Aug 10

Eine der h√§ufigsten in meinem Online-Forum gestellten Fragen ist die, ob es sich bei den eigenen Stimmungstiefs bereits um eine Depression handelt – oder, und diese Hoffnung schwingt h√§ufig zwischen den Zeilen mit, ob das “nicht alles wieder einfach vorbeigeht”.

Und das ist gar nicht untypisch: 33,4 Millionen Europ√§er leiden an einer depressiven Erkrankung – doch gem√§√ü einer Studie des Marktforschungsinstituts Harris Interactive, die in 5 L√§ndern (Deutschland, Frankreich, Kanada, Brasilien und Mexiko)¬†mit 377 depressiven Patienten und 756 √Ąrzten im Auftrag der World Federation of Mental Health durchgef√ľhrt wurde, vergehen durchschnittlich rund elf Monate, bevor Menschen mit einer Depression √ľberhaupt √§rztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Diese Untersuchung zeigte auch, dass die √ľberwiegende Mehrheit der Patienten (72%) mit mittelschwerer und schwerer Depression nicht wusste, dass neben den klassischen Depressionssymptomen wie Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebsmangel auch k√∂rperliche Beschwerden (z.B. chronische Kopf-, Muskel- oder R√ľckenschmerzen) h√§ufige Symptome einer klinisch manifesten depressiven Erkrankung sein k√∂nnen. Erst wenn solcherart die psychische St√∂rung bereits somatisiert ist, suchen 79% der befragten Patienten Hilfe.

Was Depressionen “sind”, l√§√üt sich in der einschl√§gigen Fachliteratur, heutzutage nat√ľrlich auch im Internet, problemlos nachlesen. Ich m√∂chte deshalb im folgenden nur die wichtigsten Punkte kurz erw√§hnen:

Als wesentlichste Symptome gelten:

  • eine mangelnde F√§higkeit, auf positive Erlebnisse emotional zu reagieren
  • Verlust von Interessen, allgemeine Freudlosigkeit
  • gedr√ľckte Stimmung
  • verminderter Antrieb und Energie
  • vermindertes Selbstwertgef√ľhl und Selbstvertrauen
  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Gef√ľhle von Schuld und Wertlosigkeit
  • negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit
  • Zwangshandlungen, Verfolgungsgef√ľhle
  • Schlafst√∂rungen, fr√ľhmorgendliches Erwachen
  • Morgenpessimum (Anlaufschwierigkeiten oder “Durchh√§nger” am Morgen)
  • verminderter Appetit (fallweise bereits mit Gewichtsverlust als Folge)
  • Libidoverlust (sexuelle Lustlosigkeit und Antriebsschw√§che)
  • Suizidgedanken oder -handlungen

Wie sich eine Depression aber ansp√ľrt, kann man wohl selbst am besten empfinden – meist wei√ü man als Betroffener sehr genau, wenn man darunter leidet…

Besonders h√§ufig werden kreative oder auch sehr intelligente und reflektierte Menschen von Depressionen ereilt, dies ist aber keine Generalregel: Depressionen k√∂nnen sowohl h√∂chst rationale und in ihrer Gedankenwelt komplex strukturierte, aber auch sehr “einfache” Menschen haben. Ebenso unterschiedlich sind die m√∂glichen Ursachen f√ľr Depressionen: von Unf√§llen √ľber Drogenmi√übrauch, altersbedingten Ver√§nderungen, Trennungen etc. etc. ist der Bogen an denkbaren Ursachen schier unbegrenzt. Die sogenannten “endogenen” Depressionen werden als Sonderform klassifiziert und vor allem mit neurologischen Abweichungen vom “gesunden” Normalzustand erkl√§rt. Ebenso wie den neuerdings in der Bedeutung hochgespielten genetischen Erkl√§rungen stehe ich als systemischer Therapeut diesen Modellen eher ‘differenziert’ gegen√ľber, denn letztendlich beantworten sie noch nicht die Frage, warum eine Depression gerade bei den Betroffenen tats√§chlich ausgel√∂st wurde und in welchem Umfeld sie “gedeihen” oder sich sogar verst√§rken kann (also in Folge auch, wie sie l√∂s- und heilbar sind – eine pharmakologisch verursachte Aufhellung des Gem√ľtszustandes werden wohl die wenigsten, nicht mal die tendentiell eher biologisch denkenden Mediziner, als Heilung betrachten).

Helfen k√∂nnen – jedoch nur bei sehr einfachen und vor√ľbergehenden¬† “Stimmungstiefs” – positive Selbstsuggestionen und alles, was mit Selbstkontrolle zu tun hat. Ich habe in einem meiner dzt. auf diesen Seiten aufgelisteten Artikel n √ľber Depressionen einige M√∂glichkeiten daf√ľr angef√ľhrt.
Bei länger anhaltenden, wiederkehrenden und vor allem schwerer belastenden Formen von Depression sollte in jedem Fall psychotherapeutische Hilfe gesucht werden, die darauf spezialisiert ist, bei diesem Problemkreis weiterzuhelfen.
Die zus√§tzliche Einnahme von Psychopharmaka wird von einem Psychotherapeuten empfohlen, wenn eine Depression so schwer ist, da√ü andernfalls der Therapieerfolg gef√§hrdet w√§re. Ziel ist, m√∂glichst gute Symptomentlastung f√ľr die erste Phase der Therapie, bis eine gewisse grundlegende psychische Stabilit√§t erreicht ist, zu erreichen.

Weiterf√ľhrende Links:
Selbsttest auf Depressionen auf dieser Website
The painful truth Survey, conducted by Harris Interactive, 2006

Jul 21

Ab wann hat man nach medizinischen und psychologischem Fachverst√§ndnis eigentlich tats√§chlich ein Alkohol-Problem? Da sowohl von Klienten als auch im Diskussions-Forum meiner Website diese Frage regelm√§√üig aufkommt, hier ein kurzer Abri√ü der Kriterien, nach denen √ľblicherweise “Alkoholismus” bzw. Alkohol-Abh√§ngigkeit definiert wird.

“Alkoholismus” stellt heute eigentlich keinen genauen wissenschaftlichen Begriff mehr dar. In der Diagnostik wird je nach verwendetem diagnostischem Schema unterschieden zwischen Alkohol-Abh√§ngigkeitssyndrom, sch√§dlichem Gebrauch von Alkohol und Mi√übrauch.

Alkohol-Abh√§ngigkeit liegt nach dem internationalen Klassifikationsschema ICD-10 vor, wenn innerhalb des letzten Jahres mindestens 3 der folgenden Kriterien erf√ľllt waren:

  • starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren
  • verminderte Kontrollf√§higkeit bez√ľglich Beginn, Ende und Menge
  • Konsum mit dem Ziel, Entzugssymptome zu mildern
  • k√∂rperliche Entzugssymptome
  • Vorliegen einer Toleranz
  • eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol
  • fortschreitende Vernachl√§ssigung anderer Interessen zugunsten A.
  • anhaltender Konsum trotz Nachweis sch√§dlicher Folgen (k√∂rperlicher, psychischer oder sozialer Art)

Alkohol-Abhängigkeit nach dem DSM IV wird in den meisten Kriterien ganz ähnlich definiert, der DSM IV hat bei uns aber weniger (diagnostische) Bedeutung.

Sch√§dlicher Gebrauch und/oder Mi√übrauch liegen vor, wenn der Alkoholkonsum zu einer Gesundheitssch√§digung (k√∂rperlich oder psychisch) f√ľhrt oder ein unangepa√ütes Konsummuster aus mindestens 1 der folgenden Kriterien besteht:

  • fortgesetzter Gebrauch trotz des Wissens um ein st√§ndiges oder wiederholtes soziales, berufliches,psychisches oder k√∂rperliches Problem, das durch den Alkoholkonsum verursacht oder verst√§rkt wird
  • wiederholter Gebrauch in Situationen, in denen der Gebrauch eine k√∂rperliche Gef√§hrdung darstellt
  • einige der Symptome bestehen seit mindestens einem Monat oder sind √ľber eine l√§ngere Zeit hinweg wiederholt aufgetreten
  • wenn die Kriterien f√ľr Abh√§ngigkeit nicht erf√ľllt sind

Sch√§dlicher Gebrauch bzw. Mi√übrauch stellen somit in der Praxis sehr h√§ufig Vorstadien der Alkohol-Abh√§ngigkeit dar. Auch relativ h√§ufig ist das Kriterium, da√ü bereits gesundheitliche (psychisch und/oder k√∂rperlich) Sch√§den vorliegen, aber noch keine oder nicht alle Kriterien f√ľr Alkohol-Abh√§ngigkeit vorliegen.
Es ist zu beachten, da√ü die Kriterien keine Aussagen hinsichtlich der Menge (z.B. einer bestimmten Promilleanzahl oder einer bestimmten Menge an Bier oder Wein) beinhalten. Theoretisch kann also auch schon Mi√übrauchs- oder sch√§dliches Gebrauchsverhalten vorliegen, wenn regelm√§√üig eine Flasche Bier konsumiert wird (und eines der o.a. Kriterien erf√ľllt wird).

Ergänzend möchte ich noch auf den Alkoholsucht / Alkoholismus-Selbsttest auf meiner Website verweisen, der obige und andere Diagnostik-Kriterien abfragt und anschließend eine Einschätzung ausgibt, ob hinsichtlich möglicher Alkoholsucht auffälliges Verhalten vorliegt.

[Weitere Blog-Einträge zum Thema Alkoholismus]

Mar 13

Auf ein eindr√ľckliches, bewegendes Interview mit dem √úberlebenden eines Suizidversuchs stie√ü ich heute durch einen Linkverweis in einem Zeitungsartikel: im September 2000 sprang Kevin Hines im Zustand¬† pr√§suizidaler Einengung bzw. des pr√§suizidalen Syndroms von der Golden Gate Bridge und √ľberlebte diesen Sprung nur durch √§u√üerst gl√ľckliche Umst√§nde.

Bild © Seattle Times

Bild © Seattle Times

Heute spricht er dar√ľber gel√∂st und ist in einem helfenden Beruf (Krankenpfleger) t√§tig. In seiner Freizeit versucht er, aufkl√§rerisch √ľber die Wichtigkeit korrekter medizinischer und psychotherapeutischer Behandlung bei psychischen Erkrankungen zu informieren. “Ich bin gl√ľcklich, wenn ich mit meiner entsetzlichen Erfahrung nur eine einzige Person davon abhalten kann, sich das Leben zu nehmen“, sagt er im NZZ-Interview mit G.Sachse. Tats√§chlich werden im Zuge des (zeitbegrenzten) pr√§suizidalen Syndroms, das in den schwersten Phasen von Depressionen, aber z.B. auch im Zuge paranoider Wahnvorstellungen auftreten kann, Erlebnis-, Wahrnehmungs- und Denkinhalte anders als unter normalen Umst√§nden erfa√üt, und auch anders als sonst mit Affekten und Verhalten verkn√ľpft. Schlie√ülich erscheint den Betroffenen kein anderer Ausweg mehr m√∂glich, als sich selbst das Leben zu nehmen. Erst nach dem Abklingen des Syndroms werden wieder auch andere Optionen wahrnehm- und vorstellbar, weshalb es in Krisenphasen geradezu √ľberlebenswichtig sein kann, rechtzeitig professionelle Hilfe in der Notsituation zu suchen (z.B. Notrufnummer, Notfall-Anruf und/oder Einschieben eines Krisentermins beim Psychotherapeuten, Erstversorgung oder Selbsteinweisung an einer psychiatrischen Klinik zur √úberbr√ľckung der schwierigsten Zeit, Anruf beim Psychosozialen Notdienst, etc.), zumindest aber Freunde oder Bekannte zu kontaktieren, und grunds√§tzlich “auf Zeit zu spielen”, d.h., darauf abzuzielen, diese kaum auszuhaltende Phase mit allen Kr√§ften zu durchtauchen und z.B. bis zum n√§chsten Morgen Zeit zu nehmen. Zumindest wenn es einem dann wider Erwarten immer noch nicht besser gehen sollte, kann man einen Facharzt oder Psychotherapeuten kontaktieren; generell ist in Phasen schwerer Depressionen aber immer die Kontaktaufnahme mit einem Facharzt oder Psychotherapeuten anzuraten, auch wenn es nicht bereits zu Suizidgedanken kommt oder diese bereits wieder abgeklungen sind.

Gespr√§che mit KlientInnen, die suizidale Einengungsphasen hinter sich haben, best√§tigten mir immer wieder, da√ü die Betroffenen nach einer solcherart durchstandenen Krisenphase gl√ľcklich dar√ľber sind, “√ľberlebt” zu haben, und ihrem Leben noch kein Ende gesetzt hatten. In der seither vergangenen Zeit erlebten sie entweder – zuvor v√∂llig unerwartete – erfreuliche Ereignisse, auf die sie keinesfalls gern verzichtet h√§tten, oder ihr Leben nahm ganz allgemein eine positive Wende, die vorher in dieser Weise noch nicht absehbar war. “Dem Leben eine Chance geben” – diesen normalerweise in anderem Kontext gebr√§uchlichen Slogan sollte man deshalb gerade in jenen Phasen des Lebens nicht vergessen, in denen es scheinbar nicht mehr tiefer nach unten gehen kann. Wie wir auch aus der Wirtschaft wissen, ist es systemimmanent, da√ü es nach einem Tiefpunkt nur nach oben gehen kann – und was k√∂nnte als Lebensphase schon schlimmer sein, als eine, in der man keinen anderen Ausweg mehr als den Tod sieht? So paradox es klingt: aber nach einer den Tiefpunkt erfolgreich durchstandenen Nacht sp√ľrt sich das Leben meist zumindest schon einen Deut besser an als zuvor. Und in einem Gespr√§ch (vor allem einem Gespr√§ch mit einer Person, die zur professionellen Unterst√ľtzung in schwierigen Lebensphasen ausgebildet ist) lassen sich meist sogar v√∂llig neue Perspektiven erarbeiten – Perspektiven und Wegoptionen, die dem Leben generell und langfristig eine positive Wende geben k√∂nnen. Um nicht mi√üverstanden zu werden: das ist nicht immer ein leichter oder schneller Prozess; richtig angeleitet und begleitet gelingt er aber doch in den √ľberwiegend meisten F√§llen.

Zum Weiterlesen:

Depression – Mythen und Fakten rund um eine ‘Zeitkrankheit’ (Artikel R.L.Fellner)
Suizid – Daten und Fakten
Präsuizidales Syndrom Рerkennen und richtig handeln
Vier Sekunden bis zum Aufprall (NZZ Interview mit Kevin Hines 2009)
Lethal Beauty РA jumper [..] makes a new life  (San Francisco Chronicle 2005)
Buchtipps zum Thema “Depression”

Nov 12
Die 7 Stadien von Partnerschaften

Die 7 Stadien von Partnerschaften (img: inner-bonding.com)

von Daphne Rose Kingma

Jede Partnerschaft durchl√§uft 7 unterschiedliche emotionale und spirituelle Stadien. W√§hrend wir uns durch diese Phasen bewegen, gelangen wir auf h√∂here Ebenen der Liebe. Auf diese Weise k√∂nnen diese Phasen zu einem Fahrzeug werden, um unser Bewu√ütsein hin zu einer spirituellen Dimension der Liebe zu f√ľhren.

1. Die Flitterwochen – “Falling in Love”

Alles f√ľhlt sich gut an – Gl√ľckseligkeit, der romantische Himmel. Rote Rosen, Mondlicht und Leidenschaft. Man sagt sich: “Ich habe die Person meiner Tr√§ume gefunden, alles wird wunderbar. Alle meine Bed√ľrfnisse werden erf√ľllt werden.”

2. Die Verpflichtung – Versprechen und Gel√ľbde

Wir werden einander regelmäßig sehen, keine Verabredungen oder Sex mit anderen haben, zusammen leben oder heiraten. Wir anerkennen in vollem Bewußtsein, daß eine Beziehung existiert und weiter verfolgt wird.

3. Die Krise – Ein Riss in der Vase

Es zeigen sich Meinungsunterschiede, der Schleier der romantischen Illusion wird gel√ľftet, wir kommen wieder auf die Erde und erahnen, was die Realit√§t ist, wir √§rgern uns. Es entwickelt sich Spannung, w√§hrend das Gef√ľhl √ľber die Wahrheit und Wirklichkeit zunimmt.

4. Die Tortur – Ein Machtkampf

Mängel, Fehler und größere -vorher noch unbemerkte- Unterschiede werden entdeckt, Zeit des emotionalen Wachstums und dunkle Seiten werden realisiert, wir versuchen, den emotionalen Schmerz, der in uns aufsteigt, zu beenden. Die Gelegenheit, eigene emotionale Schwächen zu erkennen, die unrealistischen Erwartungen an die Beziehungen werden aufgegeben.
Es ist die Zeit der Entscheidung: Leugnen/Verneinung oder der Beginn von Wachstum.
Diese Phase kann eine ganze Reihenfolge von Beziehungen umfassen.

5. Das Chaos – Verlust der Kontrolle

Aus der Qual entsteht Chaos. Eine Aff√§re, wiederholte Konflikte, Langeweile, oder einfach nur schrittweises Auseinanderdriften. Manchmal entsteht aus dem Chaos das endg√ľltige Ende der Beziehung oder vielleicht ein neuer Anfang. Dies ist die Einladung der Seele an die spirituelle Ebene der Liebe.

6. Der Verzicht – Das Erwachen

Wir sehen jetzt den wahren Zweck der Tortur, wir geben die alten Ansichten auf. Wir lassen unsere zwanghafte Bindung an unsere Vorstellungen √ľber die Form und Ziele der Beziehung los.
Wir beginnen, den Wert der Verbindung zu sehen, selbst wenn unsere Erwartungen nicht erf√ľllt waren. Wir sind wie neugeboren, sehen den wahren Zweck der vorangegangenen Qualen und durchbrechen unsere bisherigen psychologischen Grenzen.

7. Wahre Liebe – Transformation

Wir integrieren das Wachstum, das in uns stattgefunden hat.
Es m√ľssen jetzt keine emotionalen Bindungen oder Bed√ľrfnisse mehr gestillt werden, es gibt kein Festhalten, sodass wir jetzt die vollst√§ndige Annahme unserer selbst erreichen. Auf der spirituellen Ebene erkennen wir den h√∂heren Zweck dieser Verbindung. Dies ist ein Moment gro√üer emotionaler L√∂sung und spiritueller Erf√ľllung. Auch an diesem Punkt kann die Beziehung auseinanderbrechen – oder die Partnerschaft auf eine neue Ebene gelangen, auf der das Wachstum, das beide jetzt integriert haben, mit Teil der neuen Beziehung wird.

The Future Of Love

(frei aus dem Englischen √ľbersetzt aus dem Buch “The Future of Love” von Daphne Rose Kingma, Doubleday, New York, 1998)

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Kommentar R.L.Fellner:

Ich halte das f√ľr einen sch√∂nen Text – ganz unabh√§ngig davon, ob man den Hinweisen auf den spirituellen Aspekt einer Partnerschaft etwas abgewinnen kann oder nicht. Denn prinzipiell unterlaufen Partnerschaften i.d.R. tats√§chlich die beschriebenen Stadien – und ebenso regelm√§√üig zeigt sich f√ľr mich bei der Begleitung von Paaren im Zuge einer Paartherapie h√§ufig, dass am Ende einer Krisenphase eine neue Ebene der Beziehung erreicht wird.

Nov 09

Die Bipolare St√∂rung ist eine ernsthafte psychische Erkrankung (fr√ľher bekannt als “manisch-depressive St√∂rung”), welche mit Ungleichgewichten im Hirnstoffwechsel in Verbindung steht.

Psychotherapie und die Kombination mit der Einnahme von Psychopharmaka können sehr gut dabei helfen, diese Störung besser in den Griff zu bekommen. Die American Academy for Family Physicians empfiehlt deshalb, auch im regulären Alltag folgende Dinge zu beachten:

  • beobachten Sie den Verlauf Ihrer psychischen Verfassung, und halten Sie Ihre N√§chsten dar√ľber auf dem Laufenden
  • gew√∂hnen Sie sich an einen bestimmten t√§glichen Zeitablauf f√ľr T√§tigkeiten wie Schlafen-gehen und Aufwachen, Essen, Sport und andere
  • nehmen Sie Ihnen verschriebene Medikamente m√∂glichst regelm√§√üig ein
  • vermeiden Sie Koffein und versuchen Sie, ohne Medikamente gegen Erk√§ltungskrankheiten und Allergien sowie Schmerzmittel auszukommen.
  • Fragen Sie Ihren Facharzt, ob Sie pers√∂nlich a) Alkohol eher vermeiden sollten sowie b) ob Sie eine spezielle andere Medikation ben√∂tigen
  • versuchen Sie, Stress oder andere psychischen Belastungen m√∂glichst zu reduzieren bzw. ganz zu vermeiden
  • halten Sie mit Ihrem Arzt und/oder Psychotherapeuten rechtzeitig R√ľcksprache, wenn Sie bemerken, da√ü sich Ihr Verhalten zu ver√§ndern beginnt oder Sie beginnen, anderwertige bipolare Symptome an sich festzustellen
  • suchen Sie eine lokale Selbsthilfegruppe, um sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen.
Nov 04

Oder: Die Finanzkrise als Ermutigung, seinen eigenen Weg zu gehen

Was hat die aktuelle Finanzkrise mit Psychotherapie zu tun?

Jeder von uns wird sp√§testens mit seiner Geburt in bestimmte Denkschemata hineingeboren. Ganz automatisch – durch den Fokus unserer Aufmerksamkeit und im Bed√ľrfnis, uns in unserer Umwelt m√∂glichst rasch zurechtzufinden und unsere Grundstrukturen ihr gegen√ľber kompatibel zu gestalten – integrieren wir weitgehend unbewu√üt ihre Denkmuster, Gewohnheiten und Grund√ľberzeugungen in unser eigenes Denksystem. Dies beginnt mit so einfachen Dingen wie gewissen Redewendungen (wer von uns hat sich nicht bereits mehrmals dabei ertappt, genauso wie der eigene Vater/die eigene Mutter zu fluchen, am Telefon zu gr√ľ√üen oder ein √§hnliches Gemisch an Hochsprache und Dialekt zu verwenden?), betrifft aber auch “Familientraditionen” verschiedenster Art und im Herkunftssystem zu findenden Probleml√∂sungsstrategien bis hin zu Ansichten √ľber die Welt und die Gesellschaft, in der wir leben. Wir alle sind aber nicht nur Kinder unserer Eltern, sondern auch unserer Zeit – so, wie beispielsweise noch vor 50 Jahren im Westen allgemeiner Konsens war, dass “gute” Frauen das traute Heim zu versorgen h√§tten, ist dieser Konsens heute, da√ü zu ihrer Selbstverwirklichung berufliche Karriere geh√∂rt. War fr√ľher beziehungsm√§√üige Stabilit√§t das Paradigma, nach dem das Ehegl√ľck bemessen wurde, wird heute der Vorrang individuellem Gl√ľck gegeben – nur, wenn’s f√ľr beide allein passt, allein dann passt es f√ľr beide.

Es ist schwierig festzumachen, “wer” im Detail derartige belief systems festlegt: sind es “die Medien”, ist es das “kollektive Unbewu√üte” (C. G. Jung), das uns vorantreibt (“voran”? Stellt eigentlich die Ver√§nderung von Grund√ľberzeugungen immer auch auch eine H√∂herentwicklung dar, oder sind auch R√ľckschritte m√∂glich?), oder sind es ausschlie√ülich gewisse Individuen, VordenkerInnen oder Revolution√§re, die der Gesellschaft jene Impulse verleihen, die sie zur √úberwindung der bisherigen Denkmauern verlocken?

(Photo src: libcom.org)

Zur√ľck zum Thema: die sog. “Finanzkrise“. Ein weiteres Paradigma, das f√ľr die meisten braven Staatsb√ľrger w√§hrend der vergangenen Jahrzehnte v√∂llig au√üer Zweifel stand, war, da√ü wir unser ganzes Gl√ľck im Grunde der Wirtschaft zu verdanken haben, und diese daher am besten sich selbst √ľberlassen bliebe, w√§hrend der Staat sich m√∂glichst zur√ľckzuziehen habe, um sie (und damit uns selbst) m√∂glichst nicht an ihrem Gedeihen und Erbl√ľhen zu hindern.
Das Sch√∂ne an der Finanzkrise war ja aus meiner Sicht eigentlich, da√ü jeder von uns innerhalb nur weniger Wochen mit eigenen Augen und Ohren Zeuge von einem der m√§chtigsten Paradigmenwechsel werden konnte, die w√§hrend den letzten Dekaden zu erleben waren: eine einmalige Chance – warum also nicht auch etwas f√ľr sich selbst dabei lernen: wenn sich n√§mlich das, was die √ľberwiegende Mehrheit der Menschheit f√ľr wahr und unzweifelhaft hielt, innerhalb nur weniger Wochen nahezu ins Gegenteil verkehren konnte (nun ist bekanntlich der Staat gefordert, die Wirtschaft zu st√ľtzen; nicht mehr allein der Bankensektor, sondern auch andere Wirtschaftszweige beginnen nun, Unterst√ľtzung und staatliche Regulierung einzufordern), welche √úberraschungen warten dann wom√∂glich noch auf uns? Auf welchen mentalen Einbahnstra√üen sind wir sonst noch unterwegs – wir als Gesellschaft, aber auch ganz pers√∂nlich, in unserem eigenen Umfeld sowie unser ureigenstes Leben betreffend? Welche Denkmauern k√∂nnten wir noch einrei√üen, k√∂nnten wir sie nur erkennen, nach all den Jahrzehnten, in denen wir bereits in ihnen lebten, ohne es √ľberhaupt zu bemerken?

Es kann ein spannender Versuch sein, seine eigenen Sichtweisen und Wahrnehmungen, all die Regeln und Verhaltensleitlinien, die wir uns irgendwann – ohne, da√ü wir es bewu√üt wahrnahmen -, und damit unsere Wahrnehmung der sogenannten “Wirklichkeit” einmal massiv zu hinterfragen. Wenn ich X tue, warum tue ich es eigentlich so und nicht anders? Wenn ich √ľber X so:Y denke, warum eigentlich .. und warum kam ich nicht zu der Ansicht, die mein(e) Partner(in), mein Nachbar, mein ungeliebter Kollege auf so √ľberzeugte Weise vertritt? Wenn ich mich andererseits aber in Teilbereichen meiner Pers√∂nlichkeit unsicher f√ľhle: was hemmt mich da eigentlich, und k√∂nnte es nicht sein, da√ü das, was mich anderen gegen√ľber bremst, sich in einer anderen Situation als meine St√§rke entpuppen k√∂nnte?

Wir leben in einer spannenden Zeit. Aber das behauptete man ja immer schon. ūüėČ

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Zum Weiterlesen:
Systemische Psychotherapie
Wirklichkeit
Literatur zum Weiterlesen

Nov 01

Manchmal werde ich gefragt, warum TherapeutInnen f√ľr Paartherapie-Sitzungen ein h√∂heres Honorar verlangen als f√ľr Einzelgespr√§che. Vielleicht ist es bei den anderen ein √§hnlicher Grund wie bei mir: Paartherapie-Sitzungen sind um ein Vielfaches anstrengender!

Viele Paare verpassen dem Therapeuten besonders am Beginn einer Paartherapie – bewu√üt oder unbewu√üt – die Rolle eines Schiedsrichters: von beiden Seiten erh√§lt man dann innerhalb weniger Minuten dutzende Argumente, Vorw√ľrfe und Beispiele f√ľr die Zumutungen, Unversch√§mtheiten oder das Versagen des jeweiligen Gegen√ľbers um die Ohren geblasen, so als w√§re ein strenger Urteilsspruch des “Herrn Therapeuten” in die Richtung des jeweils Anderen das Ziel: “Sie sind schuld!
Nun ist den meisten hilfesuchenden Paaren im Grunde nat√ľrlich theoretisch klar, da√ü ein derartiger Zugang dem gemeinsamen Prozess kaum dienlich ist. Die emotionale Einsicht in die mentalen Sackgassen innerhalb der Beziehung mu√ü jedoch erst erarbeitet werden, und das ist in der Regel alles andere als leicht, besonders dann, wenn sich beide Partner aufgrund monate- oder (das ist leider viel h√§ufiger :-() schon jahrelang schwelender Konflikte bereits einen massiven Schutzpanzer zugelegt haben.

Leicht ist das Zusammenleben zwischen Mann und Frau ja wirklich nicht, wie schon Loriot in einem seiner wunderbaren Sketches zeigte:

Es kommt allerdings auch vor, da√ü Paare mich hochinteressiert und in einer derart offenen Grundhaltung aufsuchen, da√ü mitunter weniger als eine Handvoll Sitzungen ausreicht, um die “gordischen Kommunikationsknoten” dauerhaft aufzul√∂sen. Nach den Sitzungen diskutieren sie eifrig weiter, sie f√ľhren aufgegebene “Haus√ľbungen” oder zu versuchende Experimente mit Neugier und Engagement aus und Aufzeichnungen werden gemacht. Besonders begeistern mich Paare, bei denen sich ein Grundgef√ľhl einer “tiefen Bande” vermittelt – einer Art Agreement zwischen beiden, dass sie es – egal wie schwierig es auch sein mag – schaffen wollen, miteinander eine L√∂sung zu finden. Das gemeinsame Ziel ist derart klar, da√ü es dadurch schon von vornherein unpassend w√§re, den Partner/die Partnerin als in irgendeiner Weise “feindlich gesinnt” hinzustellen. Statt dessen h√∂ren beide einander genau zu und versuchen, den anderen trotz aller Schwierigkeiten positiv wahrzunehmen. In Gl√ľckszeiten zu lieben ist leicht – auch in der Krise ein offenes Herz f√ľreinander zu behalten, dagegen eine der wohl gr√∂√üten Herausforderungen menschlicher Beziehungen.
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Zum Weiterlesen:
Leitfaden Paartherapie
Regeln zum Scheitern einer Paartherapie
Literatur zum Weiterlesen

ÔĽŅ25.06.19