May 01

Depression: mehr Schmerzen nach Operationen

Psy-Pressespiegel Comments Off on Depression: mehr Schmerzen nach Operationen

Patienten, die an einer Depression leiden, haben nach operativen Eingriffen st√§rkere Schmerzen und leiden auch unter mehr Nebenwirkungen durch Schmerzmedikamente (Analgetika) als andere, wie eine aktuelle Studie aus W√ľrzburg zeigt, die in der letzten Ausgabe des Fachjournals “Der Schmerz” ver√∂ffentlicht wurde.

Während den ersten 10 Tagen meldeten von knapp 500 untersuchten Patienten jene aus der Vergleichsgruppe, bei denen depressive Symptome vorlagen, ein deutlich höheres Schmerzniveau als jene, bei denen keine solcher Symptome vorlagen. Auch an den folgenden Tagen gaben depressive Patienten höhere Schmerzniveaus an. Allerdings profitierten sie auch deutlicher von einer gezielten Schmerztherapie. Schmerzmittelbedingte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kreislauf- und Verdauungsbeschwerden traten bei Depressiven jedoch ebenfalls häufiger auf als bei nicht-Depressiven.

Die Studien-Autoren empfehlen, Patienten vor Operationen standardmäßig auf eine mögliche depressive Erkrankung zu testen und die Schmerztherapie entsprechend anzupassen. Wegen der häufigeren Nebenwirkungen von ganzkörperlich wirksamen Schmerzmedikamenten raten sie dazu, bei depressiven Patienten vermehrt regionale Anästhesie-Verfahren anzuwenden und gegebenenfalls eine Schmerzreduktion durch begleitende Psychotherapie oder Psychopharmaka zu bewirken.

(Quelle: Schmerz; 2010, 24: 54-61; Photo:TRBfoto)

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Abgelegt unter: Psy-Pressespiegel von r.l.fellner
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Apr 22

Zu den M√∂glichkeiten der Behandlung und Bek√§mpfung von Schmerzen existiert eine F√ľlle an Forschungsarbeiten – doch was hilft wirklich?

In der Psychologie und Hypnotherapie sind schon lange bekannt, da√ü die Psyche eine der wesentlichsten Schaltstellen f√ľr die Schmerzbek√§mpfung darstellt. Vielen LeserInnen dieses Blogs d√ľrfte auch die erstaunlich gute Wirkung von Placebos in der Schmerzbehandlung bekannt sein. K√ľrzlich fanden nun Psychologen von der Sun Yat-Sen University, der University of Minnesota und der University of Florida im Zuge einer Studie heraus, dass offenbar Geld ebenfalls ein solches Placebo ist oder als Symbol die Menschen in positiver Weise zu beeinflussen imstande ist. Obwohl die Versuchsreihen nicht wirklich den h√∂chsten wissenschaftlichen Anspr√ľchen gen√ľgten, zeigte sich doch eine deutliche Tendenz, nach der Versuchspersonen, die vorher physischen Kontakt mit Geldscheinen oder induzierte Phantasien von Reichtum hatten, mit deutlich reduzierten Schmerzempfinden reagierten. Ebenso war ein umgekehrter Effekt bemerkbar, n√§mlich h√∂heres Schmerzempfinden bei der Erwartung von Geldverlust. Geld senkte in Stresssituationen psychischen und auch physischen Schmerz und Leiden, Mangel an Geld hingegen verst√§rkte diese Leiden.

Eine weitere Studie – durchgef√ľhrt am St. Joseph’s Hospital and Medical Center und ver√∂ffentlicht in der vormonatigen Ausgabe der Fachzeitschrift “Pain” – best√§tigt Beobachtungen, die eine ver√§nderte Schmerzwahrnehmung in Zusammenhang mit der Atemtechnik bei Zen-√úbungen oder Yoga gesehen haben. Wurden von Versuchspersonen beim Empfinden von Schmerz die Atemz√ľge pro Minute auf die H√§lfte reduziert, wurden deutlich geringere Werte an Schmerzempfinden vermeldet. Im klinischen Test wurde eine derart deutliche Schmerzreduktion durch die Atmung aber nur von PatientInnen erreicht, deren Gem√ľtszustand zum Zeitpunkt des Versuchs positiv war.

(Quellen: The Symbolic Power of Money, Reminders of Money Alter Social Distress and Physical Pain, in: Psychological Science, doi: 10.1111/j.1467-9280.2009.02353.x vol. 20 no. 6 700-706, tp, Slow Breathing Reduces Pain, in: Pain 03/2010; Photo src: empoweredonlinemag.com)

Nov 27
Bildquelle: alphachimp.com

Bildquelle: alphachimp.com

Chronische Schmerzen – etwa verursacht durch Beschwerden des St√ľtz- und Bewegungsapparates, an denen 70-80% der Bev√∂lkerung im Laufe ihres Lebens erkranken – haben dramatische Auswirkungen auf die Lebensqualit√§t. So hat, wie eine aktuelle Studie des Europ√§ischen Dachverbandes von Schmerzgesellschaften EFIC zeigt, jeder vierte Schmerzpatient ein eingeschr√§nktes Sozialleben, fast ein Drittel der Schmerzpatienten b√ľ√üt an Unabh√§ngigkeit ein. M√ľdigkeit, Ersch√∂pfung, ein eingeschr√§nktes Sexualleben und Konzentrationsst√∂rungen treten ebenso h√§ufig auf. Und nicht zuletzt haben Schmerzpatienten auch ein drei Mal h√∂heres Risiko als der Bev√∂lkerungsdurchschnitt, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln.

Depression ist zugleich Ausl√∂ser und Verst√§rker von Schmerzen, und Schmerzen sind umgekehrt eine Ursache von Depression. Chronische Schmerzpatienten haben ein drei Mal h√∂heres Risiko als der Bev√∂lkerungsdurchschnitt, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln, und Depressionspatienten haben ein drei Mal h√∂heres Risiko f√ľr eine chronische Schmerzerkrankung”, erkl√§rt B. Kepplinger, √Ąrztlicher Direktor des Landesklinikums Mostviertel Amstetten-Mauer und Sekret√§r der √Ėsterreichischen Schmerzgesellschaft (√ĖSG) in einem Interview mit dem Standard.

Der Experte pl√§diert angesichts dieser Zusammenh√§nge daf√ľr, Schmerzpatienten systematisch auch auf Symptome einer Depression zu untersuchen: “Diese Aufkl√§rungsinitiative ist auch besonders wichtig, damit die vielen unerkannten Depressionen bei Schmerzpatienten demaskiert und ad√§quat behandelt werden k√∂nnen. (..) F√ľr die Zusammenh√§nge zwischen Schmerz und Psyche spricht auch die Wirksamkeit von Antidepressiva und psychotherapeutischen Verfahren in der Schmerz-Behandlung. Aus diesen Gr√ľnden gilt heute als unumstritten, dass Schmerzen nicht nur fr√ľhzeitig und ausreichend mit Medikamenten, sondern auch mit [psychotherapeutischen] Strategien behandelt werden m√ľssen.”

(Quelle: Studie “Pain in Europe”, EFIC)

Jun 28

Der k√ľrzliche Tod von Michael Jackson lie√ü wohl die wenigsten Menschen unber√ľhrt – selbst jene, die mit seiner Musik oder den von ihm entwickelten Tanzelementen nichts anfangen konnten. Wie nur wenige √∂ffentliche Ikonen polarisierte Jackson, und sein Lebensweg wurde in einem Ausma√ü von den √∂ffentlichen Medien verfolgt und kommentiert wie kein anderer. In krassem Kontrast zu unserer Aufmerksamkeitskultur wollte dieser K√ľnstler selbst diese Aufmerksamkeit jedoch niemals: bei seinen √∂ffentlichen Auftritten – selbst den inszenierten, vorbereiteten – erlebte man einen Menschen, der sich im Rampenlicht und unter Kamerascheinwerfern alles andere als wohlf√ľhlte und um Worte verlegen war. Als jemanden, dessen Beruf es ist, mich in andere einzuf√ľhlen, schmerzte es mich beinahe, diese Gewaltakte, zu denen Medienauftritte f√ľr ihn geworden waren, mitansehen zu m√ľssen. Seine Aussage, die bevorstehende Welttournee w√ľrde voraussichtlich gleichzeitig auch sein Abschied vom Pop-Business sein, war daher so glaubhaft wie von den wenigsten seiner Berufskollegen. Die Medien werden nat√ľrlich auch nach seinem Tod nicht ruhen – in den n√§chsten Wochen und Jahren wird man jedoch vermutlich Handfesteres als bisher √ľber die Hintergr√ľnde der dramatischen Metamorphose Michael Jacksons – von einem musikalischen Wunderkind in ein emotionales und auch k√∂rperliches Wrack, einen Schatten seiner selbst – erfahren als fr√ľher. Und vermutlich wird auch erst dann die volle Tragweite seiner Traumatisierungen durch einen gewaltt√§tigen Vater und den enormen Druck, dem er von fr√ľhester Kindheit an ausgesetzt war und der nie auch nur ansatzweise nachlie√ü, in vollem Ausma√ü erahnbar. Als Coping-Versuch kann u.a. die Verwirklichung eines seiner gr√∂√üten Tr√§ume, der sog. “Neverland-Ranch”, verstanden werden: ein in seiner Abgelegenheit Schutz bietender Kokon, ein Traumland inmitten der W√ľste, benannt nach der Phantasie-Insel in der Geschichte von Peter Pan, auf der Kinder niemals erwachsen werden (m√ľssen). Als Metapher f√ľr die Themen der Realit√§tsverweigerung, Weltflucht und Unsterblichkeit, dr√§ngen sich hier diverse Analogien zum Leben Jacksons geradezu auf.

Fr√ľhe Traumatisierungen und ein Gef√ľhl sozialer Isolation f√ľhren h√§ufig auch zu einer Affinit√§t zu Drogen – vor diesem Hintergrund ist die massive Abh√§ngigkeit Jacksons von Analgetika, Opiaten und Beruhigungsmitteln zu sehen, √ľber die erstmals bereits vor 15 Jahren Details an die √Ėffentlichkeit gelangten. Der Einstieg erfolgte wohl im Zuge der Folgetherapie der massiven medizinischen Eingriffe und Ver√§nderungen, welche Jackson an sich vornehmen lie√ü; die Suchtdynamik jedoch ist im Zusammenhang mit seinen psychischen Problemen wie etwa seiner Angst vor Infektionen, sozialen √Ąngsten, vermutlich auch K√∂rperdysmorphophobie und Anorexie, allesamt in psychotherapeutischen Praxen bekannte Problembilder, zu sehen – “nicht einmal” Jackson mit seinem enormen Stab an Betreuern und Beratern war offenbar vor der typischen Suchtdynamik wie Einengung, Abkapselung usw. gefeit. Vertraute berichteten, Jackson habe bez√ľglich seines Suchtverhaltens seit Jahren sukzessive eine Mauer um sich herum aufgebaut, hinter die nur wenige Zutritt erhielten: darunter tragischerweise exakt die Personen, welche die Abw√§rtsspirale, in der er sich befand, ebenso wie er selbst verdr√§ngten und negierten, ja teils sogar beschleunigten, indem sie ihn weiterhin mit den einschl√§gigen Arzneimitteln versorgten. Seinem sonstigen Umfeld wiederum scheint, wohl aus Angst vor den Reaktionen der Medien, der Mut gefehlt zu haben, wirkungsvolle Hilfsma√ünahmen einzuleiten. Gegen√ľber seiner Ex-Frau Lisa-Marie Presley hatte Jackson schon vor mehreren Jahren angedeutet, da√ü ihm ein √§hnliches Schicksal wie ihrem Vater bevorstehen k√∂nnte – was nun tats√§chlich der Fall gewesen zu sein scheint. Die bevorstehende Konzertserie mu√ü f√ľr Jackson unvorstellbaren Druck bedeutet und immense Versagens√§ngste ausgel√∂st haben, von den Proben durchgesickerte Details lie√üen die Frage aufkommen, ob er √ľberhaupt in der Lage gewesen w√§re, die Konzerte k√∂rperlich und psychisch durchzustehen. Michael Jackson hat versucht, diese Ausnahmevariante von Leben, in die er bis unmittelbar vor seinem Ableben wohl von Dritten stets mehr hineingedr√§ngt wurde als er es sich selbst gew√ľnscht und ausgesucht h√§tte, zu bew√§ltigen. Seine Eltern hatten ihn zu einer Ikone und Marionette geformt, welche sich alleine, ohne Ziehf√§den, zunehmends ausgeliefert und dem aggressiv-invasiven Leben drau√üen immer weniger gewachsen f√ľhlte. Nicht zuf√§llig geh√∂rten wohl Kinder in ihrer Unbefangenheit und Naivit√§t zu jenen, denen gegen√ľber er am ehesten Vertrauen und ihm sicher erscheinende Beziehungen aufbauen konnte, und die er schlie√ülich als eigentliche Zielgruppe seiner Bem√ľhungen – sowohl was seine k√ľnstlerischen, als auch seine sozialen und karitativen Ambitionen betraf – sehen wollte. Wie weit diese Vertrautheit mit Kindern in einzelnen F√§llen ging, war die Schl√ľsselfrage aufsehenerregender Prozesse, die seinem bereits angeschlagenen Image in der √Ėffentlichkeit wohl nicht wieder zu reparierenden Schaden zuf√ľgten. Michael Jackson – glitzernder “King of Pop” und sanftes, verletzliches Kind zugleich – hat versucht, dieses Leben auszuhalten, und wohl an einen bestimmten Punkt festgestellt, da√ü ihm Bet√§ubung nicht nur die Schmerzen seines K√∂rpers, sondern wohl auch den Schmerz an der Welt und seinen Lebensumst√§nden ein St√ľck weit erleichtern konnte. Und so beschleicht einen bei aller Betroffenheit die Vermutung, ob es sich der “Peter Pan” des Pop – in seinen Lebensumst√§nden und immanenten Zw√§ngen eingeschlossen wie ein Paradiesvogel in einem zu kleinen K√§fig – nicht ausgesucht haben oder zumindest in Kauf genommen haben k√∂nnte, diesen Weg, dessen Verlauf er wohl nur selten jemals das Gef√ľhl gehabt hatte, kontrollieren zu k√∂nnen, nicht mehr weitergehen zu wollen. Was Michael Jackson neben einem Berg an Schulden und offenen Fragen hinterl√§√üt, ist jedoch vor allem auch eines: ein zeitloses kreatives Verm√§chtnis und ein Reigen unverge√ülicher Erinnerungen vor den Plattenspielern und TV-Ger√§ten (Thriller“!) seiner abermillionen Fans.

ÔĽŅ01.09.19