Dec 01

Einem Essener Psychotherapeuten wurde Berufsverbot erteilt, da er im Jahre 2008 mit einer Langzeitklientin intim geworden war. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen best├Ątigte nun dieses Urteil und wies die Berufung des Therapeuten ab.

Und ich finde das auch ganz gut so. Wie widrig die Umst├Ąnde auch sein m├Âgen, wie manipulativ sich auch manche Abl├Ąufe in Psychotherapien mitunter gestalten: ein(e) Psychotherapeut(in) sollte in jeder Situation “Herr(in) der Lage” bleiben, das Vertrauensverh├Ąltnis muss funktions- und tragf├Ąhig bleiben.

Referenzen:
https://plus.google.com/107937498049518094865/posts/YiBR4JNx1yS
http://www.derwesten.de/staedte/essen/laut-richterurteil-ist-sex-mit-patientin-absolut-tabu-id6123061.html

(Bildquelle: treatment4addiction.com)

Jan 16

Psychotherapie TV Serien FilmeFrasier Crane und sein Bruder Niles sind beide Psychiater in der popul├Ąren NBC-Sitcom “Frasier“. Mafia-Boss Tony Soprano hatte seine Therapeutin in der Hit-Show “The Sopranos” auf HBO – einem Sender, der Psychotherapie mit “Tell Me You Love Me” und “In Treatment” vor├╝bergehend sogar zu einem Schwerpunkt seiner Neuproduktionen machte.

Doch all diese Darstellungen im TV f├╝hren Zuseher im Endeffekt weit seltener in die therapeutische Praxis, wie eine Studie an der Iowa State University (p=369) gezeigt hat. In ihr wurde untersucht, wie Exposition gegen├╝ber Fernsehshows zu negativen Wahrnehmungen ├╝ber psychologische Dienstleistungen f├╝hren kann, die letztlich die Absicht verringert, solche Dienstleistungen auch selbst in Anspruch zu nehmen. Das Papier mit Titel “The Influenct of Television on Willingness to Seek Therapy” wurde 2008 in der Fachzeitschrift “Journal of Clinical Psychology” ver├Âffentlicht.

Begleitend wurden die Indikatoren f├╝r die psychische Gesundheit und das professionelle Agieren der gezeigten “Profis” analysiert. Das Ergebnis war alles andere als g├╝nstig: “Die agierenden Therapeuten werden tendentiell unethisch dargestellt – sie schlafen mit ihren Klienten, induzieren falsche Erinnerungen oder sprechen mit Dritten ├╝ber ihre Klienten,” so D. Vogel, einer der Studienleiter. “Das sind Dinge, die bei echten Therapeuten fast nie geschehen, in einer TV-Show aber passieren sie viel h├Ąufiger – vermutlich, weil sie die Spannung erh├Âhen.”

“Therapeuten werden h├Ąufig auch als Possenrei├čer dargestellt, entweder als Spa├čvogel, so wie Frasier, oder als Zielscheibe des Spotts. In jedem Fall sind dies keine positiven Darstellungen, und zeigen nicht die F├Ąhigkeit, das Fachwissen und die Ethik professioneller Therapeuten.”

Aber es ist nicht nur die Darstellung der Therapeuten, die Menschen von einer Therapie abhalten kann. Es ist auch die Darstellung derer, die in den betreffenden TV-Shows Unterst├╝tzung suchen: “Sieht man sich die Darstellung der Klienten an, wird es noch schlimmer… W├╝rden Sie eine Therapie beginnen wollen, wenn Sie mit einer derart negativen Wahrnehmung rechnen m├╝├čten oder jemandem Inkompetenten anvertraut w├╝rden, der nicht in der Lage ist, Ihnen zu helfen oder Sie zu verstehen?” (R. L. Fellner: ├╝berraschenderweise blieb der ├╝berstarke Fokus auf Sexualit├Ąt in vielen dieser Serien in der Studie unerw├Ąhnt – einen Raum, den dieses Thema in regul├Ąren Psychotherapien nur selten in dieser Intensit├Ąt einnimmt)

Weitere Analysen ergaben eine positive Korrelation zwischen der Exposition der Zuseher gegen├╝ber Kom├Âdie und Drama und deren Wahrnehmung einer Stigmatisierung bei der Suche nach professioneller Hilfe. Dieses Stigma wurde als Indiz f├╝r eine niedrigere Bereitschaft, professionelle psychosoziale Angebote in Anspruch zu nehmen, interpretiert. “Letztlich best├Ąrken diese Sendungen das Vorurteil, dass man als ‘verr├╝ckt’ gilt, wenn man sich in Therapie begibt.”

Das ist ein Problem f├╝r diejenigen, die wirklich von professionellen psychosozialen Angeboten profitieren k├Ânnen. Laut Vogel hat aktuellen Studien zufolge etwa die H├Ąlfte der Bev├Âlkerung zumindest eine Situation in ihrem Leben erlebt, nach der psychologische Therapie hilfreich sein und die Lebensqualit├Ąt wieder erh├Âhen k├Ânnte – etwa 20% davon allein in einem einzigen Jahr. Aber in einem bestimmten Jahr werden nur von etwa 10% der Menschen, die von Therapie profitieren k├Ânnten, professionelle Hilfe gesucht

“Psychische Gesundheits-Dienstleistungen werden deutlich zu wenig genutzt, und das damit verbundene kulturelle Stigma ist daf├╝r ein Mitgrund”, so Vogel. “Und diese Studie legt nahe, dass diese kulturelle Stigmatisierung teils wegen der Art und Weise besteht, in der Therapeuten und ihre Patienten im Fernsehen dargestellt werden.”

(frei ├╝bersetzt vom Originalartikel “TV Portrayals Of Mental Health Professionals Make Audiences Less Likely To Seek Psychological Services Themselves” auf Science Daily, issue 2008-05-01)

Hinweis: auf dieser Seite hier auf der Website finden Sie eine regelm├Ą├čig erg├Ąnzte Sammlung von Filmen (basierend aus dem Empfehlungen im Psychotherapie-Forum) zum Thema Psychologie, Psychotherapie und Spiritualit├Ąt.

Mar 23

Einmal etwas ganz anderes hier im Blog – ein Buchtipp. Aus gutem Grund..

Jens Johler: “Kritik der m├Ârderischen Vernunft”

Dieses Buch klang nicht nur von der Thematik her interessant, bewogen hat mich in der speziellen Situation, als ich es kaufte, auch sein geringer Preis: nur 9,95 (bei Amazon online) …: “da kann nicht viel verhaut sein, wenn es sein Leben in meinem Warteregal aushaucht” dachte ich mir spontan ­čśÄ Der Buchtitel mag manchen BesucherInnen meiner Website “irgendwie bekannt” vorkommen, und tats├Ąchlich: einer der Hauptakteure im Buch nennt sich “Kant” – allerdings hat er es sich anscheinend zum Ziel gesetzt, die f├╝hrenden Hirnforscher Deutschlands zu ermorden. Warum er das will, erschlie├čt sich bald einem Wissenschaftsjournalisten, der vom M├Ârder pers├Ânlich kontaktiert wird: Kant sieht den freien Willen des Menschen durch die Hirnforschung bedroht ÔÇô und will weitert├Âten, um ihn zu bewahren. Je mehr sich Troller, der Journalist, aber mit den Thesen und Zielen befa├čt, die die attackierten Hirnforscher mit ihrer Forschung verbinden, umso mehr sieht er sich in einem Gewissenskonflikt gefangen …

Das Lesen dieses “Wissenschafts-Krimis” ist nicht nur sprachlich packend, sondern vor allem auch inhaltlich. Seine Hintergr├╝nde sind sehr gut recherchiert und quasi im Vorbeigehen werden manche der zahlreichen ethischen und philosophischen Fragen, die durch die (realen oder zu bef├╝rchtenden) Konsequenzen der Hirnforschung aufgeworfen werden, angesprochen. Auf bemerkenswerte Weise werden auch die Querverbindungen zwischen einer immer st├Ąrker an Kontrolle interessierten Politik, den sich dadurch auftuenden Gewinnm├Âglichkeiten bestimmter Medizin-, Forschungs- und Industriezweige und die damit verbundene Vermarktungsmaschinerie, welche den Blick der B├╝rger genau auf jene Aspekte der einschl├Ągigen Forschung lenkt, die ihren Interessen entspricht, moralische Grunds├Ątze aber solange aush├Âhlt, bis von diesen nichts mehr ├╝brig bleibt, aufgezeigt. Dieses Buch ist f├╝r jeden, der an Philosophie, Ethik, Medizin, Pharmaindustrie, und den Perspektiven der modernen Hirnforschung interessiert ist, sicherlich ein gro├čes – wenn auch teils beklemmendes und sehr nachdenklich machendes – Lesevergn├╝gen.

Dec 30

Im Psychotherapie – Diskussionsforum meiner Website verwies ein Diskussionsteilnehmer k├╝rzlich auf ein Interview auf kath.net, in dem der Autor Manfred L├╝tz (welcher auch Facharzt f├╝r Nervenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie ist) mit folgenden Aussagen zitiert wird:

“Seelsorge ist viel mehr als Psychotherapie! Sie ist eine existenzielle Beziehung zwischen zwei Menschen. Dagegen ist die Beziehung zwischen Therapeut und Patient eine zweckgerichtete Beziehung auf Zeit f├╝r Geld. Doch den Sinn des Lebens gibt es nicht auf Zeit f├╝r Geld.

L├╝tz: [Der Seelsorger] darf von sich erz├Ąhlen und er darf sagen: “Ich bete f├╝r dich, vertrau auf Jesus Christus!” ÔÇô er darf also ├╝ber die wirklich wichtigen Dinge reden.

kath.net: Sie d├╝rfen das nicht?

L├╝tz: Nein!

kath.net: Warum nicht?

L├╝tz: Weil dann die Gefahr besteht, dass ich einen Menschen manipuliere. Wenn ich einem Menschen mit den Methoden der Wissenschaft aus der Depression geholfen habe, dann habe ich f├╝r ihn nat├╝rlich eine hohe Autorit├Ąt.
Und wenn ich diese Autorit├Ąt dazu missbrauche, diesem Menschen den Glauben aufzun├Âtigen, dann trete ich ihm zu nahe. Die Glaubensentscheidung ist eine freie Entscheidung. Es ist mir wichtig, dass es an unserem Krankenhaus gute Seelsorger gibt, die die Patienten existenziell begleiten. Und wer eine schwere psychische Krise ├╝berwunden hat, der stellt sich oft tiefere Fragen als die oberfl├Ąchlich pl├Ątschernden unheilbar Normalen.

Provozierend gesagt: Der Seelsorger kann echt sein, w├Ąhrend ich als Therapeut letztlich k├╝nstlich bin, da ich in der Therapie methodisch mit Menschen rede.”

Ich habe das Interview auch abseits der zitierten Textpassagen gelesen, und so interessant manche der dort vertretenen Gedanken zu lesen waren, so unbehaglich f├╝hlte ich mich beim Lesen anderer – u.a. bei den oben zitierten, speziell auch was seine (immerhin als prominenter Facharzt ge├Ąu├čerten) hemds├Ąrmeligen “Krankheits”-Definitionen sowie sein Verst├Ąndnis von “Echtheit” (was auch immer er in diesem Kontext damit meinen mag) im Feld psychosozialer Beratung und Therapie betrifft. Zumindest f├╝r mich m├Âchte ich bittesch├Ân in Anspruch nehmen, ebenfalls “echt” zu sein, wenn ich mit Klientinnen und Klienten spreche. Zur in Nebens├Ątzen mitvermittelten Botschaft, da├č kirchliche Instutionen ohne Gegenleistung (gewisserma├čen selbstlos) agieren w├╝rden und nur am “ewigen” Wohl ihrer Klientel interessiert w├Ąren, kann bei mit der aktuellen und historischen Kirchengeschichte auch nur halbwegs Vertrauten nur Stirnrunzeln erzeugen.

Bild: Canisius.at

Zur Fragestellung selbst: ich halte es f├╝r gut und wichtig, wenn gerade Menschen in einer Krisensituation wissen, was sie in einem Beratungs- oder Therapiekontext erwarten k├Ânnen.
Seelsorger, M├Ânche usw. k├Ânnen beraterisch ├Ąu├čerst gut ausgebildete und einf├╝hlsame sowie hinsichtlich des Einflusses ihrer jeweiligen Religion sehr neutrale Helfer sein – das Problem ist lediglich, da├č einem als Hilfesuchender das “package“, das ihn bei der jeweiligen Person erwartet, zun├Ąchst einmal ja unbekannt ist, wenn man sich ihr in einer extrem heiklen und verwundbaren Lebenslage anvertraut.
Bei Psychotherapie dagegen ist es so, da├č das Setting und viele Grenzziehungen methodisch und gesetzlich recht klar abgesteckt sind – i.d.R. wei├č man als Klient also, was einen dort erwartet.
Unr├╝hmliche Ausnahmen (Seelsorger, die letztlich mehr oder weniger subtil indoktrinieren, oder aufgrund eigener psychischer Schw├Ąchen ├╝bergriffige Therapeuten) gibt es in beiden Bereichen.

Nun wage ich zu behaupten, da├č bei den ├╝berwiegend meisten psychischen St├Ârungen und Erkrankungen (im Sinne des ICD-10) Psychotherapie allein “durchaus gut” ­čśë weiterhelfen kann – f├╝r den entsprechenden seelischen Heilungsprozess ist also keinerlei religi├Âser Glaube erforderlich (was Psychotherapie f├╝r Religionen ├╝brigens immer schon zu einer nat├╝rlichen und potenziell gef├Ąhrlichen Konkurrenz machte). Auf das lt. L├╝tz “wirklich Wichtige” (wof├╝r? und f├╝r wen?), n├Ąmlich das zitierte “Ich bete f├╝r dich, vertrau auf Jesus Christus!” kann man insofern verzichten – solang es “nur” um psychische Heilung und Gesundung geht.

Anders verh├Ąlt es sich, wenn man spirituellen (religi├Âsen) Beistand auf der Basis der eigenen spirituellen (religi├Âsen) Grund├╝berzeugungen sucht oder schlicht Zuspruch, menschliche W├Ąrme. Da kann Seelsorge, wie ich meine, Gro├čes leisten – etwas, auf das Menschen, die dasselbe im Grunde in einer Therapie suchen, verzichten m├╝ssen (und davon dann mitunter, wie man ja auch hier im Psychotherapie-Forum immer wieder lesen kann, entt├Ąuscht sind). Der Seelsorger kann es sich aufgrund seiner weitgehend frei durch ihn selbst interpretierbaren Rolle leisten, Hilfesuchenden emotional und vielleicht auch k├Ârperlich sehr nahe zu kommen, ihnen auch nahezu Beliebiges z.B. ├╝ber den Nutzen von Gebeten an Jesus Christus oder Schutzheilige zu erz├Ąhlen – teils also auf eine Weise zu agieren, die f├╝r einen professionellen Psychotherapeuten einer Verletzung der Berufspflichten gleichk├Ąme. Aus demselben Grunde sind mir, wie ich nicht m├╝de werde, zu betonen, umgekehrt auch PsychotherapeutInnen suspekt, die die anerkannte Heilmethode Psychotherapie in der Praxis freiz├╝gigst (und unn├Âtigerweise!) mit Esoterik oder Religion vermanschen.

Die Thematik halte ich f├╝r insgesamt sehr spannend – und f├╝r wichtig, da ich absolut von der Wichtigkeit klarer Rahmenbedingungen ├╝berzeugt bin. Unter den folgenden zwei Links finden sich weitere ├ťberlegungen und Analysen zur Thematik – dieser Text befa├čt sich mit Spiritualisierungstrends in der Psychotherapie und Therapeutisierungstrends in der christlichen Seelsorge, U. Rauchfleischs’ Buch “Wer sorgt f├╝r die Seele?: Grenzg├Ąnge zwischen Psychotherapie und Seelsorge” befa├čt sich mit den Problemen und Fragestellungen, die ich oben angerissen habe, jedoch naturgem├Ą├č noch weitaus genauer, und versucht abzurei├čen, wie ein konstruktives Miteinander von Psychotherapie und Seelsorge aussehen kann.

In diesem Fall pers├Ânlich das “Therapeutenk├Ąppi” tragend kann ich nur sagen, da├č ich die Auseinandersetzung mit spirituellen Fragestellungen im Leben f├╝r ├Ąu├čerst bereichernd und wichtig halte – insofern haben diese nat├╝rlich auch (ebenso wie z.B. Fragen der Sexualit├Ąt) Raum in einer Psychotherapie zu bekommen, sofern TherapeutIn und KlientIn sich wohl damit f├╝hlen, sich mit diesem Bereich gemeinsam dialogisch auseinanderzusetzen! Allerdings ist mir daf├╝r der Arbeitstitel “Spiritualit├Ąt” wichtig – welchen religi├Âsen ├ťberzeugungen jemand nahesteht (oder nicht) ist f├╝r mich da eigentlich zweitrangig, solange der Rahmen f├╝r das Gespr├Ąch offen und der Therapeut neutral genug ist (nur dann oder andererseits bei sehr ├Ąhnlichen religi├Âsen Grund├╝berzeugungen hielte ich es f├╝r vertretbar, sich diesen in einer Therapie zu widmen). Das ist gleichzeitig auch noch ein weiterer klarer Unterschied zur Seelsorge, die ja letztendlich immer vor dem Hintergrund der jeweiligen Religion des Anbieters stattfindet – ob dies der jeweilige Seelsorger, Rabbi, M├Ânch oder Imam sich selbst oder den sich ihm Anvertrauenden eingestehen mag oder nicht…

(Das zitierte Interview zum Nachlesen: “Das B├Âse ist Therapeuten nicht zug├Ąnglich“, in: kath.net, 12/2009; Bildquellen: GoYellow.de, Canisius.at)

Oct 13

Photo src: verslavingsblog.nl

Zur Vermeidung von “schiefer Optik”, wenn nicht gar von Korruptionsvorw├╝rfen, mit dem Ziel unbedingter Achtung der Interessen der Kranken und strengster Schweigepflicht bei gleichzeitiger M├Âglichkeit zur Zusammenarbeit von Behandlern in Teams – die ├ľsterreichische Gesellschaft f├╝r Psychiatrie und Psychotherapie hat vor kurzem einen von einem Expertengremium formulierten “Verhaltenskodex f├╝r Psychiater” verabschiedet.

Selbstbestimmungsrecht des Kranken

F├╝r die Patienten mit psychischen Leiden, die oft der Stigmatisierung und Diskriminierung ausgesetzt sind, ganz wichtig: “Jede psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung hat – wie alle medizinischen Interventionen – unter Wahrung der Menschenw├╝rde und unter Achtung der Pers├Ânlichkeit, des Willens und der Rechte der Patienten zu erfolgen. Das Selbstbestimmungsrecht des Kranken ist zu w├╝rdigen. Psychiater achten das Recht ihrer Patienten, den Arzt frei zu w├Ąhlen oder zu wechseln.”

Schweigepflicht

Besonders streng ist die Schweigepflicht formuliert: “Psychiater haben ├╝ber all das, was sie w├Ąhrend ihrer ├Ąrztlichen bzw. psychotherapeutischen T├Ątigkeit erfahren, auch ├╝ber den Tode des Patienten hinaus, zu schweigen, abgesehen von gesetzlich vorgesehenen Ausnahmen.” Auf der anderen Seite soll das nicht die Zusammenarbeit von Psychiatern und Psychotherapeuten und anderen ├ärzten untereinander behindern: “Wenn mehrere Psychiater und Psychotherapeuten bzw. ein interdisziplin├Ąres Team den Patienten behandeln, so sind sie untereinander von der Verschwiegenheitspflicht insofern befreit, als das Einverst├Ąndnis der Patienten vorliegt oder berechtigterweise angenommen werden kann.”

Einsicht in Krankenakten

Nat├╝rlich hat der Patient ein Recht auf seine Daten: “Psychiater haben Patienten auf deren Verlangen grunds├Ątzlich in sie betreffende Krankengeschichten Einsicht zu gew├Ąhren und gegen Kostenersatz Kopien anzufertigen.”

Verbindungen zur Pharmaindustrie

Schlie├člich sind in dem von Christoph Stupp├Ąck (MedUni Salzburg), Hartmann Hinterhuber (MedUni Innsbruck), Michael Lehofer (Landesnervenklinik Graz) und Helmuth Ofner (Juridische Fakult├Ąt Uni Wien) formulierten Verhaltenskodex auch die Verbindungen zur Pharmaindustrie geregelt: Jede “Pharmastudie” muss einer Ethikkommission vorgelegt werden, f├╝r Leistungen an die Industrie d├╝rfen Honorare “die Grenze der Angemessenheit nicht ├╝bersteigen”. Der Dienstgeber muss ├╝ber solche Vertr├Ąge Bescheid wissen. Bei Fortbildungsveranstaltungen ist der Sponsor offen zu legen. Kongresseinladungen d├╝rfen nur mit einem angemessenen Kostenersatz verbunden sein. Werbegeschenke d├╝rfen bestenfalls angenommen werden, wenn ihr Wert geringf├╝gig ist.

Hinweis R.L.Fellner: F├╝r den Berufsstand der Psychotherapeuten existiert in ├ľsterreich seit 1990 das Psychotherapiegesetz (PThG), seit 2002 sind auch umfassende und detaillierte Ethik-Richtlinien festgelegt.

(Quelle: Der Standard, 10/2008)

´╗┐25.06.19