Mar 18

Gastbeitrag von Mag. Karin Steiner

z.B. Reizdarm, Reizmagen

Magen- und Darmbeschwerden stellen häufige körperliche Symptome dar, die oft mit einem erheblichen Leidensdruck einhergehen.
15-30% der Bevölkerung sind davon betroffen. Frauen doppelt so häufig als Männer.
Eine Reizdarmsymptomatik f√ľhrt oft zu schweren Beeintr√§chtigungen der sozialen und beruflichen Funktionsf√§higkeit, da die Angst vor einer k√∂rperlichen ‚ÄěUnp√§sslichkeit‚Äú (wie bspw. Durchfall) die gesamte innere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

Was ist ein Reizdarm?

Ein Reizdarm macht sich bemerkbar mit wiederkehrenden Bauchschmerzen bzw. chronischem Unbehagen der Bauchregion √ľber einen l√§ngeren Zeitraum hinweg (seit mindestens 6 Monaten). Zus√§tzlich k√∂nnen Bl√§hungen, Schleimbeimengungen im Stuhl und auch das Gef√ľhl der inkompletten Stuhlentleerung auftreten.

Das Reizdarmsyndrom kann vorwiegend eher mit Verstopfung, oder eher mit Durchfall, bzw. mit beiden Beschwerden einhergehen.

Was ist ein Reizmagen?

Beim Reizmagen treten dauerhafte oder wiederkehrende Schmerzen/Brennen bzw. Beschwerden im Oberbauch auf. Begleitet k√∂nnen die Schmerzen durch ein V√∂llegef√ľhl bzw. ein fr√ľhes S√§ttigungsgef√ľhl nach der Mahlzeit werden. Manchmal kann es auch zu einem vermehrt auftretenden √úbelkeitsgef√ľhl und Erbrechen kommen.

Ursachen

H√§ufige Entz√ľndungsbereiche (Bild: kompetenznetz-ced.de)

Das enterale Nervensystem ist ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen, das nahezu den gesamten Verdauungstrakt durchzieht. Es spielt bei der Kontrolle der Verdauungsvorg√§nge eine wesentliche Rolle. Es funktioniert wie ein Gehirn im Darm und kommuniziert mit dem zentralen Nervensystem (Hirn-Darm-Achse). Diesbez√ľgliche Erkenntnisse lassen vermuten, dass neben biologischen Prozessen auch die psychische Situation einen wesentlichen Einfluss auf Entstehung und Aufrechterhaltung der Magen-Darm-Beschwerden aus√ľbt.
PatientInnen mit funktionellen gastrointestinalen St√∂rungen sp√ľren ihre normale Verdauung als Schmerz. Sie reagieren mit einem gesteigerten Schmerzempfinden auf die Dehnungsreize im Darm.
Diese √úberempfindlichkeit kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Neben Infektionen des Magen-Darm-Trakts, Nahrungsmittelunvertr√§glichkeiten, spielen auch psychische Ursachen eine Rolle. Stress und belastende Lebensereignisse haben einen direkten Einfluss auf das Verdauungssystem. Mittels funktionellem Magnetresonanz-Imaging (=bildgebendes Verfahren) von Hirnfunktionen konnten Nachweise f√ľr die enge Verbindung zwischen Gehirn und dem Verdauungstrakt unter Stress erbracht werden.
Auch eine famili√§re H√§ufung der Beschwerden konnte nachgewiesen werden. Dies kann sowohl durch eine erbliche Vorbelastung erkl√§rt werden, als auch als Verhalten (Kinder beobachten ihre Eltern, √ľbernehmen deren Klagen und Beschwerden) kopiert werden.

Die Mehrzahl der Betroffenen leiden auch an psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, Angst- und somatoforme (= körperliche Symptome ohne ausreichende organische Ursachen) Störungen.

Wodurch können Symptome ausgelöst werden?

Nahrungsmittel sind häufig Auslöser von Symptomen. Die Mehrzahl der PatientInnen
(50-70%) leiden auch an Nahrungsmittelunvertr√§glichkeiten. Nahrungsmittelbestandteile, ob nat√ľrlich oder k√ľnstlich hergestellt, k√∂nnen bei vielen Menschen Bauchschmerzen, Bl√§hungen und Durchf√§lle ausl√∂sen.
Milch (-zucker), Kaffee (Coffein), fettreiche Nahrung, Alkohol, zuckerfreier Kaugummi (Sorbitol), gasproduzierende Mahlzeiten (M√ľsli, H√ľlsenfr√ľchte, Zwiebel, etc.), aber auch eine hastige Nahrungsaufnahme und Essen unter psychisch belastenden Umst√§nden (Zeitdruck oder bei gleichzeitiger Problembesprechungen usw.) k√∂nnen Magen-Darmbeschwerden hervorrufen.

Behandlungsmöglichkeiten

Viele Betroffene haben bereits eine Odyssee an verschiedenen Behandlungen hinter sich, die häufig wenig Verbesserung der Symptomatik brachten. Dementsprechend können auch Folgesymptome wie bspw. depressive Verstimmungen oder Angstzustände (Angst vor einer Tumorerkrankung) auftreten.

Eine Krankheitsbehandlung, die all den Erkenntnissen √ľber die Zusammenh√§nge gerecht werden will, muss dementsprechend weit gefasst sein. Das hei√üt, dass k√∂rperliche und psychosoziale Faktoren gleicherma√üen in der Behandlung ber√ľcksichtigt werden.
Somit ist die Kombination von medikamentöser Behandlung der körperlichen Symptome einerseits, und Psychotherapie, um die psychosozialen Leiden der betroffenen Personen zu mildern, andererseits, die wirkungsvollste Methode.

Nach Univ. Prof. Dr. Gabriele Moser (AKH Wien) sollte die Therapie Рabgestuft nach Schweregrad Рfolgendermaßen erfolgen:

  • Medizinische Abkl√§rung (Anamnese) und Ausschluss anderer Erkrankungen
  • Aufkl√§rung √ľber Symptome und m√∂gliche Ursachen sowie ausl√∂sende Wirkung verschiedener Faktoren (Nahrungsmittel, Hormonver√§nderung beim Menstruationszyklus, Stress etc.)
  • F√ľhren eines Symptomtagebuchs √ľber 4 Wochen: Herausfiltern von ausl√∂senden oder verst√§rkenden Reizen, Aufzeichnung der Symptomst√§rke (mit Schweregraduierung von 1-10), hinzukommende Faktoren (Ern√§hrung, k√∂rperliche Aktivit√§t, belastende Situation, Stress, etc.), Emotionen (traurig, √§ngstlich, w√ľtend,…) und Gedanken (‚Äěbin zuversichtlich/hoffnungslos‚Äú, ‚Äěhalte das nicht mehr aus‚Äú etc.)
    Dies ist zumeist der erste Schritt, Kontrolle √ľber die k√∂rperlichen Beschwerden zu erlangen, da von den Betroffenen Zusammenh√§nge erkannt werden k√∂nnen.
  • Symptomorientierte Medikation durch die Gabe von Antidepressiva
    Gerade bei chronischen und kaum beeinflussbaren Schmerzen haben Antidepressiva gute Erfolge erzielt. Diese werden nicht prim√§r wegen der antidepressiven Wirkung verabreicht, sondern um das Schmerzempfinden zu vermindern. √úber Nebenwirkungen m√ľssen die Patienten aufgekl√§rt werden, da die eigentliche Wirkung erst ab der 3. Behandlungswoche einsetzt.
  • Psychotherapie/Hypnose
    Psychotherapie zählt zu den wirkungsvollsten Behandlungsmethoden, vor allem bei jenen, denen bisher nicht anders geholfen werden konnte.
    Dies konnte auch wissenschaftlich nachgewiesen werden. In den meisten Studien wurde Psychotherapie mit ‚Äěherk√∂mmlichen‚Äú Methoden (=medikament√∂ser Behandlung) verglichen und zeigte sich meist deutlich wirksamer.
    Vor allem die Hypnosetherapie zählt mittlerweile beim Reizdarmsyndrom zu den Standardtherapien.

Verdauungstrakt-gerichtete (‚Äěgut-directed‚Äú) Hypnose

Der Einsatz einer spezifisch auf den Bauch gerichteten Hypnose zur Behandlung von Reizdarm- oder Reizmagenbeschwerden wurde erstmals von einer Arbeitsgruppe um Prof. Peter Whorwell in Manchester entwickelt. Mit dieser Methode wird den Patienten im Rahmen von 12 Hypnosesitzungen unter anderen suggeriert, dass ihr Magen-Darm-Trakt ruhig und rhythmisch funktioniert und die Betroffenen wieder die Kontrolle √ľber diese K√∂rperregion √ľbernehmen. Dadurch werden nicht nur die Schmerz√ľberempfindlichkeit des Magen-Darm-Traktes, sondern auch die Darmbewegungen positiv beeinflusst und beruhigt.
Auch im AKH Wien wurde diese Methode erfolgreich als Gruppenhypnose (bis zu 8 Personen) eingesetzt.

Ablauf der Einzelhypnosen

12 Sitzungen zu je einer Stunde einmal w√∂chentlich, √ľber einen Zeitraum von zirka 3 Monaten, gelten als erfolgreichste Dauer dieser Kurzzeittherapie, damit der gew√ľnschte Langzeiterfolg erzielt werden kann.

In der ersten Stunde werden die individuelle Situation und die genauen Beschwerden erfragt, damit die Hypnose genau an die betroffene Person angepasst werden kann. Ab der zweiten Sitzung wird mit einem psychotherapeutischen Gespr√§ch (zirka 20 Minuten) die aktuelle Situation erfasst und dann eine Hypnose durchgef√ľhrt.
Neben dem Effekt einer tiefen Entspannung, werden durch das Erzeugen von inneren Bildern ein Gef√ľhl von Ich-St√§rkung herbeigef√ľhrt, sowie die Vorstellung einer Normalisierung der Funktionen des Verdauungstraktes mit Verminderung der Schmerzen.

Ab der zweiten Sitzung sollen zu Hause Entspannungs√ľbungen (zumindest 10-15 Minuten) durchgef√ľhrt werden, die durch eine von mir aufgenommenen CD unterst√ľtzt werden.
So wird den Betroffenen durch das √úben wieder mehr Selbstkontrolle √ľber ihre k√∂rperlichen Empfindungen verliehen. Das Gef√ľhl des Ausgeliefertseins gegen√ľber den Symptomen vermindert sich schrittweise.

Nach Bedarf k√∂nnen ein oder mehrere Sitzungen zum Auffrischen der einge√ľbten Entspannungstechniken ein halbes bis ein Jahr nach Beendigung der Hypnoseeinheiten durchgef√ľhrt werden, um einen noch besseren Langzeiterfolg zu gew√§hrleisten.

Verfasserin des Textes:
Mag. Karin Steiner, Psychotherapeutin (www.reizdarm.cc)

May 13

Laut Resultaten einer schwedischen Studie erh√∂ht √úbergewicht im mittleren Lebensalter das Risiko einer Demenz-Erkrankung im Alter um 80 Prozent. Im Rahmen einer Studie √ľberpr√ľften Wissenschafter des Karolinska Institut in Stockholm den aktuellen Gesundheitszustand von 8.534 Zwillingen im Alter ab 65 Jahren in Bezug auf m√∂gliche Demenz-Erkrankungen und verglichen diesen anschlie√üend mit dem BMI der Probanden im mittleren Lebensalter.

Den BMI konnten die Wissenschafter dabei aus den Daten des schwedischen Zwillingsregisters zu Körpergröße und Gewicht der Probanden vor 30 Jahren ableiten.
350 Studienteilnehmer litten an einer bereits diagnostizierten Demenz, bei 114 lagen Symptome f√ľr einen begr√ľndeten Verdacht vor. 2.541 der erfassten 8.534 Zwillinge im mittleren Lebensalter waren √ľbergewichtig (BMI 25‚Äď30kg/m¬≤) oder fettleibig (BMI >30kg/m¬≤).

36 Prozent der Probanden mit Verdacht auf eine Demenz-Erkrankung waren √ľbergewichtig, f√ľnf Prozent waren fettleibig. Bei den Studienteilnehmer mit bereits vorliegender Demenz-Diagnose lag der Anteil der √úbergewichtigen sogar bei 39 Prozent, fettleibig waren sieben Prozent. Demgegen√ľber waren lediglich 26 Prozent der Probanden ohne Demenz-Erkrankung in ihrem mittleren Lebensalter √ľbergewichtig und drei Prozent fettleibig.

Daraus leiten die Forscher ein um 80 Prozent erh√∂htes Demenz-Risiko im sp√§teren Lebensverlauf bei √úbergewicht in den mittleren Lebensjahren ab. Die Korrelation zwischen √úbergewicht und Demenz-Risiko habe sich auch bei Ber√ľcksichtigung anderer Faktoren wie dem Bildungsstand, der genetischen Veranlagung, Diabetes oder Gef√§√üerkrankungen als statistisch signifikant erwiesen.

 

Essen sich bereits Kleinkinder ihren sp√§teren H√ľftspeck an?

Neue Erkenntnisse liefern dar√ľber hinaus auch Indikationen, dass sich die Folgen fr√ľher Ern√§hrungsfehler erst Jahre sp√§ter zeigen. So kann eine hohe Eiwei√üzufuhr zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat das Risiko f√ľr √úbergewicht im Schulalter erh√∂hen. Eine inad√§quate Eisenzufuhr vor dem dritten Geburtstag kann zu schlechten Mathematik-Noten in der Schule f√ľhren. Aus diesem Anlass wurden von einer interdisziplin√§ren, √∂sterreichischen Expertengruppe erstmals klare “Ern√§hrungsempfehlungen f√ľr 1- bis 3-J√§hrige” erarbeitet und durch praktische Tipps erg√§nzt.

Die ersten drei Lebensjahre sind eine wichtige Phase f√ľr die k√∂rperliche und geistige Entwicklung des Menschen. Ein Kind nimmt im Alter zwischen 1 und 3 Jahren ca. 40 % an L√§nge und Gewicht zu. Das Gehirn w√§chst in den ersten Lebensjahren schneller als in jeder anderen Lebensphase: 70 g pro Monat mit 5 Monaten und immer noch 32 g pro Monat mit 15 Monaten. Klarerweise ist richtige Ern√§hrung in diesem Alter aus physiologischen und pr√§ventivmedizinischen Gr√ľnden von besonderer Bedeutung.

Daten aus Deutschland zeigen, dass bereits Kleinkinder zu viel, zu s√ľ√ü, zu fett, zu eiwei√ü- und salzreich essen. ‚ÄěDieses ung√ľnstige Ern√§hrungsmuster hinterl√§sst Spuren bei der N√§hrstoffversorgung. So nimmt ein Kleinkind mehr als doppelt so viel Eiwei√ü als n√∂tig auf. Die Empfehlungen f√ľr die Zufuhr essenzieller Fetts√§uren werden bei weitem nicht erreicht. Der S√ľ√üigkeitenverzehr und damit die Zuckerzufuhr mit all seinen negativen Folgen f√ľr Gewicht und Z√§hne verdoppeln sich zwischen 1 und 3 Jahren. Bei den Mikron√§hrstoffen gibt es L√ľcken vor allem bei Eisen und einigen Vitaminen ‚Äď im Fall von Vitamin D erreichen gar nur zwei von zehn Kindern die Zufuhrempfehlungen.‚Äú, so Univ. Prof. Dr. J√ľrgen K√∂nig vom Department f√ľr Ern√§hrungswissenschaften der Universit√§t Wien.

Studien haben gezeigt, dass die Entwicklung von √úbergewicht durch eine erh√∂hte Aufnahme von tierischem Eiwei√ü (das im Kleinkindalter insbesondere aus Wurst und Milchprodukten stammt) in den ersten Lebensjahren beg√ľnstigt wird. Der P√§diater Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer erkl√§rt dieses Ph√§nomen wie folgt: ‚ÄěEin erh√∂hter Eiwei√ükonsum f√ľhrt zu einer verst√§rkten Sekretion eines Insulin-√§hnlichen Wachstumsfaktors, insbesondere nach dem Verzehr von zu viel Milcheiwei√ü. Dieser Wachstumsfaktor (IGF-1) f√∂rdert die Bildung von Fettzellen sowie die Fettspeicherung.‚Äú Zwiauer hat in den letzten Jahren eine Verdopplung der Zahl √ľbergewichtiger Kleinkinder beobachtet.

Gravierende Schönheitsfehler bei Mikronährstoffen

Bei Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen stellt sich die Versorgung mit Eisen, Fols√§ure und Vitamin D als unzureichend dar. Insbesondere im Hinblick auf Eisen zeigen sich Experten besorgt, denn die Aufnahme unterschreitet die Empfehlungen um ca. ein Drittel: ‚ÄěEine ausreichende Eisenzufuhr ist insbesondere w√§hrend Phasen sehr schnellen Wachstums bis zum Alter von 2 Jahren wichtig. Eine Unterversorgung im S√§uglings- und Kleinkindesalter kann langfristige Folgen f√ľr Schulkinder ‚Äď wie eingeschr√§nkte Merkf√§higkeit, geringere mathematische F√§higkeiten, verminderte kognitive Entwicklung ‚Äď haben.‚Äú, so Ass. Prof. Dr. Nadja Haiden, von der Medizinischen Universit√§t Wien.

Bei der f√ľr Zellteilung und Wachstum so wichtigen Fols√§ure werden die Empfehlungen gar nur zur H√§lfte erreicht, M√ľdigkeit und St√∂rungen des Blutbildes sind m√∂gliche Folgen. Da nur zwei von zehn Kindern mit dem f√ľr Knochenstoffwechsel und Immunsystem wichtigen Vitamin D ausreichend versorgt sind, wird aktuell diskutiert, die Vitamin D-Prophylaxe √ľber das erste Lebensjahr hinaus zu verl√§ngern.

Die t√§gliche Salzaufnahme ist hingegen bereits in diesem Alter zu hoch. Eine hohe Natriumzufuhr (Kochsalzzufuhr) bedeutet eine fr√ľhe Gew√∂hnung an gro√üe Salzmengen, was sich wiederum langfristig negativ auf den Blutdruck auswirken kann. Zudem ist die Niere bei Kindern erst mit etwa 18 Monaten ausgereift und sollte daher im Kleinkindesalter mit m√∂glichst kleinen Natriummengen konfrontiert werden.

Der Expertenkreis Kleinkindernährung nennt 10 wichtige und praktische Tipps zur Verbesserung der Nährstoffzufuhr im Kleinkindalter:

  • Leitungswasser ist das Getr√§nk erster Wahl.
  • Maximal an 3 Tagen pro Woche Fleisch oder Wurst.
  • 1 ‚Äď 2 x w√∂chentlich Fisch (fettarm zubereitet) und/oder Zuchtpilze.
  • 3 Milchportionen pro Tag, vorzugsweise kindgerecht eiwei√üreduzierte und eisenangereicherte Milch.
  • T√§glich fols√§urereiche Gem√ľsesorten (z. B. Erbsen, Brokkoli, Spinat) sowie Vollkornprodukte.
  • Geriebene N√ľsse oder Samen z. B. ins M√ľsli schlie√üen N√§hrstoffl√ľcken.
  • 1 x w√∂chentlich H√ľlsenfr√ľchte als Basis einer warmen Hauptmahlzeit.
  • Mindestens 1-2 Eier pro Woche, bei vegetarisch ern√§hrten Kindern sogar mehr.
  • Raps-, Sonnenblumen- oder Maiskeim√∂l zum Kochen und f√ľr Salat verwenden.
  • Salzreiche Lebensmittel selten und in bewusst kleinen Mengen.

(Quellen: Neurology; 2011, 76: 1568-1574, cecu.de, medaustria.at, Ern√§hrungs-Expertenposition auf der Homepage der √Ėsterreichischen Gesellschaft f√ľr Kinder- und Jugendheilkunde; Image src:phsj.org)

Nov 08

Eine einseitige Ern√§hrung vorwiegend aus industriell verarbeiteten und fettreichen Lebensmitteln erh√∂ht das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Wer sich dagegen abwechslungsreich und ausgewogen ern√§hrt, kann sein Depressions-Risiko senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der j√ľngsten Ausgabe der Fachzeitschrift “British Journal for Psychiatry” ver√∂ffentlicht wurde.

F√ľr die Studie werteten die Forscher vom University College London die Daten von 3.500 Londoner Beamten mittleren Alters aus, von denen sich ein Teil vor allem mit ges√ľ√üten Desserts, fettreichen Milchprodukten, Frittiertem und verarbeitetem Fleisch ern√§hrte, der andere Teil ausgewogene Nahrung mit viel frischem Gem√ľse, Obst und Fisch zu sich nahm.

Bei den Liebhabern der schnellen K√ľche lag das Risiko, an Depression zu erkranken, demnach um 58 Prozent h√∂her, bei den Freunden einer ausgewogenen Ern√§hrung sank das Risiko hingegen um 26 Prozent.

(Quellen: Der Standard 02.11.09, The British Journal of Psychiatry (2009) 195: 408-413. doi: 10.1192/bjp.bp.108.058925: “Dietary pattern and depressive symptoms in middle age“. Bild:geko-frucht.de)

Nov 07

Cannabis Abh√§ngigkeitDer Drogenbeauftragte der britischen Regierung, Professor David Nutt, kritisiert die im letzten Jahr von der damaligen Innenministerin Jacqui Smith getroffene Entscheidung, Cannabis nach dem Drogenmissbrauchsgesetz von 1971 in die Drogenklasse B einzuordnen. Cannabis sei wie auch Ecstasy oder LSD weniger gef√§hrlich als Alkohol und Zigaretten. Ecstasy und LSD geh√∂ren in England zur Drogenklasse A, in die auch Heroin, Kokain, Crack, halluzinogene Pilze, Metylamphetamin und zu injizierende Amphetamine eingeordnet werden. F√ľr den Handel ist die H√∂chststrafe lebensl√§nglich Gef√§ngnis.

Nutt schreibt in einem Paper als Grundlage eines Vortrags im Centre for Crime and Justice Studies am King’s College, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum die einen Drogen verboten sind und andere, sehr gef√§hrliche Drogen wie Alkohol oder Zigaretten nicht unter das Drogengesetz fallen, sondern nur wie Lebensmittel und mit einer Altersgrenze reguliert und weigehend unreguliert vertrieben werden w√ľrden. Die Unterscheidung etwa zwischen Alkohol oder Nikotin von anderen Drogen, die verboten sind, sei “k√ľnstlich”.

Da das Risiko gering sei, dass durch den Konsum eine Psychose ausgel√∂st wird, und auch sonst sch√§dliche Folgen eher gering sind, pl√§diert er f√ľr die Beibehaltung der Einstufung in die Klasse C. Cannabisraucher h√§tten ein 2,6 Mal so gro√ües Risiko, eine Psychose zu entwickeln wie Nichtraucher. Das aber m√ľsse man etwa im Verh√§ltnis zu Zigarettenrauchern sehen, die ein 20 Mal gr√∂√üeres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken.

Man m√ľsse alle Drogen nach ihrer Gef√§hrlichkeit einstufen. Dann k√§me Alkohol an f√ľnfter Stelle nach Kokain, Heroin, Barbituraten und Methadon und m√ľsste in die B-Klasse eingestuft werden. Tabak k√§me an neunter Stelle ‚Äď auch in Klasse B – nach Ketaminen, Benzodiazepine und Amphetaminen. Cannabis bliebe in C an 11. Stelle, vor LSD und Ecstasy. Man m√ľsse offen dar√ľber diskutieren, meint Nutt, welchen Zweck Drogengesetze haben sollen und ob die bestehenden ihrem Zweck dienen.

Doch die Diskussion wird von unerwarter Seite sogar noch um eine ganze Palette weiterer, s√ľchtigmachender Substanzen erweitert: Neurowissenschaftlern vom Scripps Institute (Florida) zufolge macht auch Junk Food – also Chips, Hamburger, W√ľrstchen oder Kuchen, also alles, was viel Salz, Zucker oder Fett enth√§lt – k√∂rperlich abh√§ngig. Und sie ziehen den Vergleich von Junk Food mit Heroin: wenn man sich vor allem von Junk Food ern√§hrt, verliert man die Kontrolle, was zumindest in Versuchen an Ratten nachgewiesen werden konnte. Diese wurden in drei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe erhielt gesundes Fressen, die andere eine begrenzte Menge an Junk Food, und die dritte uneingeschr√§nkte Mengen an Junk Food, also an fetten, s√ľ√üen und salzigen Nahrungsmitteln.

Bei den ersten beiden Gruppen lie√ü sich nichts Negatives feststellen, aber bei den Junk-Food-Ratten konnte man beobachten, wie sie fetter und immer gieriger wurden. Die Wissenschaftler stimulierten das Lustzentrum der Ratten und fanden heraus, dass die mit Junk Food verw√∂hnten Ratten immer mehr Stimulation ben√∂tigten, um die Lust zu versp√ľren, die Ratten mit ges√ľnderer Ern√§hrung hatten. Die verw√∂hnten Ratten a√üen einfach weniger, wenn sie nicht das Richtige erhielten. Und sie fra√üen Junk Food auch dann weiter, wenn sie leichte Elektroschocks erhielten.

Werden, wenn sich diese Ergebnisse auch bei Menschen nachreproduzieren lassen, also Junk-Food-Anbieter bald mit Drogendealern und Hamburger-Hersteller mit Drogenherstellern gleichgesetzt und der Kauf, Besitz und Konsum ihrer Produkte mit Strafandrohung belegt werden?

(Vollartikel auf Telepolis [1], [2], Scripps Institute). Photos: zamnesia, dreamtime

ÔĽŅ01.09.19