertheit allerdings kann zu sozialer Isolierung f√ľhren oder zur Vernachl√§ssigung von Beziehungen, Sex und Schlaf zugunsten der Arbeit oder abstrakten Lebenszielen.

Das Wissen √ľber die zeitbezogene Denkorientierung kann helfen, Patienten in Bezug auf ihre Therapieerfolge besser einzusch√§tzen, vielleicht auch zu unterst√ľtzen. Sowohl in der medizinischen Therapie, der Rehabilitation als auch in Psychotherapien sind Erfolge “vom Fleck weg” eher selten, zumeist mu√ü eine Phase ohne deutliche Ver√§nderung oder sogar Unwohlgef√ľhle (in der medizinischen Therapie nicht selten auch Schmerzen) ausgehalten werden, um gute Heilungserfolge zu erzielen. Patienten, die Therapien fr√ľhzeitig abbrechen, sind meist vergangenheits- oder gegenwartsorientiert. Jene, die durchhalten, realisieren, da√ü es ihnen langfristig besser gehen wird, auch wenn es im Moment unangenehm ist oder gar weh tut.

Insofern ist es wichtig, Patienten zu helfen, diese Dynamik zu verstehen, sie dabei zu unterst√ľtzen, ihre Perspektiven je nach Notwendigkeit flexibel anzupassen und damit ihr Potenzial besser zu n√ľtzen. “Wenn es Arbeit zu erledigen gibt, seien Sie zukunftsorientiert. Nach der Arbeit aber legen Sie eine Pause ein, g√∂nnen Sie sich eine Massage, belohnen und verw√∂hnen Sie die hedonistische Seite in Ihnen”, sagt Zimbardo. Auf die Balance kommt es an.”

(Photo credit: creatas; Quelle: Focus.de)

Blog-Begriffswolke:
ÔĽŅ10.06.18