Dec 08

Eine interessante, von polnischen Wissenschaftlern an der Universit√§t Wroclaw durchgef√ľhrte Studie zeigte, dass Menschen offenbar in der Lage sind, Pers√∂nlichkeitsz√ľge einer anderen Person an ihrem Geruch zu erkennen – und zwar mindestens ebenso gut, wie wenn sie diese Menschen auf Videos “in Aktion” sehen. Das Ergebnis der Studie wurde im “European Journal of Personality” ver√∂ffentlicht.

Das Team lie√ü 60 Personen (30 davon M√§nner, 30 Frauen) 3 N√§chte hindurch ein wei√ües T-Shirt tragen. Der Gebrauch von Parfums, Seifen oder Deodorants wurde untersagt, ebenso zu rauchen oder stark riechende Nahrungsmittel (wie etwa Zwiebel oder Knoblauch, welche den K√∂rpergeruch beeinflussen k√∂nnen) zu essen. Vor diesem “praktischen Teil” der Studie hatte jeder der Teilnehmer einen Pers√∂nlichkeitstest durchzuf√ľhren, um den Pers√∂nlichkeitstypus bereits vorab festzustellen.

Am Ende der drei Tage wurden die T-Shirts eingesammelt und in neutrale Plastikt√ľten gegeben. Daraufhin wurden 200 Freiwillige (wieder die H√§lfte M√§nner und die H√§lfte Frauen) ersucht, in die Taschen zu schn√ľffeln und ihre Meinungen bez√ľglich des Pers√∂nlichkeitstypus lediglich auf Basis der Ger√ľche aus den Taschen zu notieren. Um Verf√§lschungen durch eine Erm√ľdung des Geruchssinns zu vermeiden, schnupperte jeder Freiwillige nur an sechs Taschen. Jede Tasche wurde von zwanzig “Schn√ľfflern” beurteilt, um eine ausreichend gro√üe Stichprobe zu erhalten und Zufallseffekte zu vermeiden.

Das Ergebnis zeigte, dass die Schn√ľffler besonders gut in der Lage waren, zu beurteilen, ob die den Geruch emittierende Person unter Angst litt, und ob es sich um eine “offene”, ausdrucksstarke oder dominante Person handelte. Das Ergebnis entsprach etwa den Ergebnissen von Studien, in welchen Personen versuchen, den Pers√∂nlichkeitstypus durch das Ansehen von Videos zu erraten. Bemerkenswert war insbesondere die Versiertheit der Versuchspersonen im Erkennen dominanter Pers√∂nlichkeitstypen bei Angeh√∂rigen des anderen Geschlechts.

Offenbar gehen die Informationen, die im Schwei√ügeruch von Menschen enthalten sind, deutlich √ľber das ledigliche Ausma√ü von Stress hinaus, sondern es existiert auch eine Korrelation zwischen den Komponenten des Schwei√ües und Pers√∂nlichkeitsmerkmalen. Und offenbar sind wir auch in der Lage, diese Unterschiede wahrzunehmen, wenn wir uns in der N√§he anderer Menschen befinden.

(Quellen: PhysOrg.com</>; Does Personality Smell? Accuracy of Personality Assessments Based on Body Odour, Article first published online: 12 OCT 2011. DOI: 10.1002/per.848; Bildquelle: www.onsugar.com)

Jul 31

Psychiater, Psychologe oder Psychotherapeut?
Der Dschungel der Berufsbezeichnungen.

Wer Beratung sucht, persönliche Probleme oder Probleme in der Partnerschaft hat, stößt unweigerlich auf die Frage: an wen wende ich mich da am besten? Vor 100 Jahren ging man entweder zum Priester oder einem Psychiater. Heute jedoch ist die Spezialisierung dank intensivster Forschung stark vorangeschritten und es ist sinnvoll, sich an den jeweils kompetentesten Ansprechpartner zu wenden.

Psychiater und Neurologen: sie sind ausgebildete Mediziner und spezialisiert auf die Diagnose und vorwiegend pharmakologische (medikamentöse) Behandlung schwerster psychischer Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen und Psychosen (wie Schizophrenie u.a.) sowie neurologischer Erkrankungen (Störungen des Nervensystems).
Psychologen: haben psychische Prozesse und Strukturen studiert. Klinische Psychologen sind auf Diagnostik, Beratung, psychologische Begleitung von psychisch und somatisch Kranken sowie Trainings spezialisiert. F√ľr die Aus√ľbung von Psychotherapie ist in den meisten L√§ndern jedoch eine Zusatzqualifikation erforderlich.

Coaches, Berater: diese Berufsbezeichnungen sind nicht gesch√ľtzt, weshalb ein un√ľberschaubarer Wildwuchs an Anbietern, gr√∂√ütenteils ohne qualifizierte Ausbildung, existiert. ‚ÄěVor Gebrauch‚Äú sollte man sich daher eine Meinung √ľber die Seriosit√§t des Anbieters bilden.
Psychotherapeuten: f√ľr ihr Fachgebiet, die therapeutische Behandlung psychischer St√∂rungen und Belastungen, haben sie sich einer mehrj√§hrigen, sehr intensiven Ausbildung zu unterziehen. Psychotherapeutische Einsatzgebiete sind z.B. auch die Paartherapie und Sexualtherapie. Psychotherapien finden in 1-2-w√∂chentlichen Sitzungen von ca. 50 Minuten statt.

Bei Problemen, die nicht besonders belasten und erst kurz andauern, ist in der Regel eine Beratung ausreichend. Dauern diese bereits l√§nger an oder treten sie immer wieder auf, ist der Besuch eines qualifizierten Psychotherapeuten anzuraten sowie im Sinne einer langfristigen Verbesserung die Therapie zumindest einige Monate lang durchzuziehen. Bei schweren psychischen Erkrankungen sollte man einen Psychiater zwecks korrekter Diagnostik und medikament√∂ser St√ľtzung konsultieren, erg√§nzend wird heute auch bei psychiatrischen Erkrankungen weltweit Psychotherapie st√ľtzend und f√∂rdernd eingesetzt. Hier besteht in Thailand noch gro√üer Nachholbedarf.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image source: cs10032.vk.me)

Apr 03

In Kunst und Literatur wurden Gem√ľtszust√§nde schon immer mit visuellen Begriffen umschrieben: Grau und schwarz sind da die Farben, die h√§ufig f√ľr Melancholie oder Depressivit√§t stehen, im Englischen ist es zumindest sprachlich das Blau (“feeling blue”). Eine Arbeitsgruppe am Universit√§tsklinikum Freiburg hat nun in einer Zusammenarbeit von Psychiatern, Psychotherapeuten und Augenheilkundlern herausgefunden, da√ü sich hinter diesen Sprachbildern vermutlich mehr Wahrheit steckt, als bisher angenommen wurde.

Depressive Menschen k√∂nnen demnach Schwarz-Wei√ü-Kontraste schlechter wahrnehmen als Gesunde. Mittels einer elektrophysiologischen Methode wurde die Antwort der Netzhaut auf alternierende Schachbrettmuster mit unterschiedlichen Kontrasten bei Depressiven und Gesunden gemessen. Hierbei zeigten sich hochsignifikante Unterschiede: Depressive Menschen haben deutlich kleinere Antwortamplituden auf der Netzhaut. Gegentests zeigten, da√ü depressive Menschen und Gesunde mittels der elektrischen Netzhautmessung aufgrund der unterschiedlich hohen Sensitivit√§t unterschieden werden konnten. Die Untersuchung wurde jetzt in dem renommierten Fachjournal “Biological Psychiatry” ver√∂ffentlicht.

Auf Basis dieser Methode könnte ein Verfahren entwickelt werden, mit dem auf objektive Art und Weise der eigentlich als subjektiv betrachtete Zustand der Depression gemessen werden könnte. Dies könnte weitreichende Auswirkungen nicht nur auf die weitergehende Erforschung der Depression, sondern auch auf ihre Diagnose und Therapie haben.

(Quelle: Der Standard; Bubl, Ebert, Kern et.al, “Seeing Gray when Feeling Blue“, in: Biological Psychiatry 01 Apr 2010, doi:10.1016/j.biopsych.2010.02.009; Bild:Wikimedia)

Dec 13

Amerikanische Psychologen der Universit√§t New York haben eine v√∂llig medikamentfreie, nichtinvasive Technik entwickelt, mit der sich Angstreaktionen auf einen bestimmten Reiz blockieren und sukzessive ausschalten lassen. Damit er√∂ffnen sich neue Wege zur Therapie von Panikst√∂rungen. Offenbar ist das Ged√§chtnis beim Akt des Erinnerns an ein Angsterlebnis √ľber einen mehrst√ľndigen Zeitraum labil, bevor der neue Eindruck wieder dauerhaft abgespeichert wird – w√§hrend dieser instabilen Phase lassen sich dann Erinnerungen mit neuen Informationen √ľberschreiben.

Die Forscher zeigten den Teilnehmern farbige Quadrate, denen stets ein leichter elektrischer Sto√ü am Handgelenk folgte. Schon nach wenigen Durchl√§ufen verspannten sich die Probanden allein beim Anblick der Objekte. Am Folgetag wollten die Psychologen den Personen die Angst wieder abgew√∂hnen. Daf√ľr pr√§sentierten sie ihnen zun√§chst die Quadrate plus Stromreiz, um das Angstged√§chtnis zu reaktivieren. Pr√§sentierten die Forscher in den folgenden sechs Stunden die Objekte ohne Schmerz, wurde das Angstged√§chtnis wieder zuverl√§ssig gel√∂scht. Selbst ein Jahr sp√§ter reagierten die so behandelten Teilnehmer auf die Kombination aus Elektrizit√§t und Quadraten weitgehend unempfindlich, wie die Psychologen im Magazin “Nature” schreiben. Erfolgte die Umgew√∂hnung ohne vorherige Aktivierung des Schmerzged√§chtnisses oder erst nach dem sechsst√ľndigen Zeitfenster, blieben die unangenehmen Erinnerungen dagegen bestehen. Die Methode, welche sich vor allem f√ľr Panikst√∂rungen und objekt- bzw. situationsbezogene Angstformen eignet, l√§√üt sich grunds√§tzlich in jeder Psychotherapiemethode anwenden.

(Quellen: Nature, 9 December 2009 | doi:10.1038/nature08637, [2], APA. Photo src:bubblews.com)

Oct 03
Bild: Subliminal-CD

Bild: "Subliminal-CD"

Subliminale Botschaften wirken im Gegensatz zu bisherigen Forschungsergebnissen doch – allerdings in erster Linie dann, wenn sie negativ sind. Das ist das Ergebnis einer Studie am University College London.
In den 50er Jahren hatte der Werbefachmann James Vicary behauptet, Kinobesucher erfolgreich mit Werbebotschaften zum Konsum von Cola und Popcorn animiert zu haben, die nur f√ľr Zehntelsekunden eingeblendet worden waren. Daraufhin entstand eine regelrechte Hysterie um die unterbewusste Propaganda ‚Äď bis Vicary zugab, die angebliche Studie nur zur Steigerung des eigenen Bekanntheitsgrades erfunden zu haben. Eindeutige Best√§tigungen mit wissenschaftlichen Methoden blieben denn auch aus.

In den Versuchen am College f√ľhrten die Forscher 27 Testpersonen eine Reihe von positiv, negativ und neutral besetzten W√∂rtern f√ľr kurze Zeit (22 beziehungsweise 33 Millisekunden) vor ‚Äď zeitlich dabei von einer Maske abgedeckt. Die Aufgabe der Probanden bestand darin, die Art des Wortes zu bestimmen: war ein negatives, ein positives oder ein neutrales Wort gezeigt worden? Zus√§tzlich konnten sie eintippen, wie sicher sie ihrer Antwort waren. Die Versuchsteilnehmer konnten, das zeigte der Versuch, negativ besetzte W√∂rter deutlich besser zuordnen als positiv besetzte ‚Äď allerdings in der 33-ms-Versuchsreihe signifikanter als in der 22-ms-Reihe. Bei positiven Begriffen lag die Trefferrate hingegen nicht h√∂her als die Zufallsrate. Interessant dabei: Die Versuchspersonen waren sich ihrer Antworten √ľberhaupt nicht sicher, weder im positiven noch im negativen Fall. Sie gaben also ihre Antworten wohl basierend auf unterbewusst erhaltenen Informationen.

‘Dass das Gehirn zu dieser Art unterbewusster Informationsverarbeitung in der Lage ist, erkl√§ren die Forscher evolution√§r. Es ist offenbar f√ľr das √úberleben wichtiger, schlechte Nachrichten (“Tigerschatten von rechts”) m√∂glichst sofort zu dekodieren, als sich mit positiven Neuigkeiten (“essbare Frucht”) zu befassen. In der Werbung d√ľrften diese Mechanismen schwieriger zu nutzen sein. Zumindest br√§chte es wenig, die Vorz√ľge des eigenen Produkts unterbewusst vermitteln zu wollen ‚Äď wenn, dann m√ľsste man negative Eigenschaften des Konkurrenzprodukts herausstellen. Aber wer garantiert, dass die so erzeugte negative Emotion nicht an der bewussten Werbebotschaft h√§ngen bleibt?’ (tp)

(Quellen: tp, BBC News)

ÔĽŅ01.09.19