Psychotherapie in Wien bei Richard L. Fellner

PatientInnen-Leitfaden für das Scheitern einer Therapie

In der Folge finden Sie einen Leitfaden mit Tipps und Ratschlägen, die man und frau als Therapiepatient und Therapiepatientin „keinesfalls auslassen sollte“, wenn man enttäuschende Erfahrungen in seiner Psychotherapie machen möchte.

Fast alle dieser Ratschläge beruhen auf konkreten Erfahrungen ehemaliger Psychotherapie-KlientInnen*, die diese ironisiert im Diskussionsforum meiner Website zusammenfassten. Ich bin ihnen dafür zu großem Dank verpflichtet, denn mir allein wäre es wohl nicht in dieser Weise gelungen, die Liste von Gründen für das Scheitern von Psychotherapien so umfassend und witzig auf den Punkt zu bringen...
Der Vollständigkeit halber und um Missverständnissse zu vermeiden, sei angemerkt, dass die Liste möglicher ungünstiger Einflüsse von TherapeutInnen auf den Therapieerfolg mindestens ebenso lang ist...

Ich habe im Sinne der besseren Lesbarkeit nur die männliche Schreibweise („der Therapeut“ statt „der/die TherapeutIn“ oder „der Klient“ statt „der/die KlientIn“ verwendet – selbstverständlich gelten sämtliche Hinweise für TherapeutInnen und KlientInnen beider Geschlechter. Darüber hinaus habe ich regelmäßig zwischen der Bezeichnung „Klient“ und „Patient“ gewechselt, um beide im medizinisch-therapeutischen Feld gebräuchlichen Termini ins Spiel zu bringen. Die Bezeichnung „PatientIn“ betont ja den stigmatisierenden, krankheitswertigen Charakter psychischer Probleme, was es wiederum erleichtert, in eine der hier angeführten „Therapie-Fallen“ zu tappen.

   Gebrauchsanweisung:

1) Das Lesen dieses Leitfadens erfordert ein funktionstüchtiges Satire-Zentrum (=) in Ihrem Gehirn. Falls Sie dies zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bemerkt haben, holen Sie sich schnell einen neuen Überweisungsschein oder fragen Sie Ihr Rad oder Ihren Bettvorleger...

2) Manche der folgenden Merksätze und Regeln stellen Widersprüche dar. Ignorieren Sie dies einfach bei ihrer Anwendung - denn es kommt nur auf das Ziel der Regeln an!

Inhalt

A. Regeln zur Verzögerung oder Verhinderung der Therapie

1. Die Qual der Wahl: welche Methode ist die ideale für dein Problem?

Die (mittlerweile überholte) Grundannahme: für jedes Problem gibt es eine ideale Therapiemethode. Um herauszufinden, welche dies ist, verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die Ansichten und Meinungen sämtlicher Therapiemethoden. Beweisen Sie sich Ihre mentale Offenheit, indem Sie dies auch für jene Methoden tun, die Ihnen spontan nicht zusagen (Tipp für Deutsche: In Österreich gibt es mehr anerkannte Therapiemethoden als in Deutschland – erwägen Sie notfalls die Emigration). Natürlich haben Sie auch Merksatz #13 verinnerlicht. Da Sie es besser machen möchten, halten Sie sich ausschließlich an die Meinungen von ehemaligen Patienten, da diese aus eigener Erfahrung berichten können. Engen Sie sich jedoch nicht unnötig ein und befragen Sie zur Sicherheit auch derzeitige und künftige Patienten. Halten Sie Ihre Fragen besonders allgemein, z.B. „was haltet Ihr von der Methode XY?“. Planen Sie für Ihre Therapievorbereitung mindestens ein halbes Jahr, besser ein Jahr ein. Die Zeit, die Sie jetzt investieren, ist eine Investition in deine Zukunft. Nutzen Sie sie!

Psychotherapie ist eine sehr individuelle Angelegenheit, was Sie natürlich wissen. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie möglichst viele Meinungen sammeln, um das Allgemeine vom Individuellen trennen zu können. Außerdem wissen Sie so auch gleich, was auf Sie zukommen kann und können sich gut vorbereiten.

Wenn das alles nicht geholfen hat:



2. Stell die „Therapiewürdigkeit“ deines Problems laufend in Frage

Beginnen Sie keine Therapie (oder sprechen Sie darin kein Thema an), ohne Ihr Problem vorher bereits eingehend in verschiedenen Internet-Foren und mit allen Bekannten und Freunden mehrmals diskutiert zu haben. Erklären Sie dabei zunächst ausführlich Ihr Anliegen, verzichten Sie nicht auf mehrmalige Wiederholungen, drehen Sie sich ein bisschen im Kreis, dann noch ein bisschen und halten Sie Ihr Thema nicht vor der 52. Aufforderung Ihrer Gegenüber für „therapiewürdig“.

Innerhalb einer Therapie stellen Sie sich dann jeden Tag die Frage, ob Ihre Probleme überhaupt schwerwiegend genug sind, um ein Anrecht auf eine Therapie zu haben. Immerhin gibt es jede Menge Leute, denen es wesentlich schlechter geht als Ihnen, und die gehen auch nicht zu einer Therapie. Deshalb ist es auch wichtig, eine begonnene Therapie so rasch wie möglich wieder abzubrechen – denn so schlimm sind Ihre Probleme nun ja auch wieder nicht. Zumindest nicht so schlimm wie die Probleme von irgendjemand, dem es viel schlechter geht als Ihnen.

Erzählen Sie Ihrem Therapeuten auch niemals das volle Ausmaß Ihrer Schwierigkeiten und halten Sie Ihre Gefühle unter Kontrolle: wenn Ihnen Tränen in die Augen steigen, zeigen Sie sich möglichst selbstbeherrscht und kontrolliert. Ihr Therapeut könnte regressives Verhalten wie Weinen oder Jammern als Schwäche auslegen! Gefühle, so weit Sie sie kennen, haben Sie im Alltag voll unter Kontrolle - da werden Sie sich doch auch in der Therapie nicht anders geben! Niemand soll Sie „schwach“ erleben. Lassen Sie sich von der Taschentuchbox, die griffbereit dasteht, nicht irritieren. Die ist für Weicheier und solche, die Zeit schinden wollen, durch das Vergießen von Tränen hat noch niemand etwas gelöst. Tragen Sie vielmehr all Ihre Probleme mit einem lächelnden und souveränen Gesicht vor - und zwar im Optimalfall so, als würden Sie von Ihrem letzten Urlaub erzählen. Lassen Sie sich dabei nicht von der (evtl. ungläubigen, ernsten, irritierten, etc.) Miene des Therapeuten aus Ihrem Konzept oder gar Ihrer Fassung bringen. Helfen Sie der großen Menschenkenntnis Ihres Therapeuten bestenfalls durch ein paar magere Andeutungen auf die Sprünge. Gibt er sich damit immer noch nicht zufrieden, seien Sie eingeschnappt und/oder trotzen Sie ihm.

Während Sie allerlei erzählen, was die geringe Bedeutung Ihres eigentlichen Problems unterstreicht (z.B. völlig andere Dinge, etwa alte Geschichten, die Sie gar nicht mehr belasten), denken Sie im Hinterkopf bereits darüber nach, welchen Vorwand Sie finden könnten, die Therapie möglichst bald abzubrechen, ohne Ihre wahren Gründe zu verraten.

Wenn Ihr Therapeut Sie ermutigt, die Therapie fortzusetzen, dann zweifeln Sie seine Einschätzung an: er verdient ja pro Stunde eine Menge Geld an Ihnen, und für dieses nimmt er sogar so jemanden wie Sie, auch wenn das gar keinen Sinn machen würde.



B. Regeln zum Scheitern während des Therapiebeginns

3. Achte auf deine Sympathiewerte bei deinem Therapeuten!

Es geht nämlich nicht um Sie, sondern um den Therapeuten (die Therapeutin).

Geben Sie sich keine Blöße, haben Sie niemals schlechte Laune oder seien Sie gar ärgerlich, achten Sie mehr, als Sie das normalerweise tun, auf ein korrektes und attraktives Äußeres, und falls Ihnen mal ein(e) andere(r) Klient(in) Ihres Therapeuten über den Weg läuft, überprüfen Sie, ob er/sie oder der Therapeut besonders glücklich wirkte, was auf ein besseres Verhältnis zwischen den beiden als bei Ihnen beiden hinweisen könnte. Auch eine Stundenüberziehung des Vorklienten könnte ein Hinweis darauf sein, oder sein ernster Blick am Beginn Ihrer Stunde. Natürlich könnten derartige Anzeichen aber auch ein Hinweis darauf sein, dass Sie ein besonders schwieriger Patient sind.

Gehen Sie Ihrem Therapeuten auch nicht auf den Wecker, indem Sie sich z.B. melden, wenn es Ihnen zwischen den Stunden einmal schlechter als sonst geht – sicherlich wäre er das nächste Mal ungehalten. Er erwartet sich von Ihnen, dass es Ihnen stets nur immer besser geht.



4. Denke immer daran, dass der Therapeut gewechselt werden kann.

Sobald Ihnen etwas nicht zusagte, in einer Stunde keine tiefschürfenden Erkenntnisse gelangen oder es gar eine Meinungsverschiedenheit gab, hinterfragen Sie die komplette Therapie, brechen Sie sie ab und beginnen Sie mit probatorischen Sitzungen bei einem anderen Therapeuten. Auf keinen Fall sollten Sie das heikle Thema bei der nächsten Sitzung ansprechen oder gar Ihre eigene Wahrnehmung hinterfragen. Entweder könnten dann die unterschiedlichen Sichtweisen noch deutlicher werden, oder sich gar als Missverständnis entpuppen (was peinlich wäre).

Mit dem neuen Therapeuten lassen sich Kränkungen und Ungeklärtes aus der letzten Therapie prima aufarbeiten, und er freut sich sicher, wenn Sie ihm erzählen, dass es bei einem Kollegen weniger gut klappte. Mut zum Wechsel!



5. Die Geschlossene-Auster-Methode: Halte dich bedeckt!

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ – besonders in der Therapie ist dieses Prinzip eine zuverlässige Möglichkeit, zu erreichen, dass nichts weitergeht. Dabei ist möglichst bei jeder aufkommenden Emotion mit Schweigen zu reagieren, besonders bei Ärger, aber auch bei Unsicherheit oder Verwirrung. Um das Schweigen zu erleichtern, betrachten Sie eingehend die Zimmereinrichtung, vermeiden Sie Augenkontakt zu Ihrem Gegenüber und genießen Sie die unendliche Weite Ihrer Gedanken. Ein guter Therapeut sollte sich auch ohne verbale Äußerungen auf Sie einschwingen, und Ihnen ohne lästige Fragen zu stellen, helfen können. Denn wenn dies gelingt, ist es eine wunderschöne Erfahrung! Manchmal ist es auch eine sportliche Herausforderung: wer zuerst spricht, hat verloren!
Wenn Ihnen etwas nicht passt, oder wenn Sie eine Aussage Ihres Therapeuten getroffen hat, dann teilen Sie ihm dies niemals sofort mit, sondern signalisieren Sie es körpersprachlich, etwa durch Zuspätkommen zur nächsten Stunde oder indem Sie sich bei Bekannten darüber beschweren. Wenn Ihr Therapeut freundlich nachfragt, was gerade los ist, dann scheuen Sie sich nicht, Ihre Enttäuschung darüber zum Ausdruck zu bringen, wie wenig er Sie versteht!

Unangenehmere Themen sollten möglichst kompliziert und rätselhaft umschrieben werden, denn sicherlich sind sie dem Therapeuten genauso peinlich! Oder, noch schlimmer, sie könnten ein fragwürdiges Bild über Sie entstehen lassen. Schweigen und verschwommene Umschreibungen des eigentlichen Problems sind eine hervorragende Methode, eine Stunde komplett auszufüllen. Ihr Therapeut kann dann so richtig in seiner Arbeit aufgehen: er wird vorsichtig und ebenso sanft nachfragen, viel Mitgefühl zeigen, kleine Geschichten erzählen, die Ihnen das Reden erleichtern sollen. Außerdem ist es ja vielleicht wirklich nicht so wichtig, und man kann später immer noch erzählen, worum es wirklich geht ... oder vielleicht löst sich das Problem ja später sogar noch von selbst.

Verwenden Sie nur selten Namen! Wenn Sie über die Familie, Freunde etc. reden, dann verwenden Sie nur „der“ und „die“! Es geht nichts über ein völlig verwirrtes Gesicht des Therapeuten, und irgendwann könnte sich herausstellen, dass seine Hypothesen oder Lösungsideen völlig absurd sind.



6. Nimm Anzeichen für ein Privatleben deines Therapeuten persönlich!

Er ruft Sie nicht sofort zurück? -> Seien Sie sich sicher, dass Sie ihm völlig egal sind. Er interessiert sich nicht die Bohne für Sie, sondern vermutlich nur für Ihr Geld.

Kann er Ihnen keinen aussertourlichen Einschubtermin anbieten? -> Vermutlich sind ihm andere PatientInnen lieber als Sie.

Fährt er längere Zeit auf Urlaub? -> an Sie und wie es Ihnen damit geht, hat er dabei sicherlich nicht gedacht.

Kam er mal zu spät? -> Ein Beweis dafür, dass er es nicht ernst nimmt mit seinem Job.



7. ..nimm überhaupt jede Lebensäußerung deines Therapeuten persönlich!

Bleiben Sie stets aufmerksam und wachsam, und hinterfragen Sie jeden Satz, jedes Wort, jedes Räuspern und Husten Ihres Therapeuten. Was könnte er gemeint haben? Was ist die Botschaft hinter der Botschaft? Wozu sagt er das? Und falls Sie in der Stunde nicht gleich verstehen, was zu tun und zu sagen ist: besser ausweichen oder schweigen ... und zu Hause in aller Ruhe darüber nachdenken! Auf diese Weise ist Grübelstoff für die nächste Woche garantiert. Und immer daran denken: Ihr Therapeut hat grandiose schauspielerische Fähigkeiten und möchte Sie manipulieren, böse Fallen und Tricks sind seine Spezialität.

Hinterfragen Sie auch öfters, ob Ihr Therapeut Sie überhaupt mag. Wenn er Sie mögen würde, würde er Ihnen dies doch sicherlich „beweisen“: zum Beispiel, indem er Sie in den Arm nimmt, zurückruft, nette Mails schreibt, auf Sonderwünsche eingeht - das macht er bei Ihnen nicht? Also sprechen alle Indizien eindeutig dafür, dass er Sie nicht mag, sondern wohl nur am Geld interessiert ist und Sie schon morgen vergessen hätte, wenn Sie „fertig“ sind... Auch Zeichen wie Vorschläge von ihm, es mit Medikamenten zu versuchen, einen Klinikaufenthalt zu erwägen oder auch nur wenn er Sie bei einem zufälligen Treffen auf der Straße nicht zu bemerken scheint, deutet dies auf Desinteresse an Ihrer Person oder vielleicht sogar völlige Ablehnung hin.



8. Verschweige organisatorische Probleme

Wenn etwa die genehmigten Stunden zur Neige gehen, zweifeln Sie an einer Verlängerung. Auch bei finanziellen Probleme oder wenn Sie gerne mal eine Therapiepause hätten – reden Sie darüber nicht mit Ihrem Therapeuten, sondern machen Sie es mit sich selbst aus! Der Therapeut will mit Ihnen nur über das Therapiethema sprechen, etwas anderes interessiert ihn nicht.



9. Teste die fachliche Sicherheit deines Therapeuten

Ihr Therapeut muss große Sattelfestigkeit haben, wie sonst kann er Ihnen bei Ihrem wichtigen Thema helfen? Um seine fachliche Kompetenz zu testen, stellen Sie diese von Beginn an in Frage – lassen Sie ihm aber Raum für Rechtfertigungen, damit das Duell in Gang kommt und nicht schon im Keim erstickt wird. In der einleitenden Phase bleiben Sie sachlich: „Sie verstehen nicht genau, was ich meine.“, „Ich habe überlegt, abzubrechen.“ oder: „Mit dem Vorschlag kann ich nichts anfangen.“
Sprechen Sie insgesamt nicht viel, und wenn, dann nur mit kühler Höflichkeit. Steigern Sie sich bis hin zu Unzufriedenheit oder verbohrter Hartnäckigkeit: als zahlender Patient haben Sie doch ein Recht auf umfassende Information?! Die höchste Kunst sind Beleidigungen verbaler und nonverbaler Art: skeptische Blicke, genervte Seufzer, die Arme hinter dem Kopf oder vor der Brust verschränkt halten. Auch Äußerungen wie: „Na, Sie merken aber schnell...“, listig: „In der letzten Stunde war nichts dabei, was mich weitergebracht hat!“ oder provokant: „Mit Ihnen zu sprechen bringt mir gar nichts, dazu brauche ich keine Therapie“ sind gute Testattacken.
Auswertung: je länger die/der TherapeutIn durchhält, ohne Ihr Verhalten mit mehr oder minder gereiztem Ton anzusprechen, umso besser! Darüber hinaus kongeniale und sachlich unangreifbare Antworten zu erhalten, zeugt von hoher fachlicher Kompetenz. Je nach Ergebnis ist Stunde um Stunde von Neuem zu entscheiden, ob die Therapie fortgeführt werden soll.

Wenn er Ihnen einen Verhaltenstipp oder eine „Deutung“ gibt, so lassen Sie sich diese von ihm durch mindestens 3 seiner Fachbücher verifizieren . Lassen Sie sich zusätzlich bestätigen, dass dieser Ansatz bereits bei 10 seiner Patienten in einer nahezu identischen Situation erfolgversprechend war.



10. Teste die menschlichen Qualitäten deines Therapeuten

Anhaltspunkte für Arroganz, ungenügende Aufmerksamkeit oder Einfühlsamkeit:

Sollte er jedoch sagen, dass er das ganz anders sieht und einen längeren Monolog darüber halten, wie er die Situation interpretiert, so glauben Sie ihm nicht. Immerhin ist ja bereits bewiesen, dass er illoyal ist. Noch schlimmer: er steht nicht mal zu seinen negativen Gefühlen für Sie (da waren sogar Ihre Eltern/Erziehungsberechtigten vielleicht aufrichtiger. Was zeigt: So schlecht waren die nicht.)



11. Vermeide Kontinuität und Struktur

Achten Sie auf möglichst unregelmäßige Termine! Ein gestresstes Erfolgsimage auch in der Psychotherapie hilft, das Gesicht zu wahren und zu demonstrieren, dass es „draußen“ viel wichtigere Verbindlichkeiten gibt, um die man sich kümmern muss als das kleine Problemchen, desentwegen man gekommen ist. Dass man(n) eines hat, ist peinlich genug.

Wenn Sie zur Therapiesitzung kommen, dann entweder viel zu früh (ärgern Sie sich, wenn der Therapeut nicht sofort die gerade laufende Sitzung unterbricht, um Ihnen die Türe zu öffnen) oder viel zu spät (so fällt es Ihnen schwerer, sich gut auf die Sitzung einzustimmen). Neigt sich die Zeit dem Ende zu (Sie kontrollieren das alle 5 Minuten), dann rücken Sie mit dem Problem heraus, das Sie heute besprechen wollten. Therapeuten sind nette Leute, die lassen Sie nicht hängen und Sie können über Ihr Thema sicherlich noch ausführlich reden. Der nachfolgende Termin verschiebt sich dann eben. Sie werden dankbare Blicke bekommen, wenn Sie sich im Vorraum die Jacke anziehen.



12. Mache einen guten Eindruck!

Achten Sie auf Ihre Körpersprache: setzen Sie Ihre Gesten ganz bewusst ein, um die „erwünschten“ Gefühle zu signalisieren und möglicherweise unpassende oder peinliche Gefühle zu verbergen. Verschränken Sie zum Beispiel nicht Ihre Arme und Beine, lassen Sie Ihre Hände ganz ruhig in Ihrem Schoss liegen (Achtung: nicht zu steif und nicht zwischen die Oberschenkel klemmen), auf keinen Fall dürfen sie mit irgendwas herumspielen (Haarsträhne, Fingernagel, Ohrring). Wippen Sie nicht mit den Beinen, denn das wirkt zu nervös. Sich ständig die Haare zurückzustreichen, kommt eitel rüber. Schauen Sie auch nicht auf den Boden, das lässt Sie klein und schwach wirken. Nicht in der Nase bohren oder Finger- oder Fußnägel abkauen! Halten Sie schön Blickkontakt, ahmen Sie die Mimik und Gestik Ihres Therapeuten dezent nach, wirken Sie interessiert und achten Sie auf gerade Haltung. Wenn Sie Ihrem Therapeuten einmal nicht folgen können, so nicken Sie zustimmend - er könnte Sie sonst für unintelligent halten.
Wenn Sie das alles perfekt beachten, wirken Sie garantiert positiv, unverkrampft und kommen souverän an!

Wichtig ist selbstverständlich auch das Äußere: kontrollieren Sie zwei Tage vor Ihrer Therapiesitzung, ob die Kleidungsstücke, die Sie beabsichtigen, bei Ihrem Therapeuten zu tragen, gewaschen und gebügelt bereit liegen. Prüfen Sie, ob Haarspray, Lockenschaum, Make-up, Puder, Kajal, Deo, Parfum ausreichend vorhanden sind oder noch nachgekauft werden müssen. Putzen Sie Ihre Schuhe, oder kaufen Sie ggf. neue. Machen Sie eine Anprobe vor dem Spiegel, vergewissern Sie sich dabei auch, ob im Sitzen Ihre Socken und Beine sichtbar sind, wenn ja, dann wählen Sie farblich passende Socken aus (evtl. mit der Marke Ihres Therapeuten abstimmen – Sie wissen ja, Gemeinsamkeiten verbinden!) und rasieren sich die Beine noch mal schnell direkt vor der Sitzung. Essen Sie nichts vor der Sitzung (Mundgeruch)! Kaugummi rausnehmen, damit Sie nicht aus Versehen spucken oder sich gar verschlucken.

Sollte Ihnen das freie Reden Schwierigkeiten bereiten, ist es durchaus in Ordnung, wenn Sie vor der Stunde 2-3 Gläser Alkohol zu sich nehmen, um Ihre Hemmungen etwas abzubauen.



C. Regeln zum Scheitern während des Therapieverlaufs

13. Führe regelmäßig Theorie-Diskussionen

Als aufmerksamer und engagierter Patient sind Sie bestens mit der Literatur und den neuesten Veröffentlichungen der Therapierichtung Ihres Therapeuten vertraut. Sie kommentieren Interventionen, beispielsweise „das war eine Verstärkung - nicht schlecht!“ oder "Sie deuten mir also mein Verhalten als Widerstand – interessanter Aspekt“. Mit der Eröffnung von theoretischen Diskursen, welche das Für und Wider der einzelnen Therapierichtungen zum Thema haben, stellen Sie Ihr Denken und Ihre intellektuellen Fähigkeiten unter Beweis und helfen zudem Ihrem Therapeuten, auf seinem Gebiet fit und up-to-date zu bleiben. Ihnen selbst hilft es, in jeder Sitzung interessiert nachzufragen, „wie die Therapie denn jetzt weitergeht“, wie lange sie voraussichtlich noch dauert oder Hinweise, dass Sie auch gern mal "neue Interventionen" ausprobieren würden.

Die intensive Beschäftigung mit Literatur und den theoretischen Hintergründen der gewählten Therapierichtung kann über rationale Immunisierung zudem dabei helfen, nicht nur dem Therapeuten, sondern auch sich selbst zu beweisen, dass das eigene Problem derart schlimm und kompliziert ist, dass auch diese Therapierichtung daran scheitern wird (dann neu beginnen bei Regel #1). Ein Therapieerfolg würde immerhin beweisen, dass man in seinen eigenen Versuchen, das Problem zu lösen, etwas übersehen hatte – und das wäre unaushaltbar peinlich.



14. Diskutiere jedes Detail deiner Therapiestunden mit Freunden & Bekannten

„Kann das wirklich richtig sein, was mein Therapeut da sagt?“ - Eine wichtige Grundfrage, die ständig gestellt werden sollte. Erzählen Sie deshalb jedes Detail Ihrer Therapiestunden anderen, damit man versteht, worum es geht, und welche seltsamen Dinge Ihr Therapeut da mitunter sagt und tut. Außerdem stellen die Inhalte von Therapiestunden einen hochergiebigen Diskussionsstoff dar – zu psychologischen Themen hat doch jeder eine Meinung! Wenn jemand skeptisch oder uneinsichtig auf das von Ihnen Erzählte reagiert, betrachten Sie dies als Bestätigung Ihrer eigenen Skepsis gegenüber der Effizienz Ihrer Therapie, und fragen Sie sich, warum Sie dort überhaupt noch hingehen.



15. Entscheide dich: läuft bei dir alles gut – oder alles schlecht?

Seien Sie a) Die Success-Story

Erzählen Sie jede Stunde nur Erfolgsberichte – wie gut alles lief und wie leicht das alles ging! Sprechen Sie in den Sitzungen möglichst wenig von Problemen, das wäre unangenehm. Schon bald wird der Therapeut beginnen, Ihnen Komplimente auszusprechen, und sich wenig später auch zur Aussage verleiten lassen, dass es Ihnen schon deutlich besser geht. Dies wäre dann der Freibrief, die Therapie umgehend zu beenden – es dann sozusagen mit Brief und Siegel bestätigt zu haben, dass bei Ihnen im Grunde alles in Ordnung ist.

oder b) Der hoffnungslose Fall

Berichten Sie als perfekt getimten Stundeneinstieg immer wieder aufs Neue von all den Misserfolgen und Rückschlägen der vergangenen Woche, verbunden mit leisen Seufzern und kleinen (ja nicht zu deutlichen) Andeutungen, dass die Grundannahme, dass die Therapie etwas bringen könnte, vielleicht doch nicht so abgesichert sei... Sollte zwischendurch einmal etwas gut laufen, dann war das Zufall und hat nichts mit der Therapie zu tun, in keinem Fall wäre es aber gerechtfertigt, davon beim nächsten Mal zu erzählen! Niemand ist bei Ihnen erfolgreich, niemand kann Ihnen wirklich helfen, Ihr Fall ist absolut aussichtslos. Diese Tatsache ist Grundprinzip Ihres „Therapieversuchs“, lösen Sie also niemals, unter gar keinen Umständen, derartige Hoffnungen in Ihrem Therapeuten aus! Geben Sie vielmehr nicht früher auf, als bis er von sich aus kapituliert und die Therapie als gescheitert erklärt. Dann tritt Regel 25 in Kraft.



16. Die Kunst der Ablenkung: Mache andere zum Thema.

Endlich Schluss mit der Egomanie! Sorgen Sie dafür, dass er bemerkt, wie rührend Sie sich um andere Menschen sorgen, indem Sie vorzugsweise deren Geschichten statt Ihre eigenen thematisieren. Bestimmt berührt ihn die Lebensgeschichte Ihrer Großmutter, oder wie es kürzlich einem Ihrer Freunde erging. Oder erzählen Sie über Probleme Ihrer Firma oder Ihre Gedanken über den letzten Kinofilm, den Sie gesehen haben. Schließlich haben Sie ja schon immer geahnt, dass Sie ihn nicht interessieren – und überhaupt: könnte er Ihren Therapieplatz nicht für jemanden verwenden, der ihn wirklich benötigt?



17. Erfolge sollten sich von ganz allein ergeben!

Da Sie sich weder während noch nach der Sitzung Notizen gemacht haben und sich auch sonst zwischen den Stunden nicht mit den Inhalten der letzten Stunde beschäftigen, haben Sie vergessen, was beim letzten Mal besprochen wurde. Prima, dann wiederholen Sie das und haben es viel leichter! Sollten Sie sich evtl. während des Gesprächs doch erinnern, das schon mal besprochen zu haben, könnten Sie zudem vermuten, dass in Wirklichkeit Ihr Therapeut es war, der darauf vergessen hat!

Gehen Sie prinzipiell auf keinen Fall mit Notizen oder sonst irgendwie vorbereitet in die Stunde - der Therapeut soll gefälligst kreativ fragen oder (falls Sie Regel #5 beherzigen) selbst herausfinden, was los ist .. das ist sein Job.



18. Schone deinen Therapeuten

Bisher sind Sie ja auch ohne therapeutische Unterstützung zurecht gekommen – und solange Sie noch auf beiden Beinen die Praxis betreten oder verlassen können, haben Sie in der Tat kein ernstzunehmendes Problem. Sie wollen Ihren Therapeuten doch nicht nerven – schließlich hört er ja bereits den ganzen Tag nichts anderes als Problemgeschichten. Seien Sie daher rücksichtsvoll und halten Sie auch "Spezialprobleme" oder individuelle Probleme mit niedrigerer Prävalenz (z.B. sexuelle Probleme!) aus der Therapie heraus, um die Stimmung nicht noch mehr zu belasten.

Für den Fall konkreter Nachfragen Ihres Therapeuten legen Sie sich am besten schon vorab ein paar wenig aussagekräftige Phrasen zurecht wie: „Geht schon“, „ist nicht so schlimm“ oder „im Moment komme ich ganz gut damit klar“. Tragen Sie dies alles möglichst kurz angebunden und ohne Details vor, um weiteren Nachfragen auszuweichen. Bleibt der Therapeut beharrlich, unterstreichen Sie Ihre eingenommene Position durch Antworten wie „hmmm“ oder schweigen Sie sich aus. Fortgeschrittene Therapiepatienten können auch versuchen, den Therapeuten auf ein unverfänglicheres Thema zu lenken: es ist ja schließlich Ihre Zeit, und Sie können sie nutzen, wie Sie möchten! Oder Sie wählen einen Stimmungswechsel, z.B. eine patzige Reaktion, dass Sie darüber jetzt wirklich nicht reden wollen oder können. Alternativ könnten Sie auch sagen, das Sie dieses Thema viel zu sehr belasten wird, wenn Sie nun darüber reden müssten (= paradoxe Intervention!).



19. Sorge dich um die Befindlichkeit deines Therapeuten!

Hören Sie ihm aufmerksam und wohlwollend zu, wenn er über sich, sein Privatleben und seine eigenen Probleme erzählt. Fragen Sie ihn hin und wieder, wie es ihm so mit Ihnen geht oder lassen Sie sich in allen Einzelheiten schildern, wie toll sein letzter Urlaub war – offensichtlich tut es ihm gut, und er soll sich doch mit ihnen wohl fühlen! Als sozial eingestellter Mensch möchten Sie nicht die gesamte Therapiezeit nur für sich alleine in Anspruch nehmen.

Betonen Sie darüber hinaus häufig, wie wichtig Ihnen Ihr Therapeut als Mensch geworden ist! Jeder weiß, wie gut so etwas tut, und er kann sicher eine ganz große Portion davon vertragen. Dies hilft beim Aufbau einer freundschaftlichen Beziehung, und schließlich hat sogar Sigmund Freud einmal gesagt, dass Übertragungsliebe ein notwendiger Faktor einer Therapie ist!



20. Mache die Therapiestunden und deinen Therapeuten zu deinem einzigen Lebensinhalt.

Analysieren Sie möglichst lange jedes auch noch so kleine Detail der letzten Stunde, und etwa ab Wochenmitte beginnen Sie, sich gedanklich ebenso intensiv mit der nächsten Stunde zu beschäftigen. Verlassen Sie dazu am besten nicht Ihre Wohnung/Ihr Haus, Sie könnten vom interessanten Therapieprozess viel zu sehr abgelenkt werden, möglicherweise wertvolle Gedanken verloren gehen. Je wichtiger die Therapiestunden, umso unwichtiger Ihr eigenes Leben.

Beschäftigen Sie sich außerdem intensivst mit der Person Ihres Therapeuten, und was Sie nicht im Internet über ihn finden können, das versuchen Sie sich anhand dessen, was Sie an ihm beobachten und durch seine Zwischenbemerkungen herausgehört haben, zusammenzureimen. Beneiden Sie ihn: um sein kuscheliges Heim, seine wohlgeratenen Kinder (hat er überhaupt welche?), seinen liebenden Partner (hat er einen?), seine komplikationslose Beziehung, seinen großen Freundeskreis (was hat er eigentlich für Hobbies?), seine sozialen Fähigkeiten, seinen beruflichen Erfolg, sein sicherlich großes Einkommen, seine entspannten Urlaube - kurz, um sein perfektes Leben. Nach einiger Zeit können Sie die nächste Stufe erklimmen: unterschwellige Aggressionen auf Grund dieser offensichtlichen Tatsachen. Haben Sie es hierbei zu hinreichender Meisterschaft gebracht, ist zu empfehlen, die höchste Stufe zu erklimmen: Therapieabbruch, denn aufgrund mangelnder Erfahrungen mit eigenem Elend wird Sie Ihr Therapeut ohnehin niemals ausreichend verstehen können.



21. Beende die Therapie so rasch wie möglich wieder!

Der perfekte Patient benötigt nur 1 Therapiestunde, denn das erste Gefühl der Erleichterung beweist, dass man die Lösung schon so gut wie in der Tasche und im Grunde alles im Griff hatte. Außerdem will man ja schließlich auch den Therapeuten beeindrucken und nicht als „blöd“ (sic!) dastehen. Als angenehmer Nebeneffekt spart man darüber hinaus auch noch Geld und Zeit.
Tipp: die Anwendung von Merksatz #13 bewährt sich hier effektsteigernd. Beispielsweise eine rein theoretische Abhandlung des Themas während des ersten Gesprächs, mit der darauffolgenden Erkenntnis, dass man eigentlich im Moment doch gar keine Therapie benötigt. Das beeindruckt sicherlich auch den Therapeuten.



22. Konzentriere dich auf das, was noch nicht klappt – und wenn doch etwas klappt, beende die Therapie

Vermeiden Sie es deshalb, auf positive Veränderungen zu achten. Falls Sie doch welche bemerken, erklären Sie sie sich mit allen erdenklichen Gründen, aber auf keinen Fall mit Ihrer Therapie!

Konsequenterweise sollten Sie die Therapie bei den ersten derartigen Zeichen gleich abbrechen – entweder kommen Sie nun offensichtlich schon gut ohne Therapie zurecht, oder aber Ihrem Therapeuten wäre bei der nächsten Sitzung wohl gar nichts mehr eingefallen, das sinnvollerweise zu besprechen wäre.



23. Immunisiere dich gegen das Feedback des Therapeuten

Wenn Ihr Therapeut Sie lobt, so glauben Sie ihm nicht. Es sagt das nur, weil es sein Job ist, oder weil er die wirkliche Tragik Ihrer Situation nicht ausreichend einschätzen kann. Sie selbst wissen schließlich viel besser als er, wie schlecht, blöd und unfähig Sie wirklich sind, und dass er sich deshalb irren muss. Halten Sie dagegen, was das Zeug hält - und bleiben Sie so lange hartnäckig, bis Sie Ihren Therapeuten davon überzeugt haben, dass Sie gar nichts mehr auf die Reihe bekommen und keine einzige brauchbare Kompetenz haben.

Wenn Ihr Therapeut Ihnen im Gegenzug genauso hartnäckig Ihre Stärken unter die Nase reibt, so fühlen Sie sich auf der Stelle unverstanden. Nun haben Sie sogar den Beweis, dass er Sie nicht versteht. Andernfalls würde er sich wenigstens bis zum Sitzungsende anhören, wie schlecht, blöd und unfähig Sie sind (und zwar, ohne Sie dabei zu unterbrechen). Wenn Sie sich unverstanden fühlen, haben Sie zudem einen weiteren Grund und genügend Grübelstoff, der Sie davon abhält, neue Denkweisen auszuprobieren. Wenn Grübelstoff ausgehen sollte, beginnen Sie, einen Therapeutenwechsel oder Therapierichtungswechsel in Erwägung zu ziehen. Denn ein Therapeut, der Sie nicht versteht, ist kein geeigneter Therapeut für Sie.

Tipp: wer eine subtilere Vorgehensweise bevorzugt, kann auch die "Ja-aber-Taktik" einsetzen. Durch Sätze, die mit "ja" eingeleitet werden, bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie Ihrem Therapeuten grundsätzlich zustimmen. Das macht sich gut, denn Ihr Therapeut hat es verdient, dass Sie seine Bemühungen würdigen. Diese Strategie ist daher besonders für Therapiepatienten geeignet, die ihren Therapeuten nicht verärgern wollen. Vergessen Sie dabei jedoch nicht, gleich anschließend durch möglichst viele Beispiele zu belegen, was dieser Sichtweise entgegensteht. Mit „aber“ eingeleitete Nebensätze eigenen sich hierfür besonders gut.

Wichtig ist, dass Sie sich nicht von Ihrem Kurs abbringen lassen. Da Sie Ihre Denkweise schon über Jahre bis Jahrzehnte gepflegt haben, wird diese schon stimmen. Sie kennen sich schließlich besser als Ihr Therapeut und wissen, wie Sie sich fühlen. Geben Sie ihm keine Chance, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen! Falls dies Ihrem Therapeuten doch ansatzweise gelingen sollte, so bedienen Sie sich wiederum der universell einsetzbaren Autosuggestion, dass er ja dafür bezahlt wird, Ihnen nette Dinge zu sagen.

Achten Sie auch keinesfalls auf zweckdienliche Hinweise Ihres Therapeuten! Schließlich haben all die Probleme, die Sie haben, ja im Grunde gar nichts mit Ihnen zu tun – Sie sind nur der/die Leidtragende! Deshalb können Sie auch nichts an den Problemen ändern – denn es sind ja die anderen, die böse und schlecht sind. Und das natürlich mit Absicht. Es kann sein, dass deshalb die ganze Therapie keinen Sinn hat – zuerst einmal müssen sich die anderen ändern, danach würde alles ohnehin viel leichter gehen!



24. Manipuliere deinen Therapeuten

Psychospielchen aller Art sind eine weitere bewährte Methode, vom Therapieziel zuverlässig abzukommen, und nicht zuletzt, die volle Kontrolle über den Therapieprozess zu behalten.

Meiden Sie z.B. das direkte Ansprechen Ihrer therapiebezogenen Wünsche und Bedürfnisse, denn Ihr Therapeut erfüllt sie Ihnen ohnehin nicht, weil das vermutlich unprofessionell wäre oder er Ihre Bedürfnisse gar nicht verstehen könnte. Danach brechen Sie die Therapie ab und werfen ihm vor, dass Sie sich in der Therapie nicht wohl fühlten.
Oder sorgen Sie dafür, dass Sie Ihrem Therapeuten Schuldgefühle o.ä. machen (das ist angesichts Ihrer eigenen psychischen Situation nur fair!). Wenn es Ihrem Therapeuten dann schlecht geht, können Sie punkten, indem Sie sich von Ihrer empathischen Seite zeigen und ihn wieder aufbauen.
Den Therapieverlauf kontrollieren können Sie auch, indem Sie gezielt bestimmte Emotionen einsetzen: Vorwürfe/Anschreien, trotziges Schweigen, simulierte Weinanfälle und gekonnt eingeübter Brechreiz können gute Dienste leisten, um Ihren Willen durchzusetzen und das eigentliche Thema stundenlang an den Rand zu drängen. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Falls die Psychospielchen wider Erwarten erfolglos blieben und Ihr Therapeut am Thema bleibt: ziehen Sie einen Therapeutenwechsel in Betracht. Suchen Sie sich einen Therapeuten, der auf Ihre Bedürfnisse eingeht.



25. Der Therapeut ist schuld

Der Therapeut ist allein dafür verantwortlich, dass in jeder Stunde neue, bahnbrechende Erkenntnisse über das Problem gefunden werden. Er hat von sich aus spannende, aufwühlende Fragen zu stellen, aus noch so kurzen Antworten Hypothesen zu entwickeln, die man noch nie zuvor gehört hat, und Lösungsansätze anzubieten, die leicht und ohne Umstellungen oder gar Umdenken im Alltag zu verwirklichen sind.

Wurde in einer Sitzung ein Thema nicht erschöpfend behandelt, dann liegt das daran, dass der Therapeut entweder nicht kompetent oder nicht engagiert genug war, es entsprechend aufzubereiten. Denn der Therapeut ist dafür zuständig, eine Atmosphäre zu erzeugen, bei der man sich auf jede neue Sitzung freut, und die Zeit dazwischen angenehm und wie im Fluge vergeht.

Für die Sitzungen selbst sollte der Therapeut nicht etwa erwarten, dass man sich selbst überlegt hat, wie und wofür man die zur Verfügung stehende Zeit nutzen möchte, sondern er sollte für seine Klienten ein interessantes und abwechslungsreiches Programmangebot gestalten. Heikle Probleme, Ängste oder Sorgen sollte er erraten oder (mithilfe seiner grenzenlosen Einfühlsamkeit) hellsichtig erahnen. Das wird man doch bei seinem Job und dem vielen Geld, das man dafür zahlt, erwarten dürfen!



26. Verbesserungen sind reiner Zufall

Sollte Ihnen seit Ihrer letzten Therapiestunde jedoch wider Erwarten nichts Schlimmes widerfahren sein und es Ihnen gut gegangen sein, ja sollten Sie sogar einmal gelacht und sich über etwas gefreut haben, dann machen Sie sich keine Sorgen: das hat mit der Therapie sicherlich nichts zu tun, sondern ist nur eine Phase – die geht vorbei!



Hier nochmals die wichtigsten Grundüberzeugungen,
um Therapien zuverlässig scheitern zu lassen




D. Spezial-Tipps & Tricks

Tipps für ein rasches Ende einer Paartherapie,
ohne strukturelle Veränderung zu riskieren

In der Paartherapie achten Sie zwischen den Stunden nicht auf das, was sich schon gebessert hat, sondern sammeln Sie Belastungsmaterial gegen Ihren Partner, auf dass Sie in der nächsten Sitzung dem Therapeuten zeigen können, wie schlecht es Ihnen mit ihm geht!

Wenn sich nicht schon nach den ersten 2,3 Sitzungen eine deutliche Veränderung einstellt, dann führen Sie das nicht auf die langjährige Eingefahrenheit Ihrer Probleme oder gar mangelhafte innere Offenheit bezüglich der Therapie zurück, sondern realisieren Sie: es ist die Schuld des Therapeuten - er hat sich nicht genug engagiert, oder ist nicht kompetent genug für Sie beide (siehe auch: Regel #13). Der Vorteil: gemeinsames, partnerschaftliches Therapeuten-Bashing entlastet den Beziehungsalltag und schafft neue Einigkeit. Am besten bewerten Sie deshalb gleich beim Heimfahren im Auto die Hinweise des Therapeuten auf Nützlichkeit, Erstmaligkeit und vermutlichen Wert hinsichtlich einer Lösung.

Und, last but not least: verändern Sie erst dann etwas, wenn auch Ihr Partner etwas verändert!



Tipps für ein rasches Ende einer Einzeltherapie,
ohne strukturelle Veränderung zu riskieren

Wie in der Paartherapie bewährt es sich auch in der Einzeltherapie, sich ergänzend zur Anwendung der anderen hier angeführten Tipps auch möglichst häufig seine Probleme vor Augen zu führen. Besinnen Sie sich während Ihrer Therapie nicht auf Ihre Ressourcen und Stärken, denn schließlich sind Sie wegen Ihrer Probleme in Therapie. Grübeln Sie vielmehr weiterhin so viel wie nur möglich in Ihrer Freizeit über Ihre Probleme nach, statt diese in der Therapie zu thematisieren. Denn ein Therapeut erwartet sich von seinen Patienten eine eingehende Voranalyse der vorliegenden Neurosen und ein vollständig durch den Patienten ausgearbeitetes Therapiekonzept.

Falls Sie zwischendurch anstehen oder phasenweise ein wenig mehr Unterstützung benötigen, so befragen Sie ausgiebig einschlägige Internet-Foren und Chats, und besorgen sich neue Selbsthilfe-Literatur. Durch den dabei einsetzenden „Aha-das-könnte-ich-auch-haben-Effekt“ stoßen Sie vielleicht auf weitere Problemkreise, von denen Sie bisher noch nicht einmal erahnt haben, dass es so etwas gibt. Ihr Therapeut wird von Ihrem Hintergrundwissen beeindruckt sein. Mit ihm sollten Sie über Ihre zwischendurch auftretenden Sorgen erst dann sprechen, wenn Sie diese schon wieder eigenständig bewältigt haben.

Therapiepatienten auf der Expertenstufe ziehen zusätzlich einschlägige Fachliteratur hinzu, um in das Konzept zusätzlich professionelle Lösungsansätze zu integrieren. Was der kann, schaffe ich doch auch allein! Und spare mir sogar noch was dabei! Gehen Sie jedoch differenziert vor, indem Sie alle Hypothesen und Theorien gegeneinander abwägen und potentielle Lösungsstrategien durchprobieren. Achten Sie darauf, zu antizipieren, was alles schief gehen könnte. Irgendwann haben Sie es dann endlich geschafft - nachdem Sie alles wissen, was Sie wissen müssen, brauchen Sie dieses Problem gar nicht mehr in der Therapie ansprechen. Bleiben noch Restunklarheiten bestehen, so wenden Sie sich wiederum vertrauensvoll an Chats, Foren und stöbern in Buchhandlungen. Man wird dort über Ihr zunehmendes Fachwissen beeindruckt sein, und Sie irgendwann darauf hinweisen, dass Sie sicherlich selbst ein guter Therapeut wären - Heureka! Der Absprung von der Patientencouch ist in unmittelbarer Reichweite! Ihr Therapeut wird sprachlos sein.



Methodenspezifische Tipps

Psychoanalyse

Psychoanalyse besteht zu einem großen Anteil im Aufdecken des Unbewussten. Fehlhandlungen, auch die des Analytikers, sind hierfür eine dankbare Quelle - das lässt sich bereits bei Freud nachlesen! Es ist kein Zufall, wenn der Analytiker hustet, sich räuspert, die Beine überschlägt, etwas vergisst oder bei der Begrüßung oder Verabschiedung etwas anders macht als sonst. Vielgebrauchte Ausreden von Verhaltenstherapeuten („es menschelt“, „Zufall“, „keine Absicht“ usw.) haben in einer Psychoanalyse nichts verloren. Solche Fehlhandlungen haben eine tiefe, unbewusste Bedeutung, deren Aufdecken und Verstehen entscheidend dazu beitragen, den Analytiker zu durchschauen - was ein Ziel jeder Analyse ist. Daher sollten sie vom Analysanden unbedingt und umgehend analysiert werden. Darum heißt ein Analysand auch „Analysand“ und nicht „Patient“ oder gar „Klient“!

Systemische Therapie und Verhaltenstherapie Wien

Selbst wenn Sie Ihre Hausaufgaben nicht machen/schaffen, erzählen Sie Ihrem Therapeuten, wie leicht es doch ging, sie zu erledigen. Ihre Schuldgefühle, die einsetzen, wenn er Sie dafür lobt, behalten Sie für sich.

Geben Sie nicht zu viel auf die unkonventionellen Fragen und Sichtweisen, die Ihr Systemischer Therapeut gelegentlich von sich gibt, denken Sie nicht einmal ernsthaft darüber nach. Wenn es tatsächlich so leicht wäre, Ihre Probleme zu lösen, würde es Ihnen nicht so schlecht gehen und vor allem wären Sie schon viel früher auch selbst draufgekommen!

Hypnotherapie Wien

Falls Ihr Therapeut speziell für Hypnotherapie ausgebildet ist, so ist höchste Vorsicht geboten. Er verfolgt die Absicht, die Kontrolle Ihres Bewusstseins lockern, um stärker mit Ihren unbewussten Anteilen in Verbindung zu kommen. Auch wenn Ihr Therapeut behauptet, dass Sie jederzeit die Kontrolle über das behalten, was mit Ihnen geschieht, und er nichts gegen Ihren Willen tun kann: Pfffff, als kontrollierter Mensch glauben Sie ihm kein Wort. Sie wollen doch nicht, dass er Ihnen Suggestionen (!) in Trance (!) anbietet?! Gilt nicht suggestives Verhalten überhaupt als therapeutisch unprofessionell? Am Ende erhalten Sie gar noch Zugang zu verschütteten inneren Bildern, Gefühlen und Ressourcen. Diese werden vielleicht sogar lebhafter, intensiver und realer als im Wachzustand wahrgenommen. Oder Sie erleiden einen totalen Kontrollverlust – Ihr Albtraum! Daher lassen Sie das keinesfalls zu.

Wenn Sie Ihr Therapeut also mit beruhigenden, sanften Worten in Trance versetzen will, gehen Sie folgendermaßen vor:

Auch hier bewährt sich als Prinzip also, dass die Selbstkontrolle besser nie aufgegeben werden sollte, um den Therapieerfolg nachhaltig auszubremsen. Lassen Sie sich besser auf keine neuen, unvertrauten Dinge ein. Denn, mal ehrlich: Sie wüssten sonst nie im Vorhinein, was mit Ihnen geschieht!

Sexualtherapie Wien

Wenn man zu einer Sexualtherapie "muss", ist das ja schon von vornherein ungefähr das Peinlichste, das einem passieren kann. Psychotherapie geht ja noch, aber Sexualtherapie?! Hier bewähren sich 2 mentale Grundpositionen, um es möglichst kurz und schmerzlos zu halten und nebenbei auch eine Lösung möglichst effizient zu verhindern:



Ratgeber für noch Unentschlossene:
Gründe, die gegen die Aufnahme einer Psychotherapie sprechen



Tipps für Menschen mit schlechten Therapieerfahrungen

Auch das noch: Sie haben schlechte Therapieerfahrungen gemacht!

Beruhigenderweise finden Sie dank des Internet heraus, dass Sie nicht alleine dastehen, sondern es auch noch andere Patienten gibt, die unzufrieden waren. Je mehr Sie sich mit der Materie beschäftigen, umso mehr derartiger Fälle finden Sie - bei der nächsten Therapie werden Sie sich keinesfalls mehr derartig ins Bockshorn jagen lassen!

Ihr erster Schritt zur Vorbereitung auf die nächste Psychotherapie beginnt demnach mit einem Studium psychotherapiekritischer Websites und Schriften, bald beherrschen Sie die Liste an Patientenrechten und Berufspflichten der Therapeuten nahezu auswendig. Irgendwann wagen Sie sich dann heran - der erste Gesprächstermin bei einem neuen Therapeuten steht an! Um dem Therapeuten zu vermitteln, dass Sie bereits ein "gebranntes Kind" sind, informieren Sie ihn gleich vorab, wie lang Sie an der letzten Therapie litten, dass Sie aber - wenn Sie sich bei ihm gut aufgehoben fühlen - bereit für einen Neubeginn sind. Fragen Sie ihn sodann eingehend nach seinen Qualifikationen, nach seinen bisherigen Therapieerfolgen und wie oft er Supervision nimmt. Achten Sie genau darauf, ob er während dieses Dialogs entspannt bleibt, und offen und ausführlich auf Ihre Fragen eingeht - leichtes Zögern oder übertrieben wirkende Souveränität sind verdächtig.
Als nächsten Schritt arbeiten Sie gemeinsam einen Psychotherapievertrag aus. Nehmen Sie sich für diesen wichtigen Prozess einige Monate lang Zeit, erhöht ein gutes rechtliches Fundament doch die beidseitige Sicherheit und das gegenseitige Vertrauen. Erst, wenn dieser Vertrag ausgearbeitet ist und von Ihrem Rechtsbeistand als niet- und nagelfest bestätigt wurde, sollten Sie sich vorsichtig auch auf persönlicher Ebene Ihrem Therapeuten gegenüber zu öffnen beginnen. Behalten Sie zunächst unbedingt Ihre kritische Distanz aufrecht und erzählen Sie nicht zu viel - Ihr neuer Therapeut muß durch eine möglichst einfühlsame und zustimmende Haltung Ihrer Therapievergangenheit gegenüber beweisen, dass er Ihr Vertrauen verdient! Besprechen Sie deshalb einige Monate lang jede Therapiestunde mit Freunden und Freundinnen nach und reflektieren Sie deren Inhalt in einschlägigen Internet-Foren, um besonders Ihre positiven Gefühlsanteile betreffend der neuen Therapie durch die Einschätzung von Dritten, Vierten und Fünften kritisch hinterfragen zu lassen.

Sollte die Therapie einige Monate lang ohne größere Krisen verlaufen, seien Sie mißtrauisch: womöglich wiegen Sie sich nur in falscher Sicherheit und unterliegen aufgrund Ihrer sprichwörtlichen Gutgläubigkeit einem sog. "blinden Fleck"? Sollten Sie bereits begonnen haben, in der Therapie persönliche Probeme zu thematisieren, stoppen Sie dies sofort und stellen Sie statt dessen testweise die Therapie in Frage. Zeigt Ihr Therapeut diesbezüglich Widerstand, dann zeigt das nur, in welch erschreckend geringem Ausmaß er sich der latenten Gefahren und Fallen von Psychotherapien bewußt ist, und dass er Sie vielleicht sogar zu einem Ausmass an Offenheit treiben will, das für Sie zu diesem Zeitpunkt noch zu früh ist. Geben Sie ihm jedoch noch eine letzte Chance: weisen Sie ihn darauf hin, dass er im Begriff ist, einen Kunstfehler zu begehen, und drücken Sie ihm am Stundenende eine bereits für ihn vorbereitete Liste von approbierten und prominenten Supervisoren in die Hand! Dies wird ihm demonstrieren, wie wichtig und ernst Sie Ihre Psychotherapie nehmen. Signalisieren sie ihm damit höflich und bestimmt, dass es sich um Ihre Therapiestunden handelt, Sie die Therapie-Themen bestimmen und wie wichtig Ihnen seine Professionalität ist.

Versäumen Sie auch in weiterer Folge keinesfalls, Ihren Therapeuten in sporadischen Intervallen darauf hinzuweisen, dass es für Sie mit Ihren schlechten Therapieerfahrungen keinesfalls einfach ist, sich auf eine neue therapeutische Beziehung einzulassen und Vertrauen aufzubauen. Wenn Ihr Therapeut ein guter Therapeut ist, wird er das verstehen können und keine Einwände erheben.

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Mein Dank ergeht an folgende Forums-BesucherInnen (& Therapie-Erfahrene) für ihre Beiträge:
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Weitere Therapie-Ratgeber auf meiner Website:



DSP Richard L. Fellner ist Systemischer Psychotherapeut, Paartherapeut und Coach in Wien.
Nachdruck gerne gesehen, aber nur mit korrekter Quellenangabe.

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