Nov 06

Hatten Sie k√ľrzlich mit jemandem Kontakt, der v√∂llig die Kontrolle √ľber sich verlor?

Bei Kindern und Jugendlichen werden Verhaltensmuster, die die sozialen Normen oder die Grenzen der anderen verletzen, als “Verhaltensst√∂rungen” bezeichnet. Ich halte diese Begriffswahl an sich f√ľr problematisch, denn denn wer d√ľrfte sich schon anma√üen, “korrektes” Verhalten zu definieren? In der Fachwelt jedoch werden unter diesem Begriff konkret Aggressivit√§t, Bullying, L√ľgen, grausames Verhalten anderen Menschen oder Tieren gegen√ľber, destruktives Verhalten, Vandalismus und Diebstahl verstanden – und das gibt dann vermutlich doch einen ganz guten Eindruck dar√ľber, was gemeint ist.

Die betreffenden Minderj√§hrigen kommen meist aus problematischen Verh√§ltnissen, haben Mi√übrauchs-, Gewalterfahrungen oder einen Elternteil mit einem Suchtproblem. Werden ihre damit verbundenen Probleme nicht gel√∂st, k√∂nnen sich bei ihnen Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen entwickeln, wie die sogenannte “antisoziale Pers√∂nlichkeitsst√∂rung”, bipolare St√∂rungen oder Psychopathie. Diesen ist gemein, dass sie das Risiko f√ľr eigene oder fremde k√∂rperliche Verletzungen, Depressionen, Suchtverhalten, Gef√§ngnisstrafen, Mord oder Suizid stark erh√∂hen, unter anderem deshalb, weil die Betroffenen Konflikten nicht aus dem Weg gehen und h√§ufig auch vor dem Einsatz von Waffen nicht zur√ľckschrecken. H√§ufig besteht auch nur eine geringe Hemmung, andere zu betr√ľgen, zu bestehlen und das Eigentum anderer zu zerst√∂ren. Paradox ist, dass das Verhalten dieser Personen √§u√üerlich zwar sehr bestimmt und selbstbewu√üt wirken mag, sie sich im Grunde aber meist sehr allein, √§ngstlich und hoffnungslos f√ľhlen, was nicht selten zu Alkoholmi√übrauch, Depressionen und anderen Folgeproblemen f√ľhrt.

Am besten kann das Verhalten antisozialer Personen psychologisch erkl√§rt werden. Mediziner suchen nach rein k√∂rperlichen (z.B. genetischen) Erkl√§rungen, lassen dabei aber h√§ufig au√üer Acht, dass f√ľr viele Betroffene ihr aggressives Verhalten zum Selbstschutz und als Ventil f√ľr emotionale Spannungen dient. Diese Spannungen existieren nicht nur in ihnen selbst, sondern entstehen √ľberm√§√üig schnell auch im Kontakt mit anderen. Bei psychopathischen Pers√∂nlichkeitsz√ľgen mangelt es zus√§tzlich an Empathie und Verst√§ndnis f√ľr die Situation der anderen, was die Hemmung f√ľr Aggression und illegale Handlungen noch weiter herabsetzt

Es ist deshalb normalerweise empfehlenswert, offene Konflikte mit aggressiven oder antisozialen Personen zu vermeiden: nicht nur w√ľrden diese Leute im Konfliktfall unf√§hig sein, sich in Ihre pers√∂nliche Situation hineinzuversetzen, sondern auch dazu, den Konflikt auf Gespr√§chsebene zu kl√§ren, geschweige denn, auf konstruktive Weise. Besser ist es, zun√§chst auf Abstand zu gehen, um das Gegen√ľber emotional “abk√ľhlen” zu lassen, und es vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt nochmals zu versuchen.

Die Betroffenen selbst können mit psychologischer Hilfe bzw. Psychotherapie nach einiger Zeit zu deutlich besserer Selbstkontrolle und Lebenszufriedenheit finden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Bildquelle:willow-park.co.uk)

Oct 30

Eine Schw√§che ist besonders unter den Menschen, die in Helfer- und Service-Berufen arbeiten, h√§ufig: das sogenannte “Helfer-Syndrom“. Der starke Impuls, anderen Menschen zu helfen, sich wohler zu f√ľhlen, ist dabei unbewu√üt mit dem Ziel verbunden, das auch selbst zu tun und sich von eigenen Leeregef√ľhlen abzulenken. Wenn die Betroffenen dabei jedoch laufend √ľber die eigenen Grenzen gehen, sind Burnout und Depression nicht mehr weit – nicht ganz zuf√§llig sind Angeh√∂rige dieser Berufssparten (z.B. √Ąrzten, Therapeuten oder anderer Sozialberufe) √ľberaus h√§ufig davon betroffen.
Doch man kein professioneller Helfer sein, um ein “Helfer-Syndrom” zu entwickeln: genauso gut kann es auch ein Nachbar, ein Freund, ein Mitarbeiter oder Sie selbst sein, der dazu neigt, Verantwortungen und Aufgaben zu √ľbernehmen, um die andere instinktiv einen weiten Bogen machen w√ľrden.

Doch das ist nicht alles: das Helfer-Syndrom kann zu regelrecht mi√übr√§uchlichen Beziehungs-Konstellationen f√ľhren. Der “Helfer” auf der einen Seite mag zunehmend Burnout-Symptome entwickeln und sich ausgebeutet f√ľhlen, wenn seine Anstrengungen als selbstverst√§ndlich betrachtet werden und ihm wenig Dankbarkeit erwiesen wird. Nicht und nicht scheint er den Punkt zu erreichen, an dem jeder zufrieden ist.
Doch es existieren auch mi√übrauchende bzw. narzi√ütische Helfer: das mangelnde Gef√ľhl f√ľr die eigenen Grenzen f√ľhrt bei ihnen indirekt auch dazu, auf die Verantwortung dem anderen gegen√ľber zu “vergessen”. W√§hrend ein verantwortungsvoller Helfer seine eigenen Grenzen kennt und den anderen dabei unterst√ľtzen wird, st√§rker zu werden und sich nach M√∂glichkeit professionelle Hilfe zu suchen, m√∂chte der narzi√ütische Helfer ihn nicht aus seinem Einflu√ü entlassen – er kann nicht loslassen, bevor jene Ziele erreicht sind, von denen er selbst √ľberzeugt ist.

Unabh√§ngig davon, ob die Motive f√ľr das Helfer-Verhalten altruistisch (“Ich m√∂chte etwas zur√ľck geben”, “‚Ķverhindern, dass er/sie dieselben Fehler wie ich macht!”, “Ich m√∂chte etwas weitergeben” oder “Ich kann es schaffen!”‘) oder neurotisch motiviert sind: es ist immer ein Zeichen emotionalen Ungleichgewichts, wenn jemand die eigenen Grenzen ignoriert und versucht, alle Probleme im Alleingang zu l√∂sen.

Typische Formen ungesunder “Helfer-Beziehungen” sind Beziehungen mit wiederkehrenden emotionalen Wechselb√§dern, h√§ufig mit einem abh√§ngigen (“s√ľchtigen”) Partner, Partnerschaften mit selbstbezogenen, kontrollierenden oder gewaltt√§tigen Personen oder Beziehungen mit einem starken Ungleichgewicht an Macht, Bildung oder Geld. Derartige Beziehungsformen k√∂nnen f√ľr beide Partner zwar “funktionieren”, sie sind aber zumeist ver√§nderungsresistent oder gar -feindlich und verlieren die k√ľnstliche Stabilit√§t der gegenseitigen Abh√§ngigkeit, sobald sich etwas am besagten Ungleichgewicht zu ver√§ndern beginnt. Pers√∂nliche Weiterentwicklung ist in ihnen nur schwer m√∂glich, und aufgrund der inneren Zw√§nge leider h√§ufig auch das Erreichen wirklichen Lebensgl√ľcks. F√ľr professionelle Helfer existiert deshalb in vielen L√§ndern eine Verpflichtung zur Supervision, um ihr berufliches Verhalten zu reflektieren. F√ľr Laienhelfer bleibt h√§ufig nur die M√∂glichkeit, gut auf sich aufzupassen um uns nicht mehr als es uns und den anderen gut tut, in destruktiven “Helfer”-Ambitionen zu verstricken.

(Bildquelle: westallen.typepad.com)

Sep 14

‘Echo and Narcissus’ by John William Waterhouse (image source: oceansbridge.com)

Narzissmus bzw. “Selbstliebe” ist grunds√§tzlich eine wichtige Basis unserer Pers√∂nlichkeit: er treibt uns dazu an, uns um uns selbst zu k√ľmmern. Als pathologische, schwere Pers√∂nlichkeitsst√∂rung wird er nur dann betrachtet, wenn er sch√§digend wirkt – entweder f√ľr andere oder die Betreffenden selbst. Tats√§chlich ist es keineswegs immer nur die Umwelt, die unter dem Narzissmus Einzelner zu leiden hat: manche Narzissten neigen dazu, sich selbst zu sehr zu “verw√∂hnen” – sie leben √ľber ihre Verh√§ltnisse, irgendwann aber bricht ihre Welt zusammen und Schulden, k√∂rperliche Krankheiten oder andere durch den Ressourcenmi√übrauch verursachte Probleme holen sie ein.

Die Grundlage krankhaften Narzissmus’ ist ein schwaches Selbstwertgef√ľhl, auf dessen Basis die betreffenden Personen – gewisserma√üen √ľberkompensierend – Grandiosit√§tsgef√ľhle entwickeln, ihre F√§higkeit zur Empathie dagegen nicht ausreichend ausgebildet wird. Es ist deshalb schwierig f√ľr sie, die Gr√ľnde der Handlungen anderer nachzuvollziehen, viel st√§rker bewegen sie die Auswirkungen dieser Handlungen auf sich selbst, etwa, wenn ihnen jemand bestimmte “Probleme bereitet”. Meist h√∂rt man dann lautstarke Klagen dar√ľber, warum sich die andere Person nicht so verhalten hat, wie der Narzisst sich dies erwartete, und es kann keine Ruhe mehr gefunden haben, bis die Hindernisse aus dem Weg ger√§umt wurden oder “Gerechtigkeit” wiederhergestellt ist.

Die Gr√∂√üengef√ľhle und die enorme Bedeutung, die das Umsetzen ihrer Ideen, Absichten und Ziele f√ľr sie hat, k√∂nnen jedoch auch zu einer massiven Last werden. Personen, die ihre Position in Frage stellen oder auch die M√∂glichkeit eines Zusammenbrechens ihrer Konstrukte stellen eine latente Bedrohung dar. Auch nat√ľrliche Vorg√§nge wie das Altern oder strukturelle Ver√§nderungen werden als bedrohlich empfunden: denn wenn das Selbstwertgef√ľhl nicht mehr so einfach wie fr√ľher durch Macht und Einfluss gest√§rkt werden kann oder altersbedingt geistige Ressourcen, Kraft und Leistung (bei M√§nnern insbesondere auch die Potenz) nachlassen, sind schmerzvolle Anpassungsprozesse erforderlich, mitunter erfolgen mentale Zusammenbr√ľche, Suchtverhalten oder Depressionen mit Suizidgedanken stellen sich ein.

Die Wurzeln der narzisstischen St√∂rung liegen wie bei den meisten anderen psychischen St√∂rungen auch in der Kindheit. Die US-Journalistin Jean Liedloff, die bei einem s√ľdamerikanischen Stamm gelebt hat, thematisiert in ihrem Buch “Auf der Suche nach dem verlorenen Gl√ľck” (siehe Link unten) den Verlust des narzisstischen Gef√ľhls “Ich bin etwas wert” in der westlichen Welt. Beim Stamm der Yequana werden die Babys ein Jahr am K√∂rper herumgetragen, schlafen bei den Eltern, Tadel oder mahnende Worte gibt es nicht. Die Kinder erhalten damit eine gute und stabile Selbstwertbasis, die sich auf k√∂rperlicher Ebene mit der Muttermilch vergleichen lie√üe, die das Immunsystem des Babys st√§rkt.

Zur√ľckweisung oder Kritik dagegen erlebt ein Kleinkind als narzisstische Kr√§nkung – erf√§hrt es zuviel davon, kann sich eine destruktive Dynamik entwickeln. H√§ufig versuchen solche Kinder sp√§ter, die Zur√ľckweisung anderer mit besonderem Ehrgeiz oder anderen Kompensationsversuchen auszugleichen. Dies k√∂nnte erkl√§ren, wieso kleine M√§nner besonders h√§ufig in Machtpositionen zu finden sind. Vor dem Hintergrund des Werteverlusts in der westlichen Gesellschaft wiederum k√∂nnten zahlreiche Facetten der westlichen Kultur, etwa die bei vielen beliebte Selbstdarstellung in den sog. “sozialen Netzwerken”, oder Aspekte der Fitne√ü- oder Selbstfindungs-Bewegung, als narzisstische Kompensationsversuche gedeutet werden.

Kann das vorhandene Selbstwertgef√ľhl besonders starke “narzisstische Kr√§nkungen” (etwa einen Verlust des Arbeitsplatzes und eine kurz darauffolgende Trennung) nicht verarbeiten, kann die St√∂rung ins Pathologische kippen und sich in Gewaltt√§tigkeit, Amokl√§ufen, Somatisierungen (psychosomatische Erkrankungen), Sucht oder Depression manifestieren. Diese Symptome k√∂nnen gewisserma√üen als Ventil gesehen werden, √ľber die sich der Schmerz einer nicht verarbeitbaren psychischen Verletzung entl√§dt.

Der Narzisst – und die anderen

Narzissten sind h√§ufig entweder Einzelg√§nger (da sie sich von potenziellen Beziehungspartnern gebremst f√ľhlten oder schlicht kein Interesse haben, ihr Leben mit einer anderen Person zu teilen) oder aber es treffen sich zwei Narzissten, die gemeinsam ihren jeweiligen Zielen nachjagen, emotional aber nur in sehr begrenztem Ausma√ü Intimit√§t zueinander herstellen k√∂nnen. Manchmal wird geliebt, um selbst geliebt zu werden – oder das “Haben” einer Beziehung ist im Grunde wichtiger als der Partner selbst. Man lebt nebeneinander her, vom Partner wird in erster Linie Anerkennung und Respekt erwartet sowie Toleranz f√ľr die mitunter weit in die Abende oder N√§chte dauernden beruflichen und Hobby-Aktivit√§ten.
In der Arbeitswelt und im Freundeskreis wirken Narzissten h√§ufig souver√§n, eloquent bis schillernd-charismatisch. Wesentliche Teile des betreffenden Verhaltens sind jedoch mehr oder weniger bewu√üte Selbstdarstellungen und Inszenierungen, und der Eindruck der Souver√§nit√§t und Sicherheit ist ein gewollter, ja gesuchter. Wird die eigene Grandiosit√§t √ľbersch√§tzt, kann dies schlimme Folgen haben: etwa wenn beim Einstellungsgespr√§ch ein guter Eindruck erzeugt wurde, sp√§ter aber durch tats√§chliche Inkompetenz Probleme f√ľr den Arbeitgeber entstehen. Das starke Streben vieler Narzissten nach Top-Positionen, Inszenierung und Aufmerksamkeit ist besonders dann problematisch, wenn diese Personen √ľber Macht und Einflu√ü verf√ľgen: aufgrund ihres Mangels an Empathie gehen sie gewisserma√üen “√ľber Leichen”, um ihre Ziele zu erreichen und untersch√§tzen (oder ignorieren) die Folgen ihres Handelns.

√úber den Weg einer Psychotherapie kann es Narzissten gelingen, ihre Lebenszufriedenheit signifikant zu erh√∂hen und zu einem achtsameren Umgang mit sich selbst und anderen zu finden – auch wenn bestimmte Grundz√ľge besonders ausgepr√§gter narzisstischer Pers√∂nlichkeiten nur schwer oder gar nicht ver√§nderbar sind.

Buchtipps:
Jean Liedloff, “Auf der Suche nach dem verlorenen Gl√ľck” – Gegen die Zerst√∂rung unserer Gl√ľcksf√§higkeit in der fr√ľhen Kindheit
Telfener / Liebl, “Hilfe, ich liebe einen Narzissten” – √úberlebensstrategien f√ľr alle Betroffenen
Wardetzki, B., “Eitle Liebe” – Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen k√∂nnen
Behary / Kierdorf / H√∂hr, “Der Feind an Ihrer Seite.” – Wie Sie im Umgang mit Egozentrikern √ľberleben und wachsen k√∂nnen
Berschneider, W.: “Wenn Macht krank macht”Narzissmus in der Arbeitswelt
Bergmann, W.: “Ich bin der Gr√∂√üte und ganz allein” – Die innere Not unserer Kinder: Der neue Narzissmus unserer Kinder
Wardetzki, B.: “Weiblicher Narzi√ümus – Der Hunger nach Anerkennung

Sep 11

Kaufsucht ist kein ausschlie√üliches Frauenproblem, sondern betrifft auch M√§nner, wie Marketing-Forscher der Zeppelin Universit√§t aufzeigten. Die bei Suchtverhalten spezifischen neuronalen Muster sind bei kaufs√ľchtigen M√§nnern wie Frauen vergleichbar mit jenen bei Alkohol- oder Nikotins√ľchtigen. “M√§nner sind weit h√§ufiger kaufs√ľchtig als vielfach vermutet wird. Man sollte dieses Suchtverhalten auch bei ihnen nicht bel√§cheln”, fordert Studienleiter P. Kenning.

Rund eine Million Menschen wird in den deutschsprachigen L√§ndern als kaufs√ľchtig gesch√§tzt, und jeder Zwanzigste ist davon gef√§hrdet. Die Problematik der Kaufsucht ergibt sich zun√§chst aus dem Leben √ľber die eigenen finanziellen Verh√§ltnisse. Teure Artikel werden impulshaft gekauft, h√§ufig auch nicht ausgepackte Ware gehortet. In Folge ergeben sich weitere, teils dramatische Konsequenzen, etwa an der Arbeitsstelle, hinsichtlich der Altersversorgung, soziale Folgen sowie solche f√ľr die Familien der Betroffenen.

In der Untersuchung verglichen nun die Forscher die Reaktionen von M√§nnern mit und ohne starker Kaufsucht-Tendenz und verwendeten dabei typische M√§nner-Markenprodukte als Stimuli. Hierbei war in der funktionellen Magnetresonanz bei potenziell Kaufs√ľchtigen das Belohnungszentrum des Gehirns deutlich aktiver als bei M√§nnern ohne Kaufsucht. “Es ist dieselbe √ľbersteigerte Reaktion, die man bei Alkoholikern mit einer Flasche Wein oder bei Nikotins√ľchtigen mit einer Schachtel Zigaretten ausl√∂st. Sie spiegelt Vorfreude und starkes Verlangen oder Echo erfahrener Belohnung wider”, berichtet Kenning.

Die meisten M√§nner bejahen die Frage, ob sie Marken wie Rolex oder Mercedes attraktiv finden und gerne kaufen w√ľrden. “Den Unterschied, der Kaufsucht-Gef√§hrdete kennzeichnet, sieht man erst in der √ľbersteigerten Hirnaktivit√§t. Das ist ein Grund mehr, warum man Kaufsucht als Krankheit definieren sollte”, so der Forscher. Wie sehr die festgestellte Reaktion sozialisiert sei oder auf genetische oder epigenetische Strukturen zur√ľckgehe, sei bisher aber noch nicht nachweisbar.

Kaufsucht-gef√§hrdete M√§nner reagieren stark auf Marken, vor allem bei Textilien, Uhren, technischen Accessoires und Gadgets, Sportartikel, Wein, Schuhen und Autos. “Manche haben einen Fuhrpark von 70 Autos, obwohl sie immer nur eines fahren k√∂nnen. Auch hier ist √ľbersteigerte Belohnung im Spiel”, so der Forscher.

Frauen werden h√§ufiger mit Kaufsucht in Verbindung gebracht, da sie meist die Haushalte f√ľhren und h√§ufiger einkaufen, weshalb auch die Werbung √ľberwiegend auf sie zugeschnitten sei. Doch bestehe bei einschl√§gigen Studien lt. “Kaufsucht-Forscherin” L. Reisch von der Universit√§t Kopenhagen ‚Äě…meistens das Problem unzureichender Stichproben. Frauen sind therapiewilliger, selbstkritischer und melden sich eher f√ľr solche Studien”, so die Expertin. Auch seien die Fragen der Skalen, die Kaufsucht messen, eher auf das weibliche Einkaufen ausgerichtet, da M√§nner andere Artikel und mit anderen Emotionen kaufen.

Marketing konzentriert sich heute zunehmend auf den Aufbau einer Beziehung statt auf die Transaktion des Produkterwerbs. Kenning hinterfragt “… ob wir langfristig Marken derart emotional aufladen d√ľrfen, dass Menschen davon s√ľchtig werden. Einerseits m√ľssen die Unternehmen vor derart negativen Folgen gesch√ľtzt werden, andererseits aber nat√ľrlich auch die Konsumenten”.

(Quelle: Zeppelin-Universität; Image src: 1:netdoktor.de 2:rhein-zeitung.de)

Jul 23

Mark Twain sagte: “Das Rauchen aufzugeben, z√§hlt zu den einfachsten Dingen √ľberhaupt. Ich muss es wissen, schlie√ülich habe ich es tausende Male getan!”

Nun, wir wissen es alle: mit dem Rauchen aufzuh√∂ren, reduziert das Risiko schlimmer Erkrankungen wie Krebs und Gef√§√üerkrankungen, es verbessert die Zeugungsf√§higkeit, das Atmen und die k√∂rperliche Leistungsf√§higkeit. Ein anderer Vorteil des Aufh√∂rens ist, dass das Essen wieder besser schmeckt (f√ľr manche ist dies allerdings ein Grund, weiterzurauchen, da dieser Vorteil mit ihrer Essst√∂rung nicht harmoniert‚Ķ). Sie w√ľrden wieder besser und j√ľnger aussehen, besser riechen und sich daneben noch eine Menge Geld ersparen. Aber warum f√§llt es dann vielen so schwer, die Gewohnheit – oder Sucht -, zu rauchen aufzugeben?

Die Gr√ľnde f√ľr sie lassen sich auf 2 wesentliche Faktoren reduzieren: Nikotin und Gewohnheit. Nikotin ist eine stark s√ľchtigmachende Substanz, die auf nat√ľrliche Weise in der Tabakpflanze vorkommt, und l√∂st bei Ihrem Gehirn die Freisetzung eines Feuerwerks an Dopamin aus – dem Hormon, das uns auch an Essen und Sex erfreuen l√§√üt. Es erh√∂ht auch die Aktivit√§t in Hirnbereichen, die f√ľr kognitive Funktionen wichtig sind – zu rauchen kann also die Konzentrationsf√§higkeit erh√∂hen. Und als ob dies alles noch nicht genug w√§re erh√∂ht Nikotin auch unseren Endorphinspiegel, was ein Gef√ľhl von Euphorie erzeugt. Ein solch bequemes Hilfsmittel, das einen auf so viele Weise besser f√ľhlen l√§√üt, gibt man nat√ľrlich nicht einfach auf. Noch dazu, wo das Aufh√∂ren meistens deutlich sp√ľrbare Entzugseffekte mit sich bringt.

Ein weiterer wichtiger Faktor f√ľr diese spezielle Sucht ist Gewohnheit – die kleinen Abl√§ufe, die mit dem Rauchen verbunden sind. Rauchen ist h√§ufig mit t√§glichen Aktivit√§ten und Ausl√∂sesituationen verbunden wie etwa: nach dem Essen, beim Plaudern mit Freunden, beim Pause-machen, am Computer, in Stress-Situationen (zur Entspannung) u.v.m. Diese Aspekte des Rauchens zu √ľberwinden kann genauso herausfordernd sein wie die k√∂rperliche Gew√∂hnung.

Folglich ben√∂tigen die meisten Menschen, die ein f√ľr alle Mal mit dem Rauchen aufh√∂ren m√∂chten, eine Methode, die ihnen hilft, beide Schwachpunkte anzugehen: die Sucht selbst und die Verhaltensgewohnheiten, die damit verbunden sind. Die bestehenden “Fallen” m√ľssen identifiziert und danach neue Abl√§ufe entwickelt werden, die es einfacher machen, die Impulse zum Anz√ľnden der n√§chsten Zigarette zu √ľberwinden. Hypnotherapie kann hier sehr gut unterst√ľtzen, andererseits aber auch keine Wunder bewirken ohne einen klaren Entschluss der Betroffenen, ihre Abh√§ngigkeit in den Griff zu bekommen. Die ersten Wochen sind meist die schwierigsten. Nach 8-12 Wochen f√ľhlen sich die meisten jener, die es soweit geschafft haben, ohne das Rauchen bereits wohler. Aber auch davon “schaffen” es nur 3 von 10 Menschen, dauerhaft aufzuh√∂ren.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:s3.hubimg.com)

Feb 12

Die meist verwendeten Schlaf- und Beruhigungsmittel wie beispielsweise Temesta, Dalmadorm oder Valium geh√∂ren zur Klasse der Benzodiazepine. Im Magazin “Nature” wurden nun die Ergebnisse einer Studie des Forschungsteams um Ch. L√ľscher an der Universit√§t Genf publiziert, nach denen Benzodiazepine – genau wie Heroin, Haschisch und andere Drogen auch – gezielt die Aktivit√§t derjenigen Nervenzellen reduzieren, welche normalerweise das Belohnungssystem im Mittelhirn im Zaum halten. Wenn das entfesselte Belohnungssystem jedoch keiner Kontrolle mehr untersteht, kann es abw√§gende Entscheidungen zunehmend verunm√∂glichen und das zwanghafte Verhalten ausl√∂sen, das die Sucht definiert.

Selektiv wirksame Substanzen, die nur mit vereinzelten Untereinheiten der beteiligten GABA(A)-Rezeptoren interagieren, also zwar schlaff√∂rdernd wirken, jedoch nicht s√ľchtig machen, seien zwar vorhanden, wurden bisher jedoch nicht klinisch entwickelt.

Psychotherapie oder andere erfolgreiche und seit Jahrzehnten etablierte Methoden, den Schlaf zu verbessern bzw. Schlafstörungen zu beseitigen, fanden in den Schlußfolgerungen keine Erwähnung.

(Quelle: Neural bases for addictive properties of benzodiazepines in: Nature 463, 769-774 (Feb 11, 2010); doi:10.1038/nature08758; Bild: fernsehen.ch)

Jan 20

Laut internen Statistiken der italienischen Gesellschaft zur Bek√§mpfung der Suchtkrankheiten (SIIPAC) ist im vergangenen Jahrzehnt die Zahl der einkaufss√ľchtigen ItalienerInnen um zehn Prozent gewachsen und betrifft heute in Italien ca. 5% der erwachsenen Bev√∂lkerung.

85 Prozent der “Shopaholics” seien Frauen, doch in den vergangenen Jahren habe auch die Zahl der betroffenen M√§nner stark zugenommen. “An Shopping-Manie leiden normale Menschen, die meist zwischen 35 und 40 Jahren sind. Einige sind sogar zu illegalem Verhalten bereit, um sich das Geld zum Einkaufen neuer Dinge zu verschaffen”, so C. Guerreschi, Pr√§sident der Gesellschaft.

In einem Interview mit dem Magazin “Girl” hat Victoria Beckham offen ihr zwanghaftes Einkaufen zugegeben: “Zu Weihnachten habe ich zu viel ausgegeben. Konsum ist wie eine Droge. Je mehr man hat, desto mehr w√ľnscht man sich. Wenn ich in Mailand bin, kann ich der Versuchung nicht widerstehen. All diese Waren in den wundersch√∂nen Boutiquen rufen mir zu: ‘Kauf mich, bitte kauf mich”, erkl√§rte sie. Zur Entschuldigung meinte sie: “Shopping hilft der Wirtschaft in dieser Krisensituation.”

Beckham liegt offenbar im Trend, denn viele Betroffenen kaufen aus Frust, Mangel an sozialen Kontakten oder Depression ein. Nur selten werden die gekauften Kleider, elektronischen Artikel oder Accessoires wirklich benötigt, sondern bleiben meist ungenutzt in den Schränken liegen. Ein Problem erkennen die meisten erst dann, wenn sie sich wegen ihrer Sucht verschulden.

Die “Shopping-Manie” wird in Italien wie auch die Spielsucht bereits als Krankheit behandelt. “Oft werden Patienten von ihren Angeh√∂rigen zu uns gebracht, nachdem sie die Familie finanziell an den Rand des Bankrotts getrieben haben”, so ein Psychologe der Organisation. “Die tiefe Ursache ist Depression, die zum Zwang f√ľhrt, mit Materiellem die innere Leere zu f√ľllen. Hinter der Sucht stehen auch Angst und Flucht vor der Verantwortung”, so der Psychologe.

(Bild: VLC/DailyMail.co.uk)

Dec 19

Das √∂sterreichische Testmagazin “Konsument” vergleicht in seiner J√§nner-Ausgabe nikotinfreie Therapiehilfen. Das Ergebnis: Beratung und psychotherapeutische Unterst√ľtzung, eventuell in Kombination mit Medikamenten, f√ľhren eher zur Abstinenz als viele “alternative” Mittel.

Unter den rezeptpflichtigen Medikamenten zeigte sich bei Varenicilin, da√ü es h√§ufig Nebeneffekte mit sich bringt, etwa Kopfschmerzen, √úbelkeit und Schlaflosigkeit sowie depressive Verstimmungen. Nach einem Jahr liegt die Abstinenzrate bei 20%, unklar ist jedoch, ob der Effekt √ľber die Anwendungsdauer hinaus anh√§lt. Beim “Antidepressivum” Bupropion (aka Wellbutrin, Amfebutamon, Zyban) existieren noch zu wenig Daten bez√ľglich Nebenwirkungen und Langzeiterfolg, kurzfristig jedoch kann es bei der Entw√∂hnung unterst√ľtzen.

Zu Hom√∂opathie, Bachbl√ľtentherapie und Akupunktur wurde von Konsument festgestellt, da√ü bisher “kein wissenschaftlicher Beweis f√ľr eine √ľber den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung vorliegt”.

Die Papaya, Haselnu√ü, Pfefferminz und Eukalyptus enthaltenden NTB-Kr√§uterretten sind g√ľnstig, die Belastung “mit toxischen und kanzerogenen Rauchinhaltstoffen” sei allerdings ebenfalls sehr hoch, so die Analyse. Zur Zigarettenattrappe Smoz aus Kunststoff mit Pfefferminz-, Erdbeer- oder Zitronenaroma weist der Hersteller selbst darauf hin, dass Smoz nicht f√ľr den Nikotinentzug geeignet ist.

Auch f√ľr den Einsatz von Hypnose in der Raucherentw√∂hnung gibt es laut “Konsument” bisher keine wissenschaftlichen Nachweise.

Raucherberatung und Psychotherapie: Die von Krankenkassen und √Ąrzten angebotenen Beratungen sowie psychotherapeutische Verfahren erh√∂hen die Erfolgsquoten deutlich, so die Tester. Bei einzelnen davon entspricht die Wirksamkeit jener einer Zyban-Behandlung: nach einem Jahr waren 39% rauchfrei, w√§hrend im gleichen Zeitraum nur 12% der medikament√∂s behandelten Raucher abstinent blieben.

Hinweis R.L.Fellner:
Den Testergebnissen zur Hypnose mu√ü allerdings deutlich widersprochen werden, jedenfalls, sofern “Hypnose” mit speziellen, auf Hypnotherapie basierenden Entw√∂hungsprogrammen (Link f√ľhrt zu Info-Artikel) gleichgesetzt wird. Zur Wirksamkeit letzterer existieren umfangreiche Studien, die erste davon jene von Kline aus dem Jahre 1980. Allerdings weisen viele dieser Studien z.T. erhebliche methodische M√§ngel auf, wie C.C.Schweizer in ihrer Arbeit “Hypnotherapie bei Nikotinabusus” korrekt feststellt. Dieser zufolge d√ľrfte die Erfolgsquote von Hypnotherapie je nach eingesetzter Methodik zwischen 25% und 46% liegen.

(Quellen: Konsument 01/2010, Der Standard 18.12.2009, Schweizer, Cornelie C., “Hypnotherapie bei Nikotinabusus” (Diss. , 2006), Kline M.V., “The Use Of Extended Group Hypnotherapy Sessions in Controlling Cigarette Habituation” in: The Internations Journal of Clinical and Experimental Hypnosis. 18. 270-282. Bildquelle:mentaltraining-hypnose.de)

Oct 19

Wenn jemand viel mehr Waren erwirbt, als er sich leisten kann, dann ist dieses Verhalten vermutlich die Folge tiefliegender psychischer St√∂rungen, wie eine Studie des Uniklinikums Erlangen aufzeigt. Der Anteil der einschl√§gig Suchtgef√§hrdeten zwischen 14 und 24 Jahren ist in den letzten Jahren in Gesamteuropa deutlich gestiegen. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Insgesamt ist fast jeder dritte Mensch in √Ėsterreich ist zumindest kaufsuchtgef√§hrdet.

Im Rahmen der Studie wurde anhand standardisierter psychologischer Tests die psychische Gesundheit von kaufs√ľchtigen Personen mit der von gesunden sowie von essgest√∂rten Menschen verglichen. Das Ergebnis: Kaufs√ľchtige sind nicht nur stark verschuldet, sondern leiden sehr h√§ufig dar√ľber hinaus auch unter Depressionen, Angst- und Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen. 80% der Kaufs√ľchtigen hatten schwere √Ąngste, 63% litten an Depressionen, 23% an Essst√∂rungen. “Die Ergebnisse verdeutlichen das immense Ausma√ü psychischer Komorbidit√§t bei Patientinnen mit pathologischem Kaufverhalten”, so die Wissenschafter. In einer Therapiegruppe der √Ėsterreichischen Arbeiterkammer war fast die H√§lfte der von Kaufsucht betroffenen Personen auch vom so genannten ‘Messie-Syndrom’ betroffen. M√∂glicherweise ist also Kaufsucht keine eigenst√§ndige St√∂rung, sondern vielmehr ein Symptom des Verm√ľllungssyndroms.

“Ganz offensichtlich handelt es sich zumindest bei der hier untersuchten Stichprobe von kaufs√ľchtigen Patientinnen um ein psychisch sehr krankes Kollektiv, so dass diskutiert werden muss, ob pathologisches Kaufverhalten nicht besser als eine Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen verstanden werden sollte”, schreibt die Psychologin A. M√ľller im Fachblatt “PPmP – Psychotherapie Psychosomatik und Medizinische Psychologie”.

Kaufs√ľchtige sp√ľren regelm√§√üig einen unwiderstehlichen Impuls zum Erwerb unn√∂tiger Waren, die das finanzielle Budget weit √ľbersteigen. Die meisten untersuchten Betroffenen sind verschuldet (was gro√üz√ľgige √úberziehungskonditionen von Banken und Kreditkartenfirmen h√§ufig verschleiern), durchschnittlich mit rund 45.000 Euro. Studien deuten darauf hin, dass Kaufsucht nicht mit Medikamenten behandelbar ist, sondern eher mit Psychotherapie.
Kaufsucht zählt zu den nicht substanzbezogenen Abhängigkeitsformen. Subtil ist die Definition der Kaufsucht, da sie sonst leicht bagatellisiert werden kann. Folgende Kriterien weisen auf eine tatsächliche Sucht hin: Der Drang immer wieder zu kaufen, der Verlust der Selbstkontrolle, man kauft häufiger, immer mehr und immer teurere Dinge. Das Einkaufen wird zum Lebensmittelpunkt. Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unwohlsein, psychosomatische Erkrankungen, Selbstmordgedanken sind ebenfalls Hinweise auf eine ernsthafte Störung. Von Männern werden im Zuge von Kaufsucht besonders häufig Autos sowie elektronische Geräte erworben, von Frauen Kleidung, Schmuck und Dekorationsgegenstände.

(Quelle: APA 08/2009. Photo src:DerStandard.at)

Weitere Artikel auf dieser Website:

Diskussionen im Online-Forum f√ľr Nicht substanzbezogene Abh√§ngigkeiten
Interview Messies – Das Verm√ľllungs-Syndrom
Das Messie-Syndrom – Alles in Unordnung?

Sep 28

“Binge Drinking” wird analog zum “Binge Eating” aus dem Bereich der Essst√∂rungen wie folgt definiert: f√ľnf oder mehr Drinks pro Anlass, mindestens einmal im vergangenen Monat.

Diese Form des Alkoholmi√übrauchs wird h√§ufig im Zusammenhang mit Teenagern und Studenten erw√§hnt, eine k√ľrzlich im American Journal for Psychiatry ver√∂ffentlichte Studie legt jedoch nahe, dass durchaus auch √§ltere Erwachsene Probleme damit haben. Aus einer ihr zugrundeliegenden Umfrage unter 11.000 Amerikanern ab 50 Jahren geht hervor, dass 23 Prozent der M√§nner und neun Prozent der Frauen solch verst√§rkten Alkoholkonsum aufwiesen. Auch bei den √ľber 65-J√§hrigen fanden sich 14 Prozent bei den M√§nnern und drei Prozent bei den Frauen.

Binge Drinking ist ein Risikofaktor f√ľr verschiedene gesundheitliche Folgeprobleme: Verletzungen, Gewalt, neurologische Sch√§den und Bluthochdruck. Indirekte Folgeprobleme sind Beziehungskrisen und Probleme im sozialen Umfeld. Die Forscher schreiben im American Journal of Psychiatry, dass Binge Drinking im fortgeschrittenen Alter noch einmal ein h√∂heres Risiko f√ľr die Gesundheit bedeutet als in jungen Jahren: so k√∂nnen sich chronische Krankheiten aufgrund des √ľberm√§√üigen Alkoholkonsums verschlechtern. Allerdings, so schreiben die Wissenschafter, hei√üe Binge Drinking meist nicht gleich Alkoholsucht, weswegen das Trinkverhalten von den Betroffenen auch oft nicht thematisiert und verdr√§ngt wird.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: M√§nner, die Binge Drinker waren, hatten u.a. auch ein h√∂heres Risiko f√ľr illegalen Drogengebrauch. Frauen hingegen wiesen ein h√∂heres Risiko f√ľr Medikamentenmissbrauch auf.

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The Epidemiology of At-Risk and Binge Drinking Among Middle-Aged and Elderly Community Adults: National Survey on Drug Use and Health in: Am J Psychiatry Published August 17, 2009; doi: 10.1176/appi.ajp.2009.09010016

ÔĽŅ01.09.19